
Meine alten Augen sind erblindet.
Mit den neuen seh‘ ich anders –
Alles ist viel weiter weg,
doch deutlicher, viel klarer anzuschauen:
Deutlich in dem nichtigen Bemühen,
Bilder auf des Wassers Haut zu malen.
Deutlich in dem Hamsterstrampelrad,
angetrieben von der Freuden und der Schmerzen Kraft.
Deutlich vor allem in dem stummen Zwang,
von Sachverhalten, die – so will‘s uns scheinen – nicht von uns gemacht:
Essen, trinken, Kinder zeugen,
Obdach finden, Geld verdienen,
es behalten, es vermehren,
unsren Wünschen nachzujagen;
Jemand sein, sich auszutauschen,
irgendwie zurechtzukommen
in der Welt die uns umgibt,
die wir niemals hinterfragen.
Die Müdigkeit, die ich verspüre, ist
erfreuliches Kontrastprogramm
zum immer wieder neuen Anlauf
der Jugend, sich beherzt ins Leben selbst zu stürzen,
Ihr eigenes Gedicht zu schreiben,
sich selber einen Reim zu machen,
die forsche Weise mutig anzustimmen
mit der die Welt erleuchtet und erobert werden soll.
Dagegen meine Welt: sie zieht sich immer weiter
in unbekannte Dunkelheit zurück –
die dunkel zwar, jedoch aus irgendeinem Grunde
so seltsam klar und deutlich alles macht.
Dies zu beklagen wäre törichtes Benehmen!
Dem Alter ziemt des Gleichmuts freundlich-stille Sicht.
Nur dafür sind gemacht die neuen Augen,
mit denen nun dies Leben anzuschauen ist:
die Augen, die die Wirklichkeit erst ungetrübt erfassen,
wenn sich zum letzten Mal der alten Augen Lider schließen.
