„Ja. So war mir zumute; ich war kein Held, in keiner Beziehung. Habe keinen Widerstand geleistet, hatte gar nicht den Mut dazu. Ich wollte überleben, und ich wollte ein anständiger Mensch bleiben, auch unter diesen Bedingungen. Man verroht doch; das Unmoralische, das der Krieg dauernd hervorbringt, das wird einem doch dauernd aufgezwungen; dagegen muss man an, Tag für Tag; und was hat man denn an Mitteln, man bildet doch mit so vielen anderen nur Kanonenfutter. Landser! Ich habe manchmal zwei, drei Briefe an meine Mutter geschrieben, an einem Tage, nur eben, um mich nicht zu verlieren.“
Dies sind Worte Mohrs aus den frühen 1980er Jahren, zitiert von der einem „uz in dem betreffenden Artikel. Das Moor zeitweise in der DDR ins Visier der so genannten Formalismus Debatte Gerät erwähnt, die OZ zwar, schweigt sich aber ansonsten darüber aus..
Daraufhin habe ich mir mal zu Gemüte geführt, was ein solcher Unsinnsbegriff eigentlich damals be- oder umschreiben sollte, und bin auf folgendes gestoßen:
„Vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges gab ein unter dem Pseudonym N. Orlow in der Täglichen Rundschau vom 21. Januar 1951 veröffentlichter Zeitungsartikel, der unter anderen Wladimir Semjonowitsch Semjonow zugeschrieben wird, den Anstoß: Wege und Irrwege der modernen Kunst.
Darin sprach er sich gegen „die antidemokratische Richtung der Modernisten, Formalisten, Subjektivisten und so weiter“ aus, wobei er Charles Crodel (…), Horst Strempel und Arno Mohr nannte:
„Die realistische Entwicklung wird gestört durch den Einfluß formalistischer Maler, die in der bildenden Kunst der DDR führende Stellungen einnehmen. Dazu gehören Karl Crodel, Dozent an der Kunsthochschule Halle, Horst Strempel, Arno Mohr. H. B. Hangeler, Dozenten an der in der DDR führenden Kunstschule in Weißensee, und andere. Wir veröffentlichen fotografische Wiedergaben von einigen Bildern dieser Maler. Jeder normale Mensch wird derartige Werke ohne Schwanken als gesellschaftsfeindlich und antiästhetisch bezeichnen. Objektiv sind sie auf die Zerstörung der Malerei in der DDR, auf ihre Liquidierung gerichtet.“
„Crodel behauptet ganz offen, die Kunst dürfe keine gesellschaftlichen Ideen ausdrücken, sie gebe ohne Ziel und Sinn das Spiel der Phantasie des Künstlers wieder. In den Werken Crodels wimmelt es von wesenloser Phantastik. Mit der Realität rechnet er überhaupt nicht.“
„Arno Mohr, der künstlerische Begabung besitzt, malt auf Grund seiner formalistischen Neigungen abstoßende Bilder. Er ist der falschen Ansicht, die Aufgabe des Malers bestehe in der subjektiven ‚Umarbeitung‘ der ihn umgebenden Wirklichkeit. Er leugnet die Notwendigkeit der aktiven Teilnahme des Künstlers am gesellschaftlichen Leben.“



Das muss man wirklich zweimal lesen:
„Jeder normale Mensch wird derartige Werke ohne Schwanken als gesellschaftsfeindlich und antiästhetisch bezeichnen.“?
Man muss wirklich froh sein, dass beschränkte Kleingeister wie dieser Semjonow ihre so genannte Normalität nicht mehr zum Maß aller Dinge und vor allem zum Maß der Kunst machen können.

