Aus gegebenem Anlass: Lobpreisung des Biohofes Muhs in Krummbek, Schleswig-Holstein

Eigentlich wollte ich den Zweiflern und Ungläubigen Thomassen meiner Filterblase hier eine Video-Doku meines heutigen Besuches beim vorbildlichen Öko-Bauernhof Muhs zeigen – allein, mein treuer Kamerad Hund ließ es nicht zu. Als Stadthund überwältigt von so viel Eindrücken und vor allem von merkwürdigen, riesigen und streng riechenden anderen Vierbeinern, äußerte sich seine kognitive Überforderung in hysterischem Gebelle, so dass ich ihn aus der Gefahrenzone evakuieren und eine Runde auf den angrenzenden Feldern drehen musste.

Derweil besorgte die Frau den Einkauf und erstand für ca. 50 Euro allerlei Fleisch- und Wurstwaren erster Güte (eine andere gibt es bei Muhs allerdings auch nicht). Sie erwähnte, dass dieselbe Warenmenge „im Bio-Supermarkt in Oberkassel“ etwa das Doppelte kosten würde und zeigte sich äußerst zufrieden über die vergleichsweise preisgünstige Beute. Als geschulte Marktwirtschaftlerin und Betriebswirtin wusste sie auch sogleich zu benennen, woran das liegt: „Ist doch klar: das ist Direktverkauf, die haben keine Zwischenhändler. Die Zwischenhändler sind die, die den Reibach machen!“

Trotz meiner aus den oben geschilderten Umständen resultierenden nur kurzen Anwesenheit auf dem Anwesen der vorbildlichen Bio-Schlachterei Muhs (Metzger heißen in Norddeutschland nämlich treffsicher Schlachter) und einem hysterischen Hund an der Leine gelang es mir, ein paar Fotos zu schießen. Sie bestätigen meine zum früheren Zeitpunkt geäußerte Meinung, dass es sich beim Biohof Muhs in der Tat um ein vorbildliches Unternehmen handelt, dem das Tierwohl am Herzen liegt und das im Rahmen der (kapitalistischen) Umstände das Beste aus dem Anliegen macht, qualitativ hochwertige und schmackhafte Fleischerzeugnisse für das Volk zu produzieren.

Die zufrieden in frischem Heu sich räkelnden und schmatzenden Schweine wollten keine Interviewanfragen beantworten, ließen aber erkennen, dass sie sich nichts besseres vorstellen konnten, als das Leben in ihren geräumigen Kojen, umgeben von Artgenossen und versorgt mit leckerem Öko-Futter.

Geschichten die das Leben schrieb: der 60+ Bonus

Die Frau so (fährt sich mit der Hand durch die Haare): „Boah ich hab echt ne dicke Mähne.. nicht mehr so spiddelige Haare wie früher! Vielleicht gibt’s ab 60 einen Bonus!“

Ich: „Von wem? Vom lieben Gott? Vom Leben?“

Die Frau (überzeugt): „Ja, man kriegt schöne Haare. Man wird zwar dicker, kriegt Hüftspeck, aber dafür schöne Haare!“

Realistische Publikation der US-Armee zur SMO, August 2022

Ein Beitrag auf „Naked Capitalism“ beschäftigt sich mit einem realistischen Artikel über die russische Spezialoperation in der Ukraine, der in einer Armee-internen Publikation der US-Marines (oder US-Navy, bin mir nicht sicher) veröffentlicht wurde. Die Einschätzungen, die dem westlichen Mainstream-Narrativ zu 100% entgegengesetzt sind, rufen natürlich sofort das entrüstete Gebarme der einschlägigen NATO-gläubigen Meinungsinquisitoren und Rechtgläubigkeitsverteidiger hervor.

Lesenswert allerdings, dass es eben auch im kollektiven Westen Stimmen gibt, die das tatsächliche Kriegsgeschehen sachlich kommentieren. Ist aber ohnehin unter Militärs vermutlich eher anzutreffen als unter Politikern und Medien.

Über Trotzkismus und andere bürgerliche Ideologien anhand der Klassikerlektüre „Wie der Stahl gehärtet wurde“

Einige Passagen des Buches befassen sich mit dem Kampf der Partei und der jungen Sowjetunion gegen die innerparteiliche Opposition der Trotzkisten. Besonders in den Jahren nach 1924, nach dem Tod Lenins, versuchte die von Trotzki (später im Bunde mit Sinowjew und Kamenew) geführte Opposition in einem erbitterten Machtkampf, die Partei zu übernehmen und die begonnen Maßnahmen des sozialistischen Aufbaus rückgängig zu machen oder zu verlangsamen.

Ihre Begründung: es sei zu früh dafür, das Volk wäre noch nicht reif, der Sozialismus könnte nicht ohne die Weltrevolution – die ausgeblieben war – errichtet werden, die Bolschewiki würden eine Parteidiktatur des Bürokratismus und der Willkür ausüben. Letzteres bezog sich auf die Parteidisziplin der Kommunistischen Partei, die die Mitglieder darauf festlegte, einmal gefasste Beschlüsse gemeinsam zu tragen und zu vertreten – das konnte und wollte die trotzkistische Minderheit nicht hinnehmen. Sie sah sich in allem der Parteimehrheit überlegen und war für die Durchsetzung ihrer Positionen nicht nur bereit, die Partei zu zerschlagen, sondern auch mit den Feinden der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, um die ihrer Meinung nach falsch geführte und sich fehlentwickelnde Sowjetunion zu zerstören.

Das Buch zeigt, wieviel Raum – im Gegensatz zur Behauptung der bürgerlichen und trotzkistischen Propaganda – damals jahrelang dieser Opposition eingeräumt wurde, wie versucht wurde, in Gesprächen und mit Appellen an das gemeinsame Interesse die betreffenden Genossen einzubinden und von ihrem zerstörerischen, spalterischen Kurs abzubringen.

Es scheiterte letztlich daran, dass die Gegnerschaft der Trotzkisten unversöhnlich, ihr Hass auf die Mehrheitsbeschlüsse der Partei, auf Stalin so groß, ihre Selbstgerechtigkeit und Besserwisserei so immens waren, dass dem Sowjetstaat nichts übrig blieb, als sie zu isolieren, aus der Partei auszuschließen und sie schließlich wie die Feinde der Sowjetunion und des Sozialismus zu behandeln, die sie de facto waren.

Im Buch wird diese jahrelange Fehde der verschiedenen Positionen innerhalb der Kommunistischen Partei literarisch angerissen und verarbeitet. Die heute zugänglichen Dokumente belegen, dass die Fraktionskämpfe erstens tatsächlich vor allem eine Auseinandersetzung war, die in Diskussionen, Plenen und Versammlungen geführt wurde.

Das änderte sich zweitens erst, als die „Opposition“ zu einer wurde, die nicht nur eine Minderheitsmeinung über den Kurs der sozialistischen Entwicklung im ersten Arbeiter- und Bauernstaat der Welt vertrat, sondern zu einer wurde, die die Existenz dieses Staates beseitigen wollte und zu Terrorismus und Sabotage griff. Dann erst kamen Gerichte und Tribunale ins Spiel und gewährleisteten durch mitunter scharfe Maßnahmen und harte Urteile (darunter auch etliche „ungerechte“, unbegründete, unfundierte) den ungestörten Aufbau des „Sozialismus einem Lande“.

Über die Schörfe und die Hörte dieses Vorgehens gegen eine tödliche Gefahr für die gerade erst unter ungeheuren Opfern gegründete Sowjetunion haben bürgerliche Gemüter ein eindeutiges Urteil parat: „Furchtbar! Entsetzliche Diktatur! Schauprozesse! Unrechtsurteile!“ wissen sie Bescheid.

Nie haben sie je ein ähnliches Verdikt parat für die alte Ordnung der Sklaverei, der Leibeigenschaft, der Ausbeutung bis aufs Blut, des Hungers und der Kriege, die den Völkern von ihren kapitalistischen und feudalen Herren aufgezwungen wurde (und heute wieder aufgezwungen wird).

Aber den ersten Versuch der Abschaffung dieser Verhältnisse, der zwangsläufig nicht mit irgendeinem marxistischen Zauberstab eine ideale kommunistische Gesellschaft aus dem Traumbuch des Bürgersozialisten sein konnte; der von Anfang an der Todfeindschaft und der gewaltsamen Bekämpfung durch die gesamte alte Welt ausgesetzt war; der einen Kampf auf Leben und Tod zu führen hatte gegen ganze Armeen von äußeren und inneren Feinden – DIESEN Versuch messen sie an den komfortabel zarten Verhältnissen ihrer gesicherten Mittelschichtsexistenz in den etablierten kapitalistischen Demokratien des späten 20. oder beginnenden 21. Jahrhunderts.

The quintessential Ostrowski


“Der Kampf für die Befreiung der Menschheit” ist immer noch nötig; manche meiner Freunde würden sagen: er wird für immer nötig sein, weil er eine Utopie ist und eine freie Menschheit unmöglich ist. Wegen der menschlichen Natur, die bekanntlich für alles herhalten muss, was kapitalistische Ausbeutung und imperialistischer Krieg anrichten.“

Früher hätte ich das unterschrieben; heute denke ich, dass es u.a. das Verdienst und Vermächtnis von Marx, Engels, Lenin und anderen ist, aufgezeigt zu haben, dass der Kampf für die Befreiung der Menschheit keine Utopie ist, sondern praktische Notwendigkeit.

Kommt einem das bekannt vor?

Ein reaktionäres west-ukrainisches Regime, für zahlreiche Verbrechen verantwortlich, füllt die Reihen seiner Soldateska mit Zwangsrekutierten, die gar nicht kämpfen wollen, um sie in einen Krieg zu schicken, in dem ausländische Interventionsmächte und ukrainische Nationalisten für einen ukrainischen Staat kämpfen, der sich durch Fremdenhass und Antikommunismus auszeichnet.

Die geschilderten Vorkommnisse ereigneten sich vor ca. hundert Jahren, in den Zeiten des Bürgerkrieges in der Sowjetunion. Simon Petljura war der Anführer der „Ukrainischen Volksrepublik“, die von 1917 – 20 als nur von den „Mittelmächten“ (Deutschland, Österreich, Ungarn und noch ein paar) anerkanntes antikommunistisches Projekt existierte und die gegen die ukrainische Sowjetrepublik (Sitz in Charkow) Krieg führte.

Klar, das der Nationalistenführer Petljura, dessen Truppen zahlreiche Massaker und anti-jüdische Pogrome verübten, in der heutigen Ukraine als Gründungsvater ukrainischer Eigenstaatlichkeit verehrt wird.

Aus: “Wie der Stahl gehärtet wurde“ von Nikolai Ostrowski

Die fetten Jahre sind vorbei? Die der fetten Lügen anscheinend nicht.

Die fetten Jahre sollen also vorbei sein. Fragt sich nur, für wen. Sicher nicht für die Oberschicht, die Politiker, die Unternehmer und ihre Erfüllungsgehilfen des mittleren bis oberen Managements. Und für die wirklich Reichen, die Milliardäre, die Firmenerben, die Couponschneider, die Chefs der privaten und institutionellen „Investoren“ schon gleich nicht.

Aber für uns, für die lohnarbeitende oder arbeitslose Masse, ja, da sind die „fetten Jahre“ – die in Wahrheit nie fett waren, sondern immer ein Sich-Abstrampeln im Konkurrenzkampf ums Zurechtkommen – definitiv vorbei. Und MÜSSEN für uns vorbei sein, damit es der Oberschicht weiter gut geht.

Deswegen sparen auch nicht „wir“, sondern die, die uns das Sparen verordnen, zwingen uns dazu, damit sie weiterhin ihre Geschäfte machen können, ihre Gewinne sprudeln und damit SIE garantiert an nichts sparen müssen (außer an den Löhnen und dem Lebensunterhalt der arbeitenden Klasse).

Das sollten wir ändern.

Die Ideen von Marx und Engels sind da, die Partei ist weit und breit nicht zu sehen, und die Menschen?

Individuum und Kollektiv, Unterschiedlichkeit und Einheit. Ob es wieder so kommen wird, dass die Menschen „zusammengeschweißt durch gemeinsame Ideen, durch die Ideen der Partei, die Ideen von Marx und Lenin“ werden?

Die Ideen von Marx und Engels sind da, die Partei ist weit und breit nicht zu sehen, und die Menschen?

Vereinzelt, entwurzelt, verängstigt und mit ihrem Zurechtkommenmüssen beschäftigt. Kann die Idee, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen, die Ausbeuter zu entmachten und einen eigenen Staat zu organisieren, noch einmal, aufs Neue, die Menschen zusammenschweißen?

Es sieht nicht danach aus, aber ich kann mich täuschen. Ich MÖCHTE mich täuschen.