Nachts

Nachts. Zur Ruh‘ kommt Mensch und Vieh.
Jetzt öffnen sich die Pforten
zu all den rätselhaften Orten
der Gaukelei und Fantasie,

Wo Pflanzen sprechen, Tiere singen,
Geistgesichter in den Bäumen 
oder deren Zwischenräumen 
wunderliche Träume bringen.

Umringt von namenlosen Wesen,
die dir entfernt bekannt erscheinen,
spürst du:  du kannst von keinem
dieser Bilder dich mehr lösen

Bis am Ende dieser Nacht
die neue Morgenröte glimmt,
und die Bilder mit sich nimmt –
Jetzt bist du aufgewacht!

Fort sind die schwebenden Gestalten,
verklungen das Geraune
der Nebelfeen und Faune.
Alles ist beim Alten.

Es war mal wieder schön.
Nun kannst du schlafen geh‘n.

Der Autokrat

Tief im Osten liegt ein Staat,
da herrscht ein übler Autokrat,
der alles ganz allein bestimmt
und jedem seine Freiheit nimmt, 
der was dagegen sagt –
so wird es hier beklagt.

Dieser schlimme Finger hat
den Hunger eines Nimmersatt
auf uns, die wir in freien Ländern
an seines Riesenlandes Rändern
ein feines Leben haben –
so hört man viele sagen.

Zwar gibt‘s auch dort, was hier man kennt:
Wahlen, Rechtsstaat, Parlament;
Doch ist der Westen schwer verdrussen
weil Putin™ dort von seinen Russen
geschätzt und hoch geachtet wird –
und das, sagt man uns, ist verkehrt!

Denn Merz und Starmer und Macron,
freuen sich ja sogar schon,
wenn keine Eier auf sie fliegen
für ihre kriegsbereiten Lügen:
„Russland will Krieg!“ – wir ahnen,
dass sie ihn selber planen.

Die Pleiteländer der EU
und auch die Inselaffen 
legen geschäftlich nur noch zu
mit Rüstung, Krieg und Waffen.

Willst du das Volk zum Krieg bewegen,
musst du ihm täglich nahe legen,
dass man das Böse stoppen muss –
und das Böse ist der Russ‘,
der, weil er nun mal Autokrat, 
nur Aggression im Sinne hat.

Erst Kiew, später Polen,
dann kommt er, uns zu holen!
„Oh Schreck lass nach, da kommt er schon!“
Das ist sonst nichts als: Projektion.

Europa wird vor Furcht fanatisch
und dabei selber autokratisch:
Es hat sich in den Krieg verheddert,
die eig‘ne Wirtschaft bald geschreddert, ‚
zerschlägt jetzt noch den Wohlfahrtsstaat –
Doch Putin™ ist der Autokrat?

„Weil der Russe Böses plant
Musst du ärmer werden
und demnächst – du hast‘s geahnt –
dann auf dem Schlachtfeld sterben.

Dazu müssen wir dein Geld
für den Krieg verbraten;
im Gegenzug wird dir erzählt
das Feindbild „Autokraten“.

Wozu? Das darfst du ruhig erfahren:
Wir brauchen diese Waffen,
um doch, nach nunmehr neunzig Jahren,
den Endsieg noch zu schaffen!“


Ballade vom Sozialfaschisten


Der Herr Finanzminister ist
ein deutscher Sozialfaschist.
Er prahlt mit selbstzufried‘ner Miene
mit dem, was schon der Ukraine
an deutschen Geldern zugekommen
und deutschen Bürgern weggenommen
wurde und demnächst noch wird.

Der Bürger denkt „Mich tritt ein Pferd!
Ham die Berliner sie noch alle?“
Sein Denken steckt in einer Falle:
Der Herr Minister macht dies nicht
weil er ein arger Bösewicht
oder auch nur ein Dummkopf sei –
er denkt sich nämlich was dabei!

Er macht‘s, weil Armut, Krieg und Rüsten
der Job ist von Sozialfaschisten,
wenn in der Krise wieder mal
in Deutschland Staat und Kapital
beschließen, dass Geschäft und Macht
ganz viel Gewalt jetzt nötig macht.

DAFÜR die Leute zu verarmen,
dabei moralisch rumzubarmen
und Krieg als edle Tat verkaufen:
DAS macht den Mann und seinen Haufen
zum unverzichtbar’n Instrument
der Bourgeoisie – die keinen kennt,
der dafür so geeignet ist
wie eben ein Sozialfaschist.

Die vier Meere

Die Nordsee ist ein wildes Wasser. 
Ihre Fluten sind viel nasser 
als die der Ostsee beispielsweise: 
die ist dagegen lahm und leise.

Und erst die Südsee! Faul und stumm
plätschert sie in den Tropen rum.
All diese Meere kennt man bestens. 
Doch was ist mit der See des Westen?

Die Westsee wird gern totgeschwiegen
und das kann nur an einem liegen:
Im Gegensatz zu and‘ren Meeren 
Liegt sie im vagen Ungefähren.

Dort wo, weit hinterm Horizont
(und auch davor) das Rätsel wohnt,
das letzte Wort, der Grund des Seins,
wo aufgehoben „deins“ und „meins“,
wo schaurig-tief der Abgrund gähnt
und ewig-still die Leere stiert –
drum wird die Westsee ignoriert,
verleugnet, nirgendwo erwähnt.

Jetzt wisst ihr es. Doch wisst ihr NICHTS!
Das ist der Zweck dieses Gedichts.

Verpasste Erleuchtung

Man hat rein gar nichts in der Hand
in diesem kurzen Leben.
Doch sitzt du mal am Ostseestrand,
den treuen Hund daneben,

strömt dir in jede Ader
ein jenseitiger Frieden.
Gestillt ist aller Hader
mit dem Betrieb hienieden.

Schon wähnst du dich im Einklang
mit Gott, Natur und Welt –
bis dass der Hund auf Möwenfang
sehr laut und kräftig bellt.