Das schreibt heute „Spiegel Online“ zur Lage in der Pflege: „Perversion des Kapitalismus“.
Jeder weiß es, jeder spricht und schreibt darüber, jeder zuckt die Schultern und sagt bedauernd, dass man da leider nichts machen kann usw.
Im Zweifel werden dann noch ein paar Sprechblasen von „Sachzwang“, „ökonomischer Vernunft“ und „es muß sich rechnen!“ gemurmelt, oder, wenn alles nichts hilft, auf die chronisch schlechte und gierige Menschnatur verwiesen, die – leider, leider – nun mal nichts anderes zuläßt als ausgerechnet die ganze Scheisse, die die Mehrheit immer nur schädigt und die kleine Minderheit der Eigentümer reich und reicher macht.
So müssen Kapitalismus-Fans es eben sehen: das bestimmungsgemäße FUNKTIONIEREN des Kapitalismus wird am Beispiel von „Mißständen“ für sie zur „Perversion“. Dabei sind die „Mißstände“ bloß die konseqente Anwendung des von allen geteilten Prinzipis: Bereicherung, und zwar um jeden Preis, den die Lohnarbeiter zahlen können und müssen.
Wer von Perversion redet, hält den Normalzustand dieser Ökonomie für gerade NICHT pervers – die REALEN Zustände dieser Ordnung, an der niemand Zweifel aufkommen lassen will („Freiheit!!“ und so), sollen sich dann immer am IDEAL blamieren: Kapitalismus voll super und der Markt sowieso das Geilste, aber – schlimm, schlimm – zugestandenerweise gibt es da vereinzelt „Perversionen“, die völlig unnötig den guten Ruf unseres Lieblingssystems beflecken!
In westlichen Propagandamedien wie der „Tagesschau“ werden in Berichten über COP26 die VERURSACHER der globalen Naturzerstörung und der Ausbeutung jeglichen lebenden und unbelebten Inventars des Planeten, also westliche Anführer wie Johnson, Merkel und Biden, als Lichtgestalten der Klimapolitik dargestellt: voll des guten Willens, schwer entschlossen, ganz viel Verantwortung für eine ökologische Zukunft zu übernehmen und deswegen auch sehr betrübt, dass „Putin und Xi Jinping“ leider so gar nicht mitziehen bei diesem edlen Ziel der Menschheitsrettung, dem sie – die Anführer der Freien Welt – sich da verschreiben.
Der Durchschnittsuntertan, der diese Medien konsumiert, wird in den Glauben versetzt, dass „der Westen“ sich mal wieder ganz freiheitlich und demokratisch ernsthaft der Aufgabe Weltrettung und Klimakrisenbewältigung annimmt, während die Bösen Autokraten und Diktatoren wie immer nicht mitziehen und unsere gemeinsamen grundguten Anstrengungen nur sabotieren.
Währenddessen Präsident Xi per Video an die COP26-Teilnehmer:
„Guided by the vision of a community of life for man and nature, China will continue to prioritize ecological conservation and pursue a green and low-carbon path to development. We will foster a green, low-carbon and circular economic system at a faster pace, press ahead with industrial structure adjustment, and rein in the irrational development of energy-intensive and high-emissions projects.
We will speed up the transition to green and low-carbon energy, vigorously develop renewable energy, and plan and build large wind and photovoltaic power stations.
Recently, China released two directives: Working Guidance for Carbon Dioxide Peaking and Carbon Neutrality in Full and Faithful Implementation of the New Development Philosophy, and the Action Plan for Carbon Dioxide Peaking Before 2030.“
Nach dem ersten Blick in das NATO-Frontblatt aus Hamburg möchte man lieber gleich wieder ins Bett gehen. Oder besser in den nächsten Bunker.
Denkt man bei der Überschrift noch „Ah, endlich wird der „Spiegel“ realistisch und berichtet über die Kriegsvorbereitungen gegen Russland!“, wird man beim Teasertext schnell eines besseren belehrt: natürlich ist es wieder der Iwan, der ewige Gottseibeiuns des Freien Westens, der hier nicht nur den Krieg vorbereitet, sondern ihn „praktisch erklärt“.
Und zwar ausgerechnet wegen der Gaspreise, die der Freie Westen ganz freiheitlich und westlich durch Spekulation in schwindelnde Höhen getrieben hat, u.a. durch den Verzicht der EU-Kommission auf langfristige Lieferverträge zugunsten kurzfristiger Beschaffung an den Energiemärkten.
Dass „der Russe“ angesichts der vom Westen selbst verschuldeten Energiepreiskrise auch noch die bewährte Zuverlässigkeit seiner Lieferungen um eine weiter erhöhte Abgabemenge ergänzt hat (Putin: „Wenn wir noch mehr Gas durchleiten, platzen die Leitungen“) ist egal angesichts der genetisch bedingten (Bolschwismus!) Gesamtboshaftigkeit des Erzfeindes im Osten.
So darf sich der deutsche Mittelschichtsbürger an einem grauen Sonntag in der beginnenden jahreszeitlichen Kälteperiode wieder wahlweise vor einer kalten Wohnung oder einer unbezahlbaren Gasrechnung wohlig gruseln und sich bang fragen, ob die neue Regierung wohl endlich Tacheles redet mit dem finsteren Gesellen dahinten in Moskau.
Dass DAFÜR berechtigte Hoffnung besteht, ist angesichts der Beteiligung der olivgrünen Russenfresser-Partei an der künftigen Bundesregierung sicher.
Der „Spiegel“ gibt Entwarnung und nimmt den ganzen Kapitalismuskritikern mit EINER Meldung den Wind aus den Segeln:
Die Bereicherung der winzigen Oberschicht ist erstens sowieso naturgegeben und Zweifel daran verbieten sich für jeden vernünftigen Kenner der freien Marktwirtschaft per se, denn zweitens „(sind) Reiche (…) effektiver Teil der Lösung“ all der Probleme, von denen die fehlinformierten FfF-Kids, Klimahysteriker und sonstige Kommunisten bislang annahmen, dass vielleicht das herrschende kapitalistische Wirtschaftsmodell ein naheliegender Grund wäre.
Nein, ganz im Gegenteil! Reiche verbessern nämlich die Welt! Mehr muss man gar nicht wissen, und wenn demnächst wieder die Gas- und Strompreise noch teurer werden, weil dieselben Reichen massiv und erfolgreich auf ihre Erhöhung spekuliert haben (obwohl die Gasversorgung z.B. aus Russland gleichbleibend hoch und zuverlässig ist), dann weiß der aufmerksame freiheitliche Bürger, dass es schon mal auf keinen Fall an „den Reichen“ liegen kann.
Ein solches antiquiertes Feindbild verbietet sich geradezu, besonders hierzulande. Denn die Reichen verbessern, wie gesagt, die Welt „- gerade Deutschland hat es bereits gezeigt“, wie jeder Bundesbürger weiß und dank der flächendeckenden Mietsenkungen, des üppigen sozialen Wohnungsbaus, des Rückgangs der Rüstungsausgaben, der Beendigung von Altersarmut und Obdachlosigkeit auch gut nachvollziehen kann.
Umso trauriger, das ein verdienter Reicher, quasi also ein Wohltäter der Menschheit, wie der französische Oligarch Tapie leider viel zu früh seiner einträglichen Geschäftstätigkeit durch Ableben enthoben wurde, wie das Hamburger Fachmagazin für Oberschichtskunde unter dem Titelbericht vermeldet.
Man möchte sich vor Kummer die Kleider vom Leibe reißen; und auch dieses menschliche Bedürfnis findet im „Spiegel“ seine kongenial marktwirtschaftliche Auflösung in Form einer Werbeanzeige der Unterwäschefirma Kuuno, die dem jedem Sachzwang der Freiheit so aufgeschlossen gegenüberstehenden „Spiegel“-Leser dazu verhelfen möchte, wenigstens untenrum anständig gekleidet dazustehen.
Ein wiederum erfreulicher Sonntag, der dank der Verdienste unseres Qualitätsmedium keinen Zweifel daran läßt, dass wir in der besten aller Welten leben und dass mögliche Mängel auf jeden Fall schon durch die Leistungsträger dieser hervorragenden Ordnung behoben werden.
Ich kann mich jedenfalls beruhigt zum Mittagsschlaf hinlegen!
Wer Zeit hat und ganz gut Englisch versteht, sollte diesen Artikel lesen. Er bringt etwas Licht in einen kleinen Teil der epochalen Verteufelung Stalins und des himalayaesken Gebirges von Lügen, das von bürgerlicher (inklusive trotzkistischer) Seite aus über die Periode des verschärften Klassenkampfes in den 1930er Jahren der UdSSR („Große Säuberung“, „Schauprozesse“, „Terror-Herrschaft“) verbreitet wird.
Dass der eloquente Herr Trotzki sogar bereit war, mit der faschistischen Gestapo zu konspirieren, um seinen verhassten Widersacher Stalin zu ermorden, ist mittlerweile dank der Öffnung der früheren sowjetischen Archive nicht nur von Grover Furr belegt. Die heutzutage einsehbaren Dokumente lassen den Schluss zu, dass die damalige sowjetische Führung allen Grund hatte, die tatsächlich existierende Verschwörung gegen den ersten und damals noch einzigen sozialistischen Staat der Welt zu bekämpfen.
Das immer noch kolportierte Narrativ vom irren Diktator Stalin, der aus lauter Mordlust und Paranoia JEDEN verdächtigte und Millionen von Sowjetbürgern einsperren und umbringen ließ, entpuppt sich ausweislich der heutigen Faktenlage als berechnendes Gruselmärchen zur dauerhaften Dämonisierung der Idee des Kommunismus und jeder sozialistischen Bewegung.
Die Lügen wirken nochmal so durchsichtig angesichts der Methoden der US-Regierung: im Reich der Freiheit muß man, im Gegensatz zur Sowjetunion unter Stalin, für staatliche Sonderbehandlung noch nicht mal irgendwelche Umsturz- oder Mordkomplotte schmieden. Es reicht, dass man die Kriegsverbrechen des Noch-Hegemons aufdeckt, um – wie Julian Assange – auf die Todesliste des Geheimdienstes zu kommen.
Über solche Pläne zur wehrhaften Verteidigung der Demokratie durch gezielte Hinrichtung von kritischen Journlisten schweigen westliche Medien – bis auf ein paar obligatorische Kurzmeldungen – lieber genauso verschämt, wie sie umgekehrt gar nicht genug Krokodilstränen abdrücken können über ihre eigenen Schreckenserzählungen vom blutdurstigen sowjetischen Führer und seinem Gulag-Land.
Ich muss immer schmunzeln, wenn Anhänger der bürgerlichen Gesellschaft die in der Verfassung festgelegten GEWALTVERHÄLTNISSE idealisieren und sie sogar in Anschlag bringen gegen diejenigen Entscheidungen der staatlichen Gewalt, die ihnen gerade nicht passen.
Natürlich wollen sie nichts davon wissen, dass ihr viel beschworenes Grundgesetz die Gewalt, auf der Macht- und Eigentumsverhältnisse im Kapitalismus gründen, lediglich philosophisch (als angeblich dem Menschen innewohnende Eigenschaften) überhöht und kodifiziert – und NICHT eine einzige Beschreibung großartiger menschennatürlicher Wesensart ist.
Diese Leute haben die Verfassung, die sich der deutsche Imperialismus als BRD gegeben hat, entweder nicht richtig gelesen oder. – meine Vermutung – nicht richtig verstanden.
„Artikel 14. (1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet.“
Spät, eher beiläufig und äußerst wortkarg wird den Bürgern dann noch etwas erlaubt: das Haben im Allgemeinen. Die Kategorie des Eigentums, die nur benannt, nicht erläutert wird, setzt den Gebrauchsartikel, der nur einmal konsumiert werden kann, mit Dingen (Immobilien, Ländereien, Fabriken) gleich, die mit individuellem Gebrauch überhaupt nichts zu tun haben.
Die Selbstverständlichkeit, dass man die Mahlzeit haben muss, die man isst, wird in Anspruch genommen für etwas gar nicht Selbstverständliches: das Haben von Besitztümern, die man selbst nicht benutzt und gar nicht individuell benutzen kann, und das seinen Nutzen für den Besitzer nur durch den Ausschluss anderer von ihrer Benutzung bzw. durch den Tribut entfaltet, den er von denen fordern kann, die auf die Benutzung seines Eigentums angewiesen sind. Beides stellt das Grundgesetz unter den gleichen Schutz des Staates.
Als ginge es um die Ergänzung der Bürgerfreiheit um ein Spielfeld ihrer äußeren Betätigung, um den Umgang mit Dingen, wird so das juristische Gewaltverhältnis eingeführt, das in dieser Gesellschaft den Umgang der Menschen miteinander umfassend determiniert; um das sich deshalb das gesamte ökonomische Leben dreht: Eigentum zu erwerben ist lebensnotwendig, es zu haben verleiht Macht über andere, es nicht zu haben verdammt zum Dienst an fremden Interessen. Das Grundgesetz erklärt es zu einem Menschenrecht, das Reichen wie Armen gleichermaßen zusteht.
Und als ob es dasselbe wäre oder weil es eben dasselbe ist, wird das Erben gleich mit „gewährleistet“. Dieses Menschenrecht reicht über den Menschen hinaus; das Eigentum überlebt den Eigentümer, geht als rechtliche Institution auf Nachfolger über und verewigt sich. So wird dann schon merklich, dass die Verfassung von dem für den Kapitalismus konstitutiven Rechts-Institut ‚Eigentum‘ und nicht von einem unschuldigen Umgang mit Sachen handelt.“
Ich komme vormittags vom Einkaufen nach Hause. Die Frau, im Homeoffice, sitzt am Schreibtsch und lauscht – einer Ansprache? Einem Vortrag? Einer Wahlkampfrede?
Die Stimme aus dem PC klingt wie ein Berufspolitiker, der – wichtig, wichtig – irgendwelche bedeutsamen Ankündigungen an die Untertanen macht, jedenfalls an Leute, die in irgendeiner Weise von ihm bzw. seinen Beschlüssen abhängig sind.
Beim Auspacken dringen Wortfetzen aus dem Arbeitszimmer an mein Ohr:
„Wir haben die Digitalisierung der Arbeitswelt hinter uns gebracht… Partnerschaft… um im Privatkundengeschäft zu wachsen, im Gewerbekundengeschäft zu wachsen… wachsen…. wachsen…. wachsen.. Nachhaltigkeit… klimaneutral zu werden, in einigen Bereichen sogar klima-positiv zu werden… wachsen… wachsen… wachsen… Wachstumsquote… Kommasieben… wachsen… nachhaltig… Erfolg… gemeinsam… großes Potential… das Wachstum…“
Ich ahne, wer hier so unglaublich aufmerksamkeits- und gleichzeitig gehorsamsheischend daherschwallt, frage aber trotzdem mal nach: „Hörst du dir hier Politikerreden an oder was ist das für ein wichtigtuerisches Gesülze?“
Die Frau macht eine abwinkende Handbewegung.
„Vorstand!“, ist ihr einziger Kommentar. Der Redner ist also der Vorstandsvorsitzende ihres finanzkapitalistischen Arbeitgeberkonzerns. Sie steht auf, macht mit der Hand die Schnatternder-Schnabel-Geste und gesellt sich zu mir in die Küche.
„Müsst ihr euch das anhören?“, will ich wissen.
„Ja. Das ist die Strategiekonferenz. Ganz ehrlich: das ist sowas von peinlich… ich lass das nebenher laufen.“
Der schiere Irrsinn der Ansprache dieses Führungsbourgeois lässt mich einerseits froh sein, dass ich mittlerweile das Alter und die meditative Gelassenheit erreicht habe, wo ich nicht mehr fürchte, an dem Irrsinn der Welt selber irre zu werden.
Andrerseits zeigen die Floskeln und Sprechblasen dieses unternehmerischen Lieblingsbürgers eines anständig akkumulierenden Kapitalstandortes, wie hervorragend WACHSTUM sich mit einem modernen grünen Kapitalismus mit Klimaneutralität – sogar Klimapositivität! – und „Nachhaltigkeit“ vereinbaren läßt.
WAS da wächst, nämlich bestimmt nicht die Löhne und Gehälter derjenigen, die die Befehle aus den Konzernzentralen auszuführen haben, muß man überhaupt nicht wissen. Das magische Wort WACHSTUM hat zu reichen als conditio sine qua non einer Ordnung, die längst keinerlei Rechtfertigung mehr benötigt.
Der Imperialismus mag Mensch, Tier, Natur, Umwelt und den gesamten Planeten als Brennstoff der kapitalistischen Bereicherung verheizen – es ist egal, jeder hat die Gültigkeit des irrationalen Götzen WACHSTUM verinnerlicht und versteht, dass damit nicht ein Wachstum seines eigenes beschränkten finanziellen Spielraums aus der Einkommensquelle Lohnarbeit gemeint ist, sondern das Wachstum derjenigen Werte, auf die es wirklich ankommt: das in Geld gemessene, als Kapital fungierende Vermögen, das in den Umsätzen und Gewinnen der Konzerne, der Unternehmen und der Superreichen erzeugt wird.
Das zu kapieren und hinnehmen zu müssen, daran kann man schon irre werden. Oder Kommunist.
Es ist so klasse, dass wir jetzt wieder wählen durften und jetzt endlich alles besser wird! Leider hat die „Linke“ ja voll vergeigt, so dass die tollen Forderungen noch fairen Löhnen, bezahlbaren Mieten und guter Pflege nicht mit Bartsch und Wissler verwirklicht werden können.
Aber zum Glück haben die anderen Parteien genau dasselbe im Programm! Stand jedenfalls auf all ihren Wahlplakaten drauf. Löhne, Renten, Gesundheit, Wohnen – überhaupt das ganze Leben in dieser schönen Demokratie sollte wunderbar, bezahlbar und irgendwie für alle ganz toll werden, wenn man die Partei (egal welche) wählt.
Auch um das schwer populäre Thema „Klima!!“ braucht man sich rein gar keine Sorgen machen, weil wirklich alle Politiker aller Parteien die Sache dynamisch, entschlossen und mit entschiedener Sachkenntnis der Sachzwänge angehen werden. An dieser Stelle also volle Entwarnung!
Da Schönste also an diesem Hochamt der Demokratie: es war völlig egal, wen man wählt, weil ja alle dasselbe versprachen!
Jetzt brechen also grandiose Zeiten an, und die demnächst anstehenden Lohnerhöhungen, die Entspannung des Wohnungsmarktes mit sinkenden Mieten und Wohnraum für alle, die fantastischen Aussichten im Gesundheits- und Pflegebereich mit ausreichendem Personalschlüssel und anständiger Bezahlung – all das wird den Bürger wieder mal bestätigen, dass Demokratie das einzig Senkrechte und freie Wahlen das Nonplusultra eines Lebens in marktwirtschaftlicher Freiheit ist.
Egal wie es um die „Medienfreiheit“ nach bürgerlichem Maßstab in Russland bestellt ist: selbstverständlich ist die Zensur der Youtube-Kanäle ein Eskalationsschritt im Informationskrieg gegen Russland.
Wird mal interessant zu beobachten, welche Verdrehungen und Verrenkungen die Fans der besten aller Welten jetzt vornehmen, um auch diese klare Zensurmaßnahme passend zu machen für ihr heiles Weltbild von Freiheitundmarktwirtschaft. Die Kommentarspalten der Staatsmedien z.B. sind bereits voll von Lob, Verständnis, Rechtfertigungen und Forderungen nach weitergehenden Schritten u.a. gegen chinesische Medien.
Die kognitive Dissonanz westlicher Parteigänger ist inzwischen so ins kollektive und individuelle Unterbewußtsein eingebettet, dass jeder weitere Schritt in Richtung Schleifung grundlegender Rechte, Zensur, Überwachung und staatlicher Gewalt- und Zwangsmaßnahmen (sowie deren Antizipation und botmäßige Ergänzung durch private IT-Multis) als Schutz der Freiheit vor Falschinformationen begrüßt wird.
Die vorgeschobene Begründung – RT hätte medizinische Falschinformationen publiziert – ist erkennbar an den Haaren herbeigezogen: als ob YouTube ein Team von Wissenschaftlern, Medizinern und Virologen beschäftigen würde, welches die auch in der medizinischen Community kontrovers debattierte Corona-Thematik definitiv in „wahr“ und „unwahr“ einteilen könnte.
In Wahrheit handelt es sich um den Schutz der verführbaren westlichen Bürgerseelen vor abweichenden Meinungen; solche Unbill mag der Staat und die von seiner Ordnung profitierenden BigTec-Konzerne seinen Insassen nicht zumuten – was umgekehrt eine interessante Auskunft ist über den Grad an Mündigkeit, den die Verfechter der wertewestlichen Weltsicht ihren Bürgern zutrauen: nämlich gar keine.
„Es geht doch um die Frage: Wollen wir, dass Deutschland endlich besser regiert wird? Und dafür treten wir Grünen an, dafür trete ich als Kanzlerkandidatin an.“ (Annalena Baerbock auf einer Wahlveranstaltung; hätte aber von jedem beliebigen Machthaber-Aspiranten kommen können)
BESSER REGIEREN, also HERRSCHEN über die, die die Politiker per Wahl zur Herrschaft ermächtigen. WAS da eigentlich nach welchen Maßstäben regiert wird, braucht weder potentielle Machthber noch Wähler zu interessieren, da es erstens ohnehin klar ist und zweitens nie im Leben Zuspruch Wahl steht: die kapitalistische Eigentumsordnung und der Staat, der sie in Kraft setzt und garantiert.