
Kategorie: Ideologiekritik
Das was es meint. Hauptsächlich am Beispiel der medialen Replikatoren imperialistischer Ideologie festgemacht. Die ganz bürgerliche Medienmischpoke kriegt ihr Fett weg.
Was der „Spiegel“ alles weiß
Ärztliche Diagnosen? Alles Quatsch.
Das Fachmagazin für medizinische Diagnostik aus Hamburg weiß es genau und berichtet als Fakt:
Der russische Politikdarsteller Nawallny wurde „vergiftet“.
Westlich gefeatured und betreut, bekommt der Mann jetzt das volle Rundum-Sorglos-Paket seiner imperialistischen Förderer.

Marktwirtschaft wie sie blüht und gedeiht
Top-Management und Aufsichtsrat des Elektronikhändlers MediaMarktSaturn stehen in der Kritik (der Eigentümer). Die Eigentümer vermissen den Reibach, den sie von einer kapitalistischen Geldvermehrungsmaßnahme dieser Dimension erwarten dürfen – daran können nur ihre Statthalter in Geschäftsleitung und Aufsichtsrat schuld sein!
Deren Sachzwang- und systemgerechte Maßnahmen zur Sicherstellung einer „angemessenen Profitabilität“ waren nämlich „unzureichend“, sprich: es wurde bei weitem nicht genug eingespart bei denen, die die gewünschten Profite zu erarbeiten haben (Nein, nicht die hochbezahlten Top-Manager und Aufsichtsräte, sondern die Lohnarbeiter).
DEREN Lebensunterhalt ist einfach zu teuer für eine „abgemessene Profitabilität „ und steht damit vieltausendfach zur Disposition .
Die Arbeitskräfte werden’s unter „Schicksalsschlag“ verbuchen, die Gewerkschaften diensteifrig in gewohnt verständnisvoller Zusammenarbeit mit dem Management Sozialpläne erarbeiten und die einschlägig kundige Fachpresse sich kritisch oder lobend über ERFOLG oder MISSERFOLG des Vorhabens auslassen – wobei dieser an nichts anderem gemessen wird als an der angestrebten ANGEMESSENEN PROFITABILITÄT.
Marktwirtschaft wie sie blüht und gedeiht!

Eure Masken sind unsichtbar: Wenn man in den Ameisenhaufen piekst
In irgendeinem der vielen aufgeregten Threads der maskenverweigernden Freiheitshelden wies ich auf den Blödsinn hin, mit einer Bundesadler-Deutschlandfahne, also dem Symbol des deutschen Imperialismus, für irgendwelche Rechte oder Freiheiten zu demonstrieren.
Der wurbürgerlich empörte Shitstorm blieb nicht aus.
Nachstehende Sammelantwort konnte ich mir aber auch nicht verkneifen:
Es wird immer besonders putzig, wenn Untertanen sich für Freiheitskämpfer halten.
Bei den Klügeren der Mitlesenden entschuldige ich mich für die etwas schlichte Art meines kleinen Experiments, mit ein, zwei Bemerkungen in den Ameisenhaufen der Selbstwichtigkeit der „Böse Masken müssen weg!“-Freiheitskrakeeler gestochen zu haben.
Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, die (erwartbaren) Reaktionen wutbürgerlicher Aufgeregtheit und wichtigtuerischer Empörung zu provozieren und zu beobachten (die übrigens deutlich Auskunft darüber geben, WAS von der „Kritik“ dieser Leute an ihrer Obrigkeit zu halten ist, nämlich nichts: Kritik, die ein Grundeinverständnis mit dem Umstand, im Kapitalismus BEHERRSCHT zu werden und MITZUMACHEN beinhaltet und sich lediglich gegen ein paar den individuellen Konsum einschränkende Infektionsschutzmaßnahmen wendet, ist gar keine, jedenfalls keine taugliche).
Den Aufgeregten hier muss ich sagen:
Ihr habt’s nicht anders verdient, als dass man sich im Rahmen eines kleinen sozialen Experiments über euch amüsiert und euch als das kenntlich macht, was ihr seid:
Funktionierende Untertanen mit dem marktwirtschaftsüblichen Knall, euch selbst so wichtig zu nehmen, dass euch eure eingebildete Konsum-, Feier- und Geschäftemachereifreiheit über den halbherzigen, nur Kapital und Staat retten wollenden Gesundheitsschutzmaßnahmen eurer Obrigkeit steht.
Eure Masken sind unsichtbar, sie sind die Masken des Mitmachens bei gleichzeitig lautem Geplärre, dass man irgendwie dagegen ist und sowieso alles für eine Verschwörung böser Mächte hält.
Eure Masken sind euer Egoismus und Eure Selbstwichtigkeit, mit der ihr euch und andere einem Infektionsrisiko aussetzt, weil ihr die WIRKLICHE Einschränkung eurer Freiheit durch Lohnarbeit, Ausbeutung und durch eure lebenslange Indienstnahme für die Interessen der herrschenden Klasse nicht kennen wollt, aber euer bißchen Unbehagen übers Masken tragen zum Kriterium eurer Zustimmung zum Handeln eurer ansonsten unangezweifelten Obrigkeit macht.
Der „Spiegel“ weint den US-Soldaten nach
Trump, der böse Deutschland-Feind, zieht einfach 12.000 Soldaten aus unserem NATO-Frontstaat ab!
Das kann das Hamburger Fachblatt für transatlantische Ergebenheit nicht auf sich sitzen lassen und lässt als Aufmacher vier wackere Freiheitshelden der demokratiebringenden US-Armee zu Sprache kommen.
Die uniformierten Streiter für das Gute im Menschen haben zufällig auch alle rein gar nichts mit Krieg, Drohnenmorden, Terrorkoordination (z.B. in Syrien) oder aggressiver Aufrüstung gegen Russland zu tun, sondern sind Musiker, Verbindungsoffiziere oder Lehrer für Führungskräfte aus den Ländern des besiegten Roten Imperiums, die den Ex-Kommunisten Freiheit und Demokratie beibringen.
Unterm Strich kommen die vier zu dem Schluss, dass das liebenswerte, grundgütige und sympathische Deutschland ihnen zivilisationstechnisch und menschheitszusammenlebensmäßig sozusagen die Augen geöffnet hat und sie sich – so sinngemäß auch gleich die Überschrift des Beitrags – nichts sehnlicher wünschen, als zurückzukehren in das germanische Irdische Paradies des starken Biers, der freien Fahrt und der bunten Vielfalt.
Am Schluss des Artikels schluchze ich ergriffen mit über das Glück, als deutscher Bürger per Geburt ganz unverdient in den Gratisgenuss all dieser Privilegien gekommen zu sein, und danke dem „Spiegel“ innerlich dafür, mich und die anderen patriotischen Leser vermittels des bewegenden Zeugnisses der braven GIs daran erinnert zu haben.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Ost-/West-Vergleich Arbeitsumfeld Pflegeheim und allgemein
Inzwischen hab ich mehr Jahre in der Pflegeeinrichtung im Westen gearbeitet als in derjenigen im Osten, in der ich bis zu meinem Umzug von Weimar nach Düsseldorf beschäftigt war. Beides Senioren- und Pflegeheime der Diakonie, so dass ich mir glaube ich einen Vergleich erlauben kann.
Einen Vergleich nicht des diakonischen Arbeitgebers (das gibt und nimmt sich nichts), sondern des Arbeitsumfeldes, der Mentalität der Beschäftigten. Von den Bewohnern ganz zu schweigen, denn abgesehen davon, das sie alle alt bis hochbetagt sind (sonst wären sie nicht im Pflegeheim) liegen Welten zwischen Leuten, die ihr Erwachsenen- und Arbeitsleben im DDR-Sozialismus verbracht haben und solchen, die den BRD-Kapitalismus als natürliches Habitat erleben mussten.
Bei den Kollegen ist das recht ähnlich, jedenfalls bei den älteren. Und auch bei den jüngeren merkt man den Unterschied in der Sozialisation in einem Umfeld, in dem die 40 Jahre finanzieller Existenzsicherheit und gesellschaftlicher Fürsorge im Sozialismus noch nicht aus dem kollektiven Unterbewußtsein getilgt werden konnten.
Während hier im Westen lauter Einzelkämpfer unterwegs sind, lauter Überlebenskünstler der Konkurrenzgesellschaft, deren Muttermilch-Mantra „Sei Dir selbst der Nächste, sieh zu, dass du dich gegen die andern durchsetzt, keiner schenkt dir was“ lautet, spürt man im Osten so etwas wie ein Kollektiv (ein Wort, das im Westen verpönt ist, da es das Gegenprogramm zum heiligen Individulismus des marktwirtschaftlichen Individuums ist). Das Kollektiv des Arbeitsumfeldes, der Leute, die an der Arbeitsstelle miteinander zu tun haben. Zu DDR-Zeiten hieß das ja direkt so.
Für mich am besten beschreibbar mit den Worten Verbundenheit, Zusammenhalt, Freundschaft; außerdem mit dem Gefühl, dass sich die Lohnarbeitenden einige Jahrzehnte lang als Kollektiv empfinden und betätigen konnten – und zwar eins, auf das es tatsächlich ankam, weil die gesamte Gesellschaft, der gesamte Staat für sie gedacht und gemacht war.
Vor einiger Zeit sah ich ein Plakat einer kommunistischen Splittergruppe, das die Losung enthielt „Alle Macht dem Proletariat – Die DDR war unser Staat!“. Das gefiel mir, auch wenn ich weiß, dass das von großen Teilen der DDR-Bevölkerung gerade nicht so gesehen wurde – sonst hätten sie wohl kaum eine Konterrevolution begrüßt und unterstützt.
Mir ist klar, dass das vom Arbeiter- und Bauernstaat die Theorie war, und dass die bürokratischen Fehler und Mängel der realsozialistischen Staatsmacht nicht gerade der Quell allgemeiner Glückseligkeit für die Werktätigen war. Grundsätzlich konnten Lohnarbeiter jedoch im Sozialismus eine Aufgehobenheit und eine soziale Absicherung erleben, die im heutigen BRD-Kapitalismus nicht existiert und auch garnicht gewollt ist.
Ob die deutlich wahrnehmbaren Unterschiede zwischen Ost- und West gerade im Arbeitsleben, die Mentalitätsdifferenz zwischen Kollektivgedanke und Konkurrenzgehabe, zwischen Miteinander und Gegeneinander, immer auf der früheren begeisterten Zustimmung zum Sozialismus beruhen oder nicht oft auch auf dem damaligen untertanentypischen Sich-an-die-Verhältnisse-Anpassen will ich nicht beurteilen.
Nach genügend Zeit in identischen Arbeitssituationen in beiden Teilen des angeblich vereinigten Deutschlands ist jedenfalls mein Eindruck der eines gewaltigen Mentalitätsunterschiedes, der mir nebenbei erklärt, warum ich Weimar immer noch als meinem ideellen Wohnsitz und meiner dortigen Beschäftigung immer noch als der um Längen erträglicheren Arbeitsstelle nachtrauere.

Abt. Die Gelbe Gefahr
Nein, der Chines“ wieder! Er kann es einfach nicht lassen, der Chinamann. Da ist er wie der Iwan: einfach demokratieunfähig, weil von Natur aus (Schlitzaugen!!) zur Diktatur neigend!
Jetzt verbietet der kommunistische Unrechtsstaat einfach „pro-demokratische Bücher“!!
Entsetzliche Vorstellung, dass Chinas Bibliotheken künftig ohne die Magna Charta, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die Werke von Platon bis Schopenhauer auskommen müss….
Was? Müssen sie gar nicht?
Mit „pro-demokratisch“ meint das Hamburger Fachmagazine für Sinologie und Feindaufklärung lediglich die Schriften des CIA-Protegés und antikommunistischen Hetzers Joshua Wong, und insbesondere sein separatistisches Sudelpamphlet „Unfree Speech“, mit dem er eine ausländische (sprich: imperialistische) Intervention herbeischreiben möchte?
Ach, Spieglein, Spieglein an der Wand,
er ist so trübe, dein Verstand;
Er lässt so vieles stark vermissen –
Nur eins nicht: China anzupissen.

„Wer es sich leisten kann, meidet Busse und Bahnen.“
Das Heer der Lohnarbeitenden kann es sich NICHT leisten.Die müssen in ihrer Mehrheit brav zur Arbeit fahren, damit die Kapitalvermehrung am nationalen Standort weiter so wuchtig und eindrucksvoll daherkommt wie gewohnt.
Überfüllte Züge, ausgedünnte Fahrpläne, Ansteckungsgefahr hoch zehn? Egal, „die Wirtschaft“ muss brummen!
Der finanzkapitalistische Feudalismus, der es bisher geschafft hat, sich unter dem Namen „Demokratie“ dem Arbeitsvolk als so unvermeidlich wie unentbehrlich zu verkaufen, ist als Herrschaftsform wie maßgeschneidert für eine Gesellschaft, die aus lauter gnadenlos und konsequent vereinzelten Selbstverwirklichern, Überlebenskämpfern und -künstlern besteht und von einer neo-feudalen Elite von Reichen gelenkt wird.
Eine Elite von Reichen übrigens, zu der jeder der lohnarbeitenden, Lotto spielenden, chronisch zu knappen Untertanen selber gerne gehören würde. Denn das ist das (falsche) Versprechen des neuen Feudalismus: „Auch du kleines Rädchen kannst es zu Reichtum bringen, denn du bist kein Untertan, sondern deines Glückes Schmied in diesem Reich der Freiheit!“
Und weil er sein Lebtag lang nichts anderes gehört hat, glaubt der kleine Untertan das Märchen, welches ihm die Herrschaft erzählt: dass nämlich „die Demokratie“ gar keine Herrschaft sei, sondern nur eine Art sachdienlicher Verwaltung der naturgegebenen Zustände einer alternativlosen Welt.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Feiertagsdienst an Pfingsten
Dienste an christlichen Feiertagen bieten mir immer die Möglichkeit, in meinen Angeboten, scheinbar ganz im Sinne meines diakonischen Arbeitgebers, den Leuten Botschaft und Bedeutung des jeweiligen Feiertages nahezubringen bzw. ihre Erinnerung aufzufrischen (in der Praxis stellt sich schnell heraus, dass die Unkenntnis darüber, was im christlichen Jahreskalender warum gefeiert wird, nicht den Atheisten oder Dementen vorbehalten ist).
Vor allem kann ich unter der Tarnung der sozialen Betreuung und von lustigen Runden recht schön ein bisschen praktische Religionskritik anbringen.
Heute muss natürlich über Pfingsten gesprochen werden, von dem keiner auch nur die blasseste Ahnung hat, warum das ein Feiertag und was das überhaupt ist.
Ich erzähle also meiner Zuhörerschaft, was nach christlicher Legende Pfingsten bedeutet: dass da ein „heiliger Geist“ irgendwie in die Jünger gefahren oder von einer Art Taube (ja, genau: der Vogel, der alles voll kackt) ausgeschieden und in die Gläubigen geschüttet worden sei.
Derselbe heilige Geist übrigens, der ein paar Jahrzehnte vorher die Maria geschwängert hat, die dann den Jesus zur Welt brachte, um den sich bei den Christen alles dreht. Mein Publikum ist gebannt von dieser unerwarteten Volte der Geschichte und versucht anscheinend innerlich, eins und eins zusammenzuzählen.
„Was ist denn nun ein ‚heiliger Geist‘?“
frage ich in die Runde. Ratlose Gesichter. Nur der volldemente Herr J. sieht aus, als ob ein Glöckchen klingeln würde. Er meldet sich und erklärt: „Ein Mensch, den man nicht sieht!“
Das klingt überzeugend, auch für die Umsitzenden. Wo wir schon mal bei Geistern sind, hake ich nach und frage, wie sie sich einen Geist – ob heilig oder nicht – vorstellen. Natürlich kommen wir auf Gespenster, Spuk und Geister á la „Hui-Buh das Schlossgespenst“ und alte Bettlaken mit reingeschnittenen Augenlöchern.
Die Runde ist erheitert, man lacht über das leicht depperte Gespenst und nimmt hoffentlich auch heilige Geister nicht mehr so ernst.
Wir beschließen den Vormittag mit ein paar Frühlingsliedern und alle freuen sich aufs Mittagessen, das an Feiertagen immer besonders lecker ist.


Geschichten die das Leben schrieb: Sippenhaft im finanzkapitalistischen Freiheitsgefängnis
Mitten auf der Arbeit, am späten Vormittag, ruft mich die völlig aufgelöste und konsternierte Frau an, um mir folgendes zu berichten: soeben hätte sie einen Anruf ihrer Bank erhalten, in dem ihr ohne weitere Umschweife mitgeteilt wurde, dass ihr Konto gesperrt und ihr Dispo innerhalb von drei Wochen zurückzuzahlen sei; der Grund wäre „ein negativer Schufa-Eintrag“.
Die Frau – Geschöpf und Produkt der bürgerlichen Mittelschicht, studiert, seit über 30 Jahren in Festanstellung bei einem Versicherungskonzern – kann die Welt nicht mehr verstehen und befindet sich im Zustand beginnender Hysterie. Der ganze Vorgang ist für sie umso unbegreiflicher, als sie beständig Anfragen ihrer und anderer Banken abwimmelt, die ihr alle möglichen Kredite und Finanzprodukte andrehen wollen – sie zählt mit ihrem soliden Mittelschichtseinkommen (etwa das dreieinhalbfache meines Jahressalärs) nämlich zur Zielgruppe „solide, seriöse Akademikerin mit unschlagbar krisenfester Festanstellung“, die noch niemals im Leben in irgendeiner Weise eine Rate, Miete oder sonstige Verpflichtung säumig geblieben ist.
Ich rate ihr zu zunächst mal drei Schritten.
Erstens feststellen, ob es sich um einen Fake-Anruf handelt oder nicht.
Zweitens – wenn echt – die Vorgesetzten der Anruferin oder wenigstens ihre persönliche Kumdenberaterin bei dem betreffenden Geldinstitut zu fragen, was es mit der Info auf sich hat.
Drittens herauszufinden, ob das Ganze etwas mit mir zu tun hat – was sofort meine Vermutung war.
Als ich selber vor einigen Jahren mich zum Heer der prekär beschäftigen Lohnarbeiter gesellen musste, war ich von jetzt auf gleich mit analogen Anliegen meiner damaligen Bank konfrontiert: Gleiche dein überzogenes Konto innerhalb von kürzester Zeit aus und trolle dich als Kunde! Den überaus großzügigen Überziehungsrahmen hatte die Bank mir in besseren Zeiten förmlich aufgedrängt, betrachtete mich aber offensichtlich nach einigen mageren Jahren als faules Ei im Portefeuille.
Natürlich konnte ich von einem Niedriglohn nicht mehrere Tausend Euro aufbringen, so dass ich mich auf einen Vergleich mit der Bank einlassen musste, der mir das Kainsmal des unzuverlässigen Schuldners einbrannte: Der negative Schufa-Eintrag!
Diese schöne Einrichtung demokratischer Herrschaft bewirkt für den Betroffenen den effektiven Ausschluss von der Teilnahme an sehr vielen Selbstverständlichkeiten modernen Lebens: keine Überziehung des Kontos mehr, nicht einmal um einen Euro; keinen Ratenkauf von irgendwas; keine Absicherung gegen allfällige Widrigkeiten des normalen Alltags wie Autoreparaturen oder defekte Waschmaschine usw.
Obwohl ich durch ein rigides, selbst auferlegtes Spar- und Austeritätsregime die Schulden bei der Bank im November 2017 zurückzahlen konnte, bleibt der Schufa-Eintrag für weiter drei Jahre bestehen – so lange geht die sorgsame Überwachungsinstanz des nationalen Kreditwesens davon aus, dass der kapitalistisch untaugliche Schuldner ein potentieller Störfaktor für die reibungslose Geldvermehrung bei den institutionellen Geldverleihern ist.
Im November dieses Jahres erlischt dann – angeblich – der Eintrag und ich könnte theoretisch wieder mein Konto überziehen oder Konsumentenkredite bekommen.
Zurück zu der in Panik versetzten Königin meines Herzens, die weit weniger armutsfest ist als ich und noch niemals einer solchen Situation ausgesetzt war. Wie konnte IHR das passieren?
Die Erklärung ist die, die ich erwartet hatte:
Mit unserer Heirat im vergangenen November nahm die Frau meinen Nachnamen an: das war ihr Verhängnis!
Nachdem sie letzte Woche endlich auch bei ihrer Bank die fällige Namensänderung auf Konto, EC- und Kreditkarten veranlasst hat, leuchteten offensichtlich alle roten Lampen der Scoring-Algorithmen der Bank auf und meine nichtsahnende arme Gattin fand sich von jetzt auf gleich in das Ghetto des finanziellen Lumpenproletariats der Konsumgesellschaft verbannt. In ihrer Vorstellung saßen wir bereits krank und obdachlos bei Fusel und Kerzenlicht unter der Oberkasseler Brücke.
Hier ist die Geschichte zum Glück nicht zu Ende; letzten Endes brachte ein Anruf bei der jahrelangen persönlichen Kundenbetreuerin dies ans Licht: eine übereifrige neue Mitarbeiterin hätte aufgrund der automatisierten Meldungen des Warnsystems der Bank den Anruf getätigt, alles sei „nur ein Missverständnis“ und selbstverständlich ändere sich nichts am Status meiner Frau als gute und willkommene Kundin.
Nachdem die Selektion an der Rampe der Kreditwürdigkeit auf diese Weise doch noch von „ab in die finanzielle Gaskammer“ zu „darf weiter arbeiten und konsumieren“ umgebogen wurde, gehen wir erst mal zur nahegelegenen Filiale der Bank, ziehen Bargeld und tauschen es beim Discounter unseres Vertrauens in Drogen um.
