Von Killern und undemokratischen Knochenbesitzern

Der staatlich kontrollierte Fernsehsender ZDF meldet, dass der US-Präsident (ja, derselbe demente 78-Jährige, der kürzlich seinen russischen Counterpart als „Killer“ bezeichnet hat) bei seiner ersten Pressekonferenz zu Protokoll gibt, sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping hätte „keinen demokratischen Knochen im Leib“.

Immerhin besser als keine oder kaum noch funktionierende Nervenzellen im Gehirn, würde man meinen.

Allerdings hat der senile Greis im Weißen Haus bereits vor seiner beginnenden Demenz seine grundsätzlich russo- und sinophobe Gesinnung unter Beweis gestellt, indem er jeden Krieg um Einflußsphären, jede Sanktionierung und jede sonstige gegen Russland oder China gerichtete Frechheit der US-Plutokratie mitgetragen und mit seiner Stimmabgabe im Kongress unterstützt hat.

Wohlgemerkt: diese Unverschämtheiten, diese gegen jede diplomatische Gepflogenheit verstoßenen Beleidigungen und Dummerhaftigkeiten stammen von demselben demokratischen Hoffnungsträger, dem hierzulande bis ins linke Lager die Politprofis und -beobachter zujubelten, weil er angeblich so ganz anders und viel diplomatischer als sein Vorgänger agieren würde.

President Joe Biden speaks during a news conference in the East Room of the White House, Thursday, March 25, 2021, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)

„Konflikt“ EU vs. China:

Hintergrund:

Nachdem die EU im Schlepptau der kriegslüsternen US-Administration sich auch mal im China-Bashing üben wollte und mit der allzeit nützlichen „Menschenrechts“-Waffe China ein bißchen erpresserisch gekommen ist, gibt’s Reaktionen.

Diesmal macht sich der Westen (ja, genau: derselbe Westen, der in den vergangenen 20 Jahren beim Bombardieren muslimischer Länder die dort ansässige Bevölkerung millionenfach dezimiert hat) zur Abwechslung mal FÜR Muslime stark, nämlich für die, die unter der falschen, also chinesischen, Herrschaft leben. Die chinesischen Umerziehungs- und Ausbildungsprogramme zur Terrorismuspräventionen in Xinjiang passen nämlich den NATO-Herren der Welt schon deswegen nicht, weil sie effektiv dem Terrorismus den Boden entziehen und somit auch den Nachschub an Söldnern für die vom Imperialismus gesponserten Halsbschneiderbrigaden à la IS, Al Nusra usw. den Nachschub an „Freiheitskämpfern“ und Rebellen“ gegen Bashar al-Assad und andere unbotmäßige Staatsmacher ausdünnen.

Da kommen die fabrizierten Schauergeschichten über Lager, in denen „Millionen“ (glaubt man den westlichen Medien, befindet sich bald die Hälfte der dortigen Bevölkerung in solchen „Lagern“ – wobei natürlich schon das Wort selbst die beabsichtigte Assoziation wecken soll) von „Uiguren“ (eine Bezeichnung, die im demokratischen Untertanenverstand mittlerweile synonym ist mit „arme unterdrückte Leute, die wegen der fiesen Chinakommunisten ihre Religion nicht ausüben dürfen!“) eingesperrt sind – warum, erfährt man in der Regel nicht – die Spin-Doktoren dieser Erzählungen setzen beim kundigen demokratischen Untertan zu recht die eingefleischte Überzeugung voraus, dass Kommunisten so etwas Schurkisches schon aus reiner kommunistischer Bosheit machen) – gerade recht als Hebel, um sich in die chinesische Innenpolitik einzumischen, diesem Staat „die Instrumente zu zeigen“ und ganz generell das Erpressungspotential gegenüber der immer mächtiger werdenden Volksrepublik auszuloten.

Kurzum, die EU vollzieht ihre Sanktionen genannten Erpressungsversuche gegenüber China, holt sich die erwartbare sehr coole und entschiedene Abfuhr der keineswegs beeindruckten chinesischen Staatsmacht ab und kriegt bei der Gelegenheit gleich noch – tot for tat – Gegensanktionen aufgedrückt, die sehr zu recht einige den übelsten anti-chinesischen Hetzer im Brüsseler Machtapparat treffen.

Ein wunderbares Zeugnis postfaktischer geopolitischer Verlogenheit liefert daraufhin ein Staatssekretär im Ministerium des Außenministerdarstellers, nachdem es BRD-Außenamt unter seinem Leichtgewicht mit den Konfirmationsanzügen Heiko „Ich bin schon groß“ Maas das dringende Bedürfnis verspürt hatte, mit dem chinesischen Botschafter ein Gespräch führen zu wollen.

Der Staatssekretär lässt sich in Sachen praktischer Heuchelei von seinem Vorturner Maas nicht die Butter vom Brot nehmen und versucht sich ebenfalls in der Kunst, aus schwarz weiß und aus Scheisse Gold zu machen. Die REAKTION Chinas auf die Frechheiten der westlichen Diplomatie gilt ihm demnach als die „unangemessene Eskalation, die die Beziehungen zwischen der EU und China unnötig belasten“!

Diese geniale Erweiterung und Steigerung professioneller Lügen ließe sich im Grunde nur noch toppen, wenn z.B. ein Autodieb die Polizei beschuldigen würde, für die „Eskalation“ gesorgt zu haben, die in der Dingfestmachung des Täters besteht. Oder – dem weißen westlichen Durchschnittsweltbeherrscher gut bekannt – wenn ein Vergewaltiger seinem Opfer eine „unnötige Belastung der Beziehungen“ durch unangemessenen Widerstand vorwirft.

Ist aber alles egal, denn die beabsichtige Wirkung beim Publikum ist erzielt: CHINA BÖSE WEIL DIKTATUR! – DAS soll sich der NATO-Untertan merken, damit die Kriegsvorbereitungen sowie die Erpressungs- und Einmischungsdiplomatie der westlichen Machthaber Akzeptanz finden bei denen, die diese politischen Manöver überhaupt zur Kenntnis nehmen.

Geschichten die das Leben schrieb: Geld, Kredit, Social Scoring und China

Nachdem letzte Woche eine übereifrige Bankmitarbeiterin der Frau den Schrecken ihres Lebens eingejagt hatte, indem sie wegen der heiratsbedingten Namensänderung eine enge Frist zur  Rückzahlung des Dispos setzte und die Sperrung des Kontos ankündigte, geht die Geschichte der kapitalismuskompatiblen Geldbeschaffungsmaßnahmen in die zweite Runde.

Die Frau hat einen Termin bei einer anderen Bank, wo sie ebenfalls ein Konto unterhält und einen Kredit am Laufen hat. Dort hatte man ihr vor längerer Zeit einen Termin anberaumt, bei dem ihr mal wieder ein NEUER Kredit angedreht werden soll, diesmal mit unschlagbar guten Zinsen, womit der alte abgelöst und irgendwie alles gut bzw. noch viel besser, jedenfalls optimal vorteilhaft für sie und damit für unsere gesamthafte Finanzlage werden würde. Wie gesagt gehört die Frau aufgrund ihres beamtenähnlich soliden jahrzehntelangen Jobs bei ein und demselben Versicherungskonzern zur Kernzielgruppe sämtlicher Kreditverleiher dieser kapitalistischen Welt.

Diesmal nimmt sie den Termin wahr, weil einer der unvorhersehbaren Wechselfälle des Lohnarbeiterlebens dringend den Zugriff auf über die kumulierten Arbeitslöhne hinausgehendes Geld nötig macht. Das AUTO ist mal wieder in der Vertragswerkstatt, der Flux-Kompensator (oder so ähnlich; ich glaube: NOX-Sensor) muss ausgetauscht werden und somit haben auch wir mal wieder unser winziges Scherflein von knapp 1.000 Euro zur 800 Millionen Euro Dividende beizusteuern, die alleine dieses Jahr in die Taschen bzw. auf die Konten von Susanne von Kladden und Stefan Quandt fließt.

Zudem macht der Zustand der Lese- und Seh-Hilfsmittel der Frau dringend neue Kontaktlinsen und eine neue Brille erforderlich, so daß auch hier irgendwie Geld zu manifestieren ist, um den Ansprüchen eines hochkonzentrierten Bildschirmjobs in der Finanzbranche gerecht zu werden – Ansprüche, die der „Arbeitgeber“ stellt, für deren kostenmäßige Auswirkungen auf Gesundheit und Sehkraft aber natürlich der „Arbeitnehmer“ zuständig ist.

Es herrscht also eine gewisse Dringlichkeit, frisches Geld herbeizuschaffen, so daß sich mit Lenin die Frage stellt: „Was tun?“. Ein Umschuldungskredit, der zu besseren Konditionen den alten ablöst, käme da ganz gelegen.

Als die Frau von dem Termin zurückkehrt – bemerkenswert spät – hat sie tatsächlich ein weiteres Darlehen bekommen, allerdings als Aufstockung des bestehenden und zu 11,5% Zinsen statt der versprochenen 7,5%. Das liegt daran, wie sie den Bankmenschen zitiert, dass ihr Scoring sich durch die heiratsbedingte Namensänderung „dramatisch verschlechtert“ hätte. Alles ganz normal, so jener; würde man z.B. von Düsseldorf nach Duisburg ziehen, würde das auch sofort ein drastisch negatives Scoring nach sich ziehen.

Mir kommen die kritischen Stimmen in den Sinn, die das chinesische Social Scoring System als Verwirklichung schlimmster dystopischer Fantasien brandmarken und garnicht genug Hetze und Häme über die dortige Staatsmacht ausschütten können wegen so einer teuflischen Erfindung.

Das deutsche Scoringsystem, das gar kein „soziales“ sein soll wie das chinesische, ist – passend zu einem kapitalistischen Big Player – rein finanziell gedacht und soll die Kreditwürdigkeit des Individuums erfassen. Ist diese ungenügend oder gar überhaupt nicht vorhanden, hat das für den Betreffenden die Konsequenz, dass sein Zugang zu Geld stark eingeschränkt ist. Das kommt in dieser Gesellschaft, in einem Staat, in dem Geldverdienen die conditio sind qua non jeder Lebensäußerung ist, de facto einem Ausschluss von vielen Angeboten und Möglichkeiten des Lebens und Zurechtkommenmüssens gleich – entspricht also auf jeden Fall auch einem sozialen Scoring.

Auch das chinesische SCS soll eine Kreditwürdigkeitsprüfung möglich machen. Die gab es in China bislang nämlich nicht. Es ist darüber hinaus aber vor allem als Instrument der Erziehung der Bürger zu rechtstreuen Mitgliedern im Sinne gesellschaftlicher Harmonie gedacht und sieht allerlei Vorteile und Vergünstigungen vor, wenn man sich an die Regeln hält, nicht beschummelt und betrügt, dem Staat keine Steuern schuldig bleibt und sich im Sinne des Sozialismus chinesischer Prägung als guter Bürger verhält.

In der Coronavirus-Krise nutzt die Regierung Chinas z.B. „Scoring-Systeme, um Bewohner zur Einhaltung von Quarantänevorschriften zu motivieren und Verstöße zu sanktionieren. So verteilt die Provinz Zhucheng (Shandong) sogenannte Shunde-Punkte. Für freiwillige Hilfe und das Befolgen der Isolationsmaßnahmen erhalten Bewohner zwischen 3 und 100 Punkten. Minuspunkte bekommt, wer gegen die Maßnahmen verstößt oder falsche Informationen über Netzwerke wie WeChat verbreitet. Die Shunde-Punkte fließen allerdings nicht in den staatlichen SCS-Score ein und sollen laut der Politik- und Wirtschaftsanalysten von Trivium China nicht in der landes­weiten NCISP-Datenbank gespeichert werden.“

Jedenfalls scheint eine Kritik an China ziemlich scheinheilig, wenn man selber mit dem Kreditscoring der bankmäßigen Bonitätsprüfung ein durchschlagendes Instrument sozialer Kontrolle hat, mit dem die Bürger in „anständig“ und „unzuverlässig“ oder „schlimmer Finger“ eingeteilt und Kraft der allmächtigen Herrschaft des Geldes effektiv von entschiedenen Bedingungen der sozialen Teilnahme ausgeschlossen werden.

Soweit mein Sinnieren; die Frau allerdings ist entschlossen, die Sache von der positiven Seite zu sehen. Ihre Verspätung hatte einzig den Grund, dass sie im Gefühl der neu erschlossenen Geldquelle erstmal die lokale „Schöner-Schnickschnack“-Händlerin aufsuchte, um dort diversen schönen Schnickschnack einzukaufen. Auch ein Besuch bei der Boutique vor der Haustüre verzögerte ihre Ankunft um einiges; dort nämlich sprang bereits seit geraumer Zeit ihr ein Kleidungsstück ins Auge, noch dessen Preis sie sich, mit dem Wissen um Frischgeldquellen im Hinterkopf, unbedingt erkundigen musste. Zum Glück konnte sie sich an dieser Stelle beherrschen, denn der Preis des besagten Kleidungsstückes belief sich in etwa auf den des Flux-Kompensators, der im Motor des Autos ersetzt werden musste.

Kurzum, die Gattin ist bester Dinge, und auf dem gemeinsamen abendlichen Gang mit dem Hund seufzt sie so erleichtert wie zufrieden: „Es ist doch auch schön, einfach mal Geld ausgeben zu können!“ Wer könnte das nicht nachvollziehen! Dumm nur, dass die Weisheit, die ich vor Jahren auf der Geldschale am Tresen eines Weimarer Einzelhändlers las, so unbestreitbar wahr ist: „Das meiste Geld gibt man beim Bezahlen aus!“

Zum chinesische SCS gibt es zwei lesenswerte Artikel:

1)https://www.heise.de/ct/artikel/Social-Scoring-in-China-4713878.html

2)https://www.heise.de/tp/features/Das-chinesische-Sozialkredit-

DDR 1989: ”Wir waren freie Menschen” – Antwort auf einen freiheitlichen Untertanen

“Der 9. November 1989 – Die S-Bahn läuft zur Höchstform auf.und wir waren freie menschen,keiner brauchte mehr seine schnauzehalten,bis heute vermisse ich die DDR nicht.” schreibt ein leicht legasthenischer und entschieden missionarischer BRD-Neubürger auf Facebook (in der Gruppe “DDR Erinnerungen & Ostalgie”).

Logisch, dass das eine Antwort verdient hat. Nicht für den Troll der bürgerlichen Herrschaft, aber für die Mitlesenden:


„Wir waren freie Menschen“ – der war echt gut.

Ja, eure Freiheit hat es in sich:

– die Freiheit, einem Kapitalisten zu dienen, damit sich dessen Reichtum vermehrt

– die Freiheit, arbeitslos zu werden, wenn eure Dienste am Reichtum anderer nicht mehr gefragt sind

– die Freiheit, die Wohnung zu verlieren, wenn ihr die Miete (das leistungslose Einkommen des Eigentümers) nicht mehr aufbringen könnt

– die Freiheit, euren Dienst am Reichtum der Besitzer der Produktionsmittel unter immer stärkerem Arbeitsdruck für immer weniger Reallohn verrichten zu dürfen

– die Freiheit, euch in den Schaufenster der Reisebüros die Reisen vorstellen zu können, die ihr euch nicht leisten könnt

– die Freiheit, eure freie Meinung ganz frei aus 1000 verschieden Medien, die 2 oder 3 Oligarchenfamilien gehören, zu bilden

– die Freiheit, im freien Konkurrenzkampf jeden Scheissjob annehmen und für Niedriglohn bis zur Armutsrente arbeiten zu dürfen

– die Freiheit, sich mit dem neuen Großdeutschland und seinen imperialistischen Weltordnungsambitionen zu identifizieren

– die Freiheit, sich auf all diese Untertanenfreiheiten per BILD und TAGESSCHAU auch noch was einzubilden

– usw.

Ja, herzlichen Glückwunsch zu dieser wunderbaren Freiheit, werte Freunde von Bananen, Westautos und Fassadenfarbe.

Ihr habt’s nicht anders verdient.“

Geschichten die das Leben schrieb: der Ekel und der Rotwein

Die Frau studiert mal wieder den Immobilienmarkt in der Umgebung. Von ihrer Ecke im Sofa erschallt es: „Boah, in Niederkassel sind die Wohnungen inzwischen genauso teuer wie hier! Die nehmen da für eine Ein-Zimmer-Wohnung 800 Euro – das ist ja ekelhaft!“

Niederkassel schließt sich auf der linksrheinischen Halbinsel der Landeshauptstadt direkt an den mondänen Altbau-Schickimicki-Stadtteil Oberkassel an, in dem zu wohnen wir das fragwürdige Privileg haben. Allerdings zu Mietpreisen, die eine permanente Ausschau nach günstigeren Unterkunftsmöglichkeiten nahelegen.

Erfreut und ermuntert durch die ungewohnt (ungewollt?) kapitalismuskritische Feststellung der Liebsten antworte ich: „Nicht nur die Mietpreise! Dieser ganze Kapitalismus ist ekelhaft. Je älter ich werde, je klarer die Dinge vor meinen Augen liegen, umso mehr könnte ich…“

An dieser Stelle unterbricht mich die Gattin und ergänzt meinen angefangenen Satz:

„… Rotwein trinken!!“

Ich beende meinen begonnenen Monolog über die essentielle Widerwärtigkeit des Ausbeutersystems und erkenne an, dass auch dieser Schluss eine angemessene Konsequenz aus der täglichen Erfahrung des „Exils auf der Welt“ ist, die mich als immer ausgeprägter werdendes Grundgefühl beim Zurechtkommen im Kapitalismus begleitet.

Grusel für aufgeklärte Demokraten: SCHLIMM beim Chinesen!

Je mehr China zur Bedrohung für die westliche Vorherrschaft wird, umso mehr häufen sich die propagandistischen Versuche, die Volksrepublik mit der bewährten Menschenrechts- und Freiheitsverlogenheit des Imperialismus anzupissen.

Jetzt hat das Reich von Demokratie und Marktwirtschaft, also der vereinte wertewestliche Freiheitsstall, in dem gerne mal Journalisten verfolgt werden, die Polizeigewalt dokumentieren (Frankreich) oder in dem Reporter bestraft werden und die Ausrüstung beschlagnahmt kriegen, wenn sie von Demos berichten (Spanien), entdeckt, dass der neue Hauptfeind im Prinzip noch schlimmer ist als der Russe, bei es dem bekanntermaßen pressefreiheitsmäßig auch schon zappenduster aussieht.

Der Chinese: noch übler!

Der Beweis: die ausländischen Journalisten dort!!

Die wurden nämlich in Form eines australischen Reporters solange vor der Ausreise festgehalten, bis sie zu einer Person befragt werden konnten, die gegen chinesische Gesetze verstoßen hat. Eine Praxis, die im wertewestlichen Paradies niemals passieren könnte und die die diktatorische Gemeinheit des Chinamannes beweist.

Ohne dass es extra erwähnt werden muss, entnimmt der kundige Freiheitsuntertan dem Subtext solcher Meldungen auch so die Botschaft, dass all das natürlich seine Ursache in der kommunistischen Verfasstheit dieses leider fürs Geschäftemachen benötigten aber im Grunde untragbaren Staatswesen hat.

Der aufgeklärte Demokrat gruselt sich ein bisschen und ist mal wieder froh, in einem Land leben zu dürfen, dessen leuchtende Freiheitsidylle den Endzustand menschlicher gesellschaftlicher Entwicklung darstellt.

Ein Moment der Ehrlichkeit in der Hamburger Fachpublikation für Kapitalismuskunde – wie immer, wenn es um die conditio sine qua non des alternativlosen Endzustandes der menschlichen Entwicklung geht

Das wahre Drama der derzeitigen pandemiebedingten Schulschließungen, des Homeschoolings und dessen Auswirkungen auf Familien und Schüler sind nicht soziale und psychologische Folgen für die Kinder und Jugendlichen – Millionen müssen in unzumutbar beengten häuslichen Verhältnissen zuhause den Schulstoff bewältigen, Hunderttausende aus den ärmeren Teilen der Bevölkerung können sich die Technik für Homeschooling nicht leisten; laut einer Studie zeigen bereits ein Drittel der BRD-Schüler Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen durch die staatlicherseits erzwungene Dauer-Ausnahmesituation.

Nein, das wahre Drama sind natürlich die fehlenden Einkommen, die als Resultat des Bildungs-Lockdowns so zwangsläufig folgen werden wie der Blitz dem Donner, wie für den „Spiegel“ und jeden aufgeklärten Freiheits-Insassen feststeht.

Treffender kann man die Funktion des staatlichen Bildungswesens im Kapitalismus nicht auf den Punkt bringen: Schule und Bildung als Selektionsrampe für die Verteilung der Verdienstmöglichkeiten in der Klassengesellschaft.

Wer da nicht mithalten kann – und das werden aufgrund des Corona-Lockdowns und der Schulschliessungen anscheinend einige sein – wird schon in jungen Jahren auf den Haufen „nicht tauglich für die Leistungsgesellschaft und ihren Konkurrenzkampf“ absortiert bzw. kommt dann eben nur für die mies bezahlten Jobs in Frage.

Von letzteren gibt es zwar reichlich, aber bei weitem nicht genug für die Massen von Lohnarbeit suchenden Leuten, die irgendwie einen Lebensunterhalt benötigen. Den wiederum gibt es im Reich der Freiheit bekanntermaßen erstens nur GEGEN andere und (wenn man das Pech hat, zu dem Millionenheer der für die Kapitalvermehrung nicht benötigten menschlichen Kostenfaktoren zu gehören) zweitens nur unter entwürdigender „zum Leben zu wenig/zum Sterben zu viel“ staatlicher Vollkontrolle.

Die ökologisch-vegan-genderbewusste Mittelschicht, die hierzulande die Entscheidungsträger der politischen Kaste bildet oder zumindest wählt, hat mit dem Lockdown eher kein Problem, da sich ihr Nachwuchs in der Regel einer soliden Ausstattung mit den technologischen Mitteln für Remote Schooling, Home Office (samt den zugehörigen Kenntnissen, Internetverbindungen etc.) erfreuen kann, und im Zweifel Mami oder Papi zuhause ist und bei den schulischen Anforderungen Unterstützung geben kann.

Ein weiterer Aspekt des Lebens in der besten aller Welten, die sachkundige Qualitätsmedien in der Kategorie „Leider unvermeidlich“ abbuchen.

Der völkische Beobachter von der Elbe schaut in den SPIEGEL

Erwischt!

Der völkische Beobachter von der Elbe schaut in den SPIEGEL und entdeckt bei der Konkurrenz von „RT Deutsch“ gar Furchtbares: der Feindsender will unsere Demokratie destabilisieren!!

Genaueres muss man eigentlich gar nicht mehr wissen, denn ohnehin ist klar: was vom Iwan kommt, ist sowieso und per definitionem PROPAGANDA, und während unsere „Deutsche Welle“, unser DLF oder unsere staatlichen Wahrheitsfernsehkanäle ARD, ZDF usw. selbstverständlich nichts als Fakten liefern, liegt doch wohl auf der Hand, dass hinter einem RUSSISCHEN Sender nur „Putin“, also der Feind, stecken kann.

Und wie mit dem umzugehen ist, weiß man an der deutschen Medienfront schon seit 80 Jahren. Unsere Demokratie verbietet zwar leider die bewährten Methoden von damals, als das Hören von Feindsendern noch mit Zuchthaus bestraft wurde, aber die Aufklärung über die perfiden Methoden dieser Russenlümmel lässt sich das Hamburger Fachblatt für Ostkunde nicht entgehen:

Das wahre Virus: der Kommunismus!

Der tolle Super-Impfstoff unserer tollen deutschen Firma Biontech (in diesem Fall sind die türkisch-stämmigen Inhaber mal voll in die Volksgemeinschaft eingemeindet) steht zurecht in der Hitparade der Vakzine an erster Stelle. Der Beliebtheitstrend zeigt steil nach oben, weiß das Polling- und Marketingmagazin aus Hamburg!

Gleichzeitig muss man aber auch etwas kritisch sein, denn das an sich makellose Unternehmen wollte im Verbund mit dem US-Pharmagiganten Pfizer deutlich oberhalb des letztlich vereinbarten Preises absahnen. Das ist natürlich im Reich der Freiheit nicht nur zulässig, sondern sozusagen geboten: schließlich muß unternehmerische Initiative dieser Güteklasse, von der eine ganze Nation zu profitieren gedenkt, anständig vergütet werden.

Diesmal allerdings haftet dem Ganzen ein Geschmäckle an, weil es sich um Schutz und Gesundheit des Volkskörpers handelt, der zur Realisierung der erwarteten Kapitalvermehrung am Standort BRD-EU ja noch gebraucht wird. Da ist wohl ein bisschen mehr patriotische Rücksichtnahme zu erwarten von ansonsten vorschriftsmäßig unternehmerisch denkenden Geschäftsleuten.

Immerhin hat es die Aussicht auf staatlich garantierte millionenfache Abnahmemengen den Pharmamanagern leicht gemacht, einem Preis pro Impfdosis von lachhaften 16 Euro zuzustimmen, womit bei der marktwirtschaftlichen Einordnung des Geschäfts wieder alles zum Besten steht und Freiheit und Rechtsstaat triumphieren.

Schon deswegen belohnt das heimische Publikum die innovativen Pioniere und Helden der Coronabekämpfung völlig zu recht mit dem Spitzenplatz in der Beliebtheitsskala!

Dagegen der Chinese mal wieder! Da hat er nun echte Kapitalisten zugelassen in seinem Reich der Mitte, heimst Erfolg auf Erfolg auf jedem entscheidenden technologischen Gebiet ein, holt hunderte Millionen Leute aus der Armut und kriegt‘s wieder nicht hin, einen anständigen freiheitlichen Laden auf die Beine zu stellen: will er doch seine Vakzine den Hungerleiden und chronischen Pleitestaaten im globalen Süden einfach zu Sonderkonditionen überlassen oder gleich für lau:

(https://www.jungewelt.de/artikel/392139.impfstoffverteilung-klauen-und-stechen.html)!

DAS ist nämlich das wahre Virus: der Kommunismus! Und der ist dem Chinamann einfach nicht auszutreiben, weshalb jedem freiheitsdurstigen EU- und BRD-Bürger einleuchten muss, dass wir ausschließlich aus Sorge um die Menschenrechte der Gelben Gefahr – die in Wahrneit eine rote ist! – am besten direkt vor Ort begegnen müssen und jedenfalls schon mal (bei allen guten Geschäften, die wir mit diesen gerissenen Schlitzaugen machen und weiterhin machen wollen) den kommenden Krieg gegen diese Feinde unserer Werte vorbereiten müssen.

Geschichten aus dem Pflegeheim: personeller Notstand nach zweiter Impfung

Sieben Kollegen haben sich nach der zweiten Impfung krankgemeldet. Der ohnehin spärlich besetzte Wochenenddienst ist jetzt noch ausgedünnter. Als Konsequenz müssen mehrere Kollegen in „Teildienste“ – um 10:00 oder 10:30 nach Hause und um 16:00 für die Spätschicht wiederkommen.

Extra bezahlt wird das nicht, wer weiter weg wohnt hat die Arschkarte. Die Kollegen dann gleich die ganze Zeit im Haus zu lassen, was arbeitsaufkommensmässig angebracht wäre, wird aus finanziellen und arbeitsrechtlichen Gründen nicht gemacht.

So werden 24 Bewohner von einer einzigen PFK (Pflegefachkraft), zwei Pflegehilfskräften und mir als Vertreter des Sozialen Dienstes versorgt – die Betreuung der Leute ist aber heute sowieso nicht drin: da auch keine Hauswirtschaftskräfte da sind, muß ich meine Zeit hauptsächlich in der Küche und beim Vorbereiten und Servieren der Mahlzeiten verbringen.

Trotzdem nehme ich mir die Zeit, um eine halbe Stunde mit einer depressiven Dame zu verbringen, die von der Pflege dazu verdonnert ist, die Zeit zwischen den Mahlzeiten in ihrem Rollstuhl oder ihrem Sessel zu sitzen (statt, wie sie es lieber täte, auf dem Bett liegend).

Sie leidet unter ihrem fortschreitenden körperlichen Verfall durch ihre Parkinson-Krankheit und gilt als „schwieriger Fall“, weil sie die Pflegekräfte gelegentlich mit „herausforderndem Verhalten“ nervt.

Nicht ganz zu unrecht fühlt sich die Frau „bestraft“ und wie ein unmündiges Kind behandelt. Die Pflege hat allerdings ein gutes Argument für die Maßnahme: Dekubitusgefahr! Längeres Liegen kann tatsächlich die berüchtigten Wundliegegeschwüre verursachen.

Jedenfalls gilt es hier abzuwägen zwischen den Wünschen der Bewohnerin (die immerhin 4000 Euro pro Monat für den Platz im Pflegeheim zahlt) und den medizinischen und psychologischen Erfordernissen (depressive Menschen können durch Rückzug und „sich verkriechen“ noch tiefer in die Depression hineingeraten).

Ich thematisiere das Dilemma bei den Kollegen der Pflege und wir einigen uns auf einen Kompromiss: die Bewohnerin wird vormittags mobilisiert (der Ausdruck dafür, dass sie angezogen und in den Rollstuhl gesetzt wird), aber auf Wunsch zurück ins Bett gebracht, sofern sie Betreuungsangebote durch den Sozialen Dienst ablehnt.

Damit habe ich mir bzw dem Sozialen Dienst die Verpflichtung auferlegt, speziell dieser Bewohnerin eine Extra-Einzelbetreuung zu widmen, was aber erstens ohnehin zum Aufgabenbereich gehört und zweitens der Situation der Frau gerechter wird als wenn sie zwangsweise zum Aufrechtsitzen verurteilt wird, ohne dass ihr entsprechende Angebote gemacht werden, wie sie ihren Vormittag gestalten kann.

An diesem Wochenende, mit der Notbesetzung und der Arbeitsüberlastung an allen Ecken und Enden, keine einfache Angelegenheit. Für die Bewohner – außer der besagten Dame – bleibt ein bißchen Abwechslung durch alte Schlager und ein paar kurze Gespräche zwischen Tür und Angel, die ich in die wenigen Atempausen des Küchendienstes einbaue.

Zum Glück merke ich selber nichts von irgendwelchen Auswirkungen der zweiten Impfung. Wie ein guter Freund bemerkte: „Du hast den Gott der Narren auf deiner Seite!“

Auch die Bewohner melden außer ein bisschen Muskelkater nichts. Gleichzeitig verbreiten sich schon hoffnungsvolle Gerüchte im Haus, dass „ab Montag alles wieder normal“ liefe. Diesen Zahn muss ich ihnen leider ziehen, denn von so einer Maßnahme hätte ich sicher gehört.

Fazit des Arbeitstages: der Notstand in den Pflegeheimen kann immer noch durch kurzfristige Personalausfälle getoppt werden, und die zweite Impfrunde war wohl für einige kein Sonntagsspaziergang.