BRD 2019

Auf der einen Seite Aufrüstung, annähernde Verdoppelung des Militärhaushalts („2 % Ziel“), immer freches und anspruchsvolleres Auftreten im imperialistischen Hauen und Stechen bei der Weltaufteilung.

Auf der anderen Seite – nach innen – eine immer rücksichtslosere Verarmung der Bevölkerung (Hartz4-Entrechtung der Aussortierten, Niedriglöhne die zum Leben nicht reichen, Arbeiten bis ins Grab), Verhökern der öffentlichen Infrastruktur und Dienstleistungen an die privaten Geier um den Preis des Wegfalls vieler essentiellen Leistungen (flächendeckende Ausdünnung der Kliniklandschaft, Post demnächst nicht mehr montags usw.).

Wie kann man den komplementären Zusammenhang dieser beiden Entwicklungen NICHT sehen? Wie kann man die Augen und den Verstand davor verschließen, dass die herrschende Klasse mit voller Kraft Staat und Volk in Dienst nimmt für den nationalen Erfolg (heutzutage übersetzt in „Deutschland kann nur mit Europa erfolgreich sein!“) in der imperialistischen Konkurrenz?

Dass die Opfer, die die Bauern in diesem äußerst leichenträchtigen Schachspiel zu erbringen haben, dass also die Ausbeutung der in ihren kompletten Lebens- und Daseinsplänen von der Kalkulation der Kapitalbesitzer Abhängigen, ausdrücklich auch den Übergang einschließt vom Verheizen im Dienst an fremdem Reichtum in Fabriken und Büros zum Verheizen der menschlichen Manövriermasse auf den zukünftigen Schlachtfeldern?

Diesen Sachverhalt machen die herrschenden Eliten ihren Untertanen gerade deutlich, und ihre Medien und Clacqueure stehen Gewehr bei Fuß zur geneigten Unterstützung bereit.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Thälmann ist niemals gefallen

Die Zeitungsschau – ein Format, in dem ausgewählte Artikel (meist aus der lokalen und regionalen Umgebung), lustige bis merkwürdige Meldungen sowie Artikel mit Bezug zur Erlebniswelt der Bewohner vorgestellt und besprochen werden – wird unregelmäßig angeboten und gerne von den orientierteren Heimbewohnern besucht.

Tagespolitische Meldungen lasse ich dabei in der Regel weg, außer sie enthalten gleichzeitig einen humoristischen oder bizarren Aspekt.

Artikel zu geschichtlichen Ereignissen, Jubiläen, Jahrestagen u. dgl. dagegen sind beliebt und werden gern gehört und diskutiert – sicher auch aus dem Grund, dass viele davon die eigene Vergangenheit und Erinnerungen der Zuhörer berühren.

Heute, am 17. August, eröffne ich die Runde mit dem Hinweis, dass sich an diesem Tag zum 75. Mal der Todestag eines Mannes jährt, der zu den legendärsten Gestalten der jüngeren deutschen Geschichte gehört. Ratlose Gesichter schauen mich an.

Ich lese Ihnen jetzt mal ein Zitat vor”, beginne ich. “Vielleicht kommen Sie dann drauf, wen ich meine.”

Ich lese das Zitat vor und frage in die Runde: “Und? Wer hat das gesagt, bzw. geschrieben?”

Frau S., Jahrgang 1930, schaut auf und fragt: “Adolf Hitler?”

Aus der anderen Ecke meldet sich Herr T.: “Nee, nee, das war der andere, dieser… na, der Kommunistenführer…”

Wie “der Kommunistenführer” aber hieß, will keinem einfallen. Als ich den Namen Ernst Thälmann in die Runde werfe, ertönt ein vielfaches “Achja…” und “Achso, der…”.

Gehört hat man in dieser Runde wohl schon von ihm, aber da es sich um einen “Kommunistenführer” handelte, ist wohl weder seine Bedeutung für die deutsche Geschichte, besonders für die der deutschen Arbeiterbewegung, noch seine Ermordung auf persönlichen Befehl Hitlers etwas, was der Erinnerung lohnt. Jedenfalls bei diesen alten Leuten nicht, die durchweg in der BRD sozialisiert und den Anti-Kommunismus als Staatsreligion inhaliert haben.

Wie anders wäre dasselbe Gedenken an meiner vorigen Arbeitsstelle in Weimar verlaufen! Dort hätte schon die Eingangsfrage verständnislose Blicke höchstens deswegen ausgelöst, weil man den Fragesteller für historisch ungebildet und ahnungslos gehalten hätte. Die meisten dort hätten die Zeilen des Thälmann-Liedes mitsingen können: “Thälmann ist niemals gefallen, Stimme und Faust der Nation…”

Ich erzähle meinen Zuhörern noch ein wenig von Wolfgang Otto, dem Thälmann-Mörder des SS-Kommandos 99, den die BRD-Justiz erst ganz in Ruhe ließ und dann mit Samthandschuhen behandelte, ganz so, wie es zur Kontinuität von “Drittem Reich” und westdeutschem Kalter-Krieg-Frontstaat passte. Keiner äußert sich, aber den Gedankenblasen ist zu entnehmen, dass es ja schliesslich ein Kommunist war, der da umgebracht wurde, somit also ein minder schweres Vergehen, rein politisch betrachtet.

Ich unterlasse den Versuch weiterer politischer Aufklärung und gehe über zu den Meldungen aus Neuss und Umgebung.

Geschichten, die das Leben schrieb: Konkurrenz um Almosen

Beim Einkaufen im Düsseldorfer High-End-Stadtteil Oberkassel.

Vorm Rewe sitzt heute die “rechtmäßige” Inhaberin des Bettler- und Obdachlosenzeitungsverkäufer-Platzes, eine biodeutsche Arbeiterin, die sich nach eigener Aussage in 45 Jahren Akkordarbeit die Knochen ruiniert hat. Sie sitzt auf einem sehr guten mobilen behindertengerechten Elektromobilroller, ihr Hündchen in eine Decke eingepackt im Fussbereich des Gefährtes, und verkauft die Düsseldorfer Obdachlosenzeitung “Fifty-Fifty”.

Ihre Standplatzkonkurrentin, eine etwa gleichaltrige Frau aus Tschechien, hat sich angesichts der unbestreitbaren Platzhirschrechte der E-Mobilrollerfahrerin zwanzig Meter weiter in Richtung der Marktbuden vor der St. Antonius-Kirche verzogen.

Ich begrüße die eindeutig gesundheitlich beeinträchtigte Zeitungsverkäuferin mit einem scherzhaften “Na, wieder die Konkurrenz vom angestammten Platz verscheucht?”.

Daraufhin erklärt sie mir erst mal die Sachlage, jedenfalls aus ihrer Sicht:

Die weiss genau, dass das hier mein Platz ist! Die kommt ja auch gerade aus dem Urlaub… Hab ich doch gesehen, wie die sie hier gerade abgesetzt haben… Die hat übrigens eine Eigentumswohnung in Neuss: ist kein Wunder, dass die hier bettelt und nicht in Neuss…” usw.

Das mit dem Urlaub kann ich schon mal anhand eigener Anschauung widerlegen, da die Tschechin seit Wochen und Monaten jeden Tag vorm Rewe zu sehen ist (ausser ihre deutsche Konkurrentin taucht auf). Daher erscheinen mir auch die anderen Behauptungen eher auf Gerüchten, Neid und übler Nachrede zu beruhen und ich frage die “Fifty-Fifty”-Verkäuferin, woher sie das wisse. Die Antwort bleibt aus, dafür klärt mich die Elektrorollstuhlfahrerin über ein paar Gepflogenheiten ihres Gewerbes auf, die die tschechische Konkurrentin tatsächlich nicht einhält, wie z.B. Leute ansprechen.

Grundregel der Zeitungsverkäufer ist nämlich , die Leute nicht anzusprechen. “Fifty-Fifty”-Verkäufer haben sich mit dem Blatt einfach nur hinzustellen und auf aktive Ansprache durch interessierte Käufer zu warten. Sie tragen einen Ausweis sichtbar bei sich, der sie als berechtigte Zeitungsverkäufer kennzeichnet. Dieser Ausweis, so erfahre ich von meiner Gesprächspartnern, wird natürlich gern gefälscht. Die tschechische Konkurrentin hat allerdings, im Gegensatz zu den rumänischen Wettbewerbern, die ebenfalls bei Rewe (allerdings am Hinterausgang) und gegenüber vor der Post, auf Kundschaft warten, einen echten “Fifty-Fifty”-Ausweis. “Den benutzt die aber nicht, das Zeitungsverkaufen bringt der nicht genügend ein”, informiert mich meine Gesprächspartnerin. Es folgt noch eine Tirade von Anschuldigungen und Unterstellungen über die anderen Deklassierten, vorzugsweise aus anderen EU-Staaten, die sich aus ihrer Sicht hier alle unberechtigterweise in den Konkurrenzkampf um Almosen begeben und – sofern sie jung genug sind – sowieso “lieber arbeiten gehen sollten”

Mein Einwand, dass Lohnarbeit heutzutage nicht so einfach verfügbar sei, kontert sie marktwirtschaftlich adäquat mit der finalen Bemerkung: “Wer arbeiten will, findet auch eine Arbeit!”

Dass das auf sie selbst schon altersbedingt nicht mehr zutrifft, ist mir klar, aber wie um mich auf die rechte Spur zu bringen, schickt sie noch hinterher “Ich hab mein Leben lang gearbeitet, 45 Jahre, jetzt hab ich die Knochen kaputt und kann hier ‘Fifty-Fifty’ verkaufe…”

Ich verabschiede mich und gehe meiner Wege, dabei über die Verhältnisse sinnierend, in denen selbst die Verarschten und Deklassierten sich gegenseitig nicht die Butter aufs Brot gönnen.

Grüne Geldanlagen: Kapitalismus für’s gute Gewissen

image

Ich weiss nicht wieso, aber irgendwie scheint mir diese Werbeanzeige recht gut den Zustand einer Gesellschaft auf den Punkt zu bringen, deren Motto selbst angesichts ihres offenkundigen sozialen, ökonomischen und ökologischen Versagens ein waldpfeifendes “Weiter so!” und ein freiheitlich-gieriges “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!” ist.

Wenn nicht gleich symbolhaft für die gesamte bewusstlose Rutschpartie in den Abgrund, auf der sich der vor sich hin faulende neoliberale Spätkapitalismus vor aller Augen befindet.

Gundermann – noch ein Beweis, wie böse der Stasi-Staat war

Gundermann.

Nachdem ich mehr mit halbem Ohr das lobpreisende Rauschen im Medienwald mitbekommen hatte und nachdem in den letzten Tagen hier in FB sich einige Freunde austauschten über dieses mit Preisen überschüttete angeblich “authentische”, “differenziert betrachtende”, “objektive DDR-Geschichtsaufarbeitung betreibende” Werk, war ich – als ich den Film bei Netflix entdeckte – neugierig genug, mal reinzuschauen.

Die Einstiegsszene zeigt einen zerknirschten Protagonisten, ehemals MfS-Mitarbeiter, NACH der Konterrevolution, zu Besuch bei einem Bekannten, über den er zu DDR-Zeiten Informationen an das MfS gab.

Die dramatische Rollenverteilung ist klar und wird von Filmemachern und -finanziers auch beim Publikum vorausgesetzt: MfS-Mitarbeiter (“Stasi-Spitzel”) sind das Letzte schlechthin; die moralische Verurteilung ist schon gar nicht mehr nötig, weil ohnehin in der bloßen Tatsache der Kooperation mit dieser Behörde begründet, wodurch sich ganz grundsätzlich auch 40 Jahre Wühltätigkeit, Sabotage, wirtschaftliche Erpressung, Terror und Subversion gegen den sozialistischen Staat (also all das, wogegen eine Behörde wie das MfS nötig war) noch im Nachhinein rechtfertigt, denn dadurch wurde ja schließlich dem erzbösen Gegner der Garaus gemacht. Und das hat der – wie der Film wieder mal zu beweisen hat – mehr als verdient.

Jedenfalls war ich bereits nach etwa 5 Minuten soweit, dass ich lieber abschalten wollte, da ich kein Bedarf an einem weiteren anti-sozialistischen Propagandaschinken habe – wie subtil und “authentisch” er auch daherkommt (und subtil war da eigentlich gar nichts).

Ich schaute dann aber doch noch eine gute halbe Stunde weiter ein Machwerk an, dass mit guten Schauspielern eine Idee bebildert, an deren massenwirksamer Perfektionierung die Staatsmacht des Eroberers seit nunmehr dreissig Jahren unermüdlich arbeitet: die Verdammung des Sozialismusversuches in dem Teil Deutschlands, der nach dem Weltkrieg Ernst machte mit dem antifaschistisch-demokratischen Neubeginn und eine Gesellschaft errichten wollte und errichtete, die Ausbeutung und Krieg ein Ende setzte und den Leuten die grundlegenden Menschenrechte auf Arbeit, Wohnung, Bildung und Erholung und vor allem: Frieden garantierte.

Dass so eine Gesellschaft sich die Feindschaft des Weltimperialismus und speziell des um seine östlichen Pfründe gebrachten BRD-Kapitals zuzog, muss nicht extra erwähnt werden.

Dass diese sehr konkrete und sehr tödliche Feindschaft eine äußerst wachsame Verteidigung nötig machte und der sozialistische Staat für die Sicherheit seiner Existenz (die die Sicherheit der Arbeiterklasse war, eben NICHT wieder zu lebenden Anhängseln eines profitablen Kapitalstandortes zu werden) ein ganzes MINISTERIUM schuf, muss angesichts der geschichtslosen, absichtlich herbeigeführten Massenhypnose des Anti-Kommunismus scheinbar immer wieder erklärt werden.

Ich würde gerne einen Film über die deutsche Geschichte sehen, der den propagandamedial inszenierten Gleichklang “DDR = Stasi = böse + darum Kapitalismus das einzig Senkrechte” auflöst und seinen Ex-MfS-Mitarbeiter sagen lässt:

“Ja! Ich war beim MfS, weil ich dazu beitragen wollte, dass die Freiheit von Ausbeutung, Not und Krieg, die unser Sozialismus garantierte, geschützt wird. Geschützt vor denen, die Kriege führen, die Leute hungern lassen, die Arbeit für den Reichtum anderer als Almosen vergeben, für das man dankbar zu sein hat… All das wollte ich meinem Volk ersparen und einer Truppe angehören, die sich als Schild und Schwert derjenigen Partei versteht, unter deren Führung der Sozialismus gegen die Todfeindschaft des Imperialismus aufgebaut wurde. Dass das nicht geklappt hat, finde ich selber scheisse. Ebenso finde ich scheisse, dass Überheblichkeit, Schikane und Bürokratismus bei uns eingerissen ist und so viele Karrieristen und Ja-Sager in Partei und MfS mitmischten. Trotzdem lagen und liegen wir in der Sache richtig und kein Eroberer, kein BRD-Funktionär, kein Wendehals und kein Apostel der Freiheit westlicher Weltbeherrschung kann sich auf den moralischen Richterstuhl setzen und mit seinen bluttriefenden Fingern auf unsere bescheidenen Versuche zeigen, uns ihn und seinesgleichen vom Halse zu halten.”

DAS würde ich wie gesagt gerne einmal im Kino sehen. Aber dafür gäb’s natürlich keine Filmförderung.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Tag der Befreiung

Auf der Arbeitsstelle.

Ich so: “Dass man am 8. Mai hierzulande überhaupt arbeiten muss, statt zu feiern, ist schon mal scheisse…“

Kollegen so (ahnungslos glotzend): „?“

Ich: „Leute! TAG DER BEFREIUNG VOM FASCHISMUS! Schon mal davon gehört, dass an diesem Tag die faschistische Wehrmacht und der ganze Nazi-Spuk endgültig besiegt war?“

Kollegen unisono: „Achso, murmel, murmel, jaja, schon gut“ (Gedankenblasen: „Jetzt fängt der schon wieder mit seinen linksradikalen Agitation an, seufz“).

Ich: „Ihr seid echt die Ahnungslosen. In der DDR war das ein Feiertag, und selbst heutzutage wird es – zum Beispiel auf meiner vorigen Arbeitsstelle in Weimar – als besonderer historischer Tag gewürdigt…“

Junger Kollege, gerontopsychiatrische Fachkraft und nicht dumm: „Ja, aber das war doch nur wegen der Russen und der DDR da ein Feiertag. Für die Deutschen war das doch eine Niederlage.“

Ich so, innerlich: „Ich will hier weg!“

Die hilflosen Versuche bürgerlicher Demokratie-Fans, ihr Reich der Freiheit gegen die dummen AfD-wählenden Ossis moralisch aufzurüsten

Mein Kommentar zu einem grundbescheuerten Text auf der liberal-freiheitlich-anständigen anti-rassistischen Facebookseite „Hooligans gegen Satzbau“:

Hilfloser Versuch, dem berechtigten Unmut der Leute (nicht nur im Annektionsgebiet) über die Herrichtung ihres Landes zum BRD-Protektorat mit Dauerniedriglöhnen mit den abgestandenen neoliberalen Floskeln von der „Demokratie“ als einzigem Hort von Selbstverantwortung und Lebenschancen zu kommen, in dem es leider „keine Sicherheit“ und „keine Garantie“ geben könne und – dümmer geht immer – „keinen der für euch denkt und für euch lenkt“.

Als ob nicht jeder großdeutsche Lohnabhängige ganz genau diejenigen kennenzulernen gezwungen ist, die für ihn denken und lenken: die heißen nämlich „Vorgesetzte“, „Chef“, „Firmenleitung“ usw.

Und wird der Lohnabhängige im Reich der Freiheit von der Freiheit befreit, sich für einen Dienstherrn nützlich zu machen, erfährt er erst recht, wer da ziemlich umfassend für ihn denkt und lenkt: nämlich das Jobcenter, das Sozialamt und andere Einrichtungen der staatlichen Armutsbetreuung.

Texte wie dieser läppische Moralappell lesen sich wie Pfeifen im Walde von Blinden, die sich verlaufen haben und jedes „Huhu“ eines Käuzchens fürchten; vor lauter Unverständnis und Desorientiertheit sagen sie sich und anderen ihren marktwirtschaftlichen Katechismus von „Freiheit! Selbstverantwortung! Jeder seines Glückes Schmied!“ auf.

NICHT tauglich ist der Text als Hinweis an die Verarschten und Enteigneten im Osten, dass die Unterstützung einer protofaschistischen völkischen Partei wie der AfD ein Fehler ist, wenn sie ihre Interessen gegen diejenigen durchsetzen wollen, die ihnen Land und (Volks-)Eigentum geraubt und sie in die BRD-Kapitalverwertung eingegliedert haben.

——————————————————-

Der Text von „Hooligans gegen Satzbau::

Wer heute im Osten die AfD wählt, hat die vor 30 Jahren errungene Freiheit nicht verstanden. Damals wolltet ihr im Osten dasselbe haben, was es im Westen gab. Ihr wolltet all die tollen Produkte, ihr wolltet reisen. Dass der Preis dafür die Sicherheit ist, kam euch damals nicht in den Sinn. Die Sicherheit, dass es zwar nicht viel, das aber wenigstens zuverlässig gibt. Unter der Woche arbeiten, am Wochenende Würstel grillen. Die perfekte Kleinbürgerlichkeit. 

Auf einmal hattet ihr die große Freiheit, mit allem was dazugehört. Aber so habt ihr euch das doch nicht vorgestellt. Eure kleine Wochenend-Grillwurst-Welt ist plötzlich in Gefahr, weil mit der großen Freiheit eben nichts mehr selbstverständlich war. Vielmehr müsst ihr euch nun auf dem Spielfeld der Demokratie bewegen, die so viel mehr zu bieten hat, als euch lieb ist. Sie macht euch nun Angst und ihr versteht das alles nicht. Ihr versteht die Draufsicht auf dieses Land nicht, auf Europa und die Welt. Genauso wenig, wie ihr sie damals verstanden habt. Ihr wolltet einfach nur mehr haben. Nichts anderes wollt ihr jetzt. Mehr für euch, und das mit Sicherheit. All das, was euch angeblich zusteht. Doch so läuft es in einer Demokratie nunmal nicht. Es gibt keine Garantien und keine Sicherheit. 

Keinen, der für euch handelt und entscheidet. Keinen, der für euch denkt und euch lenkt, aber genau das scheint es ja zu sein, was ihr wollt. Und weil ihr das nicht zugeben könnt, bezeichnet ihr die Freiheit als Diktatur, eure Unfähigkeit als Unterdrückung, eure Unwissenheit als Indoktrination. Dabei liegt es nur an euch! Eure Neid-getriebene Weltsicht ist es, die euch beschränkt. Nicht der Fremde, der hier „nicht hingehört“ und nicht der Andere, der „mehr hat als ich“. Der Neid – damals wie heute – ist es, der euch verdirbt. Zum großen Leidwesen der Nicht-AfD-Wähler, die es im Osten sehr wohl auch gibt. Liebe Nicht-AfD-Wähler, gebt noch nicht auf. Redet, überzeugt, diskutiert, seid lauter als das Bier und die Würstel.

Thüringen vs. China

Dass das in Thüringen als Schlagzeile erscheint, ist kein Zufall. Der Thüringer als solcher lebt und stirbt für die Bratwurst, die er auf dem Rost zubereitet (nicht, wie der kulturlose Wessi, auf dem “Grill”). 

Wenn da jetzt – wie das seriöse Faktenmagazin BILD-Zeitung berichtet – der Chines (ohnehin schlitzäugig per Natur und schwer kommunismusverdächtig) kommt und ihm, also dem Thüringer, die Bratwürste und Brätel wegkauft, ist Alarmstufe Rot im grünen Hobbitland zwischen Suhl und Nordhausen.

Immerhin unterhält das bizarre Bundesland in der Mitte Deutschlands das einzige Bratwurstmuseum der Welt (https://www.bratwurstmuseum.de).

Arbeit und Leben. An Stelle eines Lebenslaufes.

Als Heranwachsender in einer aus der Arbeiterklasse in die bürgerliche obere Mittelschicht aufgestiegenen Familie konnte ich weder mit den Werten meiner Eltern etwas anfangen noch meinen Platz in der Gesellschaft sehen und finden, in der sie und alle anderen sich scheinbar so zuhause fühlten.

Ich durchlief die Schule, bestand mit sowenig Aufwand wie möglich das Abitur und begann – mangels anderer Ideen und unter Ausnutzung einer gewissen künstlerischen Begabung – ein Grafik-Studium, das ich ganze drei Semester durchhielt. Von da an reihte sich ein Gelegenheitsjob an den nächsten, darunter auch hochkarätige bzw. besser bezahlte, als ich einige Jahre für Versicherungskonzerne (u.a. in Portugal) tätig war. Im Grunde war aber mein ganzes Leben, und darin insbesondere die Gelderwerbstätigkeiten, nur die Kulisse meiner Selbstfindungsversuche. Es spielte keine Rolle, womit ich Geld verdiente, solange ich in meinem selbstgewählten Lebensumfeld, das der Alternativentwurf zur Monotonie der bürgerlichen Tristesse sein sollte, bleiben und meine Suche nach der Wahrheit des Ganzen fortsetzen konnte.

Für die kapitalistische Version der Normalität hegte ich schon immer tiefste Verachtung, aber auch die sozialistische Variante war mir wegen ihrer Spießigkeit und Beengtheit ein Graus, auch wenn ich für ihre sozialen Errungenschaften Respekt hatte. Ein Staat allerdings, in dem es keinen Raum für gute Musik, gute Drogen und die Erforschung des menschlichen Geistes gab, erschien mir nicht wünschenswert. Das galt zwar auch für die BRD, aber im sozialistischen Staatswesen im Osten vermutete ich noch weniger Verständnis für mein dringlichstes Anliegen: die radikale individuelle Freiheit zur Sinnsuche in alle Richtungen.

Als in den 1970er-Jahren im BRD-Kapitalismus sozialisierter Jugendlicher konnte ich also gar nicht anders, als in den 1980ern beim Guru in Indien bzw. In Oregon, USA, zu landen.

Die Suche schien erfüllt, der Sinn sich in realer Gestalt vor mir zu manifestieren und ich blieb diesem mystischen Ort – in Oregon, in Poona, in Wahrheit aber in mir selbst – bis in die 2000er-Jahre treu. In all der Zeit spielte die berufliche Tätigkeit eine völlig untergeordnete Rolle, nämlich die des Gelderwerbs für den höheren Zweck: der Reise nach Innen und zur Erfüllung meiner menschlichen Bestimmung, der Erleuchtung und des ewigen Glücks.

Es war mir im Grunde egal, womit ich Geld verdiente, Hauptsache es reichte irgendwie, um meinem eigentlichen Streben nachzugehen. Im selben Maße, wie der Job irrelevant war (von “Beruf” konnte und wollte ich nicht einmal sprechen; normale bürgerliche Erwerbsbiographien mit ihrem erbarmungswürdigen Stolz auf irgendwelche Ausbildungen und Karrieren erschienen mir lächerlich und unwesentlich im Vergleich zu den hohen und hehren Anliegen, denen ich mich verschrieben hatte!), war mir auch das Gefüge der äußeren Welt egal, die soziale Struktur der Klassengesellschaft, die Einteilung in Herrschende und Beherrschte, in arm und reich usw.

Mein Fokus war nahezu ausschließlich bei der INNEREN Wirklichkeit, alles Äußere reduzierte sich in meiner Wahrnehmung auf eine kontinuierliche Fata Morgana illusionärer Erscheinungen, die ernst zu nehmen nur weltliche Narren fertig brachten.

Das änderte sich erst mit dem Quereinstieg in ein Berufsfeld, das – wie sich herausstellte – sowohl meiner „sozialen Ader“ wie meinen künstlerischen Neigungen Raum zur Entfaltung bot: der sozialen Betreuung alter und dementiell veränderter Menschen. Zum ersten Mal spürte ich in ganz normaler (Lohn-)Arbeit einen Sinn. Erst durch diese konkrete Arbeit mit und für Menschen, die auf Hilfe durch Dritte angewiesen sind, öffnet sich für mich der Zugang zu der Realität der wirklichen sozialen – und damit menschlichen – Sphäre der bestehenden Gesellschaft. Damit natürlich auch der unmittelbare Einblick in diejenigen Bereiche der gesellschaftlichen Reproduktion, die sich dem unerbittlichen Gesetz der Verwertbarkeit weitgehend entziehen und vom bürgerlichen Staat als Kostgänger der Kapitalakkumulation durchgefüttert werden müssen.

Mit der Einbindung in ein Berufsfeld, das mir entspricht, in dem ich mich wohl fühle, und in dem ich die paar Fähigkeiten und Begabungen, die mir in die Wiege gelegt wurden – plus die, die ich mir angeeignet habe – nutzbringend für andere einsetzen kann, hat sich mein Blick auf das Verhältnis Individuum/Gesellschaft, Einzelner/Kollektiv gewandelt. Nicht in dem Sinne, das jetzt die Gesellschaft, das Kollektiv „wichtiger“ als der Einzelne geworden wäre, sondern dass endlich eine Balance eingetreten ist, eine Balance jedenfalls in meiner inneren Wahrnehmung.

Beide gehören zueinander. Sie sind komplementär, sie bedingen sich gegenseitig. Mir wurde die Täuschung klar, die darin liegt, die gesellschaftliche Wirklichkeit auszublenden zugunsten einer inneren Erforschung – die für ein menschliches Wesen wichtig und erforderlich ist, die aber nicht die Einbettung des Individuums in den sozialen Verbund ignorieren darf (was sie in meinem Fall mit Gewissheit tat). Auch das reflexionslose Mitmachen im sozialen Räderwerk einer gegebenen Gesellschaftsordnung gehört übrigens zu dieser einseitigen Ignoranz; das Individuum muss die Gesellschaft radikal in Frage stellen und die Gesellschaft muss dem Individuum insoweit Schranken setzen, als niemand sich auf Kosten anderer bereichern und, ja, „selbst verwirklichen“ kann.

Weltklugheit

Um mich herum lauter weltkluge Menschen. Sie eilen zu ihren wichtigen Gelderwerbstätigkeiten, sie sprechen wichtige Sachen in ihre Telefone, dass der und der soundsoviel Geld hätte/bekäme/zu zahlen hätte, dass man in dieses oder jenes JETZT! investieren solle…

Sie sind alle so klug und wissen genau Bescheid, wie man sich – und alle anderen Waren dieser Welt – verkaufen muss, wenn man es zu etwas bringen will.

Sie richten ihren Ehrgeiz darauf, im Getriebe der Konkurrenzgesellschaft gut geschmiert zu sein und gut zu schmieren.
Weltklugheit eben!

Fehlt mir leider völlig; ich werde aus dieser Welt nicht schlau. Und je länger ich mir das alles anschaue, umso dümmer komme ich mir – oder die Welt mir – vor.