Geschichten aus dem Pflegeheim: Grillpoesie

Beim Chinesen und Japaner
findet sich manch ein Veganer.

Auch zahlreiche Zyprioten
ham sich selbst das Fleisch verboten.

Und erst recht der Muselmann:
Er rührt keine Schnitzel an.

Ganz proteinlos auch der Inder:
Vegetarisch schon die Kinder!

Doch im deutschen Pflegeheim
schiebt man sich flott das Grillgut rein.

Der Deutsche isst gern Nackensteaks
am Ende seines Lebenswegs

und auch die Bratwurst er genießt
je älter er geworden ist.

Abgesang

Mit den Jahren, die verrinnen
wird das Außen und das Innen
immer ähnlicher und gleicher
und das Hirn wird weich und weicher.

Das wär verkraftbar, wenn beim Lieben
jenes Teil hart geblieben,
das einst voller Manneskraft –
doch auch dieses ist erschlafft.

So verkommen Leib und Geist,
bis man in den Rasen beißt,
wo, ganz prachtvoll erigiert,
der Stein ragt, der die Grabstatt ziert.

Sie marschieren in den Krieg

Sie marschieren in den Krieg,
sie reden es uns ein:
Ein Krieg muss jetzt mal sein!
Gen Osten! Bis zum Sieg! 

Verhandeln? Ist nicht mehr!
Ein Schuft und Bösewicht
wer mit dem Russen spricht!
Jetzt muss ein Feldzug her!

Wer jetzt noch dämlich fragt,
warum man Kriege führt.
dem wird vorbuchstabiert:
„Wir haben es euch doch gesagt!“

„Wir haben euch schon immer
gesagt: der Russe stört!
Habt ihr nicht zugehört?!
Und Putin stört noch schlimmer!“

„Er hat sich frech uns widersetzt!
Wollt‘ unsre Ukraine klauen
und unsre Nazis dort verhauen.
Und dafür zahlt er jetzt!“

„Wir machen ihm die Rechnung teuer,
denn die Ukraine wehrt sich
so wie Deutschland Einundvierzig!
Nimm das, Putin, du Ungeheuer!“

„Krieg in drei Jahren, das scheint klar – 
(der Russe wartet sicher ab;
so lange schaufeln wir sein Grab)
dann schreit ihr wieder schön: HURRA!“

„Und wer nicht mitschreit, liebe Deutsche,
der macht sich strafbar, merkt euch das.
Denn so ein Krieg, das ist kein Spaß!
Abweichler spür‘n die Peitsche!“

„Raketen, Drohnen, Truppen: marsch!
Aus ukrainisch-deutscher Hand
Deep Strikes ins Russenland!
Der Iwan ist im Arsch!“

„Dabei – dass ihr uns recht versteht –
gibt‘s nichts für euch zu erben;
ihr dürft jedoch für Deutschland sterben.
Das ist nun mal, wie Krieg so geht.“

Sie marschieren in den Krieg,
und alle machen mit,
im gleichen strammen deutschen Schritt:
Nach Osten! Für den Sieg! 

Zuspruch vom Kanzler

Ich stehe hier vor meiner Truppe
wie eine grüne Anziehpuppe:
Die Jacke – seid mal ehrlich –
die macht mich echt gefährlich! 

Von Wehr und Krieg bring ich euch Kunde 
und gucke grimmig in die Runde.
Ich muss euch heute leider sagen:
Der Iwan will uns an den Kragen!

Warum? Das ist doch wohl egal!
So ist der Russe nun einmal!
Und so wie damals will er jetzen
unser Abendland besetzen!

Damit wir nicht erneut verlieren
müsst nach Osten ihr marschieren!
Ihr, und Raketen, Bomben, Drohnen –
der Heldentod wird euch belohnen.
Das Vaterland wird‘s euch gedenken
und ein paar Ehrenmale schenken!

Ich gucke ernst, ich guck’ entschlossen:
Ab übermorgen wird geschossen!
Diese Jacke soll euch sagen:
Es nützt nichts, sich noch zu beklagen!
Jetzt heißt es: Kampf und Tod und Leichen!
Bei euch, klar – nicht bei meinesgleichen!

Wir lassen aber eure Seelen
sich nicht im Fegefeuer quälen:
Die Kirchen werden für euch beten – 
Kanonenfutter, weggetreten!