
Da wächst zusammen, was zusammen gehört: der Kapitalismus sorgt für die Seinen.
Kochen mit BewohnerInnen im Seniorenheim. Frau S., eine vergleichsweise fitte Mitt-Achtzigerin, bekannt für ihre scharfe Zunge, sitzt schon erwartungsvoll am Tisch der HelferInnen und fragt, was heute gemacht wird.
Ich antworte: “Sommerlicher Kartoffelsalat mit Klopsen und Eiern in Curry-Sauce”
Frau S., im Tonfall resoluter Zurechtweisung eines ahnungslosen Jungschnösels: “Curry? Wir sind hier deutsche Proletarier, wir brauchen keine Currysauce und exotischen Unsinn!”
Das kann ich natürlich nicht auf meiner internationalistischen Ehre sitzen lassen und ich entgegne einigermaßen schlagfertig: “Aber Frau S., der deutsche Proletarier kann sich doch im Geiste der Völkerfreundschaft die Kultur anderer Länder aneignen!”
DAS kennt Frau S. offensichtlich aus DDR-Zeiten.und lachend beginnt sie, Eier zu pellen.


Aus einem Facebook Thread (siehe Screenshot)
Die Antwort des Lehrers in dem schönen Beispiel zeigt das Kernproblem jeder Gesellschaft, aber vor allem einer, die auf Einsicht, Erkenntnis der Klassenstruktur und Kritik der politischen Ökonomie setzt: ALLES, auch die richtigste Analyse und der korrekteste Standpunkt kann zum toten Dogma werden, das wie eine Monstranz hochgehalten und hinter dem sich die kritische Intelligenz zum Schlafen legt.
Solche Haltungen der Mitläufer des Sozialismus, die von der sozialistischen Umgestaltung der Lebensverhältnisse gerade so viel verstehen (wollen), wie es für Ihr persönliches Fortkommen braucht, wurde parteioffiziell geduldet, wenn nicht sogar gefördert von den Verwaltern des Realsozialismus (ergab in der Konsequenz aus Sicht der Partei- und Staatssozialisten einen wenigstens nicht aufsässigen, angepaßten Sockel an Bürgern, die in ihrer Nische funktionierten).
Konsequenz für die Errichtung von tatsächlichen sozialistischen Produktions- und Lebensverhältnissen jedoch: die Mitläufer waren für die Verteidigung der Arbeitermacht nicht zu haben und waren schneller im Lager der Konterrevolution als man “Lenin” sagen kann.
Ich verstehe deine Besorgnis und auch die fassungslose Schrecknis, die der
epidemisch sich ausbreitende Rechtsruck – man könnte auch sagen: die
zunehmende Faschisierung – auslöst.
Nur:
“eine große Koalition sämtlicher Demokraten, die ein lautes und verbindliches Ja zu unseren Grundwerten und zur demokratischen Verfassung aussprechen” gibt es längst. Zufällig sind es dieselben
Herrschaften, die genau DIE Politik des Sozialabbaus, der Verarmung und
der Kriege exekutieren, die die Untertanen massenhaft ihr Heil bei rechten Demagogen und rassistischen Hetzern suchen lässt. Die sog. Demokraten mit ihren sog. Grundwerten werden ja von denen, die weder von “Demokratie” noch von “Grundwerten” was haben, weil sie in der Klassengesellschaft zu den Verlierern gehören, als Lügner, Priviliegienbewahrer und Gegner der einfachen Lohnabhängigen begriffen.
Zu recht – auch wenn der faschistische Schluss, den die Abgehängten der
kapitalistischen Konkurrenz ziehen, natürlich erstens ein Fehler ist und
zweitens ihrer Obrigkeit exakt in die Hände spielt: Untertanen spalten,
gegeneinander hetzen und weiter die Klassenherrschaft der Reichen gegen
die Armen aufrechterhalten.
Schon jetzt ist in der neoliberalen Marktwirtschaft (die immer mehr zu einer
Art feudaler Oligarchenherrschaft des Finanzkapitals wird) die Wahlbeteiligung in den Armutsvierteln der Großstädte bei ca. 40%,
während sie in den Wohngegenden der Bessergestellten bei ca. 80% liegt.
Bürgerliche Demokratie reduziert sich so auf ihren harten Kern: die
parlamentarische Absicherung der Macht des Privateigentum, in der
ohnehin nur noch die, die was davon haben, das Personal der politischen
Herrschaftsausübung wählen.
Das hilflose Gejammer von bürgerlichen Demokraten über die bösen
Volksverführer und rechtspopulistischen Konkurrenten ist verlogen, weil
die etablierten Parteien der “Demokraten” zum einen bloß die Konkurrenz
wittern, wegbeißen wollen und mit ihren politischen Entscheidungen
längst die Absichten der rechtspopulistischen und faschistischen
Parteien vorweggenommen haben (Beispiel Asylrechtsänderungen,
“Intergrationsgesetze”, Hartz4-“Reformen usw.). Zum anderen weil
besonders in der Krise der Satz gilt: »Wer von Faschismus redet, darf
von Kapitalismus nicht schweigen«.
Und das ist das Tabu, an dem bürgerliche Demokraten nicht rütteln, denn in ihrem Eintreten für den Kapitalismus und die damit einhergehende Ausbeutung, Verrohung, Entrechtung usw. sind sie sich ganz und gar einig mit ihren faschistischen Mitbewerbern um die Administration des nationalen Kapitalstandortes.
Die Konkurrenz von rechts will halt nur, dass DEUTSCHE Kapitalisten DEUTSCHE Lohnabhängige zur Mehrwerterzeugung antreten lassen, während die Grundwerte der Demokraten besagen, dass JEDER (sogar die unter dem Titel „Flüchtlinge” importierten Opfer imperialistischer Aggressionen anderswo) grundsätzlich tauglich ist, die nationale Akkumulation (samt ihrer globalisierten Durchschlagskraft – was meinst du denn, wozu das BRD-Militär jetzt massiv aufgerüstet wird?! – zu befördern. NATIONALISTEN sind sie alle, sie streiten sich nur über den richtigen Weg zur Glorie ihres nationalen Vereins.
Die Welt der Kriege, des Kampfes um Ressourcen und Handelswege, des
ständigen Konkurrenzkampfes mit anderen Souveränen, des imperialistischen Ringens mit den staatlichen Subjekten, die ebenfalls
nach einem Platz an der Sonne streben – in dieser Welt leben die
Herrschenden und ihr politisches Personal, für diese Welt rüsten sie und
führen sie Kriege.
Und die Untertanen glauben daran, dass die Welt ein Haifischbecken von Wettbewerb und Jeder-gegen-Jeden ist, sie stimmen ihrer Obrigkeit ausdrücklich zu in der Ansicht, dass persönlicher Erfolg eine Sache der Behauptung in einer gnadenlosen Welt ist, in der einem nichts geschenkt wird.
Da ist der Schritt klein, das Verhalten des kapitalistisch trainierten Individuums auf die Staatenwelt zu projizieren, wo eben derselbe Kampf und Wettbewerb herrscht.
Blick auf den Kalender: Heute letzter Arbeitstag des Monats, Erster Mai fällt auf einen Sonntag. Schon bin ich alarmiert: Miete! Strom- und Gasversorger! Internetprovider! Alle werden sich heute noch Geld bei mir holen wollen. Schneller Kontocheck: erstens der lachhafte Niedriglohn schon fast aufgebraucht, zweitens hat eine Kundin noch nicht bezahlt, ein Geldeingang mit dem ich fest gerechnet hatte. Sehe mich schon beim Vermieter katzbuckeln und um Aufschub bitten.
Was tun? Nein, Genosse Lenin, den Umsturz krieg ich bis Montag nicht hin. Also Bank anrufen: “Leute, die und die Lage, Kohle kommt!”. Bank so: “Tut uns leid, zu kurzfristig, da können wir leider gar nichts machen”.
Kundin anrufen! Kundin (leicht träge): “Oh, die Rechnung… ja, hab ich noch nicht Zeit für gefunden…” Ich so: “Ja dann aber mal hurtig!”
Drei Stunden später: Kundin ruft an. “Habe Ihnen gerade das Geld überwiesen. Schicke Screenshot des Überweisungsbeleges in der Email”. Außerdem fühle sie sich mit der neuen Software doch unsicher und will einen Wartungsvertrag für ein Jahr. Und ihre Kollegin mache sich gerade selbstständig und bräuchte ebenfalls ganz dringend meine Dienstleistungen…
Alles wieder gut? Der Canossagang zum Vermieter wird mir nicht erspart bleiben und Kapitalismus ist und bleibt scheisse. Aber immer wieder schön, wie schnell Erscheinungen, Zustände und “Fakten” sich abwechseln und wie schlecht beraten man ist, auch nur eins davon ernst zu nehmen.
“Jedem, auch dem Lasterhaftesten, ist gewissermaßen der Stempel des göttlichen Ebenbildes aufgedrückt, und vielleicht hat der große Bösewicht keinen so weiten Weg zum großen Rechtschaffenen, als der kleine; denn die Moralität hält gleichen Gang mit den Kräften, und je weiter die Fähigkeit, desto weiter und ungeheuerer ihre Verirrung, desto imputabler ihre Verfälschung….
Wenn es mir darum zu thun ist, ganze Menschen hinzustellen, so muß ich auch ihre Vollkommenheiten mitnehmen, die auch dem Bösesten nie ganz fehlen. Wenn ich vor dem Tiger gewarnt haben will, so darf ich seine schöne blendende Fleckenhaut nicht übergehen, damit man nicht den Tiger beim Tiger vermisse.”
(Friedrich Schiller; aus dem Vorwort zu “ Die Räuber”)
Wieviele Lügen kann man in einer kurzen Nachrichtenmeldung unterbringen? Reichlich, jedenfalls beim Deutschlandfunk, der uns in den 9:00-Nachrichten über Folgendes informiert:
“In der von Russland annektierten Krim ist es zu einem Stromausfall gekommen. Wie russische und ukrainische Behörden mitteilten, wurden mehrere Hauptmasten der Starkstromleitung gesprengt. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Die Krim war Anfang 2014 nach einer international nicht anerkannten Abstimmung in die Russische Förderation eingegliedert worden.”
1) “Von Russland annektiert”: Die Redewendung würde ich – wenn schon – auch gern hören, wenn vom ostdeutschen Beitrittsgebiet die Rede ist, das 1990 OHNE Volksabstimmung von der BRD annektiert wurde. Die Bewohner der Krim dagegen – schon immer mehrheitlich russisch – haben sich per Volksentscheid für die RÜCKKEHR in die Russische Förderation entschieden (während die Machthaber der Ukraine vom Westen in ihre Ämter geputscht worden sind).
2) “Hintergründe unklar”: Die Strommasten wurden von der Faschistentruppe des “Rechten Sektors” gesprengt, die sich anschließend sogar Scharmützel mit der eintreffenden ukrainischen Polizei lieferten. Fünf Minuten Internetrecherche würden auch einen DLF-Nachrichtenredakteur mit diesen Fakten bekannt machen.
3) “International nicht anerkannte Abstimmung”: aus der NATO-zentristischen Sicht der imperialen Hofjournalisten ist alles “international nicht anerkannt”, was nicht von USA, EU und NATO abgenickt wurde. Dieselben paar Staaten, die sich in Jugoslawien, Afghanistan, Lybien, Irak, Syrien usw. über jedes Völkerrecht hinwegsetzen, mäkeln an Russland rum, das sich völkerrechtlich einwandfrei dem Zugriff der NATO auf die russischen Stützpunkte der Krim entzieht und die Bevölkerung der Krim vor den Putschisten und Faschisten aus Kiew in Sicherheit bringt.
Ich weiss schon, warum ich (außer durch Zufall) keine Staats- und Konzernmedien mehr konsumiere. Wenn man sich eine Weile NICHT der medialen bürgerlichen Gehirnwäsche ausgesetzt hat, wirken die Informationshappen der verordneten Weltsicht der herrschenden Klasse umso bizarrer.
Als ich Nachstehendes in Facebook geschrieben hatte, kamen mir Idee und Titel zu einem weiteren Blog. Hier isses also.
Zaungast in einer Welt, in der Töten normal ist. Egal ob Mensch oder Tier – einen guten Grund gibt’s dafür immer.
“Tod den Ungläubigen! ”
“Krieg gegen den Terror!”
“Es schmeckt mir aber nun mal!”
Alle so überzeugt von ihrem Recht auf Töten. Alle ganz sicher, dass die anderen Schuld sind/ es nicht anders verdient haben/fürs Töten und Verzehren da sind.
Zaungast… ich glaub ich bleib lieber draussen.