Noch JEDE Herrschaftsform hat gerade IHRE Herrschaft als vernünftig, der menschlichen Natur entsprechend, alternativlos und unumstößlich betrachtet

Ist doch komisch:

Noch JEDE Herrschaftsform hat gerade IHRE Herrschaft als vernünftig, der menschlichen Natur entsprechend, alternativlos und unumstößlich betrachtet.

Jedes bisherige Gesellschaftssystem (mit Ausnahme des Sozialismus) hat sich als Endzustand der menschlichen Gesellschaft verkauft, den man vernünftigerweise nicht abzuschaffen hat.

Wie, du bist gegen Sklavenarbeit? Wer soll denn dann die Felder bestellen und die Hausarbeit machen? Noch so ein Spruch und ich verkaufe dich auf dem Sklavenmarkt am nächsten Kalendae!

Was bitte? Die Leibeigenschaft abschaffen?? Gott der Herr hat die Menschen in Oben und Unten geschieden und das bleibt auch so!“

„Die freiheitliche Demokratie ist die beste Form menschlichen Zusammenlebens. Man kann sie vielleicht hier und da ein wenig verbessern, denn zugegebenermaßen ist nicht alles perfekt. Aber alles andere wäre TOTALITARISMUS! Und wohin der führt – neben der völlig undenkbaren beschneidung der Freiheit des Eigentums – haben ja die Unrechtstaaten des Ostblocks gezeigt!!“

Geschichten aus dem Pflegeheim: Sirenenalarm

Bewohner im Pflegeheim während des heutigen Sirenenalarms.

Obwohl wir natürlich vorab ausgiebig über das Thema und den Übungscharakter des „Warntages“ gesprochen hatten, ändert das nichts an den Erinnerungen dieser Generation an Fliegeralarm, Bombennächte und überstürztes Aufsuchen der Schutzräume.

Die Dame, die sich die Ohren zuhält, ist eine von etlichen in der Gruppe, die sich lebhaft an ihre Kindheit in den 1940er-Jahren, an verschüttete Bunkerinsasssen, an die Leichen auf den Straßen beim Verlassen der Schutzräume und dergleichen erinnern.

Die Bedeutung der einzelnen Tonsignale (Ankündigung, unmittelbare Gefahr, Entwarnung) muß man diesen Leuten nicht erklären – das kennen sie alle auswendig.

Ebenso erstaunlich wie die immensen Traumatisierungen dieser Generation ist auch ihre umfassende, alles Weitere ausblendende Bereitschaft, sich ausschließlich als OPFER schlimmer Zeiten und grausamer Umstände zu fühlen. Faschismus und Krieg werden hauptsächlich vom Ende her betrachtet, als der Krieg vergeigt und es mit der Nazi-Herrlichkeit vorbei war, und als zu Bomben und Kriegsbewirtschaftung auch noch Flucht und Vertreibung, also „der Russe“, kam.

DAS rechnet die Mitläufergeneration der faschistischen Führung (der sie zuvor zugejubelt hatte) als Sünde an, während man für Juden- und Kommunistenverfolgung sowie für das ganze Projekt eines völkischen Imperialismus sehr viel Verständnis hatte und (in seiner modernen demokratischen Version) hat.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Der Fauxpas

Während des schweißtreibenden Aufbaus eines Angebotes im Garten der Einrichtung für ca. 40 Bewohner erscheint der Einrichtungsleiter in Begleitung eines Besuchers, beide vorschriftsmäßig maskiert und erkennbar in wichtiger Mission unterwegs, vermutlich um das Gelände für den geplanten Neubau zu begutachten.

Der Besucher trägt teure Freizeitkleidung und begrüßt mich mit „Guten Tag!“, als er an mir vorbeikommt, während ich einen Getränkewagen über die Terrasse schiebe.

Hi!“ antworte ich kurz angebunden, registriere die etwas verblüffte Reaktion des Fremden, und schiebe weiter, da die Veranstaltung in Kürze beginnt und noch jede Menge zu tun ist. Angebote im Garten sind in Corona-Zeiten extrem wichtig und beliebt, weil dies die einzige Gelegenheit ist, bei der wohnbereichsübergreifend alle Bewohner zusammenkommen dürfen – allerdings selbst draußen nach Wohnbereichen getrennt. Dennoch schätzen die Heimbewohner solche Veranstaltungen, die eine seltene Unterbrechung des nun schon ein halbes Jahr andauernden Ausnahmezustandes sind, in den die strengen Corona-Maßnahmen den Heim-Alltag versetzt haben.

Eine Stunde später: ich bin mit dem Rücktransfer der zahlreichen zufriedenen Bewohner beschäftigt. Während ich eine Rollstuhlfahrerin zum Aufzug im Foyer schiebe, erscheint der Einrichtungsleiter in der Tür seines Büros und winkt mich herbei. „Kommen Sie doch bitte gleich mal kurz rein!“ ruft er mir zu.

Ein paar Minuten später betrete ich sein Büro, setze mich auf den Besucherstuhl vor seinem Schreibtisch und bin ganz Ohr.

Der Mann, mit dem ich vorhin im Garten war – kennen Sie den?“, beginnt er.

Nein, keine Ahnung.“, antworte ich. „Noch nie gesehen. Hab mir allerdings gedacht, dass das irgendein wichtiger Mensch sein muss, so teuer, wie der gekleidet war!“

Das war Herr L., unser oberster Chef, der neue Diakonievorstand. Da kam das nicht so gut, dass Sie ihn einfach mit `Hi!` begrüßen…“

Ich muß grinsen, weil mir natürlich die hierarchischen Strukturen des Ladens bekannt sind und meine Begrüßung tatsächlich leicht genervt und im Stress dahingemurmelt war. Andrerseits ist mir zwar bekannt, dass die Diakonie Rhein-Kreis Neuss seit Januar einen neuen Vorstand hat, aber getroffen oder gesehen habe ich ihn noch nie.

Chef, Sie hatten beide Masken auf…“, raffe ich mich zu einer Antwort auf, „ich kann ja schlecht bei jedem mir unbekannten Besucher sagen `Ziehen Sie doch mal Ihre Maske ab, damit ich nachsehen kann, ob ich sie nicht in irgendeinem Diakonie-Heft gesehen habe und Sie vielleicht eine wichtige Person sind`… außerdem war ich wirklich im Stress mit den Vorbereitungen da draußen, das haben Sie doch gesehen…“

Der Chef grinst ebenfalls und meint: „Ja, das hab ich ihm auch gesagt. Der hat natürlich gleich gefragt, was das für ein Mitarbeiter gewesen ist. Ich hab ihm gesagt, dass das der Herr Strathus ist, der mit den Kunstprojekten, und dass der gerade im Stress war. Ich hab’s also abgebogen. Aber ich wollte es ihnen doch gesagt haben, dass das nicht gut ankam mit dem `Hi`…“

Ich überlege kurz, ob ich ein gewisses Maß an Zerknirschung vortäuschen soll, zumal ich nächstens mal wieder eine Überprüfung meiner Lohneinstufung anzumelden gedenke, was auf jeden Fall beim Vorstand landen wird. Ich lass es bleiben, trolle mich und sinniere über die Lächerlichkeit einer Arbeitswelt, in der die Oberen die Unteren nicht nur so knapp wie irgend möglich halten, sondern dafür auch noch die Einhaltung der sozialen und einkommensmäßigen Hierarchie durch respektvoll-devote Anrede erwarten.

Geschichten, die das Leben schrieb: die lüftende Unterhose

Die Frau kommt reichlich hitzegeschädigt von der Arbeit, an die sie noch einen Einkauf drangehängt hat. Sie drückt mir die Einkaufstaschen in die Hand, entledigt sich der durchgeschwitzten Kleider und geht erstmal ins Badezimmer, um sich vermittels eines Bades zu erfrischen.

Fünf Minuten später erscheint sie frisch gebadet und in sauberer Sommerbekleidung wieder und verkündet: „Ich mach jetzt erstmal Putzi-Putzi!“ (ihr Codewort für eine private Entspannungsmeditation, die sie zum „Runterkommen“ benötigt und die gewöhnliche Menschen als lästigen Hausputz kennen).

Dieses segensreiche Hobby meiner Liebsten hat den vernachlässigenswerten Nachteil, dass mich der hohe Standard der häuslichen Ordnung und Sauberkeit zwangsläufig zum verlotterten Dreckfinken macht, der niemals die hygienischen Mindestanforderungen einzuhalten in der Lage ist.

So auch diesmal: ein paar Krümel neben dem Schneidebrett ziehen erst die Aufmerksamkeit und dann den Unwillen der Gattin auf sich, bzw. auf MICH. Streng werde ich getadelt, die Küche gefälligst so zu hinterlassen, wie sie (die Frau) sie hinterlassen hat (also als staub- und mikrobenfreien Reinraum von labortechnischem Standard).

Gerade will ich beschämt irgendetwas Beschwichtigendes murmeln, da fällt mir ein schönes Gegenargument ein. „Ich würde mal einen ganz flachen Ball spielen, meine Liebste“, entgegne ich betont nonchalant. „Sonst müsste ich darüber reden, wer seine dreckigen Unterhosen im Arbeitszimmer auf dem Boden liegen lässt…“

Die Frau so (völlig unbeeindruckt): „Die muss noch lüften.“

Mir kommt Mark Twain in den Sinn, von dem der Spruch stammt, Schlagfertigkeit sei das, was einem nach 24 Stunden einfalle. Bei meiner Herzdame dauert es keine 24 Sekunden – ein Grund mehr, sie für die beste Frau der Welt zu halten.

Hammer! Steht die SPD nun doch vor einem Comeback?

Kanzler in spe Olaf Scholz überrascht mit nie dagewesenen Tönen:

Ich will gewinnen“ sagt das Finanzgenie ganz offen!

Kannte man bisher von Kanzlern und Kandidaten eher das verschämt dahingenuschelte „Och, nö, der Wahlkampf, na gut, also ok, ich versuch‘s halt mal…“ und das sarkastische „Gewinnen? Ich? Haha, als ob ich eine Chance hätte…“, kommt hier einer aus dem Quark, der sich auszusprechen wagt, was noch keinem lebenden Menschen bisher einfiel: er will GEWINNEN!

Die Geschichte der Wahlkämpfe wird neu geschrieben werden müssen, soviel steht fest.