Russische Bedrohung überall!
Wer schützt uns vor PUTIN™ ??!


Der Juli geht zum Glück zu Ende,
der Lohnarbeiter reist behende
am ersten Tag schon vom August
ins Mekka seiner größten Lust:
Zum Ostseestrand, wo Fischer Kruse
in seiner blau gestreiften Bluse
dem Fisch seine Bestimmung schenkt,
ihn zwischen Brötchenhälften zwängt,
um ihn dann mir und meinesgleichen
aus seiner Bude zuzureichen.
Wer dies nicht schätzt, der ist gewiß
kein Kenner (und kein Kommunist!).

Abendrunde mit dem Hund: Wir treten aus dem Gartentor der Ferienwohnung, um zum Strand zu gehen, da kommt uns eine Gruppe von acht bis zehn merkwürdig wirkender Menschen entgegen: alle völlig un-urlaubsmäßig städtisch gekleidet, in den betont lässigen, aber höchstens durch ein weißes Hemd unterbrochenen dunklen förmlichen Outfits, in die junge urbane Erfolgsmenschen sich kleiden, um sich selbst und der Umwelt zu signalisieren, dass sie in all ihrer karrieremäßigen Angepasstheit ganz viel „Individualität“ besitzen. Einige tragen wichtige Aktentaschen, Laptop cases und Klemmbretter mit sich.
Macht die Kreissparkasse einen Betriebsausflug? Sind die Mitarbeiter der lokalen Gemeindeverwaltung auf Inspektionstour?
Nicht ganz. In der Mitte der an diesem Ort völlig deplatziert wirkenden Truppe läuft niemand anders als Corona-Karlchen, der Bundesminister für Klinikschließung und Pharmakapitalprofite. Offensichtlich kommt er samt Entourage aus der direkt neben unserer FeWo gelegenen „Barkasse“, dem besten (hauptsächlich Fisch-)Restaurant am Platz.
Man bleibt noch nicht mal im Urlaub von diesen Figuren verschont! Sowas wie Mietminderung kann ich wohl beim Ferienhausvermieter nicht geltend machen, oder?

„Steife Brise und Achternwind
Macht’n krusen Büdel und’n lütten Pint“
Als ich mit 12 Jahren aus meiner Hamburger Proletenumgebung nach Südhessen verpflanzt wurde (Jobwechsel des Vaters), wurde ich von den neuen Mitschülern ausgelacht wegen meines hamburgischen Tonfalls. (Überflüssig zu erwähnen, dass ich mir das blitzschnell abgewöhnt habe, bis hin zu der selbstverleugnenden Lächerlichkeit, mich des südhessischen Hobbit-Dialektes – „Ei horschemol“ – zu bedienen).
Über fünfzig Jahre später ist es eine der angenehmsten Erfahrungen des Urlaubs, hier oben im Norden den vertrauten norddeutschen Singsang zu hören – und zu sprechen, weil ich wie automatisch in dieselbe Mundart verfalle, wenn ich sie um mich herum höre.
Ich vermute, in den Fischbrötchen ist eine Substanz enthalten, die bei gebürtigen Norddeutschen die dialektmäßigen Wurzeln reaktiviert. Ja, das wird’s sein.


Den Nordmann schreckt nicht Wind noch Regen,
Dem Hund kommt beides ungelegen.
Mehr brauch ich nicht. Naja, Geld natürlich, um solche Urlaube zu bezahlen, aber damit sind wir schon mitten drin in dem Elend, dass ich hier mal eine Weile gedanklich nicht anfassen will.