Nationale Katastrophe: Niederlage in WM-Auftaktspiel

Nach verlorenen Turnierspielen der BRD-Auswahl schaue ich gerne mal bei der völkischen Presse rein, um die Schmach fürs nationale Gemüt von allen Seiten auszukosten. Besonders das Springer-Hetzblatt „Bild“ tut sich da hervor, in der Regel mit dem „Bild“-typisch unappetitlichen Rangewanze an die von „Bild“ mitgezüchtete rabiate Volksseele.

Dieses Schundblatt kombiniert gerne die Artikulation des kollektiven Frustgefühle einer auch beim Fußball weltmachtmäßig anspruchsvollen Nation mit ultimativen „Jetzt erst recht!“- und „Arsch zusammenkneifen und ab in die Schützengräben!“-Appellen an die Versager, die es gewagt haben, Deutschlands Ehre auf dem Fussballfeld zu beflecken.

Und richtig, ich werde gleich fündig:

Schon die Balkenüberschrift des Frontberichts aus Moskau klärt auf, dass es jetzt um nichts anderes als Sein oder Nichtsein geht:

„DARUM geht es jetzt schon ums WM-Überleben“, wird der deutsche Fernseh-Landser von seiner gedruckten Wochenschau informiert.

Ein paar Absätze weiter unten erfährt man dann, welch unglaublichen Mangel an Ernsthaftigkeit sich manche der deutschen Truppenteile erlauben: da nimmt doch tatsächlich einer der jungen Fußballer kurz nach dem vergeigten Spiel ein Selfie mit einem Fan auf, statt in Sack und Asche gehüllt sofortiges Medizinballtraining aufzunehmen, damit WIR beim nächsten Spiel wenigstens dem Schweden zeigen können, wo die Glocken hängen.

Urteilsverkündung der nationalen Sportpropagandastelle der „Bild“-Zeitung: Peinlich!

Julian Brandt kann sozusagen froh sein, der Todesstrafe wegen Zersetzung entgangen zu sein.

Wenn (selbst-)gerechte Empörung und Betroffenheitsduselei biologistischen Rachedurst wachrufen

Ein Facebook-Kontakt schreibt folgendes (und verlinkt auf ein Interview mit dem notorischen Berliner Law&Order-SPD-Rechten Buschkowsky, in welchem letzterer den noch notorischeren Volksverhetzer Sarrazin rehabilitiert; Zitat: „Es wird die Zeit kommen, da werden sich noch viele die geschimpft haben bei Thilo Sarrazin zu entschuldigen haben!“):

„Ich bitte alle Realitätsverweigerer, Whataboutism’er oder möchtegern-Meinungsregulatoren mich zu entfreunden oder zumindest auf meiner Seite die Schnauze zuhalten. Seid offen für die Realität oder trollt euch. Ich bin Vater einer minderjährigen Tochter und eines adoleszenten Sohnes und möchte gerne vor ihnen sterben.“

Ich konnte natürlich die Schnauze NICHT halten und bin fast sicher, dass mein Kommentar mich für den Urheber des Zitates zum realitätsverweigernden Meinungsregulator machen wird, der sich zu trollen hat:

„Endlich mal wieder eine Gelegenheit, das eigene Gefühl von gerechter Empörung und Betroffenheit ganz grundsätzlich („Bin Vater von Kindern!!“) zum Maßstab gesunden Volksempfindens zu machen und gleich mal per Re-Post eine Ehrenrettung des völkischen Hetzers Sarrazin vorzunehmen.

Abgesehen davon, dass es in der Justiz nie um das Gerechtigkeits- und schon gar nicht um das Rachebedürfnis des einfachen Untertans geht, sondern um den Ordnungs- und Strafanspruch und das Gewaltmonopol des Staates, ist es bezeichnend, anhand WELCHER Straftaten und Täter der empörte Bürger hier nach Tabula Rasa und Schluss mit jedem Einwand und jeder Bedenkenträgerei ruft.

Der fremdländische Einzeltäter, der eine Minderjährige vergewaltigt und ermordet, dient dem betroffenheitsentschlossenem Gemüt allemal als Aufhänger für zornige Hinweise an die geneigte Leserschaft, jetzt frag- und kritiklos die biologischen Nistbau- und Brutpflegeinstinkte des Empörten zu teilen: „Ich will meine Kinder überleben!“

Ja, wer will das nicht?

Und was soll ausgerechnet in diesem Zusammenhang dieser Hinweis?

Die selektive Empörung, die bei dieser Art Statements zum Vorschein kommt, ist umso verlogener, je kategorischer sie sich Widerspruch von vorneherein verbittet („Entfreunde mich oder halt die Klappe, wenn du es anders siehst!“), denn sie bleibt aus, sobald es sich um andere Opfer der täglich anfallenden Gewaltverhältnisse handelt, z.B um von israelischen Scharfschützen ermordete Krankenschwestern, von US-Drohnen umgebrachte Kinder und Frauen oder andere Kollateralschäden imperialistischer Weltbeaufsichtigung.

Aber das ist sicher schon wieder „Whataboutism“, richtig?“

Zweimal über das Alter

1.
Meine juvenile Chefin (die 30-jährige Leiterin des Sozialen Dienstes des Pflegeheims) spricht mich an wegen der vielen Personalausfälle im Pflege- und Hauswirtschaftsbereich.
Ob ich an mein Samstags-Gruppenangebot noch eine Küchenschicht anhängen könne; der Wohnbereich stünde ohne Hauswirtschafts- oder FSJ-Kräfte fürs Abendbrot da und zwei Pflegekräfte könnten unmöglich 25 Leute pflegen UND für das Abendessen sorgen.
Da dies die Art Fragen sind, auf die man nicht „Nein“ antworten kann, wenn man die Situation in Pflegeheimen kennt (außer es ist einem egal, ob die Bewohner zu Abend essen oder nicht), sage ich also zu.
Meine Chefin so: „Du bist mit Swetlana im Wohnbereich. Das ist so eine Ältere, ganz Nette….“
Ich kenne und schätze die fragliche Kollegin und muss lachen, weil sie aus Sicht einer Dreißigjährigen wohl tatsächlich „eine Ältere“ ist. Ich frage aber trotzdem aus Neugierde mal nach: „Was meinst du denn mit ‚Ältere‘?“
„Na, so ca. 45…“
„Hm… für mich ist die im besten Alter!“, gebe ich zu bedenken, „du sagst das so, als ob die kurz vor der Pensionierung steht…“
Darauf die mir hierarchisch Vorgesetzte: „Ja, aber du bist sowieso ein Rätsel. Du siehst nicht aus wie Sechzig und du benimmst dich auch nicht so. Ich weiß nicht, wie du das machst….“

2.
Vor Dienstbeginn im Getränkemarkt. Ein älterer Herr, ca. Mitte Siebzig, und ich biegen mit unseren Einkaufswagen gleichzeitig von verschieden Seiten in die Zielgerade vor der Kasse ein. Ich will ihn vorlassen, doch er bietet mir den Vortritt an und sagt: „Wir haben doch Zeit! Bei uns kommt’s doch auf ein paar Minuten nicht an…“
Ich wunder mich über das „wir“ und frage:
„Wieso? Seh‘ ich aus wie ein Rentner?“
Er, ohne zu zögern: „Ja.“

Zusammengefasstes Geschichtsbild eines nur in staatlichen Schulen „informierten“ BRD-Bürgers Jahrgang 1957

Da war mal ein böser Hitler, der kam plötzlich an die Macht (keiner weiß warum) und verführte alle Deutschen. Dann passierten ein paar schlimme Dinge und auch ein Weltkrieg. Aber da war der Hitler dran schuld; die Deutschen waren eigentlich friedlich, aber sie mussten ihm ja gehorchen.

Genaueres über den Krieg steht in den „Landser“-Heftchen, die‘s am Kiosk gibt. Die deutschen Soldaten waren sehr tapfer, aber haben dann den Krieg verloren.

War auch irgendwie gerecht, weil der schlimme Hitler eigenhändig sechs Millionen Juden umgebracht hat.

Heute ist alles gut und wir leben in der besten aller Welten. Warum dieser Hitler plötzlich über Deutschland herrschte, kann keiner erklären. Was die Kommunisten erzählen ist glatt gelogen, denn die Unternehmer und die Reichen wollen nur unser Bestes und schaffen Arbeitsplätze.

Und jetzt große Pause!

Vorkriegsgedanken

Ich frage mich, ob sich die Menschen, die beim letzten Mal vor einem Krieg gewarnt haben, auch so gefühlt haben wie die paar Leute heutzutage, die noch alle Latten am Zaun haben und sehen können, mit welchen unsagbar dämlichen Lügen der Weg in militärische Abenteuer und potentiell in einen globalen Krieg beschritten wird:

Inmitten einer Mehrheitsbevölkerung, die so mit Überlebenmüssen, Geldverdienen und Kompensationskonsum beschäftigt ist, das kaum Zeit bleibt, über den Tellerrand des unmittelbar Persönlichen zu schauen;

die gleichzeitig so tiefgreifend und gründlich mit dem Narrativ der herrschenden Kriegstreiber gehirngewaschen ist, dass sie jede neue Lüge, jede noch so absurde Verhöhnung jeglicher Logik und Plausibilität frag- und klaglos schluckt, solange das ihnen vermittelte Feindbild stimmt (welches mit dem FREUND-Bild komplementär ist, dass die Masse von sich als Nation und den imperialistischen Verbündeten hat: WIR sind die Guten!).

Vielleicht ist es heutzutage noch einsamer für die wenigen Warner. Beim letzten Mal herrschte offener Faschismus, viele Parteien und Organisationen waren verboten, es gab eine mundtot gemachte und ins Exil oder die Emigration vertriebene Arbeiterbewegung. Es war offensichtlich, dass man in einer Diktatur lebte.

Heute hält sich jeder für frei und die staatlichen Akteure und das staatliche Handeln für demokratisch. Ständig ist nach außen hin von Werten wie Demokratie, Freiheit, Individuum, Selbstbestimmung usw. die Rede. Dass dies nur die Fassade ist für die Machthaber, für die Klasse, die für ihr eigenes bzw. für das Fortbestehen ihrer profitablen Benutzung von Land und Leuten eben auch Kriege in die marktwirtschaftliche Berechnung einbezieht – das scheint wohl den meisten Zeitgenossen zu weit hergeholt.

Und da täuschen sie sich gewaltig.

An der Ideologiefront der Marktwirtschaft: Armut ist ein Naturgesetz, aber die Lehrer sollen gefälligst Mobbing verhindern.

Am freien Freitag beim Zeichnen.

Frau kuckt sich zur Entspannung irgendeine Diskussionsrunde auf 3sat über „Armut“ an, die ich mit halbem Ohr mitzuhören gezwungen bin.

Die Diskutanten – ein sozial engagierter „Liedermacher“, eine österreichische Politikerin und noch die unvermeidliche Alice Schwarzer – wenden das Thema hin und her, man meint und gibt zu bedenken, äußert Verständnis und diskutiert engagiert usw.

Kurzum, der bürgerliche Sachverstand nimmt sich des Themas „Armut“, speziell wohl des betroffenheitsmäßig noch brisanteren Unterthemas „Kinderarmut“ an. Das Gespräch in der Runde plätschert so hin und her, alle finden Kinderarmut nicht so gut und ergehen sich in Vorschlägen, Konzepten, Ideen und guten Tipps, was „man dagegen tun“ könnte und müsste.

Dass Armut einfach dazugehört zu dieser Gesellschaft, dass Kapitalismus ohne massenhafte Not und Armut nicht zu haben ist, wird von keinem der Gäste thematisiert – so selbstverständlich ist für diese marktwirtschaftlich geschulten Ideologen die täglich erfahrbare Gleichung von Reichtum auf der einen (überschaubaren) Seite und der immerzu fälligen und zunehmenden Armut der Nicht-Besitzenden auf der anderen Seite.

Die Erkenntnislage der Runde endet in dem dringenden Aufruf an die Schulen, ihre Lehrkräfte dahingehend zu schulen, dass sichtbar arme Kinder nicht von den anderen gemobbt werden, denn „Kinder können grausam sein“.

Soviel psychologische Einsicht wird den Armen und ihrem Nachwuchs sicher helfen, ihre Einsortierung in die „sozial schwache“ Kategorie der Klassengesellschaft klaglos und untertänig zu akzeptieren, und das staatliche Fernsehen hat seinen Bildungsauftrag wieder bestens erfüllt.

Wählen zur Ermächtigung solider Herrschaft über die Gewählten

Facebook-Post zu den im Zuge der BTW17 anschwellenden und nervtötenden Nichtwähler-Bashing:

Ich hab nicht gesagt, dass ich nicht wählen gehe. Ich weise nur gerne
darauf hin, dass das Wesentliche der gegenwärtigen Gesellschaft NICHT
zur Wahl steht: die Eigentumsordnung, also die Herrschaft des Kapitals
und die Benutzung von Mensch, Tier und Natur für die Bereicherung
einiger weniger.

Wenn man daran was ändern möchte, wenn man im Interesse der Bewohner dieses Planeten die Barbarei dieser Ordnung beseitigen möchte, sollte man sich nicht über geschmackliche DETAILS der Herrschaftsausübung auslassen und mehr oder weniger sachkundig darüber debattieren, welches Herrschaftspersonal nun am besten “Deutschland” voranbringt und zum wuchtigsten Kapitalstandort weit und breit machen kann.

Man sollte dann erstens – durch Aufklärung und Information – dafür sorgen, dass möglichst viele Leute die sie schädigenden Verhältnisse umstürzen und so einrichten, dass ein anständiges Leben für alle dabei rauskommt. Dass das im Kapitalismus nicht zu haben ist: darin besteht die Aufklärung.

Zweitens muss einem klar sein, dass die Auswahl des Herrschaftspersonals der bestehenden Ordnung ganz bestimmt kein Mittel ist, diese abzuschaffen.
In diesem Rahmen kann man, wenn’s einem Spaß macht, an der
Ermächtigungsveranstaltung bürgerlicher Herrschaftsausübung teilnehmen
und sein wirklich nutzloses Kreuzchen hinter irgendeiner
Buchstabenkombination machen.

Zum Beispiel bei der Oppositionspartei, die zumindest ansatzweise antikapitalistische Positionen im Parlament vertritt und den Entrechteten und Ausgebeuteten manchmal Gehör verschafft. Oder gleich bei der Kommunistischen Partei (meine Präferenz).

Aber noch mal: mit dem Wählen von Funktionsträgern in die vom Staat vorgegebenen Ämter ändert man nicht diesen Staat sondern festigt eher die im Staat manifestierte Herrschaft des Privateigentums über die Gesellschaft.

 

Schreck in der Abendstunde

Oh Gott.
Nach dem “Tatort” aus reflexhaftem Schreck umgeschaltet, weil in der Anne-Will-Laber- und “Ich hör dir nicht zu, lass dich nicht ausreden und achte nur darauf, meine eigenen Sprechblasen aufzusagen”-Talksimulation wieder irgendein nationalistisches Türken-Bashing angekündigt wurde; noch größerer Schreck bzw. fasziniert-gruseliges Befremden bei zwei Nachrichten aus einem bizarren Paralleluniversum:

Zuerst ein FDP- (irgendeine Kleinstpartei, die früher sogar mal im Parlament war) Parteitag. Der Parteivorsitzende steht an einem Rednerpult, das mit dem teletubbybunten Schriftzug “Es geht um unser Land” beklebt ist. Also nicht um Frankreich, Angola oder Montenegro, sondern “um unser Land” – diese Politsekte für Besserverdienende hält Ihr Klientel scheinbar für so blöd, dass sie ihm extra mitteilen muss, dass es um Deutschland geht und nicht um ein anderes Land. Mehr interessiert sowieso schon nicht mehr – dass es “um unser Land” geht, muss den Wahlschafen genügen.

Dann ein Bericht über eine ähnliche Veranstaltung der neoliberalen Konkurrenz, und zwar derjenigen mit der sozialen Maske: ein unsympathischer Bartträger selbsthypnotisiert sich und den erkennbar debilen Parteianhang (der in seiner Not, endlich mal wieder einen Kanzler stellen zu wollen, sich jeden verlogenen Heuchler als Messias zurecht deliriert) mit seltsamsten Beschwörungen: “… dass die SPD stärkste Partei wird und ich Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland” – die berechnende auswendig gelernte Floskel einer Standardansprache offensichtlich, denn Mimik und Tonfall des bärtigen Unsympathen ist das glatte Gegenteil der pseudo-enthusiastischen Mutmache; das Parteitagsvolk klatscht pflichtgemäß, kuckt aber so bedröppelt und mutlos aus der Wäsche wie Sonntagschristen, die dem Pfarrer ohnehin nicht glauben, wenn er vom Himmelreich salbadert.

Nachdem mir kurzzeitig vor entsetzter Faszination Hirn und Hand paralysierten, funktionieren meinen Überlebensinstinkte wieder, als zu allem gruseligen Überfluss auch noch die kongenial verlogene NRW-Merkel Hannelore Kraft auf dem Bildschirm erscheint – eine Frau, deren bloßer Anblick schon eine unverschämte Beleidigung menschlicher Intelligenz und jedes höheren Empfindens ist (was sie allerdings gemeinsam hat mit dem übrigen Führungspersonal der Kapitalstandortverwalter von der Arbeiterverräterpartei).

Schnell den Abschaltknopf gedrückt und erneuter Schwur, nie wieder länger als 30 Sekunden Politnachrichten im Staatsfernsehen zu kucken.

„Weltspiegel“-Propaganda

Meine Herren. Gerade nebenbei ARD-“Weltspiegel” beim Bügeln mitgehört. Danach muss ich glaub’ ich duschen gehen, um all den Schmutz, die Hetze und die russophobe Propaganda abzuspülen. Zuerst ein 20-minütiger Bericht über einen (dem Anschein nach psychisch gestörten) Querulanten, der sich mit pro-ukrainischen Schildern in Moskau hinstellt und das für politischen Protest hält. Der also Partei ergreift für ein Regime, das in Russland, so wie die deutschen Faschisten, den Feind sieht und die russische Bevölkerung im Donbass mit Krieg terrorisiert.

Dass der Provokateur dafür im Einklang mit russischen Gesetzen Lagerhaft aufgebrummt bekommt, gilt ihm und der empörten Berichterstatterin als “Folter”, “immer noch wie die Gulags der Sowjetunion” usw. Dass der Mann mittlerweile durch Gerichtsbeschluss freikam, kann der Bericht allerdings nicht verschweigen.

Anschließend ein ähnlich verstrahlter “Die gefährlichen und merkwürdigen Russen sind nun mal unberechenbar und eigentlich immer noch Kommunisten”-Bericht über eine Feier zum 64. Todestag Stalins. Unaufhaltsam und schleichend, jeden Tag in neuen Variationen, tröpfelt die anti-russische Propaganda aus den Medien – so wird der Krieg vorbereitet.

Abt. Frontberichte aus der Vorkriegszeit

Beim Abendbrot MDR Kultur angestellt, es läuft ein Themenabend “Litauen”. Ausgiebig wird die West-Orientierung des Landes und seiner baltischen Nachbarn beschworen, gewürdigt und mit geschichtklitternden Fakten (“Litauen ist ja katholisch wie Polen, somit also immer schon ein Teil des Westens…”) “untermauert”.

Dass das Land sich mangels Masse und eigenem Gewicht im imperialistischen Zweckbündnis der EU seit Jahr und Tag als russophober Wadenbeisser der NATO hervorzutun versucht, erklärt ein professoraler Interviewpartner wie folgt: Litauen hätte “berechtigte Ängste” angesichts der “ja nun doch massiven Konzentration von militärischen Kräften Russlands in der Region”. Dass diese Maßnahme Russlands vielleicht eine REAKTION ist auf den zunehmend dreisteren Aufmarsch der NATO vor Russlands Westgrenze, auf die Eingemeindung der baltischen Staaten in das westliche Kriegsbündnis, auf die bellizistische Rhetorik, das Säbelrasseln, die Kriegshetze insbesondere der baltischen Mini-Staaten – geschenkt, mit diesen Informationen will man den MDR-Kultur-Hörer offensichtlich nicht überfordern.

Dann wird´s allerdings ganz bizarr: die betont ahnungslose Interviewerin fragt den Experten, ob er den militärischen Aufmarsch – nein, nicht der NATO, sondern Russlands – etwas detaillierter beschreiben könnte. Die Antwort des wackeren Mannes: Ja, da wären also in der Enklave Kaliningrad “unglaublich viele Luftabwehrraketen stationiert” – schöner kann sich der kriegslüsterne NATO-Narrativ von der “russischen Gefahr” ja gar nicht blamieren, aber gehört hat´s sicher wieder keiner: defensive Maßnahmen Russlands gegen die zunehmend aggressive Bedrohung durch die NATO – Luftabwehrraketen in Kaliningrad! Klarer Beleg für russische Aggression!! – müssen auch noch herhalten als Begründung für den Kriegskurs der NATO.

Ich muss an meinen Großvater denken, dem seine antifaschistische Arbeit Gestapo-Haft und Zwangsrekrutierung für das Strafbataillon 999 eingebracht hatte und der mir gelegentlich sagte: “Ich wusste doch, dass Hitler Krieg bedeutet. Jeder der es wissen wollte, konnte es wissen. Aber es wollte kaum jemand wissen.”

Ich fühle mich heutzutage ähnlich.