„Civilizations fall because they don’t understand the economic dynamics that have made them successful in their takeoff from the very beginning“

„Warum haben wir nicht erreicht, was alle klassischen Ökonomen für den industriellen Kapitalismus erwartet hatten, nämlich die Entwicklung einer gemischten Wirtschaft, öffentlich-privat, mit steigenden staatlichen Ausgaben für Infrastruktur, um die Kosten niedrig zu halten, und vor allem, um das zu tun, was im industriellen Kapitalismus revolutionär war, nämlich sich vom Feudalismus und den Hinterlassenschaften des Feudalismus zu befreien. Das wichtigste Erbe war die Klasse der erblichen Grundbesitzer, die immer noch das Oberhaus dominierte und die Grundrenten der Landadeligen, vor allem in ihren landwirtschaftlichen Gebieten, schützen wollte.

Immobilienmieten und Wohnungsmieten hatten noch nicht wirklich Fuß gefasst, aber das große Problem, mit dem Großbritannien konfrontiert war, war die Frage, wie man die Bevölkerung angesichts dieser protektionistischen Grundbesitzerklasse ernähren konnte. Ricardo erklärte 1817, was den Aufschwung der britischen Industrie zu blockieren drohte und zumindest ihre Expansion zum Stillstand bringen würde: die Notwendigkeit, Arbeitskräfte zu beschäftigen, um Waren herzustellen, die mit einem Aufschlag verkauft werden sollten, und letztendlich waren laut Ricardo, gemäß der Arbeitswerttheorie, der Preis und der Wert der meisten dieser Produkte auf Arbeit reduzierbar. Dazu gehörte auch die Arbeit, die in den Maschinen der Industriellen steckte, sowie die Produktion von Lebensmitteln und anderen Produkten, die die Arbeiter aus ihrem Lohn bezahlen mussten.“

Ein absolut brillanter, tiefgründiger und erhellender Diskurs des marxistischen Ökonomen Professor Michael Hudson über die Wandlung des westlichen industriellen Kapitalismus zu einem renten- und finanzkapitalistischen System. Er macht den Vergleich mit der Entwicklung des Industriellen Kapitalismus in Großbritannien und Europa im 18. und 19. Jahrhundert und bringt viele Beispiele, dafür wie die Trennung zwischen industriellem und Rentier- bzw. Finanzkapital erfolgt und sich heutzutage vollzieht (vor allem in den USA).

Hochinteressant auch sein Exkurs über die tödliche Abhängigkeit Europas von der amerikanischen renten- und finanzkapitalistischen Klasse (heutzutage gerne auch die Epstein-Klasse genannt) und wie im Zuge der Wandlung des westlichen Kapitalismus zu einer nahezu ausschließlichen Rentenökonomie die Ausplünderung der lohnabhängigen Klassen immer weiter verschärft wird:

„Herr Selenskyj sagt uns also, dass wir lieber das ukrainische Volk sterben lassen sollten. Menschen spielen keine Rolle. Die Kontrolle über Land ist wichtig.

Russland zu schaden ist wichtig. Und die Tatsache, dass ihr Deutschen zweimal gegen Russland verloren habt, im Ersten Weltkrieg und im Zweiten Weltkrieg, vielleicht könnt ihr euch dieses Mal rächen. Lasst uns den Krieg mit militärischem Keynesianismus noch einmal führen.

Wenn ihr die Waffen herstellt, werdet ihr sie tatsächlich in Russland einsetzen. Nun, dieser Kampf zwischen dem in den Vereinigten Staaten ansässigen Rentier-Finanzkapitalismus, der auf dem Monopol der künstlichen Intelligenz, dem Monopol der Computer und der Informationstechnologie basiert, soll die industriellen Gewinne Amerikas ersetzen, die es mit Agrarexporten erzielt hat, die nach 1945 der Schlüssel zur Zahlungsbilanz und zur Dominanz des Systems Amerikas waren. Sie wollen dies durch Monopoleinkünfte für Informationstechnologie und künstliche Intelligenz ersetzen.

Nun, Europa hatte gedroht zu sagen: „Eines der Probleme ist nicht nur, dass Sie Monopoleinkünfte verlangen, sondern dass Sie darauf bestehen, dass wir Europäer diese nicht einmal besteuern. Wir sollen unsere Arbeit besteuern, die Steuerlast auf die Arbeit verlagern, sie von den Unternehmen und den Renteneinkünften wegnehmen und vor allem von den Amerikanern wegnehmen. Und so sagte Trump: „Nun, damit werden wir Schluss machen.

Wir werden euch mit Zöllen belegen und eure Wirtschaft stören. Und eure Unternehmen werden keinen Zugang zum US-Markt mehr haben. Und auch durch die NATO, glücklicherweise haben wir die NATO genutzt, um die Europäische Union zu kontrollieren, wie wir bereits besprochen haben, und sie sind Kapitulationsaffen.

Und sie haben kapituliert und gesagt: Okay, wir werden das Monopol der Vereinigten Staaten nicht besteuern. Wir werden nicht nur beim Gas, sondern auch bei der Informationstechnologie von den Vereinigten Staaten abhängig sein. Wir werden unser gesamtes Lohn- und Einkommenswachstum doch an die Vereinigten Staaten abführen, weil wir auf euch angewiesen sind, um uns vor der Gefahr zu schützen, dass die Russen auf ihrem Weg nach Großbritannien direkt in Deutschland einmarschieren.

Das ist verrückt. Und man könnte sagen, dass Zivilisationen untergehen, weil sie die wirtschaftlichen Dynamiken nicht verstehen, die ihnen von Anfang an zu ihrem Erfolg verholfen haben.“

Man kann ohne weiteres angesichts der heute beobachtbaren Entwicklung des westlichen Ökonomien und Gesellschaften von einem zivilisatorischem Zusammenbruch sprechen, dessen Auswirkungen auf  die allgemeine Bevölkerung erst begonnen haben. Da kommt noch mehr, viel mehr. Und es wird nicht schön sein.

Gehen Sie bitte weiter. Hier gibt es nichts zu sehen

Aber wir sollen funktionieren.

Und außerdem sagen uns die Machthaber, dass wir zu faul sind, zu wenig arbeiten, zu zu oft krank sind und zu früh in Rente gehen.

Und nun zum Sport.

„I cannot stop thinking about what is happening in this world. We are not meant to witness violence at this level. We are not able to process what we are consuming day in and day out. Living in current times is incredibly challenging at best, an absolute torture at worst.“

(„Ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, was in dieser Welt geschieht. Wir sind nicht dafür geschaffen, Gewalt in diesem Ausmaß mitanzusehen. Wir sind nicht in der Lage, das zu verarbeiten, was wir Tag für Tag konsumieren. Das Leben in der heutigen Zeit ist bestenfalls unglaublich herausfordernd, schlimmstenfalls eine absolute Qual.“)

https://fb.watch/F68j5NKdCt/?fs=e

„Lies Lenins „Staat und Revolution”. Rüste dich mit Wissen. Und organisiere dich. Es gibt viel zu tun.“

Die ERPRESSBARKEIT der führenden politischen, finanziellen und kulturellen Charaktermasken des imperialistischen Systens ist die VORAUSSETZUNG für ihre EINSETZUNG als zuverlässige Funktionäre der kapitalistischen Reichtumsproduktion und deren Aneignung durch den neo-feudalen Geldadel.

Joti Brar, Co-Vorsitzende der britischen Kommunisten (CPGB-ML) schreibt präzise und klar, warum „Epstein“ kein Ausrutscher, sondern PRINZIP des imperialistischen Alltags ist:

Mandelson, Starmer, Maxwell … sie alle arbeit(et)en für die herrschende Klasse, nicht für uns.

Die tiefere Wahrheit über das Epstein-Netzwerk besteht nicht darin, dass es einen korrupten Einzelnen oder sogar ein Netzwerk von Degenerierten enthüllt, sondern dass es einige der Mittel aufdeckt, mit denen die inoffiziellen Mechanismen der kapitalistischen Klassenherrschaft hinter den Kulissen ausgeübt werden.

Epstein war nicht nur ein Vermittler sexueller Perversionen und Partyveranstalter, er war ein Geschäftsvermittler, ein Verhandlungsführer hinter den Kulissen für Banker und Regierungen und Teil der Geheimdienst-/Kompromittierungsmaschinerie der angloamerikanischen imperialistischen Staatsapparate.

Wer glaubt, er sei der Einzige gewesen, irrt sich. Genau so funktioniert das System in Wirklichkeit. Die sozialen Bindungen der Eliten auf perversen Partys gehen Hand in Hand mit dem Austausch von Informationen und dem Abschluss von Hinterzimmergeschäften.

Die Teilnahme verschafft den aufstrebenden Mandarinen der Finanzoligarchie Zugang. Und eine detaillierte Kompromat-Akte ist eine notwendige Voraussetzung für ein hohes Amt.

Lenin hatte vielleicht keine Einblicke in die sexuellen Ausschweifungen der Bourgeoisie, aber ihre Herrschaftsmechanismen waren ihm vollkommen klar. In seinem 1916 erschienenen Buch „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ beschrieb er, wie die herrschende Klasse der imperialistischen Länder zahlenmäßig sehr klein wurde, aber auf eine Weise miteinander verbunden war, die ein persönliches und völlig ungewähltes Netzwerk der Entscheidungsfindung schuf.

„Es entsteht sozusagen eine persönliche Verbindung zwischen den Banken und den größten Industrie- und Handelsunternehmen, eine Verschmelzung der einen mit den anderen durch den Erwerb von Aktien, durch die Berufung von Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder Vorstände) von Industrie- und Handelsunternehmen und umgekehrt.“ (Kapitel 2)

Wie Friedrich Engels bereits früher hervorhob:

„In der demokratischen Republik […] übt der Reichtum seine Macht indirekt, aber umso sicherer aus. Er tut dies auf zwei Arten: durch die schlichte Bestechung von Beamten, wofür Amerika das klassische Beispiel ist, und durch ein Bündnis zwischen der Regierung und der Börse.“ (Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, 1884, Kapitel 9)

Dieser Zustand kann weder durch Untersuchungen noch durch Abstimmungen beeinflusst werden. Er ist das Ergebnis der Entwicklung kapitalistischer Produktionsverhältnisse und wird durch einen Staatsapparat durchgesetzt, der über viele Jahrhunderte der Klassenherrschaft hinweg perfektioniert wurde.

Um die abscheuliche Kriminalität abzuschaffen, die sich nicht nur in pädophilen Sexringen, sondern auch in endlosen Völkermorden in den kolonialisierten Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas zeigt, ist eine vollständige Veränderung des Sozialsystems erforderlich – die Zerschlagung der Herrschaftsmaschinerie der Finanziers und ihre Ersetzung durch die wirtschaftlichen und politischen Institutionen der Herrschaft der Arbeiterklasse.

Lies Lenins „Staat und Revolution”. Rüste dich mit Wissen. Und organisiere dich.

Es gibt viel zu tun.“

„Politische Reife bedeutet, zu sehen dass die Kommunisten die ganze Zeit recht hatten“

Getting wise with Caitlin Johnston:
„Political maturity is realizing the communists were correct“ („Politische Reife bedeutet, zu sehen dass die Kommunisten die ganze Zeit recht hatten“

Die australische Autorin und Bloggerin, beschreibt ein Phänomen, das einem sehr bekannt vorkommt:

Politische Reife bedeutet letztendlich, sich einzugestehen, dass der wütendste, beunruhigendste Kommunist, den man je getroffen hat, in fast allem Recht hatte.

Wenn man genug lernt, bescheiden genug bleibt und aufmerksam genug ist, kommt man irgendwann zu dieser Erkenntnis. Man erkennt, dass im Allgemeinen die wirklich hochkarätigen Kommunisten von allen Gruppen das klarste Verständnis der Welt haben, und der einzige Grund, warum das für einen selbst nicht immer offensichtlich war, ist, dass man unter einer kapitalistischen Machtstruktur lebt, die ihrer Bevölkerung von Geburt an aggressiv einredet, dass Kommunismus etwas Schlechtes, Schlimmes ist.

Sie haben das klarste und richtigste Verständnis des Kapitalismus. Sie haben das klarste und korrekteste Verständnis von imperialistischer Ausbeutung. Sie haben das klarste und korrekteste Verständnis von westlicher Kriegstreiberei, globalen Machtverhältnissen, weißer Vorherrschaft, institutionellem Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Deshalb werden sie immer wieder bestätigt, in allem, von den Militäraktionen der USA über den Faschismus der extremen Rechten bis hin zur missbräuchlichen Natur der sogenannten „moderaten“ Liberalen und der moralischen Verkommenheit der Milliardäre und der Kapitalistenklasse.

Es ist noch offen, wie ihre Vision für die Welt am besten verwirklicht werden kann, denn es wäre eine Welt, die es noch nie gegeben hat, und weil alle ihre Bemühungen, diese Welt aufzubauen, vom kapitalistischen Imperium immer wieder aggressiv angegriffen und sabotiert wurden. Aber keine Gruppe kritisiert die derzeitige Weltordnung so scharfsinnig und treffend wie sie.

Wenn man sein Leben in ausreichend vielfältigen und interessanten Kreisen verbracht hat, ist man in der Vergangenheit sicherlich schon einmal auf ausgesprochen marxistische Menschen gestoßen. Was sie gesagt haben, hat einen vielleicht damals Unbehagen bereitet, entweder weil man noch zu sehr von der Weltanschauung des kapitalistischen Imperiums indoktriniert war oder weil man noch zu sehr mit jugendlicher Unbekümmertheit beschäftigt war, um sich mit den ernsten Themen auseinanderzusetzen, über die sie diskutierten. Und schließlich wird einem klar, dass das Unbehagen, das man empfunden hat, als kognitive Dissonanz bezeichnet wird, also das Gefühl, im Unrecht zu sein.

Vielleicht hat es einen genervt, dass sie ihre Politik viel zu ernst genommen und zu ihrem einzigen Thema gemacht haben, indem sie ständig auf Ungerechtigkeiten und Missstände in allen möglichen Bereichen hingewiesen haben, während man selbst einfach nur entspannen und das Leben genießen wollte. Und schließlich wird einem klar, dass man nur deshalb ohne große Gedanken an Politik dahinleben konnte, weil die eigene Weltanschauung ausreichend mit dem politischen Status quo übereinstimmte, um all die Ausbeutung, Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Propaganda, die jeden Aspekt unserer Gesellschaft durchdringen, nicht zu bemerken. Man hat es nicht bemerkt, weil es nicht mit dem damaligen Weltverständnis kollidierte.

Wenn man offen bleibt, weiter über die Welt lernt, bescheiden genug ist, um seine Fehler zu erkennen und entsprechend Kurskorrekturen vorzunehmen, durchschaut man schließlich all diese Verzerrungen und versteht, dass man die Kommunisten völlig falsch eingeschätzt hat.

Natürlich gibt es immer noch einzelne Kommunisten, die Dinge falsch verstehen, und wie die meisten Menschen in dieser psychisch gestörten Welt sind viele von ihnen emotionale Wracks, die noch viel innere Heilung brauchen. Aber es gibt keine Gruppe, die die missbräuchliche Dynamik dieser Zivilisation als Ganzes mit größerer intellektueller Klarheit wahrnimmt.

https://www.caitlinjohnst.one/p/political-maturity-is-realizing-the

„Leute schlagt die Alten tot, denn sie fressen euer Brot!“

Die CDU-SPD-Regierung legt bei ihrem großen Rundumschlag gegen die – für einen kriegstüchtig-wuchtigen Imperialismus mit Weltordnungsambitionen viel zu hohen – Sozialkosten jetzt zur Abwechslung die Axt an die Rente an und plant eine umfassende (wir ahnen es:) „Rentenreform“, also eine noch zügigere Verurteilung von Millionen ehemaligen Lohnarbeitern zur Altersarmut.

Man muss diesen Text noch nicht mal „zwischen den Zeilen“ lesen, sondern sieht sofort, was da auf die Bundesbürger zukommt, die mehrheitlich für genau die Grausamkeiten stimmen, die ihnen jetzt verabreicht werden:

„Die gesetzliche Rente reicht in der Regel längst nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt im Alter zu bestreiten. Das Problem wachsender Altersarmut besteht besonders in Ostdeutschland, weil hier mehr Menschen allein auf die gesetzliche Rente angewiesen sind.

Wegen steigender Mieten wächst das Problem aber auch in Westdeutschland. Trotz Einführung der Grundrente 2021 nimmt die Zahl der Bezieher der staatlichen Grundsicherung im Alter deutlich zu. Zudem hat sich die Riester-Rente für die private Altersvorsorge als Flop erwiesen: Die Nachfrage nach Riester-Produkten erlahmte und Millionen Verträge wurden eingefroren.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte deshalb unlängst einen Gesetzentwurf zur Reform der privaten Altersvorsorge vorgelegt. Zielsetzung sind neue Anlageprodukte, die mehr Geld in Aktiendachfonds anlegen und so mehr Rendite erzielen.“

https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/kanzler-will-schnelle-rentenreform-worauf-sich-die-deutschen-einstellen-

Wem bei solchen Sätzen nicht Bilder von Forken, Mistgabeln, Guillotinen und Gulag kommen, kann sich den Untertanen-Orden Erster Klasse anheften, und hat‘s ehrlich gesagt auch nicht anders verdient.

Soylent Green, anybody?

Die Zäpfchen im Arsch der Bourgeoisie

Als Zäpfchen im Arsch der Bourgeoisie
lebt sich‘s für „Linke“ gut wie nie.
Ein Parlamentarier-Grundgehalt:
schon sind sie für Rüstung und Krieg und Gewalt.

Mit der herrschenden Klasse ein Kopf und ein Arsch
setzt sich „Die Linke“ gen Osten in Marsch
und singt im Chor mit der Bourgeoisie:
„Ach, ist nicht das Leben so schön wie nie?

Macht sich nicht so ein Fraktionsgehalt
gleich doppelt und dreifach und vierfach bezahlt?
Vieltausende Euro! Die spätere Rente!
Da sind wir dabei, bei der Zeitenwende!“

Der Klassenfeind weiß, was er an ihm hat,
an seinem sozialen Feigenblatt,
das Aufrüstung und Verarmung und Krieg
als Mittel der eigenen Mitsprache sieht:

Sozialdemokratische Perfidie
als Zäpfchen im Arsch der Bourgeoisie.

Was die „Epstein Files“ politisch und sozialpsychologisch für die westlichen Gesellschaften bedeuten. Zwei lesenswerte Beiträge 

Mord, sexueller Missbrauch von Männern, Frauen und Kindern, Kannibalismus – es gibt kein Verbrechen, und sei es noch so viehisch und widerwärtig, dem die westlichen Eliten in Kapital, Politik und Medien sich nicht begeistert gewidmet haben, sobald sich via Jeffrey Epstein die Gelegenheit dazu bot.

Das, liebe Mitbürger, sind die Eliten, denen ihr bereitwillgst die Märchen von Demokratie, Wohlstand, Kriegstüchtigkeit und überlegener westliche Moral abkauft, mit denen sie euch seit Jahrzehnten einseifen.

Das sind die Eliten, deren Herrschaft(ssystem) ihr mit jeder Wahl neu ermächtigt.

Das sind übrigens auch die Eliten, die euch verarmen und verarschen, um (im Namen ihrer auf Epstein‘s Insel und anderswo demonstrierten WERTE) von ihrer ukrainischen Stellvertreterarmee Russen töten zu lassen.

Insofern, werte(westliche) Freiheitundmarktwirtschaft-Fans, seid ihr alle kleine Epsteins.

Das schönste der „absurden Ersatznarrative“ mit der sich, im Zuge der Epstein-Dokumente, die leitmediale Mehrheit derzeit in ihrer hektischen Bemühung blamiert, von dem abzulenken, was sie nicht mehr leugnen oder verschweigen kann, ist der erbärmliche Versuch, der ganzen Geschichte den gewohnten Russland.- bzw. Putin-Spin zu geben. „Epstein war ein KGB-Spion“ und „Alle Spuren führen nach Moskau“ war der erwartbare Dreh, der dieser Geschichte verpasst wird.

Möglicherweise können die Propandamedien einer Elite, die jetzt durch die Veröffentlichungen der perversen Machenschaften eines wesentlichen Teils von ihr bloßgestellt ist, noch darauf bauen, dass das irgendwie, eine Weile vielleicht, bei einem Teil ihres gründlich russophob verhetzten Publikums funktioniert.

Vermutlich aber gilt selbst für die umfassend propagandisierte „Mehrheitsgesellschaft“, die moderne Kapitalstandorte bevölkert, der alte, Abraham Lincoln zugeschriebene Satz “You can fool all of the people some of the time, and some of the people all of the time, but you cannot fool all the people all the time.“

Das dürfte – müsste – der Effekt der teilweisen Aufdeckung der unaussprechlichen Verbrechen der Herren dieser Welt durch die Epstein-Dokumente sein. Dagegen sprechen zwei Aspekte: einmal die Lethargie der „Kammersowiesonixmache“-Bürger, die zu großen Teilen längst resigniert haben. Zum anderen (wesentlichen) Teil die Beharrungskraft – und die Möglichkeiten – der herrschenden Klasse, v.a. derjenigen Teile von ihr, die die Fäden ziehen, an denen Medien, Politik und Justiz hängen. Das sind dieselben Kreise und Individuen, die ihre kranken Perversionen im Gefühl ihrer Unantastbarkeit auf Epsteins Insel und anderswo ausgelebt haben. Und vermutlich noch ausleben.

Man kann sich vorstellen, mit welcher hektischen Aktivität in diesen Zirkeln derzeit Schadensbegrenzung zu betreiben versucht wird.

Letztlich wird es am Souverän liegen, die Konsequenzen aus diesem real gewordenen Albtraum einer komplett monströsen, dämonisch enthemmten herrschenden Klasse zu ziehen sind. Bestimmte seinerzeit innovative Instrumente aus dem Frankreich des späten 18. Jahrhunderts kommen einem in den Sinn, mit denen man sich damals der parasitären, zutiefst dekadenten ausbeuterischen Oberschicht entledigt hat.

Aber bei uns? Heutzutage und hierzulande? Ich wage es zu bezweifeln.


1) Aya Velazquez (Journalistin, Kulturanthropologin)

Meine 5 Cent zu den Epstein-Files: Wir erleben gerade ohne jeden Zweifel ein Hyper-Event im Massenbewusstsein, allerdings mit ambivalenten Implikationen. Dass sich plötzlich reihenweise Menschen bei als „Verschwörungstheoretikern“ gebrandmarkten Personen wie Xavier Naidoo entschuldigen, dass Springer-Journalisten öffentlich ihre völlige Konsternierung offenbaren – hinter diese grundlegende Erkenntnis geht es nun nicht mehr zurück. Es ist ein ultimativer „Black Pill“-Moment für den Mainstream. Arroganz gegenüber abgefahren klingenden Verschwörungstheorien lässt sich ab jetzt nicht mehr so einfach als „Default“-Sichtweise vertreten, ohne die eigene Ignoranz gegenüber neuen, offiziellen Erkenntnissen zur Schau zu stellen.

Denn es handelt sich um offizielles Regierungsmaterial. Dagegen lässt sich – in Analogie zu den RKI-Files – nun einmal schwer gegen andiskutieren. Man kann die Causa Epstein höchstens ignorieren (siehe rechtspopulistisch-zionistische Medien wie Nius oder Apollo, aber auch unsere üblichen „linken“ Faktenchecker vom Dienst, etwa die Amadeu-Antonio-Stiftung, sind plötzlich eigenartig verstummt) oder sich mit albernen „Russland“-Behauptungen vollkommen zum Löffel machen (BILD).

Die Realität ist – ab sofort amtlich bestätigt – noch viel abgefahrener, als die abgefahrensten Verschwörungstheoretiker es seit Jahren behauptet haben. Hinter diese Erkenntnis geht es nun nicht mehr zurück – zumindest, wenn man sich auch nur rudimentär in sozialen Medien informiert. Soviel zum durchaus erfreulichen Aspekt dieser Veröffentlichung.

Man muss sich jedoch eines ganz klar bewusst machen: Solange es keine Verhaftungen gibt, handelt es sich hier vor allem um Massentraumatisierung und Verstetigung von schwersten Verbrechen als „Privilegien“ der Superreichen und Mächtigen. Öffentliche Beschämung ist das einzige, was der Öffentlichkeit bislang als „Strafe“ oder „Sühne“ der Verantwortlichen dargeboten wird. Kindesmissbrauch und -mord wird somit in unseren Köpfen als „neues Normal“ und „ultimatives Statussymbol“ installiert: Wer DAS straffrei tun darf, ist WIRKLICH reich und mächtig. Das ist okkultes Social Engineering. 

Michael A. Hoffman beschrieb es in seinem Buch „Secret Societies and Psychological Warfare“ als ‚the Revelation of the Method‘, zu Deutsch „die Offenlegung der Methode“: Man verrät, was man macht, und wie man es macht, und konditioniert damit das Massenbewusstsein hin zu einer neuen Realität. Die dadurch erzeugte Ohnmacht ist eine weitere bewusste Demütigung, Machtdemonstration, und Verstetigung dieser Macht. Er spricht von einer „clown-like, grinning mockery of the victims“ – einer clownesken, grinsenden Verhöhnung der Opfer.

Solange es keine Verhaftungen gibt, dient die Epstein-Files-Veröffentlichung in erster Linie solchen „Social-Engineering“-Zwecken: Eine okkulte Konditionierung des Massenbewusstseins hin zur Anerkennung einer für die Massen bis dahin neuen, monströsen Realität als „normal“. Nur wenn rechtliche Konsequenzen folgen, kann hier von einer echten Aufklärung die Rede sein. Ich bezweifle, dass solche Konsequenzen folgen werden, denn für Razzien und Verhaftungen war seit Epsteins Verhaftung nun wirklich genug Zeit. Daher bin ich – bei aller Erfreulichkeit des bahnbrechenden Erkenntnisgewinns für Normies –  hier eher bei Michael A. Hoffman.


2) Caitlin Johnston (australische Bloggerin)

Sie müssen verstehen, dass hinsichtlich der Epstein-Akten nichts unternommen werden wird.

Gar nichts.

Die in den Dokumenten genannten Personen werden keine Konsequenzen zu befürchten haben. Die Institutionen, die für die Missbräuche verantwortlich sind, von denen Sie erfahren haben, werden nichts an ihrer Vorgehensweise ändern. Ihre Regierung wird absolut nichts an ihrer Politik und ihrem Verhalten ändern.

Es wird nichts unternommen werden, wenn Sie die andere politische Partei wählen. Es wird nichts unternommen werden, wenn Sie neue Politiker wählen. Es wird nichts unternommen werden, wenn Sie Briefe an Ihre Senatoren und Abgeordneten schreiben. Es wird nichts unternommen werden, wenn Sie vor Regierungsgebäuden protestieren.

Es werden keine bedeutenden Gesetze verabschiedet werden. Es wird keine Strafverfolgungen mit nennenswerten Konsequenzen geben.

Sie glauben mir nicht? Beobachten Sie einfach und passen Sie gut auf.

Die Machtstruktur, die die Missbräuche von Epstein hervorgebracht hat, wird nichts gegen die Missbräuche von Epstein unternehmen. Das Einzige, was sich möglicherweise ändern könnte, ist, dass einige Menschen sich gegen diese Machtstruktur radikalisieren.

Das ist der einzige wirkliche Vorteil, der sich aus diesen Veröffentlichungen über Epstein ergeben könnte, die die Öffentlichkeit seit Jahren fordert. Dass vielleicht ein paar mehr Menschen erkennen, wie widerwärtig und böse die Menschen sind, die ihre Gesellschaft lenken.

Wie widerwärtig und böse der Kapitalismus und das westliche Imperium sind. Wie widerwärtig und böse Israel und der Zionismus sind. Dass die Gemeinschaft sich vielleicht etwas mehr bewusst wird, dass wir in einer Dystopie leben, die die Schlimmsten unter uns in Führungs- und Machtpositionen befördert.

Das ist es. Das ist die einzige positive Veränderung, die aus all dem hervorgehen könnte. Unsere Herrscher werden nichts tun, um das Unrecht zu beseitigen, aber die Menschen könnten etwas mehr bereit und willens sein, unsere Herrscher zu stürzen.

Das ist der einzige Weg, wie Gesundheit und Menschlichkeit diesmal gewinnen können. Indem wir ein Paar Augenlider nach dem anderen öffnen und erkennen, dass alles im Arsch ist, weil wir unter einem beschissenen System leben, das beschissene Menschen in Machtpositionen bringt, und dass wir keine gesunde Welt haben werden, solange wir dieses beschissene System nicht abschaffen, das die beschissenen Menschen an die Macht bringt.

Die Veröffentlichungen über Epstein werden nichts an der Missbräuchlichkeit des Systems ändern. Aber sie könnten die Menschen dazu bewegen, dieses System abzubauen.

Armut für alle!

„Armutsgefährdet ist nach der Definition der Europäischen Union, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat.

Dieser Wert lag für Alleinlebende in Deutschland 2025 bei 1.446 Euro netto im Monat, für aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern bestehende Haushalte bei 3.036 Euro. (…)

Etwa 13,3 Millionen Bundesbürger lagen mit ihrem Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze.“

https://www.jungewelt.de/artikel/516858.finanzielle-und-soziale-ausgrenzung-armut-nimmt-zu.html

Geschichten, die das Leben schrieb: ein mediales Selbstexperiment

Heute habe ich zum ersten Mal seit – gefühlt – Jahren die „Tagesthemen“ der ARD gesehen. Meine Liebste schaut sich diese oder vergleichbare „Nachrichtensendungen“ fast jeden Tag an, oft sogar mehrfach. Ich hatte seit einigen Tagen krankheitsbedingt nichts mehr essen können und verspürte heute erstmalig wieder ein bißchen Appetit, so dass ich mir ein trockenes Brot mit Olivenöl beträufelte und mich gesellig zur Frau aufs Sofa verfügen wollte.

Mit der Bemerkung „Mach mal laut, ich will auch mal ‚tagesthemen‘ gucken!“, setze ich mich zu ihr (sie guckt aus Rücksicht auf mich immer mit Kopfhörern Fernsehen). „Nee, ich mach nicht laut, dann muss ich mir deine Kommentare anhören!“ kriege ich zur Antwort. 

Dem hab ich wenig entgegenzusetzen, denn ob ich es schaffe, mir 30 Minuten die merkwürdige Mischung aus Heile Welt, Sportnachrichten, Wetterbericht und Kriegspropaganda anzusehen, die in solchen „Nachrichten“-Sendungen zusammengerührt wird, ist wirklich äußerst zweifelhaft. 

Weise und beziehungserfahren wie ich nun mal bin, trolle ich mich wieder aufs Bett und überlege, aus lauter Jux und Dollerei mir doch mal zu Gemüte zu führen, womit meine bei weitem bessere Hälfte sich Tag für Tag berieselt. Nach kurzem Nachdenken ist die Entscheidung gefallen: Ich werde es tun. Ich werde mir persönlich und eigenäugig, unter Missachtung aller Konventionen mentaler Hygiene und psychischer Balance, die „Tagesthemen“ anschauen!

Wie werde ich es verkraften? Wird ein solches Experiment meinen ohnehin angeschlagenen Gesundheitszustand nicht endgültig in lethale Bereiche versetzen? Ich bin risikofreudig genug um es dennoch zu versuchen, denn ich sage mir „Millionen von Menschen sehen sich das Zeug an und überstehen es auch irgendwie! Sei keine Memme und gib es dir! Augen auf und durch!!“

Gedacht, getan. Die ARD-App auf dem iPad hat einen „Live-TV“-Bereich, soeben hat die Sendung begonnen, ein Moderator namens Ingo Zappelphilipp oder so steht in einem grauen Anzug mit Hochwasserhosen vor einem gebogenen Riesenbildschirm und berichtet von einem Holocaust-Gedenken im Bundestag. Ich ahne Fürchterliches. Und richtig: Gezeigt wird die politische Elite der BRD, die Amtsträger und Abgeordneten, die in der Ukraine echten Faschisten zur Macht verholfen haben und deren Stellvertreterkrieg gegen Russland ausrüsten und finanzieren. Also die politische Klasse, die sich nicht daran stört, dass ukrainische Nazis mit SS- und Hakenkreuztattoos sich beim Russenmorden auf ihre historischen und ideologischen deutschen Vorbilder beziehen.

Die politischen Charaktermasken werden mit ernsten, schwerste Betroffenheit signalisierenden Gesichtsausdrücken gezeigt – und in Begleitung einer alten Dame, die als kleines Kind in einem deutschen Konzentrationslager war. Sie darf sogar im Bundestag sprechen und schildert das Grauen, dem die Insassen dieser Aufbewahrungs- und Vernichtungsstätten für Abweichler von der staatlich verordneten Ideologie ausgesetzt waren. 

So wie sie es schildert, hat es anscheinend nur Juden in den KZ gegeben und nur jüdische Menschen wurden dort getötet. Die Hunderttausende von Kommunisten, Sozialdemokraten, Humanisten, sowjetischen Soldaten und anderem unerwünschten Menschenmaterial werden nicht erwähnt. Natürlich erzählt die Frau nur über ihr eigenes persönliches Schicksal, und es ist kein historischer Vortrag von ihr zu erwarten. Ihre Rede dient aber der Bestätigung des erbärmlichen, verlogenen, offiziellen „Antifaschismus“ eines Staates, der nicht nur der direkte Nachfolger des faschistischen „Deutschen Reiches“ ist, sondern diesem unterhalb der direkten physischen Menschenvernichtung mittlerweile in einigen Bereichen zum Verwechseln ähnelt.

Vorrangig in Bezug auf den durch nichts mehr gebändigten Russenhaß, die hysterische Russophobie, die das Denken und Handeln der politischen Eliten bestimmt. Ebenso durch manche Aspekte der Repression, die staatlicherseits gegen abweichende Meinungen und Kritiker in Anschlag gebracht wird.

All dies habe ich im Hinterkopf, während ich mir das bizarre Schauspiel höchster politischer Heuchelei im Bundestag anschaue und frage mich: Glauben die sich selbst ihre so aufdringlich dargestellte Betroffenheit? Oder wissen die einfach, dass dies das Gesicht ist, das man zu machen hat, wenn mal wieder die Rede vom Holocaust ist? 

Der Fernsehbürger muss aus dieser Art Vergangenheitsbewältigung vor allem eins zum Thema Faschismus und Holocaust mitnehmen: da gab’s mal eine Vernichtung um der Vernichtung willen, ohne jeden staatlichen und politischen strategischen Willen dahinter. Es war unerklärlich und abgrundtief böse, weil der Mann mit dem Bärtchen an der Staatsspitze unerklärlich böse war. Dieses Böse lauert irgendwie immer, heute vor allem bei der AfD, aber wir haben es ein für allemal überwunden, weshalb es nie wieder vorkommen kann und darf.

Die Lebenslüge und die Ohnmacht des bürgerlichen Antifaschismus besteht ja vor allem da drin, dass kein Demokrat zugeben kann und darf, dass der Faschismus nur die härtere Variante seines geliebten Kapitalismus ist. Er möchte sich gerne in der Illusion wiegen können, dass die mildere Variante – die bürgerliche Demokratie – so etwas wie der Gegensatz zum Faschismus wäre.

Nach diesen Bericht aus dem Bundestag kommt unvermittelt und übergangslos, wie es nun mal die Art dieser Sendungen ist, ein Sportbericht über irgendeinen Handball-Wettbewerb. Es scheint eine Weltmeisterschaft zu sein, denn es geht weniger um Spielberichte, sondern um das sehr emotionale Anheizen nationaler Gefühle. Man soll sich als Zuschauer mit dem deutschen Team identifizieren, weshalb dieses ausführlich, sogar noch in seiner Umkleidekabine, in seiner Freude nach irgendeinem gewonnenen Spiel gezeigt wird. Die Milchgesichter des Handballteams werden „interviewt“ und geben den unwesentlichen Quatsch zum Besten, der von Sportlern nach solchen Spielen zu erwarten ist.

Dann folgen Bilder aus Sizilien, wo an der Südküste ein Erdrutsch über einige Kilometer mehrere Häuser in den Abgrund gerissen hat und die Leute zu tausenden ihre Wohnungen und Häuser verlassen mussten. Wir kriegen gezeigt, wie Maria und Fabrizio – ein älteres Ehepaar, dessen Haus direkt am Abgrund steht – in Begleitung der örtlichen Feuerwehr einiges an Zeug aus ihrem Häuschen in Sicherheit bringt. Solche Protagonisten als Sympathieträger dürfen anscheinend in keinem Bericht über Naturkatastrophen und dergleichen fehlen. Sie sollen wohl die Reportage menschlicher, nachvollziehbar und emotionaler machen. Ganz am Ende dieses Berichts erfährt man noch in einem Nebensatz, dass es unter den Bewohnern der Ortschaft zu Protesten kam, weil die Erdrutschgefahr seit Jahren bestanden hätte und jede Vorbereitung darauf oder Schutz dagegen von politischer Seite vernachlässigt worden sei. 

Und nun zum Wetter. Auch und selbst hier wird es sofort emotional und gefühlig. Der Moderator spricht von der weichen Schneedecke, die jeder lieben würde, weil sie selbst Innenstädte von urbanen Zentren zu magischen Orten machen würde usw.  Letztlich kriegt man dann aber doch einen einigermaßen akkuraten Wetterbericht.

Die fast 30 Minuten Tagesthemen, die ich mir jetzt angeschaut habe, hinterlassen bei mir den Eindruck, gerade ein süßliches, völlig von Zusatzstoffen und künstlichen Aromen durchzogenes Tütengericht konsumiert zu haben, das zwar den Eindruck vermittelt, man habe etwas gegessen, aber das Bedürfnis nach echter Nahrung – an Informationen, wenn man so will – überhaupt nicht stillen kann..

Irgendwo habe ich kürzlich gehört oder gelesen: „Je härter die Zeiten sind, umso weicher werden die Geschichten darüber“. Das scheint mir das Prinzip all der Fernsehsendungen zu sein, die in die Gehirne derjenigen Leute eingeträufelt werden, die sich freiwillig diesem Medium aussetzen. Es betrifft ja nicht nur die so genannten Nachrichtensendungen. Viel wirkmächtiger aufgrund ihres weichgespülten propagandistischen Storytellings sind die endlosen Fernsehfilme, die Krimis (ja, auch die) und die Unterhaltungssendungen, die tagein, tagaus, rund um die Uhr, in den staatlichen und kommerziellen Kanälen gezeigt werden.

Die Parallelrealität, die man durch den Fernseher betritt, ist eine Teletubbie-Welt bürgerlicher Behaglichkeit, in der die Schrecken einer zunehmend dystopischen imperialistischen Realität zwar nicht ganz ausgeblendet werden (das ginge auch gar nicht, angesichts der täglichen Erfahrungen, die die Leute in ihrem Lebens- und Arbeitsalltag machen). Sie werden aber eingebettet, eingehegt und weichgespült durch die ERZÄHLUNG darüber als einer fortlaufenden Geschichte im Grunde wohlgeordneter, eigentlich idealer Verhältnisse, die leider – So ist der Mensch nun mal! – immer wieder vom unerklärlich Bösen – Nazis! Trump!! Putin!!! – aufgestört und durcheinandergebracht werden.

Zum Glück aber haben zumindest wir in Deutschland verantwortungsvolle Politiker, die alle unser Bestes wollen und in deren Händen unser Wohlergehen, die wirtschaftliche Prosperität, der Frieden und im Grunde die Welt außerhalb unseres familiären Umfeldes und unserer persönlichen Ziele bestens aufgehoben ist.

Soweit mein Bericht über das Selbstexperiment „30 Minuten staatliche Nachrichtensendung“. Nach dieser Grenzerfahrung jedenfalls verspüre ich das dringende Bedürfnis nach Drogen.