An die Rassisten und Hetzer

RT berichtet über die Eröffnung des bayerischen Abschiebezentrums. Ein Blick in die Kommentare erzeugt sofortigen Brechreiz über die tatsächlich AUSSCHLIESSLICHE Hetze, Feindseligkeit und Vernichtungsphantasien der Kommentatoren gegen die Protestierenden gegen diese Einrichtung.

Ich kann mich nicht zurückhalten und kotz mich auch mal aus:

Hey, Rassisten und Überfremdungsschißhasen!

Schon mal überlegt, eure Feindseligkeit und „Haut bloß ab!“-Parolen zur Abwechslung mal an DEN RICHTIGEN auszulassen?

Zum Beispiel an eurer Obrigkeit (ja, das ist die Verwaltung eures feinen Kapitalstandortes, die Regierung der BRD und ihre Politik für die, die das Geld haben und denen die Unternehmen gehören; diejenigen, die Afrika und den Nahen Osten mit ihrer Wirtschaftspolitik und ihren Kriegen zu den Elends- und Kriegsgebieten gemacht haben, aus denen die Leute jetzt abhauen).

Die braucht ca. 12,5 Mrd. Euro pro Jahr für 1 Mio Flüchtlinge. Hört sich viel an?

Dann passt mal auf, werte blaubraune Volksgenossen:

Durch die Steuerflucht der Reichen und Konzerne gehen Staat und Steuerzahlern etwa 100 (hundert) Mrd. Euro jährlich verloren (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung)

Und dieselben Reichen und Konzerne samt ihren politischen Standortverwaltern, die ihr so gerne wählt (ja, ihr vaterländischen Vollpfosten, eure AfD gehört auch dazu, die will euren schönen Kapitalismus nämlich nur völkisch durchsortieren und ansonsten den Unternehmen bei der dann ganz deutschnationalen Ausbeuterei alle Hindernisse aus dem Weg räumen) sind es übrigens auch, die euch als willige aufgehetzte Fremdenfeinde brauchen, damit ihr euch nicht fragt, WEM es eigentlich nützt, massenhaft Konkurrenz um Arbeit und Wohnungen ins Land zu holen, die den Arbeitslohn billiger und die Mieten teurer macht. Wem es nützt, wenn die Unterklassen sich gegenseitig anfeinden und die Köpfe einschlagen.

Ach, solange ihr davon profitiert, weil ihr ein paar Brosamen von der kapitalistischen Tafel abkriegt, juckt euch das nicht?

Und jetzt, wo eure Herrschaft die Daumenschrauben anzieht, euch immer ärmer machen und euch, wenn ihr nicht spurt, unter das Hartz4-Regime zwingt;

jetzt, wo die Herren aus den Unternehmerverbänden der Massenmigration aus den Ländern, die sie selber durch ihr Profitstreben und ihre Rohstoffkriege ruiniert haben, das Wort reden, weil sie willige und billige Arbeitskräfte brauchen;

jetzt richtet ihr eure Gegnerschaft IMMER noch nicht gegen die, die euch das alles einbrocken, sondern lasst eure ganze beschissene Überlebensangst an den armen Säuen aus, die genauso wie ihr Opfer desselben kapitalistischen Berechnung seid?

Ja? Hab ich mir gedacht.

Dann hetzt doch munter weiter und wundert euch aber bitte nicht, wenn ihr in eurem zukünftigen blaubraunen Deutschland ganz ohne Flüchtlinge und „Asylanten“ immer noch als brave Untertanen und Lohnsklaven auf Gedeih und Verderb davon abhängig seid, dass ein Unternehmen eure Dienste braucht, um den Reichtum seiner Shareholder zu mehren.

Und wenn ihr dann in der Schlange im Jobcenter steht und nur noch deutsch gesprochen wird und lauter Arier um euch rum auf ihren Aufruf warten, könnt ihr richtig stolz auf eure Glanzleistung sein, ein paar Konkurrenten vertrieben zu haben und ansonsten weiter als fügsame Untertanen zu funktionieren.“

 

Die Banken so: Weniger als Fünfzig Euro? Nicht mit uns!

Der Geldautomat meldet mir beim Versuch der Barabhebung, dass meine„Karte ungültig“ sei.

Die freundliche Dame in der Hotline der Bank erklärt mir auf Nachfrage: „Sie haben versucht, 20 Euro abzuheben. Sie müssen mindestens 50 Euro abheben, weniger geht nicht mehr. Darauf haben sich die Banken geeinigt.“

Mit mir haben die sich nicht geeinigt“, liegt mir auf der Zunge, aber ich will die Servicekraft nicht unnötigerweise verwirren.

Niedrigere Beträge sind nur noch verfügbar, wenn man weniger als 50 Euro auf dem Konto hat“, fügt die Bankdame noch hinzu. Kein Problem bei meinen Einkommensverhältnissen, denke ich im Stillen und bedanke mich für die Auskunft.

Immerhin ist meine Karte nicht ungültig, sondern mein gewünschter Geldbetrag verweist mich per Auszahlungsverweigerung auf meinen Status als armer Schlucker, der sich noch nicht mal einen Fünfziger ziehen kann. Wahrscheinlich muss ich im Grunde dankbar sein, überhaupt noch das Privileg eines Bankkontos zu bekommen.

Die Bevölkerung wird immer ärmer und muss mit immer weniger zurechtkommen, teilt sich das wenige Geld entsprechend knapp ein – aber die Geldinstitute dieser besten aller Welten setzen den Mindest-Auszahlungsbetrag mal eben auf mehr als das Doppelte hoch und zeigen damit die ganze institutionelle Verachtung für die ärmeren und unteren Klassen, bei denen ein Fünfziger u.U. schon das Wochenbudget zum Überleben ist.

Erinnert an den fälschlicherweise Marie Antoinette zugeschriebenen Satz, dass die Armen, wenn sie kein Brot hätten, doch Kuchen essen sollten.

„Ihr Versager wollt bloß zwanzig Euro ziehen? Davon kann man doch nix kaufen – nehmt bitte FÜNFZIG!“

Veterinäre Kapitalismuskritik aus gegebenem Anlass

Tierarztbesuch mit Hündchen, das wegen erkennbarer Schmerzen im rechten Hinterlauf aus der Hundebetreuung genommen werden musste. Hund wird sediert und Röntgenaufnahmen von Hüfte und Hinterläufen gemacht (zum Erstaunen der Tierärztin wacht mein hochdynamischer Kumpel superschnell wieder auf und ist im Handumdrehen ganz der Alte – „der ist ja eine Rakete,“ kommentiert die Veterinärin).

Da bei Tierärzten immer direkt und bevorzugt in Cash bezahlt werden muss, erledigt die Frau das beim Verlassen der Praxis, während ich schon draußen mit Hündchen warte.

Wie sich herausstellt, hat die Praxis auf die erwartbaren Kosten für Röntgenbilder und Sedierung noch einmal fast das Doppelte für dubiose Nahrungsergänzungsmittel und noch dubiosere „chinesische Kräuter“ draufgeschlagen – Posten, die man gerne übersieht im ersten Schreck und der Sorge um den vierbeinigen Kumpel und die deshalb umso leichter den ahnungslosen Tierhaltern aufgedrückt werden können.

„Das ist der Praxis-Inhaber, der verlangt das von seiner Angestellten“, klärt die Frau mich auf. „Die Tierärztin ist ja auch nur angestellt…“.

Dasselbe hätte die Praxis bei dem und dem gemacht, dem hätten sie für 50 Euro „chinesische Kräuter“ angedreht. Der Schwägerin ginge es im übrigen genauso; die würde als angestellte Fachärztin in einer Privatpraxis arbeiten und müsste dort ebenfalls den Leuten Medikamente und Behandlungsmethoden aufschwatzen, die dem Inhaber Umsatz und Gewinn bringen.

Manchmal weiß ich nicht, ob die Wut oder die Müdigkeit in mir überwiegt, wenn ich wieder und wieder, täglich und stündlich, tagein, tagaus mit den Widerlichkeiten der Marktwirtschaft konfrontiert bin.

Mit diesem Drecks-Kapitalismus, in dem jeder nur für seinen eigenen Vorteil agiert, jeder jedem irgendwas verkaufen will, in der es niemals darum geht, das sachlich Gebotene zu tun sondern immer nur das Gegeiere, die Abzocke, die eigennützige Vorteilsnahme das Maß aller Dinge ist.

Es kotzt mich so maximal an, den Irrsinn dieses unmenschlichen, unpraktischen, unintelligenten Scheißsystems mitkriegen zu müssen, und ich bin maximal ermüdet davon.

Auch bei Wahlen: Alles falsch beim Russen!

Die „Tagesschau“ informiert den demokratischen Untertanen über die Wahlen in Russland: Alles falsch beim Russen!

Nawalny, ein krimineller (und deswegen nicht zugelassener) – aber von den Westmedien zum „Putingegner“ und Musterdemokraten aufgebauter – Bewerber erhält soviel Sendezeit wie die restliche ebenso tendenziöse Propagandaberichterstattung.

Eine stammelnde Reporterin bemüht sich angestrengt, die erwünschten negativen Sprachregelungen rüberzubringen.

Wohliges Erschauern beim Zivilgesellschaftsbürger: Gottseidank gibt’s SOWAS in unserer Superdemokratie nicht. Jetzt müssen wir dem Russen nur noch eine richtige demokratische Regierung spendieren, zur Not auch gegen seinen Willen.

Facebookinduzierte Samstagsmittagsgedanken zu Fragen von Armut, Nationalismus und Konkurrenz

Oder: Wenn sich die Hunde um die Krümel streiten, die vom Tisch der Herrschaften fallen

Immer wieder lese ich in verschiedenen Threads, in denen es um die Armut hierzulande geht, eklige Kommentare á la „Ja, aber den Flüchtlingen stopfen sie’s vorne und hinten rein, und die fahren sogar Bus ohne Fahrkarte“ und ähnlichen Schwachsinn.

Manche Mitmenschen – und leider auch etliche, die (sich) selber eher zu den Verarschten dieser feinen Leistungsgesellschaft zählen – scheinen schon zufrieden zu sein, wenn es anderen noch schlechter geht.

Sie scheinen anderen das zu neiden, was sie selber bekommen möchten, aber nicht (oder nicht in dem Maße wie sie’s bräuchten) zu kriegen meinen – und zwar WEGEN der anderen, die mit ihnen um die schmalen Almosen konkurrieren, die der Staat den hiesigen Armen gewährt.

Diese Zeitgenossen gleichen Hunden, die bei der Mahlzeit der Herrschaften hechelnd auf die Krümel warten, die vom üppig gedeckten Tisch herabfallen. Und weil man von Krümeln schlecht satt wird, achten sie darauf, anderen Hunden – die aus ihrer Hundesicht gar nicht ins Haus gehören – noch die paar Krümel streitig zu machen, die vielleicht in deren Mägen landen statt in den Mäulern derjenigen Hunde, die von alters her zu Haus und Hof gehören.

Was ihr Hundeverstand nicht auf die Reihe kriegt:

Auch die anderen Hunde sind nur da, weil sie sich ein paar Brosamen vom Mahl der Herren versprechen. Die meisten streunenden Hunde, die eine erbärmliche und mitunter tödliche Odyssee hinter sich haben, waren ihrerseits ebensolche Haus- und Hofhunde wie die einheimischen Köter und waren es zufrieden, am Tisch IHRER Herren um Beachtung und Fressen zu betteln.

Sie sind von ihrer heimischen Tafel abgehauen, weil dort aufgrund von Krieg und Elend kaum noch ein Krümelchen abzubekommen war (und weil die hiesige Hofverwalterin sich einen Schub an billigen und genügsamen Arbeitshunden versprach, wenn sie reichlich viele von denen auf den heimischen Hof liess).

Der Futterneid ist, bei einheimischen wie hinzugekommenen Krümelaspiranten, nichts anderes als eine Sklaven- und Untertanenmentalität, die sich gewaschen hat.

KEINER kommt auf den Gedanken, die Herrschaft zu verjagen und all dass Zeug, für dessen Erzeugung man in den Dienst der Herren zu treten hat (wodurch es durch die gesetzliche Gewalt automatisch ins Eigentum der Herren übergeht), in eigener Regie herzustellen und zu verteilen.

Dann wäre Schluss mit der Krümelwirtschaft, die für die Mehrheit Knappheit und lebenslange Dienstverhältnisse an fremdem Reichtum bedeutet.

Dann wäre auch Schluss mit dem Futterneid gegenüber den Untertanen anderer Herren, wenn sich die Krümeljäger aller Höfe zusammentäten, um nicht länger von den Krümeln und der huldvollen Gnade der Tischbesitzer abhängig zu sein.

Futter gibt’s nämlich genug und reichlich. Für alle, egal woher.

Nationalisten und Rassisten sind aber zu beschränkt, um zu sehen, dass das angebliche Problem der knappen Mittel nicht eine Frage der Verteilung, sondern des EIGENTUMS ist:

Das Zeug, das für ein halbwegs anständiges Leben gebraucht wird, so zu verteilen, dass alle was davon haben – kein Problem in einer hochtechnologischen digitalen Gesellschaft an der Schwelle zur „Industrie 4.0“.

Die Schranke, die den Bedarf von den Bedürftigen wirksam trennt, heißt EIGENTUM; als erstes wird ohne einen Eigentümer, der an der Verteilung (dem Verkauf) verdient, schon mal gar nichts hergestellt, egal wie sehr es benötigt wird. Zum zweiten heißt die Tatsache, dass etwas produziert und theoretisch verfügbar ist, noch lange nicht, dass es zu denjenigen kommt, die es brauchen – man muss schon Geldeigentümer sein, um sich das Leben und die dafür benötigten Dinge leisten zu können.

Und wie wird man Geldeigentümer, wenn man nicht schon so viel Geld hat, dass man „das Geld“ (sprich: andere) für sich arbeiten lassen kann? Richtig: man verdingt sich bei den EIGENTÜMERN der Betriebsstätten, Dienstleistungsbüros und Produktionshallen. Sofern die einen gerade brauchen und selbstverständlich nur zu deren Bedingungen, und immer in Konkurrenz mit anderen ebenso besitzlosen „Marktteilnehmern“.

Nationalisten hätten gerne Konkurrenten beseitigt, die sie,als „nicht wirklich von hier“ identifizieren. Mit der Konkurrenz selber bzw. mit den Verhältnissen, die ihnen und dem gesamten lebenden Inventar der Marktwirtschaft diese Konkurrenz aufgefrischten, sind sie dagegen sehr einverstanden.

Ausbeutung und Lohnsystem, Kapitalherrschaft, Klassengesellschaft und Krieg finden Sie schwer in Ordnung, solange die Herrschaft streng national ist und sie in ihrem völkischen Gemüt nicht durch zu viele andersvölkische Untertanen erschreckt werden.

Eine Parabel

In der einzigen Kantine, die alle zum Essen aufsuchen müssen, bereitet ein Koch feinste Speisen zu: erlesene Menüs mit 5 und mehr Gängen, schmackhafte und gesunde Kost wie auch üppige und herzhafte Leckereien aller Art. Da bleiben keine Wünsche offen.

Einziges Problem: diese kulinarische Rundumversorgung ist nur einem kleinen Gästekreis zugänglich.

Die große Anzahl der Esser wird mit sattmachenden, aber billig produziertem Zeug abgefüttert, das weder Mensch noch Tier noch Natur bekommt. Aber sie können aus einem Angebot wählen, das vom Umfang her so üppig aussieht wie das der privilegierten Speisenden.

Eine weitere nicht unbeträchtliche Anzahl erhält Reste, Abfälle, gelegentliche Nahrungsmittelspenden, die ein unmittelbares Verhungern verhindern.

Dann gibt es noch – saisonal variierend – einen ordentlichen Prozentsatz an Leuten, die zwar gerne essen würden, aber gar nicht erst in die Kantine gelassen werden. Die müssen leider verhungern.

Der Koch, angesprochen auf die ziemliche ungleiche Versorgung der Gäste, zuckt die Achseln, murmelt etwas von “die abgewiesenen Gäste können sich ja mehr anstrengen, an die Tafel mit den Sterne-Menüs zu kommen!” oder “Ja, unschön, aber so ist leider nun mal die Natur des Restaurantkunden…” und widmet sich wieder seinen Töpfen und Pfannen.

Nun begab es sich, dass ein Teil der Hungrigen beschloss, fortan auf die “Dienste” des Kochs zu verzichten, einen eigenen Koch anzuheuern und selbst eine Kantine aufzumachen.

Das klappte mal gut, mal weniger gut; es gab keine solch überwältigende Auswahl wie in der Kantine des Sternekochs, aber alle hatten zu essen und alle wurden satt. Die Speisekarte wurde gemeinsam erstellt, musste aber mit weniger Gerichten zurechtkommen, denn der Sternekoch der anderen Kantine – bis zur Weißglut erbost über die neue Konkurrenz – hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, der neuen Kantine und ihren Gästen das Leben so schwer wie möglich zu machen, in dem er dafür sorgte, dass die Neuen so wenig wie möglich Lebensmittel, Zutaten und Material zur Verfügung hatten. Sein erklärtes Ziel: alle Gäste sollten wieder in SEINER Kantine speisen!

Nach einigen Jahrzehnten war er am Ziel: die neue Kantine musste schließen, denn die Gäste, die einmal stolz darauf waren, dass in ihrer eigenen Kantine jeder satt wurde, waren in ihrer Unzufriedenheit über die einfachen Teller und Speiseangebote so ärgerlich mit ihrem Koch, dass sie nach dem alten Koch verlangten und erlesene Gerichte von edlen Porzellantellern zu speisen wünschten – obwohl sie wissen mussten (leider aber nicht wissen wollten), dass in der alten Kantine dieses Privileg nur wenigen vorbehalten ist und die Mehrheit eher vom Küchenassistenten Schmalhans bedient wird.

Seitdem gehen wieder alle in die alte Kantine, in der die Gerichte für die Wenigen immer üppiger werden, die Suppe für die Mehrheit immer dünner und weniger nahrhaft, und die Anzahl der Verhungernden stetig steigt.

Diesmal hat der Koch der grassierenden Unzufriedenheit aber vorgebeugt. “Ihr seht ja”, sagt er zu den Gästen, “dass das nichts wird mit eurem alternativen Koch! Der will nämlich auch nur Chef in der Küche sein und euch die Suppe einbrocken! Und ihr wisst ja wohl noch, wie DIE geschmeckt hat! Eine andere Kantine ist wider die Essnatur, und das bleibt für alle Zeiten so.”

Und weil fast alle Gäste dies glaubten – und die paar, die es nicht glauben wollten, ebenfalls auf das Essen der einzigen Kantine angewiesen waren – gaben alle Restaurantkritiker ihm recht.

Nur ein alter Feinschmecker, dessen Restaurantkritiken bereits vor 150 Jahren erschienen und u.a. auch den Koch der neuen Kantine zu seinem reduzierten, aber für alle sättigenden Speiseangebot inspiriert hatten, wiegte bedenklich sein bärtiges Haupt und sprach: “Kommunismus heißt nicht, den KOCH auszutauschen, sondern SELBER die Küche zu übernehmen. Wann kapiert ihr das endlich?”

Staats-TV im Würgegriff des Anti-Kommunismus

Strafplanet Erde:

Nach einer nachmittäglichen Ruhephase TV eingeschaltet und die letzen Minuten einer Nachrichtensendung mitgekriegt:

“… ein Land im Würgegriff der Castros”, so Abschluss-Satz einer Reportage der “heute”-Nachrichten über die Trauerfeier für Fidel Castro in Cuba.

Eine Nachrichtensendung, wohlgemerkt. Die Niedrigkeit und Hässlichkeit der Hetze dieses Staatssenders wird bekanntlich mit Zwangsgebühren finanziert. Frage mich wer solche Texte schreibt und sie als Audiospur zu Berichten über den Tod eines Menschen wie Fidel verlesen lässt. Und was für “Journalisten” geben sich her für diese Art propagandistischer Meinungsmache?

Was ist das für eine Welt, in der die Befreiung der Leute von Ausbeutung, Hunger und Armut soviel Hass und Häme auf sich zieht und in der die Ausbeuter, Kriegsherren und kapitalistischen Machthaber als respektable Demokraten medialisiert werden?

Sachzwang vs. Utopie

In der antiken Sklavenhaltergesellschaft lebten die Sklaven – der in jener Gesellschaft gültigen Eigentumsordnung entsprechend – als Besitz ihrer Eigentümer. Die Realisten unter ihnen stellten jeden Versuch einer Veränderung der Verhältnisse als Utopie dar, gegen die schon die inhärente Logik, die Sachzwänge, die Alternativlosigkeit des gegebenen Systems sprach.

Die heutigen Lohnarbeitenden tun nichts anderes: Sachzwangrealisten allesamt, Anbeter und Jünger des Marktes, der kapitalistischen Eigentumsordnung und der von ihr erzwungenen Gesetze von Lohn, Preis und Profit, die sie weder kennen noch verstehen müssen, um ihnen unterworfen zu sein.

Gewerkschaft als Buchclub

Kürzlich bin ich Gewerkschaftsmitglied geworden, in einer Mischung aus naivem Klassenbewusstsein und der Absicht, nichts unversucht zu lassen, um die Arbeits- und Einkommensbedingungen aller KollegInnen in meiner Branche zu verbessern.
Im Dienstzimmer treffe ich die Kollegin, die mich “geworben” hat (ich hatte sie nach dem Beitrittsformular gefragt und erfuhr hinterher, dass sie mich dadurch “geworben” hätte) und will sie nach den nächsten Treffen, nach Möglichkeiten einen Betriebsrat aufzustellen usw. fragen.

Sie kommt aber gar nicht zum Antworten auf meine Frage, weil sie mir zunächst erzählen muss, dass sie durch ihr Mitglieder-Werben jetzt, nachdem ich auch noch dazu gekommen wäre, als Belohnung ein Tablet von ver.di erhalten hat. “Das lohnt sich wirklich”, sagt sie mir – ihre persönliche Gratifikation offensichtlich verwechselnd mit einem Einsatz der Gewerkschaft für die Interessen der Berufsgruppe und der Klasse.

Ich überlege mir schon, sofort wieder auszutreten, denke dann aber bei mir “Ach, die freut sich einfach über einen Tablet-PC, lass sie doch…” und beglückwünsche sie zu dem tollen neuen Endgerät. Ich fürchte, es ist noch ein weiter Weg bis zu einer schlagkräftigen Mitarbeiter-Vertretung in diesem Laden.