Päpste des Kapitalismus: die Sonne des gesellschaftlichen Reichtums dreht sich um den Planeten des Privateigentums

Egal wie beharrlich und gewalttätig sich die Betreiber und Profiteure der alten Ordnung an ihre Macht über die Gesellschaft, ihre Stellung, ihre Vermögen klammern;

Egal wie „modern“, grün, alternativ, spirituell oder ökologisch sie sich dabei gebärden:

Sie haben mit der Entwicklung der Produktivkräfte zum ersten Mal in der Geschichte der Spezies die Möglichkeit geschaffen, ein reiches Leben ohne Existenzsorgen für alle zu schaffen.

Und dieser Gedanke – einmal gedacht und formuliert – kann nicht mehr un-gedacht werden.

Je schonungsloser die kapitalistische Barbarei ihren Feldzug zur Bereicherung der Wenigen führt (und sie führt ihn gegen die arbeitende Klasse) desto offensichtlicher wird ihre Unfähigkeit, den produzierten Reichtum auch nur ansatzweise den Produzenten zurückzugeben.

Der Gedanke von Engels, Marx und anderen ist in der Welt. Er lässt sich nicht mehr un-denken, er lässt sich nicht mehr zurücknehmen.

Die Produzenten können sich den Reichtum zurückholen, den sie mit ihrer Arbeit erzeugen.

Und sie werden es, auch wenn es noch hundert oder tausend Jahre dauert.

Marx und Engels sind die Keplers und Galileos der Gesellschaftswissenschaft und der politischen Ökonomie:

Auch wenn die Päpste des Kapitalismus all ihre Macht einsetzen, den Leuten einzuhämmern, dass sich die Sonne des gesellschaftlichen Reichtums um den Planeten des Privateigentums dreht, kann keine Macht der Welt eine Idee revidieren, die auf den Tatsachen beruht.

Vor 30 Jahren wurde der Engelssche Gedanke vom Inquisitionsgericht des imperialistischen Papsttums zur Ketzerei erklärt und seitdem in jeder Fernsehsendung, jedem Schulbuch, jeder geschichtlichen Dokumentation als Teufelszeug gebrandmarkt – an den Tatsachen ändert sich jedoch nichts:

Der gesellschaftliche Reichtum entsteht durch die, die ihn durch ihre Arbeit erzeugen und nicht durch diejenigen, die sich die Produkte der Arbeit mittels der institutionalisierten Gewalt des Privateigentums als Kapital aneignen.

Weil das so ist, müssen die privaten Eigentümer für immer fürchten, dass der Gedanke, den Engels und Marx formuliert haben, zum Gedanken derjenigen wird, auf deren Arbeit ihr Reichtum (und damit ihre Macht) beruht.

Nur darum, aus dieser sehr realen Furcht heraus, fällt die Verurteilung und Verdammung jedes kommunistischen Gedankens so unbarmherzig und so erstaunlich fanatisch aus.

Und sie wird umso schärfer und umfassender, je offenbarer der Niedergang einer Gesellschaftsordnung wird, in der das Anwachsen des Reichtums nicht zu einer Verringerung der Armut sondern zu ihrer Vermehrung führt.

Für Freiheit, Demokratie und gegen den russischen Feind: Krieg liegt in der Luft

Meine übliche Reaktion – Sarkasmus, Ironie, Satire – auf die aberwitzige Verlogenheit, mit der die imperialistischen Weltordner in Washington und Berlin samt ihren aggressiven Kettenhunden in Kiew und anderswo den offensichtlich von ihnen gewünschten Waffengang ansteuern und vorbereiten (immer kongenial begleitet und so genießerisch wie russophob kommentiert von der bürgerlichen Hofschranzenpresse) fällt mir schwer angesichts des Momentums, das die Sache inzwischen entwickelt hat.

Eigentlich bin ich nur noch sprachlos gegenüber der berechnenden Chuzpe, mit der die Verhältnisse rund um die Ukraine von den westlichen Propagandamedien auf den Kopf gestellt werden, mit der aus dem Aggressor der Bedrohte und aus dem von allen Seiten und seit Jahren bedrängten, sanktionierten, mit Lügen und Frechheiten provozierten Russland der Schurke in diesem Spiel gemacht wird.

Die Westen will den Krieg. Seine ukrofaschistischen Subordinierten, die in dem Failed State zwischen Polen und Russland am Ruder sind, sowieso. Die Frage ist, ob die imperialistischen Herren bereits jetzt die Gelegenheit gekommen sehen, unter dem Vorwand „der Ukraine gegen Russland beizustehen“, ihren Krieg zu führen. Dass die Führungsmacht der Nordatlantischen Terror-Organisation davon absieht, ihre Kriegsschiffe in das Schwarze Meer zu schicken, nachdem die Russische Förderation mal kurz „die Instrumente gezeigt“ und eine deutliche Warnung ausgesprochen hat, läßt auf einen Kern von Restvernunft in den imperialistischen Zentralen hoffen.

Es gibt die alte Regel aller Propagandisten, dass eine Lüge erstens nur oft genug wiederholt werden und zweitens nur ungeheuerlich genug sein muss, damit sie sich im Bewusstsein der Massen festsetzen und schließlich geglaubt werden kann. Diesem Prinzip scheinen Biden, Merkel & Co zu folgen, wenn sie allen Ernstes von dem Land, dem sie miltäriach, propagandistisch und diplomatisch bis kurz unterhalb der bewaffneten Auseinandersetzung auf die Pelle rücken, einen „Rückzug der Truppen“ fordern – IN RUSSLAND!! Nicht irgendwo auf der Welt, wie es NATO, USA und EU in ihrem alltäglichen Gang von Geschäft und Gewalt praktizieren, sondern in Russland selbst! Würde umgekehrt Russland von den USA verlangen, seine Truppenbewegungen z.b. an der Grenze zu Mexiko oder Kanada sofort zu beenden, kann man sich die Kommentare westlicher Politiker und Presstituierten vorstellen.

Die imperialistischen Staaten unter Führung der USA haben sich – ähnlich wie mit ihren islamistischen Kopfabschneider-Hilfstruppen im arabischen Raum- mit den ukrofachistischen Nationalisten auf einen Handel eingelassen, den sie zwar zu steuern beabsichtigen, bei dem sie aber nicht sicher sein können, dass diese fanatisierten und hochaggressiven Gläubigen und Nationalisten nicht die Hand beißen werden, die sie füttert.

Die Meldung der NATO-Postille aus Hamburg jedenfalls hat es in sich in ihrer vorgeblich harmlos-neutralen, journalistischen Tarnung: „Putin läßt aufmarschieren“ ist angesichts des Aufmarsches der NATO-Kriegsübung „Defender 2021“ rings um Russland ein so starkes Stück professioneller Desinformation, dass sich Sender-Gleiwitz-Vergleiche geradezu aufdrängen.

„Was hat er vor?“ rätselt der „Spiegel“ heuchlerisch, und will die Antwort nicht wissen, die jeder in Russland (und jeder auf der Welt, wenn er‘s denn hören will) kennt: erstens Russlands Interessen verteidigen gegen das westliche Interesse, aus Russland eine abhängige, am besten aufgespaltene, Kolonie westlichen Kapitals zu machen, die nicht mehr als Störenfried westlicher Weltordnungspläne auffällig wird. Zweitens und vor allem aber niemals einen Angriff auf russisches Territorium zuzulassen. Die Krim IST russisches Territorium, egal was die NATO-Imperialisten und erst recht die Ukrofaschisten daherhalluzinieren.

Beide Kriegstreiber kennen hoffentlich die alte russische Weisheit: Russland BEGINNT keine Kriege, es BEENDET sie.

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Edit / 2 Stunden später:

Nachdem ich einen Beitrag im „Vineyard of the Saker“ gelesen habe, erscheint mir meine Einschätzung einer imperialistischen „Restvernunft“ als vielleicht zu optimistisch:

„Then there is this: the US has informed the Turkish authorities that they will not send two USN ships into the Black Sea. This is politically a good sign, but in military terms, this is what the US should be doing if they were preparing for war. Why? Because any USN ship in the Black Sea at the moment of the initiation of a conflict would be sunk withing minutes: not only do the Russians have formidable missiles – Bal and Bastion – they had SIX advanced diesel-electric submarines of the 636.3 class ready to “greet” them. Keep in mind that engaging submarines without air cover is another form of collective suicide.“

Politik modern: Es läuft auf „gefühlte Tatsachen“ hinaus

Die politische Szenerie des späten Kapitalismus, inklusive der PdL, suhlt sich in postmoderner Gefühligkeit.

Für diese ist alles nur noch eine Frage der „Haltung“ und der „Betroffenheit“.

In der BELIEBIGKEIT, nach der alles gleichermaßen gültig, also gleich-gültig, ist, werden sämtliche emanzipatorischen Anliegen und Ansätze, die eine Linke früher mal hatte (Antifaschismus, Verhinderung der kapitalistischen Naturzerstörung, Minderheitenrechte) in ihr Gegenteil verkehrt:

Abziehbilder berechnender Aktions- und Empörungskampagnen, deren Appelle an die „Gerechtigkeits-“ und sonstigen Gefühle bei urbanen Hipstern und der sich selbst irgendwie „fortschrittlich“ vorkommenden Mittelschichten ankommen, weil sie ihnen ihre moralische Konzepte bestätigen, ohne ihren Lebensstandard anzukratzen.

(Von der Verteidigung der Arbeiterklasse gegen ihre Ausbeuter und Peiniger ist gar nicht erst mehr die Rede.)

Aus Sicht der Politprofis (auch) der PdL gehört das Rumreiten auf Moral, Gefühl, Gerechtigkeit, Identität usw. zu der normalen Wählerbetörung, ohne die nichts zu wollen ist im Parlamentarismus.

Sie betrachten sich mit Haut und Haaren als dem bürgerlichen Staat zugehörig, den sie zwar verbessern, „gerechter machen“ usw. wollen, dessen Rahmenbedingungen sie aber nie anzutasten wagen.

Wenn selbst eine einigermaßen gradlinige Sozialdemokratin wie Wagenknecht jetzt von PdL-Karrieristen oder dem Partei-Jungvolk angegiftet wird, weil sie ein paar zutreffende Sätze über den grassierenden IdPol- und Gender-Unfug und die linksparteiliche Abkehr von jedweder Interessensvertretung der Arbeiterklasse gesagt hat, gibt das Auskunft über die inzwischen erreichte Bedeutungslosigkeit dieser Partei (und über das beinharte Klammern an und Spechten auf Pöstchen und Einkommensmöglichkeiten im bürgerlichen Politbetrieb, das die Apparatschiks und Funktionäre dieser Ersatz-SPD antreibt).

Die Partei Die Linke wollte mit dem Entsorgen jedweder proletarischen Interessensvertretung auf einen grünen Zweig kommen; die Proletarier merken aber, dass der Zweig nicht trägt, dass der Stamm morsch ist und dass die Früchte des Baumes, an deren Geruch und Nektar sich die „urbanen Milieus“ und IdPol-Sektierer laben, ziemlich faulig stinken.

„Spiegel“-Online Schlagzeile am Abend, nachdem bereits tagsüber gleich die ersten VIER Hauptmeldungen die Bosheit des Feindes im Osten ausgelotet hatten

Jetzt hat die Hamburger NATO-Gazette in ihrem stürmerischen Drang nach Regime Change im Kreml einen weiteren Schurkenstaat ins Boot geholt, nämlich die im Grunde noch gefährlichere, weil erstens erfolgreichere und zweitens auch noch kommunistische, „Autokratie“ bzw. „Diktatur“ in China.

Die fällt zwar nicht so unmittelbar in deutsche Zuständigkeit wie der alte Feind in der europäischen Nachbarschaft, muß aber natürlich durch eine höchst eigene „Indo-Pazifische Strategie“ der deutschen EU-Führungsmacht ebenfalls eingehegt werden. Dass die Freie Presse in Form ihrer Qualitätsmedien da nicht abseits stehen kann und will versteht sich von selbst.

Die richtige Sprachregelung ist schon gefunden: dort unten, beim Chinamann, herrscht natürlich ein „Regime“ (dass dort einfach bloß regiert wird wie bei uns, kann schon deswegen nicht sein, weil der Chinese seinen Staatsladen entgegen unseren Werten kommunistisch aufgezogen hat).

Wie es „Regime“ nun mal an sich haben, wird dort – regimetypisch – natürlich gelogen und Propaganda betrieben, dass sich die Balken biegen. Nicht nur das – sogar AUSLANDSpropaganda betreibt das gelbe Schlitzauge, versucht also frecherweise, SEINE Sicht der Welt auch außerhalb seines Reiches zu verbreiten, also schon wieder etwas, was wir im Leben nicht machen würden – unsere „Deutsche Welle“, unser DLF, unsere Goethe-Institute und staatlichen Medien verbreiten bekanntlich ausschließlich neutrale, sachliche und unparteiische Informationen, wenn sie dem heimischen und auswärtigen Publikum erklären, wie feindlich Russen und Chinesen dem Wertewesten gesonnen sind.

Dummerweise ist die kommunistische Supermacht inzwischen so erfolgreich, dass wir gar nicht umhin können, die sagenhaften Geschäftsmöglichkeiten zu nutzen, die sich unserer freien Unternehmerschaft dort unten bieten – das darf und kann unsere Leitmedien aber nicht davon abhalten, die Wahrheit über die grundsätzlich fiesen Machenschaften der furchtbaren Machthaber dort aufzudecken.

Und hier kriegt das Hamburger Fachblatt für die Ermittlung der Gelben und Roten Gefahr ganz elegant die ideologische Kurve, indem es die beiden Superschurkenstaaten in einen gemeinsamen Sack steckt, „Regime”, “Lüge“ und „Propaganda“ drauf stempelt und kräftig mit den Dachlatten westlich-imperialer Chuzpe und Selbstgerechtigkeit auf diesen schönen Popanz einprügelt.

Die liberale wertewestliche Leserschaft, gewöhnt an den lügenden, betrügenden Iwan, erfährt zu ihrem Entsetzen, dass eben dieser Lügen-Russe dem noch hinterfotzigerem Chinesen als Blaupause der eigenen Lügengeschichten dient, was der klare Beweis für doppelte, wenn nicht mehrfach potenzierte Bosheit und Gefährlichkeit dieser beiden Feinde des freien Westens ist.

Wer jetzt noch Zweifel an der berechtigten Warnung besorgter Blätter wie „Spiegel online“ vor der Gefahr aus dem Osten hegt, wird mit dem ultimativen Beleg für wirklich finsterste Absichten und Motive konfrontiert; einem Etikett, das den so Etikettierten schlichtweg aus dem Kreis der zivilisierten Menschen und Nationen ausschließt: die „Propaganda“ dieser zwei „Regime“ bedient nämlich – Achtung, Gänsehaut!“ – VERSCHWÖRUNGSNARRATIVE!

Somit ist evident, dass hier nur ein Fall von unbedingt abzuwehrender und zu bekämpfender Täuschung und Irreführung vorliegen kann, dem unsere eigene Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe sowie unsere generell tugendhafte Informationspolitik nur dann erfolgreich die Wahrheit entgegensetzen kann, wenn hinter der unbestreitbaren Überlegenheit unserer freien westlichen Lebensweise eine ebenso unbestreitbare (und vor allem unschlagbare) Militärmacht steht.

Den zuständigen Weltordnungspolitikern genau dies immer wieder in Erinnerung zu rufen und sie anzuspornen, in ihren Anstrengungen zur Einhegung der russisch-chinesischen Gefahr nicht nachzulassen und dabei alle, wirklich ALLE Mittel und Möglichkeiten (natürlich bei fortdauernden Geschäftsgang) in Betracht zu ziehen: darin sehen freiheitliche Journalisten ihre Aufgabe.

Der „Spiegel“ ist auch hier federführend.

Domenico Losurdo: Stalin – Geschichte und Kritik einer schwarzen Legende. Kapitel 7: Das Stalinbild zwischen Geschichte und Mythologie

„Die zunächst von Trotzki und später von Chruschtschow gelieferte karikaturistische Darstellung Stalins genießt im Ganzen keinen guten Ruf mehr.

Aus den Forschungen bedeutender Historiker, die nicht der Nachsicht mit dem “Personenkult” verdächtigt werden können, geht heute das Bild Stalins als eines Politikers hervor, der aufsteigt und sich an der Spitze der UdSSR durchsetzt, weil er “all seine Mitstreiter um ein Vielfaches überragte“, was die Einsicht in das Funktionieren des sowjetischen Systems betraf; ein Führer von „außergewöhnlichen politischem Talent“ und „enorm begabt“;

ein Staatsmann, der die russische Nation vor der Dezimierung und Versklavung rettete, zu der das Dritte Reich sie bestimmt hatte, und das nicht nur dank seiner umsichtigen militärischen Strategie, sondern auch dank seiner meisterhaften „Kriegsreden“, manchmal wirkliche „Bravourstücke“, die es in tragischen und entscheidenden Augenblicken fertig brachten, den nationalen Widerstand anzuspornen; eine Persönlichkeit, der es auch auf theoretischer Ebene nicht an Begabung fehlte, wie es unter anderem der „Scharfsinn“, mit der er die nationale Frage in der Abhandlung von 1913 behandelt und die „positive Wirkung“ seines „Beitrags“ über die Linguistik bewiesen.

Gewiss wird gleichzeitig und mit Recht betont, dass diese Anerkennung kein freisprechendes moralisches Urteil sei, doch es stellt sich heraus, dass die *Geheimrede* vollkommen unzuverlässig ist. Es gibt darin kein Detail, das heute nicht beanstandet würde. Man denke an den Bericht über den angeblichen psychologischen Zusammenbruch Stalins in den ersten Tagen nach dem Beginn des Unternehmens Barbarossa: nach der schon zitierten Analyse zweier russischer Historiker (eindeutig antistalinistischer Orientierung) handelt es sich um eine „Episode“, die „vollkommen erfunden“ sei und die – so hakt ein französischer Historiker nach – in vollem Widerspruch zu den Zeugnissen und Dokumenten stehe, die nach und nach auftauchen.

Auch was die so genannte Verschwörung der Ärzte betrifft: „Chruschtschow verdrehte grob und vorsätzlich die Tatsachen“.

Es stimmt, „mit der Wahrheit hat er sich nicht weniger Freiheiten heraus genommen“. Die gemachte Beobachtung hinsichtlich der „Kriegsführung Stalins“ hat allgemeinen Wert: „Um die Wahrheit zu begreifen, muß man sowohl über die westlichen Polemiken des Kalten Krieges als auch über die Umstände der Entstalinisierung in der Sowjetunion hinaus blicken“.“

(Domenico Losurdo: Stalin – Geschichte und Kritik einer schwarzen Legende. Kapitel 7: Das Stalinbild zwischen Geschichte und Mythologie)

Moderne Logik

DORT: Jeder Fehler, Irrtum, Mißstand im realen Sozialismus spricht grundsätzlich gegen den Sozialismus.

Fazit des bürgerlichen Verstandes angesichts realsozialistischer Versorgungsmängel, Reisebeschränkungen und fehlender Freiheit für den berühmten Unternehmergeist:

System untauglich, entspricht nicht der Menschennatur, funktioniert nicht!

HIER: Fehler, Mißstände, Kriege, Hunger, Verelendung, Naturzerstörung im Kapitalismus sprechen keinesfalls gegen das System Kapitalismus, sondern sind ein zwar bedauerlicher aber unvermeidlicher Ausrutscher, vermutlich wegen schlechter Einzelmenschen mit „zu viel“ statt der angemessen marktwirtschaftlichen Gier (-> siehe Unternehmergeist, der).

Fazit des bürgerlichen Verstandes angesichts monumentaler Leichenberge aus drei Jahrhunderten Kapitalismus und heutiger Höllenfahrt in ein Leben auf einem teilweise unbewohnbaren Planeten: System super, und wo nicht super garantiert durch Wählen der richtigen Politiker verbesserbar. Auf jeden Fall aber nichts anderes möglich, Kapitalismus Endstadium der Geschichte, ist leider menschliche Natur.

Heute mal zu McDonalds?

Das Verblödungsdatum steht an: Vollzug des Anschlusses der DDR als freudige Einheitsfeier, aber die Verdammung des Unrechtsstaates lässt an Schärfe noch zu wünschen übrig

Wer beim Autofahren standardmäßig WDR3 hört (der einzige Nicht-Dudelfunk mit einer gediegenen Auswahl an klassischer, elektronischer und Jazz-Musik) kommt dann aber auch nicht um die zwischen die Musik gestreuten Textbeiträge und Interviews herum. Heute morgen ein Gespräch mit Ines Geipel, früher Sportlerin in der DDR, heutzutage Professorin im Westen. Die Dame, offensichtlich ein professionelles Opfer, beschwert sich darüber, dass die „drei Millionen Opfer” der DDR zu wenig oder keine Beachtung mehr finden würden im öffentlichen Diskurs des neuen, nun schon 30-jährigen Großdeutschlands. Der beflissene Moderator erklärt gleich, um welche Art Opfer es sich bei dieser sagenhaften Zahl handelt: Häftlinge in den Gefängnissen, im GULAG (!), Opfer von Zwangsadoptionen und Zwangsdoping… Man wundert sich bei soviel Opfertum, dass nicht gleich eine Zahl von 17 Millionen herausgekommen ist, denn waren nicht schon die kleinen in den Kinderkrippen irgendwie Opfer?

Frau Geipel beklagt dann noch die Einstellung „der Ostdeutschen“, dass die Stasi immerhin keinen Holocaust veranstaltet hätte und demnach „nicht alles nur schlecht“ gewesen sei – sogar die jüngere Generation im Annektionsgebiet sei derartig lax im Umgang mit der Vergangenheit des Unrechtsstaates!

Jedenfalls ist die schwer opferbesessene Professorin nun erst richtig in Fahrt gekommen; als nächstes lamentiert sie über das Versäumnis der „Diktatur“ da drüben, den Holocaust und „die erste deutsche Diktatur“ aufgearbeitet zu haben. Nicht nur nicht aufgearbeitet, verschwiegen hätten die DDR-Machthaber dieses dunkle Kapitel. Wie es überhaupt Zeit wäre, „beide Diktaturen“ in einen geschichtlichen Zusammenhang zu stellen und der Jugend von heute zu vermitteln, „was ein Jugendwerkhof“ war.

Normalerweise wechsle ich bei solch debilem antikommunistischer Unfug schnell den Sender; diesmal jedoch höre ich bis zum Schluss zu, weil ich das Gefühl habe, die akademische Hetzerin gibt den Duktus vor, nach dem gerade zum 30. Jahrestag der vollendeten Konterrevolution die offizielle Geschichte des Anschlusses und der Blick auf die DDR-Geschichte zu erfolgen hat.

Jedem Nachlassen in der Dämonisierung, Delegitimierung und beim Niedermachen des ersten Sozialismusversuches auf deutschem Boden soll entschieden begegnet werden, nämlich durch noch mehr Umdefinition der Geschichte im Sinne der kapitalistischen Sieger des Kalten Krieges, durch unermüdliche Lügen über „Opfer“ der „SED-Diktatur“ (Lügen, die Lügen bleiben, auch wenn es in der DDR unbestritten kritikwürdige bürokratische Gemeinheiten und Fehler gab).

Ich deute die absurde Horrorerzählung der Frau als gutes Zeichen – dafür, dass der Bedarf nach ideologischer Aufrüstung und Verstärkung der anti-sozialistischen Propaganda der bürgerlichen Herrschaft größer wird. Dass sich dafür allemal genügend Intellektuelle und gutdosierte Akademiker finden, die sich diese Märchen als höchst eigene Meinung zugute halten, ist eh keine Frage.

Noch JEDE Herrschaftsform hat gerade IHRE Herrschaft als vernünftig, der menschlichen Natur entsprechend, alternativlos und unumstößlich betrachtet

Ist doch komisch:

Noch JEDE Herrschaftsform hat gerade IHRE Herrschaft als vernünftig, der menschlichen Natur entsprechend, alternativlos und unumstößlich betrachtet.

Jedes bisherige Gesellschaftssystem (mit Ausnahme des Sozialismus) hat sich als Endzustand der menschlichen Gesellschaft verkauft, den man vernünftigerweise nicht abzuschaffen hat.

Wie, du bist gegen Sklavenarbeit? Wer soll denn dann die Felder bestellen und die Hausarbeit machen? Noch so ein Spruch und ich verkaufe dich auf dem Sklavenmarkt am nächsten Kalendae!

Was bitte? Die Leibeigenschaft abschaffen?? Gott der Herr hat die Menschen in Oben und Unten geschieden und das bleibt auch so!“

„Die freiheitliche Demokratie ist die beste Form menschlichen Zusammenlebens. Man kann sie vielleicht hier und da ein wenig verbessern, denn zugegebenermaßen ist nicht alles perfekt. Aber alles andere wäre TOTALITARISMUS! Und wohin der führt – neben der völlig undenkbaren beschneidung der Freiheit des Eigentums – haben ja die Unrechtstaaten des Ostblocks gezeigt!!“

Gedanken beim Hören des „Kyrie Eleison“ der H-Moll-Messe von Bach

Leute fragen sich und andere rhetorisch, wie auf einer so schönen Welt soviel Elend und Gewalt existieren kann; sie wollen wissen, wie Gott das zulassen kann. Nicht wenige kommen zu dem Schluss, dass all das Schreckliche auf der Welt der beste Beweis ist, dass Gott nicht existiert …

Ich sehe es umgekehrt (und den Gott lass ich lieber ganz beiseite):

Wie in einer so brutalen Welt ein solches Ausmaß an überirdischer Erhabenheit und Schönheit entstehen kann, DAS ist das wahre Wunder.

Ob das ein Beweis für irgendwas ist? Wenn, dann für die Größe und Grenzenlosigkeit des menschlichen Geistes.

Eure Masken sind unsichtbar: Wenn man in den Ameisenhaufen piekst

In irgendeinem der vielen aufgeregten Threads der maskenverweigernden Freiheitshelden wies ich auf den Blödsinn hin, mit einer Bundesadler-Deutschlandfahne, also dem Symbol des deutschen Imperialismus, für irgendwelche Rechte oder Freiheiten zu demonstrieren.

Der wurbürgerlich empörte Shitstorm blieb nicht aus.

Nachstehende Sammelantwort konnte ich mir aber auch nicht verkneifen:

Es wird immer besonders putzig, wenn Untertanen sich für Freiheitskämpfer halten.

Bei den Klügeren der Mitlesenden entschuldige ich mich für die etwas schlichte Art meines kleinen Experiments, mit ein, zwei Bemerkungen in den Ameisenhaufen der Selbstwichtigkeit der „Böse Masken müssen weg!“-Freiheitskrakeeler gestochen zu haben.

Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, die (erwartbaren) Reaktionen wutbürgerlicher Aufgeregtheit und wichtigtuerischer Empörung zu provozieren und zu beobachten (die übrigens deutlich Auskunft darüber geben, WAS von der „Kritik“ dieser Leute an ihrer Obrigkeit zu halten ist, nämlich nichts: Kritik, die ein Grundeinverständnis mit dem Umstand, im Kapitalismus BEHERRSCHT zu werden und MITZUMACHEN beinhaltet und sich lediglich gegen ein paar den individuellen Konsum einschränkende Infektionsschutzmaßnahmen wendet, ist gar keine, jedenfalls keine taugliche).

Den Aufgeregten hier muss ich sagen:

Ihr habt’s nicht anders verdient, als dass man sich im Rahmen eines kleinen sozialen Experiments über euch amüsiert und euch als das kenntlich macht, was ihr seid:

Funktionierende Untertanen mit dem marktwirtschaftsüblichen Knall, euch selbst so wichtig zu nehmen, dass euch eure eingebildete Konsum-, Feier- und Geschäftemachereifreiheit über den halbherzigen, nur Kapital und Staat retten wollenden Gesundheitsschutzmaßnahmen eurer Obrigkeit steht.

Eure Masken sind unsichtbar, sie sind die Masken des Mitmachens bei gleichzeitig lautem Geplärre, dass man irgendwie dagegen ist und sowieso alles für eine Verschwörung böser Mächte hält.

Eure Masken sind euer Egoismus und Eure Selbstwichtigkeit, mit der ihr euch und andere einem Infektionsrisiko aussetzt, weil ihr die WIRKLICHE Einschränkung eurer Freiheit durch Lohnarbeit, Ausbeutung und durch eure lebenslange Indienstnahme für die Interessen der herrschenden Klasse nicht kennen wollt, aber euer bißchen Unbehagen übers Masken tragen zum Kriterium eurer Zustimmung zum Handeln eurer ansonsten unangezweifelten Obrigkeit macht.