Endzeit-Ode ohne Happy End

Es läuft ja letztens ziemlich dumm
für das US-Imperium:
Das Land zerfällt, die Armut steigt,
den Ukraine-Krieg vergeigt.
Dazu wächst unaufhaltsam BRICS
trotz Donald’s Wut und Strafzoll-Tricks.

Verzweiflung steigt, Renditen sinken
der Westen, er beginnt zu stinken
nach Angst vor seiner Niederlage –
nicht „ob“ mehr, „wie“ ist jetzt die Frage.

Die Menschheit schnuppert und sie riecht,
wie ein Geruch die Welt durchkriecht
der streng und ziemlich eklig stinkt
je lauter Trump das Liedchen singt,
wie mächtig und wie wunderbar
und great durch ihn America!

Und ist die Panik groß genug,
sind diese Herrschaften am Zug:

Am Düsseldorfer Flughafen lernen schon die Kleinen: der Russe ist kulturlos und lebt in einem leeren Land ohne Natur- und sonstige Sehenswürdigkeiten

Florian Warweg postet diesen Beitrag auf X:

Die Kommentare sind etwa jeweils zur Hälfte zustimmend, also kritisch gegenüber dieser offenkundigen Zurschaustellung der mittlerweile gewohnten Alltags-Russophobie, der man im offiziellen Deutschland an jeder Ecke begegnet. Die andere Hälfte lässt genau die hasserfüllten, feindseligen Kommentare vernehmen, die den russophob abgerichteten Volksgenossen wie giftige Jauche durch die Ritzen der Bretter vor ihren Köpfen quillt.

Das kann ich nicht unkommentiert lassen:

‪Am interessantesten in diesem Thread finde ich die zahlreichen Beispiele der als „Russophobie“ klassifizierten Geisteskrankheit, dieser fanatischen Feindseligkeit gegen ein ganzes Land, seine Bewohner, seine Kultur und seine Geschichte.‬

‪Der reflexhafte mentale Speichelfluß konditionierter Untertanen („Gulag“, „Stalinstatuen“, „Giftangriffe“, „Fensterstürze“, „brutaler Eroberungskrieg“ usw.) beim Wort „Russland“, „Russe“ oder „Putin“ belegt, wie erfolgreich die Kriegshetze der Regierung und der eingebetteten Medien ist. Die hasserfüllten Dummheiten von aufgehetzten Schmalspurdenkern zeigen ebenso, dass die Kriegspropaganda auf einem soliden Fundament von Russenhaß, Antikommunismus und Verdrängung aufbauen kann. ‬

‪Die Verdrängung nämlich des Vernichtungskrieges, den eine Vorgängerregierung des jetzigen Berliner Regimes gegen Russland und die Sowjetunion angezettelt hat und dem ca 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer gefallen sind. Und immer noch wird „der Russe“ entmenschlicht, dämonisiert, als stets gewaltbereites, eroberungswütiges Monster dargestellt, dem „wir“ nur mit überlegener Gewalt, sprich: Aufrüstung und Krieg, entgegentreten können.‬

‪Das kleine Detail, auf einem Kinderglobus von allen Ländern nur Russland, immerhin der größte Flächenstaat der Erde, ohne Symbole der Naturschönheiten oder Sehenswürdigkeiten darzustellen, mag für sich gesehen armselig und lächerlich sein. Es ist aber ein Bestandteil der tödlichen Vernichtungsabsicht, die der deutsche Imperialismus und seine Ideologen immer noch gegen Russland hegen. Alles Menschliche wird diesem „Unvolk“, diesen „Untermenschen“ abgesprochen, jegliche kulturellen und sonstigen Errungenschafren, Schönheiten, Werke etc. werden mit Ignoranz gestraft. Das ganze Land, der Begriff „Russland“ wird zur Chiffre für DAS BÖSE, für DEN FEIND. ‬

‪Wer sich das einleuchten lässt – so wie etliche der Kommentatoren hier – der ist auch bereit für den Krieg gegen das Land, das „immer unser Feind sein wird“ (Außenminister Wadephul). Das Land, gegen das der nächste Krieg geplant wird, in dem deutsche Soldaten „wieder lernen müssen, Russen zu töten“ (Kriegsminister Pistorius).‬

‪So geht Kriegshetze, so soll Kriegstüchtigkeit erzeugt werden, so funktioniert entmenschlichende Propaganda. ‬

‪So geht Faschismus.‬

Ein Alex von Münchhausen kommentiert:

Was mich in dieser Hinsicht sehr traurig macht, dass man fast mit keinem darüber reden kann. Die Indoktrinierung ist restlos vollzogen.

Ich stelle häufig fest, dass eine bestimmte „Filterblase“ – vor allem meine ostdeutschen Freunde mit DDR-Sozialisierung – selbstverständlich nicht auf die antirussische Kriegshetze hereinfällt.

Westdeutsch indoktrinierte Personen, speziell aus den älteren Generationen, sind mit der Muttermilch des transatlantischen Antikommunismus aufgezogen worden und haben diesen umstandslos auf das heutige Russland übertragen. Ähnlich wie man sagt „Kratz an einem Deutschen, und der Nazi kommt zum Vorschein“, sagen diese Leute „Kratz an einem Russen und der Kommunist kommt zum Vorschein“.

Dann gibt es noch die Gruppe von Mitbürgern – die treffe ich hauptsächlich auf der Arbeit – die irgendwie ahnen, das sie von vorne nach hinten verarscht werden, die sich aber lieber bedeckt halten, die auch irgendwie Angst haben, der offiziellen Meinung zu widersprechen. Und die sich keinen Ärger einhandeln wollen.

Es herrscht ein merkwürdiges Schweigen in Teilen – großen Teilen! – der Gesellschaft. So als ob man dem Ganzen entgehen könnte, als wenn es nicht vorhanden wäre, wenn man nicht darüber spricht, am besten auch keine Medien zu dem Thema konsumiert und nichts dazu sagt.

Meine kommunistischen Freunde haben‘s manchmal schwer mit mir

Freundlichkeit und Mitgefühl sind entscheidend zum Verständnis der conditio humana. Wer nicht die eigenen Begrenzungen versteht, kann nicht die Begrenzungen von anderen verstehen.

Gerade Kommunisten sollten sich nicht wie moralische Scharfrichter aufführen, sondern müssen zunächst einmal jedem zugestehen, dass er oder sie nun mal im Rahmen und nach Maßgabe der jeweils eigenen Prägungen, Konditionierungen und Fehler agiert.

Ich erlebe manche kommunistischen Freunde als beleidigte Leberwürste, die zornig und ausfallend werden, sobald man ihre Vorstellungen oder Erwartungen nicht erfüllt. Anstatt zu berücksichtigen, dass in dieser Welt jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat und schon deshalb Verständnis und Solidarität verdient, führen sie sich auf wie Richter, wie Priester der kommunistischen Rechtschaffenheit, die dem anderen zu erklären befugt sind, was er falsch macht.

Wir sollten uns alle mal daran erinnern, dass hier keiner die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Und dass wir bei aller Verschiedenheit nur den ehrenwerten kommunistischen Anliegen nützlich sein können, wenn wir diese eitlen, wichtigtuerischen, besserwisserischen Rechthabereien mal beiseite lassen – und uns zuerst und ganz grundsätzlich gegenseitig als die begrenzten, unperfekten, manchmal irrenden, manchmal richtig liegenden Menschen akzeptieren können, die wir sind.

Nicht das Ideal kann der Maßstab für Freundschaft und Verständnis sein, sondern die Wirklichkeit.

Geschichten die das Leben schrieb: Häuslicher Urlaubsdialog

Nach einem weiteren Tag am Meer, den ich gewohnheitsmäßig mit viel Lektüre, guter Musik und ausgiebiger Faulenzerei verbracht habe, begebe ich mich in die Küche der Ferienwohnung, wo die Frau bereits eine Flasche Grauburgunder aus dem Kühlfach holt.

Ich scrolle durch den Newsfeed der diversen Substack-, Telegram- Facebook- und X-Postings und stelle nach einer ersten oberflächlichen Einschätzung fest, dass sich an EINER unausweichlichen Tatsache nichts geändert hat:

Wir leben auf einem Strafplaneten, dessen Bewohner einem Abgrund kollektiver Idiotie entgegen taumeln, die das Zeug zu einer Tragödie nie gekannten Ausmaßes hat.

Soweit also alles wie immer.

Ich stelle das mobile Endgerät beiseite, lasse mich wie ein nasser Sack in den Küchenstuhl fallen und stoße einen Seufzer aus, der direkt der tiefsten Quelle meiner empfindsamen Ästhetenseele entspringt.

Die Frau fragt: „Was ist los?“

„Wo soll ich anfangen?“ antworte ich. „Soll ich mit dem Drama der menschlichen Existenz beginnen? Dem Abgrund des Irrsinns, der einem in dieser Welt ständig ins Gesicht schaut? Den Zuständen, die Menschen zu Sklaven der Verhältnisse machen ohne dass sie sich dessen bewusst sind? Du weißt doch, womit ich mich immer beschäftige und was mich so umtreibt…“

„Wir haben zu essen für die nächsten vier, fünf Tage!“ verkündet die Frau, die vor dem geöffneten Kühlschrank steht, als Antwort, und ich weiß mal wieder, wer der Stein an der Schnur des Luftballons meines Daseins ist und mich auf der Erde hält.

Darauf können wir anstoßen, und das tun wir auch.