Geschichten aus dem Pflegeheim: Nikolaustag

An meinem ersten Arbeitstag nach dreiwöchiger Abwesenheit genieße ich erstmal die rührende Zuneigung meiner betagten Fans, die mich trotz ihrer Demenz nicht vergessen haben. Frau H. reißt, kaum dass sie meiner von weitem ansichtig wird, beide Hände hoch, wirft mir Kusshände zu und ruft „Gottseidank! Dass du wieder da bist! Das wurde aber Zeit! Du kannst dir nicht vorstellen, was ich….“ und holt aus zu einer ausführlichen Erzählung über allerlei Unbill und Beschwerlichkeiten, die ihr andauernd widerfahren (und die im Wesentlichen aus ihrem Unvermögen bestehen, ihr zeitliches und räumliches Erleben bzw. ihren Wach- und Traum- und Erinnerungszustand unter einen Hut zu kriegen).

Frau K. ist die nächste, die mir im Rollstuhl entgegen gerollt kommt. „Na endlich!!“, strahlt sich mich mit 2000 Watt an, „da sind Sie ja wieder!“. Die halbblinde Frau Sch. hört meine Stimme, wendet abrupt ihren Rollator in meine Richtung, eilt mir entgegen so behende wie sie es vermag, und fragt: „Kay? Sind Sie der Kay?! Ach, da bin ich aber froh…“

Und so weiter; überall vernehme ich Stoßseufzer der Erleichterung und Ausrufe schieren Glückes über mein Wiederauftauchen aus der Versenkung einer dreiwöchigen Reha, die allerdings krankheitsbedingt nur drei Tage dauerte (den Rest der Zeit hütete ich mit Grippe das Bett). Ich bin entsprechend gerührt und verspreche allen, dass wir uns gleich im Speisesaal zu einer großen Bunten Runde versammeln werden, wie immer mit viel Unterhaltung, Musik, und natürlich Bildern und Geschichten.

Am 6. Dezember kommt man in einem Pflegeheim nicht umhin, anlassbezogen allerlei nikolausige und weihnachtliche Themen aufzugreifen. Das ist im Grunde ein Selbstläufer, denn jeder hat natürlich allerlei – meistens angenehme – Erinnerungen und Gewohnheiten, die mit diesem Datum verknüpft sind. Diese muß man nur mit entsprechenden Hinweisen, Liedern, Erzählungen, Fragen usw. wachkitzeln.

So liegt es auf der Hand, den Nikolaustag mit der Frage zu beginnen: Wer war eigentlich dieser Nikolaus? Und wieso wird der dauernd mit dem Weihnachtsmann verwechselt? Ich gebe mein vorher bei Wikipedia angelesenes Detailwissen in demenztauglicher Anpassung zum Besten, während ich einen „Nikolaus“ auf das Flipchart zeichne.

Dabei merke ich allerdings, dass ich mal wieder der Verwechslung von Nikolaus und Weihnachtsmann erlegen bin, denn während ersterer auf eine historische Figur und Kirchenheiligen – Nikolaus von Myrna – aus dem dritten und vierten Jahrhundert zurückgeht, ist der andere rotgewandete weißbärtige Alte eine Figur der Volkssage und der populären Märchen.

Das ist natürlich ein Grund, endlich und ein für allemal die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden zu klären. Das Thema wird heiß diskutiert unter den wacheren Anwesenden. Die müderen dösen vor sich hin oder schlafen mit dem Kopf auf den Armen am Tisch. Die Runde ist sich jedenfalls einig, dass der Weihnachtsmann an Heiligabend kommt, der Nikolaus aber viel früher, nämlich heute, am Nikolaustag. Weitere Unterscheidungsmerkmale fallen keinem ein, bis Frau B. einen Geistesblitz hat und laut „Knecht Ruprecht!!“ in die Runde ruft. Beifälliges Nicken rundum.

Knecht Ruprecht als Begleiter des Nikolauses ist allen irgendwie ein Begriff. Jetzt mach ich’s aber noch eine Ecke schwieriger und frage, wieso denn bei manchen an Heiligabend der Weihnachtsmann kommt, bei anderen dagegen das Christkind (ein Umstand, der mir schon immer ein Rätsel war). Meine glaubensfeste Truppe ist aber besser informiert als ich und klärt mich auf, dass das Christkind bei den Katholiken kommt, der Weihnachtsmann aber zu den Protestanten. Deswegen muss jetzt auch noch das Christkind auf das Bild, was ich unter allgemeinen Zurufen und Hinweisen („Wie ein Engel!“, „Blonde Haare!“, „mit Geschenken!“) auch umsetze. Die Frage, wie ein kindgroßes Engelchen einen derart schweren Sack mit jeder Menge Geschenke durch die Luft tragen kann, erklären wir mit der ausgeprägten Heiligkeit des Christkindes, das irgendwie auch Jesus ist und von daher sowieso wundertätig.

Meine Runde ist angenehm unterhalten, die Stimmung ist bestens und wir wenden uns nun der entscheidenden Frage des Nikolaustages zu: welche Schuhe nimmt man und was tut man da so rein an Leckereien, Geschenken, Süßigkeiten usw. Hier hat jeder eine eigene Geschichte zu erzählen, entweder aus der eigenen Kindheit oder von den Kindern, für sie man als Eltern den Nikolaus spielte. Auch ich weiß eine Geschichte, nämlich eine, die ich mir beim Zeichnen ausdenke: der Zwist des linken und rechten Damenstiefels! Beide lebten ein einträchtiges und vergnügtes Leben miteinander, nie gab es Streit, alles wurde gemeinsam unternommen. Es waren teure Lederstiefel mit Innenfutter aus Schaffell, Schwestern im Geiste, Zwillinge von Geburt an und die Lieblinge ihrer Besitzerin.

An Nikolaus jedoch kam es zum Zerwürfnis, denn nur der rechte Stiefel wurde ausgewählt, vor der Tür auf den Nikolaus zu warten und mit Süßigkeiten gefüllt zu werden. Verständlich, dass der linke Stiefel stinksauer war und mit dem rechten haderte und grummelte. Die auf Stiefelisch dahingefluchten Invektive (die ich glaubhaft für meine Zuhörerschaft verbalisiere) gingen auf keine Kuhhaut und die beiden waren kurz vor der endgültigen Entzweiung.

Meine Truppe hört gespannt zu. Wie löst sich dieses Drama auf? Kann es noch ein Happy End für die beiden Stiefel geben? Am Ende ging es glimpflich aus: man einigte sich stiefel-intern darauf, dass nächstes Jahr einfach der linke Stiefel dran ist. Alle sind erleichtert; die Geschichte ist ganz nach dem Geschmack meiner Leutchen, die wohl selber ein Lied zu singen wissen vom Zukurzkommen und vom Neid auf die Bevorzugten.

Jetzt erklingt vom Gang die sonore Glocke des echten Nikolauses, diesmal vom Kollegen F. verkörpert. Er hat sich freiwillig das seit Jahren im Einsatz befindliche und nie gewaschene schmuddelige rote Nikolaus- bzw. Weihnachtsmannkostüm angezogen und den Rauschebart aus Plastik über die FFP2-Maske gehängt (eine Großtat, die nur derjenige zu würdigen weiß, der einmal zwei Stunden lang in so einer Verkleidung auf drei Wohnbereichen eines chronisch überheizten Pflegeheimes unterwegs war).

Jetzt wird es richtig festlich und andächtig. Die feierliche Atmosphäre, die stimmungsvolle Musik, die Gaben (gestiftet von einem großzügigen Angehörigen) begeistern und erfreuen die Bewohner, alle strahlen, manche haben Tränchen in den Augen und kollektiv sehen wir unserem Nikolaus nach, dass er eigentlich wie ein Weihnachtsmann gekleidet ist, also eine Zipfelmütze aufhat statt einer Mitra. Einen Knecht Ruprecht allerdings hat er dabei: der FSJler des Sozialen Dienstes schiebt den Wagen mit den Gaben und Geschenken hinter dem Nikolaus her, dessen Jutesack nur Geschenke für maximal 10-12 Bewohner aufnehmen kann.

Geschichten die das Leben schrieb: Rätsel Weib

Die Frau unterbricht ihren Home Office Vormittag für eine Runde Oberflächen und Fußböden putzen. Sie ist bester Dinge und scheint die Haushaltsarbeit als Entspannung von ihrer zwar hochqualifizierten aber drögen Lohnarbeit (Zahlenkolonnen, Exceltabellen, Assekuranz-Fachchinesisch) zu benötigen.

Fröhlich trällert sie vor sich hin: “PUTZ DICH GLÜCKLICH!!”

Ich so: ………….. ?! (sprachlos)

Maus kündigt härteren Kurs gegen Katze an

In weiteren Meldungen:

*** Maus kündigt härteren Kurs gegen Katze an ***

*** Anni Lenchen vom Fähnlein Fieselschweif der KiTa Hannover-Ost kündigt entschlossenes Vorgehen gegen Bösen Wolf und Böse Hexe an ***

*** Hausierer zu Biedermann: garantiert Haarwasser in den Benzinfässern auf dem Dachboden, auch kein Benzingeruch feststellbar: kein Grund zur Sorge ***

Meine Abenteuer im ÖPNV

Die Straßenbahnlinie 709 musste 10 Minuten an der Haltestelle warten, bis ein sichtbar kranker oder alkoholisierter alter Mann – erkennbar ein Wohnungsloser – von einem RTW abgeholt werden konnte. Offenbar hatte er sich in die Bahn begeben, um der Kälte zu entgehen.

Zuvor hatten zwei Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes der Rheinbahn versucht, ihn zum Aussteigen zu bewegen. Der alte Mann verweigerte das mit der Begründung, er könne nicht mehr gehen und sackte immer wieder in seinem Sitz zusammen.

Die Securityleute hatten eine Art „Good cop, bad cop“ Nummer laufen: der jüngere der beiden, türkischer oder arabischer Herkunft, zeigte sich besorgt um den Mann und behandelte ihn mit Mitgefühl und Respekt; sein Kollege, ein protodeutscher Mittvierziger, schnauzte den alten Mann unfreundlich und aggressiv an und warf ihm vor, den Betrieb und die anderen Fahrgäste aufzuhalten.

Die anderen Fahrgäste waren jedoch überhaupt nicht unwirsch und warteten geduldig auf den RTW. Die Sanitäter waren äußerst freundlich und einfühlsam mit dem alten Herrn und konnten ihn schließlich dazu bewegen, zusammen mit ihnen die paar Schritte zum Wagen zu gehen.

Kay Strathus, erzähl du uns, wie toll die Zone war

Ein Facebook-Diskussionspartner mit DDR-Biografie beantwortet jede Kritik an seinen großdeutsch-antikommunistischen Suaden mit der Herkunftsfrage: wer nicht aus der DDR ist, kann nicht mitreden. In diesem Fall sagt er:

Kay Strathus, erzähl du uns, wie toll die Zone war 🙈“

Das mach ich natürlich gerne:

Och nö, Peterchen, das macht mal selber. Ich fand sie halt ziemlich scheisse, die Zone:

Erst den Krieg vergeigen, nix draus lernen und zähneknirschend auf demokratisch machen, aber blitzschnell all die alten Seilschaften wieder installieren, die uns den Faschismus eingebrockt haben.

Dann Deutschland spalten, indem man eine „Währungsreform“ macht und einen Separatstaat gründet; danach einen bewährten faschistischen Kriegsverbrecher und Nazi-Geheimdienstmann den neuen „demokratischen“ Geheimdienst aufbauen lassen;

Außerdem so gut wie sämtliche Amts- und Würdenträger des faschistischen Vorgängers wieder in Funktionen einsetzen, bis in höchste Ämter… ich weiß nicht, was ich dran „toll“ finden sollte.

Ich spreche natürlich von der Westzone.

Da muss man, rückblickend betrachtet, einfach einräumen, dass sogar der spießige Gartenzwergsozialismus der DDR „das bessere Deutschland“ war und immerhin auf der richtigen Seite der Geschichte stand.

Sogar die paar Zugeständnisse, die das BRD-Regime an die arbeitenden Bevölkerung gemacht hat, hatten sehr viel zu tun mit dem Bemühen der BRD-Machthaber, ihrem Laden eine „Schaufensterfunktion“ in Richtung DDR zu verpassen und keine zu offensichtliche Verarsche der proletarischen Basis einreißen zu lassen.

In der BRD kursierte damals ein Bonmot, nach dem z.B. bei Tarifverhandlungen immer „die DDR als unsichtbarer Verhandlungspartner mit am Tisch sitzt“ – die Zugeständnisse im Klassenkampf wurden gemacht, um dem feindlichen System „da drüben“ keine propagandistische Munition zu liefern. Damit wars dann nach der Annexion ja auch sehr schnell zuende.

Ich weiß, das passt gestandenen Antikommunisten überhaupt nicht. Aber das Lob der (West-)Zone musst du schon selber singen. Ich verlege mich lieber darauf, bei aller Kritik am bürokratischen Herrschaftsstil realsozialistischer Art auf die fundamentalen und unschlagbaren VORZÜGE des besseren Deutschlands hinzuweisen:

FRIEDEN als erstes und wichtigstes (im Gegensatz zum anschwellenden Bocksgesang von Ostlandfeldzug und weltweiter Kriegführung der demokratischen NATO-Krieger des Westens, der gerade wieder laute und lauter wird)

Garantie grundlegender Menschenrechte durch die sozialistische Staatsmacht, wie Freiheit von Arbeits- und Wohnungslosigkeit, kostenlose bzw. sehr günstige Bildung und Gesundheitsversorgung für alle, usw.

Ich weiß, ihr Antikommunisten hört das nicht gerne, weil eure freiheitlich-demokratischen Glaubenssätze ja im wesentlichen aus Schafgeblöke á la „BRD gut, DDR schlecht“ bestehen – aber da müsst IHR mit leben.

Ich für meinen Teil bin ein Freund einer zwar kommunistischen, aber differenzierten, alle Seiten und Aspekte einer Sache beleuchtenden Betrachtungsweise. Und da komme ich unterm Strich zu dem Ergebnis, da Peter Hacks einst so formulierte: der schlechteste Sozialismus ist immer noch besser als der beste Kapitalismus.

Deal with it, mate.

Freie Bürger wollen einen Führer

Nichts verehren freiheitliche Demokraten, vor allem die aus der journalistischen Zunft, so sehr wie FÜHRUNG. Das ganze Getue von wegen Freiheit, Wahlen, Menschenrecht und Individualismus ist blitzartig vergessen, wenn der nationale Laden leck scheint oder Krisen den gewohnten Fortgang von Geschäft und Gewalt zu stören drohen.

Was bei auswärtigen Staatslenkern (insbesondere natürlich bei denen, die ganz oben auf unserer Schurken-Skala stehen, also werte- und demokratiemäßige Loser wie Russland, Kuba oder China) schnell fürchterlich menschenrechtsverletzende Diktatur und nackte autokratische Herrschsucht ist, gerät bei uns zu einem bedauerlichen Mange an klarer Kante und entschlossenem Durchregieren.

Noch der leuchtendste Freiheitsfan unter den schreibenden Soldaten der Freiheit wird dann zum fordernden Untertan, der anständige Führung anmahnt – und das politischen Personal, sofern es bei der ersehnten Führungsstärke an Durchsetzungsfähigkeit und Machtwillen zu wünschen übrig läßt, als führungsschwach bekrittelt.

DAS will sich ein demokratischer Bürger auf keinen Fall bieten lassen; immerhin hat er seine frei gewählte Herrschaft ja mit seiner Stimme ermächtigt, zu herrschen. Das kann er ja wohl erwarten von einer ständigen Herrschaft: dass diese ihren Herrschaftsauftrag zügig und robust ausübt.

Opel Deutschland und die passgenauen Gummifussmatten

Ich weiss nicht wieso, aber diese Anzeige hat etwas derart Schräges an sich, dass ich beim Runterscrollen unwillkürlich stoppte. Ist es der „Gummifuss“, für den hier Matten feilgeboten werden? Ist es die junge chinesische Genossin mit Skateboard, die die linke Faust etwas zaghaft zum kommunistischen Gruß ballt?

Was will uns Opel Deutschland mit dieser Reklame sagen?

Geschichten aus der Vorkriegszeit: wie der Chinese mal wieder alles falsch macht (und sich deswegen nicht wundern muß, wenn wir ihm demnächst die Demokratie mit robusteren Mitteln beibringen werden!)

Das Hamburger Special-Interest-Magazin für Feindbeobachtung hat eine neue Schweinerei da hinten beim Chinamann ausgemacht: er betreibt eine „COVID-Diktatur“. Im Grunde nichts Neues, denn dass beim Chinesen nicht unsere freiheitlichen Verhältnisse herrschen, sondern eine DIKTATUR, das wissen von bürgerlichen Leitmedien aufgeklärte Zeitgenossen sowieso schon immer.

Allerdings fällt dieser Umstand beim Chinesen strafverschärfend ins Gewicht, denn SEINE Diktatur ist auch noch kommunistisch – im Gegensatz zum Russen, der zwar auch AUTOKRATISCH ist, aber wenigstens dem sozialistischen Unfug abgeschworen hat. Nur einer KOMMUNISTISCHEN DIKTATUR ist nämlich zuzutrauen, was diese Schlitzaugen tatsächlich durchziehen: eine Seuche „mit größter Härte“ zu bekämpfen!

Nebenbei entlarven die Demokratieverteidiger vom „Spiegel“ das ganze Gerede der Chinesen, „dass der Mensch und das Menschenleben an erster Stelle stehen“, „rasch die Behandlung der Patienten, umfassende Tests und Impfungen durch(zuführen)“ sei und dabei „kein einziger Infizierter übersehen und kein einziger Patient aufgegeben“ würde (Yu Xiaoxuan, Gesandte der Botschaft der VRChina in Berlin in einem Vortrag zum 100. Jahrestag der KPCh). Das ist natürlich reine Propaganda von Diktaturen, denn in Wahrheit, weiß der „Spiegel“, macht der Chinese nur auf strenge Maßnahmen und Null-COVID, weil seine Impfstoffe einfach nicht so gut sind wie unsere!

Dass die WHO die chinesischen Impfstoffe empfiehlt und auch das deutsche „Ärzteblatt“ über die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser Vakzine berichtet (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/125463/CoronaVac-Impfstoff-aus-China-erzielt-hohe-Schutzwirkung-in-der-Tuerkei-und-Chile), braucht in diesem Zusammenhang nicht zu interessieren, Hauptsache die Behauptung taugt als Beweis für einen richtig fiesen Schritt der kommunistischen Diktatoren: die haben ihren Laden „abgeschottet, dichtgemacht“!

Das geht schon aus dem Grund garnicht, weil wir da unten ja immerhin einiges investiert haben, Zeug produzieren lassen und riesige Warenströme veranlassen, ohne die bei uns kaum noch was an Geschäft läuft.

Bei UNS natürlich, da sieht’s mit der Abschottung und dem Dichtmachen ganz anders aus. Nicht dass wir’s nicht auch machen, schließlich müssen wir ja sehen wo wir bleiben mit der Rendite, inmitten einer Pandemie.

Und wenn’s nicht anders geht, wird gelockdowned und dichtgemacht, was das Zeug hält; Österreich macht’s vor und nicht zuletzt der „Spiegel“ überschlägt sich seit Tagen mit Berichten, Interviews und Statistiken, die alle nur eins bezwecken: möglichst schnell und möglichst umfassend Lockdowns und Impfpflicht einzuführen.

Wenn der Chinese das macht, ist’s natürlich was völlig anderes, denn der ist schließlich DIKTATUR, also per se schlecht, und darum können auch seine Seuchenbekämpfungsmaßnahmen nur ganz ausgekochte unterdrückerische Gemeinheiten und Verstöße gegen unsere Menschenrechte sein.

Sagt der „Spiegel“ inmitten einer sich verschärfenden pandemischen Lage – deren Nicht-Beherrschbarkeit durch die staatlichen und privaten Institutionen des freien Westens der „Spiegel“ und alle Leitmedien tagtäglich thematisieren – mit Blick auf einen Staat, der bei einer Bevölkerung von 1,4 Mrd Menschen ganze 4.600 Todesfälle hatte und ganz offensichtlich mit seiner Null-COVID-Politik erreicht hat, dass das Land in Punkto Schutz der Bevölkerung und wirtschaftlicher Aktivität weltweit einzigartig erfolgreich dasteht.

So kann man Neid auch maskieren: dem Beneideten einfach Unfähigkeit und niedrige Motive unterstellen. Der „Spiegel“ gleicht dem verzogenen Oberschichtsgör, das auf dem Sportplatz den Arbeiterkindern, die einfach besser kicken als es selbst, hinterherbrüllt: „Ihr habt ja nur gewonnen, weil ihr mit EUREM Ball spielt, aber MEIN Ball ist viel besser! Und außerdem habt ihr einen Trainer!“

Betreutes Denken: gar nicht subtile Warnhinweise

Wie die meistgenutzten Webplattformen genau das, was sie angeblich befördern wollen (Meinungsbildung, Austausch, Information) in Wirklichkeit fürchten und nach Möglichkeit einschränken, einhegen, kontrollieren und überwachen, zeigen die gar nicht subtilen Warnhinweise und virtuellen „Nicht betreten!!“-Tafeln, die sie allenthalben dort aufstellen, wo sie verdächtiges Gedankengut und abweichende Meinungen vermuten.

Dies „Zensur“ zu nennen, wäre natürlich völlig falsch. Immerhin ist es ja keinem verwehrt, die inkriminierten Seiten aufzusuchen. Und vor deren abweichenden Meinungen zu warnen gehört unbedingt zur Freiheit freier Unternehmen im Reich der freien Freiheit dazu!

So prägt sich einem nur mit jedem Besuch einer solchen Seite ein, dass deren Inhalte irgendwie anrüchig sind, dass die Staatsmacht vermittels der BigTech-Konzerne sie für potentiell gefährlich hält, dass man hier im Grunde Aktivitäten nachgeht, die ein anständiger Bürger vermeiden sollte.

Kapitalismus: Nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist pervers

Das schreibt heute „Spiegel Online“ zur Lage in der Pflege: „Perversion des Kapitalismus“.

Jeder weiß es, jeder spricht und schreibt darüber, jeder zuckt die Schultern und sagt bedauernd, dass man da leider nichts machen kann usw.

Im Zweifel werden dann noch ein paar Sprechblasen von „Sachzwang“, „ökonomischer Vernunft“ und „es muß sich rechnen!“ gemurmelt, oder, wenn alles nichts hilft, auf die chronisch schlechte und gierige Menschnatur verwiesen, die – leider, leider – nun mal nichts anderes zuläßt als ausgerechnet die ganze Scheisse, die die Mehrheit immer nur schädigt und die kleine Minderheit der Eigentümer reich und reicher macht.

So müssen Kapitalismus-Fans es eben sehen: das bestimmungsgemäße FUNKTIONIEREN des Kapitalismus wird am Beispiel von „Mißständen“ für sie zur „Perversion“. Dabei sind die „Mißstände“ bloß die konseqente Anwendung des von allen geteilten Prinzipis: Bereicherung, und zwar um jeden Preis, den die Lohnarbeiter zahlen können und müssen.

Wer von Perversion redet, hält den Normalzustand dieser Ökonomie für gerade NICHT pervers – die REALEN Zustände dieser Ordnung, an der niemand Zweifel aufkommen lassen will („Freiheit!!“ und so), sollen sich dann immer am IDEAL blamieren: Kapitalismus voll super und der Markt sowieso das Geilste, aber – schlimm, schlimm – zugestandenerweise gibt es da vereinzelt „Perversionen“, die völlig unnötig den guten Ruf unseres Lieblingssystems beflecken!