Avoiding the blame game

Alexander Mercouris liefert in seinem heutigen Beitrag eine plausible Erklärung zu der Überschreitung der nächsten roten Linie (Lieferung von Kampfpanzern an das Kiewer Regime) durch den NATO-Block:

Die militärische Situation und die sich abzeichnende unabwendbare Niederlage der ukrainischen NATO-Stellvertreterarmee wird immer deutlicher – so sehr, das inzwischen sogar in der explizit pro-ukrainischen Medienlandschaft des Westens vermehrt Kommentare und Berichte erscheinen, die ein düsteres Bild der ukrainischen Aussichten in dem Abnutzungskrieg zeichnen, den Russland der NATO bzw. ihren ukrainisch bemannten Truppen aufzwingt.

Die Lieferung von Kampfpanzern, die vor kurzem noch ausgeschlossen wurde, ist ein Ausdruck des um sich greifenden unwilligen Realismus im kollektiven Westens: so soll verhindert werden, den unausweichlich bevorstehenden Schuldzuweisungen („the blame game“) für die kommende Niederlage zum Opfer zu fallen.

Dass zwischen der jetzt erfolgten Zusage der Panzerlieferungen und der Auslieferung an die Ukraine (gar nicht zu reden vom tatsächlichen Erscheinen der Leopards oder Abrams auf dem Schlachtfeld im Donbas) nach übereinstimmenden Meldungen eine Zeit von mehreren Monaten bis zu einem Jahr vergehen wird, scheint für diese Annahme zu sprechen.

Neulich, im wertewestlichen Komödienstadl

Der NATO-Block (liefert Kriegsgerät von Kampfflugzeugen über Mehrfach-Raketenwerfer bis hin zur letzten Patrone an die Ukraine; bildet zehntausendfach ukrainische Truppen aus und hat tausende von „Beratern“ vor Ort; versorgt die ukrainische Armee mit Spionagedaten, Satellitenaufklärung über russische Truppenbewegungen, Zielerfassung von Angriffszielen; bezahlt den gesamten ukrainischen Staatsapparat)

„Wir sind nicht in den Krieg in der Ukraine involviert! Schwör! Wir helfen bloß der Ukraine gegen die russische Invasion! Ehrlich!“

Auch der NATO-Block (vermutet, dass der Iran Russland Drohnen liefert):

„Die sind in den Krieg involviert!! Na wartet!! Ihr werdet SANKTIONIERT!!!“

Interessanter Einblick in Risse innerhalb des westlichen Blocks


Letztlich sind’s eben alles Imperialisten, die sich – wenn’s um den eigenen nationalen Kapitalstandort und dessen ausgreifende globale Interessen geht – untereinander spinnefeind sind. Auch der gemeinsame Feind Russland/China scheint sie nicht mehr unbedingt zu einen; hier wird sogar schon der Haupt-„Partner“ als Hauptfeind ausgemacht.

Der kollektive Westen, NATO und EU werden sich im Laufe dieses Zersetzungsprozesses wenn nicht auflösen, dann vermutlich soweit funktionsuntüchtig werden, dass sie nicht mehr in der Lage sind, so verheerenden Schaden anzurichten wie sie es derzeit noch tun. Hoffentlich.

🇫🇷 Die französische Geheimdienst Community nennt die USA als Frankreichs Hauptfeind!

In einem Bericht mit dem Titel “Wer ist der Feind?”, der diese Woche veröffentlicht wurde, wird beschrieben, dass die USA und das Vereinigte Königreich eine “Kriegsmaschinerie” aufgebaut haben, die darauf abzielt, die französischen Interessen zugunsten der Vereinigten Staaten zu untergraben.

Als Beispiele werden die Angriffe gegen Alstom, die Naval Group oder gegen das französische Kino genannt.

In dem Dossier wird auch China/Russland erwähnt, allerdings als zweitrangiges Problem im Vergleich zur US-Bedrohung.

Auch das mit dem Bericht veröffentlichte Video ist sehr anschaulich: Frankreich scheint in der Energiekrise zu stecken, während Schwab und Macron (mit einer US-amerikanischen “Young Leaders”-Anstecknadel) sagen, dass “alles in Ordnung” sei.

Der 100-seitige Bericht wurde von einer Universität namens Economic Warfare School veröffentlicht, die für ihre Nähe zu den Geheimdiensten und für die Ausbildung von Führungskräften der Spionageabwehr in großen französischen Unternehmen bekannt ist.

Es gibt immer noch Leute in der französischen Elite, die erkennen, dass die USA der größte Feind der Multipolarität und damit Frankreichs sind.“

Quelle: https://t.me/s/intelslava

Die Herren über den Kapitalstandort haben unter Zustimmung der Beherrschten beschlossen, den Weg in den Krieg gegen Russland bis zum Ende zu gehen

Sie stolpern da nicht rein, sondern marschieren schon eher, die Reihen fest geschlossen.

Wir paar, die das sehen und nicht nur wissen, was vermutlich kommt, sondern auch, was die seltsame Kombination aus Gehorsamkeit gegenüber der Herrschaft und Unkenntnis über Demokratie als perfekte Form bürgerlicher Herrschaft damit zu tun hat, können uns auch nicht mit dem Zwei-Wochen-Vorrat im Keller darüber trösten, dass die Herren über den Kapitalstandort unter Zustimmung der Beherrschten beschlossen haben, den Weg in den Krieg gegen Russland bis zum Ende zu gehen.

Hoffnungslosigkeit als Kampfposition? Oder alle Energien mobilisieren, um angesichts dieser erquicklichem Entwicklung nicht depressiv, suizidal oder schlicht verrückt zu werden?

Drogen her!

Das Verblödungsdatum steht an: Vollzug des Anschlusses der DDR als freudige Einheitsfeier, aber die Verdammung des Unrechtsstaates lässt an Schärfe noch zu wünschen übrig

Wer beim Autofahren standardmäßig WDR3 hört (der einzige Nicht-Dudelfunk mit einer gediegenen Auswahl an klassischer, elektronischer und Jazz-Musik) kommt dann aber auch nicht um die zwischen die Musik gestreuten Textbeiträge und Interviews herum. Heute morgen ein Gespräch mit Ines Geipel, früher Sportlerin in der DDR, heutzutage Professorin im Westen. Die Dame, offensichtlich ein professionelles Opfer, beschwert sich darüber, dass die „drei Millionen Opfer” der DDR zu wenig oder keine Beachtung mehr finden würden im öffentlichen Diskurs des neuen, nun schon 30-jährigen Großdeutschlands. Der beflissene Moderator erklärt gleich, um welche Art Opfer es sich bei dieser sagenhaften Zahl handelt: Häftlinge in den Gefängnissen, im GULAG (!), Opfer von Zwangsadoptionen und Zwangsdoping… Man wundert sich bei soviel Opfertum, dass nicht gleich eine Zahl von 17 Millionen herausgekommen ist, denn waren nicht schon die kleinen in den Kinderkrippen irgendwie Opfer?

Frau Geipel beklagt dann noch die Einstellung „der Ostdeutschen“, dass die Stasi immerhin keinen Holocaust veranstaltet hätte und demnach „nicht alles nur schlecht“ gewesen sei – sogar die jüngere Generation im Annektionsgebiet sei derartig lax im Umgang mit der Vergangenheit des Unrechtsstaates!

Jedenfalls ist die schwer opferbesessene Professorin nun erst richtig in Fahrt gekommen; als nächstes lamentiert sie über das Versäumnis der „Diktatur“ da drüben, den Holocaust und „die erste deutsche Diktatur“ aufgearbeitet zu haben. Nicht nur nicht aufgearbeitet, verschwiegen hätten die DDR-Machthaber dieses dunkle Kapitel. Wie es überhaupt Zeit wäre, „beide Diktaturen“ in einen geschichtlichen Zusammenhang zu stellen und der Jugend von heute zu vermitteln, „was ein Jugendwerkhof“ war.

Normalerweise wechsle ich bei solch debilem antikommunistischer Unfug schnell den Sender; diesmal jedoch höre ich bis zum Schluss zu, weil ich das Gefühl habe, die akademische Hetzerin gibt den Duktus vor, nach dem gerade zum 30. Jahrestag der vollendeten Konterrevolution die offizielle Geschichte des Anschlusses und der Blick auf die DDR-Geschichte zu erfolgen hat.

Jedem Nachlassen in der Dämonisierung, Delegitimierung und beim Niedermachen des ersten Sozialismusversuches auf deutschem Boden soll entschieden begegnet werden, nämlich durch noch mehr Umdefinition der Geschichte im Sinne der kapitalistischen Sieger des Kalten Krieges, durch unermüdliche Lügen über „Opfer“ der „SED-Diktatur“ (Lügen, die Lügen bleiben, auch wenn es in der DDR unbestritten kritikwürdige bürokratische Gemeinheiten und Fehler gab).

Ich deute die absurde Horrorerzählung der Frau als gutes Zeichen – dafür, dass der Bedarf nach ideologischer Aufrüstung und Verstärkung der anti-sozialistischen Propaganda der bürgerlichen Herrschaft größer wird. Dass sich dafür allemal genügend Intellektuelle und gutdosierte Akademiker finden, die sich diese Märchen als höchst eigene Meinung zugute halten, ist eh keine Frage.

Forscher ratlos

Der „Spiegel“, das Fachblatt für Soziologie und Volkskunde, macht sich Gedanken über den Niedergang der Lebenserwartung im Mutterland von Freiheitundmarktwirtschaft.

Dort sterben die Leute immer früher, nehmen Drogen wie nichts Gutes, selbstmorden sich massenhaft aus dem Reich der Freiheit, das zu bewohnen sie das Glück haben – lauter schwer erklärbare Rätsel also, deren Ergründung den einschlägigen Forschern viel Gelegenheit zum Grübeln und wissenschaftlichen Arbeiten gibt.

Dass die schwerbewaffnete US-„Zivilgesellschaft“ sich zu erheblichen Teilen nicht bewährt im Konkurrenzkampf um ALLES in der besten aller Welten; dass sie diesen gar nicht als lauter Chancen und Gelegenheiten nimmt, sondern an seiner unerbittlichen Absortierung des Menschenmaterials in kapitalverwertungstauglich oder nicht irre wird: das ist dann gleich schon wieder ein individuelles Problem, dessen sich eine andere Gruppe Forscher annehmen darf und wird.

In weiteren Meldungen:

*** Rätselhaftes Massensterben in Schlachthöfen: Forscher ergründen Todesfälle unter Schweinen und Rindern ***

*** Merkwürdige Fallsucht von Dingen Richtung Boden: Forscher perplex über Schwerkraftphänomen ***

*** Während es in vielen Ländern häufig regnet, bleibt in Sahara und Gobi im dritten Jahr in Folge der Regen aus: Forscher ratlos ***

Praktische Lebensberatung vom Finanz-Fachblatt aus Hamburg

Endlich wieder praktische Lebensberatung vom Finanz-Fachblatt aus Hamburg. Das hat nämlich festgestellt, dass das Geldproblem vieler Leute nicht daran liegt, dass sie zu wenig davon HABEN (weil sie z.B. das Pech haben, (Niedrig-)Lohnarbeiter zu sein).

Nein, sie können einfach nicht mit der wertvollen Ressource Geld UMGEHEN! Da die Natur diesen Rohstoff nun mal ungleichmäßig verteilt (wie beim Regen oder Sonnenschein), müssen die Minderbemittelten nur lernen, mit dem bisschen was sie haben, AUSZUKOMMEN!!

Sie „tun sich schwer im Umgang mit Geld“, weiß der Experte – und wer kennt es nicht: man möchte ja so gerne kameradschaftlich, vorurteilsfrei und tolerant sein, wenn’s ans Bezahlen geht, nur um dann doch wieder zu Hadern mit dem (Nicht-)Loslassen-können, der Anhänglichkeit an die bunten Scheinchen und der Angst vor Enttäuschung und Trennungsschmerz.

Menschlich-allzumenschliche Problemlagen also, und dafür gibt’s natürlich Ratschläge vom Geldpsychologen, der weiß: „das kann man ändern“!

Praktischerweise ist der Beitrag hinter der „Spiegel+“ Paywall versteckt, aber in diesem Fall fällt es gar nicht „schwer“, die weiteren Folgen dieser wunderschönen Lebenshilfe-Serie zu erraten:

*** So lernen Sie, Ihrem Chef zu gehorchen ***

*** Warum denn immer satt zu essen? Fasten ist das neue Schlemmen! ***

*** Wenn’s für die Miete nicht reicht: So lernen Sie, wie man die besten Plätze unter der Brücke erkennt und sichert***

Bolivia, Morales

Evo Morales wird offiziell von der bürgerlichen Hofpresse zum „Machthaber“ heruntergestuft – in diesen Kreisen die Bezeichnung für diejenigen Regierungschefs, die sich den imperialen Interessen des Wertewestens in irgendeiner Weise entgegenstellen.

Indem sie zum Beispiel auf unserem Lithium oder Öl sitzen; Bodenschätze, die zufällig in der Erde des dummerweise von ihnen regierten Territoriums liegen, die aber natürlich bloß deswegen nicht unserem strategischen Zugriff entzogen werden dürfen.

Die Bezeichnung „Machthaber“, andrerseits, verbietet sich selbstverständlich z.B. für Regierende wie den chilenischen Millionär-wird-Präsident Piñera oder den brasilianischen Faschisten Bolsonaro, die in UNSEREM Auftrag und Interesse für den reibungslosen Verlauf von Geschäft und Gewalt sorgen.

So nimmt alles seinen korrekten Lauf und das Gute daran ist, dass bei der Vermittlung dieser Fakten jeder Journalist im Reich der Freiheit ganz genau weiß, was er wie zu schreiben hat, damit die Botschaft auch ankommt beim Publikum, welches aus sentimentalem Gerechtigkeitswahn mitunter nicht verstehen will, wie vorzüglich demokratisch und wachstumsfördernd die Affairen der Welt geordnet sind.

Kapitalismus als Religion

Die Anbetung des Privateigentums ist die ultima ratio dieses Kultes und als solche zum unerbittlichen Sachzwang des Überlebens gemacht worden.

Die Priester und das Fußvolk dieses Glaubens sprechen gerne von dem Fortschritt und unermesslichen Reichtums, den ihr Bekenntnis einem fiktiven Subjekt namens „der Menschheit“ gebracht hätte, schweigen aber über das sehr messbare Elend bei Millionen konkreter Menschen, das der Preis dieses Reichtums ist.

Die Preisgabe von Würde und die Versklavung an das sakrosankte Credo des Privateigentums wird in den heiligen Schriften dieser Religion – den Verfassungen, Gesetzestexten und volkswirtschaftlichen Lehrbüchern – als Freiheit und Menschenwürde gepredigt.

Inzwischen ist die Erniedrigung des kollektiven und individuellen Bewusstseins durch den Kult des Privateigentums so weit gediehen, dass bis auf wenige Ausnahmen nicht nur die gesamte Welt seinem Diktat unterworfen ist, sondern reiche Individuen von Würdenträgern (Standortpolitiker, Hofschreiber, Sachverständige) der kapitalistischen Religion servil und devot umworben werden, wenn und damit sie geruhen, die Mehrung ihres Privateigentums in einer bestimmten Region stattfinden zu lassen.