Dream#12 Der Froschkönig von Oberkassel

Ich hab wieder geträumt. Dass es ein Wachtraum war, sieht man schon daran, dass die Realität meiner Wohnumgebung sich immer wieder mit der Traumebene vermischt. Oder ist es umgekehrt? Wer weiß das schon…

Und ob der Froschkönig die Prinzessin wirklich mit so billigen Mitteln (naja, die Immobilienpreise in Oberkassel dürften noch um etliches über dem BRD-Durchschnitt liegen) kaufen kann? Darüber muss ich wohl nochmal nachträumen.

Von der Drogenverherrlichung in der Inquisitionsszene muss ich mich übrigens entschieden distanzieren. Diese Traumsequenz muss mir Putin untergejubelt haben, wahrscheinlich im Zuge des hybriden Kriegs, den der Russe laut Regierung gegen uns führt. Ich will lieber nicht wissen, was Merz und ähnliche Spazierstöcke so träumen…

Leserbrief

Ach, Kapitalismus…

MUSST du denn wirklich immer so dick auftragen und das ideologische dick pic deiner ungezügelten Geierhaftigkeit ungefragt und aufdringlich herzeigen?

Wie meinst du? Du musst?

Weil jetzt sowieso alles egal ist, weil alle Hüllen gefallen sind und das gute alte Prinzip des „Jeder ist sich selbst der Nächste“ und das Recht des Stärkeren jetzt endlich uneingeschränkt in der Staatenwelt gelten?

Na dann will nichts gesagt haben

Dein trotzdem unverdrossener Erzfeind
Der Zaungast deines Schrebergartens des Wahnsinns

Die völkische Variante der Zäpfchen im Rektum des Kapitals: Die AfD als Hofnärrin des Imperiums

Gut dass diese neoliberalen Weicheier ihre volksfreundliche Maske fallen lassen und sich als die hundsgemeinen Systemlinge outen, die sie sind. Da winkt wohl schon das warme Regierungssesselchen, wenn führende Vertreter dieser Partei sich bemüht sehen, ihre Tauglichkeit zum Verwalten des Kapitalstandortes den maßgeblichen Eliten aus Industrie- und Finanzkapital auf diese Weise mitzuteilen.

Wer denkt, dass ausgerechnet die völkische Variante der Zäpfchen im Rektum des Kapitals ihm irgendwie sein Leben verbessern würde, kann auch gleich freiwillig ein Viertel seines Nettolohnes für Krieg und Aufrüstung, für arbeiterfeindliche Gesetzgebung und imperialistische Muskelspiele spenden.

Darauf läuft‘s nämlich sowohl bei den „Altparteien“ wie bei der Altpartei mit dem neuen Namen „AfD“ (bekanntlich eine Ausgründung enttäuschter CDU- und FDP-Mitglieder vom „wirtschaftsliberalen“ rechten Rand dieser Parteien) hinaus.

Insofern: Danke, Frohnmaier, für die sachdienliche Aufklärung.

Darf? Muss!!

Na klar darf sie das!

Sie darf auch Bücher verbrennen und demnächst Lager einrichten, wo solche Abweichler vom rechtmäßigen Denken konzentriert werden können. Damit sie keinen weiteren Schaden an der Demokratie anrichten, versteht sich.

Die Putin-Propaganda der Gedankenverbrecher könnte nämlich EU-Bürger in der vorgeschriebenen Kriegstüchtigkeit verunsichern, von daher ist sowieso alles erlaubt, was dem Feind schadet.

Gut, dass die „SZ“ sich dieses wichtigen Themas annimmt, denn Putinversteher, Russenfreunde und andere Demokratiefeinde müssen wissen, dass Meinungsfreiheit natürlich nur für ERLAUBTE Meinungen gilt!

SO geht der Schutz der Demokratie. Und am besten wird die Demokratie geschützt, indem man sie abschafft, weil sie dann auch keiner mehr mißbrauchen kann!

Neujahrsansprache des Bundeskanzlers

Die „Rheinische Post“ meldet pflichtschuldig die Erbauungspredigt des Blackrockkanzlers, der seinem Volk schon wieder harteZeiten und ganz viel „Zusammenhalt“ verspricht. Ich fühle mich bemüßigt, das Kanzlersprech in Normaldeutsch zu übersetzen:

Hallo Volk, du musst ab sofort noch mehr als ohnehin schon für uns bluten, stell dich schon mal drauf ein. Demnächst dann auch nicht mehr nur im übertragenen Sinne, durch Verarmung, Rückbau öffentlicher Daseinsvorsorge und immer schärferer Ausbeutung am Arbeitsplatz.

Nee, Volk, das ist erst das Vorspiel. Wir haben vor, dich in einen Krieg gegen Russland zu schicken, also einen echten. Darum führen wir die Wehrpflicht wieder ein – wir wissen ja, dass du im Leben (haha) nicht daran denkst, freiwillig für uns zu kämpfen und zu sterben. Deshalb muss ein bißchen Zwang schon sein; im Zusammenspiel mit der Gruselgeschichte vom aggressiven, expansionswütigen Russen (die du uns zum Glück ja abkaufst – darüber lachen wir uns immer noch schlapp) wird das schon klappen.

Aber du hast uns ja auch schon die Fantasy-Erzählung von der – hehehe, ich kann‘s echt nicht glauben, aber so blöd bist du wirklich! – „demokratischen Ukraine“ abgenommen und nicht gemuckt, als wir mit Milliarden und Abermilliarden die dortigen Oligarchen und ihre Nazi-Armeen aufgerüstet haben. Ja, ok, ist nicht so schön, dass die Jungs das so offen raushängen lassen mit ihren SS-Tattoos, ihren Fackelmärschen und ihrem manchmal etwas groben Massakrieren – aber, hey, es sind ja schließlich RUSSEN, die sie massakrieren, und das macht sie doch irgendwie zu UNSEREN, also zu GUTEN Nazis, versteht du? Hätte jedenfalls mein Opa auch so gesehen.

Tja, Volk, das wollte ich mal gesagt haben zum Jahresausklang. Du kriegst es ja sowieso schon mit, dass insgesamt Schluss mit lustig ist in Deutschland, und bevor du wieder maulst und am Ende die Falschen wählst, nämlich die Nazis von der AfD, wollte ich mal Klartext mit dir sprechen.

Schon damit du da nichts durcheinander bringst: Nazis HIER sind nämlich bäh, das musst du dir merken. WER Nazi ist, erklären wir dir von Fall zu Fall. Nazis in der Ukraine dagegen sind gar keine, das musst du kapieren, und wenn sind‘s gute Nazis, also Demokraten.

So, ich muss jetzt in meinem Flieger und noch ein bißchen mit den Kumpels von Blackrock und Rheinmetall feiern, Sylvester ist ein guter Anlaß, obwohl wir im Grunde am Dauerfeiern sind, haha. So fett verdient haben wir lange nicht, und es wird immer nur noch besser – also, für UNS, deine Herren, klar. DU, liebes Volk, musst dich dafür halt ordentlich am Riemen reißen, den Gürtel enger schnallen und all die Härten ertragen, die wir dir einrichten.

Glaub mir, Volk, das kriegst du hin! Du erhältst dafür eine Gratis-Dauerhass-Sendung und ein Feindbild vom Feinsten, alles umsonst! Sowas gab’s in Deutschland seit fast hundert Jahren nicht mehr, da kannst du STOLZ drauf sein! Das ist überhaupt das Wichtigste: dass du STOLZ bist, dieser großartigen Nation anzugehören, die unsere Werte endlich wieder gegen die Bedrohung aus dem Osten verteidigt!

Unsere Werte sind in meinem Fall in festverzinslichen Aktienpaketen und Immobilien angelegt (haha, kleiner Scherz) aber Ernst beiseite: du weißt, wir wissen, du weißt dass wir wissen, dass das ganze Werte-Gerede sowieso nur der Lippenstift ist, den wir dem Schwein der Profitabilität verpassen. Reden wir also nicht um den heißen Brei herum: ihr werdet demnächst sterben in dem Krieg den wir euch befehlen, und wir werden dabei reicher und mächtiger. So war‘s schon immer, so soll‘s auch bleiben!

In diesem Sinne ein frohes und ertragreiches neues Jahr!“

Geschichten die das Leben schrieb: Weihnachten, Familienidylle und der Weinschlauch

Weihnachten! Das Fest der Liebe und der familiären Harmonie! Die Heilige Zeit von Eintracht, Gemütlichkeit und gemeinsamer Besinnlichkeit! Einklang bei Speis‘ und Trank unterm Tannenbaum und am Gabentisch! Einmal im Jahr wenigstens Friede, Freude, Fröhlichkeit!

Seit dem ersten Weihnachtsfeiertag klingelt bei uns mehrfach am Tag das Telefon und die Sippschaft der Liebsten, vorrangig meine 86jährige Schwiegermutter, meldet sich mit den neuesten

Berichten zu dem wunderbaren Fest, das alle wieder mal gehabt haben und noch haben. Sie vermeldet, wie sehr „sich die Kinder gefreut haben“, wie (nach einigen kritischen Phasen) gelungen der Sauerbraten war und wie er allen geschmeckt hat, wie rundum schön also alles wieder war.

Überflüssig zu erwähnen, dass sämtliche Geschichten, die sie erzählt, zum Großteil Fake News sind, denn die extrem gut situierte Verwandtschaft meiner Frau ist ein streitsüchtiger Haufen cholerischer Bourgeois – ich selbst bin dort einst aus guten Gründen als unsicherer kommunistischer Kantonist mit Hausverbot belegt worden, und ziehe es auch nach offizieller Aufhebung dieser mir höchst willkommenen Maßnahme vor, mich komplett von dem ganzen Verein fernzuhalten.

Neben dem ausführlichen Eigenlob der Schwiegermutter, das ca. drei Viertel ihrer Reportagen von der Weihnachstfront einnimmt, erfährt man aber auch Begebenheiten vom Fest, die für diese bürgerlichen Charaktermasken anscheinend untrennbar dazugehören: wer sich mit wem wieder wie laut gestritten hat, welches Geschenk komplett fehl am Platze und Auslöser für weiteren Streit war, und dergleichen mehr.

Aktuell gibt es ein Riesendrama um eine der Enkelinnen, die das Auto ihrer Eltern in ein anderes gecrasht hat, ohne in die Versicherungspolice eingeschlossen zu sein. Da meine Herzdame nicht nur hochkarätige Assekuranzfachfrau ist, sondern in solchen Situationen stets Nüchternheit, Übersicht und kühlen Kopf bewahrt, ist sie einen Nachmittag lang quasi die telefonische Auskunftszentrale für ihre Sippe.

Ich selbst bin Zweit- oder Drittkonsument all dieser Informationen, denn auch vom häuslichen Festnetzanschluß halte ich mich wohlweislich konsequent fern. Wenn das Festnetztelefon klingelt, kann es nämlich nur die Verwandtschaft der Frau sein. Letztere allerdings setzt mich gelegentlich ins Bild über die wüsten Vorkommnisse und Insider-Reports aus dem Familiensumpf – weniger, weil es mich interessieren würde als um selber Dampf abzulassen und sich eine Atempause zu verschaffen.

Diesmal stürmt sie entnervt in die Küche, nachdem sie sehr hörbar den Hörer zurück auf die Station befördert hat. „Alkohol!“, lautet ihr Stoßseufzer, obwohl sie mal wieder der Figur wegen (unnötig) und überhaupt (erst recht unnötig) zumindest bis zum Jahresende drogenfrei leben wollte. Sie informiert mich, dass „die alle irre sind“ und es „kein Wunder ist, wenn man sein Leben auf der Überholspur lebt und sich in der Realität nicht auskennt“. Sie beendet ihre Ausführungen mit der bildhaften Schilderung ihres Bedürfnisses, Gehörtes und Restfamilie seelisch zu verarbeiten: „Die sind alle so gestört, dass es nicht zu fassen ist. Und dann rufen sie MICH an, wenn sie in ihrem Irrsinn wieder Scheiße gebaut haben. Ich brauch‘ jetzt kein Glas Wein, ich könnte mich direkt unter einen Weinschlauch legen…“

Einen solchen haben wir zwar nicht vorrätig, aber ihrem Wunsch kann auch auf andere Weise entsprochen werden, denn das Weinregal ist gut gefüllt und der Abend jung. Nach der abendlichen Hunderunde stoße ich gerne mit ihr an – auf den Umstand, dass wir uns aus weihnachtlichen Zusammenkünften dieser Art raushalten. 

Noch einmal, Deutschland?

“Play it again, Sam!“ sagte Humphrey Bogart als Clubbesitzer Rick zu seinem Barpianisten. Was dieser auch tat. Was die europäischen und vor allem die deutschen Kriegsprediger in immer schrilleren Tönen in Richtung Russland rufen, läuft auf eine ähnliche Aufforderung hinaus.

Auch wenn Russland nicht nur auf der Klaviatur, sondern mit dem gesamten Orchester, das in Reaktion auf solche unverhohlenen Aufrufe zum Einsatz kommen könnte, ein virtuoser Meister ist, möchte es dieses „Spiel“ vermeiden. Sollten die Kriegseiferer es dazu zwingen, wird die Melodie wie beim vorigen Mal eine sein, die speziell deutschen Ohren nicht behagen wird.

Verständige Menschen fragen sich deshalb länger schon, ob Deutschland es wirklich darauf anlegt, mal wieder aufgespielt bzw. den Marsch geblasen zu kriegen. Die EU- und die BRD-Eliten und ihre politischen Sachwalter gehören allerdings nicht zu der verständigen Sorte Menschen.

Somit bleibt die Frage „Noch einmal, Deutschland?“ einstweilen unbeantwortet.