Sollte ich noch einmal aus einer Laune heraus, oder aus Langeweile, an irgendeiner dieser periodischen Ermächtigungsveranstaltungen partizipieren wollen, die im Untertanensprachgebrauch „Wahlen“ genannt werden, ginge meine Stimme ausschließlich an eine Partei, die die in diesem Bild und Text ausgedrückten Standpunkte teilt:
„Seine (des Arbeiters) Arbeit ist daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit. Sie ist daher nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern sie ist nur ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen. Ihre Fremdheit tritt darin rein hervor, daß, sobald kein physischer oder sonstiger Zwang existiert, die Arbeit als eine Pest geflohen wird.“
Der junge Karl Marx umriss 1844 in seinen „Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten“ seine Grundgedanken und Erklärungen zu den Mechanismen der modernen Warenproduktion, zur Nationalökonomie und zur Rolle, die der Arbeiterklasse als dem von den Berechnungen des Kapitals abhängigen Menschenmaterial dabei zukommt. Die nur fragmentarisch überlieferten Manuskripte entstanden von April bis August 1844 in Paris und sind nach wie vor im Wesentlichen aktuell und gültig:
(Die) Entfremdung zeigt sich nicht nur im Resultat, sondern im Akt der Produktion, innerhalb der produzierenden Tätigkeit selbst. Wie würde der Arbeiter dem Produkt seiner Tätigkeit fremd gegenübertreten können, wenn er im Akt der Produktion selbst sich nicht sich selbst entfremdete? Das Produkt ist ja nur das Resümee der Tätigkeit, der Produktion. Wenn also das Produkt der Arbeit die Entäußerung ist, so muß die Produktion selbst die tätige Entäußerung, die Entäußerung der Tätigkeit, die Tätigkeit der Entäußerung sein. In der Entfremdung des Gegenstandes der Arbeit resümiert sich nur die Entfremdung, die Entäußerung in der Tätigkeit der Arbeit selbst.
Worin besteht nun die Entäußerung der Arbeit?
Erstens, daß die Arbeit dem Arbeiter äußerlich ist, d. h. nicht zu seinem Wesen gehört, daß er sich daher in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt, keine freie physische und geistige Energie entwickelt, sondern seine Physis abkasteit und seinen Geist ruiniert.
Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit. Sie ist daher nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern sie ist nur ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen. Ihre Fremdheit tritt darin rein hervor, daß, sobald kein physischer oder sonstiger Zwang existiert, die Arbeit als eine Pest geflohen wird.
Die äußerliche Arbeit, die Arbeit, in welcher der Mensch sich entäußert, ist eine Arbeit der Selbstaufopferung, der Kasteiung. Endlich erscheint die Äußerlichkeit der Arbeit für den Arbeiter darin, daß sie nicht sein eigen, sondern eines andern ist, daß sie ihm nicht gehört, daß er in ihr nicht sich selbst, sondern einem andern angehört. Wie in der Religion die Selbsttätigkeit der menschlichen Phantasie, des menschlichen Hirns und des menschlichen Herzens unabhängig vom Individuum, d. h. als eine fremde, göttliche oder teuflische Tätigkeit, auf es wirkt, so ist die Tätigkeit des Arbeiters nicht seine Selbsttätigkeit. Sie gehört einem andren, sie ist der Verlust seiner selbst.
Es kömmt daher zu dem Resultat, daß der Mensch (der Arbeiter) nur mehr in seinen tierischen Funktionen, Essen, Trinken und Zeugen, höchstens noch Wohnung, Schmuck etc., sich als freitätig fühlt und in seinen menschlichen Funktionen nur mehr als Tier. Das Tierische wird das Menschliche und das Menschliche das Tierische.
Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte 1844 [Die entfremdete Arbeit]
„Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt… „
Friedrich Engels am 14. März 1883 am Grab von Karl Marx in London.
Individuum und Kollektiv, Unterschiedlichkeit und Einheit. Ob es wieder so kommen wird, dass die Menschen „zusammengeschweißt durch gemeinsame Ideen, durch die Ideen der Partei, die Ideen von Marx und Lenin“ werden?
Die Ideen von Marx und Engels sind da, die Partei ist weit und breit nicht zu sehen, und die Menschen?
Vereinzelt, entwurzelt, verängstigt und mit ihrem Zurechtkommenmüssen beschäftigt. Kann die Idee, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen, die Ausbeuter zu entmachten und einen eigenen Staat zu organisieren, noch einmal, aufs Neue, die Menschen zusammenschweißen?
Es sieht nicht danach aus, aber ich kann mich täuschen. Ich MÖCHTE mich täuschen.