Ein Bernd Haake (mir bislang unbekannt) schreibt auf X diesen (längeren) Text.
Dass Geld „der neue Gott“ sei, wie er schreibt, bezweifle ich, denn Geld und dessen Vermehrung war schon von alters her der zentrale Götze der Spezies. Solche esoterischen Verallgemeinerungen sind allerdings ohnehin nicht tauglich für ein Verständnis der politischen Ökonomie einer gegebenen Gesellschaft.
Ansonsten aber ein recht lesenswerter Beitrag.
SYSTEMFEHLER:
Unbeirrt wird im ausgehenden Kapitalismus an der Erzählung der grenzenlos möglichen Geldvermehrung, unabhängig von irgendwelchen realen Werten, festgehalten.
Der gegenwärtige, irrsinnige Börsen Hype wird damit beschrieben und begründet, dass „die Zukunft“ gehandelt werde.
Gelddruckmaschinen laufen sinnbildlich heiß. Kredite werden mit Krediten bezahlt. Schuldenstände der Industrienationen, insbesondere der USA, erreichen astronomische Höhen.
Jetzt erweitert Trump die Finanzblase, das Schneeballsystem dadurch, dass Gewinne aus rein spekulativem Krypto-Währungs-Handel steuerfrei bleiben sollen. Um dieses Krypto-Geld zu erzeugen, verschwendet man sinnfrei Unmengen an Energie.
Das Phantasie Geld System insgesamt müsste augenblicklich zusammenbrechen, würden zu Viele gleichzeitig auf Rückzahlung ihrer Einlagen und/oder Kredite bestehen; würden vermehrt Ordentliche Buchhalter Bilanzen von „Finanzdienstleistern“ und Konzernen einmal eigenmächtig genauer durchforsten, und auf Werthaltigkeit und Sicherheit überprüfen.
Das schier endlose Spielgeld landet selbstverständlich vorrangig in den Händen der Superreichen, der Upperclass, der angeblichen „Leistungsträger“. Dies würde sicherstellen, dass das niedere Volk stets genug nach unten durchrieselnde Krümel zum Erhalt seiner Arbeitskraft zur Verfügung hätte. Groteske, durch nichts begründete Vermögensungleichheiten werden als Gott gegeben angesehen.
Die entstandene Finanzoligarchie zieht logischerweise längst alle Fäden in der sogenannten „Liberalen Demokratie“. In dieser Scheindemokratie geben die Menschen alle 4 oder 5 Jahre ihre Stimme im wahrsten Sinne des Wortes an sogenannte „Repräsentanten“ ab. Die sind abhängig, oft korrumpiert von der besitzenden Klasse und handeln entsprechend.
Die beschriebene, finanzbasierte Ordnung funktioniert genau so lange, wie die Menschen daran glauben. Deshalb veranstalten Banken in den Schulen Kurse wie „Die Broker von morgen“. Deswegen schwurbeln Börsenberichterstatter vor den Hauptnachrichten, von einer „Finanzbildung“, die es gelte auszuweiten.
Um den Schein der Sinnhaftigkeit und irgendeinen Bezug zur Realwirtschaft zu wahren, wird Überfluss und Wegwerfware produziert, was das Zeug hält. Neu erschaffene Dinge werden teilweise gleich im Anschluss wieder vernichtet. (Von den „kostenlosen“ Rücksendungen, die arme Kurier Sklaven wieder mit ins Lager bringen, ganz abgesehen.) Würden alle Menschen so verschwenderisch leben wollen, wie die in den „reichen“ Industrieländern, bräuchten wir drei bis vier Erdbälle.
Wenn gar nichts mehr hilft, werden Kriege inszeniert, die den Militärisch-Industriellen Komplex am Laufen halten, und im Anschluss fette Profite beim Wiederaufbau generieren.
Geld ist der neue Gott. Der Tanz ums Goldene Kalb wird immer exzessiver. Banker, Börsen Broker, Fondsverwalter sehen sich öffentlich als „gottgleich“.
Kommt es zum Absturz, zum Crash, werden die Findigen, die Insider durch den Staat, also die Bürger, gerettet und machen genauso weiter, bzw. beginnen von vorn (Lehman Pleite). In der nun anbrechenden Trump Ära ist von einer weitgehenden Deregulierung der „Finanzmärkte“ auszugehen.
Diese Zustände sollen den „Endpunkt der Geschichte“ darstellen, an dem es nichts Wesentliches mehr zu verbessern gebe. Von klein auf wird das den Menschen, durch Kapital hörige Medien eingeimpft. Jeder Gedanke daran, dass eine andere Organisation der gesellschaftlichen Arbeit als abhängige Beschäftigung möglich ist, wird unterdrückt und unter Umständen vom Geheimdienst verfolgt. (Wie die, auf Klassenstrukturen hinweisende, Tageszeitung „Junge Welt“)
Es ist bedauerlich dass sich ehemals aufrechte Kommunisten zu systemtreuen Sozialdemokraten wandeln, wie Sahra Wagenknecht; sich im Schosse des Kapitalismus einrichten, wie die Linken. Der Kapitalismus könne reformiert werden, ohne grundlegend an die Eigentumsfrage heranzugehen. Die Superreichen müssten nur ausreichend besteuert werden. Einige würden schließlich bereits ihre Vermögen an Stiftungen übertragen, dort die volle Kontrolle behalten und sich dann gnädig (steuersparend) als Wohltäter einbringen.
Die wirkliche Zeitenwende fand vor gut 30 Jahren statt. Sich im Aufbau befindliche sozialistische Gesellschaften mit Volkseigentum und all ihren Fehlern wurden vom reaktionären, längst überlebten Westen überrollt, und dann rigoros ausgemerzt. Abgelöst wurden sie von einer angeblichen Leistungsgesellschaft. In der hat permanente Gehirnwäsche nahezu gleichgeschalteter Systemmedien und Fehlbildung in den Schulen folgenden festen Glauben in die Gehirne eingepflanzt: „Ein jeder, der es nicht schaffe, sei ganz sicher selbst schuld daran. Er habe sich eben nicht genug angestrengt.“
Nun gut. Es ist nicht das erste Mal in der langen Geschichte des Menschen, dass er in einen Zweig der Evolution, in eine Sackgasse gerät, oder sich sogar zurückentwickelt.
Es besteht also Hoffnung; wenngleich die Rufe von Stephane Hessel „Empört Euch“, oder Mélenchon „Bringt das System zu Fall“ scheinbar ungehört verhallen….