Das virologisches Fachmagazin aus Hamburg bejubelt in einem Meinungsbeitrag die Merkel-Ansprache an die BRD-Insassen und eklärt „Wir sind eine Demokratie. Wir leben nicht vom Zwang, sondern von geteiltem Wissen und Mitwirkung“ zum wichtigsten Satz der Rede.
Damit das auch von jedem verstanden wird, klärt der „Spiegel“ seine Leser über einen Sachverhalt, der verständigen Demokraten ohnehin geläufig ist, aber wegen der leider auch bei einigen Europäern zu konstatierenden propagandistischen Erfolge des Chinamannes nochmal bekräftigt gehört:
Virus in Demokratien = nicht so schlimm, weil Wissenschaft nicht unterdrückt und Presse frei ist!!
Ganz klar ein Naturphänomen, genau wie “Arbeitslosigkeit”, “Altersarmut”, “Mietpreisexplosion” und andere leider so unvermeidliche wie naturgegebene Erscheinungen wie Regen, Schnee und Wind, die einzeln und wahllos an verschieden Stellen der Erdoberfläche auftreten.
Da all diese Phänomene aus dem Nichts auftauchen, jedesmal völlig überraschend sind und “der Mensch”, also “wir alle”, rein gar nichts dagegen tun kann, ist angesichts allfälliger Opfer jedesmal ganz viel Trauerbekundung und Kerzenhalten angesagt.
Mehr kann man nicht tun – das aber ganz ausgiebig und medial begleitet von einem Tsunami aus Sondersendungen, Betroffenheitsbekundungen und Aufrufen zum “Zusammenstehen!” und “Sich nicht spalten lassen!”.
Dass der 100-jährige Verschluss der NSU-Akten, die faschistischen Netzwerke in Polizei, Armee und Justiz, der staatsoffizielle Umgang mit Fremden (von den Nützlichkeitserwägungen für “die Wirtschaft” bis zur Asylgesetzgebung für Unerwünschte) etwas mit solch rätselhaften Geschehnissen wie oben beschrieben zu tun haben könnten – das würden nur unverbesserliche Verschwörungstheoretiker, oder schlimmer noch: Kommunisten, behaupten.
Das Kindermagazin „Bento“ der Hamburger NATO-Gazette „Spiegel“ ist alarmiert: auf Netflix läuft eine neue norwegische Serie an, die sich mit Umweltproblemen und Klimawandel beschäftigt und dabei anscheinend „Kapitalismuskritik“ übt.
Das ruft die Volkserzieher unseres demokratischen Meinungsführerfachblattes auf den Plan, denn wie Kapitalismuskritik zu gehen hat, weiß der „Spiegel“am besten:
„Ragnarök“ will gern eine Parabel auf aktuelle Klimaprobleme und deren Verursacher sein. Das wird aber leider mit Thors Vorschlaghammer vermittelt: Arm gegen Reich, Gut gegen Böse – es gibt keine Zwischentöne.“
Für die Zwischentöne weiß sich der „Spiegel“ im Bunde mit der Ikone der Klimabewegung, deren „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“-Harmlosigkeit in Bezug auf jeden echten Kampf gegen die Naturzerstörung durch den globalen Kapitalismus sie bekanntlich zur begehrten Dialogpartnerin der Big-Time-Naturzerstörer und ihrer politischen Handlanger gemacht hat:
„Kapitalismuskritik ist gut und wichtig, wird in “Ragnarök” aber leider auf eine so platte und naive Art praktiziert, dass es einen glatt aus den von Kinderhand produzierten Sneakern haut. Das ist nicht nur schade, sondern gefährlich. Die reale Greta Thunberg redet nicht nur mit den Eliten, sondern ist mahnendes Vorbild für ihre und andere Generationen, die gemeinsam durch ihr Konsum- und Wahlverhalten die Klimakatastrophe mitverantworten.“
Puh, das war knapp: fast wären jugendliche Netflix-Konsumenten jetzt einer FALSCHEN Kapitalismuskritik aufgesessen. „Bento“ bzw. „Spiegel“ erteilen einem gewissen Unbehagen über die Schlechtigkeit der Welt zwar ihren gönnerhaften Segen („… Kapitalismuskritik ist gut und wichtig“), stellen aber klar, dass solche Kritik auf keinen Fall zu verwechseln ist mit einer, die die kritisierten Schäden durch Entmachtung der Schädiger beendet.
Wirkliche Kritik in der Welt, die den „Spiegel“ und „Bento“ Journalisten ihr Gehalt bezahlt, wendet sich nämlich nicht an die Urheber der kritisierten Zustände (und wenn, dann nur als Bittsteller und um „mit den Eliten“ zu „reden“), sondern macht die Geschädigten verantwortlich: DIE sollen gefälligst ihr Konsumverhalten ändern, den Gürtel enger schnallen, die Richtigen wählen – denn dann können „Unternehmen … ihre klima- und umweltschädlich hergestellten Produkte und Dienstleistungen einfach einpacken“.
Unterm Strich stelle ich fest: wenn ein Status-Quo-Gehirnwäscheblatt wie der „Spiegel“ soviel Einwände gegen eine Netflix-Serie hat, muß ich mir die mal ansehen. Samstag Nachmittag bis zum Topspiel der Bundesliga gerettet!
Manchmal überlege ich mir – nein, ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ich nichts wüsste von all dem, was täglich und grundsätzlich an Informationen aus der sozialen Realität auf mich einstürmt. Wenn ich so täte, als existierten die barbarischen Verhältnisse nicht, die zum Nachteil der Leute (jedenfalls derjenigen, deren Lebensunterhalt in den Berechnungen der Kapitaleigentümer als Kostenfaktor auftaucht) jedem Insassen der Marktwirtschaft als Sachzwänge gegenübertreten.
Offensichtlich kriegen recht viele Zeitgenossen das bestens hin; die Mehrzahl von ihnen, wenn ich mich so umschaue.
Ich könnte doch von jetzt auf gleich so tun, als lebte ich in der besten aller Welten. Ich könnte aufhören, Zeitungen zu lesen (kommunistische zumal), Fernsehen zu schauen (außer unterhaltsame Filme dann und wann); ich könnte die ganze Beschäftigung mit Hintergründen und Erklärungen für den Wahnsinn der Welt, das Interesse an Erkenntnissen und Erklärungen der politische Ökonomie drangeben und ein friedliches, selbstgenügsames Leben in der bürgerlichen Filterblase führen.
Dank der staatlich besiegelten Partnerschaft mit der besten Frau der Welt, mit der ich Bett, Wohnstatt und Kosten des Lebens teile, könnte ich ein von größeren Sorgen unberührtes Leben am unteren Rand der Mittelschicht führen; ein Leben in einer komfortablen Altbauwohnung im besten Viertel der Landeshauptstadt, mit ausreichend Geld für die monatlichen Fixkosten und – wenn nichts kaputt geht (Auto, Waschmaschine oder so) – alle zwei Jahre vielleicht sogar in Urlaub fahren.
Statt mich jedesmal von neuem aufzuregen über die immer dreisteren Sauereien der herrschenden Klasse könnte ich einfach sagen „Politik? Interessiert mich nicht!“ und mich damit von einer Menge innerer Unbehaglichkeit und Unzufriedenheit befreien.
Anstelle des Wunsches nach Abschaffung der Verhältnisse, die zum Schaden von Leuten wie mir, also der lohnabhängigen Mehrheit der Bevölkerung, eingerichtet sind, könnte ich den Wunsch nach komfortablerer EINRICHTUNG in diesen Verhältnissen kultivieren und mir damit eine Art seelisches Valium verpassen, mit dem es sich bestimmt reibungsfreier leben läßt. Kurzum: ich könnte die blaue Pille nehmen und vergessen, dass ich jemals andere Verhältnisse als die bestehenden angestrebt habe.
Aber ich kann’s nicht (mehr). Leider hab ich schon die rote Pille geschluckt. Und die besteht aus ein paar Erklärungen der gesellschaftlichen Reproduktion namens Kapitalismus, die zu Argumenten FÜR ein anständiges Leben für alle werden. Der Wirkstoff in der roten Pille besteht aus der Einsicht, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse von Menschen gemacht werden und keine Naturgesetze sind.
Super! Die dreihundert Soldaten jüdischen Glaubens kriegen von der Kriegsministerin gleich zehn Militärseelsorger spendiert!
Jetzt kann nichts mehr schiefgehen mit dem diesmal ganz freiheitlich-demokratischen Expansionsdrang des deutschen Imperialismus: wo auf Hebräisch gebetet wird, kann es ja gar keinen Anti-Semitismus wie beim letzten Mal geben, sondern nur bunt-tolerante, garantiert pluralistische Durchsetzung deutscher Interessen in der EU, an der Ostfront und weltweit. Das dann aber knallhart, schließlich lernt man ja gerade wieder „die Sprache der Macht“.
Achgottchen. Die Hamburger Experten für Menschenrechtsfragen, berichten über eine Resolution der UN in der Deutschland und „insgesamt 23 Länder“ China mal wieder anpissen.
„Die Staaten“ (nämlich ziemlich genau diejenigen westlichen Staaten, deren blutige Spur von Krieg und Terror von Lybien über Afghanistan, Irak und Syrien bis nach Venezuela führt) verurteilen die Volksrepublik dafür , dass sie dem von eben diesen 23 Ländern kräftig unterstützten und bewaffneten Terrorismus (tausende der westlichen „gemäßigten Rebellen“, die in Syrien in den Reihen der islamistischen Kopfabschneider kämpfen, kommen aus den muslimischen chinesischen Provinzen) konsequent den Nährboden entzieht. In den Augen der staatlichen Förderer des Regime-change-Terrorismus aus dem Wertewesten also ein schlimmes Vergehem.
Nicht umhin einräumen kann aber selbst das NATO-Sprachrohr von der Elbe, dass die gesamte Welt außerhalb der Zentren des Imperialismus Chinas Vorgehen UNTERSTÜTZT und begrüßt, nämlich mehr als 50 Staaten. Darauf wird verschämt mit „es gab auch Gegenstimmen“ hingewiesen.
Dass es bei all dem Zinnober um genau eine Sache NICHT geht, ist auch klar: um „das Schicksal der Uiguren“.
Manchmal ist es so offensichtlich wie dummerhaftig, wie die Frontpresse des Imperialismus ihre Propaganda strickt.
Nachdem ich mehr mit halbem Ohr das lobpreisende Rauschen im Medienwald mitbekommen hatte und nachdem in den letzten Tagen hier in FB sich einige Freunde austauschten über dieses mit Preisen überschüttete angeblich “authentische”, “differenziert betrachtende”, “objektive DDR-Geschichtsaufarbeitung betreibende” Werk, war ich – als ich den Film bei Netflix entdeckte – neugierig genug, mal reinzuschauen.
Die Einstiegsszene zeigt einen zerknirschten Protagonisten, ehemals MfS-Mitarbeiter, NACH der Konterrevolution, zu Besuch bei einem Bekannten, über den er zu DDR-Zeiten Informationen an das MfS gab.
Die dramatische Rollenverteilung ist klar und wird von Filmemachern und -finanziers auch beim Publikum vorausgesetzt: MfS-Mitarbeiter (“Stasi-Spitzel”) sind das Letzte schlechthin; die moralische Verurteilung ist schon gar nicht mehr nötig, weil ohnehin in der bloßen Tatsache der Kooperation mit dieser Behörde begründet, wodurch sich ganz grundsätzlich auch 40 Jahre Wühltätigkeit, Sabotage, wirtschaftliche Erpressung, Terror und Subversion gegen den sozialistischen Staat (also all das, wogegen eine Behörde wie das MfS nötig war) noch im Nachhinein rechtfertigt, denn dadurch wurde ja schließlich dem erzbösen Gegner der Garaus gemacht. Und das hat der – wie der Film wieder mal zu beweisen hat – mehr als verdient.
Jedenfalls war ich bereits nach etwa 5 Minuten soweit, dass ich lieber abschalten wollte, da ich kein Bedarf an einem weiteren anti-sozialistischen Propagandaschinken habe – wie subtil und “authentisch” er auch daherkommt (und subtil war da eigentlich gar nichts).
Ich schaute dann aber doch noch eine gute halbe Stunde weiter ein Machwerk an, dass mit guten Schauspielern eine Idee bebildert, an deren massenwirksamer Perfektionierung die Staatsmacht des Eroberers seit nunmehr dreissig Jahren unermüdlich arbeitet: die Verdammung des Sozialismusversuches in dem Teil Deutschlands, der nach dem Weltkrieg Ernst machte mit dem antifaschistisch-demokratischen Neubeginn und eine Gesellschaft errichten wollte und errichtete, die Ausbeutung und Krieg ein Ende setzte und den Leuten die grundlegenden Menschenrechte auf Arbeit, Wohnung, Bildung und Erholung und vor allem: Frieden garantierte.
Dass so eine Gesellschaft sich die Feindschaft des Weltimperialismus und speziell des um seine östlichen Pfründe gebrachten BRD-Kapitals zuzog, muss nicht extra erwähnt werden.
Dass diese sehr konkrete und sehr tödliche Feindschaft eine äußerst wachsame Verteidigung nötig machte und der sozialistische Staat für die Sicherheit seiner Existenz (die die Sicherheit der Arbeiterklasse war, eben NICHT wieder zu lebenden Anhängseln eines profitablen Kapitalstandortes zu werden) ein ganzes MINISTERIUM schuf, muss angesichts der geschichtslosen, absichtlich herbeigeführten Massenhypnose des Anti-Kommunismus scheinbar immer wieder erklärt werden.
Ich würde gerne einen Film über die deutsche Geschichte sehen, der den propagandamedial inszenierten Gleichklang “DDR = Stasi = böse + darum Kapitalismus das einzig Senkrechte” auflöst und seinen Ex-MfS-Mitarbeiter sagen lässt:
“Ja! Ich war beim MfS, weil ich dazu beitragen wollte, dass die Freiheit von Ausbeutung, Not und Krieg, die unser Sozialismus garantierte, geschützt wird. Geschützt vor denen, die Kriege führen, die Leute hungern lassen, die Arbeit für den Reichtum anderer als Almosen vergeben, für das man dankbar zu sein hat… All das wollte ich meinem Volk ersparen und einer Truppe angehören, die sich als Schild und Schwert derjenigen Partei versteht, unter deren Führung der Sozialismus gegen die Todfeindschaft des Imperialismus aufgebaut wurde. Dass das nicht geklappt hat, finde ich selber scheisse. Ebenso finde ich scheisse, dass Überheblichkeit, Schikane und Bürokratismus bei uns eingerissen ist und so viele Karrieristen und Ja-Sager in Partei und MfS mitmischten. Trotzdem lagen und liegen wir in der Sache richtig und kein Eroberer, kein BRD-Funktionär, kein Wendehals und kein Apostel der Freiheit westlicher Weltbeherrschung kann sich auf den moralischen Richterstuhl setzen und mit seinen bluttriefenden Fingern auf unsere bescheidenen Versuche zeigen, uns ihn und seinesgleichen vom Halse zu halten.”
DAS würde ich wie gesagt gerne einmal im Kino sehen. Aber dafür gäb’s natürlich keine Filmförderung.
Die in fast allen staatlichen und privaten Medien verbreitete Russophobie, mit all ihrer hysterischen (aber vorgetäuscht sorgenvollen) Paranoia vor der russischen – Subtext: bolschwistischen – Bedrohung aus dem Osten nehme ich hauptsächlich als bizarre, groteske Comedy-Show-Dauersendung wahr.
Es ist so offensichtlich berechnend und erlogen, dass mich jede neue Meldung über „russischer Einflußnahme“, jede neue Räuberpistole zur Begründung der NATO-Kriegsplanung eher zum Schmunzeln bringt. Das ist so ähnlich wie „Titanic“-Lesen; man weiß dass es Satire ist und freut sich über gelungene Witze.
Heute ereilte mich plötzlich der Schrecken, dass diejenigen, die diese Hysterie schüren, selber durchaus nicht hysterisch sind. Sie bereiten strategisch, planvoll und überlegt ihren großen Krieg vor (kleinere führen sie die ganze Zeit schon), der Ihnen – so denken sie offensichtlich – den Ausweg aus der Krise ihrer Kapitalakkumulation weisen und ihre ins Wanken geratene Weltordnung wieder zur unangefochtenen Herrscherin des Globus machen soll (und nebenher sorgt die wahnwitzige Hochrüstung auch noch für schöne Gewinne auf den Konten der einschlägigen Konzerne).
Sie sind keine anonymen, ungreifbaren, reptiloiden Verschwörer, die heimlich die Welt regieren. Es sind die demokratischen Machthaber und die überschaubare und bekannte Klasse von Oligarchen, Superreichen, Konzernlenkern, Führungskadern internationaler Organisation des Finanzkapitals, für die die gewählten Staatslenker des Freien Westens die staatlichen Rahmenbedingungen organisieren.
Wir können lachen über die Absurdität der Lügen und die durchgeknallte Russophobie (es deutet sich an, dass diese demnächst durch eine ebenso irre Sinophobie ergänzt wird) der politischen Verwalter des Imperialismus und der eingebetteten Medien; Kapital und Bourgeoisie lachen auch: über die Untertanen, die sich von derart durchschaubarer Kriegspropaganda einseifen und sich demnächst wohl auch willig zur Schlachtbank führen lassen.