Kirche intern: Tugend & Versuchung

Ich war ja während der Fachtagung des Kunst- und Kulturgeragogen Verbandes in der Katholisch-Sozialen Akademie Franz Hitze Haus untergebracht, wo auch die Tagung selbst stattfand.

Die Akademie ist ein Platz der Begegnung und des Lernens, an dem kostümierte Gläubige mit lila Mützen und Schärpen durch die Flure huschten und wo es zu Mittag fettigen gefüllten Schweinebraten mit Knoblauch-Gemüse gab.

Die psycho-mentalen Schwingungen jenes unwirklichen Ortes wirken wohl noch nach in mir:

Wenn der DHL Mann zweimal klingelt

Gerade hatte ich mich zu einem gemütlichen Mittagsschläfchen hingelegt, als das hektische Klingeln eines Dienstleistungslohnarbeiters mich wieder in die Vertikale zwang. Ich drückte auf den Türsummer, der gleichzeitig die Gegensprechanlage aktiviert, und sprach mein übliches „Ja bitte?“ in den Hörer. 

„DHL! Paket für Sie!“ erklang es von unten. Ich begab mich auf den Weg nach unten, und mit jeder der insgesamt 86 Stufen bis ins Erdgeschoss wurde mein Schritt langsamer und gleichsam schwebender – was ich meiner frühnachmittäglichen Müdigkeit zuschrieb. Gleichzeitig registrierte ich einen feinen Nebel oder Dunst, der sich im Treppenhaus ausbreitete. Für einen kurzen Moment dachte ich, ein Nachbar hätte ein Räucherstäbchen entzündet, oder der Paketbote würde rauchen (allerdings entsprach die Menge an „Rauch““ eher dem dichten Qualm eines Bahnhofswartesaals der 1950er Jahre). Beides hätte ich aber gerochen; dieser Nebel hier war jedoch völlig geruchlos.

Dafür schien er alles zu durchdringen, einschließlich meiner Lungen und – so wollte es mir scheinen – jede einzelne Hautpore und Körperzelle. Unten angelangt lichtete sich der Nebel und gab den Blick frei auf eine Szenerie, die nur noch entfernt mit Oberkassel und nichts mit unserem Treppenhaus gemein hatte. Das DHL-Auto stand in einiger Entfernung am Rheinufer, das Paket lag weiter unten auf der Straße an einer Ecke im Gras. 

Aber auch die Straße war verwandelt, sie ähnelte jetzt einem alten Gartenpfad, und statt der Boutique an der Ecke sah ich Gräser und Blumenrabatten, zwischen denen das Paket lag. Bedruckt mit einem großen Fragezeichen lag es da am Boden. Der Paketbote, der derweil in der Ferne auf seiner Ladeklappe umherturnte, schien sich einen Spaß daraus zu machen, meine Überraschung mitzubekommen und womöglich mir beim Öffnen des rätselhaften Paketes zuzusehen.

Am merkwürdigsten aber waren zwei Hasen, die äußerst neugierig bei dem Paket standen, sich ihm immer wieder und aus verschiedenen Richtungen näherten, wieder zurücktraten und  über Bewandtnis, Verpackung und Inhalt des Päckchens zu fachsimpeln schienen. Ja, sie unterhielten sich tatsächlich, sehr gestenreich, sehr angeregt und in einer mir fremden Sprache. Inzwischen war ich überzeugt, durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum in eine Parallelrealität gelangt zu sein, vermutlich ausgelöst durch den Nebel im Treppenhaus.

Dafür sprachen jedenfalls die eigenartigen Häuser ringsum, die mir zwar bekannt vorkamen, die aber allesamt auf flexiblen Stelzen standen und sich in der leichten Brise hin und her bewegten. Dabei erklang eine Musik, die so unwirklich war, dass ich erst recht überzeugt war, Opfer einer Diskontinuität des normalen Raumzeitgefüges geworden zu sein. Aus früheren Begebenheiten dieser Art wusste ich, dass der Versuch, sich in irgendeine gewohnte Realität zurück flüchten zu wollen, sinnlos wäre bzw. die halluzinatorischen Erscheinungen nur vervielfachen würde. 

Von der Seite hörte ich ein Auto hupen; es war meine Liebste, die sonst nie Auto fährt, nun aber lässig aus dem Fenster lehnte und mir empfahl, doch mal das Päckchen zu öffnen. Steckte sie etwa dahinter? Hatte sie mir irgendetwas ins Essen gemischt, das diese Phänomene bewirkte? Wenn ja, würde ich von nun an öfter um dieses Menü bitten.

Ich beschloß nun, die beiden Langohren zu fragen, was es mit dem Päckchen auf sich hätte. Plötzlich war die Verständigung kein Problem mehr. Wir unterhielten uns in einer Sprache, die weder Deutsch noch Häsisch war, und die mir später von einem Amateurlinguisten als „Hasen-Portugiesisch“ erklärt wurde. Gescheite Antworten waren von den Hasen jedoch nicht zu bekommen. Im Gegenteil, als ich das Paket hochheben und öffnen wollten, raunzten sie mich rüde an und reklamierten Paket und Inhalt für sich.

Und tatsächlich stand außer dem Fragezeichen weiter nichts auf dem Päckchen, so dass ich nach einigem Hin und Her nachgab und es den frechen Gesellen überließ. Mein Hund unterdessen, der sonst jeden Vertreter der Gattung leporidae, dessen er aus hundert Metern Entfernung ansichtig wird, als natürlichen Feind und Beute betrachtet, wirkte während der gesamten Episode wie betäubt, er saß da bewegte den Kopf langsam von links nach rechts und wieder zurück und schaute in die Welt, als wäre sie aus Cellophan oder Glas.

Plötzlich klirrte es, der Hund schreckte auf und ich erwachte auf meiner Schlafstatt. Ich hatte im Traum – in WELCHEM, wusste ich jetzt! – ein Glas vom Nachttisch gefegt und dieses war auf dem Boden in tausend Stücke zersprungen. Die Flüssigkeit verteilte sich auf dem Fußboden, reagierte wohl auf irgendeine Weise mit dem Linoleum (oder woraus auch immer das Pseudoparkett, mit dem die Wohnung ausgelegt ist, besteht) und erzeugte einen Dunst, der dem Treppenhausnebel aus dem Traum nicht unähnlich war. 

In diesem Moment klingelte es an der Haustür und als ich die Gegensprechanlage drückte, hörte ich zu meiner abgründigen Verwunderung: „DHL! Paket für Sie!“

(Fortsetzung oben, im zweiten Absatz)

Hundeleben

Zweimal pro Woche geht mein Hundekumpel mit seinem zweitbesten Freund (nach mir) auf große Abenteuerrunde.

Hunde bei der Interaktion zu beobachten – miteinander und als Duo in der Begegnung mit anderen Hunden – ist eine faszinierende und oft belustigende Erfahrung. Man sieht, dass archetypische Verhaltensmuster wie Kontaktaufnahme, Signalisieren von Nicht-Bedrohung, Abneigung/Abwehrverhalten, Aggrssion, Konfliktlösung durch Ablenkung usw. jeder Spezies zu eigen ist.

Menschen sublimieren und rationalisieren diese Emotionen, und passen sie einer komplexen technischen Gesellschaft an. Bei Hunden ist alles direkt und unmittelbar; allerdings sind sie auch anpassungsfähig und lernen schnell.

Die beiden sind wie Pat und Patachon, wie zwei Jungs auf dem Schulhof, die vor lauter Energie auch schon mal raufen, ehe sie sich wieder wilden Jungs-Sportarten widmen. Andere Hunde, die ihnen begegnen, werden ignoriert oder nach kurzer, neutraler Begrüßung links liegen gelassen, schlimmstenfalls deutlich zurechtgewiesen, wenn sie sich zu aufdringlich in die Zweierbande reindrängen wollen.

Nach jeder dieser Runden sind beide so k.o., dass sie zuhause gerade noch kurz was fressen und dann, meistens bis abends, ins Suppen- bzw. Futterkoma fallen.

#hundeleben #mybestfriend #herrundhund

Gewaltproblem Messerangriffe: Politik handelt!

Na endlich! Die Politik handelt – konsequent, zupackend, effektiv: „BESSER OHNE MESSER“.

Jetzt tausende von messerbesitzenden traumatisierten in- und ausländischen potentiellen Gewalttätern so: „OK, naja, dann eben nicht, kann man wohl nichts machen. Schmeiß ich halt mein Messer in den Müll, wenn das auf dem Plakat steht. Aber ist schon irgendwie schade…“

Aus dem Innenministerium in Düsseldorf verlautet, dass man weitere Kampagnen plant:

„Nix zu holen mit Pistolen“

„Weisste schon das Neuste? Besser ohne Fäuste!“

„Viel zu faul für Gleich aufs Maul“

Auch der NRW-Wetterdienst will auf das neue erfolgreiche Konzept aufspringen und lanciert einen eigenen Slogan:

„Wettergott och nee, lieber keinen Schnee“.

Man verspricht sich, angelehnt an die „Messer“-Kampagne, einen vollkommen eis- und schneefreien Winter von der neuartigen Öffentlichkeitsarbeit.