Abweichlerin gelöscht

Das Revolverblatt für besserverdienende Grüne, die ehemals dezent linke „taz“, nimmt sich eine verdächtige Abweichlerin vom staatlich-medialen Corona-Konsens vor. Der Artikel rechtfertigt Zensurmaßnahmen gegen die Kabarettistin Lisa Fitz mit der stichhaltigsten aller Begründungen: Schwurbelei!

Konkret wird ihr vorgeworfen, die Behauptung, dass es europaweit 5000 Tote durch Corona-Impfungen gäbe, sei falsch. In Wahrheit wären es viel weniger. Sehr viel weniger können es aber nicht sein, denn sogar das Robert-Koch-Institut spricht laut Zeitungsberichten von ca 1.800 „Verdachtsfällen“ (man drückt sich lieber vorsichtig aus) auf Impfungen mit Todesfolge alleine in Deutschland.

Wie auch immer, Frau Fitz gerät durch ihre im Rahmen eines Kabarettauftritts gemachte Bemerkung volle Kanone in das Zentrum eines mainstream-medialen Shitstorms, der sich gewaschen hat. Die Empörung schlägt Tsunami-mäßige Wellen, die Qualitätspresse schießt sich mit „Fake News!“- und „Schwurbelei!“-Geschossen ein auf die Frau, die immerhin schon mal irgendeinen Verdienstorden und diverse Preise und Auszeichnungen ihrer Branche eingeheimst hat.

Diesmal hat sie’s aus Sicht der Gesinnungswächter aber übertrieben, und sowas gehört bestraft. War da mal was mit sowjetischen Bildmanipulationen, bei denen in Ungnade gefallene Personen aus Fotos rausretuschiert wurden? Sowas machen WIR natürlich nicht, aber sowas ähnliches schon: Fitz‘s Beitrag wird flugs aus allen Medien gelöscht.

Interessant allerdings ein Passus in dem „taz“-Artikel:

„Eine Sprecherin des PEI schrieb schon vor Monaten dem „Faktenfuchs“ des Bayerischen Rundfunks: „Ein Todesfall NACH Impfung bedeutet nicht zwangsläufig einen Todesfall DURCH Impfung. Das wird in den Sozialen Medien leider häufig gleich gesetzt.““

Da wird man stutzig, denn umgekehrt scheint ja zwischen Corona-Infektion und Todesfällen durchaus ein Zusammenhang zu bestehen, wenn man den offiziellen Sprachregelungen Glauben schenkt: war nicht bis vor nicht allzu langer Zeit immer bei allen (vor oder nach ihrem Tod) positiv getesteten Verstorbenen von „Corona-Toten“ die Rede, inzwischen etwas abgemildert durch die Redewendung von „Toten in Zusammenhang mit Corona“?

Will sagen, bei den Todesfällen „durch Corona“ oder „im Zusammenhang mit dem Corona-Virus“ wird großzügig alles zusammengezählt, was Corona-positiv getestet wurde – egal ob die Leute vorerkrankt, alt oder sonstwas sind.

Fragt ja nur mal

Ein doppelt geimpfter Genesener

https://taz.de/Lisa-Fitz-bei-Spaetschicht/!5822849/

Geschichten aus dem Pflegeheim: Roter Stern über Neuss

Bilder für den Speisesaal im Wohnbereich, weil Kollegen und Bewohner zu recht sagen, dass die Herbstbilder („Der Herbst steigt auf die Leiter…) jetzt mal langsam abgehängt werden können…. 😉.

Der Weihnachtsbaum entstand heute während des „Café Kay“ Angebotes, ein äußerst beliebtes Format, das mit Tischdekoration und Retro-Geschirr, Musik und Kaminfeuer (vom Bildschirm) eine Wiener Caféhaus-Atmosphäre entstehen läßt.

Es ist den Leute nicht entgangen, dass die roten Sterne, besonders aber der an der Spitze, auch eine andere Symbolik besitzen können als die weihnachtliche. Auf meine Frage aber, ob ich noch Hammer und Sichel rein zeichnen soll, erscholl mir ein vielstimmiges „Nein!“ entgegen.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Nikolaustag

An meinem ersten Arbeitstag nach dreiwöchiger Abwesenheit genieße ich erstmal die rührende Zuneigung meiner betagten Fans, die mich trotz ihrer Demenz nicht vergessen haben. Frau H. reißt, kaum dass sie meiner von weitem ansichtig wird, beide Hände hoch, wirft mir Kusshände zu und ruft „Gottseidank! Dass du wieder da bist! Das wurde aber Zeit! Du kannst dir nicht vorstellen, was ich….“ und holt aus zu einer ausführlichen Erzählung über allerlei Unbill und Beschwerlichkeiten, die ihr andauernd widerfahren (und die im Wesentlichen aus ihrem Unvermögen bestehen, ihr zeitliches und räumliches Erleben bzw. ihren Wach- und Traum- und Erinnerungszustand unter einen Hut zu kriegen).

Frau K. ist die nächste, die mir im Rollstuhl entgegen gerollt kommt. „Na endlich!!“, strahlt sich mich mit 2000 Watt an, „da sind Sie ja wieder!“. Die halbblinde Frau Sch. hört meine Stimme, wendet abrupt ihren Rollator in meine Richtung, eilt mir entgegen so behende wie sie es vermag, und fragt: „Kay? Sind Sie der Kay?! Ach, da bin ich aber froh…“

Und so weiter; überall vernehme ich Stoßseufzer der Erleichterung und Ausrufe schieren Glückes über mein Wiederauftauchen aus der Versenkung einer dreiwöchigen Reha, die allerdings krankheitsbedingt nur drei Tage dauerte (den Rest der Zeit hütete ich mit Grippe das Bett). Ich bin entsprechend gerührt und verspreche allen, dass wir uns gleich im Speisesaal zu einer großen Bunten Runde versammeln werden, wie immer mit viel Unterhaltung, Musik, und natürlich Bildern und Geschichten.

Am 6. Dezember kommt man in einem Pflegeheim nicht umhin, anlassbezogen allerlei nikolausige und weihnachtliche Themen aufzugreifen. Das ist im Grunde ein Selbstläufer, denn jeder hat natürlich allerlei – meistens angenehme – Erinnerungen und Gewohnheiten, die mit diesem Datum verknüpft sind. Diese muß man nur mit entsprechenden Hinweisen, Liedern, Erzählungen, Fragen usw. wachkitzeln.

So liegt es auf der Hand, den Nikolaustag mit der Frage zu beginnen: Wer war eigentlich dieser Nikolaus? Und wieso wird der dauernd mit dem Weihnachtsmann verwechselt? Ich gebe mein vorher bei Wikipedia angelesenes Detailwissen in demenztauglicher Anpassung zum Besten, während ich einen „Nikolaus“ auf das Flipchart zeichne.

Dabei merke ich allerdings, dass ich mal wieder der Verwechslung von Nikolaus und Weihnachtsmann erlegen bin, denn während ersterer auf eine historische Figur und Kirchenheiligen – Nikolaus von Myrna – aus dem dritten und vierten Jahrhundert zurückgeht, ist der andere rotgewandete weißbärtige Alte eine Figur der Volkssage und der populären Märchen.

Das ist natürlich ein Grund, endlich und ein für allemal die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden zu klären. Das Thema wird heiß diskutiert unter den wacheren Anwesenden. Die müderen dösen vor sich hin oder schlafen mit dem Kopf auf den Armen am Tisch. Die Runde ist sich jedenfalls einig, dass der Weihnachtsmann an Heiligabend kommt, der Nikolaus aber viel früher, nämlich heute, am Nikolaustag. Weitere Unterscheidungsmerkmale fallen keinem ein, bis Frau B. einen Geistesblitz hat und laut „Knecht Ruprecht!!“ in die Runde ruft. Beifälliges Nicken rundum.

Knecht Ruprecht als Begleiter des Nikolauses ist allen irgendwie ein Begriff. Jetzt mach ich’s aber noch eine Ecke schwieriger und frage, wieso denn bei manchen an Heiligabend der Weihnachtsmann kommt, bei anderen dagegen das Christkind (ein Umstand, der mir schon immer ein Rätsel war). Meine glaubensfeste Truppe ist aber besser informiert als ich und klärt mich auf, dass das Christkind bei den Katholiken kommt, der Weihnachtsmann aber zu den Protestanten. Deswegen muss jetzt auch noch das Christkind auf das Bild, was ich unter allgemeinen Zurufen und Hinweisen („Wie ein Engel!“, „Blonde Haare!“, „mit Geschenken!“) auch umsetze. Die Frage, wie ein kindgroßes Engelchen einen derart schweren Sack mit jeder Menge Geschenke durch die Luft tragen kann, erklären wir mit der ausgeprägten Heiligkeit des Christkindes, das irgendwie auch Jesus ist und von daher sowieso wundertätig.

Meine Runde ist angenehm unterhalten, die Stimmung ist bestens und wir wenden uns nun der entscheidenden Frage des Nikolaustages zu: welche Schuhe nimmt man und was tut man da so rein an Leckereien, Geschenken, Süßigkeiten usw. Hier hat jeder eine eigene Geschichte zu erzählen, entweder aus der eigenen Kindheit oder von den Kindern, für sie man als Eltern den Nikolaus spielte. Auch ich weiß eine Geschichte, nämlich eine, die ich mir beim Zeichnen ausdenke: der Zwist des linken und rechten Damenstiefels! Beide lebten ein einträchtiges und vergnügtes Leben miteinander, nie gab es Streit, alles wurde gemeinsam unternommen. Es waren teure Lederstiefel mit Innenfutter aus Schaffell, Schwestern im Geiste, Zwillinge von Geburt an und die Lieblinge ihrer Besitzerin.

An Nikolaus jedoch kam es zum Zerwürfnis, denn nur der rechte Stiefel wurde ausgewählt, vor der Tür auf den Nikolaus zu warten und mit Süßigkeiten gefüllt zu werden. Verständlich, dass der linke Stiefel stinksauer war und mit dem rechten haderte und grummelte. Die auf Stiefelisch dahingefluchten Invektive (die ich glaubhaft für meine Zuhörerschaft verbalisiere) gingen auf keine Kuhhaut und die beiden waren kurz vor der endgültigen Entzweiung.

Meine Truppe hört gespannt zu. Wie löst sich dieses Drama auf? Kann es noch ein Happy End für die beiden Stiefel geben? Am Ende ging es glimpflich aus: man einigte sich stiefel-intern darauf, dass nächstes Jahr einfach der linke Stiefel dran ist. Alle sind erleichtert; die Geschichte ist ganz nach dem Geschmack meiner Leutchen, die wohl selber ein Lied zu singen wissen vom Zukurzkommen und vom Neid auf die Bevorzugten.

Jetzt erklingt vom Gang die sonore Glocke des echten Nikolauses, diesmal vom Kollegen F. verkörpert. Er hat sich freiwillig das seit Jahren im Einsatz befindliche und nie gewaschene schmuddelige rote Nikolaus- bzw. Weihnachtsmannkostüm angezogen und den Rauschebart aus Plastik über die FFP2-Maske gehängt (eine Großtat, die nur derjenige zu würdigen weiß, der einmal zwei Stunden lang in so einer Verkleidung auf drei Wohnbereichen eines chronisch überheizten Pflegeheimes unterwegs war).

Jetzt wird es richtig festlich und andächtig. Die feierliche Atmosphäre, die stimmungsvolle Musik, die Gaben (gestiftet von einem großzügigen Angehörigen) begeistern und erfreuen die Bewohner, alle strahlen, manche haben Tränchen in den Augen und kollektiv sehen wir unserem Nikolaus nach, dass er eigentlich wie ein Weihnachtsmann gekleidet ist, also eine Zipfelmütze aufhat statt einer Mitra. Einen Knecht Ruprecht allerdings hat er dabei: der FSJler des Sozialen Dienstes schiebt den Wagen mit den Gaben und Geschenken hinter dem Nikolaus her, dessen Jutesack nur Geschenke für maximal 10-12 Bewohner aufnehmen kann.

Geschichten aus dem Pflegeheim: WLAN zum Skypen? Zu teuer für Alte.

Die meisten „Bunten Runden“ sowie die Arbeit in der „Tagesgruppe Demenz“ bestreite ich mit reichlich Improvisation, Spontaneität, viel Quatsch mit Soße sowie jeder Menge Bildern, Geschichten und Musik. Für die letzten beiden, besonders aber für die Musik, benötige ich Internetverbindung. Damit kann ich in Sekundenschnelle jedes Lied aufrufen und spielen, das im Hin- und Her der Interaktion mit den Bewohnern auftaucht, mir einfällt oder von meinen Zuhörern gewünscht wird.

Dass ich hierzu meine eigene Hard- und Software, also iPad und Apple Music Abo, verwende, ist die eine Sache (einen Bluetooth-Lautsprecher konnte ich immerhin der Einrichtungsleitung abtrotzen, nachdem ich zwei Jahre lang meinen eigenen mit ins Heim gebracht hatte). Das Internet läuft über das hauseigene WLAN, das mittels zusätzlicher WLAN-Verstärker auch in den Räumen abseits der zentralen WLAN-Quelle gut verfügbar ist. Auch die wenigen Bewohner, die Internet nutzen (maximal eine halbe Handvoll der 74 Leute), haben einen solchen Verstärker – vom Heim zur Verfügung gestellt – auf ihrem Zimmer.

Seit etwa zwei Wochen jedoch beobachte ich, dass die Endgeräte zwar alle mit dem WLAN-Verstärker verbunden sind und dieser auch Empfang anzeigt, doch die Signalstärke nicht ausreicht, um IRGENDWELCHE Websites oder -portale aufzurufen, geschweige denn Musik zu streamen. Frau L., eine Bewohnerin, die regelmäßig mit ihrer Verwandtschaft in Übersee skyped und dafür auf eine stabile und ausreichende Verbindung angewiesen ist, berichtet mir von demselben Phänomen: alle Endgeräte verbunden, Verstärker zeigt Funktionsfähigkeit an, aber kein Internetzugriff.

Als am Freitag der zuständige IT-Mann zu seiner wöchentlichen Visite ins Heim kommt, schnappe ich ihn mir und lege ihm das Problem dar. Ich vermute nämlich, er hat irgendwas an der Konfiguration der WLAN-Routers geändert, ein neues Passwort vergeben, das Heimnetz umbenannt oder so etwas.

Er hört sich meinen Report an, schaut mich traurig an und sagt:

Nein, das Einzige was ich geändert habe, ist dass ich das Datenvolumen drosseln musste. Anweisung vom Vorstand. Denen war die letzte Telefonrechnung zu hoch. Wir haben einen Businesskunden-Rahmenvertrag mit O2 für die gesamte Diakonie – und der Businesstarif ist teurer als der Privatkundentarif. Eigentlich müsste wir einen neuen Vertrag aushandeln. Jedenfalls musste ich alles drosseln und beschränken, um unter dem Datenlimit zu bleiben…

Ich bin erstmal sprachlos über den schäbigen, kleinlichen Geiz einer Institution, die mehrere Pflegeheime betreibt, wo jeder Bewohner mit bis zu 4000 Euro monatlich zur Kasse gebeten wird und die bekanntermaßen keine arme Einrichtung ist. Außerdem weiß ich, dass das Bereitstellen eines ausreichendem Internetzuganges zur Grundversorgung eines Pflegeheimes gehört, also behördlich gefordert ist. Das bestätigt mir auch der IT-Kollege, der einen schwachen Versuch macht, sich mit der Interessenlage seines Arbeitgebers zu identifizieren: „Ja, schon… die Rechnung war aber 6000 Eurohoch, das ist ganz schön happig. 60 GigaByte kosten 500 Euro, das ist wirklich teuer… und das geht halt schnell drauf für diverse Leute im Home Office.“

Ich erfahre noch, dass dieser Rechnungsbetrag für sämtliche Einrichtungen der Diakonie gilt, nicht bloß für unsere. Ich entgegne ihm: „Sag mal, spinnen die? Unsere Arbeit, jedenfalls die des Sozialen Dienstes, hängt teilweise davon ab, dass wir Internetzugang haben. Ich nutze jetzt schon seit Wochen mein eigenen Datenvolumen.. .Noch schlimmer ist, das Frau L. jetzt nicht mehr mit ihrer Tochter in USA skypen kann, weil die Herren vom Vorstand beschlossen haben, dass sie an uns und an den Bewohnern sparen..“

Der Kollege findet die Situation auch nicht schön. Er muß mir versprechen, wenigstens für den von Frau L. genutzten WLAN-Verstärker das Datenvolumen wieder hochzusetzen. Das reicht mir aber noch nicht und ich gehe erst mal bei den im Hause zuständigen Stellen rumstänkern über die neueste Fiesheit der so frommen wie kostenbewussten diakonischen Geschäftemacher. Zum Glück erfahre ich sowohl beim Sozialen Dienst wie bei der Einrichtungsleitung Verständnis und Unterstützung. Kollege B., der unseen Sozialen Dienst organisiert, schaut mich konsterniert an und bemerkt nur „Das ist echt schäbig. Die Diakonie ist reich genug!“ und vom Einrichtungsleiter höre ich „Grad vorhin war der Vorstand hier, schade das ich erst jetzt davon erfahre!“.

Es besteht also Hoffnung, dass die Knickerigkeit des lohn- und kostendrückenden Diakonie-Managements korrigiert wird. Trotzdem überlege ich kurz, ob ich die Zeichnungen vom gestrigen „Tagesgruppen“-Vormittag nicht plakativ zweckentfremden soll für eine satirische Botschaft gegen Geiz, Knauserigkeit und Schäbigkeit auf Kosten der Ärmsten und Bedürftigsten – wir kamen nämlich am Vortag aus irgendwelchen Gründen auf den Begriff „Ekel“ und sprachen über die Tiere, die uns am meisten Ekel einflößen.

Da ich aber nicht kurz vor der Rente noch gekündigt werden will, unterlasse ich das dann lieber. Eklig ist es aber allemal.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Das Katzentaxi

Seit Anfang November gibt es wieder die „Tagesgruppe Demenz“ für die Mehrzahl derjenigen Bewohner des Wohnbereiches (plus zwei weitere von anderen Wohnbereichen), die eine „offizielle“ Demenzdiagnose haben. Die Leute freuen sich darüber, wieder in der familiären Atmosphäre der vertrauten kleinen Runde gesellig und gemütlich Zeit zu verbringen und „etwas geboten“ zu kriegen.

Wie in jeder Familie gibt es natürlich auch in unserer Runde unterschiedliche Charaktere, die nicht immer miteinander harmonieren, die aber irgendwie unter einen Hut gebracht werden müssen, damit die Gruppe „funktioniert“.

Eine Teilnehmerin aus dem Wohnbereich 1, Frau B., hat in der langen „Tagesgruppen“-Pause anscheinend zunehmend begonnen, mit ihrem körperlichen und mentalen Schicksal zu hadern. An buchstäblich jedem Vormittag kann man sie spätestens ab 10:00 klagen hören, dass sie „nach Hause möchte“ und „nicht mehr kann“.

Nun ist das bei dementiell veränderten Menschen nichts Ungewöhnliches; das Bedürfnis, die innere Verlorenheit und fortschreitende Auflösung der Gedächtnisinhalte kompensieren zu wollen, drückt sich sehr häufig in der Sehnsucht nach dem Ort in Zeit und Raum aus, an dem noch alles in Ordnung war: zuhause eben. Das Pflegeheim, das faktisch ja das jetzige Zuhause ist, wird von keinem meiner Leute als „zuhause“ empfunden. Einem dementen Menschen braucht man gar nicht erst mit „Aber Frau Sowieso, Sie sind doch jetzt HIER zuhause!“ und ähnlichen Floskeln zu kommen. Neben verständnislosen Blicken erntet man auf solche Versuche mitunter Bemerkungen wie „Nee, ZUHAUSE meine ich, da wo meine Eltern sind…“

Frau B. jedenfalls ist alle zwei bis drei Minuten mit dem Satz zu vernehmen „Ich kann nicht mehr!“, ersatzweise „Ich will nach Hause“. Dass diese Stoßseufzer keine konkreten, zielgerichteten Wünsche sind, merkt man daran, dass Frau B. – wenn man ihr anbietet, sie zurück in ihren Wohnbereich zu bringen – entschieden ablehnend reagiert. Sie weiss ziemlich genau, dass die Alternative zur „Tagesgruppe“ in langweiligem Alleine-im-Zimmer-sitzen besteht, und das will sie auf gar keinen Fall. Außerdem ist sie, entgegen dem äußeren bzw. hörbaren Anschein, sehr gerne in der Gesellschaft der anderen und braucht geradezu die Aufmerksamkeit, die ihr durch ihr Dauerlamento zwangsläufig zuteil wird.

Heute allerdings überspannt sie den Bogen deutlich. Ihre Sitznachbarin Frau Sch., ansonsten als ostpreußische Landsmännin eine geschätzte Gesprächspartnerin, wendet sich entnervt ab und murmelt gelegentlich „Das hält ja keiner aus…“ oder „Wie oft will die das denn noch sagen??“.

Frau Sch. jedoch ist eine zurückhaltende, freundliche Person; Frau H. dagegen, die Frau B. gegenüber sitzt, nimmt erstens selten ein Blatt vor den Mund und fühlt sich zweitens massiv in ihrer – wohl medikamentös verursachten – vormittäglichen Schläfrigkeit gestört.

Es entspinnt sich, nachdem Frau B. zum gefühlt fünfzigsten Male „Ich will nach Hause!“ gestoßseufzt hat, folgender Dialog:

Frau H.: „Jetzt halten Sie doch mal endlich die Klappe!“

Frau B. (unbeeindruckt): „Ich kann nicht mehr, ich will nach Hause…“

Frau H.: „Geben Sie doch mal Ruhe! Oder GEHEN sie nach Hause! Gehen Sie zu Fuß oder nehmen Sie sich `n Taxi…“

Frau B. (verdutzt): „ Ne Katze??“

Frau H.: „Ja!“

Frau B.: „Ne Katze? Ich bin doch nicht bescheuert!“

Frau H. „Doch, sind Sie!“

Inzwischen haben alle gebannt den Schlagabtausch mitverfolgt und müssen über das akustische Missverständnis lachen. Die halbe Stunde bis zum Mittagessen überbrücke ich mit einer Ordensverleihung an Frau B.: sie hat sich nach unser aller Auffassung den IKNM („Ich kann nicht mehr“)-Orden am laufenden Band redlich verdient und erhält ihn in einer kleinen Zeremonie mit Malerkreppband an die Bluse geheftet.

Der Applaus der anderen Teilnehmer stimmt sie etwas milder und wir hören, bis die Teller auf dem Tisch stehen, nur noch etwa fünf oder sechs Mal eine ihrer beiden Wehklagen.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Der Kartoffelkäfer hätte keine Heimat mehr

Letztes Blatt aus dem „Ich male Peter-Hacks-Gedichte“-Zyklus. Meine überwiegend demente Zuhörer- und Zuschauerschaft sitzt schon in erwartungsfroher Antizipation im Speisesaal des Wohnbereiches, als ich mit Flipchart und Stiften anrücke. Zur Einstimmung hören wir wieder die schwungvolle Vertonung des Gedichtes, eingespielt von „Simone und den Kita-Fröschen“; jeder kann mittlerweile mitsingen und freut sich an dem lustigen Gedicht, dem frechen Zeisig und der beleidigten Tanne.

Da das Bild zu malen länger dauert als die zwei oder drei Minuten des Liedes, lasse ich die Playlist („Die 30 schönsten Herbstlieder“) weiterlaufen. Kurze Zeit später hören wir den „Kartoffel-Song“, der meine Truppe zu allerlei Erinnerungen und Geschichten von früher anregt: jeder zweite hat in der unmittelbaren Nachkriegszeit dieselbe Erfahrung gemacht, die ich ich von meinen eigenen Eltern und Großeltern gehört habe, dass man nämlich zur Nahrungsbeschaffung auf die abgeernteten Kartoffelfelder geht (oder geschickt wird), um die übrig gebliebenen kleinen Kartoffeln zu sammeln.

Jedenfalls singt Simone mit ihren Kita-Fröschen: „Wenn die Kartoffel nicht wär, dann wär die Pommesbude leer und der Kartoffelkäfer hätte keine Heimat mehr..“ und ruft damit umfangreiche Debatten unter meinen Leuten hervor. Den Kartoffelkäfer kennen sie nämlich als üblen Schädling; fast alle haben Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben und können erstens ein Lied vom Kartoffelkäfer singen (was sie gerade tun, zur eingängigen Melodie des Kartoffel-Songs) und zweitens auch den Kartoffelkäfer ziemlich genau beschreiben.

So kann ich das Bild noch um einen netten kleinen (bzw. ziemlich groß geratenen) Kartoffelkäfer ergänzen, der sich an einer Kartoffel (woran sonst) gütlich tut. Der Vormittag ist gerettet, die Zeit wie im Fluge vergangen und schon hört man vom Gang her das Geschepper des Essenswagens. Heute gibt’s Hähnchen mit Reis, keine Kartoffeln.

Geschichten aus dem Pflegeheim: der freche Zeisig kriegt auch was ab und der Junge kommt bald wieder

Dritte Bunte Herbstrunde mit Peter Hacks Gedicht „Der Herbst steht auf der Leiter“. Zur Einstimmung hören wir noch mal die Vertonung in der Version von „Simone Sommerland und den Kita-Fröschen“.

Mittlerweile können einige schon mitsingen und freuen sich vor allem an den mittleren Versen von frechen Zeisig und der beleidigten Tanne.

Da wir ja bereits den letzten und den ersten Vers (in dieser Reiehenfolge) bildlich und musikalisch ausgiebig gewürdigt haben, ist nun der zweite Vers dran. Der freche Zeisig stellt uns bzw. mich erstmal vor Herausforderungen künstlerischer Art: ich habe keine Ahnung, wie so ein Vogel aussieht.

Natürlich könnte ich schnell „Zeisig“ googeln (was ich schließlich auch tue), aber zunächst frage ich mal meine Runde, ob sie weiß, was für ein Kamerad so ein Zeisig ist. Man rätselt hin und her und neigt schließlich mehrheitlich zu der Meinung, dass sich „Zeisig“ irgendwie anhört wie „klein, witzig und irgendwie so wie ein Spatz oder ein Zaunkönig“.

Das passt ja, und nach kurzem Blick in die Bildergebnisse bei der Google-Suche für „Zeisig“ male ich einen ziemlich fetten Zeisig auf den Zweig neben die Blätter, die der Herbst auf seiner Leiter gerade anmalt. Allerdings ist unser Zeisig, der natürlich grundsätzlich ähnlich rotzfrech ist wie ein Sperling, in diesem Fall eher von der faulen Sorte. Er kriegt den Klecks vom Herbst ab, weil zu faul zum Wegfliegen ist.

Hintergrund dieser Abweichung vom Gedichttext: der Zeisig hatte schon reichlich von den Wintervorräten gefressen und wollte jetzt auf dem Ast sein Verdauungsschläfchen halten, was meinem mittagsschlafgewöhnten Publikum auf Anhieb einleuchtet.

Jetzt müssen wir noch die Kleiderfrage des Herbstes klären, denn ein Herbst kann nicht in irgendwas rumlaufen, sondern muss im standes- und saisongemäßen Outfit auftreten. Ein Hut ist schon mal gut, aber er darf nicht zu bayerisch bzw. tirolerisch aussehen, sonst müssten wir gleich wieder Billy Mo‘s beliebten All-Time-Klassiker von 1962, „Ich Kauf mir lieber einen Tirolerhut“ spielen und singen, den DEN kennt jeder hier auswendig.

Deswegen, weiß die Runde, darf der Hut nicht grün sein, denn dann wäre er ein Tirolerhut. Gut, der Hut wird ein grauer Filzhhut mit Herbstblättern statt mit Gamsbart. Der Mantel allerdings darf nach einem Vorschlag aus der Runde gerne grün sein, nämlich ein Lodenmantel. Der lila Schal ist ein Selbstgänger; jeder weiß, dass es im Herbst kühler wird und ständig zieht.

Begleitend von einem Potpourri aus Herbst- und weiteren Volksliedern wird das Bild beendet und zum Schluss der Runde aufgehängt. Jetzt fehlt nur noch der Vers von der beleidigten Tanne; mein Lieblingsvers und zeichnerisch am leichtesten zu bewältigen.

Zum Abschied frage ich meine Truppe, welches Lied sie sich als letztes wünschen. „Junge, komm bald wieder!“ ertönt es aus der Gruppe. „Damit du bald wieder kommst!“

Ich bin gerührt und geschmeichelt und verabschiede mich mit Freddys Top-Hit von meinen betagten Fans.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Der lustige Waldarbeiter und das Rieseneichhörnchen

Nachdem eine Kollegin das Kastanien-Herbstbild mit dem Schluss des Herbstgedichtes von Peter Hacks als Deko in den Speisesal des Wohnbereiches gehängt hatte, widmeten wir uns heute dem Beginn des Gedichtes und dem Gevatter Herbst, der auf der Leiter steht und die Blätter anmalt.

Erfreulicherweise gibt’s das Gedicht auch als Lied, so dass wir was zu malen, zu gucken und zu singen hatten.

Das übergroße Eichhörnchen mit der berechtigten Selbsterforschungsfrage beschäftigte meine überwiegend dementen alten Herrschaften fast mehr als der lustige Waldarbeiter und die bunten Blätter – SO ein Rieseneichhörnchen hatte wirklich noch niemand gesehen!

Zum Glück fiel mir ein, dass es sich dabei um die seltene Sub-Spezies des Neusser Rieseneichhörnchens handelt, dass schon aus dem Grund nie gesehen wird, weil es seit 200 Jahren ausgestorben ist.

Diese einleuchtende Erklärung wurde allgemein akzeptiert und wir beschlossen, die erste Strophe des Gedichts an den anderen Flügel der Tür zu hängen. Dann konnten wir uns weiteren Herbstliedern widmen.

Und beim nächsten Mal gibt’s dann den Mittelteil mit dem frechen Zeisig und der beleidigten Tanne:

„Er kleckst und pinselt fleißig

auf jedes Blattgewächs,

und kommt ein frecher Zeisig,

schwupp, kriegt der auch ¹nen Klecks.

Die Tanne spricht zum Herbste:

Das ist ja fürchterlich,

die andern Bäume färbste,

was färbste nicht mal mich?“

Geschichten aus dem Pflegeheim: die COVID-Impfung

Ich bin zweimal mit Biontech-Pfizer-Vakzin geimpft.

Grund: hauptsächlich Berechnung. Und die Arbeitsstelle im Pflegeheim. Hatte mir beizeiten gedacht, dass das Leben aufgrund der amtlichen Selektierung der Leute in Geimpfte und Ungeimpfte für Geimpfte einfacher wird. Auf der Arbeit ist es definitiv einfacher. Man kann auf die täglichen Tests verzichten und muss nicht den subtilen Druck spüren, sich „zum Schutz unserer Bewohner“ immunisieren zu lassen.

Außerdem hatte ich eine weitere Impfung (nach den zahlreichen Impfungen, die ich in der Kindheit und Jugend erhalten habe) auf die leichte Schulter genommen und mir gedacht „Wird schon nicht so schlimm sein, und ist allemal besser, als COVID weiterzugeben“ (gehabt hatte ich es schon, mit mildem Verlauf – hätte mir als Genesener sogar ganz offiziell die Impfung sparen können).

Wie sich herausstellt, wird man gar nicht immunisiert durch die Impfung. Man kann wohl trotz Impfung an COVID erkranken (wenn auch mit milderem Verlauf) und auch andere anstecken (hier sind sich die Mediziner anscheinend nicht ganz einig, ob die Infektiösität deutlich unter der von Ungeimpften liegt oder nicht).

Seit kurzem ist auf meiner Arbeitstelle wieder ein ganzer Wohnbereich in Quarantäne (zufällig „meiner“), weil sich eine zweifach geimpfte Kollegin infiziert hat. Soviel zur Immunisierung durch die Impfung.

Die PdL (Pflegedienstleitung) wirft in einer Ansprache an die Kollegen den Ungeimpften vor, sie würden Gesundheit und Wohl der Bewohner gefährden. Ein Kollege (ungeimpft, weil er kein nicht ausreichend getestetes Vakzin mit Notfallzulassung injiziert kriegen will) daraufhin: „Wenn Sie daran glauben, dass die Impfung immunisiert und man dann nicht mehr ansteckend ist, wo ist dann das Problem, wenn alle Bewohner geimpft sind?“

Die PdL weiß hierauf keine Antwort und stellt die provozierende Gegenfrage, was er denn machen würde, wenn eine Impfung für Pflegekräfte verpflichtend wäre.

Der Kollege so: „Dann würde ich mir wohl oder übel eine andere Arbeitsstelle suchen.“

Daraufhin PdL, zynisch: „Ja, und die warten da draußen alle auf Sie, Herr X….”

Ein halbes Jahr nach der zweiten Impfung beobachte ich einige Nebenwirkungen – hoffentlich keine Langzeitwirkungen – die mich aus heutiger Sicht davon abhalten würden, mich impfen zu lassen.

Meine ebenfalls mit Biontech geimpfte Frau berichtet von tw. denselben, tw. anderen Nebenwirkungen. Ähnliches hört sie von Arbeitskolleginnen.

Ich bin weder Impfgegner noch Impfbefürworter, denke aber mittlerweile, dass es zu leichtfertig war, mir mehr oder weniger gedankenlos – oder im Vertrauen auf die medizinische und wissenschaftliche Zuverlässigkeit und Notwendigkeit – dieses Zeug verabreichen zu lassen.

Je mehr ich die gesamte COVID-Situation betrachte, umso mehr drängt sich mir der Eindruck auf, dass es – gerade und besonders bei der Impferei – darum geht, ein paar Pharmakonzerne richtig reich zu machen. Der Inhaber/Gründer von Biontech ist inzwischen angeblich der zweitreichste Mensch Deutschlands.

Für die weitreichende Notstandsgesetzgebung, die im Zuge der COVID-Maßnahmen eingeführt wurde, scheint die Pandemie und der Seuchenschutz ein willkommener Anlaß gewesen zu sein, um im Zuge der allgemeinen kapitalistischen Krise die Insassen des deutschen Kapitalstandortes schon mal an eine verschärfte Gangart bei Überwachung, Kontrolle und bei der Schleifung aller möglichen bürgerlichen Rechte zu gewöhnen.

Zum Glück kann ich der Arbeitsstelle noch eine weitere Woche krankheitsbedingt fernbleiben (ich vermute Nebenwirkungen der Impfung und lasse das gerade ärztlich abklären). Den Lagebericht aus der Pflegeeinrichtung habe ich telefonisch von einer Kollegin erhalten.

Geschichten aus dem Pflegeheim: drei Berichte aus der Praxis

In stationären Pflegeeinrichtungen gibt es die drei „Säulen“ Pflege, Soziale Betreuung und Hauswirtschaft. Wie es in der Sozialen Betreuung aussieht, egal ob als §53c-Betreuungskraft, Sozialarbeiter oder Kunstgeragoge, davon vermittelt dieser Chat-Protokoll ein realistisches Bild.

Der Austausch fand statt in einer internen Telegram-Gruppe von Kunstgeragogen. Die Veröffentlichung erfolgt mit Genehmigung der Beteiligten. Alle drei arbeiten in stationären Pflegeeinrichtungen. Einer davon bin ich; man wird erraten, welcher.

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Leute, ich muss mich mal wieder auskotzen…

Morgen habe ich eigentlich Dienst von 14-17 Uhr. Das ist ein guter Dienst, da Einzelbetreuung.. Da hat man Zeit für die Bewohner.

Nun bekam ich einen Anruf meiner Chefin, aufgrund von Urlaub und mehrern Krankmeldungen fehlen morgen Präsenzkräfte, also Hauswirtschaft und ich soll bitte einspringen. Von 7 bis 13.00 das heißt, Frühstück machen für alle, beim Ankleiden helfen, Betten frisch beziehen und Waschen, wenn sie eingenässt wurden, Mittagessen kochen (Sonntags gibt es immer besondere Braten mit Beilagen)…. 🥴 Jetzt hatte ich am Dienstag, Donnerstag und morgen den verhassten Präsenzdienst, der mich körperlich und seelisch komplett auffrisst 😒

Ich kann in der Nacht davor kaum bzw nur ganz schlecht schlafen, laufe dann beim Dienst extrem Vollgas – fast jedesmal, seit Februar, hatte ich dann einen kurzen Kreislaufzusammenbruch, weil ich so angespannt und nervös bin – und nach dem Dienst habe ich nur noch Schmerzen, dass ich es kaum noch aushalte und nachts kann ich dann jedesmal wieder nicht schlafen, weil ich wie ein kleines Kind dann übermüdet bin. Ich brauche nach diesen Küchendiensten jedesmal 2 bis 3 Tage bis ich wieder “rund” laufe. 😵

Ich weiß, es ist mein persönliches Problem damit, es ist ja nix schlimmes, aber für mich ist es schlimm, weil ich mir so einen Stress mache.

Wenn ich Essen kochen wollte, wäre ich Köchin geworden.

Wenn ich Reinigungskraft hätte werden wollen, wäre ich Putzfrau geworden.

Wenn ich jemandem den Po abwischen wollte, wäre ich Pflegekraft geworden.

Ich bin eine sehr gute Betreuerin.

Ich mache auch die anderen Arbeiten sehr gut, aber zu welchem Preis 😒

Ich will das nicht tun.

Das Haus ist aber toll und die Leute nett und jetzt hab ich mich auch schon an alles gewöhnt und kenne mich aus. Ich hasse Veränderungen.

Ich will nicht wieder wechseln. Aber so ists halt auch Mist 🙄

Diese Präsenzdienste kann ich auch nicht ablehnen, die sind im Hauskonzept drin. Eigentlich sind diese Dienste von 10.30 bis 16.00 wo man dann mit den Bwohnern gemeinsam die anfallende Hauswirtschaft macht, wie kochen, Backen, Wäsche machen. Morgen aber bin ich rein als Hauswirtschafterin tätig.

Künstlerisch arbeite ich in diesem Haus gar nicht. Nicht weil ich nicht darf, sondern weil ich komplett blockiert bin, den Kopf nicht frei habe, weil ich versuche im Alltag zu überleben. Aber auch meine eigene künstlerisch en Arbeiten leiden sehr und Kurse bzw kunstgeragogisches Arbeiten bleibt eh auf der Strecke durch Schichtarbeit und zu kurzfristigen Planungen

😒

Sorry, dass ich mich mal wieder hier auskotze….

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Liebe B.,

volles Mitgefühl von meiner Seite. Bin auch grad wieder unterwegs zum Wochenend-Küchendienst (Frühstück und Mittagessen), dazwischen muss ich noch ein Angebot unterbringen.

Die Überlastung ist so groß, dass man nur noch für die scheisse bezahlte Lohnarbeit lebt und die Zeit in der man nicht arbeiten gehen muss, nur für die Regeneration braucht.

Ich kann gar nicht sagen wie mich dieser Kapitalismus ankotzt.

Ich hab keine Kraft mehr das noch zweieinhalb Jahre durchzuhalten und versuche jetzt, früher aus dem Lohnsklavendasein rauszukommen – das gibt dann zwar Abzüge, aber bei meiner Armutsrente ist das auch schon egal…

Trotzdem KOPF HOCH und unsere Schützlinge nichts davon spüren lassen

LEBBE GEHD WEIDER (Dragoslav Stepanovic)

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Liebe B., lieber K,,

auch ich bin am Limit. Und das schon eine Weile. Ich weiß nicht, was ich stattdessen machen will… Ich kann mich oft auf Arbeit selbst nicht leiden, weil ich so gefrustet und schnell gereizt bin. Ich versuche die Arbeit zu schaffen und dann kommt etwas dazwischen. Und ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht.

Wir haben mehrere Bewohner, die sehr mobil sind: in anderen Betten liegen, aus dem Rollstuhl aufstehen, sich mit Stühlen fortbewegen und nach draußen verschwinden, wenn der Eingang offen ist. Dazwischen dann Personen, die nicht auf der Etage klingeln, auf die sie wollen, sondern zuerst winken, wenn sie mich sehen, dann an die Scheibe klopfen, wenn ich vorbeigehe… Wir sind immer Rezeption, wenn diese nicht besetzt ist…

Außerdem gibt es bei uns im Haus aufgrund von Kostenersparnissen eine Umstrukturierung und die Pflege muß wieder mehr hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen, war früher schon Mal so und kenne ich auch aus *****.

Am Mittwoch geht es los und die Pflegekräfte kotzen natürlich jetzt schon, weil sie generell unterbesetzt sind. Wir Betreuungskräfte unterstützen im Speisesaal, indem wir die Bewohner betreuen, Getränke einschenken etc. Für uns ist das freiwillig. Problem ist, das Urlaubszeit ist und nicht alle Kollegen da sind. Wir sind alle sehr gespannt…

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Nehmt nur mal diese drei Berichte von B., J. und mir.

Das ist die Situation in den Pflegeheimen, und mit jeder neuen Sparrunde und „Reform“ wird’s noch ein bißchen unerträglicher.

Selbst in konfessionellen Einrichtungen diktiert nicht der liebe Gott, sondern der allgegenwärtige Gott des Kapitalismus den Alltag: das Geld. Es muß „kosteneffizient gewirtschaftet“ werden, also wird gespart; nämlich vorrangig an den Personalkosten und z.b. an der Verpflegung für die Bewohner (in unserer Einrichtung unter 5,00 Euro am Tag pro Bewohner).

„Kann man nichts machen“, hört man von Kollegen und Chefs.

„Ist eben so“, sagen alle lebensklugen Zeitgenossen, die sich ganz realistisch mit den Sachzwängen der Marktwirtschaft auskennen.

JA, ist wirklich so – solange eine Mehrheit glaubt, dass kein anderes Leben möglich ist als eins, in dem die Mehrheit Dienst am Reichtum der Minderheit zu leisten hat.