Maus kündigt härteren Kurs gegen Katze an

In weiteren Meldungen:

*** Maus kündigt härteren Kurs gegen Katze an ***

*** Anni Lenchen vom Fähnlein Fieselschweif der KiTa Hannover-Ost kündigt entschlossenes Vorgehen gegen Bösen Wolf und Böse Hexe an ***

*** Hausierer zu Biedermann: garantiert Haarwasser in den Benzinfässern auf dem Dachboden, auch kein Benzingeruch feststellbar: kein Grund zur Sorge ***

Meine Abenteuer im ÖPNV

Die Straßenbahnlinie 709 musste 10 Minuten an der Haltestelle warten, bis ein sichtbar kranker oder alkoholisierter alter Mann – erkennbar ein Wohnungsloser – von einem RTW abgeholt werden konnte. Offenbar hatte er sich in die Bahn begeben, um der Kälte zu entgehen.

Zuvor hatten zwei Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes der Rheinbahn versucht, ihn zum Aussteigen zu bewegen. Der alte Mann verweigerte das mit der Begründung, er könne nicht mehr gehen und sackte immer wieder in seinem Sitz zusammen.

Die Securityleute hatten eine Art „Good cop, bad cop“ Nummer laufen: der jüngere der beiden, türkischer oder arabischer Herkunft, zeigte sich besorgt um den Mann und behandelte ihn mit Mitgefühl und Respekt; sein Kollege, ein protodeutscher Mittvierziger, schnauzte den alten Mann unfreundlich und aggressiv an und warf ihm vor, den Betrieb und die anderen Fahrgäste aufzuhalten.

Die anderen Fahrgäste waren jedoch überhaupt nicht unwirsch und warteten geduldig auf den RTW. Die Sanitäter waren äußerst freundlich und einfühlsam mit dem alten Herrn und konnten ihn schließlich dazu bewegen, zusammen mit ihnen die paar Schritte zum Wagen zu gehen.

Kay Strathus, erzähl du uns, wie toll die Zone war

Ein Facebook-Diskussionspartner mit DDR-Biografie beantwortet jede Kritik an seinen großdeutsch-antikommunistischen Suaden mit der Herkunftsfrage: wer nicht aus der DDR ist, kann nicht mitreden. In diesem Fall sagt er:

Kay Strathus, erzähl du uns, wie toll die Zone war 🙈“

Das mach ich natürlich gerne:

Och nö, Peterchen, das macht mal selber. Ich fand sie halt ziemlich scheisse, die Zone:

Erst den Krieg vergeigen, nix draus lernen und zähneknirschend auf demokratisch machen, aber blitzschnell all die alten Seilschaften wieder installieren, die uns den Faschismus eingebrockt haben.

Dann Deutschland spalten, indem man eine „Währungsreform“ macht und einen Separatstaat gründet; danach einen bewährten faschistischen Kriegsverbrecher und Nazi-Geheimdienstmann den neuen „demokratischen“ Geheimdienst aufbauen lassen;

Außerdem so gut wie sämtliche Amts- und Würdenträger des faschistischen Vorgängers wieder in Funktionen einsetzen, bis in höchste Ämter… ich weiß nicht, was ich dran „toll“ finden sollte.

Ich spreche natürlich von der Westzone.

Da muss man, rückblickend betrachtet, einfach einräumen, dass sogar der spießige Gartenzwergsozialismus der DDR „das bessere Deutschland“ war und immerhin auf der richtigen Seite der Geschichte stand.

Sogar die paar Zugeständnisse, die das BRD-Regime an die arbeitenden Bevölkerung gemacht hat, hatten sehr viel zu tun mit dem Bemühen der BRD-Machthaber, ihrem Laden eine „Schaufensterfunktion“ in Richtung DDR zu verpassen und keine zu offensichtliche Verarsche der proletarischen Basis einreißen zu lassen.

In der BRD kursierte damals ein Bonmot, nach dem z.B. bei Tarifverhandlungen immer „die DDR als unsichtbarer Verhandlungspartner mit am Tisch sitzt“ – die Zugeständnisse im Klassenkampf wurden gemacht, um dem feindlichen System „da drüben“ keine propagandistische Munition zu liefern. Damit wars dann nach der Annexion ja auch sehr schnell zuende.

Ich weiß, das passt gestandenen Antikommunisten überhaupt nicht. Aber das Lob der (West-)Zone musst du schon selber singen. Ich verlege mich lieber darauf, bei aller Kritik am bürokratischen Herrschaftsstil realsozialistischer Art auf die fundamentalen und unschlagbaren VORZÜGE des besseren Deutschlands hinzuweisen:

FRIEDEN als erstes und wichtigstes (im Gegensatz zum anschwellenden Bocksgesang von Ostlandfeldzug und weltweiter Kriegführung der demokratischen NATO-Krieger des Westens, der gerade wieder laute und lauter wird)

Garantie grundlegender Menschenrechte durch die sozialistische Staatsmacht, wie Freiheit von Arbeits- und Wohnungslosigkeit, kostenlose bzw. sehr günstige Bildung und Gesundheitsversorgung für alle, usw.

Ich weiß, ihr Antikommunisten hört das nicht gerne, weil eure freiheitlich-demokratischen Glaubenssätze ja im wesentlichen aus Schafgeblöke á la „BRD gut, DDR schlecht“ bestehen – aber da müsst IHR mit leben.

Ich für meinen Teil bin ein Freund einer zwar kommunistischen, aber differenzierten, alle Seiten und Aspekte einer Sache beleuchtenden Betrachtungsweise. Und da komme ich unterm Strich zu dem Ergebnis, da Peter Hacks einst so formulierte: der schlechteste Sozialismus ist immer noch besser als der beste Kapitalismus.

Deal with it, mate.

Freie Bürger wollen einen Führer

Nichts verehren freiheitliche Demokraten, vor allem die aus der journalistischen Zunft, so sehr wie FÜHRUNG. Das ganze Getue von wegen Freiheit, Wahlen, Menschenrecht und Individualismus ist blitzartig vergessen, wenn der nationale Laden leck scheint oder Krisen den gewohnten Fortgang von Geschäft und Gewalt zu stören drohen.

Was bei auswärtigen Staatslenkern (insbesondere natürlich bei denen, die ganz oben auf unserer Schurken-Skala stehen, also werte- und demokratiemäßige Loser wie Russland, Kuba oder China) schnell fürchterlich menschenrechtsverletzende Diktatur und nackte autokratische Herrschsucht ist, gerät bei uns zu einem bedauerlichen Mange an klarer Kante und entschlossenem Durchregieren.

Noch der leuchtendste Freiheitsfan unter den schreibenden Soldaten der Freiheit wird dann zum fordernden Untertan, der anständige Führung anmahnt – und das politischen Personal, sofern es bei der ersehnten Führungsstärke an Durchsetzungsfähigkeit und Machtwillen zu wünschen übrig läßt, als führungsschwach bekrittelt.

DAS will sich ein demokratischer Bürger auf keinen Fall bieten lassen; immerhin hat er seine frei gewählte Herrschaft ja mit seiner Stimme ermächtigt, zu herrschen. Das kann er ja wohl erwarten von einer ständigen Herrschaft: dass diese ihren Herrschaftsauftrag zügig und robust ausübt.

Opel Deutschland und die passgenauen Gummifussmatten

Ich weiss nicht wieso, aber diese Anzeige hat etwas derart Schräges an sich, dass ich beim Runterscrollen unwillkürlich stoppte. Ist es der „Gummifuss“, für den hier Matten feilgeboten werden? Ist es die junge chinesische Genossin mit Skateboard, die die linke Faust etwas zaghaft zum kommunistischen Gruß ballt?

Was will uns Opel Deutschland mit dieser Reklame sagen?

Geschichten aus der Vorkriegszeit: wie der Chinese mal wieder alles falsch macht (und sich deswegen nicht wundern muß, wenn wir ihm demnächst die Demokratie mit robusteren Mitteln beibringen werden!)

Das Hamburger Special-Interest-Magazin für Feindbeobachtung hat eine neue Schweinerei da hinten beim Chinamann ausgemacht: er betreibt eine „COVID-Diktatur“. Im Grunde nichts Neues, denn dass beim Chinesen nicht unsere freiheitlichen Verhältnisse herrschen, sondern eine DIKTATUR, das wissen von bürgerlichen Leitmedien aufgeklärte Zeitgenossen sowieso schon immer.

Allerdings fällt dieser Umstand beim Chinesen strafverschärfend ins Gewicht, denn SEINE Diktatur ist auch noch kommunistisch – im Gegensatz zum Russen, der zwar auch AUTOKRATISCH ist, aber wenigstens dem sozialistischen Unfug abgeschworen hat. Nur einer KOMMUNISTISCHEN DIKTATUR ist nämlich zuzutrauen, was diese Schlitzaugen tatsächlich durchziehen: eine Seuche „mit größter Härte“ zu bekämpfen!

Nebenbei entlarven die Demokratieverteidiger vom „Spiegel“ das ganze Gerede der Chinesen, „dass der Mensch und das Menschenleben an erster Stelle stehen“, „rasch die Behandlung der Patienten, umfassende Tests und Impfungen durch(zuführen)“ sei und dabei „kein einziger Infizierter übersehen und kein einziger Patient aufgegeben“ würde (Yu Xiaoxuan, Gesandte der Botschaft der VRChina in Berlin in einem Vortrag zum 100. Jahrestag der KPCh). Das ist natürlich reine Propaganda von Diktaturen, denn in Wahrheit, weiß der „Spiegel“, macht der Chinese nur auf strenge Maßnahmen und Null-COVID, weil seine Impfstoffe einfach nicht so gut sind wie unsere!

Dass die WHO die chinesischen Impfstoffe empfiehlt und auch das deutsche „Ärzteblatt“ über die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser Vakzine berichtet (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/125463/CoronaVac-Impfstoff-aus-China-erzielt-hohe-Schutzwirkung-in-der-Tuerkei-und-Chile), braucht in diesem Zusammenhang nicht zu interessieren, Hauptsache die Behauptung taugt als Beweis für einen richtig fiesen Schritt der kommunistischen Diktatoren: die haben ihren Laden „abgeschottet, dichtgemacht“!

Das geht schon aus dem Grund garnicht, weil wir da unten ja immerhin einiges investiert haben, Zeug produzieren lassen und riesige Warenströme veranlassen, ohne die bei uns kaum noch was an Geschäft läuft.

Bei UNS natürlich, da sieht’s mit der Abschottung und dem Dichtmachen ganz anders aus. Nicht dass wir’s nicht auch machen, schließlich müssen wir ja sehen wo wir bleiben mit der Rendite, inmitten einer Pandemie.

Und wenn’s nicht anders geht, wird gelockdowned und dichtgemacht, was das Zeug hält; Österreich macht’s vor und nicht zuletzt der „Spiegel“ überschlägt sich seit Tagen mit Berichten, Interviews und Statistiken, die alle nur eins bezwecken: möglichst schnell und möglichst umfassend Lockdowns und Impfpflicht einzuführen.

Wenn der Chinese das macht, ist’s natürlich was völlig anderes, denn der ist schließlich DIKTATUR, also per se schlecht, und darum können auch seine Seuchenbekämpfungsmaßnahmen nur ganz ausgekochte unterdrückerische Gemeinheiten und Verstöße gegen unsere Menschenrechte sein.

Sagt der „Spiegel“ inmitten einer sich verschärfenden pandemischen Lage – deren Nicht-Beherrschbarkeit durch die staatlichen und privaten Institutionen des freien Westens der „Spiegel“ und alle Leitmedien tagtäglich thematisieren – mit Blick auf einen Staat, der bei einer Bevölkerung von 1,4 Mrd Menschen ganze 4.600 Todesfälle hatte und ganz offensichtlich mit seiner Null-COVID-Politik erreicht hat, dass das Land in Punkto Schutz der Bevölkerung und wirtschaftlicher Aktivität weltweit einzigartig erfolgreich dasteht.

So kann man Neid auch maskieren: dem Beneideten einfach Unfähigkeit und niedrige Motive unterstellen. Der „Spiegel“ gleicht dem verzogenen Oberschichtsgör, das auf dem Sportplatz den Arbeiterkindern, die einfach besser kicken als es selbst, hinterherbrüllt: „Ihr habt ja nur gewonnen, weil ihr mit EUREM Ball spielt, aber MEIN Ball ist viel besser! Und außerdem habt ihr einen Trainer!“

Kapitalismus: Nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist pervers

Das schreibt heute „Spiegel Online“ zur Lage in der Pflege: „Perversion des Kapitalismus“.

Jeder weiß es, jeder spricht und schreibt darüber, jeder zuckt die Schultern und sagt bedauernd, dass man da leider nichts machen kann usw.

Im Zweifel werden dann noch ein paar Sprechblasen von „Sachzwang“, „ökonomischer Vernunft“ und „es muß sich rechnen!“ gemurmelt, oder, wenn alles nichts hilft, auf die chronisch schlechte und gierige Menschnatur verwiesen, die – leider, leider – nun mal nichts anderes zuläßt als ausgerechnet die ganze Scheisse, die die Mehrheit immer nur schädigt und die kleine Minderheit der Eigentümer reich und reicher macht.

So müssen Kapitalismus-Fans es eben sehen: das bestimmungsgemäße FUNKTIONIEREN des Kapitalismus wird am Beispiel von „Mißständen“ für sie zur „Perversion“. Dabei sind die „Mißstände“ bloß die konseqente Anwendung des von allen geteilten Prinzipis: Bereicherung, und zwar um jeden Preis, den die Lohnarbeiter zahlen können und müssen.

Wer von Perversion redet, hält den Normalzustand dieser Ökonomie für gerade NICHT pervers – die REALEN Zustände dieser Ordnung, an der niemand Zweifel aufkommen lassen will („Freiheit!!“ und so), sollen sich dann immer am IDEAL blamieren: Kapitalismus voll super und der Markt sowieso das Geilste, aber – schlimm, schlimm – zugestandenerweise gibt es da vereinzelt „Perversionen“, die völlig unnötig den guten Ruf unseres Lieblingssystems beflecken!

Geschichten aus dem Pflegeheim: WLAN zum Skypen? Zu teuer für Alte.

Die meisten „Bunten Runden“ sowie die Arbeit in der „Tagesgruppe Demenz“ bestreite ich mit reichlich Improvisation, Spontaneität, viel Quatsch mit Soße sowie jeder Menge Bildern, Geschichten und Musik. Für die letzten beiden, besonders aber für die Musik, benötige ich Internetverbindung. Damit kann ich in Sekundenschnelle jedes Lied aufrufen und spielen, das im Hin- und Her der Interaktion mit den Bewohnern auftaucht, mir einfällt oder von meinen Zuhörern gewünscht wird.

Dass ich hierzu meine eigene Hard- und Software, also iPad und Apple Music Abo, verwende, ist die eine Sache (einen Bluetooth-Lautsprecher konnte ich immerhin der Einrichtungsleitung abtrotzen, nachdem ich zwei Jahre lang meinen eigenen mit ins Heim gebracht hatte). Das Internet läuft über das hauseigene WLAN, das mittels zusätzlicher WLAN-Verstärker auch in den Räumen abseits der zentralen WLAN-Quelle gut verfügbar ist. Auch die wenigen Bewohner, die Internet nutzen (maximal eine halbe Handvoll der 74 Leute), haben einen solchen Verstärker – vom Heim zur Verfügung gestellt – auf ihrem Zimmer.

Seit etwa zwei Wochen jedoch beobachte ich, dass die Endgeräte zwar alle mit dem WLAN-Verstärker verbunden sind und dieser auch Empfang anzeigt, doch die Signalstärke nicht ausreicht, um IRGENDWELCHE Websites oder -portale aufzurufen, geschweige denn Musik zu streamen. Frau L., eine Bewohnerin, die regelmäßig mit ihrer Verwandtschaft in Übersee skyped und dafür auf eine stabile und ausreichende Verbindung angewiesen ist, berichtet mir von demselben Phänomen: alle Endgeräte verbunden, Verstärker zeigt Funktionsfähigkeit an, aber kein Internetzugriff.

Als am Freitag der zuständige IT-Mann zu seiner wöchentlichen Visite ins Heim kommt, schnappe ich ihn mir und lege ihm das Problem dar. Ich vermute nämlich, er hat irgendwas an der Konfiguration der WLAN-Routers geändert, ein neues Passwort vergeben, das Heimnetz umbenannt oder so etwas.

Er hört sich meinen Report an, schaut mich traurig an und sagt:

Nein, das Einzige was ich geändert habe, ist dass ich das Datenvolumen drosseln musste. Anweisung vom Vorstand. Denen war die letzte Telefonrechnung zu hoch. Wir haben einen Businesskunden-Rahmenvertrag mit O2 für die gesamte Diakonie – und der Businesstarif ist teurer als der Privatkundentarif. Eigentlich müsste wir einen neuen Vertrag aushandeln. Jedenfalls musste ich alles drosseln und beschränken, um unter dem Datenlimit zu bleiben…

Ich bin erstmal sprachlos über den schäbigen, kleinlichen Geiz einer Institution, die mehrere Pflegeheime betreibt, wo jeder Bewohner mit bis zu 4000 Euro monatlich zur Kasse gebeten wird und die bekanntermaßen keine arme Einrichtung ist. Außerdem weiß ich, dass das Bereitstellen eines ausreichendem Internetzuganges zur Grundversorgung eines Pflegeheimes gehört, also behördlich gefordert ist. Das bestätigt mir auch der IT-Kollege, der einen schwachen Versuch macht, sich mit der Interessenlage seines Arbeitgebers zu identifizieren: „Ja, schon… die Rechnung war aber 6000 Eurohoch, das ist ganz schön happig. 60 GigaByte kosten 500 Euro, das ist wirklich teuer… und das geht halt schnell drauf für diverse Leute im Home Office.“

Ich erfahre noch, dass dieser Rechnungsbetrag für sämtliche Einrichtungen der Diakonie gilt, nicht bloß für unsere. Ich entgegne ihm: „Sag mal, spinnen die? Unsere Arbeit, jedenfalls die des Sozialen Dienstes, hängt teilweise davon ab, dass wir Internetzugang haben. Ich nutze jetzt schon seit Wochen mein eigenen Datenvolumen.. .Noch schlimmer ist, das Frau L. jetzt nicht mehr mit ihrer Tochter in USA skypen kann, weil die Herren vom Vorstand beschlossen haben, dass sie an uns und an den Bewohnern sparen..“

Der Kollege findet die Situation auch nicht schön. Er muß mir versprechen, wenigstens für den von Frau L. genutzten WLAN-Verstärker das Datenvolumen wieder hochzusetzen. Das reicht mir aber noch nicht und ich gehe erst mal bei den im Hause zuständigen Stellen rumstänkern über die neueste Fiesheit der so frommen wie kostenbewussten diakonischen Geschäftemacher. Zum Glück erfahre ich sowohl beim Sozialen Dienst wie bei der Einrichtungsleitung Verständnis und Unterstützung. Kollege B., der unseen Sozialen Dienst organisiert, schaut mich konsterniert an und bemerkt nur „Das ist echt schäbig. Die Diakonie ist reich genug!“ und vom Einrichtungsleiter höre ich „Grad vorhin war der Vorstand hier, schade das ich erst jetzt davon erfahre!“.

Es besteht also Hoffnung, dass die Knickerigkeit des lohn- und kostendrückenden Diakonie-Managements korrigiert wird. Trotzdem überlege ich kurz, ob ich die Zeichnungen vom gestrigen „Tagesgruppen“-Vormittag nicht plakativ zweckentfremden soll für eine satirische Botschaft gegen Geiz, Knauserigkeit und Schäbigkeit auf Kosten der Ärmsten und Bedürftigsten – wir kamen nämlich am Vortag aus irgendwelchen Gründen auf den Begriff „Ekel“ und sprachen über die Tiere, die uns am meisten Ekel einflößen.

Da ich aber nicht kurz vor der Rente noch gekündigt werden will, unterlasse ich das dann lieber. Eklig ist es aber allemal.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Das Katzentaxi

Seit Anfang November gibt es wieder die „Tagesgruppe Demenz“ für die Mehrzahl derjenigen Bewohner des Wohnbereiches (plus zwei weitere von anderen Wohnbereichen), die eine „offizielle“ Demenzdiagnose haben. Die Leute freuen sich darüber, wieder in der familiären Atmosphäre der vertrauten kleinen Runde gesellig und gemütlich Zeit zu verbringen und „etwas geboten“ zu kriegen.

Wie in jeder Familie gibt es natürlich auch in unserer Runde unterschiedliche Charaktere, die nicht immer miteinander harmonieren, die aber irgendwie unter einen Hut gebracht werden müssen, damit die Gruppe „funktioniert“.

Eine Teilnehmerin aus dem Wohnbereich 1, Frau B., hat in der langen „Tagesgruppen“-Pause anscheinend zunehmend begonnen, mit ihrem körperlichen und mentalen Schicksal zu hadern. An buchstäblich jedem Vormittag kann man sie spätestens ab 10:00 klagen hören, dass sie „nach Hause möchte“ und „nicht mehr kann“.

Nun ist das bei dementiell veränderten Menschen nichts Ungewöhnliches; das Bedürfnis, die innere Verlorenheit und fortschreitende Auflösung der Gedächtnisinhalte kompensieren zu wollen, drückt sich sehr häufig in der Sehnsucht nach dem Ort in Zeit und Raum aus, an dem noch alles in Ordnung war: zuhause eben. Das Pflegeheim, das faktisch ja das jetzige Zuhause ist, wird von keinem meiner Leute als „zuhause“ empfunden. Einem dementen Menschen braucht man gar nicht erst mit „Aber Frau Sowieso, Sie sind doch jetzt HIER zuhause!“ und ähnlichen Floskeln zu kommen. Neben verständnislosen Blicken erntet man auf solche Versuche mitunter Bemerkungen wie „Nee, ZUHAUSE meine ich, da wo meine Eltern sind…“

Frau B. jedenfalls ist alle zwei bis drei Minuten mit dem Satz zu vernehmen „Ich kann nicht mehr!“, ersatzweise „Ich will nach Hause“. Dass diese Stoßseufzer keine konkreten, zielgerichteten Wünsche sind, merkt man daran, dass Frau B. – wenn man ihr anbietet, sie zurück in ihren Wohnbereich zu bringen – entschieden ablehnend reagiert. Sie weiss ziemlich genau, dass die Alternative zur „Tagesgruppe“ in langweiligem Alleine-im-Zimmer-sitzen besteht, und das will sie auf gar keinen Fall. Außerdem ist sie, entgegen dem äußeren bzw. hörbaren Anschein, sehr gerne in der Gesellschaft der anderen und braucht geradezu die Aufmerksamkeit, die ihr durch ihr Dauerlamento zwangsläufig zuteil wird.

Heute allerdings überspannt sie den Bogen deutlich. Ihre Sitznachbarin Frau Sch., ansonsten als ostpreußische Landsmännin eine geschätzte Gesprächspartnerin, wendet sich entnervt ab und murmelt gelegentlich „Das hält ja keiner aus…“ oder „Wie oft will die das denn noch sagen??“.

Frau Sch. jedoch ist eine zurückhaltende, freundliche Person; Frau H. dagegen, die Frau B. gegenüber sitzt, nimmt erstens selten ein Blatt vor den Mund und fühlt sich zweitens massiv in ihrer – wohl medikamentös verursachten – vormittäglichen Schläfrigkeit gestört.

Es entspinnt sich, nachdem Frau B. zum gefühlt fünfzigsten Male „Ich will nach Hause!“ gestoßseufzt hat, folgender Dialog:

Frau H.: „Jetzt halten Sie doch mal endlich die Klappe!“

Frau B. (unbeeindruckt): „Ich kann nicht mehr, ich will nach Hause…“

Frau H.: „Geben Sie doch mal Ruhe! Oder GEHEN sie nach Hause! Gehen Sie zu Fuß oder nehmen Sie sich `n Taxi…“

Frau B. (verdutzt): „ Ne Katze??“

Frau H.: „Ja!“

Frau B.: „Ne Katze? Ich bin doch nicht bescheuert!“

Frau H. „Doch, sind Sie!“

Inzwischen haben alle gebannt den Schlagabtausch mitverfolgt und müssen über das akustische Missverständnis lachen. Die halbe Stunde bis zum Mittagessen überbrücke ich mit einer Ordensverleihung an Frau B.: sie hat sich nach unser aller Auffassung den IKNM („Ich kann nicht mehr“)-Orden am laufenden Band redlich verdient und erhält ihn in einer kleinen Zeremonie mit Malerkreppband an die Bluse geheftet.

Der Applaus der anderen Teilnehmer stimmt sie etwas milder und wir hören, bis die Teller auf dem Tisch stehen, nur noch etwa fünf oder sechs Mal eine ihrer beiden Wehklagen.

Geschichten die das Leben schrieb: der menschliche Störfaktor im Küchen-Reinraum

Hungrig von der Arbeit heimgekehrt, organisiere ich mir in der Küche die Zutaten fürs Abendbrot und bereite mir einen Teller allerleckerster „Bütterchen“, wie der Rheinländer sagt.

Nebenher fahre ich den Rechner hoch – als Niedriglöhner brauche ich die Einnahmen aus diversen kleinen Web- und Grafik-Nebenjobs, die ich nach und neben der regulären Lohnarbeit auf die Reihe zu kriegen versuche.

Als ich in die Küche zurückkomme, hat sich die Frau neben der Spüle aufgebaut und betrachtet mißbilligend meinen Abendbrotteller. Ihr kritischer Blick wandert vom Teller zur Spüle und wieder zurück. Sie sagt kein Wort. Allerdings ist ihr in unsichtbarer Leuchtschrift „Kannst du deine Krümel nicht wegmachen?!“ auf die Stirn tätowiert.

Im Geiste hat sie wahrscheinlich schon die genaue Anzahl der Krümel bestimmt und den Aufwand berechnet, den deren Beseitigung kosten würde – MICH, nicht sie, denn laut ihrer küchenhygienischen Perfektionistenphilosophie ist es erstens ein Leichtes, jedwede Küchenaktivität zu vollziehen ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen, wobei zweitens diese Aufgabe nicht nur unmittelbar NACH irgendwelchen Koch-, Spül- oder Brotschmiervorgängen zu erledigen ist, sondern PARALLEL zu den Tätigkeiten, zu deren Erledigung man sich in die Küche begibt.

Ich fühle, dass ich jetzt mal etwas Grundsätzliches loswerden muss und erkläre: „Hast du eigentlich auch noch irgendwelche menschlichen Regungen in dir? Ist dir klar, dass dies eine KÜCHE ist, in der Menschen normalerweise sich um ihre Nahrungszubereitung kümmern und zu diesem Zweck mitunter Brote schneiden, die aufgrund ihrer Beschaffenheit dann auch mal KRÜMELN können? Manchmal hab ich das Gefühl, du nimmst mich nicht nicht als Mensch wahr, sondern bloß als Störfaktor, der Dreck verursacht!…“

Weit entfernt davon, sich von diesem leicht pathetischen Plädoyer beeindrucken zu lassen, antwortet die Gattin zuckersüß: „Hm, das trifft aber leider zu. Du hast dich selber sehr gut beschrieben. Du BIST nun mal ein dreckverursachender Störfaktor!“

Zum Glück verrät mir ihr Grinsen, dass sie damit gut leben kann und jedenfalls momentan und gnadenhalber bereit ist, sich auf meine überschaubare Kompetenz beim Aufräumen der Küche zu verlassen.