
Kategorie: Allgemein
Jungle-Josep reitet gen (Ferner) Osten
Die hören einfach nicht auf. Provozieren, drohen, Fresse aufreißen und sich in Chinas innere Angelegenheiten einmischen, bis sie endlich zusammen mit ihren transatlantischen Herren und Meistern gegen China in den Krieg ziehen können.
Wo solche Unternehmungen enden, sieht man in der Ukraine.
Welches Schiff könnte denn die EU in die chinesischen Gewässer senden? Da böte sich doch die sagenhafte Yacht „Andromeda“ an, die schon in der Ostsee beim Pipelinesprengen so geheimnisvoll vorging, dass sie glatt niemandem aufgefallen ist, obwohl zu der Zeit eine ganze NATO-Seeübung dort stattfand und jeder Quadratzentimeter Wasseroberfläche durch das westliche Kriegsbündnis überwacht wurde.

Wider die Natur?
Kapitalismusgläubige so:
„Marktwirtschaft und Konkurrenz liegt in der Natur des Menschen! Konkurrenz gibt’s schon bei Tieren! Der stärkste setzt sich durch! Fressen oder gefressen werden! Euer kommunistisches Wolkenkuckucksheim, wo alle sich Arbeit und Wohlstand teilen, könnt ihr euch in die Haare schmieren, das ist WIDER DIE NATUR“
Die Natur:
Kapitalismusgläubige so:
„Marktwirtschaft und Konkurrenz liegt in der Natur des Menschen! Konkurrenz gibt’s schon bei Tieren! Der stärkste setzt sich durch! Fressen oder gefressen werden! Euer kommunistisches Wolkenkuckucksheim, wo alle sich Arbeit und Wohlstand teilen, könnt ihr euch in die Haare schmieren, das ist WIDER DIE NATUR“
Die Natur:


Praktisches Beispiel neoliberaler Privatisierung der öffentlichen Infrastruktur: die Postfiliale in Oberkassel
Nur das historische Gebäude mit der alten Schrift über der Tür weist noch darauf hin, dass hier einstmals ein staatliches Dienstleistungsunternehmen untergebracht war, das (vielleicht beamtenmäßig, aber zuverlässig) Briefe und Pakete beförderte, Zahlungen und Bankgeschäfte ausführte usw.
Heute beherbergt das Gebäude – so wie alle Postfilialen, die ihr Postgeschäft noch nicht in irgendwelche Kioske oder sonstige Einzelhandelsgeschäfte ausgelagert haben – eine Filiale der Postbank, ein Unternehmen der Deutschen Bank. Diese gelb angestrichene Privatbank hat ihre Öffnungszeiten für den Publikumsverkehr immer weiter reduziert; mittlerweile ist samstags ganz geschlossen und unter der Woche noch vormittags geöffnet.
An den fünf Postschalter sitzen maximal zwei Angestellte, die versuchen, so gut es geht, dem Kundenandrang gerecht zu werden. Auf der gesamten Länge des Publikumsbereiches sind mit Glaswänden abgetrennte Beratungsbüros der Postbank eingerichtet, insgesamt vier, die auch alle besetzt sind. Dort sitzen beschlipste Männchen in Einheits-Sakkos an Schreibtischen und drehen Däumchen beim Warten auf Bankkunden. Denen sollen sie die Bankprodukte der Deutschen Bank im Gewand der Postbank verkaufen. Im Schalterbereich stauen sich unterdessen die Schlangen der Postkunden bis zum Eingang. Geld einzahlen und abheben müssen Postbankkunden nämlich nach wie vor am Schalter.
Das ganze Elend dieses 1995 in einen börsennotierten Konzern umgewandelten staatliche Dienstleisters, der alle paar Jahre umgebaut, filetiert und auf immer noch mehr Profitabilität ausgerichtet wird, bleibt den normalen Postkunden natürlich nicht verborgen. Jeder Gang zur Post für die üblichen Anliegen wird zu einer Zumutung, für die man Zeit, Geduld und Nerven mitbringen muss. Während der ausgiebigen Wartezeit kann man sich die Männchen in den Glaskästen anschauen, die wichtigtuerisch in Akten blättern, Notizen anfertigen und auf Bildschirme schauen, aber in der Regel keinerlei Kundschaft haben.
In einer besseren Gesellschaft würde die gesamte öffentliche Infrastruktur des Landes – Post, Telekommunikation, Transport, Gesundheit – in den wesentlichen Teilen und als erster Schritt wieder staatlicher Kontrolle unterstellt und den privaten Eigentümern entzogen.


Man muss sich heutzutage mit identitärer Identität identifizieren, sonst ist man Nazi
Auf dem Weg durch die Stadt fällt mir ein Plakat auf, das Familienbetriebe und Unternehmen ansprechen und für die Umstellung auf Wärmepumpen sensibilisieren soll. Wärmepumpen gelten anscheinend in der Ära des grünen Irrationalismus als Allheilmittel gegen Klimawandel und das übrige Schlechte in der Welt. Das alleine ist schon bizarr genug, aber der Anblick des Plakates läßt mich an ein satirisches TicToc-Filmchen denken, das ich heute morgen sah. Darin erzählt ein falscher Robert Habeck den Zuschauern, dass die Umstellung ganz einfach ist und dass er sie in seinem eigenen Keller bereits erfolgreich gemacht hat.
Die Kamera begleitet „Robert Habeck“ in den Keller und zoomt ein auf einen Ausdruck, der an der Wand hängt. Darauf steht: „Diese Heizung identifiziert sich ab sofort als Wärmepumpe und erfüllt damit die Vorschriften des Emergieirgendwas-Gesetzes“ (oder so ähnlich).
Während ich daran denke, breitet sich an meinem inneren Horizont panoramamäßig das zeitgeistige Gesamtbild der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklung aus; der Grund, warum seit einiger Zeit die IDENTIFIKATION mit irgendetwas, die rein subjektive, gefühlte, individuelle Befindlichkeit des einzelnen Marktteilnehmers das Nonplusultra des modernen Imperialismus ist.
Je umfassender und totalitärer die Verfügung der finanzkapitalistischen Herrschaft über die Gesellschaft ist, je weniger tatsächliche Freiheit, Souveränität und Autonomie der Einzelne (oder ganze Staaten!) haben, umso größer wird die ILLUSION aufgeblasen, dass man diese Freiheit HÄTTE: und zwar auf dem einzigen Feld, auf dem die autonome Entscheidung eines Individuums noch zulässig ist, dem des GEFÜHLS, dem des Wunsches, irgendetwas anderes zu sein als man gerade ist.
Zulässig ist diese Freiheit, weil sie die Herrschaft der globalistischen Eliten und der finanzkapitalistischen Oligarchie nicht stört. Im Gegenteil: mit ihr ist ein Bereich eröffnet, in dem sich die verschiedenen und gegensätzlichen Interessen der Leute auf einem Spielfeld austoben können, auf dem sie beschäftigt und unterhalten werden – und das ihnen die Einbildung läßt, dass sie etwas ganz Elementares im Leben SELBST zu entscheiden hätten. Wenn der einzelne Marktwirtschaftsuntertan schon keinerlei Mitsprache hat bei den Fragen der gesellschaftlichen Reproduktion, des Eigentums an den Produktionsmitteln, des Gesellschaftssystems – dann aber wenigstens (und dafür mit voller Wucht und staatlich und medial von allen Seiten ermuntert !) in der Frage, ob man Männlein, Weiblein, irgendwas dazwischen und generell ganz bunt und divers und mit lauter lustigen Identitäten identifiziert sein will.
Die obsessive Promotion dieser „Freiheit“, die Dringlichkeit, mit der die öffentliche Meinung mit der Ideologie des „Du bist das, mit dem du dich identifizierst“ gefüttert und geformt wird, weist auf die Verzweiflung hin, die die Eliten des neofeudalen Finanzkapitalismus erfasst hat. Sie haben NICHTS mehr, mit dem sie ihre Bevölkerungen bestechen und auf ihre Seite bringen können. Sie müssen jetzt auf ideologische Angebote zurückgreifen, die vollkommen auf irgendein materielles Versprechen verzichten und stattdessen ganz und gar auf die gefühlte, subjektive imaginierte Wunschwelt des Einzelnen setzen. Sie unterstreichen die Wucht, mit der sie diese ideologische Offensive führen, mit der vernichtenden medialen (gerne auch beruflichen) Abstrafung aller Abweichler als Ewiggestrige, Rechte, minderheitenfeindliche Speießer und (darf nie fehlen) Nazis.
Ihr Problem: die Leute außerhalb der herrschaftlichen und woken Filterblase durchschauen das auf ihre ohnmächtige, volkstümliche und oft wenig ausdrucksfähige Art und lassen sich kein X für ein Y(-Chromosom) vormachen.

Verdächtige Russlandfreundlichkeit war schon vor achtzig Jahren in Deutschland ein Thema
Beim Aufräumen gefunden: Rubelscheine aus dem Großen Vaterländischen Krieg.
Mein Großvater hatte sie mitgebracht, als er Ende der 1940er Jahre us russischer Kriegsgefangenschaft zurückkam. Zu Kriegszeiten hatten seine Feldpostbriefe aus Russland meiner Großmutter den Besuch der Hamburger Gestapo eingebracht, denen das Lob für die russischen Schulen und Kinderheime, die mein Großvater hinter der Front (er war als „bedingt Wehrtauglicher“ für den Flugplatzbau und ähnliches abkommandiert) kennenlernen durfte, zu russenfreundlich war.
Wie man sieht, war verdächtige Russlandfreundlichkeit schon vor achtzig Jahren in Deutschland ein Thema.

Loblied der Drogen
Ich liebe Drogen.
Drogen haben mich zu einem bescheideneren Menschen gemacht.
Sie haben meine Arroganz abgeschliffen und mich von der Einbildung befreit, irgendwas erkannt zu haben oder zu wissen, schon gar nicht besser als andere.
Vor allem haben sie mir gezeigt, dass das, was nach allgemeiner Übereinkunft „Realität“ genannt wird, jenseits der physikalischen Fakten tatsächlich nur das ist: eine Übereinkunft, um sich in der Welt bewegen und überleben zu können.
Drogen sind nicht getrennt von der Realität, sie verändern sie nicht, sie können ihr keinen Sinn geben, da die Realität selber keinen hat.
Drogen verhelfen zu der Einsicht, die Padmasambhava vor 1200 Jahren so formulierte: Lifes’s experiences are like last nights’ dreams.

Geschichten aus dem Pflegeheim: ein Lichtstrahl aus Farbe im Nebel der Verlorenheit und kein Lohneingang auf dem Konto
Frau S., eine schüchterne, zurückhaltende, fast devot zu nennende Frau Anfang oder Mitte Achtzig nimmt seit einigen Wochen an der Mal- und Kreativrunde teil. Sie ist dement und schlecht zu Fuß, weshalb sie meistens im Rollstuhl sitzt. Anfangs kam sie mit, weil sie auf die Frage, ob sie teilnehmen möchte, einfach nicht „Nein“ sagen kann. Inzwischen habe ich bemerkt, dass sie gerne kommt und dass es ihr anscheinend gut tut, über das Malen und Zeichnen zu einer Ausdrucksfähigkeit zu finden, die sie ansonsten nahezu vollständig verloren hat.
Die Demenz von Frau S. ist von der Art, die sie zu einer Exilantin in ihrer eigenen inneren Welt macht, deren fortschreitende Auflösung sie in wortlosem Staunen über sich ergehen läßt. Dabei bleibt sie stets ruhig, freundlich, sehr bescheiden und – stumm. Sie redet nur, wenn sie etwas gefragt wird und eine Antwort geben soll. Die Antwort bleibt dann fast immer kurz und knapp: „Ja“, „Gerne“, Danke“ usw.
Heute sitzt sie wieder am Ende der Tischreihe und zeichnet mit Ölpastellkreiden eine Frühlingswiese. Das alleine ist für ihre Verhältnisse schon ein ungeheurer Vorgang, nachdem sie bei den ersten Malen in der Gruppe einen langen Anlauf brauchte, um überhaupt zu begreifen, was man mit Papier, Stiften und Farben anfangen kann (ihre Schwiedertochter, der ich ein paar ihrer Zeichnungen zeigte, wollte gar nicht glauben, dass ihre Schwiegermutter- die kaum noch mit Kindern und Verwandten aktiv kommuniziert – tatsächlich an einer Malgruppe teilnimmt und dort auch noch richtige Bilder malt).
Frau S. gegenüber sitzt Herr B., ein gestandener, gemütlicher und jovialer Ex-Landwirt, der ein paar Wochen zur Kurzzeitpflege bei uns ist und gerne die Gelegenheit ergriffen hat, ein bißchen kreativ zu sein. Er hat die Aquarellmalerei für sich entdeckt und malt einen Bogen nach dem anderen voll mit Flächen in Primärfarben. Man merkt ihm an, dass es ihm Spaß macht und dass er mit Hingabe bei der Sache ist.
Plötzlich wendet sich Frau S. an mich, zeigt auf Herrn B., dem sie wohl schon eine Weile zugeschaut hat, und sagt: „Ich möchte auch das mit den Farben und dem Wasser machen, so wie der Mann da!“. Ich bin baff, beeile mich aber, ihr Aquarellpapier, -farben, Pinsel und Wassergläser zu besorgen und zeige ihr die Handhabung. Sie hat etwas Schwierigkeiten mit der Reihenfolge – Papier nass machen, Pinsel nass machen und in die Farbe tauchen, Farbe auf das nasse Papier auftragen, Pinsel wieder zum Säubern ins Wasser tunken – aber der Vorgang selber, das Verlaufen der Farben auf dem nassen Papier, begeistert sie über die Maßen.
Ein Leuchten geht über ihr Gesicht, als ob ein Lichtstrahl die Dunkelheit erhellt oder die Nebel vertreibt. Wir benutzen in der Gruppe keine Tuschekästen wie in der Schule, sondern echte Künstler-Aquarellfarben, die natürlich eine ganz andere Intensität und Lebendigkeit haben.
Fasziniert und neugierig verfolgt Frau S. die Wege und Muster, die ihr Farbauftrag auf dem feuchten Papier nimmt. Nachdem ich ihr zeige, wie es geht, hält und dreht sie das Papier in alle Richtungen, so dass die Farbe sich besser verteilen kann.
Ich bin berührt und beeindruckt – berührt von der Veränderung in Frau S. Sie scheint auf einmal eine Tür gefunden zu haben, die herausführt aus ihrem sonstigen Eingeschlossensein in ihrer Demenz. Und beeindruckt von ihren Aquarellen, die leuchtend und schön anzuschauen sind. Und von der Wirkung von Kunst, von Farben, auf die Seele. Oder, um es niedriger aufzuhängen, von den Möglichkeiten kreativer Betätigung in der Betreuung von dementen Menschen.
Jetzt bin ich froh, dass ich heute doch noch zur Arbeit erschienen bin. Zunächst wollte ich aus lauter Ärger, dass ich meinen am 15. fälligen Niedriglohn noch nicht auf dem Konto habe, gar nicht hingehen, vor allem nicht, nachdem ich durch Rücksprache mit den Kollegen feststellen muss, das alle ihr Geld erhalten haben, ich aber nicht. Des Rätsels Lösung verrät mir der Personalabteilungsmensch, der für die Lohnabrechnungen zuständig ist: „Ihr Arbeitsvertrag ist am 31.03. abgelaufen und nicht verlängert worden. Wenn Sie keinen Arbeitsvertrag haben, erhalten Sie natürlich auch keinen Lohn!“
Mein allerchristlichster Arbeitgeber, der mit mir vor Jahresfrist nur einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag abschließen wollte (mir aber versichert hatte, dass man diesen ja jedes Jahr erneuern könne), hatte vergessen, mich auf das Datum hinzuweisen bzw. mir die Fälligkeit in Erinnerung zu rufen um den Vertrag zu verlängern. Vielleicht passend für eine Pflegeeinrichtung, die überwiegend Demente betreut, aber nicht passend für Niedriglöhner, denen zufällig am Tag des Lohneinganges die Miete abgebucht wird.
So schnell jedenfalls war ich selten bei der Einrichtungsleitung. Dort wird mir reuig versichert, dass alles nur ein Versäumnis sei. Welche Art Vertrag ich denn ab jetzt haben und ob ich nicht gleich einen unbefristeten machen wolle, schließlich wäre der Einrichtung daran gelegen, das ich also lange wie möglich bliebe. Ich traue meinen Ohren nicht; wieso dann der letztjährige Zinnober mit dem befristeten Vertrag? Ende vom Lied: ab sofort bin ich unbefristet eingestellter Diakonie-Mitarbeiter und kann (und muß) solange meine Armutsrente mit Lohnarbeit aufbessern, wie die Kräfte reichen. Was, sofern Erlebnisse wie das mit Frau S. vorkommen, noch lange Zeit der Fall sein wird.




