In der Geschlossenen Abteilung der Nervenheilanstalt

In der Geschlossenen Abteilung der Nervenheilanstalt wird Patienten ein Umfeld ermöglicht, das sie möglichst authentisch ihr früheres Berufsleben nachempfinden und -spielen lässt, um sie so behutsam von ihren Wahnvorstellungen zu heilen.

Die schwereren Fälle – Russophobie, Kriegsfetischismus, „Miltärexpertentum“ u.dgl. – werden unterstützend zu den verschiedenen Reality-Formaten medikamentös behandelt, wobei vorzugsweise dämpfende und beruhigende Mittel eingesetzt werden.

Geschichten aus der Zwischenwelt: Das Lied vom Ende aller Zeiten

Fuchs und Bär zogen durch die Lande und verdingten sich mal hier, mal dort als wandelnde Gaukler, immer auf der Suche nach Nahrung und Obdach und keiner Schelmerei abgeneigt, manchmal auch keiner Gaunerei.

Ihr neuester Trick war, dass der Bär sich als Riesenkrähe verkleidete und den Leuten die Zukunft vorhersagte. Weil keiner wissen konnte, was die Zukunft brachte – auch der Bär natürlich nicht – erzählte die „Riesenkrähe“ den Kunden das Blaue vom Himmel herunter, meistens das, von dem sie dachte, dass die Leute es gerne hören würden.

So kam es, dass beide nie lange in einem Ort bleiben konnten; sobald die guten Leute des Weilers ihrer Schwindeleien gewahr wurden, wollten sie ihr Geld und die versprochene Zukunft zurück. Aber Fuchs und Bär entgegneten, dass sie nie gesagt hätten, WANN denn nun die großartigen Ereignisse eintreffen würden und dass „zukünftig“ auch „in hundert Jahren“ bedeuten könne.

Da fühlten sich die Dörfler verkohlt und übertölpelt und jagten die beiden Gaukler mit Schimpf und Schande aus dem Ort. Nun waren sie wieder auf der Landstraße auf Wanderschaft.

„Die Welt ist groß“, wandte sich der Fuchs an seinen Bärenfreund, „und die Dorfleute sind dumm! Wir müssen in die Stadt gehen und dort die Städter ausnehmen. Die sind vielleicht klug in Weltgeschäften, aber dumm in unseren Schlichen und Wegen!“

Das hielt der Bär auch für eine gute Idee, wenn er auch nicht wusste, wieso, denn er war selber auch ein bißchen dumm. Aber bei Tieren hat hat das wenig zu bedeuten, es wird sogar vorausgesetzt, denn sonst taugen sie nicht als Sklaven und Diener, und das ist das Los der meisten Tiere.

Um die Städter zu beeindrucken, hatte der Fuchs eine Kohorte Militärfrösche angeheuert, die gerade keinen Dienstherrn fanden. Diese sollte auf ihren Froschposaunen das große Ereignis verkünden, das Fuchs und Bär in ihre Stadt bringen würden:

„DAS LIED VOM ENDE ALLER ZEITEN“. So nämlich hatte der Fuchs seine allerneueste Gaunerei benannt, mit der er den Städtern das Geld aus den Taschen und Wämsern zu ziehen gedachte.

Sein Plan war folgender: er selbst wollte auf einer orientalischen Bambusflöte eine hypnotische Melodie spielen, die die Zuhörer nach und nach einschläferte und mit seligem Wohlgefühl erfüllte.

Dazu sollte der Bär in einem wallenden Schleiergewand einen Zeitlupentanz aufführen. Den Tanz hatte sie einst eine freundliche Elfe gelehrt, als sie bei ihren Wanderungen durch die Waldgegend der Waldgeister kamen. Die Elfe hatte ihnen gezeigt, wie man mittels des Tanzes und eines dabei immer wieder beschwörend wiederholten rhythmischen Sprechgesanges die Anwesenden in eine Art Euphorie der Gemütlichkeit und vor allem eine überbordenden Großzügigkeit versetzt.

Die Worte, die der Bär zu wiederholen hatte, aber lauteten:
„Die Augen zu, das Herzlein auf! Recht viel zu geben ist der Brauch!“
Dies würde die Beutel der Zuhörer öffnen und ihrer Freigebigkeit keine Grenzen setzen, versprach die Elfe.

Fuchs und Bär wollten dies nur zu gern glauben und sehnten die Gelegenheit herbei, es auszuprobieren. Nun sahen sie die Stunde gekommen, um ihre Träume vom großen Glück und schnellem Geld Wahrheit werden zu lassen, zumal der Fuchs inzwischen ein paar nette orientalische Hypnoselieder von einem indischen Fakir gelernt hatte. Er musste dem Fakir dafür ein paar Gänse aus dem Stall eines einsam gelegenen Bauernhofes stehlen. Aber das ist eine Geschichte, die ein anderes Mal zu erzählen sein wird.

Die seltsame Prozession jedenfalls wurde auf der Landstraße, als bereits die ersten Häuser der Stadt auftauchten, eines Reisenden aus einer anderen Welt ansichtig, der von einem kleinen Hund begleitet wurde. Der Mann war mit einer Kluft angetan, wie sie weder Bär noch Fuchs noch einer der Frösche je gesehen hatten. Allein das Schuhwerk des Fremden war von einer Art, die auf einen Schumacher höchster Kunstfertigkeit hindeutete, dazu aus einem Leder gefertigt, das gar kein Leder war und auch sonst keine den Freunden oder den Fröschen bekannte Pflanze, Flechte oder Webwerk tierischen Ursprungs.

Trotz des offenkundigen Hexenwerks seiner Stiefel und seiner Gewänder verstand der eigenartige Geselle die Sprache der Tiere und wandte sich an den Fuchs, den er ohne Umschweife als Sprecher und als schlauesten der Gruppe ausmachte.

„Ich muss euch warnen, Gevatter Rotschweif!“, hub der Fremde zu sprechen an. „Man weiß in dieser Stadt um eure Pläne und will euch eine Falle stellen! Die Bürger dieser Stadt kennen nur den Erfolg ihrer Zahlen und Berechnungen und sind darüber immun geworden gegen den Klang der Bambusflöte, auch der Hypnosetanz wirkt bei ihnen nicht, weil sie selbst im hypnotisierten Zustande einzig und allein ihre Geschäfte im Sinn haben!“

„Das sind aber schlechte Neuigkeiten!“ riefen Fuchs und Bär aus, und die Frösche sagten in ihrer Froschsprache so etwas ähnliches. Es hörte sich aber für die Umstehenden wie „Quak Quak Quak“ an.

„Nun gut“, sagte der Fuchs, „immerhin ist der Schaden jetzt halbiert, denn wir haben zwar kein Geld an diesen Bürgern verdient, aber es hätte viel schlimmer kommen können. Am Ende hätten die Bürgersleut uns eingesperrt und für sie arbeiten lassen, Gott bewahre!“

„Gott bewahre!“ brummte auch der Bär, und die Frösche sagten so etwas ähnliches in der Froschsprache. aber es hörte sich schon wieder an wie „Quak Quak Quak“.

Nun ergriff der Fuchs erneut das Wort und sprach: „Wohlan, Gefährten und Kameraden! Hier konnten wir nicht zum Zug kommen, woanders wird unser Glück zu machen sein. Wann und wo wissen wir noch nicht, aber um es herauszufinden, oder aber um es zu vergessen, lasst uns in das Wirtshaus dort am Wegesrand einkehren und bei gutem Schmaus und reichlich Trank des Lebens erfreuen, den Kummer vergessen und ein Lied anstimmen!“

„Aber nicht DAS LIED VOM ENDE ALLER ZEITEN“, sagte der Bär, der gerne einen Scherz machte. Der Fuchs lachte und schlug dem Bären, der immer noch das Krähenkostüm anhatte, vor Freude auf die Schulter und rief den Fröschen zu „Ein solcher Spaßvogel wie unser Freund Bär ist euch wohl noch nicht untergekommen, was?“

Die Frösche lachten höflich, hatten aber überhaupt nicht verstanden, was an der Bemerkung des Bären nun witzig sein sollte. Frösche haben nämlich keinerlei Humor, wie jeder weiß, der schon einmal an einem Tümpel saß. Aber sie lachten immerhin, wenn auch ohne Verständnis, so dass letztlich alle lachten – was ein besseres Ende ist, als wenn alle tot oder gefressen worden wären, und damit ist die Geschichte aus.

Rendite statt Rente

Rente? Wer braucht denn sowas!

RENDITE ist das Zauberwort, das ohnehin schon in dieser Welt den allerschönsten Klang hat – und so eine schöne, regelmäßige monatliche Rendite, die zuverlässig auf dem eigenen Konto eingeht ist doch mal was ganz anderes als die magere staatliche Rente, die der deutsche Durchschnittsprolet maximal bezieht.

Wie? Renditen sind abhängig von Marktentwicklung, Spekulationsgeschhäften und vom gerade erreichten Stand einer kapitalistischen Akkumulation, die speziell in den westeuropäischen Ländern momentan arg zu wünschen übrig lässt, folglich also nicht gerade ein zuverlässiger Garant gesicherter Ruhestandbezüge ist?

Egal! Sagt nur einmal dieses Wort: RENDITE!
Klingt das nicht wunderbar? Verspricht das nicht ein Leben in Luxus, im Überfluss, im Reichtum? Ist das nicht der Wunsch aller freiheitlichen Bürger der einzig menschengerechten Wirtschaftsweise, der MARKTWIRTSCHAFT?

Eben.

Eine falsche Frage

Falsche Frage.
Jedenfalls keine Entweder-Oder-Frage. Sie offenbart aber das ideologische Dilemma von Nationalisten.

Das In-Eins-Setzen von Volk, Staat und Nation (das bürgerliche Machthaber übrigens mit ihren völkischen Kritikern teilen) entspricht der Art und Weise, mit der sie den nationalem Erfolg definieren: zuhause einen schlagkräftigen, modernen Kapitalismus einrichten, der dank seiner Effizienz in der Lage ist, weltweit Geschäfte zu machen, deren Gewinne in den nationalen Kapitalstandort zurückfließen und die Mittel für einen machtvollen Nationalstaat bereitstellen.

Der imperialistische Zugriff auf andere Länder und deren Ressourcen übersetzt sich für eine ambitionierte kapitalistische Standortverwaltung wie die Berliner Regierung so:

„Beim Weltaufteilen und -ordnen können wir nur effektiv mitreden und mitmischen, wenn wir unsere einheimische Bevölkerung optimal bewirtschaften, um die nötigen Mittel für unsere Einmischungen anderswo zu erzielen!“

Die Verarmung der eigenen Bevölkerung für den Krieg gegen Russland, der von deutsch-europäischen geopolitischen Strategen als existenziell definiert wird, IST insofern der „Dienst am eigenen Volk“, den patriotische Jammerlappen beständig vermissen.

Demokratische Machthaber halten ihnen souverän entgegen, das die nationale Größe ja gerade davon abhängt, dass der deutsche Imperialismus sich an Wucht, Durchschlagskraft und militärischer Stärke mit den Supermächten der Welt messen lassen will und muss.

Nur Deutschlands umfassende Bewaffnung und nötigenfalls rücksichtslose Bereitschaft zu deren Einsatz garantiert der deutschen Nation und ihrem Staat den Erfolg, den sich Regierende und Untertanen gemeinsam wünschen – und DIESEM feuchten nationalistischen Traum haben die Kritiker von AfD, BSW und anderen „Unser Volk zuerst!“-Ideologen nichts entgegenzusetzen, weil sie ihn TEILEN.

„Achtzig Jahre sind genug!“Deutschland wird wieder kriegstüchtig – gegen denselben Feind

Während sie den Leuten einreden, „der Russe“ bereite sich gerade auf einen „Angriff“ auf quasi ganz Europa vor und würde das unter Garantie auch bis spätestens 2030 durchziehen, planen sie bis ins Detail ihren Krieg gegen Russland.

Die offensichtliche Identität dieser Propaganda mit NS- und Kalte-Kriegs-Narrativen und die ebenso zynische wie erfolgreiche Spekulation auf die Vergeßlichkeit des Publikums in Bezug auf Geschichte und auf Angreifer und Angegriffene versetzt verständige Menschen in tiefste Hoffnungslosigkeit.

Immerhin versteht man jetzt, angesichts der erneuten umfassenden Propagandisierung von Staat, Medien und Bevölkerung, wie sich vor neunzig Jahren nicht-fanatisierte Zeitgenossen gefühlt haben müssen. Ein Trost ist das nicht.

Geschichten, die das Leben schrieb: Nichts wird verschont von der Vergänglichkeit

„Obschon ein Regenbogen klar und unbewegt
am Firmament erscheint,
verschwindet er doch, ganz plötzlich
Obschon die Sommerblüten
in leuchtenden Farben blühen,
verwelken sie schnell, wenn die Jahreszeit wechselt
Nichts wird verschont von der Vergänglichkeit!“
(Yogini Mandarava*)

Mandarava war eine indische Prinzessin aus dem 8. Jahrhundert, die ihre Heimat verließ und auf ihr Geburtsrecht verzichtete, um den Dharma zu praktizieren. Sie wurde eine der beiden Hauptschülerinnen von Padmasambhava (Guru Rinpoche) und wurde schließlich zu einer Dakini der Weisheit, des Wissens und des Bewusstseins.

Einer der ältesten Freunde meiner Frau, zu dem sie immer Kontakt gehalten hatte (naja, eher er zu ihr; jedenfalls trafen sie sich und wir uns mehrmals im Jahr), konnte letztes Jahr mit Dreiundsechzig in Rente gehen. Er hatte einen wichtigen und gutbezahlten Job in der produzierenden Industrie und konnte genug Vorsorge treiben und Vermögen ansammeln, um entspannt seinem Ruhestand entgegenzublicken.

Als Hobbyfotograf mit künstlerischen Anspruch und als leidenschaftlicher Koch hatte er große Pläne. Zusammen mit seiner Frau wollte er ein Wohnmobil kaufen und Europa auf der Spur landschaftlicher Schönheit und kulinarischer Entdeckungen bereisen.

Vor fünf Wochen fiel seiner Frau auf, dass er sich beim Kofferpacken seltsam verhielt, die Sachen wahllos und ungeordnet in den Koffer schmiss und nicht zu wissen schien, was er da tat. Darauf angesprochen, reagierte er – ausgesprochen untypisch für ihn – extrem aggressiv, stieß sie fort und wirkte völlig durcheinander und ratlos.

Sie hatte den guten Sinn, ihn umgehend zu einer neurologischen Untersuchung zu schicken, bei der ein Hirntumor festgestellt wurde. Ohne Operation wäre seine Lebenserwartung äußerst gering, sagten ihnen die Ärzte.

Bei der OP ging dann scheinbar einiges schief – ob durch ärztliche Fehler oder einfach durch Pech vermag niemand zu sagen. Er erlitt einen Schlaganfall, kurz darauf noch einen, wodurch das Sprachzentrum im Gehirn so massiv beeinträchtigt wurde, dass er Sprache und Schluckreflex verlor.

Nach einem dritten Schlaganfall liegt er nun für den Rest seiner vermutlich nicht mehr lange währenden Lebenszeit weitgehend bewegungslos in einem Pflegebett und muss künstlich ernährt, gewaschen und gewendet werde.

Die irreversible Schädigung seines Gehirns bewirkt unter anderem, dass seine Erfahrung der Realität im ihn herum und ihn ihm selbst nicht übereinstimmt mit seiner früheren Wahrnehmung bzw. Person. Er scheint zu begreifen, dass er fast kommunikationsunfähig in einem Körper mit lädiertem Gehirn eingesperrt ist, reagiert (manchmal) auf Ansprache, lässt aber dabei erkennen, dass er auch „normale“ Fragen und Sätze inhaltlich nicht verstehen kann. Die Verbindung von Wahrnehmung, Sprache, Erkennen, Selbstempfindung und Orientierung in der Welt scheint an mehreren Stellen fundamental geschädigt und gestört zu sein.

Er gilt als „austherapiert“, d.h. die Mediziner sehen keine Möglichkeit einer Besserung oder gar Heilung. Demnächst wird er vom Krankenhaus in ein Hospiz verlegt.

*** Warum schreibe ich darüber so ausführlich? ***

Weil es jedem passieren kann. Und weil man sich zwar nicht auf solche Ereignisse, aber auf die dadurch notwendigen Entscheidungen einstellen kann und sollte.

Die Frau dieses Mannes hat Zeit ihres Lebens alles ihm überlassen, von der Verwaltung der Gelder über sämtliche „offiziellen“ Angelegenheiten bis hin zur Vorsorgeplanung. Die beiden sind finanziell bestens aufgestellt, aber eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht zählte nicht zu ihren Planungen.

Jetzt steht sie vor allen möglichen Entscheidungen, weiß nicht, wie sie reagieren soll, was die tatsächliche Wünsche ihres Mannes sind, ist überfordert usw.

Das Leben ist eine fragile und vorübergehende Sache. Macht eure Patientenverfügung und eure Vorsorgevollmacht! Wenn eine Situation ähnlich der oben geschilderten Eintritt, werdet ihr es bitter bereuen, wenn ihr keine gemacht habt. Dann bestimmen nämlich im Zweifel andere über euch als die, von denen ihr es wünschen würdet.

Patientenverfügung: https://www.verbraucherzentrale.de/patientenverfuegung-online

Vorsorgevollmacht: https://www.verbraucherzentrale.de/gesundheit-pflege/onlinevorsorgevollmacht-jetzt-kostenlos-erstellen-und-vorsorgen-76131

Das Frühlingsfest der Tiere – verpaßt!

Auf ihrem Weg zum Frühlingsfest der Tiere kamen Bär und Fuchs durch den magischen Wunderwald, wo sie immer wieder mal ein bißchen von den Pilzen knabberten, die dort wie Unkraut wuchsen. Da es ein magischer Wald war, handelte es sich natürlich auch bei den Pilzen um magische Pilze.

Nach einer Weile stellte der Bär fest, dass er die Buchstaben in dem Unterhaltungsroman, den er in der Pranke hielt, nicht mehr lesen konnte. Er wunderte sich nicht besonders darüber, da er sowieso noch nie lesen konnte. Worüber er sich wunderte, waren die vier Eulen, die sich auf verschiedenen Ästen der uralten Bäume niedergelassen hatten und die alle gleichzeitig – und durcheinander! – Gedichte aus der Eulenwelt rezitierten. Für den Bären hörte sich zwar alles mehr oder weniger nach „Huhu huhu“ an, aber weil es sich reimte, zog er den Schluss, dass es sich hier um Poesie handeln müsse.

Auch dem Fuchs war höchst wunderlich zumute; ihm war, als wären Helium-Ballons an seinem Körper befestigt, die ihn nach oben zogen. „Oho!“, rief er aus, „ich fühle mich, als würde ich schweben!“ Er versuchte, mit sachten Bewegungen die Richtung und Geschwindigkeit seines Schwebezustandes zu beeinflussen, aber dabei machte er eine eher komische Figur, die bei den Eulen ein deutlich lauteres und schnelleres „Huhu, huhu!“ hervorrief – und, so wollte es dem Fuchs scheinen, eine Lautverschiebung, die sich mehr nach „Haha, haha!“ anhörte als nach „Huhu, huhu!“. Er war sich aber nicht sicher, und während er noch allen Implikationen dieses unerhörten Vorkommnisses bis in die feinsten Verästelungen seines Gedankengeflechts nachspürte, waren die Eulen längst wieder beim klassisch-traditionellen „Huhu, huhu!“ angelangt – in der Eulenpoetik die Grundmetrik allen dichterischen Schaffens.

Schnell waren alle Gedanken an das Frühlingsfest verschwunden und eine erhabene Langsamkeit legte sich über die Gefährten und den Wald. Nicht nur die Zeit schien stillzustehen, sondern jeder Schritt, den Fuchs und Bär taten, vollzog sich in so unglaublicher Langsamkeit, dass ein Beobachter keinerlei Bewegung hätte feststellen können. Gleichwohl war die enorme Verlangsamung, der sie sich ausgesetzt sahen, von einer fröhlichen Leichtigkeit, die beide in einen Zustand vollkommener Zufriedenheit mit allen Dingen auf der Welt fallen ließ.

„Hier gehen wir nie wieder weg!“, sagte der Bär, und der Fuchs pflichtete ihm behaglich bei. Sie verbrachten viele Stunden an jener Stelle im Wald, erfreuten sich einer tiefen inneren Stille und lauschten der Eulenpoesie, die die vier geflügelten Weisheitskünder pausenlos deklamierten. Später aber wurden beide hungrig und sie gingen dann doch weiter, aber wieviel Zeit vergangen war, wussten sie nicht. Ob sie noch zum Frühlingsfest der Tiere gelangten, weiß man nicht, doch wenn, kamen sie bestimmt nicht pünktlich. Da Tiere sowieso kein Zeitgefühl haben, machte das aber gar nichts.

Börse aktuell

Unsere Korrespondentin Wagenknecht macht sich große Sorgen über Shareholder Value und Kapitalisierung; Aktionäre haben schließlich ein Anrecht auf gesunde Profitabiltät der Unternehmen, in die sie investieren!

Die toughe Anlageberaterin weiß, wo in der Marktwirtschaft nicht nur die Gewinne, sondern auch die Entscheidungen gemacht werden müssen – nämlich dort, wo aus Geld Vermögen und aus Vermögen Kapital wird.

Und KAPITAL ist ein scheues Reh, weiß Försterin Sahra.
Andrerseits ist Kapital nicht so scheu, dass es nicht ständig rammeln, also sich vermehren wollte – auch dieses Naturgesetz kennt unsere kompetente und sympathische Börsenspezialistin.

Die neue Bundesregierung ist da leider überhaupt nicht auf der Höhe und lässt nur zögerliche Bereitschaft erkennen, die Profitabilität des Kapitalstandortes so zu optimieren, dass die Börsen durchs Dach gehen statt in den Keller zu rauschen. Da ist leichtfertig, unsolide und grenzt an sozialistische Verantwortungslosigkeit, wie Frau Wagenknecht aus eigener Erfahrung weiß.

Folgen Sie uns für weitere Börsennachrichten und Anleger-Updates! Verpassen Sie keinen Trend und keine Investmentchance mit SAHRA W., dem Anlage-Profi mit Verstand und Durchblick!

Systemfehler

Ein Bernd Haake (mir bislang unbekannt) schreibt auf X diesen (längeren) Text.

Dass Geld „der neue Gott“ sei, wie er schreibt, bezweifle ich, denn Geld und dessen Vermehrung war schon von alters her der zentrale Götze der Spezies. Solche esoterischen Verallgemeinerungen sind allerdings ohnehin nicht tauglich für ein Verständnis der politischen Ökonomie einer gegebenen Gesellschaft.

Ansonsten aber ein recht lesenswerter Beitrag.

SYSTEMFEHLER:

Unbeirrt wird im ausgehenden Kapitalismus an der Erzählung der grenzenlos möglichen Geldvermehrung, unabhängig von irgendwelchen realen Werten, festgehalten.

Der gegenwärtige, irrsinnige Börsen Hype wird damit beschrieben und begründet, dass „die Zukunft“ gehandelt werde.

Gelddruckmaschinen laufen sinnbildlich heiß. Kredite werden mit Krediten bezahlt. Schuldenstände der Industrienationen, insbesondere der USA, erreichen astronomische Höhen.

Jetzt erweitert Trump die Finanzblase, das Schneeballsystem dadurch, dass Gewinne aus rein spekulativem Krypto-Währungs-Handel steuerfrei bleiben sollen. Um dieses Krypto-Geld zu erzeugen, verschwendet man sinnfrei Unmengen an Energie.

Das Phantasie Geld System insgesamt müsste augenblicklich zusammenbrechen, würden zu Viele gleichzeitig auf Rückzahlung ihrer Einlagen und/oder Kredite bestehen; würden vermehrt Ordentliche Buchhalter Bilanzen von „Finanzdienstleistern“ und Konzernen einmal eigenmächtig genauer durchforsten, und auf Werthaltigkeit und Sicherheit überprüfen.

Das schier endlose Spielgeld landet selbstverständlich vorrangig in den Händen der Superreichen, der Upperclass, der angeblichen „Leistungsträger“. Dies würde sicherstellen, dass das niedere Volk stets genug nach unten durchrieselnde Krümel zum Erhalt seiner Arbeitskraft zur Verfügung hätte. Groteske, durch nichts begründete Vermögensungleichheiten werden als Gott gegeben angesehen.

Die entstandene Finanzoligarchie zieht logischerweise längst alle Fäden in der sogenannten „Liberalen Demokratie“. In dieser Scheindemokratie geben die Menschen alle 4 oder 5 Jahre ihre Stimme im wahrsten Sinne des Wortes an sogenannte „Repräsentanten“ ab. Die sind abhängig, oft korrumpiert von der besitzenden Klasse und handeln entsprechend.

Die beschriebene, finanzbasierte Ordnung funktioniert genau so lange, wie die Menschen daran glauben. Deshalb veranstalten Banken in den Schulen Kurse wie „Die Broker von morgen“. Deswegen schwurbeln Börsenberichterstatter vor den Hauptnachrichten, von einer „Finanzbildung“, die es gelte auszuweiten.

Um den Schein der Sinnhaftigkeit und irgendeinen Bezug zur Realwirtschaft zu wahren, wird Überfluss und Wegwerfware produziert, was das Zeug hält. Neu erschaffene Dinge werden teilweise gleich im Anschluss wieder vernichtet. (Von den „kostenlosen“ Rücksendungen, die arme Kurier Sklaven wieder mit ins Lager bringen, ganz abgesehen.) Würden alle Menschen so verschwenderisch leben wollen, wie die in den „reichen“ Industrieländern, bräuchten wir drei bis vier Erdbälle.
Wenn gar nichts mehr hilft, werden Kriege inszeniert, die den Militärisch-Industriellen Komplex am Laufen halten, und im Anschluss fette Profite beim Wiederaufbau generieren.

Geld ist der neue Gott. Der Tanz ums Goldene Kalb wird immer exzessiver. Banker, Börsen Broker, Fondsverwalter sehen sich öffentlich als „gottgleich“.
Kommt es zum Absturz, zum Crash, werden die Findigen, die Insider durch den Staat, also die Bürger, gerettet und machen genauso weiter, bzw. beginnen von vorn (Lehman Pleite). In der nun anbrechenden Trump Ära ist von einer weitgehenden Deregulierung der „Finanzmärkte“ auszugehen.

Diese Zustände sollen den „Endpunkt der Geschichte“ darstellen, an dem es nichts Wesentliches mehr zu verbessern gebe. Von klein auf wird das den Menschen, durch Kapital hörige Medien eingeimpft. Jeder Gedanke daran, dass eine andere Organisation der gesellschaftlichen Arbeit als abhängige Beschäftigung möglich ist, wird unterdrückt und unter Umständen vom Geheimdienst verfolgt. (Wie die, auf Klassenstrukturen hinweisende, Tageszeitung „Junge Welt“)

Es ist bedauerlich dass sich ehemals aufrechte Kommunisten zu systemtreuen Sozialdemokraten wandeln, wie Sahra Wagenknecht; sich im Schosse des Kapitalismus einrichten, wie die Linken. Der Kapitalismus könne reformiert werden, ohne grundlegend an die Eigentumsfrage heranzugehen. Die Superreichen müssten nur ausreichend besteuert werden. Einige würden schließlich bereits ihre Vermögen an Stiftungen übertragen, dort die volle Kontrolle behalten und sich dann gnädig (steuersparend) als Wohltäter einbringen.

Die wirkliche Zeitenwende fand vor gut 30 Jahren statt. Sich im Aufbau befindliche sozialistische Gesellschaften mit Volkseigentum und all ihren Fehlern wurden vom reaktionären, längst überlebten Westen überrollt, und dann rigoros ausgemerzt. Abgelöst wurden sie von einer angeblichen Leistungsgesellschaft. In der hat permanente Gehirnwäsche nahezu gleichgeschalteter Systemmedien und Fehlbildung in den Schulen folgenden festen Glauben in die Gehirne eingepflanzt: „Ein jeder, der es nicht schaffe, sei ganz sicher selbst schuld daran. Er habe sich eben nicht genug angestrengt.“

Nun gut. Es ist nicht das erste Mal in der langen Geschichte des Menschen, dass er in einen Zweig der Evolution, in eine Sackgasse gerät, oder sich sogar zurückentwickelt.

Es besteht also Hoffnung; wenngleich die Rufe von Stephane Hessel „Empört Euch“, oder Mélenchon „Bringt das System zu Fall“ scheinbar ungehört verhallen….