
Päpste des Kapitalismus: die Sonne des gesellschaftlichen Reichtums dreht sich um den Planeten des Privateigentums
Egal wie beharrlich und gewalttätig sich die Betreiber und Profiteure der alten Ordnung an ihre Macht über die Gesellschaft, ihre Stellung, ihre Vermögen klammern;
Egal wie „modern“, grün, alternativ, spirituell oder ökologisch sie sich dabei gebärden:
Sie haben mit der Entwicklung der Produktivkräfte zum ersten Mal in der Geschichte der Spezies die Möglichkeit geschaffen, ein reiches Leben ohne Existenzsorgen für alle zu schaffen.
Und dieser Gedanke – einmal gedacht und formuliert – kann nicht mehr un-gedacht werden.
Je schonungsloser die kapitalistische Barbarei ihren Feldzug zur Bereicherung der Wenigen führt (und sie führt ihn gegen die arbeitende Klasse) desto offensichtlicher wird ihre Unfähigkeit, den produzierten Reichtum auch nur ansatzweise den Produzenten zurückzugeben.
Der Gedanke von Engels, Marx und anderen ist in der Welt. Er lässt sich nicht mehr un-denken, er lässt sich nicht mehr zurücknehmen.
Die Produzenten können sich den Reichtum zurückholen, den sie mit ihrer Arbeit erzeugen.
Und sie werden es, auch wenn es noch hundert oder tausend Jahre dauert.
Marx und Engels sind die Keplers und Galileos der Gesellschaftswissenschaft und der politischen Ökonomie:
Auch wenn die Päpste des Kapitalismus all ihre Macht einsetzen, den Leuten einzuhämmern, dass sich die Sonne des gesellschaftlichen Reichtums um den Planeten des Privateigentums dreht, kann keine Macht der Welt eine Idee revidieren, die auf den Tatsachen beruht.
Vor 30 Jahren wurde der Engelssche Gedanke vom Inquisitionsgericht des imperialistischen Papsttums zur Ketzerei erklärt und seitdem in jeder Fernsehsendung, jedem Schulbuch, jeder geschichtlichen Dokumentation als Teufelszeug gebrandmarkt – an den Tatsachen ändert sich jedoch nichts:
Der gesellschaftliche Reichtum entsteht durch die, die ihn durch ihre Arbeit erzeugen und nicht durch diejenigen, die sich die Produkte der Arbeit mittels der institutionalisierten Gewalt des Privateigentums als Kapital aneignen.
Weil das so ist, müssen die privaten Eigentümer für immer fürchten, dass der Gedanke, den Engels und Marx formuliert haben, zum Gedanken derjenigen wird, auf deren Arbeit ihr Reichtum (und damit ihre Macht) beruht.
Nur darum, aus dieser sehr realen Furcht heraus, fällt die Verurteilung und Verdammung jedes kommunistischen Gedankens so unbarmherzig und so erstaunlich fanatisch aus.
Und sie wird umso schärfer und umfassender, je offenbarer der Niedergang einer Gesellschaftsordnung wird, in der das Anwachsen des Reichtums nicht zu einer Verringerung der Armut sondern zu ihrer Vermehrung führt.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Schicht im Schacht
Momentaufnahme der “Übergabe“ (Frühschicht/Spätschicht).
Die Kollegen sind sämtlich kurz vor oder hinter dem Burnout. Heute mussten wir morgens zu viert die 22 Bewohner des Wohnbereiches versorgen und betreuen – sonst sind mindestens sieben Leute in der Frühschicht.
Der fünfte Kollege wurde zum „Teildienst“ nach Hause geschickt, um den noch übleren Personalmangel am Nachmittag aufzufangen.
Teildienste werden nicht extra bezahlt, bedeuten aber für die betroffenen Kollegen zusätzlichen Stress durch den Leerlauf zwischen den Dienstzeiten, der bestimmt ist durch die Gewißheit, in ein paar Stunden wieder antreten zu müssen. Außerdem natürlich maximale Scheisse für Kollegen, die weiter weg wohnen.
Heute hätten wir uns Rollschuhe unter die Füße binden können und hätten trotzdem nicht das Pensum geschafft. Während die Pflegekollegen rotieren wie die Hubschrauber, habe ich Frühstück und Mittagessen für die Bewohner zu managen und nebenher bzw. zwischendurch für die nicht bettlägerigen irgendeine Betreuung zu gewährleisten.
Diejenigen, die ihr Zimmer und ihr Bett nicht verlassen können, fallen aus dem Betreuungsangebot ganz raus und müssen froh sein, wenn sie zu den Mahlzeiten wenigsten einen haben, der ihnen das Essen anreicht.
Das läuft daraus hinaus, dass im Grunde noch nicht mal Zeit für eine Pinkel- oder Zigarettenpause bleibt. Hinzu kommt die Isolation des Wohnbereichs aufgrund des Noro-Virus-Ausbruchs. Mehr als 5 Minuten Zeit zwischendurch für die dringendsten Fälle der desorientierten verlorenen Seelen des Wohnbereiches bleibt nicht.
Mehr Personal, Beendigung der Arbeitsverdichtung und mehr Geld ist die Parole, in dieser Reihenfolge. Und wenn ich noch einmal irgendeinen Deppen real oder verbal klatschen höre, gibt’s einen Satz heiße Ohren.


Neues aus dem gruseligen Reich des sinistren Chinamannes, der die Welt – in diesem Fall Europa (jedenfalls den Süden davon) – bedroht!
Er hat eine Rakete auf uns abgeschossen! Oh Gott!! Droht jetzt der Weltuntergang?
Bei näherem Hinlesen stellt sich heraus, dass irgendein Schrottteil einer Trägerrakete beim Rücksturz auf die Erde vermutlich nicht in der Atmosphäre verglühen wird, sondern irgendwo runtergeht. Wäre nicht das erste mal in der Weltraumfahrt.
Warum ist das Ganze dem Hamburger Insidermagazin für antichinesische Aufklärung überhaupt eine Meldung wert, außer das man den schlitzaugigen Kommunistenlümmeln damit wieder mal ans Beim pissen kann?
Darum:
„(Die) ausgebrannte Stufe (…) hatte vor wenigen Tagen das Kernmodul der zukünftigen Raumstation »Tianhe« ins All geschossen, wurde anschließend nicht mehr gebraucht und stürzt nun ab.“
Da sprechen blanker Neid und Furcht aus den Zeilen der westlichen Kolonialjourmalisten, die in ihrer wertewestlichen Filterblasenarroganz nicht verkraften können, dass eine nicht-weiße, nicht-imperialistische, nicht nach globaler Dominanz strebende Macht wie die chinesische Volksrepublik technologisch nicht nur aufgeschlossen hat zu den auf Kolonialismus, Sklavenhandel und Massenmord gegründeten freiheitlich-demokratischen Weltherrschern aus Europa und USA, sondern dabei ist, diese zu überholen.
Glückwunsch, China!

Die á priori Boshaftigkeit der asiatischen Supermacht
Wenn der „Spiegel“, das ehemalige Nachrichtenmagazin, mal nicht gegen den Iwan austeilt, nimmt er sich genauso zielerfassungsgenau den noch schlimmeren, weil tatsächlich sozialistischen Feind noch weiter im Osten vor.
Heute Abend ist der Aufmacher des nationalen Fachblattes für Feindaufklärung der Beitrag eines Professors für Journalismus, nebenher Volkswirt, der weiß, was er seinem Zeilenhonorar schuldig ist und schon zum Einstieg den freiheitlich-demokratischen Meinungsblitzkrieg eröffnet:
Der Chinese, von dessen Markt„wir“ – das so volksgemeinschaftliche wie verlogene „Wir“ kommt in der Kolumne ständig vor, so als sei sich der Autor der Brüchigkeit seiner beschworenen Einheit von Kapital und Lohnarbeit sehr bewusst – leider abhängig sind (was wiederum “gefährlich“ ist; warum, wird nicht erklärt), zeichnet sich durch eine psychologische Konstante aus, die uns aufgeklärten Demokraten völlig fremd ist: MACHTHUNGER!
Auch hierfür bemüht sich der Professor gar nicht erst, irgendwelche Belege anzuführen, sondern setzt das schlechte Urteil über den Konkurrenten aus Fernost beim Publikum voraus. Alles was dieser Staat da hinten so anstellt, um seinen Interessen in der Staatenkonkurrenz Geltung zu verschaffen, kann per definitionem unmöglich irgendeinen anderen Grund haben als schieren „MACHTHUNGER“ (wobei die Zielsetzungen des chinesischen Staatsladens ohnehin bei Demokraten wie Müller Verdacht auslösen, denn ein paar hundert Millionen Leute aus der Armut holen und in den nächsten 30 Jahren einen Sozialismus mit Wohlstand für alle Bürger aufzubauen KANN in seiner Perfidie einfach nur daran liegen, das dieser Staat in Form seiner Führung „machthungrig“ ist.)
Nachdem die á priori Boshaftigkeit der asiatischen Supermacht somit hinreichend erhärtet ist, holt Experte Müller verbal zum Weltkrieg aus: dass „der heraufziehende weltweite Konflikt“, den er beschwört, ausschließlich – und gegen den erklärten Wunsch der chinesischen Volksrepublik nach friedlichen Beziehungen zum gegenseitigen Vorteil – vom absteigenden “Westen“ betrieben wird (auf eine Weise, die kriminell und erpresserisch zu nennen nicht unsachlich wäre), interessiert Müller nicht.
Der Feind ist „autoritär und zunehmend aggressiv“, was jede Feindseligkeit unsererseits gegen ihn natürlich rechtfertigt. Ein Mitglied der BRD-Intelligenzija, das im verbreitetsten Publikationsorgan der Bourgeosie unverhohlen die Konfrontationstrommel schlägt: so wird das Publikum eingestimmt auf die kommenden Töne aus dem Kanzleramt, falls die Kandidatin der reaktionärsten, kriegstreiberischsten Gruppierung innerhalb des imperialistischen Parteienspektrums im Herbst erfolgreich sein sollte.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Mal wieder Notstand und der Zug, der heute abfährt und auch morgen nicht zurückkommt
Seit vergangener Woche grassiert das Noro-Virus in der Einrichtung. Als ich heute zur Arbeit erscheine, ist schon alles in Alarmstimmung: mittlerweile 10 Bewohner „meines“ Wohnbereiches sind infiziert; insgesamt 13 Mitarbeiter haben sich krankgemeldet.
Eine Noro-Virus-Infektion ist zwar lästig und unangenehm, aber meistens nach 2 Tagen wieder vorbei. Allerdings bleiben Infizierte noch etwa eine Woche lang selber ansteckend für andere. Außerdem kann es wegen des Flüssigkeitsverlustes durch Erbrechen und Durchfall gerade bei Älteren schnell lebensbedrohend werden.
In einer Notbesprechung von Wohnbereichsleitung und Mitarbeitern mit der Einrichtungsleitung werden die Maßnahmen zur Eindämmung dieses fiesen Magen-Darm-Virus verkündet: alle Infizierten sind zu isolieren, die Räume werden nur von entsprechend mit Schutzkleidung ausgerüsteten Pflegekräften betreten, das Geschirr wird in speziellen Plastikboxen separat entsorgt. Sämtliche Bewohner der Einrichtung bleiben ab sofort auf ihren Zimmern, alles Geschirr des Wohnbereiches wird nicht mehr in der Wohnbereichsküche gespült, sondern in die Großküche gebracht, wo hochleistungsfähige Spülmaschinen einen keimfreien Abwasch gewährleisten.
Der Einrichtungsleiter berichtet von seinem Gespräch mit dem zuständigen Gesundheitsamt, wo man ebenso wie er darüber erstaunt war, dass trotz aller Corona-Schutzmaßnahmen ein derart massiver Ausbruch von Noro-Viren passieren konnte.
Er deutet an, dass die krankgemeldeten Mitarbeiter es dann wohl mit der Umsicht und den Schutzvorkehrungen nicht sehr genau genommen haben könnten.
Ich selber denke mir, dass dies die günstigste Gelegenheit für jeden Kollegen ist, sich ein paar freie Tage zu ergattern, indem man sich mit Magen-Darm-Symptomen krankmeldet. Übelnehmen kann ich das keinem. Die Pflegekräfte sind sowieso schon durch den Corona-Alltag jenseits ihrer Belastungsgrenzen; jetzt kommt noch der Noro-Virus hinzu, was im Grunde doppelten Aufwand bedeutet, da so viele Schutzvorkehrungen eingehalten werden müssen. Auch ich ertappe mich bei jedem der obligatorischen Schnelltests alle zwei Tage bei dem Gedanken „Hoffentlich ist das Ergebnis jetzt positiv, dann hast du ein paar freie Tage in Quarantäne zuhause….“
Wenn dann noch Kollegen ausfallen, ist Land unter auf der Station. Ergo wird ab morgen der Personalmangel mal wieder mit externen Leiharbeitern kompensiert.
Für die Bewohner ist der erneute Ausnahmezustand ein „Zurück auf Null“. Die Dementen kommen am schwersten damit zurecht. Die Unterbrechung ihrer gewohnten Tagesabläufe (die meisten habe ich wochentags in der „Tagesgruppe Demenz“) wirft sie aus der Bahn.
Frau Sch., 90 Jahre, sitzt wie ein Häufchen Elend auf ihrem Bett und wiederholt immer wieder „Ich bin so durcheinander…“ und „Wo bin ich hier eigentlich?“. Ich setze mich zu ihr, wir erzählen ein bißchen, hören ein paar alte Schlager und sie beruhigt sich wieder etwas. Als ich für uns beide einen Cappucino organisiere und gemütlich mit ihr trinke, strahlt sie übers ganze Gesicht. „Ihr seid alle so lieb zu mir!“
Keine 10 Minuten später ist sie wieder mit ihrem Rollator auf dem Gang unterwegs. „Wo bin ich hier eigentlich?“, höre ich sie sagen. Ich erklär‘s ihr und begleite sie zurück in ihr Zimmer. Sie versucht, ihrer Verwirrung Ausdruck zu verleihen: „Ich hab das Gefühl, ich bin gar nicht ich“, sagt sie.
DAS Gefühl ist mir wiederum bestens bekannt und ich kann sie beruhigen: „Das ist völlig in Ordnung“, antworte ich. „Keiner weiß, wer „Ich“ ist, alle tun bloß so als ob sie wüßten, wer sie sind. Und außerdem, E. (ich spreche sie immer mit Vornamen an, weil das bei dementen Menschen meistens besser funktioniert als die förmliche Anrede), wenn Sie nicht Sie sind, wer sind Sie denn? Vielleicht ich?“
Diese Art witzig-wahrer Absurdität kommt gerade bei Dementen in der Regel gut an, und auch Frau Sch. muss lachen bei der Vorstellung, dass sie ich ist. Damit ist die Identitätskrise überwunden und wir wandern zusammen den Gang entlang bis zu ihrem Zimmer. „I am he as you are he as you are me as we are all together…“ klingt es danach als Dauerohrwurm in meinem Kopf.
Bevor ich zum Walross werde, sehe ich, wie sich am anderen Ende des Ganges der nächste Alarmzustand entfaltet: Frau H., ebenfalls Mitglied der „Tagesgruppe Demenz“, hat den verordneten Zimmeraufenthalt natürlich ignoriert und sitzt jetzt außerhalb des Wohnbereiches in einem bequemen Sessel.
Vor ihr hat sich die ansonsten sehr sympathische PFK T. aufgebaut und diskutiert mit ihr. Als ich dazukomme, versucht Frau H. gerade, sich mithilfe ihres Rollators aus dem Sessel zu wuchten. Sie ist erkennbar aufgeregt; in einer Mischung aus Einschüchterung und Empörung fragt sie Schwester T. immer wieder, was diese wolle, ob sie (Frau H.) etwas falsch gemacht hätte usw.
Schwester T., ohnehin schon seit Dienstantritt mega-gestresst von der Gesamtsituation, sieht nur, das sie hier für die Einhaltung der Regeln zu sorgen und dann wieder ihren sonstigen Pflichten nachzugehen hat und redet auf Frau H. ein: „Wollen Sie das Noro-Virus kriegen? Wollen Sie das Noro-Virus kriegen?!“
Frau H., die in ihrer Demenz keine Möglichkeit hat, den Sinn dieser Ansprache – die obendrein noch in genervt-gestresstem Tonfall vorgetragen wird – zu verstehen, ist entsprechend widerwillig und fühlt sich drangsaliert. Ich sehe, dass ich eingreifen muss.
„Komm mal her, M.“, sage Ich zu ihr, indem ich mich zwischen sie und die PFK stelle und sie vor dem Geschimpfe abschirme. (Entgegen der Hausregel duze ich Frau H., auf Wunsch ihrer Angehörigen und weil besonders bei ihr die förmliche Anrede manchmal überhaupt keine Reaktion auslöst).
„Lass uns mal wieder zurück ins Zimmer gehen. Im Moment sollen wir nicht hier draußen sitzen, wegen so einer Krankheit, die gerade ganz viele bei uns haben…-“, sage ich freundlich zu ihr, nehme sie beim Arm und geleite sie langsam zurück in den Wohnbereich.
Die PFK sieht, dass die Ordnung wiederhergestellt ist und verzieht sich. (Später nehme ich sie beiseite und erkläre ihr, dass und warum diese Art der Ansprache bei dementen Menschen nicht funktioniert. Sie sieht’s auch sofort ein, wirkt etwas beschämt und verweist als Erklärung auf den Stress und den Arbeitsdruck auf der Station).
Frau H., zusammen mit mir mittlerweile in ihrem Zimmer sitzend, hat sich gefangen, ist aber noch nicht bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen. „Was wollte die denn von mir?!“ fragt sie. „Glaubst du mir, dass mir das innen (sie zeigt auf ihr Herz) überhaupt nichts ausmacht? Aber den Schrecken, den hab ich doch…“
Sie holt Luft. „Die hat so auf mich eingeschimpft… ich weiß gar nicht, was die überhaupt wollte!“. Jetzt grinst sie mich an: „Ich kann auch mal Deutsch mit der reden! So richtig Deutsch, verstehst du? Dann kann die mal sehen, das sie mich so nicht behandeln kann! Dann sieht sie mal, dass der Zug, der heute abgefahren ist, auch morgen nicht zurückkommt!“
Dieses schöne Bild scheint ihr eine befriedigende Auflösung der erlebten Aufregung zu sein, und auch ich finde Gefallen an dem Gleichnis: Der Zug, der heute abgefahren ist und auch morgen nicht zurückkommen wird – das ist gewissermaßen das Leben mit Demenz, wenn nicht ganz grundsätzlich von jedem.


Der „Spiegel“ mal wieder in den Schützengräben der Ostfront
Die beiden Totschlagzeilen der Online-Ausgabe des Menschenrechtsblattes aus Hamburg widmen sich dem russischen Liebling imperialistischer Einmischungspolitik, dem nützlichen Idioten westlicher Dienste und Interessen, Alexej „Die Unterhose“ Nawalny.
Der „Spiegel“ weiß: im Reich des Bösen ist jetzt nicht nur der wundertätige Nationalist (wir erinnern uns: er überlebte Vergiftungen mit einem mehrfach – Trinkbecher, Wasserflache, Unterhose – verabreichten, bei allen anderen Vertretern des homo sapiens absolut tödlichen Gift), vom Tode bedroht.
Auch die Anhängerschaft des berufsmäßigen Gebäude-Kritikers befindet sich plötzlich im „Überlebenskampf“!
Der kürzlich von Westpresse und -politikern enthusiastisch bewehklagte Hungerstreik des Freiheitshelden reichte offenbar medial nicht aus, um dem vergeßlichen Publikum unserer Freien Medien die Schurkenhaftigkeit des Feindstaates im Osten nachhaltig beizubiegen.
Die „Zehntausende“, die der „Spiegel“ demonstrieren sieht, wissen jedenfalls, an wen sie sich wenden müssen, wenn sie für ihr Anliegen des Regime Change in Russland Gehör finden wollen und schreiben ihren Protest gleich in lateinischen Lettern statt auf Russisch auf die Schilder, die sie für die Westmedien umhertragen. So kommen die Forderungen gleich bei den Richtigen, nämlich in den westlichen Hauptstädten und Sendeanstalten, an.
Wohin die russophobe Reise geht, wenn erstmal die Lieblingskandidatin des BRD-Kapitals (laut Umfrage des „Handelsblatt“ zieht eine stabile Mehrheit der Entscheidungsträger „aus der Wirtschaft“ eine Kanzlerin Baerbock ihren Konkurrenten vor) ans Ruder gelangt, macht das Fachblatt für Ostkunde im zweiten Aufmacher deutlich:
Natürlich in Richtung „mehr Härte gegen Russland“, jedenfalls wenn’s noch der grünen Spitzenkandidatin geht. Neben der neuen Lichtgestalt des grünen Öko-Imperialismus nimmt sich dann sogar der radikal untalentierte derzeitige Außenministerdarsteller, Heiko „Der Konfirmandenanzug“ Maas, aus wie ein Entspannungspolitiker.

Geschichten die das Leben schrieb: Prioritäten!
Nachdem ich dem dringenden Ausschlafbedürfnis der Liebsten stattgegeben habe und die erste Runde mit dem Hund alleine gegangen bin, setze ich mich wieder an den Rechner.
Ein bezahlter Grafik-Job wartet, und in der kommenden Arbeitswoche wird kaum Zeit sein für Design- und Programmierarbeiten. Die Frau verbringt derweil ausgiebig Zeit in Bad und Ankleidezimmer, erscheint aber nach einer Weile ausgeruht und tiefenentspannt, mit noch nassen Haaren und nach edlen Bodylotions duftend, im Wohnzimmer, in dem ich vor mich hin mausklicke.
„Ich könnte noch einen Kaffee gebrauchen!“, rufe ich ihr zu, den Blick hochkonzentriert auf den Monitor gerichtet.
„Nee, ich kann jetzt nicht“, kommt zur Antwort.
Jetzt blicke ich doch mal hoch. „Wie jetzt? Du kannst nicht mal eben Wasser aufsetzen und einen Kaffee machen? Ich bin hier am ARBEITEN, falls dir das entgangen ist..“
Die Gattin: „Ich muss meine Fingerchen machen. Ich arbeite an meiner äußeren Erscheinung!“
Spricht‘s und setzt sich hin, um mit einer Nagelfeile an der äußeren Erscheinung ihrer Fingernägel zu arbeiten. Für mich als passionierten Nägelkauer ist das schwer nachvollziehbar und so begebe ich mich selber in die Küche um für Kaffeenachschub zu sorgen.
Sie kriegt natürlich als erste eine Tasse frischen Kaffees ab – Ehrensache.

Geschichten, die das Leben schrieb: Böse Diktatur und Untiefen der partnerschaftlichen Kommunikation
Ich sitze an meinem Rechner im Wohnzimmer, weil das Arbeitszimmer nun schon seit Monaten der Home Office Arbeitsplatz der Frau ist. So bin ich gezwungen, mit halbem Ohr das Fernsehprogramm mitzuverfolgen, das eine entspannungswillige Gattin an diesem müden Nachmittag eingeschaltet hat.
Im Fernsehen läuft ein Bericht über Schulen; es geht wohl um eine Lehrerin, die tolle neue Unterrichtsmethoden einsetzt. Am Beispiel ihrer Klasse und des gerade durchgenommen DDR-Projektes wird gezeigt, wie das funktioniert:
In Rollenspielen sollen sich die Schüler in die damalige Zeit und ihre Protagonisten hineinversetzen: sie spielen eine Woche lang DDR.
Warum’s da geht, ist sofort klar: „Die Schüler erfahren die Unfreiheit, als sie nicht ausreisen können“, verkündet der Sprecher unheilvoll. Dann wird gezeigt, wie der Staatsratsvorsitzende gewählt wird (etwa 12 Schüler sollen das Politbüro darstellen): „Die Wahl ist eine Farce, es gibt nur einen Kandidaten – Diktatur anschaulich gemacht!“
Die Kamera zeigt eine Gruppe Schüler, die lautstark „Freiheit! Freiheit!“ schreien, der Sprecher erläutert: „Wie zu DDR-Zeiten gehören auch im Rollenspiel viele zur Opposition. Der Unterricht: eine lebendige Art der Geschichtsvermittlung!“
Mittlerweile ist mir von der geballten Ladung antikommunistischer Desinformationshetze derartig schlecht geworden, dass ich in einem Anfall von Übellaunigkeit vor mich hin fluche und lautstark über die Indoktrinationsleistung des staatlichen Fernsehens ablästere.
Da die Frau sich gerade zum Rauchen in die Küche verzogen hat, ergreife ich die Gelegenheit und drücke den Mute-Button, um mir das Geseire nicht länger anhören zu müssen. Bei ihrer Rückkehr ist die Gattin, der die Existenz eines Stummschaltknopfes bisher unbekannt war, irritiert und beschwert sich über meinen Eingriff.
Für sie war die Sendung eine ganz normale Nachmittagsreportage, die sie wegen der gezeigten „innovativen Unterrichtsmethoden“ sogar noch einigermaßen interessant fand.
Ich versuche ihr zu beschreiben, was mich daran stört: „Als ob die DDR aus lauter bösartiger Unterdrückung und Unfreiheit bestand… Warum haben die staatlichen Medien es 30 Jahre nach dem Anschluß immer noch nötig, den ersten Sozialismusversuch auf deutschem Boden auf Deubel komm raus zu dämonisieren und zu delegitimieren? Im Subtext sagen sie doch nur eines: Kommt ja nie wieder auf den Gedanken, irgendeine andere Gesellschaftsordnung als Kapitalismus zu wagen! Alles andere führt zu STASIMAUERSTACHELDRAHT und UNFREIHEITUNDUNTERDRÜCKUNG!
Das sind die paar Stichworte, bei denen dem westlich konditionierten Bürger der antikommunistische Sabber aus dem Maul tropft wie Pawlows Hund beim Erklingen des Glöckchens!“
Die Liebste will das so genau aber garnicht wissen und verlangt von mir kategorisch, den Ton wieder anzustellen. Ich tue ihr den Gefallen und verziehe mich unter ein Paar Kopfhörer.
Bei der abendlichen Hunderunde ist das Vorkommnis erneut Thema. Ich entschuldige mich für mein wütendes Gezeter über ein Fernsehprogramm und räume ein, das ich ihr gegenüber mich manchmal benehme als wäre ich alleine oder unter kommunistischen Freunden.
„Du bist aber auch immer identifiziert mit diesem DDR-Kram“, kriege ich zu hören; „Und das stimmte doch auch, was die da gesagt haben, oder? Es gab doch die Stasi…!“
„Mein lieber Schatz, wenn man etwas verteidigt, heißt das noch lange nicht, dass man 100% mit allem übereinstimmt, was das zu Verteidigende ausmacht“, hole ich aus.
„Mir geht es darum, dass ein völlig einseitiges, gefärbtes Geschichtsbild vermittelt wird, das nicht auf Fakten beruht sondern auf einer ideologischen Vorgabe, nämlich der Deligimierung JEDES Sozialismusversuches. Außerdem wird das auch in wissenschaftlicher, historischer Sicht der Sache nicht gerecht, weil die positiven Aspekte der DDR grundsätzlich nur als zu vernachlässigende, zufällige Nebeneffekte einer grundsätzlich bösen Sache dargestellt werden, während bei uns auch die schlimmsten Massaker und übelsten strukturellen Gewaltverhältnisse immer nur als leider unvermeidliche Begleiterscheinungen des grundguten Freiheitundmarktwirtschafts-Paradieses verbucht werden…“
Die Gattin hört zu und nickt. „Also, dass man von beiden Seiten das Positive übernehmen sollte, das finde ich auch..“
Damit ist das Thema für sie erledigt und sie widmet sich elementareren Beobachtungen und Analysen, wie der auffälligen Anhäufung von dicken Menschen vor dem Eiscafé, an dem wir gerade vorbeigehen.
Dank meiner altersbedingten Weisheit vermeide ich die Falle, mich an dieser Stelle auf das Glatteis einer Diskussion zu begeben; die würde nur als rechthaberisches, besserwisserisches oder belehrendes Nachhaken aufgenommen werden. Meine Liebste ist nämlich insofern die ideale Gesprächspartnerin, als sie in ihrer politischen Konditionierung ziemlich genau dem bürgerlichen westdeutschen Standard entspricht, allerdings dem, der von sich gerne feststellt, dass er völlig unpolitisch sei.
Gerade Kommunisten sollten vermeiden, als besserwisserische Schlaumeier aufzutreten, die den Unwissenden ihre Weisheiten um die Ohren hauen. Sie sollten im Gegenteil jedes Gespräch so führen, dass das Gegenüber die Begriffe und Argumente versteht, sich ernst genommen und nicht bevormundet fühlt.
„Weißt du, ich rede manchmal mit dir – oder eigentlich eher vor mich hin – als ob ich mit meinem Freund R. in einer Kommunistenkneipe sitzen würde“, sage ich ihr. „Dabei weiß ich, dass du einen ganz anderen Hintergrund hast; sorry also, wenn ich dir zu viel zumute oder mich über Sachen aufrege, die dich garnicht interessieren…“
„Oh ja, das kannst euch echt mal besser mit deinem Freund R. diskutieren. Da könnt ihr euch gegenseitig voll labern. Das ist nicht meine Welt.“
„Und ob das deine Welt ist, mein Schatz, du willst bloß nichts davon wissen…“ beginne ich – breche aber sofort ab, schon um nicht meine eigene Einsicht von soeben, nach der solche Gespräche keinesfalls auch nur den Schatten eines missionarischen oder besserwisserischen Anfluges haben sollten, Lügen zu strafen.
Wir statten noch dem lokalen Bio-Supermarkt einen Besuch ab, um eine Flasche Wein zu erstehen und sind nach einer Stunde wieder zuhause. Ein, zwei Gläser später kommt meine Herzdame ins Sinnieren:
„Morgen ist schon der 18. April… unsere Lebenszeit rast dahin…“
„Das fällt dir in letzter Zeit öfters auf..“ entgegne ich, in der vagen Hoffnung auf eine philosophische Ergründung der letzten Dinge.
Die Antwort meiner stets praktisch denkenden Liebsten: „Nee, ich denke, wir sollten mal langsam unsere Beerdigungen planen“

Für Freiheit, Demokratie und gegen den russischen Feind: Krieg liegt in der Luft
Meine übliche Reaktion – Sarkasmus, Ironie, Satire – auf die aberwitzige Verlogenheit, mit der die imperialistischen Weltordner in Washington und Berlin samt ihren aggressiven Kettenhunden in Kiew und anderswo den offensichtlich von ihnen gewünschten Waffengang ansteuern und vorbereiten (immer kongenial begleitet und so genießerisch wie russophob kommentiert von der bürgerlichen Hofschranzenpresse) fällt mir schwer angesichts des Momentums, das die Sache inzwischen entwickelt hat.
Eigentlich bin ich nur noch sprachlos gegenüber der berechnenden Chuzpe, mit der die Verhältnisse rund um die Ukraine von den westlichen Propagandamedien auf den Kopf gestellt werden, mit der aus dem Aggressor der Bedrohte und aus dem von allen Seiten und seit Jahren bedrängten, sanktionierten, mit Lügen und Frechheiten provozierten Russland der Schurke in diesem Spiel gemacht wird.
Die Westen will den Krieg. Seine ukrofaschistischen Subordinierten, die in dem Failed State zwischen Polen und Russland am Ruder sind, sowieso. Die Frage ist, ob die imperialistischen Herren bereits jetzt die Gelegenheit gekommen sehen, unter dem Vorwand „der Ukraine gegen Russland beizustehen“, ihren Krieg zu führen. Dass die Führungsmacht der Nordatlantischen Terror-Organisation davon absieht, ihre Kriegsschiffe in das Schwarze Meer zu schicken, nachdem die Russische Förderation mal kurz „die Instrumente gezeigt“ und eine deutliche Warnung ausgesprochen hat, läßt auf einen Kern von Restvernunft in den imperialistischen Zentralen hoffen.
Es gibt die alte Regel aller Propagandisten, dass eine Lüge erstens nur oft genug wiederholt werden und zweitens nur ungeheuerlich genug sein muss, damit sie sich im Bewusstsein der Massen festsetzen und schließlich geglaubt werden kann. Diesem Prinzip scheinen Biden, Merkel & Co zu folgen, wenn sie allen Ernstes von dem Land, dem sie miltäriach, propagandistisch und diplomatisch bis kurz unterhalb der bewaffneten Auseinandersetzung auf die Pelle rücken, einen „Rückzug der Truppen“ fordern – IN RUSSLAND!! Nicht irgendwo auf der Welt, wie es NATO, USA und EU in ihrem alltäglichen Gang von Geschäft und Gewalt praktizieren, sondern in Russland selbst! Würde umgekehrt Russland von den USA verlangen, seine Truppenbewegungen z.b. an der Grenze zu Mexiko oder Kanada sofort zu beenden, kann man sich die Kommentare westlicher Politiker und Presstituierten vorstellen.
Die imperialistischen Staaten unter Führung der USA haben sich – ähnlich wie mit ihren islamistischen Kopfabschneider-Hilfstruppen im arabischen Raum- mit den ukrofachistischen Nationalisten auf einen Handel eingelassen, den sie zwar zu steuern beabsichtigen, bei dem sie aber nicht sicher sein können, dass diese fanatisierten und hochaggressiven Gläubigen und Nationalisten nicht die Hand beißen werden, die sie füttert.
Die Meldung der NATO-Postille aus Hamburg jedenfalls hat es in sich in ihrer vorgeblich harmlos-neutralen, journalistischen Tarnung: „Putin läßt aufmarschieren“ ist angesichts des Aufmarsches der NATO-Kriegsübung „Defender 2021“ rings um Russland ein so starkes Stück professioneller Desinformation, dass sich Sender-Gleiwitz-Vergleiche geradezu aufdrängen.
„Was hat er vor?“ rätselt der „Spiegel“ heuchlerisch, und will die Antwort nicht wissen, die jeder in Russland (und jeder auf der Welt, wenn er‘s denn hören will) kennt: erstens Russlands Interessen verteidigen gegen das westliche Interesse, aus Russland eine abhängige, am besten aufgespaltene, Kolonie westlichen Kapitals zu machen, die nicht mehr als Störenfried westlicher Weltordnungspläne auffällig wird. Zweitens und vor allem aber niemals einen Angriff auf russisches Territorium zuzulassen. Die Krim IST russisches Territorium, egal was die NATO-Imperialisten und erst recht die Ukrofaschisten daherhalluzinieren.
Beide Kriegstreiber kennen hoffentlich die alte russische Weisheit: Russland BEGINNT keine Kriege, es BEENDET sie.
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Edit / 2 Stunden später:
Nachdem ich einen Beitrag im „Vineyard of the Saker“ gelesen habe, erscheint mir meine Einschätzung einer imperialistischen „Restvernunft“ als vielleicht zu optimistisch:
„Then there is this: the US has informed the Turkish authorities that they will not send two USN ships into the Black Sea. This is politically a good sign, but in military terms, this is what the US should be doing if they were preparing for war. Why? Because any USN ship in the Black Sea at the moment of the initiation of a conflict would be sunk withing minutes: not only do the Russians have formidable missiles – Bal and Bastion – they had SIX advanced diesel-electric submarines of the 636.3 class ready to “greet” them. Keep in mind that engaging submarines without air cover is another form of collective suicide.“

































































































