Dr. Arthur Kachikian war heute bei Pascal Lottaz zu Gast. Kachikian ist in der armenischen Sowjetrepublik aufgewachsen und bezeichnet sich selber als Liberalen, als Anhänger des westlichen Liberalismus, der nun allerdings sehen muss, das all seine Ideale, alles woran er geglaubt hat, sich als Schwindel erweisen.
Das gesamte Gespräch ist äußerst hörenswert; ich habe hier mal die Passagen übersetzt, die sich mit der Ent-Täuschung der liberalen Lebenslüge befassen, dass die imperialistische Weltordnung irgendetwas anderes wäre als eine nützliche Maskerade der stinknormalen kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse:
„Es ist ziemlich gefährlich, dies als einen Religionskrieg darzustellen. Was ich sagen möchte, Pascal, ist, dass wir gerade Zeugen eines Erdbebens sind. Dies ist ein internationales Erdbeben von globalem Ausmaß.
Dies ist das Ende des Völkerrechts, der internationalen Legitimität, der internationalen öffentlichen Meinung, der internationalen Organisationen, des UN-Systems und der Weltordnung nach 1945. Tatsächlich ist es das Ende jeglicher Weltordnung. Es ist das Ende der gesamten Idee des Gleichgewichts, der gemeinsamen europäischen Sicherheit, der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Es ist das Ende der gesamten Architektur der Rüstungskontrolle. (…)
Wir haben jetzt so gut wie nur noch den umfassenden Teststoppvertrag, der mehr oder weniger eingehalten wird. (…) Das gesamte System der Rüstungskontrolle ist also zusammengebrochen. Die gesamte Philosophie, Frieden durch gegenseitiges Verständnis, Kompromisse und Gleichgewicht zu erhalten, ist über Bord geworfen worden.
Wir haben das Ende des liberalen Traums erlebt. Das ist das Ende des Liberalismus.
In den letzten 400 Jahren haben uns englische, französische, niederländische, amerikanische und andere Autoren erzählt, dass die ideale Form der menschlichen Gesellschaft die liberale Demokratie sei. Dass Demokratien friedlich miteinander leben. Dass sie sich nicht gegenseitig angreifen. Und dass dies die ideale Form sowohl für die Innen- als auch für die Außenpolitik sei. Angefangen bei Thomas Hobbes über John Locke, John Stuart Mill, Jean-Jacques Rousseau, Montesquieu, Adam Smith bis hin zu Voltaire. All diese Menschen sind nun irrelevant geworden.
Wir sind 400 Jahre zurückgegangen. 400 Jahre liberalen Denkens. Eine führende Demokratie verhält sich seit 25 Jahren auf diese Weise. Die Leute werden mir sagen: Arthur, du übertreibst. Das ist nur eine Person. Es ist nicht nur eine Person. Fukuyama kann also zurück in die 90er Jahre gehen und sein Buch noch einmal schreiben. Das ist das Ende, aber nicht das Ende der Geschichte.
Das ist das Ende der liberalen Demokratie. Das ist das Ende der westlichen liberalen Demokratie, denn alles, was wir über die westliche liberale Demokratie wussten, ist über Bord geworfen worden. Die Pressefreiheit ist am Ende. Die Kraft, die Macht der öffentlichen Meinung ist verschwunden. Liberale Werte – man spricht von liberalen Werten, tötet 165 Kinder und redet nicht einmal darüber – sind verschwunden. Wirtschaftliche Verflechtung, institutionelle Zwänge, all diese Elemente der liberalen Theorie sind einfach auseinandergefallen. Und wir wandeln nun auf einem Friedhof der Weltordnungen und Ideale.“
Simplicius the Thinker beschäftigt sich mit der Narrativkontrolke der imperialistischen Akteure und ihrer Medien, die in den imperialen Zentren und Think-Tanks angesichts des vor aller Welt enthüllten ökonomischen, militärischen und nicht zuletzt moralischem (im Sinne von „Soft Power“ und Selbstverständnis von zivilisatorischer Überlegenheit der westlichen Staaten) Bedeutungsverlustes des Kollektiven Westens als immer dringlichere Aufgabe begriffen wird.
Nicht ohne Grund werden gerade in Europa die Zügel der ideologischen Bevölkerungskontrolle immer schärfer angezogen, der Korridor zulässiger Meinungsäußerungen immer weiter eingeschränkt.
Man sollte Op-Eds wie den hier erwähnten Artikel des „Professor für Verfassungsrecht“ in der WaPo nicht mit einer beliebigen Meinungsäußerung verwechseln. Solche Texte sind neu eingeschlagene apodiktische Eckpfeiler, die dem ungezügelten imperialistischen Treiben der US-Oligarchie die nötige ideologische Rationalisierung verleihen sollen.
Gedanken und Äußerungen gleichen Inhalts hört man bereits vom US-Kriegsminister, für den Kriegs- und Völkerrecht lediglich wokes Weicheiertum sind, mit dem einer echten Armee das effektive Zuschlagen erschwert wird. Bald schon werden solche professoralen Schönfärbereien der imperialistischen Barbarei Eingang finden in die Strategie-Papiere und Regierungserklärungen der US-Administration und ihrer Vasallen.
Mit dem Verlust von Macht und Deutungshoheit erfindet der Westen alte Normen neu
Ein „Professor für Verfassungsrecht“ der Hofstra University hat für die Washington Post einen Kommentar mit dem Titel „Im Fall des Iran hat das Völkerrecht seine Glaubwürdigkeit verloren: Völkerrechtler verteidigen einen Rahmen, der die tatsächlichen moralischen Unterschiede im Krieg nicht erfassen kann“ verfasst.
Der Artikel versucht, ein neues Konzept moralischer Äquivalenz für die Zeit nach dem „Krieg gegen den Terror“ zu beschreiben, in dem das Völkerrecht als unflexibel, starr und veraltet abgetan wird. An seine Stelle, so argumentiert der „Experte“, solle ein System treten, das nuancierte Interpretationen abstrakterer Konzepte wie „Selbstverteidigung“ zulässt. Er argumentiert in absurder Weise, dass die einseitigen Aggressionsakte der USA in den letzten Jahrzehnten unter dem neuen Rahmen kein „Völkerrecht“ verletzen würden, da sie aus einer Vielzahl von haarspalterischen Gründen gerechtfertigt seien. Russlands „Aggression“ gegen die Ukraine fällt natürlich unter den bisher geltenden Rahmen als illegaler und krimineller Akt im Sinne des Völkerrechts.
Der Artikel ist in erster Linie eine Rechtfertigung für Trumps kriminelle Angriffe gegen den Iran. Der Autor argumentiert, dass viele „Gegenargumente“ dafür vorgebracht werden können, warum die USA bei diesen Angriffen im Recht sind, obwohl das „Völkerrecht“ – genauer gesagt Artikel 51 der UN-Charta – besagt, dass nur Angriffe zur Selbstverteidigung als legitim gelten. Die „Milizen“ des Iran hätten US-Streitkräfte angegriffen, so die Schlussfolgerung des Autors, was als Selbstverteidigung der USA ausgelegt werden sollte.
„Das Völkerrecht, das den Einsatz von Gewalt regelt, ist zu einer formalen Zweiteilung erstarrt. Ein Angriff ist entweder rechtmäßig oder unrechtmäßig.“
Im Allgemeinen sind Gesetzestexte aus gutem Grund klar formuliert: gerade damit doppelzüngige Personen wie der vorliegende Autor nicht die Macht haben, das Recht mit ihren „kreativen“ Neuinterpretationen zu korrumpieren.
Doch er fährt fort:
„In der Doktrin gibt es wenig Spielraum, um zwischen grundlegend unterschiedlichen Formen der Gewaltanwendung zu unterscheiden. Bei strenger Auslegung sind sowohl Russlands groß angelegte Invasion der Ukraine als auch ein begrenzter US-Angriff, der darauf abzielt, Syrien vom Einsatz chemischer Waffen abzuhalten, illegal. Die Intervention der NATO im Kosovo – die zur Beendigung ethnischer Säuberungen unternommen wurde – wird ebenfalls als Verstoß gegen die Charta verurteilt. Gleichzeitig hat die Charta auffallend wenig zu katastrophalen Bürgerkriegen im Sudan oder in Myanmar zu sagen. Und ihre Anwendung auf eine potenzielle chinesische Invasion Taiwans würde sich auf technische Fragen der Anerkennung und Staatlichkeit stützen, die Chinas Aggression sogar begünstigen könnten.“
Beachten Sie seine bequem willkürlichen Umdeutungen von Ereignissen: Die barbarischen Angriffe der NATO auf die serbische Zivilbevölkerung werden als „Intervention“ bezeichnet; Chinas hypothetische Rückeroberung Taiwans ist eine „Invasion“. Russlands Vorgehen in der Ukraine wird mit dem aus dem Leitfaden der Regime-Medien stammenden stenografischen Zusatz „vollumfängliche“ Invasion versehen, während das Vorgehen der USA in Syrien als „begrenzt“ bezeichnet wird. Durch diese bequeme Rosinenpickerei werden die „begrenzten“ Operationen im Irak, in Afghanistan oder in Libyen aus irgendeinem Grund ausgeklammert.
(…)
Sein Artikel schließt mit der Klage, dass die illegalen und unprovozierten Angriffe der USA und Israels gegen den Iran „auf der falschen Seite“ des Auslegungsspektrums des Völkerrechts liegen. Er plädiert dafür, das System so umzugestalten, dass es einfacher wird, Auslegungen willkürlich zu beugen und seit langem etablierte Normen neu zu definieren, damit die Verbrechen der USA und Israels weiterhin abgenickt werden können, während die rechtmäßigen Handlungen ihrer Feinde pauschal als „illegal“ verurteilt werden:
„Der US-israelische Angriff auf den Iran fällt wohl auf die falsche Seite der traditionellen Auslegung der Charta. Doch wenn diese Schlussfolgerung dazu führt, dass das Recht nicht mehr in der Lage ist, sinnvoll zwischen den Konflikten in der Ukraine und im Iran zu unterscheiden, reicht das Problem tiefer als jede einzelne Episode.
Die Autorität des Völkerrechts hängt letztlich von seiner Fähigkeit ab, rechtliche Urteile mit weit verbreiteten moralischen Intuitionen über Krieg und Frieden in Einklang zu bringen. Wenn es dazu nicht in der Lage ist – wenn es darauf besteht, grundlegend unterschiedliche Konflikte als doktrinär austauschbar zu behandeln –, wird es mächtige Staaten nicht sinnvoll einschränken. Es wird auch nicht die moralische Klarheit besitzen, die erforderlich ist, um echte Aggression zu verurteilen, wenn sie auftritt.“
Diese Denkweise ist zum Symbol für den jüngsten Trend im Westen geworden, die „Rechtsstaatlichkeit“ zunehmend zu verfälschen oder zentrale zivilgesellschaftliche Normen neu zu interpretieren, um imperialen Interessen zu dienen.
Saadi (Abu-Muhammad Muslih al-Din bin Abdallah Shirazi) ist ein persischer Dichter und Mystiker, der 1219 in der süd-iranischen Stadt Shiraz geboren wurde.
Shiraz ist als „Stadt der Poeten, der Liebe, der Rosen und der Paradiesgärten“ nicht nur im Iran sondern auch im Ausland bekannt.
Shiraz, die Stadt der Dichter entwickelte sich zum Literaturzentrum des Landes, da hier die beiden bekannten Dichter Persiens Hafiz und Saadi in prachtvollen Mausoleen in malerischen und schönen Gartenanlagen begraben sind.
Als »Inbegriff der Sittenverfeinerung« wurde Saadi’s „Gulistan“ („Rosengarten“) in Persien jahrhundertelang dem Unterricht der Jugend zu Grunde gelegt und von allen Büchern nach dem Koran am meisten auswendig gelernt. Viele Zitate sind sprichwörtlich geworden. In der späteren persisch-türkischen Dichtung spielte man gern auf die Nachtigallen an, die zuerst den Gulistan lesen müssen, um die Geschichte der Rosen zu verstehen.
Saadi schildert in seiner Einleitung die Entstehung seines ›Rosengartens‹: Er habe eines Nachts über sein vergangenes Leben nachgedacht. Im Bewußtsein, wie rasch das Dasein verfließe, und im Kummer, kostbare Zeit vertan zu haben, trieb es ihn weg von seinen Freunden, um die ihm noch bleibenden Tage in Einsamkeit zu leben und zu schweigen. Ein Freund in Freud und Leid besuchte ihn und plauderte wie gewohnt.
Doch Saadi schwieg, seinem Gelöbnis getreu. Voller Ärger und Empörung schwor der Freund, er werde nicht gehen, ehe Saadi mit ihm spricht, ». . . denn das Herz der Freunde zu kränken ist schlecht«. Notgedrungen mußte der Dichter sein Schweigen brechen. Es war gerade Frühling geworden, »Nachtigallen auf den Zweigen sangen, Tauperlen auf den Rosen lagen« und die Freunde verbrachten die Nacht im Gespräch wandelnd im Garten.
Am Morgen pflückte der Freund Rosen, Basilien, Hyazinthen und Amaranten. Saadi sagte zu ihm: »Auf den Bestand des Gartens kann man nicht vertrauen, und auf die Verheißungen des Rosengartens nicht bauen.« Er erinnerte den Freund an einen Spruch der Weisen: »Du sollst den Dingen, die nicht währen, nicht Einlaß in dein Herz gewähren . . .« »Was ist denn zu tun?«, fragte der Freund.
In diesem Augenblick faßte Saadi den Plan zu einem Buch des Rosengartens, »dessen Blätter der Herbststurm nicht zerreißen und dessen Frühlingslust das Rad der Zeit nicht zerstören kann«. Er versprach dem Freund, daß die Schönheit seines Gartens immer bestehen werde. Dieser glaubte ihm und erinnerte an das arabische Sprichwort: »Der Edle hält, was er verspricht«.
Noch am gleichen Tag begann Saadi zu schreiben, und er vollendete sein Buch »noch ehe die Rosen jenes Gartens verwelkt waren . . .«
Das zieht etliche zustimmende und einige kritische Kommentare auf sich. Meiner gehört zur zweiten Gruppe:
Patrik Baab meint es gut, aber seine bürgerlich-idealistische Weltsicht verhindert leider eine klaren Blick auf die Umstände, die er mit solchen Memes zu kritisieren meint.
Die kriegstüchtigen Regierungen, denen von empörten Bürgern verantwortungsloser Umgang mit „unserem Steuergeld“ vorgehalten wird, sind aus staatlicher Sicht (und nur das ist die für sie maßgebliche) sehr verantwortungsvoll bei ihrer Ausstattung des Standortes mit den nötigen Gewaltmitteln und den anhängigen Planungen zu deren Anwendung.
Der Bürger dagegen hält hartnäckig an seinem Idealismus fest, dass die Verwendung „unserer Steuergelder“ irgendwie etwas mit ihm und seinem Wohlergehen zu tun hätte.
Er möchte nichts davon wissen, dass er alle paar Jahre eine Mannschaft von politischen Standortverwaltern ermächtigt, über genau diese Steuereinnahmen so zu verfügen, wie es nach Maßgabe der Staatsinteressen für nötig erachtet wird.
Dass diese Staatsinteressen nicht die seinen und diesen in der Regel diametral entgegengesetzt sind, davon möchte der Bürger erst recht nichts wissen. Auch wenn sein Idealismus ständig von der Realität blamiert wird, möchte er davon nicht lassen.
Sonst müsste er sich nämlich eingestehen, dass weder Staat noch Ökonomie in seinem Interesse eingerichtet sind. Und dann würde er, als vernünftiges Wesen, tätig werden, um die Verhältnisse so zu ändern, dass sie ihm an seinesgleichen nützen.
Und das – so haben es ihm diejenigen, die die Steuergelder unter anderem für Aufrüstung und Krieg und grundsätzlich für die solide Profitabilität des Standortes einsetzen, von klein auf an erzählt – wäre ja Kommunismus, also verboten und überhaupt gegen die Menschnatur, die uns innewohnt und die andauernd nach ganz viel Kapitalismus („Freiheit“) und Ermächtigung seiner politischen Manager („Demokratie“) verlangt.
Der amerikanisch-israelische Angriffskrieg gegen Iran scheint sich zu einem Vernichtungskrieg zu wandeln und Teheran bekommt die Gaza-Behandlung.
Israel ist bekanntlich Spezialist für diese Art der Kriegsführung. Es wird auch keine Schwierigkeiten haben, die Trump Administration zum Mitziehen zu bewegen.
Und die Bundesregierung unter Blackrockkanzler Friedrich „Das Zäpfchen“ Merz? Die hat gerade in Washington klargestellt, dass von ihr wohlwollender Applaus und Unterstützung für diesen völkerrechtswidrigen Krieg kommt.
Faschisten watscheln über Leichen. Das gibt Applaus von ihresgleichen. Die Klugen seh‘n es voller Graus und ziehen ihre Schlüsse draus.
So gruselig das Elend auch ist, das auf der vom Imperialismus bespielten politische Bühne zu bestaunen ist, so verkommen und ungehemmt massenmörderisch die Taten und die Statements der westlichen Anführer und ihrer Claquere auch sind, so deutlich wird das Ausmaß der ideologischen, moralischen und menschlichen Verrottung dieser Eliten – inklusive ihrer Lautsprecher in der medialen und kulturellen Sphäre (nicht dass die Epstein-Geschichte das nicht schon umfassend gezeigt hätte).
Aber – ich bediene mich hier mal einer beliebten imperialistischen Propaganda-Redewendung – der unprovozierte, völkerrechtswidrige brutale Angriffskrieg, der momentan von den USA und Israel gegen den Iran geführt wird, zeigt die armseligen, durch und durch ideologisch korrumpierten Parteigänger der Epstein-Bourgeoisie mit heruntergelassenen Hosen. Und dieser Anblick ist gleichzeitig abstoßend und lächerlich, denn die mentale Kurzpimmeligkeit, die verlogene Doppelmoral dieser Flachzangen, von deutschen Regierungsvertretern über Jusos, „Die Linke“, ganz zu schweigen von den willfährigen kriegsbejubelnden Sudelmedien, tritt nun in all ihrer peinlichen Häßlichkeit zutage.
Plötzlich ist für alle Welt zu sehen, dass ihr ganzes Gerede von Werten, vom Völkerrecht, ihr ganzes moralisches Gesülze über verurteilenswerte Verstöße gegen die hehren Grundsätze und Werte des Verkehrs zwischen Staaten, dass all das nur berechnendes Geheuchel war und ist.
Diese Dummbratzen denken nicht für zwei Pfennig selbst. Sie bejubeln die Ermordung eines Staatsoberhauotes und des zweithöchsten Repräsentanten des schiitischen Islam, sie begrüßen den in jeder Hinsicht illegalen Überfall auf einen souveränen Staat, auf das UN-Mitglied Iran, sie applaudieren der gezielten Ermordung staatlicher Amtsträger der Islamischen Republik, weil sie ihr kenntnisloses gratismoralisches Pharisäertum an die Stelle einer sachlichen, nüchternen, kontextuellen Betrachtung gesetzt haben.
Ich rede hier von den deutschen Möchtegernimperialisten und ihrem medialen Hofstaat, also von einer Gruppe ausnehmend unintelligenter Unsympathen, die ihre eigenen Märchengeschichten glauben, weil ihnen die grundsätzliche Verfasstheit der imperialistischen Weltordnung einleuchtet und sie sich damit identifizieren. Ich rede NICHT von den wirklichen Entscheidungsträgern, den Strippenziehern aus Finanzkapital und militärisch-industriellem Komplex der amerikanischen Epstein-Bourgeoisie, also von denjenigen, die die globalen Verwertungsketten nach ihrem Bedürfnis und ihrem Gusto mittels der amerikanischen Militärmacht beaufsichtigen und ordnen.
Es ist, als sei jede Hemmung verschwunden; nicht nur die Hemmung, zur Erlangung der eigenen politischen Ziele tödliche Gewalt und hinterhältige Angriffskriege einzusetzen (hinterhältig, weil der Gegner durch Verhandlungen im Glauben gewiegt wird, dass eine friedliche Lösung möglich ist, während der Angreifer den bereits feststehenden Militärschlag plant) .
Vor allem die Hemmung, dies dem Publikum mit allzu offensichtlichen Lügen („Demokratie“, „Responsibility to protect“ etc.) zu verkaufen. Heute gibt es die Rücksichtnahme nicht mehr, mit der einst darauf geachtet wurde, die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen idealisierender Propaganda und mörderischer Handlung nicht so auffällig tief werden zu lassen. Heute ist alles egal, die Devise lautet „Wenn ich dich bestehlen oder umbringen will, dann mache ich es, WEIL ICH ES KANN und weil es meinen Interessen nützt. Eine Begründung dazu brauche ich nicht, weil es selbsterklärend ist.“
Und das ist in gewisser Hinsicht gut, denn es zeigt den Imperialismus als das räuberische Ausbeutungs- und Terrorsystem, das er ist – und seine Fürsprecher als die gewissenlosen, bis ins Mark korrupten Komplizen dieser Ordnung die sie sind. Ob genügend Leute das auch tatsächlich so wahrnehmen, also HINGUCKEN und die richtigen Schlüsse ziehen, steht auf einem anderen Blatt. Die perfekte, professionelle und unablässige Propaganda sitzt tief, mit der der imperialistische Überbau die endlosen Kriege und die auf Gewallt basierende Weltordnung der Epstein-Bourgeoisie als Dienst an der Menschheit verkaufen, als alternativlosen Einsatz für „unsere Werte“, für „Freiheit und Demokratie“.
Gut möglich, das sich der kollabierende westliche Imperialismus noch eine Weile hält, dass er für die Globale Mehrheit sogar noch gefährlicher und tödlicher wird. In die Enge gedrängte, tödlich verwundete Tiere werden nicht friedlicher, sondern wütender und aggressiver. Aber dass die westliche Weltherrschaft nach vier- oder fünfhundert Jahren an ihr Ende gekommen ist, dass die globale Dominanz des inzwischen US-geführten Imperiums nicht mehr (bzw. nur um den Preis eines Weltkriegs) aufrecht gehalten werden kann – diese Einsicht ist bei den Leuten angekommen.
Jedenfalls bei denen, die sich die Mühe machen, sich eigenständig ihre Informationsquellen zu suchen, was heute für jeden möglich ist. Die Bequemlichkeit, sich nur aus Staats- und Konzernmedien zu „informieren“, sich also von der bizarren Propaganda das Kollektiven Westens aufs Glatteis führen zu lassen, ist eine Haltung, die absichtlich darauf verzichtet, Dingen auf den Grund zu gehen und sie zu verstehen. Die Ausrede „Das konnten wir ja nicht ahnen“ wird diesmal nicht mehr gelten.
Im deutschen westmarxistischen Internet barmen trotzkistische Witzfiguren wie Fabian Lehr im Einklang mit der imperialistischen Propaganda über die armen Iraner rum, die von bösen Mullahtyrannen ihrers Menschenrechtes auf Unterordung unter die westliche Weltordnung beraubt werden, weshalb man sich über die Ermordung des Obermullahs gerne auch mal ein bißchen freuen darf, weil jetzt die „Arbeiter*innen des Iran“ endlich Revolution (natürlich gendergerecht und LBGTQ-konform) machen können.
Manchmal bezeichnen sich diese von Karl Marx als „Bürgersozialisten“ verspotteten Traumtänzer sogar als Kommunisten.
Wenn das Schmunzeln über solche Wolkenkuckucksheim-Linken etwas abgeklungen ist, kann man sich zur Abwechslung mal eine richtige Kommunistin anhören. Nämlich die famose, brillante und überaus gescheite Joti Brar, Co-Vorsitzende der CPGB-ML.
Hier erläutert sie im Gespräch mit Garland Nixon einige der historischen Hintergründe des Iran-Konfliktes, der Aufteilung der arabischen Halbinsel durch den britischen Imperialismus und die Rolle des schiitischen Islams als „Befreiungstheologie“ Westasiens, analog zur katholischen Befreiungstheologie in Lateinamerika.
600 € Nachzahlung an den Erdgas Versorger für das vergangene Jahr.
Ein Blick in die Vertragshistorie zeigt mir, dass ich 2018 mit 45 € monatlichem Abschlag begonnen habe. 2019 ging das auf 60 € Monatsabschlag. Der neue Abschlag, der mir jetzt angekündigt wird, beläuft sich auf 187 €.
Danke, Imperialismus, danke für eure Scheißkriege, mit denen ihr das Leben normaler Leute so schwierig macht, dass man nicht weiß, wie man über die Runden kommen soll, ohne auf elementare Annehmlichkeiten des Lebens zu verzichten.
Meine 2 Cent zum kollektiven Irrsinn in einer gewalttätigen, kriegslüsternen Welt.
Einer Welt, in der (jedenfalls im Kollektiven Westen) die Epstein-Bourgeoisie die Regeln bestimmt, ändert, abschafft, und nach ihrem Macht- und Profitinteresse schaltet und waltet, wie es den privaten Kapitalbesitzern beliebt.
Es gibt so viel zu wissen, dass es nicht möglich scheint, alles wissen zu können – so unendlich ist der Bereich dessen, was gewusst werden kann (oder theoretisch gewusst werden könnte).
Trotzdem denkt man, wenn man jung ist, dass man alles weiß.
Wenn man älter wird, merkt man, dass man immer weniger weiß.
Schließlich kommt man zu der Einsicht, dass man gar nichts weiß (ich rede hier von den elementaren, unbeantwortbaren Fragen der Existenz, nicht von wissbaren Fakten von Quantenphysik bis politischer Ökonomie).
„Youth is wasted on the young they don’t know what to do with it until the song is sung“