Lidl lohnt sich (für Dieter Schwarz, Lidl-Besitzer und reichste Deutscher): Die widerlichste und ekligste „Werbung“, die ich seit langem gesehen habe

Altersarmut und Verelendung taugen in dieser Gesellschaft bestenfalls als Vorlage für rührselige Spendenappelle an die immer ärmer gemachte Bevölkerung.

Das gezielt und absichtlich herbeigeführte Elend, das der neoliberale Kapitalismus hierzulande mit Sanktionskrieg, Aufrüstung, Energiepreisexplosion und Sozialkürzungen noch verschärft, wird als unausweichlicher, naturgegebener Umstand hingestellt, dem man vielleicht mit ein paar milden Gaben und Brosamen mildern, aber jedenfalls nicht abschaffen kann.

Beim Spätdienst heute im Pflegeheim höre ich von den Bewohnern, dass sie ab Januar bis zu 800 Euro mehr für den Pflegeplatz zahlen müssen. Im Monat. Die Leute sind ratlos und fühlen sich wie Melkkühe, wie der letzte überflüssige Dreck behandelt. „Woher soll denn das Geld kommen? Meine Rente reicht doch nicht mal für den bisherigen Kostensatz aus…“, sagt eine Bewohnerin fassungslos.

Es ist Zeit, die Macht der Leute zu brechen, die von dieser Gesellschaftsordnung und von dieser Ökonomie profitieren. Staat und Kapital sind diejenigen, die den Laden zu unserem Schaden am Laufen halten und für ihre Profite und ihre Kriege uns in die Pflicht nehmen, uns arbeiten und darüber verarmen lassen. Es ist Zeit, den Laden selbst zu übernehmen.

Realitätscheck

Facebook: Werbung in jedem vierten Post.

YouTube: andauernde Werbeunterbrechungen.

Fernsehen: Werbung, Werbung, Werbung.

Radio: aufdringlichste Werbung, von angestrengt fröhlich klingenden Sprechern vorgetragen.

Öffentlicher Raum: Werbung und Kaufaufforderungen 24/7 buchstäblich wohin der Blick schweift 

Gehirn der kapitalistischen Insassen:
Merkt schon gar nichts mehr, zieht Schutzwall aus Ignoranz vor der eigenen Wahrnehmung hoch, kann aber nichts an dem unterschwelligen Dauerbombardement mit Konsumaufforderungen machen.

Gehirn der Leute, die sich ungeschützt dem endlosen kommerziellen Mahlstrom aussetzen:
Verzweifelt an Idiotie des unaufhörlichen allgegenwärtigen ungebeten Eindringens von Fremden, die einem irgendwas andrehen wollen, greift zu Drogen oder dreht durch.

Kriegsverbrechen und ihre Unterstützer

Diese beiden Kinder wurden lebend aus den Trümmern gerettet, die Resultat eines israelischen Bombenangriffs auf ein Flüchtlingslager sind.

Zehn- bis fünfzehntausend Tote bis jetzt durch die israelischen Bomben auf Gaza, ca. 4.000 davon Kinder. Ein Mehrfaches an teilweise schwerst verletzten Opfern der unaufhörlichen, wahllosen Bombardierungen, ohne dass die Möglichkeiten bestehen, sie wenigstens notdürftig zu versorgen.

Unter den 10-15.000 sicher gelegentlich auch mal ein Hamas-Mitglied.

Grausamer als die unterschiedslose Bombardierung von Frauen, Kindern und alten Menschen scheint mir die mentale Akrobatik zu sein, mit der Unterstützer Israels auch solche Kriegsverbrechen zu rechtfertigen wissen:

Mit dem „Recht zur Selbstverteidigung Israels“, wohlgemerkt das „Recht“ eines Okkupationsregimes, sich in den von ihm illegal besetzten Gebieten zu „verteidigen“ – nämlich gegen den ohnmächtigen Widerstand der entrechteten Besetzten.

Und wenn dieser Widerstand mal ein bißchen (oder deutlich weniger) ohnmächtig ausfällt, ist für die Unterstützer der israelischen Besatzungsmacht klar, dass hier nur Terroristen und menschliche Tiere am Werk sein können.

Die Rechtfertigung und Unterstützung der israelischen Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung macht alle westlichen Politiker und Medien zu Komplizen dieser Kriegsverbrechen.

Milde Gaben und Wohltätigkeit für bedürftige Loser der Konkurrenzgesellschaft: alle Jahre wieder und inzwischen das ganze Jahr über

Man kann dem Kapitalismus und den Medien vorwerfen was man will, aber die Armen und Zukurzgekommenen, die Erniedrigten und Beleidigten sind nicht vergessen! Im Gegenteil: gerade wenn’s auf Weihnachten zugeht erinnert man sich gerne, häufig und voller Mitgefühl an all die Existenzen, die es in unserer freiheitlichen Gesellschaft leider nicht geschafft haben, in der Konkurrenz zu bestehen.

Dass es ihr höchst eigener Fehler ist, wird dabei nie in Frage gestellt. Vielleicht auch mal ein unglückliches Schicksal, mitunter Pech, aber auch daran – GERADE daran! – beweist sich immer wieder erneut (oder eben nicht), ob einer das Zeug hat, sein Leben zu meistern, aus eigener Initiative das Beste daraus und sich zu einem funktionierenden Subjekt des Konkurrenzkampfes zu machen.

Auf dieser selbstverständlichen Basis werden die bedauerlichen Einzelschicksale – es sind immer nur Einzelschicksale – abgehandelt. Gerne gezeigt werden lobenswerte Initiativen mitleidiger Bürger, die froh sind, selber nicht im absoluten Elend gelandet zu sein und das Los der „Bedürftigen“ durch ein bißchen Hilfe und ein paar milde Gaben zu erleichtern. Mit warmer Stimme, beglückt ob soviel mitmenschlicher Hilfsbereitschaft, berichtet ein Moderator im MDR von einigen Hausfrauen und Rentnerinnen in Halle, die im Rahmen des „Eine Tasche voller  Wärme“-Projektes der Malteser um die Wette häkeln oder stricken. Das alles hat irgendwie mit einem Hilfsprojekt für (genau:) „Bedürftige“, nämlich in diesem Fall Obdachlose, zu tun. Diese hat man auf jeden Fall zu bedauern, denn ihr trauriges Schicksal ist bekanntlich so gottgegeben wie es – sind wir doch mal ehrlich – beinahe unvermeidlich ist, wenn einer es an der nötigen Leistungsbereitschaft und Initiative fehlen lässt.

Dass die „Bedürftigkeit“ wohnungsloser Leute zuerst und fundamental durch den Bedarf nach einer Wohnung definiert wird, zählt hier nicht. Es würde auch zu viele Fragen aufwerfen, die keiner beantworten kann und will, der nicht als Radikalinski oder gar Kommunist gelten will. Es gibt in der Freiheit leider nun mal nicht genug Wohnungen für alle, das ist eben Marktwirtschaft, was will man machen. Bzw. das was zu machen wäre, nämlich einfach Mittel bereitstellen und Wohnungen bauen – genau DAS wäre nicht nur unmarktwirtschaftlich und staatlicher Dirigismus, sondern würde letzten Endes und im Grunde genommen auch den Wohnungslosen den nötigen Anreiz nehmen, sich selbst um ihr Fortkommen in der Wettbewerbsgesellschaft zu bemühen.

So kann man viele Sendestunden füllen mit herzergreifenden Geschichten über das Menschlich-Allzumenschliche der sich ausbreitenden Armut. Man kann darin schöne Botschaft erzählen, wie ein selbstloses Miteinander und praktische Nächstenliebe immer wieder für ein Lichtlein in der Dunkelheit sorgen. In der Dunkelheit, die das menschliche Leben nun einmal IST, und an der keiner etwas machen kann, außer (immerhin!!) durch solche Gesten tätiger Nachbarschafts- oder Obdachlosenunterstützung. 

Wieder einmal ist bewiesen, in was für einer grundsätzlich schönen und vielleicht nicht immer gerechten, aber wenigstens um Linderung der schlimmsten Auswüchse ringenden Welt wir leben. Der Zuschauer wird in den Abend entlassen mit dem wohligen Gefühl, dass es erstens für die armen Schweine ja doch ein bißchen Mildtätigkeit gibt und dass zweitens und vor allem er selber noch ein paar Schritte entfernt ist vom Sturz in den Abgrund, der in unserer freien und demokratischen Ordnung jederzeit und für jeden lauert.

Wählen zur Ermächtigung solider Herrschaft über die Gewählten

Facebook-Post zu den im Zuge der BTW17 anschwellenden und nervtötenden Nichtwähler-Bashing:

Ich hab nicht gesagt, dass ich nicht wählen gehe. Ich weise nur gerne
darauf hin, dass das Wesentliche der gegenwärtigen Gesellschaft NICHT
zur Wahl steht: die Eigentumsordnung, also die Herrschaft des Kapitals
und die Benutzung von Mensch, Tier und Natur für die Bereicherung
einiger weniger.

Wenn man daran was ändern möchte, wenn man im Interesse der Bewohner dieses Planeten die Barbarei dieser Ordnung beseitigen möchte, sollte man sich nicht über geschmackliche DETAILS der Herrschaftsausübung auslassen und mehr oder weniger sachkundig darüber debattieren, welches Herrschaftspersonal nun am besten “Deutschland” voranbringt und zum wuchtigsten Kapitalstandort weit und breit machen kann.

Man sollte dann erstens – durch Aufklärung und Information – dafür sorgen, dass möglichst viele Leute die sie schädigenden Verhältnisse umstürzen und so einrichten, dass ein anständiges Leben für alle dabei rauskommt. Dass das im Kapitalismus nicht zu haben ist: darin besteht die Aufklärung.

Zweitens muss einem klar sein, dass die Auswahl des Herrschaftspersonals der bestehenden Ordnung ganz bestimmt kein Mittel ist, diese abzuschaffen.
In diesem Rahmen kann man, wenn’s einem Spaß macht, an der
Ermächtigungsveranstaltung bürgerlicher Herrschaftsausübung teilnehmen
und sein wirklich nutzloses Kreuzchen hinter irgendeiner
Buchstabenkombination machen.

Zum Beispiel bei der Oppositionspartei, die zumindest ansatzweise antikapitalistische Positionen im Parlament vertritt und den Entrechteten und Ausgebeuteten manchmal Gehör verschafft. Oder gleich bei der Kommunistischen Partei (meine Präferenz).

Aber noch mal: mit dem Wählen von Funktionsträgern in die vom Staat vorgegebenen Ämter ändert man nicht diesen Staat sondern festigt eher die im Staat manifestierte Herrschaft des Privateigentums über die Gesellschaft.

 

Radio hören

Nicht nur im öffentlichen Raum, auch beim Radiohören wird man ständig von mehr oder weniger (meist mehr) idiotischen Kauf- und Konsumaufforderungen belästigt. Schon um das wenigstens beim Radiohören zu umgehen, höre ich fast ausschließlich MDR Kultur oder ähnliche Sender. Wenn man diese allerdings streamt, z.B. über die TuneIn App, muss man zu Beginn einen Werbespot ertragen.

Die Ohren kann man nicht verschließen wie die Augen, und woanders hinhören geht auch nicht so einfach wie woanders hingucken, also höre ich gezwungenermaßen die 20- oder 30-sekündige Ansprache einer (nach Stimmlage, Intonation und gefakeder Begeisterung zu urteilen) etwa 24-Jährigen, die mir in sehr direkter, persönlicher, unangenehm aufdringlicher Art und Weise zuruft – nein, mich ungefragt verbal bedrängt – dass nur ich aussuchen könnte oder würde, wie mein Diesunddas aussehen oder gestaltet würde (die beworbene Sache habe ich vor lauter Ekel über diese Aufdringlichkeit gar nicht mitbekommen), “du allein entscheidest!!!” und ähnliche Jubelschreie, die mir nahelegen sollen, dass meine persönliche (Entscheidungs-)Freiheit mit dem Erwerb dieses Gegenstandes oder dieser Dienstleistung ihre letztendliche Bestimmung und Erfüllung gefunden hätte.

Bevor ich in die Kaffeetasse kotze, besinne ich mich, dass diese akustische Umweltverschmutzung ja in wenigen Sekunden vorüber ist und weigere mich innerlich ein weiteres Mal, die allgegenwärtige Werbeberieselung als unvermeidlichen Preis für diverse Annehmlichkeiten des Lebens im Kapitalismus (und damit diesen gleich mit) zu akzeptieren.

Und ich wundere mich, wie IRGENDJEMAND sich jemals daran gewöhnen kann, in einer Welt zu leben, die “Freiheit” mit der Fähigkeit gleichsetzt, sich sklavisch jeglicher Freiheit zu entäußern, um als funktionierendes Rädchen der marktwirtschaftlichen Konsumwelt zu funktionieren – eben so, wie es die Werbetreibenden brauchen, um bei Strafe des wirtschaftlichen Untergangs ihre Produkte und Dienste in der Konkurrenz um Kaufkraft abzusetzen.
Erstmal noch’ n Kaffee.