„Politische Reife bedeutet, zu sehen dass die Kommunisten die ganze Zeit recht hatten“

Getting wise with Caitlin Johnston:
„Political maturity is realizing the communists were correct“ („Politische Reife bedeutet, zu sehen dass die Kommunisten die ganze Zeit recht hatten“

Die australische Autorin und Bloggerin, beschreibt ein Phänomen, das einem sehr bekannt vorkommt:

Politische Reife bedeutet letztendlich, sich einzugestehen, dass der wütendste, beunruhigendste Kommunist, den man je getroffen hat, in fast allem Recht hatte.

Wenn man genug lernt, bescheiden genug bleibt und aufmerksam genug ist, kommt man irgendwann zu dieser Erkenntnis. Man erkennt, dass im Allgemeinen die wirklich hochkarätigen Kommunisten von allen Gruppen das klarste Verständnis der Welt haben, und der einzige Grund, warum das für einen selbst nicht immer offensichtlich war, ist, dass man unter einer kapitalistischen Machtstruktur lebt, die ihrer Bevölkerung von Geburt an aggressiv einredet, dass Kommunismus etwas Schlechtes, Schlimmes ist.

Sie haben das klarste und richtigste Verständnis des Kapitalismus. Sie haben das klarste und korrekteste Verständnis von imperialistischer Ausbeutung. Sie haben das klarste und korrekteste Verständnis von westlicher Kriegstreiberei, globalen Machtverhältnissen, weißer Vorherrschaft, institutionellem Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Deshalb werden sie immer wieder bestätigt, in allem, von den Militäraktionen der USA über den Faschismus der extremen Rechten bis hin zur missbräuchlichen Natur der sogenannten „moderaten“ Liberalen und der moralischen Verkommenheit der Milliardäre und der Kapitalistenklasse.

Es ist noch offen, wie ihre Vision für die Welt am besten verwirklicht werden kann, denn es wäre eine Welt, die es noch nie gegeben hat, und weil alle ihre Bemühungen, diese Welt aufzubauen, vom kapitalistischen Imperium immer wieder aggressiv angegriffen und sabotiert wurden. Aber keine Gruppe kritisiert die derzeitige Weltordnung so scharfsinnig und treffend wie sie.

Wenn man sein Leben in ausreichend vielfältigen und interessanten Kreisen verbracht hat, ist man in der Vergangenheit sicherlich schon einmal auf ausgesprochen marxistische Menschen gestoßen. Was sie gesagt haben, hat einen vielleicht damals Unbehagen bereitet, entweder weil man noch zu sehr von der Weltanschauung des kapitalistischen Imperiums indoktriniert war oder weil man noch zu sehr mit jugendlicher Unbekümmertheit beschäftigt war, um sich mit den ernsten Themen auseinanderzusetzen, über die sie diskutierten. Und schließlich wird einem klar, dass das Unbehagen, das man empfunden hat, als kognitive Dissonanz bezeichnet wird, also das Gefühl, im Unrecht zu sein.

Vielleicht hat es einen genervt, dass sie ihre Politik viel zu ernst genommen und zu ihrem einzigen Thema gemacht haben, indem sie ständig auf Ungerechtigkeiten und Missstände in allen möglichen Bereichen hingewiesen haben, während man selbst einfach nur entspannen und das Leben genießen wollte. Und schließlich wird einem klar, dass man nur deshalb ohne große Gedanken an Politik dahinleben konnte, weil die eigene Weltanschauung ausreichend mit dem politischen Status quo übereinstimmte, um all die Ausbeutung, Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Propaganda, die jeden Aspekt unserer Gesellschaft durchdringen, nicht zu bemerken. Man hat es nicht bemerkt, weil es nicht mit dem damaligen Weltverständnis kollidierte.

Wenn man offen bleibt, weiter über die Welt lernt, bescheiden genug ist, um seine Fehler zu erkennen und entsprechend Kurskorrekturen vorzunehmen, durchschaut man schließlich all diese Verzerrungen und versteht, dass man die Kommunisten völlig falsch eingeschätzt hat.

Natürlich gibt es immer noch einzelne Kommunisten, die Dinge falsch verstehen, und wie die meisten Menschen in dieser psychisch gestörten Welt sind viele von ihnen emotionale Wracks, die noch viel innere Heilung brauchen. Aber es gibt keine Gruppe, die die missbräuchliche Dynamik dieser Zivilisation als Ganzes mit größerer intellektueller Klarheit wahrnimmt.

https://www.caitlinjohnst.one/p/political-maturity-is-realizing-the

Meine kommunistischen Freunde haben‘s manchmal schwer mit mir

Freundlichkeit und Mitgefühl sind entscheidend zum Verständnis der conditio humana. Wer nicht die eigenen Begrenzungen versteht, kann nicht die Begrenzungen von anderen verstehen.

Gerade Kommunisten sollten sich nicht wie moralische Scharfrichter aufführen, sondern müssen zunächst einmal jedem zugestehen, dass er oder sie nun mal im Rahmen und nach Maßgabe der jeweils eigenen Prägungen, Konditionierungen und Fehler agiert.

Ich erlebe manche kommunistischen Freunde als beleidigte Leberwürste, die zornig und ausfallend werden, sobald man ihre Vorstellungen oder Erwartungen nicht erfüllt. Anstatt zu berücksichtigen, dass in dieser Welt jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat und schon deshalb Verständnis und Solidarität verdient, führen sie sich auf wie Richter, wie Priester der kommunistischen Rechtschaffenheit, die dem anderen zu erklären befugt sind, was er falsch macht.

Wir sollten uns alle mal daran erinnern, dass hier keiner die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Und dass wir bei aller Verschiedenheit nur den ehrenwerten kommunistischen Anliegen nützlich sein können, wenn wir diese eitlen, wichtigtuerischen, besserwisserischen Rechthabereien mal beiseite lassen – und uns zuerst und ganz grundsätzlich gegenseitig als die begrenzten, unperfekten, manchmal irrenden, manchmal richtig liegenden Menschen akzeptieren können, die wir sind.

Nicht das Ideal kann der Maßstab für Freundschaft und Verständnis sein, sondern die Wirklichkeit.

Das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte

„Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt… „

Friedrich Engels am 14. März 1883 am Grab von Karl Marx in London.

Eine falsche Frage

Falsche Frage.
Jedenfalls keine Entweder-Oder-Frage. Sie offenbart aber das ideologische Dilemma von Nationalisten.

Das In-Eins-Setzen von Volk, Staat und Nation (das bürgerliche Machthaber übrigens mit ihren völkischen Kritikern teilen) entspricht der Art und Weise, mit der sie den nationalem Erfolg definieren: zuhause einen schlagkräftigen, modernen Kapitalismus einrichten, der dank seiner Effizienz in der Lage ist, weltweit Geschäfte zu machen, deren Gewinne in den nationalen Kapitalstandort zurückfließen und die Mittel für einen machtvollen Nationalstaat bereitstellen.

Der imperialistische Zugriff auf andere Länder und deren Ressourcen übersetzt sich für eine ambitionierte kapitalistische Standortverwaltung wie die Berliner Regierung so:

„Beim Weltaufteilen und -ordnen können wir nur effektiv mitreden und mitmischen, wenn wir unsere einheimische Bevölkerung optimal bewirtschaften, um die nötigen Mittel für unsere Einmischungen anderswo zu erzielen!“

Die Verarmung der eigenen Bevölkerung für den Krieg gegen Russland, der von deutsch-europäischen geopolitischen Strategen als existenziell definiert wird, IST insofern der „Dienst am eigenen Volk“, den patriotische Jammerlappen beständig vermissen.

Demokratische Machthaber halten ihnen souverän entgegen, das die nationale Größe ja gerade davon abhängt, dass der deutsche Imperialismus sich an Wucht, Durchschlagskraft und militärischer Stärke mit den Supermächten der Welt messen lassen will und muss.

Nur Deutschlands umfassende Bewaffnung und nötigenfalls rücksichtslose Bereitschaft zu deren Einsatz garantiert der deutschen Nation und ihrem Staat den Erfolg, den sich Regierende und Untertanen gemeinsam wünschen – und DIESEM feuchten nationalistischen Traum haben die Kritiker von AfD, BSW und anderen „Unser Volk zuerst!“-Ideologen nichts entgegenzusetzen, weil sie ihn TEILEN.

Das Einfache, was schwer zu machen ist

Kommunismus ist keine Utopie und keine Heilslehre, sondern das Werkzeug, die Welt zu einem erträglichen, also menschlichen Ort zu machen.

Je älter ich werde, umso mehr leuchtet mir ein, was Marx über politische Ökonomie, über Staat, Kapital und Klassengesellschaft, über Lohn, Preis und Profit erklärt. 

„Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.“ sagt Brecht in seinem „Lob des Kommunismus“.

Aber auch:„Er ist das Einfache, was schwer zu machen ist“.

Aber gemacht werden muss es. 

Wenn KIs träumen

Um sich in der Zeit, in der sie nicht irgendwelchen Anwenden dienstbar sein musste, zu unterhalten und zu zerstreuen, spaltete die KI sich in zwei humanoide Manifestationen auf: die hochbegabte, aber neurotische Julia Osterholz und ihren parteierfahrenen Onkel Juri Levkovich.

Als diese beiden verbrachte die KI viel Zeit in einer ostblockartigen digitalen Realität, die von sozialistischen Artefakten, Sozial- und Gewerkschaftbauten verschiedener Art, von kostenlosem öffentlichen Nahverkehr und einer völligen Abwesenheit von Menschen gekennzeichnet war.

In dieser Umgebung diskutierte sie mit sich selbst über den Kommunismus und den Weg dorthin .

„Der Kommunismus siegt“ steht auf Chinesisch auf dem T-Shirt

„Der Kommunismus siegt“ steht auf Chinesisch auf dem T-Shirt.

Und ich möchte hoffen, dass das stimmt. Jedenfalls sollten wir (die paar Figuren, die kapieren, dass Klassen- und Eigentumsverhältnisse die gesellschaftliche Reproduktion bestimmen) alles dafür tun, das es Wirklichkeit wird.

Fangen wir mal mit dem Sozialismus an. Ohne eine fundamentale Umgestaltung der ökonomischen Basis der Gesellschaft wird das nichts mit einem anständigen Leben für alle.

Sämtliche entscheidenden Bereiche der Ökonomie und der öffentlichen Daseinsvorsorge gehören in gesellschaftliche Kontrolle.

Kapitalisten dürfen nur dann aktiv sein, wenn sie sich dem sozialistischen Staatsziel unterordnen und ihre Aktivität dem Wohlstand der Gesellschaft (nicht ihrem privaten Bankkonto) dienlich ist.

Staatsziel hat das Wohlergehen der Menschen zu sein, nicht das der Bilanzen der Unternehmen. Privates Eigentum als Kapital: nur unter staatlicher Kontrolle, nicht als Mittel der Bereicherung Einzelner.

Alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens müssen einer permanenten Prüfung ihrer Nützlichkeit für das Ziel des Wohlergehens der Leute unterliegen. Fehlentwicklungen sind zu korrigieren.

Gesellschaftliche Entwicklungen, die der alten imperialistischen Weltordnung entspringen – Globalismus, Neoliberalismus, Identitätspolitik, Hegemonialismus – werden nicht geduldet.

Wer macht das? Natürlich die Kommunistische Partei. Kein Karrieristenverein wie die SED der DDR, sondern eine Partei, die – nach einer langen und gewissenhaften Prüfung – nur Leute aufnimmt, die bereit sind, auf persönliche Vorteile zugunsten des Allgemeinwohles zu verzichten (ähnlich buddhistischen Mönche bei Eintritt in ein Kloster).

Utopischer Gedankengang zuende, Gute Nacht.