Geschichten die das Leben schrieb: Es gibt noch Preisstabilität bei essentiellen Gütern des täglichen Bedarfs!

Feierabendzeit. Die Frau, die seit kurzem wieder zu 50% im Büro ihres finanzkapitalistischen Arbeitgeberkonzerns in Köln (für eine Düsseldorferin eine degoutante Zumutung) anzutreten hat, kommt entnervt von der Arbeit, schwenkt aber vergnügt einen Sechser-Karton Wein.

„Ich war noch kurz bei unserem Lieblings-Lieferanten Onkel Jacques!“ verkündet sie. Da morgen Home-Office Tag ist, kann sie sich heute Abend ein Gläschen Wein (gerne auch mehrere) genehmigen, wozu sie auch fest entschlossen ist. Ich beglückwünsche sie zu diesem hervorragenden Entschluss und erkläre meine solidarische Bereitschaft, zum Verzehr des edlen Rebensaftes einen großzügigen Anteil beizusteuern.

Währenddessen fragt sie mich, beeinflußt wohl durch Gespräche auf der Arbeit oder Input aus den allgegenwärtigen News-Screens in den Bahnhöfen des ÖPNV, nach den neuesten Entwicklungen. „Und, was gibt’s Neues?“, will sie wissen. Sie weiß, das ich eine zuverlässige Quelle für realistische Informationen bin und weiß das – auch wenn ihre Sicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse eine durch und durch bürgerliche ist – durchaus zu schätzen.

Ich erzähle ihr also ein bißchen von den neuesten Äußerungen des grünen Wirtschaftsministers, in denen dieser nicht stemmbare finanzielle Mehrbelastungen für 50% der Bevölkerung ankündigt, oder bei Lanz wieder mal den §24 des Energiesicherungs-Gesetzes anführt, nach dem Preissteigerungen eins zu eins an die Kunden weitergegeben werden können und beende meine kurze Zusammenfassung mit der Bemerkung „Es wird auf jeden Fall alles brutal teuer werden. Unsere Abschläge auf Gas und Strom werden nie im Leben die Mehrkosten decken. Wir können jetzt schon anfangen, Geld für die Nachzahlungen und die künftigen Mehrkosten zurückzulegen.“

Die Frau schaut eine paar Momente lang nachdenklich bis niedergeschlagen geradeaus, dann huscht ein freudiges Leuchten über ihr Gesicht und sie sagt strahlend: „Aber die Weinpreise, die sind stabil!“

Damit ist das Thema durch und der Abend geht seinem gediegen gemütlichen Ausklang entgegen.

Geschichten die das Leben schrieb: Die Welt wird von Leuten regiert, die noch nie Pilze genommen haben. Leute die Pilze genommen haben, wissen warum das ein Problem ist.

Meine Antwort auf eine entsprechende Nachfrage einer Freundin:

Ich will dir sagen, warum das aus meiner Sicht absolut und kategorisch wahr ist.

Mushrooms steht hier, denke ich, für die erweiterte Wahrnehmung, die psychedelische Drogen einem verschaffen können. Das ist zunächst mal einfach bloß faktisch: durch die Wirkung der Substanzen (LSD, Psilocybin, Meskalin, Ayahuasca….) wird der sensorische Input der Nervenzellen verstärkt. Die Menge an elektrischen Signalen, die zwischen den Synapsen ausgetauscht werden, ist um ein Vielfaches höher als normalerweise. So, als ob du bisher immer durch eine verschrammte, beschlagene Brille geschaut hättest und plötzlich SIEHST du klar und deutlich die Welt um dich rum (und in dir drin).

Und zwar siehst du sie von INNEN, in ihrer innersten Substanz, bis hinab auf die zelluläre und molekulare Ebene. Du siehst bis in die atomare Ebene hinab, blickst in die riesigen Abgründe zwischen den Elektronen und schaust zu, wie sich in dem Tanz auf der Netzhaut außen und innen alles in seine Bestandteile auflöst.

Dann erfasst dein Verstand, dass „alles“ auch DICH einschließt und die nackte Angst breitet sich in dir aus. Dir ist klar, dass dies dein Ende ist. Oder jedenfalls das Ende von dem, was du für „Ich“ hältst. Wenn du durch diesen Tunnel, durch diesen Flaschenhals durchgelangt bist (es ist nicht gesagt, dass das passiert, vielleicht endet deine Reise auch in der Klapse oder auf der Intensivstation), passiert etwas Erstaunliches:

Die Auflösung geht immer weiter, bis nichts mehr übrig ist. Gar nichts. Da IST nichts. Die Substanz von allem, die Essenz der Materie und des Immateriellen, der Kern der Wirklichkeit ist – NICHTS. Leere.

Es ist aber nicht so, dass plötzlich alles weg wäre. Du erfährst nur, dass die Realität – sogar die handfeste, konkrete, sichtbare Welt um uns herum – aus Leere besteht, die sich zu immer neuen Erscheinungen formt und wieder auseinander fällt. Allerdings kann das Auseinanderfallen mitunter Millionen Jahre dauern; manchmal aber auch nur Millisekunden. In dieser Leere, aus der alles entsteht, sind jedoch Zeitvorstellungen aufgehoben.

Außerdem pulsiert alles in einem schweigenden und erhabenen Rhythmus, der scheinbar das gesamte Universum durchzieht. Kann aber sein, dass es bloß die Dichotomie zwischen den positiven und negativen Ladungen des elektrischen Flusses in deinem Gehirn ist.

Auch Töne und Klänge bestehen aus dieser Leere, eigentlich also aus Stille, und die offensichtliche Unvereinbarkeit dieser Konzepte erscheint dir jetzt nicht als potentieller Wahnsinn, sondern als perfekter Ausdruck der Polarität der Existenz.

Dir ist, als hättest du ein magisches Königreich betreten. Aber nicht jene Kinder-Märchenwelt, die Fantasiewesen und -geschichten erfindet, um den lieben Kleinen eine unverständliche Welt verständlich zu machen (und ihnen gleich eine geeignete Moral mitzuliefern), sondern du bist in die wirkliche Welt eingetreten. Was du bisher kanntest – DAS war die Fantasiewelt, die Kinder-Märchenstunde, die Krabbelstube der Menschheit, in der Milliarden blinder Schlafwandler ihren Milliarden engstirnigen, engherzigen und kleinlichen Zielen nachgehen, geblendet von Gier und Angst und Ignoranz, ohne Kenntnis der unendlichen, pulsierenden Leere, die alles durchströmt und aus der alles besteht.

Wenn du zurückkehrst von deiner Reise hinter die Erscheinungsformen, von deinem Ausflug in die Essenz der Wirklichkeit, und anderen Menschen begegnest, kommst du dir vor wie ein Außerirdischer, der mit primitiven Formen von Intelligenz kommunizieren muss. Besonders, wenn du die Menschen siehst, die als Politiker, Kapitalisten oder sonstige Entscheider die weltlichen Angelegenheiten regeln, in dieser von ihnen als flache, eindimensionale Welt des Geschäfts und der Gewalt wahrgenommenen Wirklichkeit.

Du wünschst dir – bzw. ihnen – dass sie ebenfalls die Möglichkeit hätten, in das Herz der Dinge zu sehen. Du möchtest ihnen am liebsten „mushrooms“ oder eine andere psychedelische Droge verabreichen, damit sie aus der engen Hülle ihres begrenzten Verstandes heraustreten können – und sei es nur für ein paar Momente.

Grace Slick von Jefferson Airplane berichtet von einer Einladung ins Weiße Haus zur Zeit, als Richard Nixon US-Präsident war. Sie hatte einige LSD-Trips dabei und wartete auf eine Gelegenheit, ihm diese in ein Glas Wasser oder sonst eine Getränk zu schmuggeln; leider hat sie sich dann doch nicht getraut, weil sie um die Folgen (für sich) fürchtete. Aber sie hätte zu gerne dem Kriegshetzer und Reaktionär Nixon zu einer Reise in die Realität verholfen.

Später begegnen dir vielleicht buddhistische Quellen und du hörst von Bodhidharma, der um das Jahr 500 von Indien nach China ging und dort den (Zen-)Buddhismus verbreitete. Unter all den erstaunlichen Geschichten, die über Bodhidharma erzählt werden, stößt du eventuell auf den einen, kurzen Satz, mit dem Bodhidharma die Anfrage des chinesischen Kaisers nach der Natur der Wirklichkeit beantwortet haben soll: „Emptiness, no holiness“, und du verstehst, dass die Einsicht in diese Natur nicht von Substanzen abhängig ist.

Aber vielleicht hat Bodhidharma ja Pilze genommen.

Bodhidharma (lebte ca. 5. oder 6. Jhdt. in China)

Geschichten die das Leben schrieb: Nachmittägliche philosophische Betrachtung

Als junger Mensch hatte ich nur ein Anliegen: die höchsten Erkenntnisse und die tiefste Wahrheit zu erlangen. Mein Streben ging nach Erkenntnis, Erleuchtung, nach Begreifen und Verstehen dessen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.

Darunter wollte ich es nicht tun. Der Griff nach den Sternen (den inneren jedenfalls) führte mich geistig in die Dimensionen jenseits des Verstandes und jenseits von Zeit und Raum, was für die „Reise nach innen“ gefühlt genauso ein Aufbruch in unendliche Weiten war, als hätte ich ein überlichtschnelles Raumschiff bestiegen und mich durch ein Wurmloch in ein anderes Raum-Zeit-Kontinuum begeben. Neben der eigenen Neugierde und einem anscheinend innewohnenden Erkenntnisdrang wurden Drogen und der Guru der Treibstoff dieser Suche.

Jetzt, vierzig bis fünfzig Jahre später registriere ich, wie sich der Fokus von unendlichen Weiten auf die unmittelbare Nähe verschoben hat: nicht mehr die göttliche Weisheit, sondern die menschliche Bedingtheit interessiert mich vorrangig: die praktischen, alltäglichen Beziehungen zwischen den Menschen, die Art und Weise, wie sie ihr normales Leben organisieren und miteinander umgehen. Der Guru hat mich verlassen, oder ich den Guru (in aller Freundschaft, wie ich betonen möchte), die Drogen sind geblieben, als Krankenschwestern am Bett der menschlichen Gebrechlichkeit.

Vom großen Ganzen und universaler philosophischer Ergründung bin ich gelandet beim schlichten, alltäglichen Leben. Ich will nicht sagen, dass das eine das andere ausschließt; vielleicht ergänzt es sich ja sogar. Ich weiß, dass es Leute gibt, die behaupten, nur das Anzapfen göttlicher Weisheit würde ein erquickliches Miteinander der Menschen (sie reden dann gerne gleich von der „Menschheit“) hier unten auf der Erde gewährleisten können. Das mag so sein, aber ich möchte alles Göttliche gerne beiseite lassen (zumindest verbal) und mich auf das Menschliche konzentrieren.

Da liegt ja genug im Argen, und die Freundlichkeit, die Fürsorge und das bißchen Sicherheit, das Menschen nun mal brauchen, um ein anständiges Leben führen zu können, sind bekanntlich weder im spirituellen Wolkenkuckucksheim noch im kapitalistischen Rattenrennen zu haben. Ersteres ist allerdings mit letzterem bestens vereinbar, wie ich an vielen früheren Freunden und Bekannten feststellen kann. Der endgültige Kulminationspunkt, an dem sich Sinnsuche und Geschäftemacherei vereinigen, ist der homo economicus esotericus, der Kurse wie „Denk dich reich!“, „Sei Du Selbst – Being You®“ (mit genau diesem Handelsmarken-Zeichen dahinter) und dergleichen anbietet und besucht.

Ich merke, dass ich aus- bzw. abschweife… ich wollte nur notieren, was mir gerade auffiel: die Verschiebung des Fokus, der Orientierung, der Ausrichtung meiner Aufmerksamkeit, oder meines Schwerpunktes, auf die einfachen und elementaren Umstände des Lebens in einem Körper und auf einem bewohnbaren Planeten. Diese Umstände sind zwar nicht einfach, aber sie könnten es sein. Dafür, so mein Fazit aus dieser Verlagerung meiner inneren Ausrichtung, braucht’s den Kommunismus.

Geschichten die das Leben schrieb: Nächtliche philosophische Betrachtung übers Altern

Alt werden ist so scheisse wie Haft für Verbrechen, die man nicht begangen hat. Und zwar in einem Straflager, von dem man weiß, das man es lebend nicht mehr verlässt

Die Beeinträchtigungen und Gebrechen, die sich mit fortschreitendem Verschleiß der körperlichen Hardware einstellen, lassen sich nur über eine bestimmte Zeitspanne mit Drogen aller Art wegdrücken, ignorieren, ausblenden, überspielen. Irgendwann holt es einen ein, und das doppelt und dreifach. Man kann dann natürlich doppelt und dreifach soviel Drogen nehmen. Aber siehe oben.

Hinzu kommt ein sich immer weiter ausbreitender Realismus in Hinblick auf die Nutzlosigkeit menschlichen Strebens und die Sinnlosigkeit aller Erklärungen darüber. Das muss allerdings nichts Schlechtes sein – es klärt im Gegenteil den Geist und schärft den Verstand.

Insgesamt stellt sich heraus, dass die Existenz in einem physischem Körper nur in jüngeren Jahren irgendwie erträglich ist, als man unbeeinträchtigte Gesundheit und Fitness für selbstverständlich nahm und die Welt als zu erobernden Abenteuerspielplatz ansah. „Youth is wasted on the young“, wie der Weise sagt.

Je näher man sich der Haltbarkeitsgrenze nähert, umso beschwerlicher und lästiger wird die für allerlei Fehlfunktionen und Defekte anfällige Physis, und es stellt sich die Frage, ob man es wirklich noch weitere zehn, zwanzig oder dreißig Jahre darin aushalten kann und möchte.

Geschichten die das Leben schrieb: schlagt den Putinversteher tot  

Nach der Hunderunde gönne ich mir einen Cappuccino im „Copenhagen Coffee Lab“ am Belsenplatz, nicht weit von meiner Wohnung.

Am Tresen schaut mich die Bedienung mit großen Augen an und sagt: „Wissen Sie, dass Sie in unseren Bewertungen bei Google aufgetaucht sind? Irgendjemand hat da ein Bild von Ihnen reingestellt, mit Namen und allem, und hat echt krasse Sachen dazu geschrieben. Beleidigungen extremster Art. Wir haben das gleich gelöscht, sobald wir’s gesehen haben…“

Ich bin erst mal neugierig: „Wie jetzt? Jemand hat mich hier fotografiert wie ich meinen Kaffee trinke und das Bild in die Google Rezensionen zum Coffee Lab hochgeladen?“

„Nein! Das war ein privates Foto, schwarzweiss, vielleicht aus Facebook. Der das hochgeladen hat, hat dazu geschrieben, dass der Kaffee hier gut ist, dass aber leider Leute wie Sie hierherkommen, dass sie ein Putinversteher und Russenfreund sind, dass Sie erschlagen und erschossen gehören und noch Zeug in der Art…

Ich bedanke mich für das Entfernen des Bildes und des Kommentars und bemerke zur Tresenkraft „Tja, da haben mich die ukrainischen (oder die hiesigen) Nazis wohl auf dem Kieker. Damit müssen wir wahrscheinlich vermehrt rechnen in Zukunft. Ich hoffe, die setzen Ihren Hass und ihre Nazi-Ideologie nicht auch noch bei uns in die Tat um, sonst haben wir hier auch bald ukrainische Zustände…“

Frage mich, ob ich dort noch Kaffee trinken gehen soll – andrerseits: wenn die Ukro-Nazis oder ihre hiesigen geistigen Vettern mich dort aufspüren, tun sie’s auch woanders. Ich bin offenbar zu sichtbar im Internet. Konsequenz: gleich mal die FB-Einstellungen auf standardmäßig „Nur Freunde“ zurücksetzen.

Erkenntnis aus der Episode: Faschismus – läuft!

Geschichten die das Leben schrieb: a guerra e o vinho

Während ich mit dem Hund unterwegs bin, werden die Meldungen aus dem Kriegsgebiet immer wilder. Sie künden von immer größerer Verzweiflung des US/NATO-Blocks bzw. seiner ukrainischen Marionetten. Im Geiste rekapituliere ich den gleichermaßen bizarren wie hochgefährlichen Inhalt der neuesten Entwicklungen:

Terroranschläge in Transnistrien durch ukrainische oder von ihnen gedungene Kommandos, um durch die Eröffnung einer zweiten Front russische Kräfte zu binden und vom Kampfplatz im Donbass abzuziehen (gleichzeitig will die ukrainische Militärführung wohl an ein dortiges Munitionslager rankommen, in dem gewaltige Mengen alter sowjetischer Artilleriemunition aufbewahrt werden, die die AUF gut gebrauchen könnte);

Vom ukrainischen Geheimdienst SBU geplante gezielte Tötungen von russischen Journalisten und TV-Moderatoren, in flagranti vereitelt vom russischen FSB;

Unverminderte bzw. immer umfangreichere Lieferung von schwerem Kriegsgerät an die desolate ukrainische Armee durch den kollektiven Westen; auch Deutschland ist munter dabei und will jetzt Panzer liefern – der Scholz-Spruch „Mein Hauptanliegen ist es, einen Dritten Weltkrieg zu verhindern“ ist Schnee von gestern; der Hamburger „Stürmer“ feiert und bejubelt den Kurswechsel des Regierungschefs als vernünftige und einzig senkrechte Maßnahme; der bis eben noch als schwach und zögerlich denunzierte Kanzler gilt jetzt plötzlich als ganzer Mann und starker Führer, weil er dem Kriegsgeheul der weltkriegsbereiten Edeljournaille das richtige Futter vor die Federn wirft;

Ein britischer Armeeminister schwadroniert, dass es kein Problem darstellen sollte, wenn die Ukraine Ziele in Russland angreift, ermuntert also die ukrainische Seite, den Krieg trotz der eindeutigen Warnungen Russlands („In einem solchen Fall nehmen wir die politischen Entscheidungszentren in Kiew ins Visier“) immer weiter zu eskalieren;

Die tatsächliche Lage der im Donbass eingekesselten ukrainischen Truppen ist angesichts des permanenten, unablässigen russischen Artilleriebeschusses der ukrainischen Stellungen dermaßen prekär und aussichtslos (es muß anscheinend schon Munition rationiert werden), dass die letzte und einzige Hoffnung des Kiewer Regimes darin zu besteht, weitere Länder in den Krieg hineinzuziehen – am liebsten NATO-Staaten, um so die winzige Chance zu nutzen, durch ein offizielles Eingreifen der NATO das Kriegsgeschehen doch noch zu seinen Gunsten zu wenden;

Eine 190 Jahre alte russische Eiche wurde bei der „Baum des Jahres“ Veranstaltung in Brüssel vom Wettbewerb ausgeschlossen. Warum? Muss das noch erwähnt werden?

Ebenso ein französischer Zombie-Film namens „Z“, der vom Filmfestival in Cannes ausgeschlossen wurde.

Ich sinniere also über den methodischen Wahnsinn im kollektiven Westen, über die von jetzt auf gleich funktionierende Feindbildprojektion, die den Eindruck vermittelt, als wäre mittels eines Zeitsprungs eine nahtlose Fortführung der faschistischen Propaganda der 1940er-Jahre ermöglicht worden; ich denke noch über die hemmungslose Gewalt- und Kriegsbereitschaft der westlichen Machthaber, über die galaktischen Dimensionen ihrer Lügen und ihrer Heuchelei, mit der sie ihren Weg in den Untergang rechtfertigen….

In meine pessimistischen Gedanken hinein klingelt das Telefon. Die Liebste meldet sich: „Bring doch bitte aus dem Kellerlager eine Flasche FAVZ mit hoch, wenn du zurückkommst!“

Da sie heute morgen noch von einem „diesmal aber wirklich“ weinfreiem Tag sprach, ahne ich, was es mit ihrer Bitte auf sich hat. „Hast du etwa Nachrichten geguckt?“

„Ja“, antwortet sie, „Die sind alle wahnsinnig geworden. Jetzt ist auch der Scholz umgefallen und liefert Panzer an die Ukraine… ich kann nicht glauben, dass das noch lange gut geht mit der Kriegshetze hier und immer mehr Waffen an die Ukraine liefern… Wenn wir schon demnächst den Atomkrieg hier haben, sollten wir uns jeden Tag an unserem guten Wein erfreuen…“

Man muss wissen, das der feine FAVZ nicht nur wegen seines Namens unser derzeitiger Lieblingsrotwein ist, sondern vor allem durch eine wahrhaft edle nussig-beerenhaftige säurefreie Abgerundetheit glänzt, die ihn zu einem echten Highlight für professionelle Trinker und antiimperialistische Weingourmets macht.

Oben angekommen, wird der portugiesische Edeltropfen noch auf Zimmertemperatur gebracht und sodann aus vorschriftsmäßig proletarischen Wassergläsern verkostet. Über weitere Ankündigungen drogenmäßiger Abstinenzphasen brauche ich mir wohl, angesichts der Entwicklung auf dem ukrainischen Stellvertreterkriegsschauplatz, keine Sorgen mehr machen.

Á nossa!

Geschichten die das Leben schrieb: Parallelrealitäten aus dem Fernseher

Auf dem Weg in die Küche, zwischen zwei Gläsern Wein, bekomme ich das Fernsehprogramm im WDR mit, das die Liebste konsumiert.

Irgendeine Talk-Runde. Fritz Pleitgen, Intendant des WDR, sagt gerade „…, dass ich ihn für einen Kriegsverbrecher halte….“. Er ist nicht fertig mit seinem Satz, wird aber von tosendem Applaus des Studiopublikums unterbrochen. Ich ahne, von wem die Rede sein muss. Nachdem die Claqueure sich beruhigt haben, fährt Pleitgen fort: „… der seinen friedliebenden Nachbarn, die Ukraine, einfach überfallen hat.“

Ja, das muss es sein: ich bin unerwartet in einem Paralleluniversum debiler Teletubbyhirne gelandet in dem oben unten, links rechts und weiß schwarz ist. Insbesondere aber sind Nazis Demokraten und Waffen bringen Frieden. Es ist inzwischen SO absurd, dass die gesamte „Realität“ weit krasser als in der „Matrix“ eine Simulation zu sein scheint, in der einfach alle Gesetze von Logik, Intelligenz, Rationalität und Vernunft auf den Kopf gestellt sind und der nackte Wahnsinn regiert.

Jeder Restverstand beim Medienkonsumenten soll nach Möglichkeit ausgeschaltet werden; das Kiewer Regime schreibt anscheinend direkt die Wordings für die Sendezentralen des BRD-Fernsehens und in diesem irren Medientheater ist ohnehin schon alles egal, weil der Kollektive Westen sich kollektiv selber in eine mentale Gummizelle gesperrt hat.

Ich bin nur froh, dass ich noch genügend Weinvorräte habe.

Geschichten die das Leben schrieb: DLF, russophobe grüne Hysterie und Pepe Escobar

Auf dem Heimweg von der Arbeit zögere ich kurz, ob ich das Autoradio anschalten soll (DLF ist voreingestellt), beschließe dann aber in einer Mischung aus masochistischer Erwartungshaltung und Antizipation weiterer unfreiwillig humoristischer Russophobie, mal reinzuhören. Ich könnte auch einfach einen anderen Sender einstellen und zum Beispiel unverfängliche Klassik auf WDR3 hören, aber manchmal brauche ich auch die zwiespältige „Unterhaltung“, die mir der propagandistische Geifer des „Imperiums der Lügen“ beschert. Außerdem will ich mir ja nicht nachsagen lassen, ich würde mich nur einseitig informieren – folglich muß ich auch ab und zu in die Medien der Dunklen Seite reinschauen.

Ich habe richtig antizipiert und komme diesmal schnell auf meine Kosten. Gerade eben beginnt ein Radio-Feature wie es sich der russophobste NATO-Fanboy nicht besser hätte ausdenken können: „Kampf gegen Putin – Russische Oppositionelle und die Pläne für einen Machtwechsel“.

Tatsächlich SIND es die russophobsten und bellizistischsten NATO-Fanboys und -girls, die man sich hierzulande vorstellen kann, über die hier berichtet wird: Ralf Füchs und MarieLuise Beck und ihr „Zentrum Liberale Moderne“, das (wie es der Sprecher tut) Think-Tank zu nennen arg schmeichelhaft ist für eine Staatsgeld-Abgreif-Klitsche, deren einziger Existenzzweck in der Verbreitung einer Art modernisierter Ideologie vom Russen als dem elementar und ursprünglich Bösen besteht.

Jedenfalls haben diese Klabautermänner*innen des NATO-Geisterschiffes kürzlich in Berlin eine Tagung veranstaltet, die sich ausschließlich dem Regime Change in Russland widmete. Zu diesem hehren Zweck hatte man etliche russische „Oppositionelle“ eingeladen, also Leute, die die NATO-Absicht teilen, dass nur ein Russland ohne Putin ein gutes Russland sei.

Es wird eine Weile herumgerätselt, ob die westlichen Sanktionen das Zeug haben, „Putins Unterstützer“ in den Kreisen der russischen Unternehmerschaft (die dort natürlich „Oligarchie“ heißt) so massiv um Einkünfte und Vermögen zu bringen, dass sie eventuell zu Putin-Gegnern werden; weiterhin wird ins Blaue hinein spekuliert, wie es anzustellen wäre, den Präsidenten zu stürzen; das demente US-Pendant wird lobend erwähnt wegen seiner „klaren Worte“ („ For gods sake, this man cannot remain in power“) über den russischen Gegenpart usw.

Die Tatsache, dass Exponenten der politischen Klasse Deutschlands ganz offiziell einen Kongreß veranstalten, indem nicht das Für und Wider, sondern ausschließlich das Wie und Wann eines Umsturzes, Putsches, Staatsstreiches in Russland erörtert wird, fällt weder den Ausrichtern (denen schon gleich nicht) noch den Journalisten des DLF auf, die Inhalt und Zweck der Tagung teilen. Man redet bzw. berichtet über die Umsturzoptionen wie über verschiedene Wege, ein Menü zuzubereiten – die Mahlzeit selbst steht außer Frage.

Der schiere Aberwitz, die Absurdität dieser ideologischen Kläffer amüsiert mich immer mehr; sie gleichen Kötern, die zu blöd sind um zu merken, dass sie gegen den Wind pissen und sich anschließend wundern, warum ihnen ihr eigener Urin ins Gesicht weht. Allerdings sind selbst Hunde nicht so dumm wie die grünen Bellizisten und die Handvoll russischer Liberaler, die das Ehepaar Füchs/Beck als Kronzeugen einer „Opposition“ gegen Putin nach Berlin geladen haben. (Dabei ist unbestritten, dass es eine Opposition gibt in der Russischen Förderation; allerdings unterstützt auch die Opposition, die diesen Namen verdient – namentlich die kommunistischen Parteien, voran die KPRF – den Militäreinsatz zur Demilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine.)

Mein Vergnügen an der Selbstentblößung der hysterischen Russlandhasser aus dem Füchs/Beck-Umfeld steigert sich noch, als der Sprecher als Conclusio verliest, dass der ganze Zinnober vorerst ziemlich folgenlos geblieben wäre, denn „Putin sitzt ziemlich fest im Sattel“.

Mittlerweile fühle ich mich an absurdes Theater erinnert und an das, was Pepe Escobar und andere nicht-eingebette Analysten und Autoren schreiben: dass der kollektive Westen vielleicht den Informationskrieg gewinnen mag, nicht aber die wirkliche Auseinandersetzung zwischen der kollabierenden US/NATO-dominierten Weltordnung und der neuen, jetzt entstehenden multipolaren Weltordnung mit China, Russland, Indien plus dem gesamten globalen Süden, also drei Vierteln der Erdbevölkerung.

Die virtuelle Realität, die die westlichen Politiker, Medien, Think-Tanks und Strategen sich und ihrem Publikum vorerzählen, ist eine selbst-referentielle Filterblase, die spätestens mit dem Ende der Dollar-Vorherrschaft platzt. Passend dazu stoße ich, kaum zuhause angekommen, auf einen aktuellen Beitrag des schlauen brasilianischen Experten für geopolitische Fragen:

 

Die neue, ressourcenbasierte Weltreservewährung

(von Pepe Escobar, Erschienen auf SCF)

Eine neue Realität entsteht: Die unipolare Welt gehört unwiderruflich der Vergangenheit an, eine multipolare nimmt Gestalt an

Es war ein beeindruckender Anblick. Dmitri Medwedew, ehemaliger russischer Präsident, reueloser Atlantiker und derzeitiger stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates, entschied sich für eine völlig unkonventionelle Äußerung, die dem Kampfstil von Herrn Khinzal in nichts nachstand und in ganz NATO-Stan für spürbares Entsetzen und Erstaunen sorgte.

Medwedew sagte, die “höllischen” westlichen Sanktionen hätten Russland nicht nur nicht lahmgelegt, sondern kämen stattdessen “wie ein Bumerang in den Westen zurück”. Das Vertrauen in die Reservewährungen schwinde “wie der Morgennebel”, und die Abkehr von US-Dollar und Euro sei nicht mehr unrealistisch: “Die Ära der Regionalwährungen wird kommen”.

Schließlich, so fügte er hinzu, “werden sie, ob sie wollen oder nicht, eine neue Finanzordnung aushandeln müssen (…) Und die entscheidende Stimme wird dann bei den Ländern liegen, die eine starke und fortschrittliche Wirtschaft, gesunde öffentliche Finanzen und ein zuverlässiges Währungssystem haben.

Medwedew gab seine prägnante Analyse noch vor dem „D-Day” weiter – wie die von Präsident Putin festgelegte Frist an diesem Donnerstag, nach der Zahlungen für russisches Gas von “unfreundlichen Nationen” nur noch in Rubel akzeptiert werden sollen.

Die G7 hatten vorhersehbar eine (kollektive) Pose eingenommen: Wir werden nicht zahlen. Mit “wir” sind die 4 Länder gemeint, die keine großen russischen Gasimporteure sind. “Wir”, das ist das Lügenimperium, das die Regeln diktiert. Die drei Länder, die in arge Bedrängnis geraten werden, sind nicht nur große Importeure, sondern auch Verlierer des Zweiten Weltkriegs – Deutschland, Italien und Japan, die de facto immer noch besetzte Gebiete sind. Die Geschichte hat die Angewohnheit, perverse Streiche zu spielen.

Die Leugnung hielt nicht lange an. Deutschland war das erste Land, das zerbrach – noch bevor Industrielle von der Ruhr bis nach Bayern eine Massenrevolte inszenierten. Scholz, der mickrige Kanzler, rief Putin an, der ihm das Offensichtliche erklären musste: Die Zahlungen werden in Rubel umgerechnet, weil die EU die russischen Devisenreserven eingefroren hat – ein krasser Verstoß gegen das Völkerrecht.

Mit taoistischer Geduld äußerte Putin auch die Hoffnung, dass dies keine Verschlechterung der Vertragsbedingungen für die europäischen Importeure bedeuten würde. Russische und deutsche Experten sollten sich zusammensetzen und die neuen Bedingungen besprechen.

Moskau arbeitet an einer Reihe von Dokumenten, die das neue Abkommen definieren. Im Wesentlichen heißt es darin: keine Rubel, kein Gas. Verträge werden null und nichtig, wenn man das Vertrauen missbraucht. Die USA und die EU haben mit einseitigen Sanktionen rechtlich bindende Vereinbarungen gebrochen und obendrein die Devisenreserven eines – atomaren – G20-Landes beschlagnahmt.

Durch die einseitigen Sanktionen sind Dollar und Euro für Russland wertlos geworden. Mit Hysterie ist es nicht getan: Die Angelegenheit wird gelöst werden – aber zu Russlands Bedingungen. Punkt. Das Außenministerium hatte bereits davor gewarnt, dass die Weigerung, das Gas in Rubel zu bezahlen, zu einer ernsten globalen Krise mit Zahlungsausfällen und einer Reihe von Insolvenzen auf globaler Ebene führen würde, zu einer höllischen Kettenreaktion von blockierten Transaktionen, dem Einfrieren von Sicherheiten und der Schließung von Kreditlinien.

Was als nächstes passieren wird, ist teilweise vorhersehbar. Die EU-Unternehmen werden das neue Regelwerk erhalten. Sie werden Zeit haben, die Dokumente zu prüfen und eine Entscheidung zu treffen. Diejenigen, die “Nein” sagen, werden automatisch von direkten russischen Gaslieferungen ausgeschlossen – einschließlich aller politisch-wirtschaftlichen Konsequenzen.

Natürlich wird es einige Kompromisse geben. So werden einige EU-Länder akzeptieren, Rubel zu verwenden und ihre Gaseinkäufe zu erhöhen, damit sie den Überschuss an ihre Nachbarn weiterverkaufen und einen Gewinn erzielen können. Und einige werden vielleicht auch beschließen, Gas an den Energiebörsen zu kaufen.

Russland stellt also niemandem ein Ultimatum. Die ganze Sache wird Zeit brauchen – ein schleichender Prozess. Auch mit einigen Nebenschauplätzen. Die Duma erwägt die Ausweitung der Zahlung in Rubel auf andere wichtige Produkte – wie Öl, Metalle, Holz, Weizen. Das wird von der kollektiven Unersättlichkeit der EU-Chihuahuas abhängen. Jeder weiß, dass ihre ununterbrochene Hysterie zu einer kolossalen Unterbrechung der Lieferketten im Westen führen kann.

Bye bye Oligarchen

Während die atlantischen herrschenden Klassen völlig durchgedreht sind, aber immer noch darauf bedacht sind, bis zum letzten Europäer zu kämpfen, um jeden verbleibenden, greifbaren Reichtum der EU abzuschöpfen, bleibt Russland gelassen. Moskau war sogar recht nachsichtig und drohte damit, im Frühjahr kein Gas mehr zu liefern, stattdessen aber im Winter.

Die russische Zentralbank hat die Deviseneinnahmen aller großen Exporteure verstaatlicht. Es gab keinen Zahlungsausfall. Der Rubel steigt weiter – und ist jetzt wieder ungefähr auf dem gleichen Stand wie vor der Operation Z. Russland ist nach wie vor Selbstversorger, was Lebensmittel angeht. Die amerikanische Hysterie über das “isolierte” Russland ist lächerlich. Alle wichtigen Akteure in Eurasien – ganz zu schweigen von den anderen vier BRICS-Staaten und praktisch dem gesamten globalen Süden – haben Russland nicht verteufelt und/oder mit Sanktionen belegt.

Als zusätzlicher Bonus ist der wohl letzte einflussreiche Oligarch in Moskau, Anatoli Tschubais, verschwunden. Nennen Sie es einen weiteren bedeutsamen historischen Trick: Die westliche Sanktionshysterie hat die russische Oligarchie – Putins Lieblingsprojekt seit 2000 – de facto zerlegt. Das bedeutet die Stärkung des russischen Staates und die Konsolidierung der russischen Gesellschaft.

Noch liegen nicht alle Fakten vor, aber man kann davon ausgehen, dass sich Putin nach jahrelanger sorgfältiger Abwägung dazu entschlossen hat, wirklich aufs Ganze zu gehen und dem Westen das Genick zu brechen – wobei er diese Dreierkonstellation (bevorstehender Blitzkrieg im Donbass, US-Biowaffenlabors, ukrainische Arbeiten an Atomwaffen) als casus belli nutzte.

Das Einfrieren der Devisenreserven musste vorhersehbar sein, vor allem weil die russische Zentralbank ihre Reserven an US-Staatsanleihen seit November letzten Jahres aufgestockt hat. Außerdem besteht die ernsthafte Möglichkeit, dass Moskau auf “geheime” Offshore-Devisenreserven zugreifen kann – eine komplexe Matrix, die mit Hilfe chinesischer Insider aufgebaut wurde.

Die plötzliche Umstellung von Dollar/Euro auf Rubel war knallhartes geoökonomisches Judo auf olympischem Niveau. Putin verleitete den kollektiven Westen dazu, seine wahnwitzige Hysterie als Sanktionsangriff zu entfesseln – und wendete sie mit einem einzigen, schnellen Schachzug gegen den Gegner.

Und nun versuchen wir alle, die vielen synchronen, spielverändernden Entwicklungen zu verarbeiten, die auf die Bewaffnung mit Dollarwerten folgen: der Rupien-Rubel mit Indien, der saudische Petroyuan, die von russischen Banken ausgegebenen Mir-UnionPay-Karten, die russisch-iranische SWIFT-Alternative, das EAEU-China-Projekt eines unabhängigen Währungs-/Finanzsystems.

Ganz zu schweigen von dem großen Coup der russischen Zentralbank, 1 Gramm Gold an 5.000 Rubel zu koppeln, die bereits bei 60 Dollar liegen, Tendenz steigend.

In Verbindung mit No Rubles No Gas haben wir es hier mit einer de facto an Gold gekoppelten Energie zu tun. Die Chihuahuas in der EU und die japanische Kolonie müssen eine Menge Rubel in Gold kaufen oder eine Menge Gold kaufen, um ihr Gas zu bekommen. Und es kommt noch besser. Russland könnte den Rubel in naher Zukunft wieder an Gold koppeln. Er könnte auf 2.000 Rubel, 1.000 Rubel oder sogar 500 Rubel für ein Gramm Gold steigen.

Zeit, souverän zu sein

Der Heilige Gral in den sich entwickelnden Diskussionen über eine multipolare Welt war seit den BRICS-Gipfeln in den 2000er Jahren, an denen Putin, Hu Jintao und Lula teilnahmen, immer die Frage, wie die Dollar-Hegemonie umgangen werden kann. Die Lösung liegt nun vor den Augen des gesamten globalen Südens, als gutartige Erscheinung mit dem Lächeln einer Grinsekatze: der goldene Rubel, oder Rubel, der durch Öl, Gas, Mineralien und Rohstoffexporte gestützt wird.

Die russische Zentralbank praktiziert im Gegensatz zur Fed kein QE und exportiert keine toxische Inflation in den Rest des Planeten. Die russische Marine sichert nicht nur alle russischen Seelinien, sondern russische Atom-U-Boote sind in der Lage, überall auf dem Planeten unangekündigt aufzutauchen.

Russland ist bei der Umsetzung des Konzepts der “kontinentalen Seemacht” bereits weit, weit voraus. Im Dezember 2015 kam es im syrischen Kriegsgebiet zu einem strategischen Umbruch. Die im Schwarzen Meer stationierte U-Boot-Division 4 ist der Star der Show.

Russische Marineflotten können nun Kalibr-Raketen in einem Raum einsetzen, der Osteuropa, Westasien und Zentralasien umfasst. Das Kaspische Meer und das Schwarze Meer, die durch den Don-Wolga-Kanal miteinander verbunden sind, bieten einen Manövrierraum, der mit dem östlichen Mittelmeer und dem Persischen Golf zusammengenommen vergleichbar ist. 6.000 km lang. Und man braucht nicht einmal Zugang zu warmen Gewässern.

Das deckt rund 30 Nationen ab: die traditionelle russische Einflusssphäre, die historischen Grenzen des russischen Reiches und die aktuellen politischen und energiewirtschaftlichen Rivalitäten.

Kein Wunder, dass der Beltway durchdreht.

Russland garantiert die Schifffahrt durch Asien, die Arktis und Europa, in Verbindung mit dem eurasischen Eisenbahnnetz BRI.

Und zu guter Letzt: Legen Sie sich nicht mit einem Atombären an.

Das ist es, worum es in der Machtpolitik des harten Kerns geht. Medwedew hat nicht geprahlt, als er sagte, die Ära einer einheitlichen Reservewährung sei vorbei. Das Aufkommen einer ressourcenbasierten globalen Reservewährung bedeutet, kurz gesagt, dass 13 % des Planeten die anderen 87 % nicht mehr beherrschen werden.

Es ist eine Neuauflage von NATOstan vs. Eurasien. Kalter Krieg 2.0, 3.0, 4.0 und sogar 5.0. Es spielt keine Rolle. Alle früheren Nationen der Blockfreien Bewegung (NAM) erkennen, aus welcher Richtung die geopolitischen und geoökonomischen Winde wehen: Die Zeit, ihre wirkliche Souveränität zu behaupten, ist gekommen, während die “regelbasierte internationale Ordnung” ins Gras beißt.

Willkommen in der Geburtsstunde des neuen Weltsystems. Außenminister Sergej Lawrow hätte es in China nach einem Treffen mit mehreren Amtskollegen aus ganz Eurasien nicht besser ausdrücken können:

“Es entsteht eine neue Realität: Die unipolare Welt gehört unwiderruflich der Vergangenheit an, eine multipolare Welt nimmt Gestalt an. Das ist ein objektiver Prozess. Er ist unaufhaltsam. In dieser Realität wird mehr als eine Macht „regieren” – es wird notwendig sein, zwischen allen Schlüsselstaaten zu verhandeln, die heute einen entscheidenden Einfluss auf die Weltwirtschaft und -politik haben. Gleichzeitig sorgen diese Länder, die sich ihrer besonderen Situation bewusst sind, für die Einhaltung der Grundprinzipien der UN-Charta, einschließlich des grundlegenden Prinzips der souveränen Gleichheit der Staaten. Niemand auf dieser Erde sollte als unbedeutender Akteur betrachtet werden. Alle sind gleich und souverän.“

Geschichten die das Leben schrieb: Rainy Day Philosophy

Eine Straßenbahn fährt über eine Brücke, im Hintergrund sieht man eine ganze Stadt, in deren vielfältiger Infrastruktur Hunderttausende von Menschen ihr Leben leben und irgendwie über die Runden zu kommen versuchen.

Verkehrswege, Energieversorgung, Produktion der Gebrauchsgüter, Handel und Warenaustausch…. Alles ist beherrschbar, organisierbar, mit den natürlichen und menschlichen Ressourcen des Planeten locker zu bewerkstelligen.

Aber: es reicht (anscheinend) nicht für alle, es gibt krasseste Unterschiede zwischen arm und reich, Haben und Nicht(s)haben, sowohl national wie global. Schon das normale Leben ist gekennzeichnet von Konkurrenz, Gegeneinander und Gewalt; im Lroeg wird das Ganze auf die Spitze getrieben und der nackte Zweck der staatlichen Veranstaltung tritt offen zutage: Herrschaft.

Herrschaft derjenigen, die von dem in Geld gemessenen Reichtum HABEN – und damit Macht haben über die Reproduktion der Gesellschaft. Herrschaft über die, die das nicht haben und nie haben werden.

Diese Spezies ist in einem primitiven, barbarischen Zustand. Ihre kollektive Organisation beruht auf Oben und Unten, auf Besitz gegen Besitzlosigkeit, auf Eigentum gegen Eiegntumslosigkeit, und legt die gesamte Gesellschaft auf eine immerwährende Konkurrenz aller gegen alle fest.

Wäre ich ein Alien, wünschte ich mich immer öfter zurück auf meinen Heimatplaneten. Nach Lage der Dinge ist dies hier aber mein Heimatplanet; ihn in den Händen einer globalen Gewaltkonkurremz um Geld und Eigentum zu sehen, ist so schmerzhaft, dass es schwer fällt, eine minimale geistige Gesundheit aufrechtzuerhalten.

Zum Glück habe ich einen Hund.

Geschichten die das Leben schrieb: Atomkriegsvorräte die noch vor dem Krieg leer sind

Nach umfangreichen Bevorratungsaktionen insbesondere beim Weinhändler unseres Vertrauens fühlen die Liebste und ich uns gerüstet für die Wechselfälle dieser ungemütlichen Zeiten. Im Keller lagern vier oder fünf Kartons mit jeweils sechs Flaschen Rotwein, auch das Küchenregal ist prall gefüllt mit verschiedenen Flaschen des edlen Rebensaftes.

Allerdings mit dem falschen, jedenfalls nicht mit dem Lieblingswein der Frau. Sie bevorzugt einen französischen Wein aus dem Languedoc mit reichlich Restsüße; obendrein „eine so ungewöhnliche wie spannende Cuvée aus Marselan und Alicante Bouschet, die schon mit ihrer tiefroten Farbe zu beeindrucken weiß. Das Bouquet mit reifen roten Beeren und würzigen Kräutern ist ebenso animierend wie der herrlich kräftig-fruchtige Geschmack und der saftige Nachhall.“

Dem ist wenig hinzuzufügen, außer dass der besagte Tropfen namens „Les Ormières“ nur noch im Keller lagert, statt griffbereit oben in der Küche zur Verfügung zu stehen. Ich werde in den Keller geschickt, um Nachschub des Languedoc-Weines zu holen, „am besten gleich einen ganzen Karton!“. Als Quartiersmeister und Bevorratungsexperte unserer privaten Volksrepublik bin ich eher zögerlich, was den unkontrollierten Verbrauch unsrer Notstandsvorräte betrifft, zumal im Küchenregal etliche andere ebenso trinkbare Weine liegen.

Meine Bedenken werden allerdings übergangen; die Liebste besteht auf genau diesem Wein.

Ich schleppe also einen Karton „Les Ormières“ hochin den dritten Stock und verteile die Flaschen im Weinregal. „Das Zeug ist ja wirklich lecker, da gebe ich dir recht“., wende ich mich an meine trinkfeste Lebenspartnerin. „Dann sollten wir auf jeden Fall, so als Grundstock unserer Atomkriegsbevorratung, noch mehr davon einlagern!“

Die Frau lacht und meint: „Ach, bis zum Atomkrieg hab ich das leer getrunken…!“