Deutscher Frühling: Erinnerung an die Generation meiner Großeltern

Es ist Frühling, und alle Leute sind draußen, gut gelaunt, luftig gekleidet, freundlich gestimmt. Alles wirkt sonnig, beschwingt, erleichtert über die milden Temperaturen. Jederman ist dankbar, dass nach dem Winter, der kein Winter war, jetzt ein paar Frühlingstage zu spüren sind.

Die wenigen Bild- und Tonfetzen aus Staats- und Konzernmedien, die ich mitbekomme, zeichnen ein anderes Bild: Angst wird geschürt, Russenhass wird gepredigt, eine aggressive Kriegsvorbereitung auf allen gesellschaftlichen Ebenen findet statt. Ganze Gebirge von Lügen und Hetze rollen und prasseln aus allen Kanälen auf die Bevölkerung nieder.

Ich verstehe jetzt endlich, wie sich meine Großeltern gefühlt haben müssen, als sie in den 1930er und 1940er Jahren sich plötzlich in einem Land wiederfanden, dessen Regierung mit immer groteskeren Lügen auf einem Krieg zusteuerte.

Ein Land, dessen mentales Klima von ständig verschärften Zensurmaßnahmen und einer sich kontinuierlich steigernden hysterischen Feindbiidprojektion gekennzeichnet war. Ein Land, in dem die herrschenden Eliten erfolgreich die ideologische Kriegsertüchtigung des gesellschaftlichen Diskurses hergestellt hatten.

Ein Land schließlich, dessen Bevölkerung diesem Kurs entweder passiv folgte, begeistert zustimmte oder, sofern sie damit nicht einverstanden war, sich in die innere oder äußere Immigration flüchtete.

Der blanke Neid

Wenn man die übliche Dämonisierung des russischen Präsidenten mit tatsächlichen Äußerungen in Interviews, mit Live-Aufnahmen, mit Statements Putins vergleicht, fällt einem nicht nur der Unterschied von Wirklichkeit und Propaganda auf.

Vor allen Dingen bemerkt man die abgründige und infantil-bösartige westliche Hetze, mit der versucht wird, einer inhaltlichen und argumentativen Auseinandersetzung mit einem Gegenüber aus dem Weg zu gehen, um stattdessen mit kriegerischen und imperialistischen Mitteln die US und NATO Agenda durchzusetzen.

In jedem Fall ist es immer wieder eine Wohltat, einen Staatsmann zu erleben, der nicht nur gebildet, nachdenklich und umfassend kenntnisreich über geostrategische Gesamtlagen, Konfliktlinien und die Geschichte seines und anderer Länder ist, sondern der dies auch noch aufs Vortrefflichste auszudrücken und zu kommunizieren weiß.

Wenn man Putin zuhört, wundert man sich eigentlich nicht mehr, warum dieser Mann so viel Hass, Verteufelung und Feindseligkeit von Seiten der restlichen Machthaber und ihren willfährigen Hofmedien auf sich zieht: es ist zu einem Großteil vermutlich der blanke Neid.

Verlorener Krieg in der Ukraine? Dann eben Atomkrieg; Hauptsache, der Russe gewinnt nicht.

Brian Berletic erläutert, warum der Stellvertreterkrieg der NATO gegen Russland für den Kollektiven Westen nicht gewinnbar ist, selbst wenn der Westen weitere Milliarden für Ausrüstung und Bewaffnung in den Bandera-Staat pumpt: es besteht keine Möglichkeit, die Verluste an Truppen auszugleichen, die die ukrainische Stellvertreterkrieg erlitten hat.

Für Washington und die NATO bleibt nur die Wahl zwischen Anerkennung, dass der Krieg verloren ist und direkte Einmischung in den Krieg mit NATO-Truppen (was der Grund dafür ist, dass der Pariser Mini-Napoloeon und andere Wahnsinnige diese Idee seit neuestem verstärkt in Umlauf bringen).

Die naheliegende Option, den verlorenen Krieg durch Friedensverhandlungen unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen Russlands zu beenden, scheidet selbstverständlich aus für unipolare Imperialisten, die mit Krallen und Zähnen (und bis jetzt 440.000 getöteten ukrainischen Soldaten) an ihrer jetzt schon beendeten Hegemonie festhalten wollen. Lieber werfen sie alles ukrainische Menschenmaterial, dessen sie noch habhaft werden können, in den Fleischwolf der Front und eskalieren weiter bis zum Atomkrieg.

Tagtraum

Die russische Regierung erklärt den 2+4-Vertrag wegen erwiesener Vertragsbrüchigkeit („Von Deutschland soll nur Frieden ausgehen“, „Keine NATO-Streitkräfte auf dem Territorium des Beitrittsgebietes“, „Keine NATO-Ausdehnung nach Osten“) für ungültig, der Beitritt der DDR zur BRD wird rückgängig gemacht.

Der ostdeutsche Staat tritt aus NATO und EU aus und schließt sich dem BRICS+ Bündnis und anderen Insttutionen der multipolaren Weltordnung an. Er erhält einen eigene Sitz in der UN. Die Bevölkerung beschließt in einer verfassunggebenden Versammlung Art und Namen des neuen Staatswesens: Volksrepublik Deutschland. Als Staatsziel und grundlegende gesellschaftlich-ökonomische Orientierung wird ein „Sozialismus mit deutscher Charakteristik“ mit einer digital geplanten, KI-gesteuerten Marktwirtschaft definiert.

Bürger der westdeutschen Bundesrepubilk erhalten auf Wunsch Asyl und Bürgerrecht in der VRD. Aufgrund von ca. 10 Millionen solcher Anträge muss die provisorische Regierung der VRD einen Zehn-Jahres-Plan zur geordneten Einwanderung erstellen und in Kraft setzen.

Die VRD schließt einen Freundschafts- und Beistandspakt mit der Russischen Föderation und wird durch die wiedereröffneten Nordstream-Pipelines mit sibirischem Erdgas versorgt. Innerhalb von fünf Jahren hat sie bei fast allen ökonomischen Kennzahlen den westlichen Nachbarn überflügelt; es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Infrastruktur und öffentliche Daseinsvorsorge sind in Volkseigentum überführt und entsprechen dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik……….

Dann wachte ich auf und sah Zeitungen und Fernsehbilder, in denen immer hässlicher eifernde Politiker und immer unterwürfiger kriechende Moderatoren immer bösartigere Dinge über den Feind sagten, und wie wir uns alle für den kommenden Krieg rüsten müssten.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Farbwunder und Freude am Unmittelbaren

Das sind Aquarelle zweier dementer Frauen aus meiner Mal- und Kreativrunde im Pflegeheim. Beide sind von sich aus kaum in der Lage, den Zusammenhang von Papier, Wasser, Farbe und Pinsel zu erfassen, geschweige denn, sich konzeptionell ein Bildthema auszudenken und das anschließend umzusetzen.

Wenn man ihnen aber langsam und ihre Einschränkungen berücksichtigend „die Hand reicht“ und auch kleine Details wie Pinsel eintunken, Papier befeuchten usw. anleitet, sind die Farben selbst und die Bewegungen/die Verläufe, in denen sie sich auf dem nassen Papier manifestieren, ein Quell unschuldigen Erstaunens und purer Freude für die Künstlerinnen, die keinen Begriff von Kunst und von sich als Künstlerinnen haben.

Was die Voraussetzung ist für diejenige Kunst, die, weil sie dem spontanen Spiel des Moments entspringt, der Natur (und damit der Wirklichkeit) am nächsten ist.

“Demokratischer Sozialismus“

Sozialdemokraten von Brandt bis Wagenknecht sind keine „demokratischen Sozialisten“ (als ob alle anderen Sozialisten „gegen Demokratie“ wären), sondern Vertreter eines „Kapitalismus mit freundlicherer Charakteristik“.

In einem imperialistischen Land bedeutet das im Klartext, dass sie fordern:

1) macht euren Imperialismus bitte so, dass wir uns nicht schuldig fühlen müssen, und

2) die Arbeiter in unserem Land müssen ein höheres Schmiergeld erhalten.

Sowie drittens, dass sie ein bißchen mitmachen dürfen, solch einen netten Kapitalismus zu regieren.