

Wenn man morgens aufwacht und das Fenster eine Leinwand ist, auf der im Gegenlicht nur schwarze und weiße Flächen erkennbar sind, braucht das Gehirn eine Weile, um das Gesehene ein- und zuzuordnen.
Einige Sekunden langen erscheint das Schwarze als der Hintergrund, vor dem weiße Flächen erscheinen. In den Erinnerungsdatenbanken der Milliarden Gehirnzellen feuern einige synaptische Verbindungen noch „falsch“ oder quer und die Zuordnung zum Gelernten/Bekannten, die einem sonst die Orientierung in der Außenwelt ermöglicht, wird noch aufgebaut.
In diesem Zwischenzustand nimmt sich das Gehirn die Freiheit, wahllos irgendwelche Bilder, Assoziationen, Erinnerungsfetzen und Eindrücke hervorzuspülen, die es gespeichert hat.
Ich sehe einige Momente lang eine schwarze Unendlichkeit – den Weltraum – und riesige, merkwürdig flächige Sterne darin, begleitet von einem bizarren Soundtrack quietschender Töne in verschiedenen Variationen, den ich nach einer Weile als Vogelstimmen identifiziere. Gleichzeitig merke ich, dass ich in einem menschlichen Körper stecke, gerade aufgewacht bin und offensichtlich aus einem Fenster in Baumkronen schaue.
Der Song „Woken by noises“ der englischen Alternative-Rock-Band Ultimate Painting überlagert plötzlich das akustische Feld, aber schnell registriere ich, dass das Lied ausschließlich von mir gehört wird, weil es nur in meinem Kopf erklingt.
Ich bin also wach und muss einen weiteren Tag lang den Anforderungen an das Überleben als humanoider Organismus auf dem dritten Planeten des lokalen Sternsystems genügen. Eine neue Runde sozialer Rituale und weitgehend sinnloser Aktivitäten erwartet mich – und die Umwelt erwartet, dass auch die von mir bewohnte Körper-Geist-Einheit sich möglichst reibungslos den in dieser Welt geltenden Regeln anpasst.
Zum Glück gibt es diverse Hilfsmittel, die diese Anpassung vereinfachen. An erster Stelle zahlreiche auf den menschlichen Organismus wirkende stimulierende Substanzen. Ich ziehe mir einen Kaffee und bin für den Tag gerüstet.