Geschichten aus der 1002. Nacht

In der großen Moschee von Udaipur kam es zu einem Zwischenfall, an dem die Mudschtahids der Umma einiges zu knabbern hatten.
Nach nächtelangen Beratungen entschied man sich, das Ei auszubrüten und das Küken zum Ruhme Allahs als Gemeindeorakel zu behalten. Was mit dem Huhn geschah, ist nicht überliefert; allerdings gab es kurz darauf Chicken Tikka Masala bei Imam Al-Bakir.
Der Fuchs und die Jäger

Die Sozialen Medien werden nach dem Willen der Berliner Machthaber zum dunklen Wald, in dem die Meinungswächter und Gesinnungsinqusitoren auf Pirsch gehen um gefährliche Abweichler aufzuspüren, zu melden und zu bestrafen.
Wir müssen also listig werden wie die Füchse, die dem Jäger ein Schnippchen schlagen, indem sie ihn so lächerlich machen wie er – in seiner Anmaßung und seiner Feindseligkeit gegen die Meingsfreiheit – ist.
„Zu den anvisierten Zielen der Erkennung, Wertung, Kritik und möglicher Abmahnung und Bestrafung von individuellen Äußerungen, „vor allem in sozialen Netzwerken und Video-Plattformen wie Facebook, X, Instagram, TikTok, YouTube und Telegram“, heißt es:
„Die Bundesnetzagentur hat heute den ersten Trusted Flagger, einen vertrauenswürdigen Hinweisgeber, gemäß dem Digital Services Act (DSA) zugelassen. Die Meldestelle REspect! der Stiftung zur Förderung der Jugend in Baden-Württemberg mit Sitz in Sersheim erhielt heute diese Zulassung. Die Meldestelle war die erste Organisation, die einen Zulassungsantrag bei dem Digital Services Coordinator (DSC) in der Bundesnetzagentur eingereicht hatte.“
Quelle: https://rtnewsde.tech/inland/221498-trusted-flagger-bundesregierung-stellt-vertrauenswuerdigen/
Geschichten die das Leben schrieb: Alles muss raus
Nach dem Subbotnik, der unsere kommunistische Volksrepublik Oberkassel von überzähligen Büchern befreit hat, ist als Nächstes die Garderobe dran. Die Frau schlägt erbarmungslos zu und sortiert Zeug aus, das sie seit mindestens einem Jahr nicht mehr getragen hat. Schon lichten sich Kleiderschrank und Schuhregale, auch wenn eine stilsichere Frau von Welt wie meine Liebste natürlich immer noch Lichtjahre vom weibliche. Klassiker-Ausruf „Ich hab nichts anzuziehen!!“ entfernt ist.
Ich selber trenne mich von beinahe allen kurzärmeligen Hemden, nachdem mir der Inhaber des Herrenausstatters an der Ecke mit dem Ausdruck ernster Besorgnis über mein Erscheinungsbild versichert hat, dass kurzärmelige Hemden bei Männern ein absolutes No-Go sind und man sich stattdessen lieber die Ärmel von „richtigen Hemden“ hochkrempeln solle.
Jedenfalls macht sich in unserem Arbeiter- und Bürgerstaat ein Gefühl von gelebtem Zen-Minimalismus breit und veranlasst die Liebste zu folgendem Ausruf: „Ist das nicht herrlich, dass wir das ganze Zeug jetzt quitt sind? Ich entsorge jetzt alles, was wir nicht mehr brauchen, alles was nichts mehr taugt. Kommt alles in den Sperrmüll!“
Dabei fällt ihr Blick auf mich, der ich mal wieder im Sessel sitzend und am iPad daddelnd meinen Kaffee trinke. „Ich muss mir echt mal überlegen, ob ich dich nicht auch an den Straßenrand stelle“.
Schnell beginne ich, den Geschirrspüler auszuräumen, um ihren Überlegungen keine weitere Nahrung zu geben.
Geschichten die die Hunde schrieben: Zollinspektion im Märchenland
Mein Hund Oskar hat natürlich auch einen besten Hundekumpel. Der heißt Harald und ist der treueste Fan meines Vierbeiners.
Gestern waren sie im Märchenland unterwegs und gerieten zuerst an einen orientalischen Zwerg, von dem sie Leckereien dubioser Herkunft bekamen. Hunde sind an dieser Stelle nicht wählerisch und fressen im Grunde alles, was lecker riecht und aussieht.
Was in den Leckerchen drin war, kann ich nur ahnen; es war wohl nichts, was man im „Freßnapf“ oder „Futterhaus“ und wie diese Läden alle heißen, bekommt. Jedenfalls trollten die beiden sich, sprangen hinter einigen Glühwürmchen her und verschwanden im Wald.
Erst heute Vormittag bekam ich sie wieder ins Visier meiner Kristallkugel. Zu meinem Erstaunen waren sie in die Dienste des Waldmeisters getreten, ein glibberiger grüner Kerl, der beständig zitterte und wackelte – er hatte wohl Parkinson oder sowas. Ihre Aufgabe war es, die Verzollung der ein- und ausgeführten Waren (hauptsächlich Nahrungsmittel) zu überwachen.
Diese Aufgabe meisterten die zwei Freunde mit Bravour und einer gewissen Chuzpe, indem sie nämlich einfach von allem ein Zehntel nahmen und es auf der Stelle auffraßen. Bei den Waldtieren, die ein laxeres Zollwesen gewohnt waren, führte das zu einigem Diskussionsbedarf.

Vorsichtshalber verzogen sich Oskar und Harald in die Sicherheit des Zollwärterhäuschens, als die anderen Tiere auf den Bären einredeten, um ihn zum Protest anzustacheln und um sich im Schutze seiner Stärke den Anordnungen der beiden Zollwächter zu widersetzen.
Für solche Gesetzwidrigkeiten war der Bär aber nicht zu haben, und so ging alles seinen Gang: die Zollgebühr wurde kassiert, die beiden Hundekumpels schmatzten zufrieden ihren Anteil weg, und die auf diese Weise besteuerten Waldtiere mussten ihrer Wege ziehen.









































































































