Theaterprobe und Uraufführung: kommunistisches Lob des Absurden


Dichtet, musiziert und malt!
Auch wenn keiner euch bezahlt!
Tanzt und sprecht und deklamiert
was auf der Seele euch pressiert!
Selbst wenn die Kunst ganz brotlos ist –
Alles andre ist doch Mist!

Macht in der Welt der Konkurrenz
euch lieber einen faulen Lenz
mit Zeit und Raum für das Absurde.
Ich sage euch: Nur damit wurde
und wird in euch die Einsicht reifen
durch die wir diese Welt begreifen:

Nämlich als die Theaterprobe
fürs Primitive und fürs Grobe,
in der die Menschen ausprobieren –
nicht sehr verschieden von den Tieren –
ein Dasein, das erbärmlich ist,
wo einer stets den andern frisst.

Die Uraufführung kommt erst dann
wenn jede Frau und jeder Mann
die Muße hat und freie Zeit
für künstlerischen Zeitvertreib.
Wenn selbst die Arbeit, die man braucht,
von jener Art ist, die nicht schlaucht.

Der Kampf um Obdach, Lohn und Brot 
bringt manchen Reichtum, andren Not. 
Die „andren“ sind die große Masse. 
Doch bilden sie vereint die Klasse,
die diese Mühsal stoppen kann
und Freiheit bringt dem Arbeitsmann.

Das ist absurd! rufst du mit Runzelstirn.
Ich hätt’ vom Leben keinen Dunst!
Genau! Lass das Absurde dir in‘s Hirn
und widme dich erst mal der Kunst!

Familiäre Träume

Letzte Nacht im Traum musste ich unsere Mutter über eine Bahnlinie, deren Schranke ständig unten war, in das Haus in der Heinrich-Hertz-Straße bringen.

Die Fahrt mit ihr hinten auf dem Gepäckträger war anstrengend, aber sie war gut gelaunt und genoß die Fahrt.

In der Heinrich-Hertz-Straße 40 lag alles brach, obwohl Familienmitglieder teilweise das Haus noch bewohnten, oder zumindest dort übernachteten. Die Küche unten links vom Eingang war groß und vernachlässigt, überall lagen Lebensmittel und Geschirr rum, Schubladen und Schränke waren mit Vorräten vollgestopft.

Erkennbarerweise hatte sich lange Zeit niemand um Ordnung und Sauberkeit gekümmert. Ich ahnte, wie sehr der Anblick Lilo mitnehmen würde und wollte ihr irgendetwas Beschwichtigendes sagen, aber als ich mich zu ihr umdrehte, war sie verschwunden.


Ich muss dazu sagen, dass dies vielleicht das zweite oder dritte Mal usw, dass sie mir nach ihrem Tod vor fast zwanzig Jahren im Traum erschienen ist. Unser Vater dagegen ist mir ein häufiger Begleiter und Ratgeber in dem Zwischenzustand, den Menschen „träumen“ nennen.