Mir fiel die Ähnlichkeit auf, die die Leugnungsanstrengungen der Guru-Jünger mit denjenigen der wertewestlichen „Freiheitundmarktwirtschaft ist der Gott“-Sektenmitglieder haben

In einigen threads, denen ich folge, tobt eine Debatte unter Sektenanhängern über die Verfehlungen ihres Gurus auf sexuellem Gebiet. Die Szene der Osho-Sannysins ist da nicht anders als andere Kulte und Religionsgemeinschaften, denen in letzter Zeit sexueller Missbrauch des Anführers (und als strukturelles Problem) nach allen Regeln der Kunst um die Ohren fliegt.

Mir fiel die Ähnlichkeit auf, die die Leugnungsanstrengungen der Guru-Jünger mit denjenigen der wertewestlichen „Freiheitundmarktwirtschaft ist der Gott“-Sektenmitglieder haben:

These:

Die Rationalisierungen und Rechtfertigungen für das missbräuchliche sexuelle Verhalten religiöser Führer und Gurus ähneln in ihrer Verdrängungsleistung und Realitätsflucht den Rationalisierungen und Rechtfertigungen für die Komplizenschaft mit der Herrschaft, die der neoliberale, oligarchische Kapitalismus über die westlichen Gesellschaften ausübt.

So wie jeder Missbrauch, jedes Vergehen des Gurus mit spirituellen Konzepten von Hingabe und Erleuchtung weg erklärt wird, werden die Verbrechen und Kriege der NATO, die Ausbeutung und Faschisierung im kollektiven Westen weg erklärt mit den Katechismen von Freiheit, Demokratie und „westlichen Werten“.

Es ist derselbe Mindset, der in seinem insularen Weltbild sich selber auf der Seite des spirituellen bzw. aufgeklärt-demokratischen GUTEN wähnt und jedem Zweifel, jeder Kritik, jedem Hinweis auf gegenteilige Fakten mit dem rituellen Gegenvorwurf begegnet, der Kritiker sei einfach nicht in der Lage, die singuläre Einzigartig und Größe des Gurus zu begreifen bzw. kapiert nicht, dass nur Freiheitundmarktwirtschaft die natürliche und – wegen der menschlichen Natur! – einzig menschengerechte Art der gesellschaftlichen Reproduktion wäre (und dass jeder, der dies bestreitet, nur ein Agent, bestenfalls ein nützlicher Idiot, des Feindes sein kann).

In beiden Fällen kann der Verstand nicht über den eigenen Mechanismus hinaus, der eine fast automatische Identifikation mit dem als für sich selbst positiv oder vorteilhaft erfahrenen Individuum, der Gruppe oder dem Gesellschaftssystem erzeugt. Im Falle der Guru-Gefolgschaft (und jeder religiösen Obsession) hängt die Identifikation mit einer Lebensweise, einer spirituellen Ausrichtung und deren Fokuspunkt – dem Guru oder einem religiösen Führer (Prophet, Messias, Heiliger) – von der Verteidigung und Rechtfertigung des Anführers ab. Möglicherweise kommt verstärkend (für den Klebstoff, mit dem die Identifikation im Verstand anhaftet) hinzu, dass im Falle des Gurus diese Ausrichtung meistens selbstgewählt und nicht „per Geburt“ in eine organisierte Religion bestimmt ist.

Im Falle der Identifikation mit den westlichen Konzepten von Liberalität, Vielfalt, Toleranz, Demokratie, Diskurs- und Meinungsfreiheit, zivilgesellschaftlichen Rechten und sozialen Ausdrucksformen (die allesamt im Zuge der Feudalisierung und Faschisierung des kollektiven Westens im Krieg gegen Russland ad absurdum geführt worden sind und mittlerweile eher in den bekämpften Feindstaaten Russland und China zuhause sind als in ihren Bannerträger-Staaten des NATO-Blocks) hängt von dieser Identifikation in der Regel gleich die ganze gesellschaftliche und finanzielle Lebensgrundlage ab.

Das ist jedenfalls das, was ich im Freunde- und Bekanntenkreis, in der Familie und am Arbeitsplatz beobachte. Es ist schwer, fast unmöglich, das Ausmaß der Lügen, die universelle Dimension des Betrugs, die bizarre Ungeheuerlichkeit mit der das GEGENTEIL der Wahrheit als Realität ausgegeben wird, an sich heranzulassen. Das gilt für beide Bereiche, den spirituellen und die Guru-Verehrung, und den politisch-sozialen mit der analog inbrünstigen Verehrung einer politökonomischen und kulturellen Ordnung, die sehr wenige sehr reich macht und der übergroßen Mehrheit Schaden und immer mehr Schaden zufügt.

Ein Pflästerchen von der Obrigkeit

Die huldvoll-gnädige Obrigkeit hat ihren Untertanen ein Pflästerchen spendiert (ein Sarg wäre passender) gegen den finanziellen Todesstoß, den der Säbel der Preiserhöhungen (vor allem für Energie) jedem einzelnen versetzt, der von Lohnarbeit leben muss.

Es wird erwartet, dass die Untertanen dankbar sind, jedenfalls aber Ruhe geben, und sich ein bisschen zanken, ob das nun zu wenig, genug oder gerecht verteilt ist. Einmalig 300 Euro gegen Preissteigerungen, die jeden Monat schon mehr als diesen Betrag ausmachen – und dieses Almosen wird noch besteuert.

Auf meiner Lohnabrechnung heute kamen knapp 200 Euro davon an. Dafür informieren uns Regierung und Medien tagtäglich, dass Opfer zu bringen sind im Krieg gegen Russland. Die Bürger, in ihrer Mehrheit, schlucken das noch.

Die Verarmung und Deindustrialisierung des ganzen Landes, der hysterische Fanatismus, mit dem Russland “ruiniert” werden soll (und die Besessenheit, mit der an diesem Ziel festgehalten wird, obwohl die Sanktionskrieger sich selber ruinieren statt ihren Feind) – all das nimmt die Volksgemeinschaft leise murrend hin.

Warum? Weil sie mehrheitlich noch genau den Kapitalismus, der ihr jetzt unmissverständlich klar macht, dass sie nur Verfügungsmasse der Staatsziele ist, für ihr einziges Überlebensmittel hält. Und das ist er ja auch.

Bis die Leute es satt haben, (nicht nur) für den Krieg ihrer Herrschaft zu hungern, zu frieren und sich das Leben nicht mehr leisten zu können. Dann könnte der Zeitpunkt kommen, an dem die Lohnarbeiter sich den Kapitalismus nicht mehr leisten wollen.

Was Deutschland betrifft, ergreift an dieser Stelle regelmäßig Pessimismus, Frustration und Hoffnungslosigkeit die Gemüter der wenigen, die sich etwas anderes als Kapitalismus vorstellen können, um die gesellschaftzliche Reproduktion zu organisieren. Das ist nicht klug. Es ist unangebracht, die persönlichen Stimmungslagen zum Kriterium des Handelns zu machen.

Machen wir aus Hoffnungslosigkeit eine Kampfposition. Arbeiten wir dafür, dass sich die Einsicht durchsetzt, dass Kapitalismus als Kind schon scheiße war. Egal wie hoffnungslos es mitunter aussieht, wenn wir uns die lieben Mitmenschen anschauen.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Einrichtungsstillstand wegen Tod einer Königin

Heute im Pflegeheim: sinnlos, irgendwelche Angebote auf den Plan zu setzen, da so gut wie alle Bewohner gebannt den pompösen Trauerzug für eine alte Dame verfolgen, die sich erfolgreich und diszipliniert zur perfekten Charaktermaske des britischen Kolonialismus und Imperialismus umgemodelt hat.

Hinter dem Sarg trotten die nächsten Familienmitglieder der verstorbenen Monarchin her, eine gruselige Assemblage von degenerierten Zombies, unter ihnen ein Sexualstraftäter, dessen besonders widerwärtige Missbrauchsvergehen im Gefolge des US-Milliardärs Jeffrey Epstein ihn nicht in Knast und Sicherheitsverwahrung brachten, sondern dank seines Namens und einer beträchtlichen Geldzahlung aus der Reichweite der Justiz.

All das wissen meine betagten Schützlinge nicht (und würden es auch nicht wissen wollen bzw., sofern sie zum dementen Teil der Bewohnerschaft gehören, auch nicht können).

Sie erfreuen sich an der schön choreografierten Show uniformierter und kostümierter Figuren, an dem Sarg mit der Krone oben drauf, an dem auf umfassende Beeindruckung des kollektiven Unterbewusstseins gerichteten Zinnober.

Meine Frage, warum die neue Queen ein Mann ist, sorgt bei einigen für einen kurzen Moment des Stutzens, wird aber nicht beantwortet. Schließlich hat man sich schon daran gewöhnt, dass auch die neue Bundeskanzlerin ein Mann ist.

Alles in allem ein einfacher Arbeitstag, der als Hauptaufgabe für Pflege und Betreuung die Aufgabe bereithielt, die Leute vor die TV-Geräte und wieder zurück zu befördern.

Der „Putin“- ein Dämon geht um. Hinweise zum Erhalt des Seelenheils.

Ein Gespenst geht um in Europa, vor dem alle alten Mächte erzittern, aber diesmal ist es nicht der Kommunismus, keine Idee, keine Ideologie, keine politische Theorie – sondern eine einzelne Person, die zufällig auch noch Präsident eines großen Landes ist.

Des größten Landes der Welt, um genau zu sein.

Vielleicht ist dieser einzelne Mann deswegen – wegen der schieren Größe seines Landes, das eben auch einen komplementär großen Superschurken hervorbringt – ein solcher Tausendsassa, dass er scheinbar überall gleichzeitig sein kann und dort (also überall) jede Schandtat begeht, jede Bosheit ausübt und jedes Verbrechen verübt, dessen Menschen überhaupt fähig sind.

Das Erzittern erfasst übrigens vor allem, wenn nicht ausschließlich, die Bürger der paar Länder, die in NATO, EU und USA organisiert sind und ca. 15% der Weltbevölkerung ausmachen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass vielleicht nicht jeder einzelne Bürger vor dem „Putin“ genannten personifizierten Bösen erzittert, sind ca 1 Milliarde erzitternder Erdenbürger eine stattliche Anzahl.

Dieser „Putin“ also, dem Vernehmen nach Präsident einer „Russischen Föderation“, ist schlichtweg für ALLES verantwortlich, was auf dieser ansonsten vorbildlich demokratisch geordneten Welt schief läuft. Und zwar direkt, persönlich, unmittelbar und individuell verantwortlich!

ER, und er allein, „greift die Ukraine an“, „führt einen verbrecherischen Angriffskrieg“, „fackelt das Gas ab, das für Deutschland bestimmt ist“, „plant die Wiederherstellung der Sowjetunion“, „verfolgt jede Opposition in Russland“, „dreht uns den Gashahn ab“, „setzt Energie (Getreide, Rohstoffe) als Waffe ein“ usw.

Auffällig in all den Medienmeldungen über diesen „Putin“ ist die ausschließliche Fokussierung auf ein einzelnes Individuum. Es scheint in Russland keine Regierung zu geben, keine Führung, kein Parlament, keine Wahlen, kein Entscheidungsgremien, im Grunde überhaupt nichts, was man aus der Welt der regelbasierten Ordnungen kennt. Dort, in jenem schrecklichen, viel zu großen, viel zu mächtigen Reich des „Putins“ regiert nur ein einziger, einzelner Mann von schier unglaublicher Machtfülle: der „Putin“!

Er, und nur er, sorgt für die Plagen, die das friedliche kollektive Westland dies- und jenseits des Atlantiks heimsuchen. Unsere Politiker, unsere Medien, unsere Bürger wissen genau Bescheid, dass dieser „Putin“ persönlich in unserer Ukraine und weltweit meuchelmordet und wie ein russischer Rambo jeden einzelnen der freiheitlichen Verteidiger des vorbildlichen Kiewer Staatswesens eliminiert. Und das nur, weil die Freiheitskämpfer, in ihrer naiven Freiheitsgläubigkeit, sich ein paar harmlose Hakenkreuze und SS-Symbole eintätowiert haben, deren Bedeutung der „Putin“ in seinem wahnhaften Vernichtungsdrang böswillig falsch interpretiert!

Deswegen ist es aus westlicher Perspektive völlig gerechtfertigt und dringend geboten, im Falle des derzeit tobenden Endkampfes Gut gegen Böse das Böse auch erstens so zu benennen und zweitens zu personifizieren. Nämlich im „Putin“, der Chiffre für das schlechthin Diabolische, Dämonische, ganz und gar Entmenschlichte, eben unfassbar BÖSE.

So kommt die gute europäische Tradition des Autodafé wieder zu ihrem angestammten Recht und wir können – nein, wir MÜSSEN! – inquirieren, inwieweit einzelne Mitbürger vielleicht schon vom „Putin“ infiziert und somit ihre Seelen verloren sind. Eine solche Inquisition ist schon deswegen erforderlich, weil ohne sie unser Zusammenhalt zerrüttet wird und unsere WERTE im Arsch sind.

Auch dafür sorgt nämlich der „Putin“: er zersetzt eigenhändig, mit seinen zahllosen Desinformationskanälen, das erfreulich friedliche und demokratische, nachgerade paradiesische Zusammenleben, dessen wir uns hier erfreuen. Und das beruht bekanntlich auf WERTEN. WELCHE Werte das sind, muß uns gar nicht so genau klar sein; es reicht, wenn wir wissen, dass sie natürlich ganz viel Demokratie und Freiheit, und neuerdings auch Diversität, beinhalten.

Die zeitgemäße Form der Bekreuzigung ist folglich zum einen die Dingfestmachung allen Übels dieser Welt an und in einer einzigen Person, dem „Putin“. Zum anderen gehört es sich für den rechtgläubigen Demokraten, bei Erwähnung des „Putins“ unbedingt die Beschwörungsformel „verbrecherischer, durch nichts gerechtfertigter Angriffskrieg!!“ aufzusagen. Am besten mehrfach. Dadurch werden die dämonischen Mächte gebannt, die ahnungslose Bürger durch heidnisches sogenanntes „Nachdenken“ zu ketzerischen Verstößen gegen das Gebot demokratischer Rechtgläubigkeit verleiten.

Grünes Kasperletheater für Erwachsene

Gestern sah ich einen Ausschnitt aus einer Talkshow, in der der deutsche „Wirtschaftsminister“ Habeck irgendetwas herum stammelte über Unternehmen, die nicht insolvent würden, sondern nur „ihre Produktion einstellen“ oder so ähnlich. Der Mann wirkte wie ein Schüler in einer Prüfung, der wirklich nichts vom Thema wusste und sich mit ein paar Phrasen und Plattitüden aus der Sache rauswinden wollte. Dann faselte er noch irgendwas von Bäckern und Bioläden, die vielleicht mal eine Zeitlang schließen müssten, was aber irgendwie auch keine Insolvenz bedeuten würde etc. Selbst die regimetreue und ansonsten auf ihr Aussehen bedachte Frau Maischberger, die den grünen Kasper interviewte, war einigermaßen fassungslos über diese öffentlich zur Schau gestellte infantile Inkompetenz des „Wirtschaftsministers“ und sah sich zu einigen Nachfragen veranlasst.

Long story short: diese verbale politische Bankrotterklärung einer „Wirtschaftsministers“ einer Industrienation (auch noch der bisher größten in Europa) hatten die Verfasser des Artikels noch gar nicht auf dem Schorm, als sie den Beitrag über die ebenfalls so ahnungslose wie geschwätzige 2Außenministerin“ schrieben. Die Aussagen des Textes treffen aber auf beide der grünen Idioten zu, die unglücklicherweise in hohen politischen Ämtern sitzen, statt Kindergärtner oder Kartenabreißer im Autokino zu sein:

„Das ist die Darbietung Grüner Dilettanten, deren Russenhass sie längst auch persönlich disqualifiziert: Baerbock (und gleich nach ihr Habeck) sind Versager, denen man zumindest Untreue, Amtsmissbrauch und letztlich Friedens- und Landesverrat vorwerfen kann. Und die trotzdem nicht im Traum daran denken, sich endlich vom Acker zu machen. Hinter Baerbocks öffentlicher Warnung vor Volksaufständen [34] steckt keine Spur von Bewusstsein ihrer Inkompetenz.

Es ficht sie nicht an, dass viele ihrer Mitbürger in objektiv begründeten Existenzängsten leben und sich an den schon leeren Tafeln immer noch lange Warteschlangen bilden. Ihr und ihren Grünen Ministerkollegen geht es ja prächtig, sie sind dicke versorgt, ihr Alltag bleibt von den Folgen ihrer Politik weitestgehend unberührt. Der Elitenforscher Michael Hartmann bündig:

„Die Eliten sind in ihrer großen Mehrheit inzwischen so weit von der breiten Bevölkerung entfernt, dass sie zunehmend Schwierigkeiten haben, deren Probleme zu erkennen und die Folgen ihrer Entscheidungen für die Bevölkerung zu verstehen.““

https://www.freidenker.org/?p=14152

Geschichten die das Leben schrieb: Vollschock zum Urlaubsende

Nach einer gut sechsstündigen Fahrt über relativ volle Autobahnen – ich, als Profi-Kraftfahrer, bin wie immer der Fahrer vom Dienst – kommen wir am frühen Abend im heimischen (jedenfalls für meine Liebste, ein Düsseldorfer Blondchen par excellence) Oberkassel an.

Tatsächlich finde ich einen Parkplatz nur 20m von unserer Wohnung entfernt, wochenends eine Seltenheit in unserem dekadenten Trendviertel, in dem sich Sonntags abends um diese Zeit die örtliche, ergänzt um die rechtsrheinische, Wannabe-Szene trifft und ihr Besserverdieneneinkommen verprasst als gäb’s kein Morgen.

Ich mache mich ans Leeren des Autos vom Gepäck und schleppe nach und nach zwei schwere Koffer sowie diverse Beutel, Taschen und Einzelteile die drei Stockwerke zu unserer Dachwohnung hoch, während die Frau mit zwei Hundedecken und zwei Kissen die Treppe hochtänzelt. In der Wohnung beginnt sie mit Auspacken, Sachen verstauen, Vorräte sichten und allerlei häuslichen Tätigkeiten.

Während ich schweißgebadet die Treppen hoch und runter ächze, stelle ich mit jedem Gang, nach dem ich oben wieder ankomme, fest, dass die Gattin eine immer finsterere Miene zur Schau trägt. Über ihrem Kopf hängt eine unsichtbare Gewitterwolke von schwärzester Färbung.

Schließlich ist alles hochgeschafft und ich mache mich ebenfalls ans Auspacken und Wegräumen. Dabei kann man allerdings allerlei falsch machen, wie ich sofort erfahren muss, als ich ein Bekleidungsstück aus dem Koffer nehme und dabei die vorschriftsmäßige Faltung einer Unterhose oder Bluse durcheinander bringe. Von seitwärts zischt mich die Liebste an, ob ich nicht aufpassen könne und wieso ich ihr „alles durcheinander bringen“ würde. Scheinbar ist ihr eine Laus von der Größe einer jungen Katze über die Leber gelaufen.

Als nächstes vernehme ich aus Richtung Wäschekorb empörte Beschwerden über meine verantwortungslosen Haltung, zu oft zu wenig getragene Klamotten in den Waschzyklus zu geben: „Das hab ich doch vor zwei Tagen erst frisch aus der Wäsche geholt! Wieso musst du das schon wieder waschen? Du hast doch echt einen Knall mit deiner Wascherei..!“

Erstaunt bringe ich mich aus der Schusslinie, schon ahnend, dass ich für ihren Ärger nur der Blitzableiter, nicht aber die Ursache bin. Als weiser Mann, gestählt im Tosen der Partnerschaftsstürme und erfüllt von Mitgefühl für alle lebenden Wesen, weiß ich, dass sie früher oder später mit der Sprache rausrückt und mich über den Grund ihrer üblen Laune in Kenntnis setzt.

Ich setze mich in eine Ecke und schaue ihr beim Koffer auspacken zu. Nach einer Weile presst sie zwischen den Zähnen hervor: „Ich hätte mich nicht nicht wiegen dürfen!!“. Meine im Gegensatz zur krass übergewichtigen Mehrheit der Bevölkerung normalgewichtige bis schlanke Liebste nämlich hat sich im Urlaub, wo wir zum Entsetzen meiner körperfettbewußten Gattin auffällig viele krankhaft verfettete Mitmenschen beobachten konnten, vier Wochen lang der wahnhaften Obsession enthalten, ein paar mal am Tag auf die Waage zu steigen um etwaige zusätzliche oder fehlende Gramm Körpermasse zu kontrollieren (was jedoch einfach daran lag; dass es in der Ferienwohnung keine Waage gab). Zusätzlich aß sie einfach, worauf sie Hunger hatte und in den Mengen, die sie wollte – eine lasterhafte Freiheit, die sie sich sonst so gut wie nie erlaubt.

Jetzt gilt es, Contenance zu bewahren, das Lachen zu unterdrücken und am besten gar nichts zu sagen. Oder jedenfalls nur das Richtige, wozu ich sogleich die Gelegenheit erhalte: „Ich hab fast zwei Kilo zugenommen!! Seh ich dick aus?! Sei ehrlich!“. Ich weiß natürlich, was die – in diesem Fall wahrheitsgemäße – Antwort zu sein hat: „Auf keinen Fall, mein Schatz! Du siehst klasse aus, du hast gesunde Farbe und bist keinesfalls dick!“

Die Frau ist noch nicht überzeugt. „Ab morgen“, verkündet sie jetzt entschlossen, „ab morgen ist hier Schmalhans Küchenmeister! Jetzt wird abgenommen bis der Arzt kommt!!“. Ich schweige vorsichtshalber zu dieser Ankündigung. Ich ahne nämlich, was jetzt kommt. Und richtig, unmittelbar anschließend und quasi als Fazit der entschlossenen Maßnahmen, die ab morgen greifen werden, zeigt meine keinem guten Essen und keinem guten Tropfen abgeneigte Liebste, dass sie Dogmatismus und freudloser Selbstkasteiung abhold ist.

„Aber heute gönnen wir uns noch mal einen Manz, oder? Schließlich müssen wir ja die Rückkehr nach Hause feiern! Ich geh mal zur Bank und hol Geld, und besorg uns am Kiosk zwei Flaschen Grauburgunder!“

„That’s my girl!“, denke ich und freue mich schon auf das genauso konsequente Schmalhans-Regime, das „ab morgen“ in der Küche regiert.

Der Russe war’s. Immer.

Ich übersetze das jetzt mal aus dem Gehirnwasch-Politsprech ins Deutsche:

„Erste Analysen deuten auf gezielte Pro-russische Desinformationskampagne hin“ heißt im Klartext:

„Nach dem ersten Schreck über diesen weiteren Lapsus der unbedarften Außenminister-Azubine haben wir entschieden, schnellstmöglich Schadensbegrenzung durch unser gewohntes Framing für abweichende Meinungen zu betreiben:

Denunziation von Dissens und Widerspruch als Feindpropaganda und rotzfreche Leugnung der peinlich ehrlichen Aussagen unserer Sprechpuppe im Außenamt.“

Geschichten die das Leben schrieb: die politisierte Gattin, Part II

Ich sitze mit der Liebsten in der Küche der Ferienwohnung, draußen weht ein heftiger Wind von mindestens Windstärke 8, und wir hören uns bei einem Glas Rosé eine Weile das neueste Video Update von Alex Christophorou (The Duran) an.

Für meine apolitische Gattin das erste Mal; eigentlich hatte ich das Video aufgerufen und wollte schon auf Kopfhörer umstellen, als die Frau erschien – aber sie wollte heute mal selber reinhören. Wir hören eine Weile zu, erfahren die gruseligen Details einer „Fighting the Inner Enemy“-Rede, die der demente US-Präsident vor einer dystopischen Kulisse, die direkt aus einem Horror- oder Satanistenfilm entlehnt scheint, vom Teleprompter abliest: blutrot-schwarze Deko, Marines im Hintergrund, man ist an „Star Wars“ erinnert, wenn Emperor Palpatine die Klon-Armeen gegen die Rebellen einschwört.

Wie in Deutschland und der ganzen EU, wird auch in den USA angesichts des wirtschaftlichen, sozialen und intellektuell-kulturellen Niederganges des westlichen Imperiums verstärkt an der Gleichschaltung der öffentlichen Meinung und an einer Feindbildpflege gearbeitet, die faschistisch zu nennen übertrieben ist: jedwede Äußerung, die die offizielle Regierungsversion zur Ukraine, zum Sanktions- und Wirtschaftskrieg gegen Russland, zur Agenda der Globalisten und Neo-Konservativen anzweifelt, jeder Dissens vom Kriegskurs NATO-Machthaber, wird reflexhaft und kategorisch als „pro-Putin“, „russische Desinformation“, Verschwörungstheorie“, „Querdenker“, Rechts!“ und „Nazis!“ gedisst.

Weiterhin erfahren wir einiges über den hollywoodreifen Stunt des Kiewer Regimes, ein Kommandounternehmen von 70 Soldaten in Schlauchbooten über ein Wasserreservoir in die Nähe des AKW Saporoschja zu schicken, um dieses genau zum Zeitpunkt des Besuchs der IAEA-Inspektoren zu kapern. Dummerweise waren die russischen Bewacher des AKW wohl im Bilde und vernichteten die ukrainischen Desperados. Echo dieser wahnwitzigen Aktion in den westlichen Medien: nichts. Schweigen. Keinerlei Erwähnung.

Nach etwa 20 Minuten sagt meine Liebste: „Pause?“

Ich klicke auf das „Stop“-Icon und nippe am Weinglas. Die Grau stützt derweil den Kopf auf die Hände und verharrt eine ganze Weile im dieser Haltung. Dann bricht es aus ihr raus:

„Ich bin entsetzt. Ich bin fassungslos! Über die Regierung, über diese Gesellschaft, über diese Baerbock, diesen Habeck oder über diese Zuchtstute da in Brüssel, die uns das alles einbrocken.“

„Das wird so zusammenkrachen alles. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich nicht mehr jung bin. Als junger Mensch – da kann man doch eigentlich nur auswandern. Wenn ich dreißig wäre, würde ich auswandern. Nach Russland. Da ist man jung genug, da kann man auch Russisch lernen. Aber hier zu bleiben, in diesem Land, mit diesen Politiker und mit den ganzen Vollidioten, die das auch noch unterstützen, das geht doch eigentlich gar nicht.“

Da kann ich ihr nur zustimmen. Wäre ich 30 oder 40 Jahre jünger, wäre ein Neubeginn in Russland durchaus eine Option. Lieber noch China, aber Chinesisch zu lernen traue ich mir nicht zu, und Russisch kann ich wenigstens ein bißchen. Andrerseits könnte man ja auch in Deutschland dafür sorgen – oder sich wenigstens dafür einsetzen – dass die Verhältnisse, die immer nur zum Schaden der lohnarbeitenden Leute sind, sich ändern.

Die Frau jedenfalls hat die Faxen dicke und bemerkt abschließend:

„Ich hätte nie gedacht, dass ein System so korrupt sein kann.

Da kann man sich nur noch einen ansaufen. Mach mal den Rotwein auf.“