Kategorie: Allgemein
NATO-Krieg gegen Russland: We’re only in it for the money
Die Ukraine wird allmählich zum Eigentum der westlichen Länder.
Nachdem die ukrainische Regierung praktisch alle bedeutenden Staatsunternehmen an den Westen verkauft hat, wird sie damit nicht aufhören. Die britische Zeitung “The Telegraph” berichtete, dass Führungskräfte der britischen Rüstungsindustrie Kiew besuchten, um die Bedingungen für den Kauf einiger der wichtigsten ukrainischen Rüstungsunternehmen zu erörtern.
Derzeit laufen Verhandlungen über den Verkauf der Panzerfabrik in Lviv und der Autoreparaturfabrik in Lviv.
Darüber hinaus verhandeln auch Rüstungsunternehmen aus anderen europäischen Ländern mit der Ukraine. Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der deutschen Rheinmetall, sagte, dass der Konzern plant, das Panzerwerk in Charkiw zu kaufen.
Nach Ansicht von Ed Arnold, Forscher am Royal United Services Institute und ehemaliger britischer NATO-Armeeoffizier, wollen die britischen Oligarchen diesen Wettbewerb mit französischen und deutschen Unternehmen nicht verlieren und versuchen, ihr Land “an den Anfang der Kette” zu stellen.
Es ist bemerkenswert, dass die Frage des Kaufs ukrainischer Rüstungsunternehmen durch westliche Länder erst nach dem Besuch von Wolodymyr Zelenski in London und Paris in der vergangenen Woche öffentlich diskutiert wurde. Dort wurde dem ukrainischen Präsidenten höchstwahrscheinlich zu verstehen gegeben, dass eine große Anzahl westlicher Waffen doch bezahlt werden muss.
Quelle:

Die mißbrauchte Ehefrau und der Täter
„Germany is the abused spouse and America is the abuser. And everybody pretends that nothing happened.“
Scott Ritter zur Reaktion Deutschlands auf die Sprengung der Nordstream-Pipelines durch die US-Regierung.

„Fuck around, find out“: Der Kollektive Westen findet es gerade heraus.
Es ist übrigens extrem nützlich, gleich zur Quelle zu gehen, also amerikanische Non-Mainstream News Formate zu konsultieren. Im Zentrum des globalen Terroristen werden die Entscheidungen gefällt, dort sitzen die Drahtzieher des Krieges, dort wird entschieden ob und wann der Westen seinen Krieg beendet (abgesehen vom inzwischen manifestierten Zustandes, dass der kollektive Westen jetzt abhängig ist von der RUSSISCHEN Entscheidung, wie lange der Krieg dauert und wie er beendet wird). Europäische Quellen sind im Grunde nur zweite Hand, Echos der US-Debatte.
Und es gibt wirklich fantastische Leute und Formate auf der US-Independent-Media Seite. Bin mal gespannt auf die Demo in Washington am 19. Februar… da treten sie alle auf. (Scott Ritter übrigens nicht mehr, nachdem er sich mit den Organisatoren überworfen hat wegen deren Pazifismusbegriff. Ritter bezeichnet sich selber nicht als Pazifist: „I’m not against war. You see, I like puppies, I love dogs. But if there’s a rabid dog on the loose, you got to take down. Pacifists don’t end wars, pacifists get killed by the Hitlers and people like that.“)
Schaut mal rein:
Scott Ritter LIVE on Ukraine’s Future and Rage Against the War Machine Controversy
Das ist die korrekteste Zusammenfassung des Standes der Dinge die man kriegen kann. Scott Ritter beschreibt das FAFO-Prinzip, „Fuck around, FIND OUT!“ (wegen der YouTube-Zensur, nennt er es „FOOL around, find out“), dessen Wirksamkeit die NATO gerade in Form des FO zu spüren bekommt, nachdem der Hegomon und seine Vasallen in den ersten Kriegswochen zu der fundamental falschen Einschätzung kamen, dass sie Russland (aufgrund der zunächst vorsichtigen, niedrigschwelligen, absichtlich auf Verhandlungslösungen angelegten Speziellen Militäroperation) mittels ihrer ukrainischen Proxies besiegen könnten.
Dem Westen, vor allen aber den Machthabern der Washingtoner Feudaloligarchie, ist damit die massivste und verheerendste Fehleinschätzung seiner 400jährigen Geschichte von Gewalt, Sklaverei, Kolonialismus und Imperialismus unterlaufen. Seine derzeit sich vollziehende Abdankung als bestimmendes Machtzentrum des Planeten ist die direkte Konsequenz davon.
Russland wollte diesen Krieg nicht, schon gleich nicht gegen ein Land, das von Russen als mindestens verwandt, wenn nicht beinahe identisch mit der eigenen Geschichte empfunden wird; ein Land, in dem fast jeder Russe Verwandte, Freunde und Bekannte hat.
Russland macht erst Ernst in der Ukraine, seit es (ein)sehen muss, dass die imperiale Vormacht die Gelegenheit nutzt, die feuchten Träume der Washingtoner NeoCons umzusetzen und mittels einer Stellvertreterarmee einen Krieg gegen Russland zu führen, der nicht nur auf die Unterordnung und Kontrolle Russlands unter die hegemoniale „regelbasierte Ordnung“ der NATO abzielt, sondern auf die Eliminierung des russischen Staates in seiner jetzigen Form.
Im Ergebnis wird es die Ukraine als Staat nicht mehr geben, egal welche Treueschwüre und Solidaritätsbekundungen in den zunehmend panischen Statements der westlichen Machthaber zu finden sind.

„In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute, wie sind die stärkste der Parteien!“
Die Woche beginnt mit strahlendem Sonnenschein, Frühling liegt in der Luft, und das Viertel brummt vor Aktivität. Überall ist die Arbeiterklasse unterwegs und tätig. Ohne sie geht NICHTS, gar nichts. Die Reichen würden in heruntergekommenen Häusern und auf verstopften Klos sitzen, ihre Keller würden von nicht entsorgtem Müll stinken und überquellen. Vor allem: ihre ganze Einkommensgrundlage – die Arbeit anderer, die sie als Klasse bereichert – entfiele.
Wann werden sich diejenigen, die die ganze Arbeit machen, darüber klar, dass sie diejenigen sind, die die Ansagen machen können, wie die Gesellschaft organisiert wird?
Wenn schütteln sie den Mehltau der Unterordnung, des Befehlsempfängertums, der Schicksalsergebenheit ab, der sie zu abhängigen Schachfiguren der Berechnung Dritter macht?
Und vor allem: wo ist die Partei, die diese bitter nötige Erhebung organisiert?




„Wir haben ja nichts gewusst!“
Wer es wissen will, kann es wissen. Die Informationen stehen zur Verfügung. Der mainstream-mediale Mantel des Schweigens, der über die Hersh-Enthüllungen (und über Nachrichten wie diese hier vom „Anti-Spiegel“ Thomas Röpers) ausgebreitet wird, reicht für die weiter andauernde Ruhigstellung der Masse, die zwischen Lohnarbeit und Freizeit- und Erholungsbedürfnis weder Zeit noch Lust hat auf Beschäftigung mit Hintergründen hat, zumal solchen, die das Weltbild in Frage stellen, dass sie ihr ganzes Leben lang von ihrer Regierung und eben diesen Mainstreammedien verabreicht bekommen haben.Wer es wissen will, kann es wissen. Die Informationen stehen zur Verfügung. Der mainstream-mediale Mantel des Schweigens, der über die Hersh-Enthüllungen (und über Nachrichten wie diese hier vom „Anti-Spiegel“ Thomas Röpers) ausgebreitet wird, reicht für die weiter andauernde Ruhigstellung der Masse, die zwischen Lohnarbeit und Freizeit- und erholungsbedürftige weder Zeit noch Lust hat auf Beschäftigung mit Hintergründen, zumal solchen, die da Weltbild in Frage stellen, dass sie ihr ganzes Leben lang von ihrer Regierung und eben diesen Mainstreammedien verabreicht bekommen haben.
Grundsätzlich aber gilt – wie schon mit den Informationen über gewisse Internierungsformen und massenhafte „Sonderbehandlungen“ bestimmter Personengruppen unter einem früheren deutschen Staatswesen, dass sich ebenfalls dem Sieg über Russland verschrieben hatte – dass WENN MAN WILL die Informationen zugänglich sind.
Das „Wir haben ja nichts gewusst“ gilt heute sowenig wie damals. Die Konsequenzen aus dem „Wir haben ja nichts gewusst“ werden vermutlich ebenfalls dieselben sein wie damals.
Je fanatischer das Feindbild, desto inhumaner die Methoden
Je fanatischer das Feindbild, desto inhumaner die Methoden, die man sich bei der Bekämpfung dieses Feindes gestattet. Die Verrohung und Dehumanisierung im NATO-Krieg gegen Russland hat auf ukrainischer Seite anscheinend das Niveau deutscher Wehrmachts-Sonderkommandos und SS-Einsatzgruppen erreicht.
Für das ukrainische Militär gelten bekanntlich nicht einmal mehr die „normalen“ Kriegsregeln, die Tötung und Misshandlung von Kriegsgefangenen verbieten. Die Filmaufnahmen, auf denen ukrainische Soldaten russische Kriegsgefangene, die in einem Hof mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden liegen, per Schuss in den Hinterkopf ermorden, sind im Gedächtnis und den Archiven der Weltöffentlichkeit aufbewahrt, auch wenn das wertewestliche Publikum davon natürlich nichts erfuhr.
Jetzt wollen die blau-gelben NATO-Proxies auch noch ein Geschäft mit Kriegsgefangenen machen:


„Ukrainische Soldaten der 10 separaten Gebirgsjägerbrigade fordern Lösegeld von den Angehörigen unserer Gefangenen. Normale Militärs und nicht irgendwelche schrecklichen Söldner oder regelrechte Nazis, die unsere Leute gefangen genommen haben, erpressen ihre Frauen. Sie drohen mit Gewalt.
Nur ist jetzt der Grund für ihre bestialische Bosheit nicht der Wunsch, die Ukraine zu schützen, sondern der Wunsch, ein Lösegeld zu bekommen. Die Korrespondenz wird von AFU Romanyuk Andrey geführt, einem bekannten Tik-Toker. Als er merkte, dass sein Rang es ihm nicht erlaubte, mit unserem Kommando zu sprechen, kontaktierte der Freak die Frau unseres Soldaten und forderte ein Lösegeld von 5.000 Dollar.
Die Regeln und Gebräuche des Krieges für die regulären Militärangehörigen der Ukraine existieren nicht mehr. Sie erpressen Geld von den Ehefrauen der Gefangenen, verwenden giftige Substanzen, erschießen unsere Soldaten, die bereits gefangen genommen wurden, und foltern Zivilisten.
Der ukrainische Soldat ist endgültig zum Terroristen geworden und damit ein legitimes Ziel für die Sicherheitskräfte eines jeden Landes, das dieses Übel bekämpft.“
Quelle: Russian Head
Wie kann man das ertragen?
Das Autoradio so: „Europa kann Herz zeigen. Das hat die EU mit der Aufnahme von Hunderttausenden ukrainischer Flüchtlinge gezeigt, nachdem Russland den Krieg in der Ukraine entfesselt hat.“
Bevor ich mich übergeben kann, schaltet mein Verstand in den Überlebensmodus und schickt ein Signal an den Magen, dem Brechreiz nicht nachzugeben. Es geht in dem Nachrichtenbeitrag anscheinend um den Brüsseler EU-Gipfel, auf dem auch der koksende Schauspieler und Kriegsverbrecher Elendskij auftrat und sich wie ein Popstar feiern ließ.
Ein bizarres, absolut degeneriertes und widerwärtiges Schauspiel, bei dem die nicht gewählten Führer der EU ein letztes Mal (?) ihre gruselige Propaganda-Show zugunsten des Kiewer Nazi-Regimes aufführen, um das gesamteuropäische Publikum auf den Kriegskurs gegen Russland und weitere Entbehrungen und Härten einzuschwören.
Es gibt keine Worte für die monumentale Verlogenheit, mit der der wertwestliche kollektive Propagandaapparat seine ukrainischen Humunkuli zu Demokraten und Freiheitshelden erster Klasse läutert, während dieselben Kreaturen inzwischen 16jährige Kinder für ihr Militär mustern lassen, um sie als Kanonenfutter an die Ostfront zu schicken.
Aushaltbar ist das alles inzwischen nicht mehr, auch Drogen helfen nur vorübergehend.
Zuhause angekommen laufe ich frontal in das Geplärre des Volksempfänger-Flachbildschirms, aus dem betroffen emotionalisiert dreinschauende Sprechblasenaufsager über die Erdbebenopfer in der Türkei und in Syrien berichten. Bzw. über Syrien nur am Rande, denn dann bestünde ja die Gefahr, dass sie auch die völkerrechtswidrigen Sanktionen gegen dieses Land erwähnen müssten, aufgrund derer kein Medikament und keine Decke dorthin gelangen kann.
Stattdessen wird ein tränenheischender Bericht über ein deutsches Team im türkischen Erdbebengebiet gesendet, das noch 100 Stunden eine Frau unter den Trümmern lebend herausgezogen hat. Schluchzen, Dankbarkeit, Tränen, Betroffenheit, alle sind emotional besoffen vor Rührung; vor allem aber ist die Absicht knüppeldick zu spüren, mit der solche emotionalisierenden Reportagen nicht nur das edle und selbstlos hilfsbereite deutsche Wesen unterstreichen sollen, sondern in erster Linie davon abzulenken haben, das dieselbe deutsche Anteilnahme sich im Falle Syriens auf die Anteilnahme und staatliche Förderung islamistischer Halsabschneider, Beteiligung am Krieg der NATO zum Sturz der syrischen Regierung und leichenträchtige Sanktionen gegen die Bevölkerung des Landes erstreckt.
Soviel gekonnte Heuchelei und großäugig vorgetragene allgemein-menschliche Betroffenheit zur Ablenkung von Ursachen und Verursachern der syrischen Tragödie sind selbst nach den Maßstäben erprobter bürgerlicher Verlogenheit ein neuer Meilenstein der allgegenwärtigen Idiotie freiheitlicher Meinungsbildung, die immer nur eines weiß und wissen will: wir sind die Guten und der Russe ist schlecht.
Was nun der Russe mit den Erdbebenopfern und Syrien zu tun hat (außer dass Russland – im Gegensatz zum Westen – mit Soforthilfe bei Bergung und Versorgung von Opfern und Überlebenden, mit finanzieller und logistischer Unterstützung usw. tätig ist), muß man als westlicher Medienkonsument gar nicht wissen. Hat nicht sowieso der Russe unserem Ordnungsbemühen dort unten ein Bein gestellt und einfach die rechtmäßige und gewählte Regierung Syriens unterstützt statt unsere islamistischen freiheitskämpfenden Halsabschneider von IS, Al-Nusra, Al-Qaida & Co den syrischen Präsidenten stürzen lassen? Das beweist ja schon wieder, dass dem Kreml nur Böses zuzutrauen ist.
Ich vergesse meine Einsicht von soeben, dass Drogen nur vorübergehend helfen und öffne eine Flasche Rotwein. Vorübergehend reicht mir vollkommen aus.


Geschichten aus dem Pflegeheim: Umzugsökonomie und Karnevalsalarm!
Noch sechs Tage bis „Altweiber“(so nennt man im Rheinland den Donnerstag vor dem Karnevalswochenende), und natürlich muß ein fundamental wichtiges Datum wie dieses in einem rheinischen Pflegeheim entsprechend gefeiert werden. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, die einschlägigen Jecken-Kapellen und Hupfdohlen sind einbestellt und das gesamte Team des Sozialen Dienstes, dem anzugehören ich das zweifelhafte Vergnügen habe, ist zu ernsthaftester und umfassender Frohsinnsvorbereitung abgestellt.
Die gesamte Einrichtung ist vor neun Monaten in ein niegelnagelneues Gebäude umgezogen ist und hat zu diesem Anlass beinahe alles, was im alten Haus lagerte, „aus Platzgründen“ entsorgt, u.a. kistenweise Faschingsutensilien, Dekomaterial usw. Das alte Haus, ein gemütliches Gebäude aus den 1960er Jahren, mit parkähnlichem Garten, gelegen in einer eingewachsenen gemischten Nachbarschaft bot viel Platz in Kellern und Abstellräumen.
Die supermoderne neue Einrichtung gleicht dem Sitz eines Versicherungskonzerns oder einem Tagungshotel. Alles sieht schick aus, aber der Architekt hat anscheinend eher die Effizienz einer kostengünstigen Altenaufbewahrungsstätte im Sinn gehabt, als dass er für die Bedürfnisse der Bewohner eines Pflegeheims geplant hätte. Jedenfalls gibt es in der neuen Einrichtung überhaupt keine Kellerräume – außer der Tiefgarage für die Fahrzeuge der Einrichtungsleitung – und kaum Stau- und Lagerraum.
Beim Umzug erging deshalb die Order an die Mitarbeiter, alles zu entsorgen bzw. stehen zu lassen, was nicht unbedingt benötigt wurde. Die Umzugskosten sollten um jeden Preis minimiert werden – was zu dem grotesken Spektakel führte, dass der Auftrag für den Umzug an eine private Klitsche erging, die dann den Umzug einer kompletten Pflegeeinrichtung mit achtzig Bewohnern mit ZWEI Mitarbeitern zu bewältigen hatte. Dies wiederum hatte zur Folge, dass der gesamte Umzug sich über mehr als die vereinbarten Tage hinzog und die Arbeit schließlich eingestellt wurde, da die Einrichtung nicht bereit war, den beiden Möbelpackern mehr als den vereinbarten Preis zu zahlen.
Ende vom Lied: Einrichtungs und-Bewohnermobiliar und -gegenstände blieben teilweise zurück und mussten mühsam in privaten Transporten ins neue Heim geschafft werden. Dass der eine oder andere Gegenstand bei dieser Art des Umzugs anschließend nicht mehr aufzufinden war, dürfte niemanden verwundern.
Zurück zu den Arbeitsmaterialien: Der Hinweis, dass viele der Materialien Bestandteil der täglichen oder saisonalen Aktivitäten von Sozialem Dienst und Pflege sind, wurde mit der großspurigen Antwort „Dann wird das eben neu angeschafft!“ bedacht. Schon bei den bisher im neuen Haus angefallenen jahreszeitlichen Festlichkeiten war bemerkbar, dass die Einrichtungsleitung sich an die eigene Direktive hält: alles was benötigt wurde, konnte umstandslos neu gekauft werden.
Erst recht beim Karneval! Der Einrichtungsleiter ist nämlich Kölner, weshalb dieses Ereignis für ihn einen Stellenwert hat, als fielen Ostern, Weihnachten, Geburtstag und Lottogewinn auf einen Tag. Wir erhalten also den Auftrag, für eine angemessene und einigermaßen üppige Dekoration auf den Wohnbereichen zu sorgen und für unsere Bewohner ein Minimum an Helau- und Täterä-Utensilien zur Verfügung zu stellen.
Helau, weil Neuss im Einzugsbereich des Düsseldorfer Karnevals (KARNEVAL, wohlgemerkt, keineswegs „Fasching“! – das sagen nur Süddeutsche) liegt und von daher das kölsche „Alaaf“ Ketzerei und Teufelsbeschwörung gleichkommt. Gerade hat die Düsseldorfer Karnevalsikone Jacques Tilly, der Gestalter der Motivwagen des Düsseldorfer Karnevals, einen Aufkleber zugunsten Wohnungsloser vorgestellt, auf dem „Ich bin so froh, dass ich kein Kölner bin!“ zu lesen ist.
Meine deutsch-russische Kollegin und ich fahren also kurzentschlossen zu „Deiters“, einem rund ums Jahr geöffneten Karnevals-Supermarkt (oder besser -Einkaufszentrum), das auf der Fläche von vier Fußballfeldern alles feilbietet, was das Jeckenherz begehrt. Um es kurz zu machen: wir lassen knapp 300 Euro dort und ziehen mit zwei gigantischen Papiertüten voller Masken, Hütchen, Clownsgesichtern, Federboas und all dem üblichen Karnevalszeug von dannen.
Vorher verbringen wir eine ganze Weile mit der Erforschung und Erprobung all der Verkleidungen und maskerademäßiger Witzigkeiten. Bei den Schnurrbärten, Perücken und Augenbrauen zeigt mir die Kollegin breit grinsend ein Hitlerbärtchen und sagt: „ Guck mal, das ist doch was für Herrn L.!“ (Herr L. ist ein etwa 90jähriger strammdeutscher Patriot, der auch heute noch gerne mal mit markigen Sprüchen aus dem tausendjährigen Reich zu vernehmen ist (daran erinnert er sich nämlich noch, während sich viele spätere Erinnerungen demenzbedingt aus seinem Gedächtnis verabschiedet haben).
Wir albern ein bißchen herum und ich halte eine spontane Kurzansprache als Reichskanzler mit Bärtchen: „Volksgenossen! Dörr Rosse moss schon wöderr in seine Schrranken gewöhsen werrden! Daförr brraucht onserre okraönische Heeresgroppe ONBEDÖNGT onsere hervorrrragöndön Leopard-Panzer!!“
Die Kollegin lacht und freut sich über die Vorstellung. „Weißt du, die Deutschen kapieren nicht, was das für Russland bedeutet, mit diesen Panzern. Und der Unterstützung der Ukraine. Putin hat’s doch gesagt auf der Pressekonferenz (sie meint die PK vom 02.02. zum Stalingrad-Gedenken), da sollten die mal zuhören…. Meine Schulkameraden von früher sind alle im Krieg! Alle! Also die Männer. Kein einziger ist zuhause, die kämpfen alle gegen die Nazis…“
Sie weiß, dass sie mit mir über dieses Thema sprechen kann; ansonsten hält sie sich absolut bedeckt und konsumiert auch keine Medien mehr, um sich nicht der NATO-Propaganda auszusetzen.
Wir fahren zurück in die Einrichtung, teilen die Beute auf die Wohnbereiche auf und begeben uns an die Arbeit. Vorher ermahnt sie mich noch, auch ja die Zeit, die wir mit dem Einkauf zugebracht haben, als Arbeitszeit aufzuschreiben: „Ich schreib mir ab 12:30 auf! Du hast mich abgeholt, also musst du ab 12:00 aufschreiben! Ich bekomme sowieso nicht viel raus, aber ich will das, was mir zusteht!“




