Woken by noises

Der volle Baum ist leerer Raum

Wenn man morgens aufwacht und das Fenster eine Leinwand ist, auf der im Gegenlicht nur schwarze und weiße Flächen erkennbar sind, braucht das Gehirn eine Weile, um das Gesehene ein- und zuzuordnen.

Einige Sekunden langen erscheint das Schwarze als der Hintergrund, vor dem weiße Flächen erscheinen. In den Erinnerungsdatenbanken der Milliarden Gehirnzellen feuern einige synaptische Verbindungen noch „falsch“ oder quer und die Zuordnung zum Gelernten/Bekannten, die einem sonst die Orientierung in der Außenwelt ermöglicht, wird noch aufgebaut.

In diesem Zwischenzustand nimmt sich das Gehirn die Freiheit, wahllos irgendwelche Bilder, Assoziationen, Erinnerungsfetzen und Eindrücke hervorzuspülen, die es gespeichert hat.

Ich sehe einige Momente lang eine schwarze Unendlichkeit – den Weltraum – und riesige, merkwürdig flächige Sterne darin, begleitet von einem bizarren Soundtrack quietschender Töne in verschiedenen Variationen, den ich nach einer Weile als Vogelstimmen identifiziere. Gleichzeitig merke ich, dass ich in einem menschlichen Körper stecke, gerade aufgewacht bin und offensichtlich aus einem Fenster in Baumkronen schaue.

Der Song „Woken by noises“ der englischen Alternative-Rock-Band Ultimate Painting überlagert plötzlich das akustische Feld, aber schnell registriere ich, dass das Lied ausschließlich von mir gehört wird, weil es nur in meinem Kopf erklingt.

Ich bin also wach und muss einen weiteren Tag lang den Anforderungen an das Überleben als humanoider Organismus auf dem dritten Planeten des lokalen Sternsystems genügen. Eine neue Runde sozialer Rituale und weitgehend sinnloser Aktivitäten erwartet mich – und die Umwelt erwartet, dass auch die von mir bewohnte Körper-Geist-Einheit sich möglichst reibungslos den in dieser Welt geltenden Regeln anpasst.

Zum Glück gibt es diverse Hilfsmittel, die diese Anpassung vereinfachen. An erster Stelle zahlreiche auf den menschlichen Organismus wirkende stimulierende Substanzen. Ich ziehe mir einen Kaffee und bin für den Tag gerüstet.

Moskau: BRD-Botschafter wird frech und beschwört den deutschen Geist von 1941

Diesen Artikel von Gerd Ewen Ungar zu den aktuellen Provokationen des deutschen Botschafters in Russland, Alexander Graf Lambsdorff, teile ich hier, weil er ziemlich gut etwas auf den Punkt bringt.

Nämlich das, was an dem neuen Großdeutschland nicht nur die Russen wieder an jene Zeiten erinnert, die am 22. Juni 1941 für Russland und die Sowjetunion begannen, mit dem Sieg über den Hitlerfaschismus endeten – und die jetzt als bizarre, bunt-divers-demokratische Karikatur, im Kern aber unverändert, in Berlin wieder beschworen werden.

Die beispiellose Frechheit des russischen Botschafters der BRD in Moskau, die anmaßende Belehrungen, die dieser Vertreter des deutschen Imperialismus dem russischen und den anderen Völkern der früheren Sowjetunion aufdrängt (und das alles unter der Devise „Wr haben unsere Vergangenheit bewältigt und erzählen euch jetzt, wie sie wirklich war“), ist nicht einfach nur als ignorante Unverschämtheit und kontrafaktische Leugnung des ukrainischen Bandera-Faschismus abzutun, sondern steht symbolisch und symptomatisch für den Kurs der Bundesregierung auf erneuten Krieg gegen Russland, inklusive der hochmütigen Übermenschen-Arroganz des zivilisierten Abendländers, der dem bolschewistischen Steppenbewohner verdeutlicht, dass Deutschland angetreten ist, ihm seine Irrtümer auszubügeln.

Man muss nicht die Meinung von Gerd Ewen Ungar teilen, dass Deutschland bereits wieder faschistisch ist. Dass es aber mit seinem Krieg nach außen (in der Ukraine) und nach innen (gegen die Armen und generell gegen Abweichler von der offiziellen Regierungspropaganda), der sich in Zensur, Überwachung, Verfolgung abweichender Meinungen und beispielloser Aufrüstung ausdrückt, auf einem guten Weg dorthin ist, dürfte außer Zweifel stehen.

https://freedert.online/meinung/283908-deutscher-botschafter-provoziert-zum-jahrestag

Russland macht ernst

“Der Kelch der Geduld ist übergelaufen“

Sieht so aus, als ob der russische Geduldsfaden jetzt gerissen ist. Das russische Original des Satzes, der als „Dies hat das Maß des Erträglichen überschritten.“ übersetzt wurde, ist: „Всё это переполнило чашу терпения.” Wörtlich: „All das hat den Kelch der Geduld zum Überlaufen gebracht.” Das ist eine feststehende russische Redewendung, idiomatisch vergleichbar mit dem deutschen „das Fass zum Überlaufen bringen”.

Erklärung des russischen Außenministeriums zu Angriffen der bewaffneten Formationen des Kiewer Regimes auf die Zivilbevölkerung Russlands (25. Mai 2026)

Continue reading „Russland macht ernst“

„Wesenlose Phantastik“ und „abstoßende Bilder“: unsozialistisch (jedenfalls um 1950)!

„Ja. So war mir zumute; ich war kein Held, in keiner Beziehung. Habe keinen Widerstand geleistet, hatte gar nicht den Mut dazu. Ich wollte überleben, und ich wollte ein anständiger Mensch bleiben, auch unter diesen Bedingungen. Man verroht doch; das Unmoralische, das der Krieg dauernd hervorbringt, das wird einem doch dauernd aufgezwungen; dagegen muss man an, Tag für Tag; und was hat man denn an Mitteln, man bildet doch mit so vielen anderen nur Kanonenfutter. Landser! Ich habe manchmal zwei, drei Briefe an meine Mutter geschrieben, an einem Tage, nur eben, um mich nicht zu verlieren.“

Dies sind Worte Mohrs aus den frühen 1980er Jahren, zitiert von der einem „uz in dem betreffenden Artikel. Das Moor zeitweise in der DDR ins Visier der so genannten Formalismus Debatte Gerät erwähnt, die OZ zwar, schweigt sich aber ansonsten darüber aus..

Daraufhin habe ich mir mal zu Gemüte geführt, was ein solcher Unsinnsbegriff eigentlich damals be- oder umschreiben sollte, und bin auf folgendes gestoßen:

„Vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges gab ein unter dem Pseudonym N. Orlow in der Täglichen Rundschau vom 21. Januar 1951 veröffentlichter Zeitungsartikel, der unter anderen Wladimir Semjonowitsch Semjonow zugeschrieben wird, den Anstoß: Wege und Irrwege der modernen Kunst.

Darin sprach er sich gegen „die antidemokratische Richtung der Modernisten, Formalisten, Subjektivisten und so weiter“ aus, wobei er Charles Crodel (…), Horst Strempel und Arno Mohr nannte:

„Die realistische Entwicklung wird gestört durch den Einfluß formalistischer Maler, die in der bildenden Kunst der DDR führende Stellungen einnehmen. Dazu gehören Karl Crodel, Dozent an der Kunsthochschule Halle, Horst Strempel, Arno Mohr. H. B. Hangeler, Dozenten an der in der DDR führenden Kunstschule in Weißensee, und andere. Wir veröffentlichen fotografische Wiedergaben von einigen Bildern dieser Maler. Jeder normale Mensch wird derartige Werke ohne Schwanken als gesellschaftsfeindlich und antiästhetisch bezeichnen. Objektiv sind sie auf die Zerstörung der Malerei in der DDR, auf ihre Liquidierung gerichtet.“

„Crodel behauptet ganz offen, die Kunst dürfe keine gesellschaftlichen Ideen ausdrücken, sie gebe ohne Ziel und Sinn das Spiel der Phantasie des Künstlers wieder. In den Werken Crodels wimmelt es von wesenloser Phantastik. Mit der Realität rechnet er überhaupt nicht.“

„Arno Mohr, der künstlerische Begabung besitzt, malt auf Grund seiner formalistischen Neigungen abstoßende Bilder. Er ist der falschen Ansicht, die Aufgabe des Malers bestehe in der subjektiven ‚Umarbeitung‘ der ihn umgebenden Wirklichkeit. Er leugnet die Notwendigkeit der aktiven Teilnahme des Künstlers am gesellschaftlichen Leben.“

Horst Strempel: Die Gier II (Entzweiung), 1947
Charles Crodel: Die Kinderprozession, 1947
Arno Mohr: Krieg, 1940

Das muss man wirklich zweimal lesen:

„Jeder normale Mensch wird derartige Werke ohne Schwanken als gesellschaftsfeindlich und antiästhetisch bezeichnen.“?

Man muss wirklich froh sein, dass beschränkte Kleingeister wie dieser Semjonow ihre so genannte Normalität nicht mehr zum Maß aller Dinge und vor allem zum Maß der Kunst machen können.