
Das Zwielicht der Sozialdemokratie
Sozialdemokraten: der Notnagel der Bourgeoisie.
Letzter Versuch der bürgerlichen Eliten, vor dem Griff zur faschistischen Option die Dinge „demokratisch“ geregelt erscheinen zu lassen.
Der aufziehende Faschismus wirft jedoch schon seine (diesmal regenbogenbunten) Schatten, und in dem Zwielicht zwischen demokratischer kapitalistischer Normalität und faschistischem Notstandsregime verschwimmen die Konturen der Sozialdemokratie immer mehr, bis sie ein bißchen von beiden ist.

Zwei Seiten einer Münze

Diese Politik versammelt allerdings 75% der deutschen Wähler hinter sich.
Der Punkt dabei ist, dass denen einleuchtet, dass erstens die Reste des Sozialstaats geschleift werden müssen und zweitens Krieg gegen Russland ansteht, wobei das erste aus dem zweiten folgt.
Eine Mehrheit der deutschen Wähler ist tatsächlich genügend propagandisiert, um das dazugehörige Feindbild zu akzeptieren, oder zumindest nicht zu opponieren.
Und ganz grundsätzlich leuchtet ALLEN, also nahezu 100% der Bürger, fälschlicherweise ein, dass der Staatserfolg auch ihr Erfolg ist und dass die Garantie für einen erfolgreichen kapitalistischen Staat nun mal die wuchtige Kapitalvermehrung am Standort ist – die nötigen Opfer dafür zu bringen, sind sie anscheinend bereit.
Fragen und Antworten

„Was macht Friedrich Merz besser als Angela Merkel?
Was macht die CDU-Regierung besser als die Ampel?
Was ist seit Merz’ Amtsantritt tatsächlich besser geworden?“
Das fragt sich und die Leserschaft ein X-User. Da hab ich eine Antwort drauf:
Die Frage ist, FÜR WEN er Dinge besser oder schlechter macht.
So allgemein formuliert sind Fragen wie deine oben gestellten nutzlos, weil sie von einem falschen „Wir“ ausgehen. Die politische Herrschaft einer Konkurrenzgesellschaft BEAUFSICHTIGT die freie Konkurrenz und hat zu gewährleisten, dass die GARANTEN des kapitalistischen Erfolges der Nation, also die Unternehmerschaft, optimale Standortbedingungen vorfinden. Das geht schon unter „normalen“ kapitalistischen Bedingungen regelmäßig einher mit der tendenziellen SCHÄDIGUNG der Interessen der Lohnarbeiter, die sich zwar für den Kapitalstandort nützlich machen sollen, aber eben die Unternehmen auch nicht geschäftsschädigend viel kosten dürfen – erst recht in Zeiten von Krise und Krieg.
BESSER:
Aus Sicht seiner finanzkapitalistischen Kumpane und der globalistischen Eliten ist Merz und seine Regierung ein Glücksgriff, mit dem die Reste des BRD-Sozialstaates auftragsgemäß geschreddert und mittels einer gigantischen Privatisierung so viele Bereiche der Volkswirtschaft wie möglich der privaten und institutionellen Bereicherung geöffnet werden.
Vor allem der militärisch-industrielle Komplex, der primär von der Verschuldungsorgie der Merz-Regierung profitiert, dürfte ebenfalls die Dinge zum Besten gewendet sehen.
SCHLECHTER siehts dagegen aus für die lohnabhängige Bevölkerung, die systemüblich für Aufrüstung, Krieg und Gewinnoptimierung der besitzenden Klasse geradezustehen hat.
Die spürt schon jetzt täglich, was es bedeutet, wenn die Herrschaft Krieg auf die Tagesordnung gesetzt hat: Verarmung, Zensur, generell eine zunehmende Verschärfung der Umstände, in denen die zurechtkommen müssen, die außer ihrer Arbeitskraft nichts besitzen, mit dem sie in der Konkurrenz der freien Eigentümer im Kampf uns finanzielle (demnächst dann ums tatsächliche) Überleben bestehen können.

Falsche Kritik an den Militäraufwendungen eines anspruchsvollen imperialistischen Players

Klingbeil in Kiew – noch mehr Milliarden für Ukraine. 😡
Um 6.30 Uhr am Montag rollte der Zug mit dem deutschen Finanzminister und seinem Geld-Versprechen in den Bahnhof von Kiew ein. Lars Klingbeil reist zum ersten Mal als Minister in die Ukraine.
Laut neusten Berechnungen hat die deutsche Hilfe die 50-Milliarden-Grenze bereits vor Monaten überschritten. Aus dem Finanzministerium heißt es, dass Deutschland die Ukraine seit Beginn der militärischen Eskalation im Februar 2022 bis Ende 2024 mit 50,5 Milliarden Euro unterstützt hat.
25 Milliarden kostete die Aufnahme von ukrainischen Geflüchteten in Deutschland. 17 Milliarden flossen in die militärische Unterstützung (Waffen und Ausbildung von Soldaten). 6,7 Milliarden in zivile Hilfe (z. B. Wiederaufbau von angegriffener Energieinfrastruktur). 1,9 Milliarden für den ukrainischen Haushalt (damit Kiew z. B. Beamte bezahlen kann).
Für Klingbeil ist besonders wichtig, dass die schwarz-rote Regierung entschieden hat, bei der militärischen Hilfe nicht zu kürzen. Zu den 17 Milliarden bis Ende 2024 kommen in diesem Jahr 8,3 Milliarden obendrauf. Für 2026 und 2027 hat der Finanzminister noch mal 17 Milliarden (8,5 Mrd. pro Jahr) eingeplant.
(Mann im Schatten auf X)
Die Kritik an den immensen Ausgaben der BRD für den Krieg gegen Russland – denjenigen, die die ukrainischen Stellvertreter führen und denjenigen, den der deutsche Imperialismus demnächst selber führen will – greift zu kurz, wenn sie hilflose Vergleiche anstellt nach dem Motto „All das schöne Geld, das sollte man doch lieber in Deutschland einsetzen für die ganzen Probleme, die wir hier haben!“.
Solche Kritik besteht nur in der Sorge um „Gutes Regieren“, das sie beim jetzigen Herrschaftspersonal vermisst. Sie versteht nicht, dass genau diese Investitionen dazugehören zu einem kapitalistischen Standort, der sich in der globalen Konkurrenz machtvoll behaupten will, und keineswegs einen Widerspruch zur Verarmung der Bevölkerung darstellen.
Die gigantischen Milliardenaufwendungen, die „Sondervermögen“, die gewaltigen Verschuldungsorgien, die von den Herrschenden aufgelegte werden, geben Auskunft über die ebenso gewaltigen Ansprüche, die der deutsche Imperialismus an sich selbst stellt und mit denen er gedenkt, in der imperialistischen Konkurrenz eine entscheidende Rolle zu spielen.
Wer das nicht versteht und nur bedauernd feststellt, dass man doch so viele nützliche Dinge mit den Milliarden „für Aufrüstung und Krieg“ anstellen könnte, hat das Wesen kapitalistischer Konkurrenz und des Imperialismus nicht verstanden und bleibt ein ohnmächtiger Apologet der kapitalistischen Verhältnisse.
Frieden und Wohlstand sind im Kapitalismus nicht zu haben. Waren sie noch nie (es gelang in den wenigen „guten“ Nachkriegsjahrzehnten lediglich, durch Ausplünderung der Post-kolonialen Peripherie und Verlagerung der Kriege nach auswärts, die Illusion eines friedlichen und prosperierenden Kapitalismus zu erzeugen). Jetzt plündert der Imperialismus nicht mehr „die Dritte Welt“ und irgendwelche Hungerleiderländer des Globalen Südens, sondern kannibalisiert die eigenen Bevölkerungen für die Profite der herrschenden Eliten.
Volk und Führer mal wieder geeint
Deutschland marschiert im Sauseschritt
zum Krieg, und alle gehen mit.
Man hasst den Russen voller Lust
weil die im Fernseh‘n sagen:
„Der Iwan will uns an den Kragen!“
„Wir haben doch von nix gewusst!“
wird man dann später klagen.

Schöne Neue Berufswelt
Ich lese immer öfter, als Jobbeschreibung bzw. berufliche Tätigkeit von Leuten, „Content Creator“, manchmal auch „Digital Content Creator“ (das noch dümmere „Influencer“ dagegen ist keine Selbstdefinition, sondern ein medial geprägter Begriff, der anscheinend für Leute benutzt wird, die mittels aufdringlicher Zurschaustellung ihrer Konsumpräferenzen viel Geld auf Social Media Plattformen verdienen oder dies versuchen).
Was für ein bescheuerter Beruf ist das eigentlich, „Content Creator“? Da kann man sich doch auch gleich als „Producer of Used Air“ oder „Anyway-it-doesn’t-matter-anymore Creator“ bezeichnen…
Ich stelle mir da immer Late-Twens und Mittdreißiger vor, die in ihren Jugendzimmern oder im Hobbykeller von Mamas und Papas Haus sitzen und deren Selbstwichtigkeit in keinerm Verhältnis zu ihrer Relevanz (egal wie viel „Follower“ sie haben mögen) steht.
Erinnert mich jedenfalls an den Fachbegriff “Waste disposal facility management specialist“ für „Klofrau“.

Geschichten die das Leben schrieb: Attraktivität als Begnadigungsgrund

Urlaubszeit ist Lesezeit. Während ich mir eine solide Mischung aus Fachliteratur und Belletristik mitgenommen habe, hat sich die Frau mit einem Berg Krimis ausgestattet, 19 Bücher insgesamt, die sie eins nach dem anderen weg liest.
Die Werke haben Titel wie „Die Tote am Meer“, „Die Leiche im Watt“, „Strandmord“ usw. und befassen sich samt und sonders mit den Leichenbergen, die offensichtlich an deutschen, dänischen und schwedischen Küsten ständig anfallen und die von wackeren, aber bindungsunfähigen Kriminalisten mit Alkoholproblemen im Laufe von 200 – 500 Seiten stets gelöst werden.
Nach zwei Wochen intensiver Leserei ist sie schon beim zwölften oder dreizehnten Buch angekommen. Ich biete ihr, mehr spaßhaft, an, sich an meinem Bücherstapel zu bedienen.
„Was hast du denn so?“ fragt sie. Ich antworte wahrheitsgemäß „Dies und das, von klassischer Literatur wie „Nathan der Weise“ von Lessing, einem Buch über Goethe in Weimar bis zu einem belletristisch aufgemachten KI-Sachbuch zweier chinesischer Autoren…“
„Oh nee, bloß nicht…“ lässt sie sich vernehmen und verdreht die Augen.
Ich erzähle ihr von Renate Dillmanns Buch, das ich gerade lese und beschreibe es so: „Richtig gutes Buch über Medien und Meinungsherstellung, eine echt kompakte und kenntnisreiche Zusammenfassung der Art und Weise, wie hierzulande der Regierungsstandpunkt verbindlich gemacht werden soll und wie abweichende Meinungen zensiert werden…im Grunde nichts, was ich nicht schon wüßte, aber in seiner Verdichtung und Übersicht sehr gut und sehr nützlich…“
„Das könnte ich tatsächlich auch mal lesen“, merkt die Liebste an. Für meinen letzten Satz allerdings ernte ich eine noch auffälligere Verdrehung der Augen. „Ja klar, du bist der Oberschlauberger, der alles schon weiß..“ bekomme ich zu hören. „Zum Glück bist du attraktiv, sonst wär‘ das nicht auszuhalten.“
„Naja, du kennst doch meine Auffassungen und meine kommunistischen Ansichten“ halte ich zu Gnaden. „Wenn ich jetzt hässlich wäre UND so schlaue Sachen sagen würde, dann würdest du dich trennen?“
„Ja, dann kämst du auf die Abschußliste!“ ist die klare Antwort.
Aber schon muss sie lachen und sagt: „Nee, ich weiß ja, dass du schlau bist, aber das hört sich manchmal so an, als ob du ALLES besser weißt…“
Ich verkneife mir eine Bemerkung wie „Was soll ich machen, so ist es eben“ oder „Was kann ich denn dafür, dass die meisten so dumm sind“ und stoße lieber mit ihr an auf die Tatsache, dass wir noch eine weitere glorreiche Urlaubswoche vor uns haben.





































































































