Stotternde Motoren und flüssig argumentierende Staatsidealisten

Bild: Facebook-Beitrag von Marc Raschke, 08.05.2026

Da ich einer von diesen Rentnern bin, die unter 800 € Rente beziehen, fühle ich mich bemüßigt, diesen an sich gar nicht schlechten Beitrag zu kommentieren, da er bei aller korrekten Aufzählung der sozialen Härten, die die Staatsmacht den Leuten zumutet, im Grunde mal wieder an dem Idealismus krankt, den Kapitalismusverbesser generell pflegen:

Es müsste doch eigentlich gar nicht sein, dass so viel gekürzt wird, meinen sie. Geld, sagen sie, wäre doch genug da und man könnte es doch für all die nützlichen und wichtigen Dinge wie den Unterhalt des Volkes ausgeben, statt für Kapitalvermehrung, Umsatzrenditen, Aktionärsbefriedigung sowie für Aufrüstung und Krieg.

„Als Staat in wirtschaftlich wackligen Zeiten ausgerechnet im Sozialen zu sparen, ist wie einem stotternden Motor das Benzin zu kappen.“

Nicht „ausgerechnet“, sondern GERADE dann! Das können und wollen Kapitalismusverbesserer offensichtlich nicht begreifen. Das liegt an ihrer Vorstellung vom Staat als eigentlich wohlwollender Gesamtorganisation, die irgendwie dafür da wäre, das Wohl und Glück ihrer Bürger herzustellen.

Aber „der Staat als ideeller Gesamtkapitalist“ (so die etwas schlagwortartige, aber immerhin zutreffende Bezeichnung von Friedrich Engels) ist die organisierte Form der herrschenden Klasse von Produktionsmittelbesitzern, mit der ihr Reichtum, ihre Herrschaft und ihre Produktionsweise – kurzum: die EIGENTUMSORDNUNG – gesichert und unangreifbar gemacht wird.

Gerade wenn’s kriselt; gerade wenn die die Mittel knapper werden – beziehungsweise wenn die Entscheidung von Staat und Kapital lautet, dass Krieg angesagt ist oder eine sonstige Notlage (aus Sicht der Kapitalisten) die Kapitalvermehrung begrenzt, behindert, einschränkt, gefährdet – GERADE dann wird am Lebensunterhalt des Volkes gespart.

Natürlich nur soweit, dass es immer noch arbeitsfähig ist, denn irgendeiner muss ja den Laden am Laufen halten, für die Produktion und damit für die Gewinne der Kapitalisten und die dadurch ermöglichte Finanzierung des Staatsapparates sorgen.

Und genau deswegen wird der Rotstift zuerst bei Rentnern, Kindern, Behinderten und so weiter angesetzt, also bei den Bevölkerungsgruppen, die für den Produktionsprozess nicht wesentlich relevant sind (und sie sich auch nicht oder kaum wehren können).

Vier von zehn Menschen, die von jetzt an bis 2036 in #Rente gehen, werden von unter 800 Euro im Monat leben müssen. Das geht aus einer Studie des Pestel-Instituts hervor, die im Auftrag der IG Bau erstellt wurde. Was dabei besonders bitter ist: Spätestens die #Wohnungsmiete drängt diese Rentner:innen dann in die Altersarmut. In Summe wären das rund 5 Millionen Menschen, die zusätzlich und akut von Armut bedroht sind.

Das muss man sich vor Augen führen, wenn Merz, Spahn & Co. Jetzt in ihrer ideologischen Kürzungsorgie über den #Sozialstaat herfallen. Sie wollen das Wohngeld kürzen. Sie wollen bei Menschen kürzen, die wegen einer Behinderung auf Hilfe angewiesen sind, Gleichzeitig soll es weniger Leistung aus der #Krankenkasse und damit mehr private Zuzahlung geben. – Alles das wird die Lage gerade von Rentner:innen massivst verschärfen.

Und dann wundern wir uns, dass die Merz-Regierung abstürzt und die Menschen in die Arme der A*D laufen? Was als #Erklärung aus dem #CDU-Lager kommt, ist an Unbedarftheit und ökonomischen Nicht-Wissen kaum zu übertreffen. Der Staat müsse sparen, weil er angeblich weniger einnehmen werde. Das ist natürlich Quatsch, die namhafte Ökonomen seit Jahren belegen. Aber es ist eben eine Erzählung, die Merz, #Spahn & Co. der Koalition jetzt aufzwingen.

So las ich jetzt auch, dass Fr. #Prien (CDU) leider auch beim Kindergeld kürzen müsse. Sorry, aber sie MUSS gar nichts. 1. sind Kürzungen kein #Naturgesetz, sondern politisch gewollt. 2. ist sie Mitglied einer Partei, die diese Marschrichtung so aus einer rechten, menschenverachtenden Ideologie vorgibt. – Die Jüdin Prien MUSS sich überlegen, ob sie Handlanger auf dem Weg in den Rechtsextremismus sein möchte.

Denn als Staat in wirtschaftlich wackligen Zeiten ausgerechnet im Sozialen zu sparen, ist wie einem stotternden Motor das #Benzin zu kappen. Der Staat ist keine „schwäbische Hausfrau“, was ja für viele Konservative immer noch die Leitidee von Kürzen und Sparen ist. Er ist das Gegenteil, da er (gerade Deutschland) massenhaft Geld hat, Steuern erheben kann und volkswirtschaftlich immer dann durch Investitionen einspringen sollte, wenn der #Wirtschaftsmotor stottert. Alles andere verschärft die Krise.

„Marc Raschke ist ein ausgebildeter Journalist und Politik-Influencer mit über 300.000 Follower:innen auf Instagram, LinkedIn, Facebook, Bluesky & Co. 2025 schrieb er vor der Bundestagswahl den Spiegel-Nr.1-Bestseller „Du hast die Wahl“, im gleichen Jahr noch folgte der Bestseller „Demokratie am Limit?“. Die Tantiemen aus seinen Buchverkäufen spendet er im Rahmen der „Demokratie Show“ an zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für den Erhalt unserer Demokratie einsetzen.“
https://marcraschke.de

Alte kosten zu viel und sind‘s selber schuld

Bestandsaufnahme einer bitteren Realität im kriegstüchtigen Großdeutschland:

Das Durchfüttern der Alten ist ein Kostenfaktor und damit ein Hemmnis für den kriegsbereiten Kapitalstandort. Die Alten haben gefälligst selbst dafür zu sorgen, dass sie dem Staat nicht zu sehr auf der Tasche liegen – entweder indem sie weiter lohnarbeiten gehen oder indem sie rechtzeitig auf „die beiden zusätzlichen Säulen der Alterssicherung, die betriebliche und private Vorsorge“ setzen.

Zum Schluss landet auch diese je-Autorin wieder bei dem verhängnisvollen bürgerlichen Idealismus, der sich bei Staat und Kapital beklagt, dass ihr Gesellschaftssystem gar nicht so nett zu allen ist, wie der Bürger es gerne hätte: „Es müsste nur den Willen geben, das Rentensystem generell, das alle Menschen betrifft, grundlegend zu verbessern.“

Dass es im Kapitalismus auch immer nur am guten Willen liegt bzw. scheitert! Damit sind wir dann – wie üblich im Reich der Freiheit – in der Sphäre des freien Willens und der guten Absichten angelangt. Und siehe da: so ist der Mensch eben! Es hat halt nicht jeder den guten Willen, da gibt es gute und weniger gute Absichten, und letztlich ist doch irgendwie sowieso jeder des anderen Wolf.

https://www.jungewelt.de/artikel/521028.arbeiten-bis-zur-bahre.html

Nee, lass man, „Amt für Soziales der Stadt Düsseldorf“

Ja, nee, danke, Amt für Soziales und Jugend der Stadt Düsseldorf.

Ich suche KEINE „Inspiration für die Zeit nach meiner Berufstätigkeit“, außer wie ich möglichst billig an einen Sarg oder eine Urne komme und den Übriggebliebenen möglichst wenig Kosten aufbürde. Denn die Zeit nach meiner Berufstätigkeit werde ich auf dem Friedhof beziehungsweise im Nirvana verbringen.

Warum das so ist, Amt für Soziales und Jugend der Stadt Düsseldorf?

Das will ich dir sagen: weil die armselige Niedrigrente, die du bzw. der Staat, dessen Armutsverwaltungsfiliale du bist, mir zugesteht, mich dazu zwingt, so lange es irgendwie geht einer Lohnarbeit nachzugehen.

Dein Angebot, irgendwo in deinen oder sonstigen Diensten ehrenamtlich und für lau arbeiten zu gehen kannst du dir in die Haare schmieren bzw. es den Wohlstandsrentnern unterbreiten, die sich zuhause langweilen und noch darüber erfreut sind, die Zeit mit unbezahlter Arbeit totzuschlagen.

Danke, aber nein danke, Amt für Soziales und Jugend der Stadt Düsseldorf.

„Leute schlagt die Alten tot, denn sie fressen euer Brot!“

Die CDU-SPD-Regierung legt bei ihrem großen Rundumschlag gegen die – für einen kriegstüchtig-wuchtigen Imperialismus mit Weltordnungsambitionen viel zu hohen – Sozialkosten jetzt zur Abwechslung die Axt an die Rente an und plant eine umfassende (wir ahnen es:) „Rentenreform“, also eine noch zügigere Verurteilung von Millionen ehemaligen Lohnarbeitern zur Altersarmut.

Man muss diesen Text noch nicht mal „zwischen den Zeilen“ lesen, sondern sieht sofort, was da auf die Bundesbürger zukommt, die mehrheitlich für genau die Grausamkeiten stimmen, die ihnen jetzt verabreicht werden:

„Die gesetzliche Rente reicht in der Regel längst nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt im Alter zu bestreiten. Das Problem wachsender Altersarmut besteht besonders in Ostdeutschland, weil hier mehr Menschen allein auf die gesetzliche Rente angewiesen sind.

Wegen steigender Mieten wächst das Problem aber auch in Westdeutschland. Trotz Einführung der Grundrente 2021 nimmt die Zahl der Bezieher der staatlichen Grundsicherung im Alter deutlich zu. Zudem hat sich die Riester-Rente für die private Altersvorsorge als Flop erwiesen: Die Nachfrage nach Riester-Produkten erlahmte und Millionen Verträge wurden eingefroren.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte deshalb unlängst einen Gesetzentwurf zur Reform der privaten Altersvorsorge vorgelegt. Zielsetzung sind neue Anlageprodukte, die mehr Geld in Aktiendachfonds anlegen und so mehr Rendite erzielen.“

https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/kanzler-will-schnelle-rentenreform-worauf-sich-die-deutschen-einstellen-

Wem bei solchen Sätzen nicht Bilder von Forken, Mistgabeln, Guillotinen und Gulag kommen, kann sich den Untertanen-Orden Erster Klasse anheften, und hat‘s ehrlich gesagt auch nicht anders verdient.

Soylent Green, anybody?

Rente: Gnadenbrot für ausgediente Lohnarbeiter, immerzu mit (zu hohen) Kosten verbunden

„Immer weniger aktiv Berufstätige sollen immer mehr Rentner finanzieren – das KANN doch gar nicht funktionieren!“ und „Der Generationenvertrag ist das Grundprinzip der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung!“ hört man Propagandaopfer bürgerlicher Ideologie oft sagen. Auch „Linke“. 

Sie sollen sich das Rentensystem als eine Art kollektiver Wohltätigkeitsveranstaltung vorstellen, bei der die fitten Jungen aus Einsicht (und ein bißchen Zwang durch den Lohnabzug für die Rentenversicherung) und Nettigkeit der älteren Generation großzügig den Lebensunterhalt spendieren.

Der GEGENSTANDPUNKT weiß es besser:

„Die Hoheit über das kapitalistische Gemeinwesen besteht eben darauf, dass die gesellschaftliche Gesamtsumme der durch Erwerbsarbeit verdienten Löhne gefälligst leisten muss, was dieser Lohn erklärtermaßen in keinem Einzelfall leistet, nämlich auch über das Erwerbsende hinaus das Leben zu finanzieren. 

Dieses Kunststück soll per Ergänzung dieser Unzulänglichkeit um ein gigantisches Umverteilungsverfahren gelingen, welches keineswegs „die Generationen“ untereinander ausgemacht haben, sondern mit dem der Sozialstaat alle Generationen als Einzahler und Leistungsempfänger auf sich bezieht und sie damit untereinander in den Gegensatz stellt, den er ihnen verordnet. 

Dass es das immer weniger tut, kann der Einrichter dieser Verhältnisse an dem seit Jahrzehnten alljährlich anwachsenden Zuschuss an Haushaltsmitteln ablesen, den er seiner gesetzlichen Rentenversicherung als zweite Finanzierungsquelle neben dem Umlageverfahren spendieren muss, damit die überhaupt weiterwirtschaften kann. 

Diese notorisch zu stopfende Finanzierungslücke behandelt die Hoheit sachgemäß nicht als den Offenbarungseid über den Widerspruch des Erwerbsmittels, das sie dem Großteil ihres fleißigen Volkes verordnet, sondern als ein Problem, welches einer Lösung durch immer neue, auch mal „tiefgreifende“ Reformen bedarf. 

In jedem Fall bleibt es dabei, dass die erwerbsabhängigen Generationen jüngeren Alters die Seite am Widerspruch des Lohns auszuhalten haben, dass dieser zwar durch allerhand staatliche Abzüge kräftig beansprucht wird, aber dabei keineswegs zu teuer werden darf für diejenigen, die ihn bezahlen und die durch steigende „Lohnnebenkosten“ von ihrer sozialen Tat der Schaffung von Arbeitsplätzen abgeschreckt würden. 

Und dieselben erwerbsabhängigen Gestalten älteren Semesters haben auszubaden, dass die für ihren Lebensabend abgezwackten Teile der notorisch beschränkten Löhne bloß nicht zu groß ausfallen dürfen, damit diese für die Jüngeren überhaupt noch als Lebensmittel reichen. Auch mit Rente bleiben die Lebensnotwendigkeiten des Alters eben eine Kost, die der Lohn weder hergibt noch verkraftet.“

https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/herbst-reformen#artikeltext

Rendite statt Rente

Rente? Wer braucht denn sowas!

RENDITE ist das Zauberwort, das ohnehin schon in dieser Welt den allerschönsten Klang hat – und so eine schöne, regelmäßige monatliche Rendite, die zuverlässig auf dem eigenen Konto eingeht ist doch mal was ganz anderes als die magere staatliche Rente, die der deutsche Durchschnittsprolet maximal bezieht.

Wie? Renditen sind abhängig von Marktentwicklung, Spekulationsgeschhäften und vom gerade erreichten Stand einer kapitalistischen Akkumulation, die speziell in den westeuropäischen Ländern momentan arg zu wünschen übrig lässt, folglich also nicht gerade ein zuverlässiger Garant gesicherter Ruhestandbezüge ist?

Egal! Sagt nur einmal dieses Wort: RENDITE!
Klingt das nicht wunderbar? Verspricht das nicht ein Leben in Luxus, im Überfluss, im Reichtum? Ist das nicht der Wunsch aller freiheitlichen Bürger der einzig menschengerechten Wirtschaftsweise, der MARKTWIRTSCHAFT?

Eben.

Werbung auf Facebook II

Bin ich der Einzige, der solche Anzeigen als brutalstmögliche Rentner- und Lohnarbeiterverarsche ansieht?

Offensichtlich kann man in diesem Staat die Rente nur „genießen“, wenn man zu einer kleinen betuchten Minderheit gehört oder im Lotto gewinnt.

Den Leuten für diese winzige, statistisch unwahrscheinliche Hoffnung Geld für Lotterielose aus der Tasche zu ziehen läuft dann einerseits über das absichtliche Spekulieren auf die NOTLAGE, die Bedürftigkeit vieler armer Berufstätiger und Rentner, die keine andere Möglichkeit als einen Lotteriegewinn haben, um ein anständiges Leben führen zu können.

Andererseits über die fromme Masche, das berechnende Ausnutzen der wie ein Damoklesschwert über jedem Lohnarbeiter hängenden Aussicht auf Altersarmut als gute Tat zu verkaufen, denn das Los unterstützt ja die „Aktion Mensch“ (früher „Aktion Sorgenkind“) – wiederum eine Wohltätigkeitsnummer, die per Glücksspiel das organisiert, was eigentlich gesellschaftliche, nämlich staatliche Aufgabe sein sollte: die Hilfe für geistig und körperlich eingeschränkte Menschen.

Alles in allem eine durchweg eklige Angelegenheit und lauter gute Gründe für Kommunismus.