Geschichten die das Leben schrieb: Gedanken beim Hundespaziergang

Spätere Zeiten und kommende Generationen werden, wenn sie zurückblicken auf die 2020er Jahre und die Entwicklung der westlichen Gesellschaften (speziell Deutschlands), Parallelen zu ziehen wissen mit den 1930er Jahren. Demokraten sind überzeugt, ihre Herrschaftsform hätte mit ihren faschistischen Vorgängern nichts zu tun und wäre – wegen Freiheit und Toleranz und so – quasi das genaue Gegenteil von der offensichtlichen und rohen Diktatur der deutschen Regierung, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts zwölf Jahre lang Deutschland regierte.

Das ist allerdings eine Täuschung. Nur weil die heutige Staatsform ohne Gestapo und KZs auskommt, heißt das noch lange nicht, dass sie auf ziemlich konsequente Unterdrückung abweichender Meinungen verzichtet. Mit dem Beginn des offenen Krieges gegen Russland durch die ukrainischen NATO-Stellvertreter werden auch in den demokratischen Gesellschaften die Zügel straffer angezogen:

Abschaltung unliebsamer Medien, Zensur, Verbot von Meinungsäußerungen, die dem staatlich verordneten Narrativ widersprechen; umfassende Gleichschaltung der öffentlichen Meinung durch staatliche und private Medien; Verfolgung von Dissidenten durch mediale, berufliche und private Ausgrenzung (gerne aber auch durch empfindliche Geldstrafen, möglich gemacht durch eilends eingeführte Gesetzesänderungen) – das Instrumentarium staatlicher Kontrolle ist vielleicht nicht so sichtbar brutal wie das der Regierung des staatlichen Vorgängers der BRD, dafür aber auch nicht so primitiv und grob.

Im Gegenteil, die demokratische Gedankenpolizei verlässt sich zu einem Großteil auf die freiwillige Mitarbeit der Bürger selbst, die in der Transparenz der sozialen Medien fein säuberlich nach Gegnern und Befürwortern der staatlich erwünschten Meinungen geschieden werden können (wobei letztere sich gleich noch als Hilfsgedankenpolizisten für die Staatszwecke nützlich zu machen verstehen, indem sie verbotene Meinungsäußerungen melden).

All das ist, soweit es die Mehrheitsmedien betrifft, eingebettet in ein Klima blanken Hasses, einer erschreckenden und umfassenden Feindseligkeit nicht nur gegen den zum Feind erklärten Staat (mal wieder derselbe wie zu Zeiten des Reichskanzlers 1933-45), sondern auch gegen die Bürger des Feindstaates, gegen alles, was wirtschaftlich, sozial und kulturell mit dem Feindstaat zu tun hat. Auch offener Rassismus ist wieder salonfähig, was man schnell merkt, wenn man die heute dämonisierte und entmenschlichte Ethnie – Russen – durch die seinerzeit so klassifizierte – Juden – ersetzt.

Um zum Ursprungsgedanken zurückzukehren: die Umformung der heutigen demokratischen Gesellschaft entspricht in den Methoden nur teilweise, in der Zielsetzung aber zu 100%, der der Umformung des seinerzeitigen Deutschen Reiches in den 1930er Jahren: eine Transformation in ein autoritäres, zutiefst manipulatives Gemeinwesen, das nach innen und außen aufrüstet, das die Volksgemeinschaft auf den Kampf gegen einen externen Feind einschwört und dabei nicht vergißt, dass auch der innere Feind – Dissidenten mit abweichenden Standpunkten – im Visier und unter Kontrolle bleibt. Nebenher verlangen beide Staaten, Deutsches Reich wie BRD, von der Bevölkerung Opfer – und das nicht zu knapp – für den Endsieg.

Eine zukünftige Zeit wird die Ähnlichkeiten, aber auch die Unterschiede der Methoden sehen; vor allem aber wird sie (hoffentlich) die grundlegende IDENTITÄT sehen, mit der der deutsche Imperialismus fast hundert Jahre später erneut für seine Ziele mobilisiert und dabei, ganz wie damals, mit Leichtigkeit einen großen Teil der Bevölkerung hinter sich bringt.

Geschichten die das Leben schrieb: in vino veritas, in heißem Tee weniger

Nach einer kurzen grippalen Infektion geht es mir am dritten Tag wieder bestens und ich hole auf Bitten der Frau Wein aus dem Keller mit den Atomkriegsvorräten (wir sind der Meinung, dass wir an der nuklearen Katastrophe nah genug dran sind, um ohne Bedenken die Vorräte zu plündern). Gemeinsam leeren wir im Laufe des Abends zwei der dickwandigen Flaschen mit dem Etikett von Paul Mas, das Luxus, önologische Qualität und französisches Savoir-Vivre signalisiert.

In bester Stimmung und müde vom Wein gehen wir gegen Mitternacht zu Bett und schlafen schnell ein. Keine zwei Stunden später bin ich mit Kopf- und Gliederschmerzen wach, zudem meldet sich ein fieses Kratzen im Hals und eine generelle infektmäßige Kaputtheit zurück. Ich verfluche meinen leichtsinnigen Alkoholkonsum und verbringe die nächsten paar Stunden in der Küche, mit heißem Tee, Gaben von Zink und Vitamin C und allerlei anderen Mittelchen, die mir in die Hände fallen. Gegen 5:30 bin ich endlich müde und erschöpft genug, um erneut ins Bett zu kriechen und einzuschlafen.

Am nächsten Morgen berichte ich der Liebsten von meinen nächtlichen Abenteuern und schwöre, die Finger vom Rebensaft zu lassen, solange ich gesundheitlich angeschlagen bin. Damit stoße ich auf vollstes Verständnis meiner opferbereiten Gattin. „Wir machen heute alkoholfreien Tag! Und morgen auch! Wir lassen das ganz sein mit dem Alkohol, ich muss sowieso abnehmen… Nie wieder Alkohol!“ ist von ihr zu hören.

Ich muss lachen, denn diese Sprüche hab ich von ihr schon oft gehört. „Lach nicht! Ich meine es ernst!“ sagt sie. „Das glaubst du wohl nicht – aber ich hab die Disziplin dazu!“

Dazu sage ich lieber gar nichts, obwohl noch Einiges in Richtung Abnehmen, Gesundheit, Geld sparen und Kosten minimieren nachkommt.

Den Tag über verbringe ich in halbkrankem Zustand, obwohl ich mich zwinge, mit dem Hund raus und sogar einkaufen zu gehen. Gegen Abend bin ich etwas besser dran, aber spürbar angeschlagen und noch nicht wieder fit. Die letzte Runde mit dem Hund muss also die Frau gehen.

Als sie wiederkommt, hält sie mit größter Selbstverständlichkeit eine Flasche ausgerechnet des teuersten Rotweins aus dem Kellervorrat in der Hand. Sie strahlt mich an, denn sie weiß schon, was jetzt kommt. „Ach nee. War wieder alles nur Ankündigung und heiße Luft heute morgen? Nie wieder Alkohol? Alkoholfreier Tag?“ kann ich mir nicht verkneifen zu kommentieren.

Das läßt meine undogmatisch flexible Gattin völlig unberührt. „Du kennst mich doch!“ grinst sie mich an. „Du solltest auch ein Gläschen trinken, gerade mit deiner Erkältung – da schläfst du besser!“

„Also, ich bleib‘ dabei“, antworte ich. „Kein Glas Wein heute. Auf mich musst du verzichten.“

„Macht nichts, die Flasche krieg‘ ich auch allein leer“, flötet meine drogenerfahrene Liebste und rauscht ab in die Küche, um sich schon mal ein Glas des edlen „Il Pumo Doro“, ein Primitivo aus Salento, zu genehmigen. Ich sitze auf dem Bett mit meinem Becher heißer Zink + Vitamin C und tröste mich, dass das Getränk immerhin eine ähnliche Farbe wie der Wein hat.

Republikfeiertag 2022

Eine Facebookfreundin schreibt:

Ich möchte heute, am Nationalfeiertag der DDR, noch etwas sagen.

Ich bin 1981 im Westen geboren und kannte die DDR nicht. Als 18 jährige bin ich nach Berlin gegangen und habe an der Tanzakademie und in der Kulturbranche viele aus der DDR kennengelernt.

Ich war zu diesem frühen Zeitpunkt in meinem Leben schon so ein asoziales Verhalten in der Gesellschaft gewöhnt, in der ich groß geworden bin, dass es für mich ein Phänomen war, dass solche Menschen, wie aus der DDR, überhaupt existieren. Sie waren für mich schon fast wie eine Spezies von einem anderen Planeten, die tatsächlich sozial eingestellt sind, niemanden ausgrenzen, Solidarität und echten Zusammenhalt kennen.

Sollte dieses Deutschland noch einmal geteilt werden, ist für mich völlig klar, dass ich in den Osten gehen werde. Ich bin vom Westen dermaßen geschädigt, dass ich mir seinen Untergang wünsche, seine Ideologien verbanne, seinen Einflüssen, Verführungen und Manipulationen widerstehen und für immer den Rücken kehren will.

Meine Antwort:

Das deckt sich mit meinen Beobachtungen und Erfahrungen. In den 1950er Jahren in Hamburg geboren, in der Wiederaufbau- und Wohlstands-BRD sozialisiert und von klein auf mit der Milch der marktwirtschaftlichen Denkungsart und der US-Kultur aufgezogen, und das in einer sozialdemokratisch-kommunistischen Arbeiterfamilie, die nach und nach den Weg in die gehobene Mittelschicht zurücklegte – all das reichte nicht aus, um mein Unbehagen über die bzw. meine Kritik an den verlogenen Zuständen des kapitalistischen Alltags auszulöschen.

Die marktwirtschaftsgemäße Deformation der Individuen, ihr Geiz, ihre Gewinnsucht, ihre Kleingeistigkeit, ihre Besessenheit nach Erfolg in der Konkurrenz stieß mich ab solange ich denken kann.

Als ich lange nach Ende der DDR in Weimar landete und dort auf Menschen traf, die nicht die Schule westlicher Konkurrenz und Entsolidarisierung durchlaufen hatten, fühlte ich mich zum ersten Mal im Leben in Deutschland zuhause.

Bei aller notwendigen (solidarischen!!) Kritik am ostdeutschen Sozialismusversuch gibt es zwei Dinge, die die DDR zum besseren Deutschland machen:

Erstens die Tatsache, dass die DDR der einzige Friedensstaat in der deutschen Geschichte ist und bleibt. 40 Jahre lang ging kein Krieg von deutschem Boden aus, jedenfalls nicht vom Boden der DDR.

Zweitens der Umstand, dass die DDR-Menschen in ihrer Mehrzahl – dank der Sowjetunion und dank des Aufbaus des Sozialismus, egal wie holprig der war – ohne Ausbeuterei und kapitalistische Konkurrenz eine Gesellschaft errichteten, die ein anständiges Leben für alle jedenfalls als Absicht und Ziel anvisierte.

Inspiriert von der Kritik der politischen Ökonomie, die Marx und Engels formuliert haben und gestützt auf die humanistischen und revolutionären Traditionen der deutschen Geschichte und Kultur.

Nach einer Weile merkte ich, vor allem am Arbeitsplatz, dass ich mir das nicht einbildete, sondern dass in der DDR aufgewachsene und ausgebildete Menschen die Haltung einer praktischen, menschlichen, umfassenden Solidarität tatsächlich als Selbstverständlichkeit leben. Meine Erleichterung darüber, dass es sowas wirklich gibt und dass das selbst nach der Rückeroberung der DDR durch den BRD-Kapitalismus zumindest in den Leuten meiner Generation nicht mehr auszulöschen war, kannte keine Grenzen.

Ich verschließe absolut nicht die Augen vor dem, was ich den „Gartenzwerg-Sozialismus“ der DDR nenne, die Engstirnigkeit, Spießigkeit, Bevormundung und Einschränkung der Bewegungsfreiheit (nicht dass das ein DDR-Spezifikum wäre; so ähnlich und schlimmer kennt man es aus der heutigen BRD und anderen imperialistischen Staaten). Trotzdem feiere ich den Republikgeburtstag und diesen kleinen mitteleuropäischen Staat, als Ausdruck der Hoffnung auf ein Leben ohne die Barbarei des imperialistischen Krieges, ohne die Primitivität der kapitalistischen Konkurrenz und ohne die Widerwärtigkeit der demokratischen Propaganda, die aus Lüge Wahrheit, aus Krieg Frieden, und aus Unwissenheit Stärke macht.

Sprache, Pronomen und absurder Unfug

Ich frage mich bei solchen offenkundigen Absurditäten (von denen jeder weiß, dass sie niemals in irgendeinen Sprachgebrauch eingehen werden, weil die Leute einfach nicht so bescheuert sind, wie die woken Genderideologen unterstellen), was die Intention derlei sprachlicher Verrenkungen ist oder sein soll.

Warum wird sowas gemacht?

Wem ist damit gedient?

Die vordergründige Auskunft, die Sprache solle irgendwie die Diversität der geschlechtlichen Identitäten widerspiegeln akzeptiere ich nicht. Das ist nämlich Unsinn in einer Sprache, die für genau diese sprachliche Inklusion das generische Maskulinum hat.

Bleibt also als Grund die Ideologieproduktion, die Moral, der bevormundende Frontalangriff zur Durchsetzung ideologisch erwünschter sprachlicher Verhaltensweisen.

Ja, Sprache verändert sich ständig. Aber sie wandelt sich, weil sich Menschen und ihre Umstände wandeln, weil neue Dinge erfunden werden oder neue Konzepte entstehen, die sich dann in der Sprache abbilden; NICHT, weil ideologische Sinn- und Sittenwächter es befehlen bzw. mit der Macht ihrer Hoheit über die offizielle Sprache durchdrücken.

Rede Wladimir Putins zur Eingliederung der vier neuen Regionen Russlands

Die historische Rede des russischen Präsidenten anlässlich der Feier zur Eingliederung der vier neuen Gebiete Russlands sollte jeder gelesen haben. Vollständig.

Die Rede markiert in mehrfacher Hinsicht einen Wendepunkt und Scheideweg in Bezug auf das Verhältnis Russlands zum Westen. Und sie macht deutlich, in welchem Ausmaß sich Russland von allen Versuchen verabschiedet hat, mit dem imperialen westlichen Anspruch auf Hegemonie einen Modus Vivendi zu finden.

Zudem macht Putin die Unterschiede deutlich, die die russische Welt von der dekadenten, kriegslüsternen, räuberischen „Zivilisation“ des kollektiven Westen trennt.

Hier die vollständige Übersetzung von Thomas Röper vom „Anti-Spiegel“:

Eine abendliche Betrachtung beim PAUL MAS Vignes de Nicole Rosé

Снова дома.

Спасибо, Владимир Владимирович.

Спасибо, Россия.

Guten Abend aus der US-Kolonie BRD!

Den Nachrichten entnehme ich gerade, dass das Pentagon geruht, die Kommandozentrale für den ukrainischen NATO-Krieg gegen Russland in Deutschland einzurichten. Man bedient sich in solchen Dingen immer entweder des willfährigsten oder des am deutlichsten, am brutalsten und nachdrücklichsten auf seinen Platz verwiesenen Vasallen.

Ersteres wären z.B. Polen oder die baltischen Zwergstaaten, allesamt russophob bis ins Knochenmark und nur allzu bereit, sich als Frontstaat gegen Russland zur Verfügung zu stellen. Deutschland zählt zur zweiten Kategorie Vasallen, zu der Sorte, die die eigenen Ambitionen aufs Mitmachen beim Weltordnen stets in transatlantische Treueschwüre gehüllt hat, gleichzeitig aber mit seinem EU-Projekt ein Konkurrenzsubjekt geschaffen hat, dessen perspektivisches Ziel die eigenständige Weltinnenpolitik gleichzeitig mit und gegen die USA war.

Dieses Ziel hat der Hegemon nun unterbunden. Er hat der führenden EU-Macht gezeigt, wozu eine Supermacht von der Wucht der USA in der Lage ist und hat dem deutschen Emporkömmling die Lebensader seiner Energieversorgung gesprengt, ihm damit auch vorerst jede Möglichkeit genommen, neben oder gegen die amerikanischen Kriegsziele im Interesse der deutschen Bevölkerung doch noch ein Einvernehmen oder wenigstens Gespräche mit Russland über die Versorgung mit Energieträgern zu erzielen.

Die größte europäische Vokswirtschaft wurde, in Kenntnis des Schadens, den der Sanktionskrieg der BRD ohnehin schon zugefügt hat und realistischer Einschätzung der Schwäche der deutschen Regierung, auf den Rang eines Befehlsempfängers und Erfüllungsgehilfen amerikanischer Interessen herabgestuft – „auf den Pott gesetzt“, wie man im Rheinland sagt.

Die geopolitischen Strategen im amerikanischen State Department, im Tiefen Staat und in den einschlägigen Think Tanks haben sogar ein trojanisches Pferd in der BRD-Regierung: die grünbraunen Fanatiker einer Deindustrialisierung und des Endsieges gegen Russland müssen nicht mit Druck und Erpressung überzeugt werden. Sie betreiben aus freien Stücken die Unterordnung des deutschen NATO-Partners unter die globalen Ziele der USA. Sie teilen die ideologischen Prämissen, die wertewestliche Hybris, die verlogene Rechtfertigung jedes Krieges, jedes Terroranschlages, jeder Gewalt „für Freiheit und Demokratie“, während sie gleichzeitig alles zu „Krieg, Terror und Gewalt“ erklären, was ihre globale Dominanz ablehnt oder angreift.

Was tun?

Eine deutsche Regierung, die ihren Amtseid ernst nähme, „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“, müsste jetzt die Sprengung der Pipelines als Terroranschlag der USA benennen (und jeder in der Berliner Regierung weiß, dass die NATO-Vormacht für diesen Anschlag verantwortlich ist) die BRD aus der NATO lösen und alle US-Stützpunkte, und besonders die Atomwaffenlager, in Deutschland schließen. Eine deutsche Regierung hätte Deutschlands Souveränität wiederherzustellen. Sie hätte alle aus der Unterwerfung unter die globalen Ziele des US-Imperialismus resultierenden Handlungen einzustellen und rückgängig zu machen, insbesondere die aktive Teilnahme am ukrainischen NATO-Krieg gegen Russland.

Natürlich weiß jeder, dass die Scholz-Regierung solche Schritte nie einleiten wird, sowenig wie sie – trotz besseren Wissens – die Verursacher des Anschlages auf die Pipelines nennen darf und kann.

Die unbändige Wut und der besessene Hass der westlichen Politiker und Medien auf den russischen Präsidenten speist sich u.a. daraus, dass er den Finger in all diese Wunden legt. Er benennt die Urheber der Pipeline-Sabotage. Er hält dem kollektiven Westen den Spiegel seiner kolonialen Verbrechen und seiner heutigen Anmaßung als Weltpolizist, -Ankläger und -Richter vor. Er nennt das Monster ein Monster – das Monster, das der Welt einredet, es sei ein Heiliger. Die fanatische Wut des kollektiven Westens auf Putin entstammt dem Wissen der westlichen Führer, dass der russische Präsident die Dinge beim Namen nennt.

Bei einem Facebookfreund las ich heute, dass jetzt die Aufgabe sei, alle Schichten des Volkes zum nationalen Befreiungskampf zusammenschließen. Ich denke, er hat recht. Auch wenn ich – ich will es nicht leugnen – aus Gründen meiner persönlichen Geschichte Probleme mit dem Begriff „Nation“ habe, muß ich feststellen, dass in diesem Land als erstes eine Art bürgerlicher Revolution zur Erlangung nationaler Souveränität ansteht.

Was der russische Präsident in seiner Rede anspricht, mag einigen westlich konditionierten Intellektuellen (auch aus dem kommunistischen Wolkenkuckucksheim) als Appell an patriotische Instinkte, als pathetische Beschwörung falscher Götter, als antimoderner Konservatismus vorkommen. Ist es aber nicht. Die historische Rede des russische Präsidenten m 30. September 2022 wird in die Geschichte eingehen als historischer Wendepunkt. Ab diesem Tag, mit dieser Rede, ist klar, dass die alte unipolare Weltordnung nicht mehr existiert. Russland – und mit ihm die entscheidenden Mächte Asiens und der gesamte globale Süden sowie die Mehrheit der Weltbevölkerung – hat sich von der ausbeuterischen Dominanz des kollektiven Westens emanzipiert und erzeugt eine neue Welt der Multipolarität, des gegenseitigen wirtschaftlichen Vorteils und der Zusammenarbeit souveräner Staaten. Seit heute ist klar, dass der Bruch zwischen Russland (und dem Rest der Welt) und der kleinen Gruppe des westlichen Blocks – der etwa 15% der Menschheit vertritt, aber den Anspruch hat, die Geschicke des Planeten zu bestimmen – definitiv und endgültig ist.

Der neue Kalte Krieg, der schon seit mindestens 2014 tobt, jetzt aber sozusagen „öffentlich“ ist, unterscheidet sich vom alten Kalten Krieg im mörderischen, fanatischen Hass der unterlegenen Seite, des kollektiven Westens, auf die Verkörperung ihrer Niederlage in der Person des russischen Präsidenten und, als Projektion auf ein Kollektiv, auf den russischen Staat. Dieser Hass, diese Wut, diese aus jedem Ruder laufende Feindseligkeit, entsteht in Leuten und Gruppen, die wissen, das ihre Stunde geschlagen hat und das ihre >Macht dem Ende entgegengeht . Es macht sie umso gefährlicher.

Wir leben in interessanten, spannenden, hoffnungsvoll stimmenden Zeiten. Die Welt verändert sich in kürzester Zeit auf eine Weise, für die sonst Jahrzehnte und Jahrhunderte vonnöten sind. Wenn wir – als Menschheit – um den nuklearen Krieg herumkommen, den die wertewestlichen Weltkrieger für diese Situation vorgesehen haben, gehen wir einer Zukunft entgegen, die viel Potential birgt für eine Welt des gegenseitigen Austauschs, Respekts, Vorteils und Wohlstands. Leider vorerst nicht in den paar Gebieten unter Kontrolle der westlichen Machthaber. Außer wir ändern das.

Eine Vormacht, die die lebenswichtige Energie-Infrastruktur des engsten europäischen Verbündeten angreift

Wenn man mal davon ausgeht, das es ein Sabotageanschlag der USA war: eine Vormacht, die die lebenswichtige Energie-Infrastruktur des engsten europäischen Verbündeten angreift (sich also als staatlicher Terrorist betätigt), liefert damit kein Zeichen der Stärke, sondern eines der SCHWÄCHE sowie der Hysterie und der Paranoia.

Ein anderes Thema ist die voraussichtliche Reaktion der Bundesregierung, die – egal wer sie gerade bildet – eingeschworen ist auf die sogenannte „transatlantische Partnerschaft“, die ihr keinen Spielraum läßt für souveräne politische Entscheidungen (so jedenfalls sehen es die politischen Eliten).

Die Regierung wird ihre eigenen Experten- und Geheimdienstberichte haben, in denen vermutlich relativ unverblümt und direkt auf Urheber und Motive der Anschläge auf die Pipelines verwiesen wird. Aber wird sie (öffentlich) dazu Stellung nehmen? Wohl kaum.

Als Bürger in diesem Lande muß man sich darüber klar sein, das man es bei der politischen Herrschaft (neben der offensichtlichen kapitalistischen Verfasstheit des Standorts) mit in Jahrzehnten zu transatlantischer Vasallentreue und Servilität erzogenen Eliten zu tun hat, die Deutschlands elementare Interessen (sofern man in einem bürgerlichen Klassenstaat dieses heikle Wort in den Mund nehmen möchte; besser: die elementaren Interessen der deutschen Bevölkerung) ganz praktisch und de facto an eine ausländische Macht verraten.

Um das festzustellen und zu benennen muß man kein Nationalist oder völkischer Trottel sein. Es genügt, zu verstehen, dass die Regierung und die Interessen, die sie vertritt, noch nicht mal im „normalen“ bürgerlich-kapitalistischem Sinne die des Kapitalstandortes BRD sind (geschweige denn die der hier lebenden Arbeiterklasse), sondern die der USA, der die BRD-Regierung bereitwillig die Interessen des eigenen Landes unterordnet.

Für Kommunisten steht meiner bescheidenen Einschätzung nach dies auf der Tagesordnung (da wir von irgendeiner sozialistischen Umwälzung weit entfernt sind):

Sturz/Absetzung und Anklage der Regierung als landesverräterische Verschwörer

Wiederherstellung der staatlichen Souveränität Deutschlands durch Austritt aus NATO und EU, Auflösung aller Stützpunkte und Nuklearwaffenarsenale der USA auf deutschem Boden

Verstaatlichung der wesentlichen Bereiche öffentlicher Daseinsvorsorge, insbesondere der Energieversorgung

Sofortige Beendigung der Unterstützung der Ukraine, Aufnahme von Gesprächen und Frieden mit Russland