Hammer! Steht die SPD nun doch vor einem Comeback?

Kanzler in spe Olaf Scholz überrascht mit nie dagewesenen Tönen:

Ich will gewinnen“ sagt das Finanzgenie ganz offen!

Kannte man bisher von Kanzlern und Kandidaten eher das verschämt dahingenuschelte „Och, nö, der Wahlkampf, na gut, also ok, ich versuch‘s halt mal…“ und das sarkastische „Gewinnen? Ich? Haha, als ob ich eine Chance hätte…“, kommt hier einer aus dem Quark, der sich auszusprechen wagt, was noch keinem lebenden Menschen bisher einfiel: er will GEWINNEN!

Die Geschichte der Wahlkämpfe wird neu geschrieben werden müssen, soviel steht fest.

Marktwirtschaft wie sie blüht und gedeiht

Top-Management und Aufsichtsrat des Elektronikhändlers MediaMarktSaturn stehen in der Kritik (der Eigentümer). Die Eigentümer vermissen den Reibach, den sie von einer kapitalistischen Geldvermehrungsmaßnahme dieser Dimension erwarten dürfen – daran können nur ihre Statthalter in Geschäftsleitung und Aufsichtsrat schuld sein!

Deren Sachzwang- und systemgerechte Maßnahmen zur Sicherstellung einer „angemessenen Profitabilität“ waren nämlich „unzureichend“, sprich: es wurde bei weitem nicht genug eingespart bei denen, die die gewünschten Profite zu erarbeiten haben (Nein, nicht die hochbezahlten Top-Manager und Aufsichtsräte, sondern die Lohnarbeiter).

DEREN Lebensunterhalt ist einfach zu teuer für eine „abgemessene Profitabilität „ und steht damit vieltausendfach zur Disposition .

Die Arbeitskräfte werden’s unter „Schicksalsschlag“ verbuchen, die Gewerkschaften diensteifrig in gewohnt verständnisvoller Zusammenarbeit mit dem Management Sozialpläne erarbeiten und die einschlägig kundige Fachpresse sich kritisch oder lobend über ERFOLG oder MISSERFOLG des Vorhabens auslassen – wobei dieser an nichts anderem gemessen wird als an der angestrebten ANGEMESSENEN PROFITABILITÄT.

Marktwirtschaft wie sie blüht und gedeiht!

Gedanken beim Hören des „Kyrie Eleison“ der H-Moll-Messe von Bach

Leute fragen sich und andere rhetorisch, wie auf einer so schönen Welt soviel Elend und Gewalt existieren kann; sie wollen wissen, wie Gott das zulassen kann. Nicht wenige kommen zu dem Schluss, dass all das Schreckliche auf der Welt der beste Beweis ist, dass Gott nicht existiert …

Ich sehe es umgekehrt (und den Gott lass ich lieber ganz beiseite):

Wie in einer so brutalen Welt ein solches Ausmaß an überirdischer Erhabenheit und Schönheit entstehen kann, DAS ist das wahre Wunder.

Ob das ein Beweis für irgendwas ist? Wenn, dann für die Größe und Grenzenlosigkeit des menschlichen Geistes.

Eure Masken sind unsichtbar: Wenn man in den Ameisenhaufen piekst

In irgendeinem der vielen aufgeregten Threads der maskenverweigernden Freiheitshelden wies ich auf den Blödsinn hin, mit einer Bundesadler-Deutschlandfahne, also dem Symbol des deutschen Imperialismus, für irgendwelche Rechte oder Freiheiten zu demonstrieren.

Der wurbürgerlich empörte Shitstorm blieb nicht aus.

Nachstehende Sammelantwort konnte ich mir aber auch nicht verkneifen:

Es wird immer besonders putzig, wenn Untertanen sich für Freiheitskämpfer halten.

Bei den Klügeren der Mitlesenden entschuldige ich mich für die etwas schlichte Art meines kleinen Experiments, mit ein, zwei Bemerkungen in den Ameisenhaufen der Selbstwichtigkeit der „Böse Masken müssen weg!“-Freiheitskrakeeler gestochen zu haben.

Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, die (erwartbaren) Reaktionen wutbürgerlicher Aufgeregtheit und wichtigtuerischer Empörung zu provozieren und zu beobachten (die übrigens deutlich Auskunft darüber geben, WAS von der „Kritik“ dieser Leute an ihrer Obrigkeit zu halten ist, nämlich nichts: Kritik, die ein Grundeinverständnis mit dem Umstand, im Kapitalismus BEHERRSCHT zu werden und MITZUMACHEN beinhaltet und sich lediglich gegen ein paar den individuellen Konsum einschränkende Infektionsschutzmaßnahmen wendet, ist gar keine, jedenfalls keine taugliche).

Den Aufgeregten hier muss ich sagen:

Ihr habt’s nicht anders verdient, als dass man sich im Rahmen eines kleinen sozialen Experiments über euch amüsiert und euch als das kenntlich macht, was ihr seid:

Funktionierende Untertanen mit dem marktwirtschaftsüblichen Knall, euch selbst so wichtig zu nehmen, dass euch eure eingebildete Konsum-, Feier- und Geschäftemachereifreiheit über den halbherzigen, nur Kapital und Staat retten wollenden Gesundheitsschutzmaßnahmen eurer Obrigkeit steht.

Eure Masken sind unsichtbar, sie sind die Masken des Mitmachens bei gleichzeitig lautem Geplärre, dass man irgendwie dagegen ist und sowieso alles für eine Verschwörung böser Mächte hält.

Eure Masken sind euer Egoismus und Eure Selbstwichtigkeit, mit der ihr euch und andere einem Infektionsrisiko aussetzt, weil ihr die WIRKLICHE Einschränkung eurer Freiheit durch Lohnarbeit, Ausbeutung und durch eure lebenslange Indienstnahme für die Interessen der herrschenden Klasse nicht kennen wollt, aber euer bißchen Unbehagen übers Masken tragen zum Kriterium eurer Zustimmung zum Handeln eurer ansonsten unangezweifelten Obrigkeit macht.

 

Geschichten, die das Leben schrieb: Sommerhitze in der Dachwohnung

Zurück in der Wohnung nach der letzten Runde mit dem Hund ziehe ich mir die verschwitzten Klamotten aus – und zwar alle – und spaziere nackt in die Küche, in der gefühlte 45 Grad herrschen. Da hat nämlich den ganzen Nachmittag die Sonne reingebrettert.

Ich werde den Rest des Abends nackt verbringen!“, verkünde ich.

Die Frau mustert mich und kommentiert: „Nee, oder?“

Nee, keine Sorge, du musst nicht den ganzen Abend den Anblick meines welken Fleisches ertragen“, beruhige ich die Gattin.

Sie so: „Ja, wenn du 35 wärst, könnte ich mich damit anfreunden…“

Ich beschließe, dass ein frisches T-Shirt und ein Paar Shorts es auch tun.

Der „Spiegel“ weint den US-Soldaten nach

Trump, der böse Deutschland-Feind, zieht einfach 12.000 Soldaten aus unserem NATO-Frontstaat ab!

Das kann das Hamburger Fachblatt für transatlantische Ergebenheit nicht auf sich sitzen lassen und lässt als Aufmacher vier wackere Freiheitshelden der demokratiebringenden US-Armee zu Sprache kommen.

Die uniformierten Streiter für das Gute im Menschen haben zufällig auch alle rein gar nichts mit Krieg, Drohnenmorden, Terrorkoordination (z.B. in Syrien) oder aggressiver Aufrüstung gegen Russland zu tun, sondern sind Musiker, Verbindungsoffiziere oder Lehrer für Führungskräfte aus den Ländern des besiegten Roten Imperiums, die den Ex-Kommunisten Freiheit und Demokratie beibringen.

Unterm Strich kommen die vier zu dem Schluss, dass das liebenswerte, grundgütige und sympathische Deutschland ihnen zivilisationstechnisch und menschheitszusammenlebensmäßig sozusagen die Augen geöffnet hat und sie sich – so sinngemäß auch gleich die Überschrift des Beitrags – nichts sehnlicher wünschen, als zurückzukehren in das germanische Irdische Paradies des starken Biers, der freien Fahrt und der bunten Vielfalt.

Am Schluss des Artikels schluchze ich ergriffen mit über das Glück, als deutscher Bürger per Geburt ganz unverdient in den Gratisgenuss all dieser Privilegien gekommen zu sein, und danke dem „Spiegel“ innerlich dafür, mich und die anderen patriotischen Leser vermittels des bewegenden Zeugnisses der braven GIs daran erinnert zu haben.

Erfolgsmenschen und Profibettler

Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen in diesem merkwürdigen Leben gehört das Betreiben anthropologischer Feldstudien unter der terrestrischen humanoiden Population. Dazu muss ich keinerlei Aufwand treiben, sondern bloß Augen und Ohren offenhalten.

Die bizarre Absurdität menschlichen Strebens und Verhaltens offenbart sich in fast jeder Handlung und Interaktion dieser Spezies.

Heute, letzte Runde mit dem Hund, beim Öffenen der Haustür auf die Straße:

Auf dem Parkplatz direkt vor dem Haus und unmittelbar gegenüber dem Hauseingang, keine 2m von mir entfernt, steht ein weißes Porsche-Cabriolet mit heruntergelassenem Verdeck. Drinnen sitzt ein weißbehemdeter Mittdreißiger mit Spiegelsonnenbrille und telefoniert über die Freisprechanlage seines Luxusfahrzeuges. Der Sound ist so laut eingestellt, dass wirklich jeder im Umkreis von 50m die Konversation mitkriegt; ein Umstand, der dem Porschefahrer sichtlich gefällt: er strahlt über beide Backen und versucht dabei, möglichst cool auszusehen. Sein Gesprächspartner lässt sich derweil lang und breit über Bankgeschäfte oder irgendwelche finanziellen Kniffe und Tricks aus.

Ich stehe mit meinem Hund einige Augenblicke lang da und schaue mir den Erfolgsmenschen an, dessen Bedürfnis, seine erfolgreiche Wichtigkeit der Umwelt mitzuteilen, wohl sehr groß ist. Dann frage ich ihn, ob er etwas lauter stellen kann, da ich einige Details der Unterhaltung nicht mitbekommen hätte.

Er grinst, keineswegs peinlich berührt oder schuldbewußt, dreht aber leiser und lässt das automatische Verdeck des Wagens hochfahren.

Die anschließende Hunderunde führt mich durchs Oberkasseler Neubaugebiet mit seiner Fußgängerzonen-Ladenzeile. Vorm REWE kniet ein osteuropäisch aussehender Profi-Bettler und hält den Herauskommenden stumm seine umgedrehte Schirmmütze entgegen. Er kniet so, dass er etwa ein Viertel des Eingangs blockiert, so dass er nicht nur auf jeden Fall bemerkt wird, sondern man ihm ausweichen muß. Die ganze Haltung, die ganze Person ein einziger Appell an das schlechte Gewissen der konsumkräftigeren Marktkunden, eine stumme Aufforderung, dieses Gewissen zu entlasten, indem man sich mit einer milden Gabe Ablaß erkauft.

Gleichzeitig allerdings geht von dem Bettler – ein gesund wirkender Mann desselben Alters wie der Porschefahrer von vorhin – eine aufdringliche Mitleidsheischerei aus, die einer subtilen Nötigung nahekommt; ich meine ihr anmerken zu können, dass Haltung, Outfit (ärmlich, aber nicht schmutzig) und das kniende Beharrungsvermögen die Geschäftsgrundlage dieses Mannes ist, so wie Geld-, Kredit- und Spekulationsgeschäfte diejenige des Porschefahres.

In beiden manifestiert sich dasselbe Ego, einmal wichtigtuerisch und prahlerisch, und einmal demütig und bescheiden. Der Macher und das Opfer. Das offensichtliche und das subtile Ego. ERFOLG wollen sie beide, in ihrem jeweiligen Geschäftsbereichen. Wären sie in den jeweils anderen sozialen Umständen der Klassengesellschaft sozialisiert worden, würde vielleicht der Bettler den Porsche fahren und der Businessangeber vorm Supermarkt betteln.

Beide scheinen mir Täter und Opfer zugleich zu sein, nämlich der Klassengesellschaft und der ihr eigenen Freiheit, sich ganz demokratisch einen Dreck um ein Verständnis ihrer Mechanismen und Prinzipien zu scheren, um sich ausschließlich ums Zurechtkommen in ihr kümmern zu können.

So wie Ameisen, die die Welt ihres Hügels für Anfang und Ende des Universums halten und auch halten MÜSSEN, wenn sie als Ameise überleben wollen.

Abt. Die Gelbe Gefahr

Nein, der Chines“ wieder! Er kann es einfach nicht lassen, der Chinamann. Da ist er wie der Iwan: einfach demokratieunfähig, weil von Natur aus (Schlitzaugen!!) zur Diktatur neigend!

Jetzt verbietet der kommunistische Unrechtsstaat einfach „pro-demokratische Bücher“!!

Entsetzliche Vorstellung, dass Chinas Bibliotheken künftig ohne die Magna Charta, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die Werke von Platon bis Schopenhauer auskommen müss….

Was? Müssen sie gar nicht?

Mit „pro-demokratisch“ meint das Hamburger Fachmagazine für Sinologie und Feindaufklärung lediglich die Schriften des CIA-Protegés und antikommunistischen Hetzers Joshua Wong, und insbesondere sein separatistisches Sudelpamphlet „Unfree Speech“, mit dem er eine ausländische (sprich: imperialistische) Intervention herbeischreiben möchte?

Ach, Spieglein, Spieglein an der Wand,
er ist so trübe, dein Verstand;
Er lässt so vieles stark vermissen –
Nur eins nicht: China anzupissen.

„Wer es sich leisten kann, meidet Busse und Bahnen.“

Das Heer der Lohnarbeitenden kann es sich NICHT leisten.Die müssen in ihrer Mehrheit brav zur Arbeit fahren, damit die Kapitalvermehrung am nationalen Standort weiter so wuchtig und eindrucksvoll daherkommt wie gewohnt.

Überfüllte Züge, ausgedünnte Fahrpläne, Ansteckungsgefahr hoch zehn? Egal, „die Wirtschaft“ muss brummen!

Der finanzkapitalistische Feudalismus, der es bisher geschafft hat, sich unter dem Namen „Demokratie“ dem Arbeitsvolk als so unvermeidlich wie unentbehrlich zu verkaufen, ist als Herrschaftsform wie maßgeschneidert für eine Gesellschaft, die aus lauter gnadenlos und konsequent vereinzelten Selbstverwirklichern, Überlebenskämpfern und -künstlern besteht und von einer neo-feudalen Elite von Reichen gelenkt wird.

Eine Elite von Reichen übrigens, zu der jeder der lohnarbeitenden, Lotto spielenden, chronisch zu knappen Untertanen selber gerne gehören würde. Denn das ist das (falsche) Versprechen des neuen Feudalismus: „Auch du kleines Rädchen kannst es zu Reichtum bringen, denn du bist kein Untertan, sondern deines Glückes Schmied in diesem Reich der Freiheit!“

Und weil er sein Lebtag lang nichts anderes gehört hat, glaubt der kleine Untertan das Märchen, welches ihm die Herrschaft erzählt: dass nämlich „die Demokratie“ gar keine Herrschaft sei, sondern nur eine Art sachdienlicher Verwaltung der naturgegebenen Zustände einer alternativlosen Welt.

Warum ich während der Lindenblüte nicht vor der Haustür parke

Tauben lieben scheinbar Lindenblüten. Jedenfalls sitzen die vollgefressenen „Ratten der Lüfte“ während der Blüte dieser Bäume zuhauf auf den Ästen, laben sich an den Blüten und Blättern und lassen ihren ätzenden Kot in noch enormeren Mengen als ohnehin schon üblich unter sich.

Als schlauer Anwohner weiß ich das natürlich und parke das Auto ein paar Wochen lang in Nebenstraßen ohne Bäume oder gleich am Rhein. Auswärtige dagegen, oder Anwohner, die in ihrer Verzweiflung und nach endlosen Runden um den Block ihren Wagen doch unter den Bäumen parken, erwartet am nächsten Morgen ein grauenvoller Anblick.

Wie mir eine sachkundige Nachbarin erzählte, verursacht der Taubenkot tatsächlich solche Lackschäden, dass die Leasing-Unternehmen die Schlusszahlung ohne mit der Wimper zu zucken um teilweise vierstellige Beträge erhöhen, wegen Wertminderung des Kfz. Die einzige Methode, sich anschließend des Alien-mäßigen Säurefraßes zu entledigen ist geduldiges Einweichen und Entfernen mit in kaltes Wasser getunktem Zeitungspapier.

Den Besitzern der einschlägigen SUVs gönne ich allerdings von ganzem Herzen den Wertverlust ihrer Schlachtschiffe und Hausfrauenpanzer, mit denen sie ihre Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbereitschaft demonstrieren und die Parkflächen vollstellen.