Philosophisch-medizinische Betrachtung II: Krankheit und Ehe

Ringsherum ist jetzt der Lenz da, 
in mir drin die Influenza.
Alles tut mir weh,
vom Kopf bis in den Zeh.

Ganz oben, wo der Denkbereich,
erscheint es mir besonders weich:
dort wabert dumpfer grauer Nöbel –  
Großer Gott, was ist mir öbel!

Das Delirium wird schlimmer.
Plötzlich steht die Frau im Zimmer:
„Ich sag es dir nicht erst seit heute:
Du bist für Viren leichte Beute,

Weil du nichts isst und kaum was wiegst – 
Kein Wunder, dass du jetzt hier liegst!
Jetzt hör gefälligst auf zu flennen,
Männergrippe ist für Memmen!
Nimm mal zwei Ibuprofen,
der Hund muss gleich nach draußen gehen!“

Kann ich meinen Ohren trauen?
Aber ja, so sind die Frauen:
Mit dem Gatten geht‘s zuende – 
sie freut sich auf die Witwenrente.

Der arrogante Denker

Müde bin ich, geh zur Ruh‘:
Keine Sau hört mir mehr zu!
Alle – und das gilt für jeden –
hör‘n sich lieber selber reden.

Eitler Dünkel, heiße Luft,
von der Wiege bis zur Gruft;
Angelesene Gedanken,
die an Inhaltsleere kranken,

Gratistugend, Knechtsmoral:
Denken ist den meisten Qual,
weil in ihren hohlen Rüben
nur ein Restverstand geblieben.

Folglich hab ich festgestellt: 
Ich bin zu schlau für diese Welt.
Es gibt mitnichten meinesgleichen,
man kann mir nicht das Wasser reichen.

Um klugen Dialog zu führen
muss mit mir selbst ich diskutieren.
Und das ist schwer, weil, wenn ich spreche,
ich gern mich selber unterbreche.

Wenn jemand frech ins Wort mir fällt,
kann‘s schnell passieren, dass es schellt.
Bei dreistem Vorwitz lang ich hin!
Auch wenn ich selbst der Frechdachs bin.

So will das Leben mir wohl zeigen,
dass es besser ist zu schweigen,
wenn man sich für klüger hält
als den dummen Rest der Welt.

Müde bin ich, geh zur Ruh,
mache meinen Mund jetzt zu,
obwohl mein denkender Verstand….
Ok, schon gut, ich halt den Rand.

Neue Augen

Meine alten Augen sind erblindet.
Mit den neuen seh‘ ich anders –
Alles ist viel weiter weg,
doch deutlicher, viel klarer anzuschauen:

Deutlich in dem nichtigen Bemühen,
Bilder auf des Wassers Haut zu malen.

Deutlich in dem Hamsterstrampelrad,
angetrieben von der Freuden und der Schmerzen Kraft.

Deutlich vor allem in dem stummen Zwang,
von Sachverhalten, die – so will‘s uns scheinen – nicht von uns gemacht:

Essen, trinken, Kinder zeugen,
Obdach finden, Geld verdienen,
es behalten, es vermehren,
unsren Wünschen nachzujagen;

Jemand sein, sich auszutauschen,
irgendwie zurechtzukommen 
in der Welt die uns umgibt,
die wir niemals hinterfragen.

Die Müdigkeit, die ich verspüre, ist
erfreuliches Kontrastprogramm
zum immer wieder neuen Anlauf 
der Jugend, sich beherzt ins Leben selbst zu stürzen,

Ihr eigenes Gedicht zu schreiben, 
sich selber einen Reim zu machen,
die forsche Weise mutig anzustimmen
mit der die Welt erleuchtet und erobert werden soll.

Dagegen meine Welt: sie zieht sich immer weiter
in unbekannte Dunkelheit zurück –
die dunkel zwar, jedoch aus irgendeinem Grunde
so seltsam klar und deutlich alles macht.

Dies zu beklagen wäre törichtes Benehmen!
Dem Alter ziemt des Gleichmuts freundlich-stille Sicht.
Nur dafür sind gemacht die neuen Augen,
mit denen nun dies Leben anzuschauen ist:
die Augen, die die Wirklichkeit erst ungetrübt erfassen,
wenn sich zum letzten Mal der alten Augen Lider schließen.

Ansprache des Bundespinocchios

Deutsche! Seid beruhigt und froh!
Es führt euch an: Pinocchio!
Und wenn er zu euch spricht,
dann gerne im Gedicht:

„Ich zieh die Uniform mir an!
Dann bin ich endlich mal ein Mann! 
Kein schmalschultriger Witz,
kein Blackrock-Zahlenfritz!

Ich mach auf Krieg und Militär –
Das freut die Kapitale sehr,
die daran gut verdienen.
Da strahlen ihre Mienen!

So steh ich da und rede Blech:
Dass Deutschland stark, der Russe frech
und wir ihn bald besiegen.
Nicht wie in and’ren Kriegen
wo uns das Russenpack
besiegte – darum meine Jack‘!
Sie soll euch klar und deutlich zeigen
dass wir DIESMAL nicht vergeigen!“

Deutsche! Weggetreten! So!
Es sprach zu euch Pinocchio! 

Unterm Kessel brennt das Feuer

Hurra Hurra Hurra!
Der Weltkrieg, der ist da! 

Der Ami nutzt den Ukrainer,
er haut den Russen und meint China.
Dann greift er sich Venezuela,
klaut erst den Chef und dann das Öl da.

Seit kurzem geht’s noch viel perverser:
Jetzt bombt der Ami auch den Perser, 
denn der hat reichlich Erdöl da –
DAS weiß man in den USA,
auch wenn man sonst, nach Ami-Art,
vom Perser wenig Ahnung hat.

Wie üblich mit am Metzeln ist
ganz vorn dabei: der Zionist,
der Spezialist für Völkermord.
Drum schickt der Ami ihn nicht fort.

Geht’s darum, Kinder zu verbrennen,
sind diese beiden nicht zu trennen:
In Minab, einem kleinen Städtchen,
verbrennen hundertachtzig Mädchen.
Die „Tomahawk“ gleich zweimal fliegt
damit sie auch die Eltern kriegt.

Man weiß: die diese Bomben schicken,
sind die, die gerne Kinder f*****.
Man nennt sie daher in der Tat
auch gern „Das Epstein-Syndikat“.

Wir sehen im Rhythmus mit dem Ganzen
den Teufel in der Hölle tanzen,
begeistert über diese Zeiten,
die Don und Bibi ihm bereiten.
Die beiden sind ihm lieb und teuer.
Unterm Kessel brennt das Feuer.

Hurra hurra hurra!
Der Weltkrieg, er ist da!

Kiffer‘s Kunstkritik

Die Bässe hämmern wummerig
Im Hirn wird mir ganz schwummerig.

Ich weiß nicht recht was hier zu sehen –
ob Muster durch die Augen wehen?
Belohnt mich gar die Droge schon
mit einer Halluzination?

Mir wird es fast ein bißchen bange
und, high wie eine Fahnenstange,
begeb‘ ich mich aufs Bettgestell:
Dies Bild, es leuchtet gar zu grell!

Jetzt beginnen seine Schlieren
auch noch hypnotisch zu pulsieren
und wabern hier und da und dort –
nicht nur im Bild, auch weiter fort,
in der Luft, im Bett, im Zimmer
Jeden Augenblick wird‘s schlimmer!

Dieses Bild, wird mir jetzt klar,
bewirkt akute Schmelzgefahr
in den frontalen Hirnbereichen
sie fangen schon an aufzuweichen.

Oder sehe ich Gespenster?
schnell schließe ich die Seelenfenster,
und schwenk‘ mental die weiße Fahne:
Dieser Stoff war erste Sahne!

Lass uns auf die Reise gehen, andres Land zu suchen

Ferien auf Kreuzfahrtschiffen 
erträgt man nur mit Dauerkiffen

Das Mittelmeer, so hör ich klagen,
lässt sich nur noch mit Hasch ertragen

Auch raucht man beim alpinen Wandern
einen Grass-Joint nach dem andern

Der Badeurlaub an der See
erfordert Speed und LSD

Du musst nach Köln oder Berlin?
Dann hilft dir höchstens Mescalin

Bretagne oder Normandie:
Nicht ohne reichlich Ecstasy!

Der Nordmann bleibt in seiner Kate,
denn er bevorzugt Opiate.