Anerkennung der Volksrepubliken des Donbas

Первые впечатления:

Anerkennung der Volksrepubliken durch Russland unterschrieben.

Dass Russland diesen Schritt macht, gibt Auskunft darüber, dass es dem kollektiven Westen nicht mehr zutraut, irgendeine konstruktive Rolle in der Sache zu spielen.

Russland erkennt nicht nur die Donbass-Republiken an, sondern vor allem die Unfähigkeit (besser: den Unwillen) seiner „westlichen Partner“, auf die ukrainische NATO-Beute zu verzichten. Ebenso die Unfähigkeit der EU-Imperialisten, aus dem Schatten ihrer US-Herren herauszutreten und die Vasallenrollen abzustreifen.

Die nun folgende neue Sanktionsrunde gegen Russland, womöglich inklusive Nicht-Inbetriebnahme von NordStream 2, wird für die westeuropäische Bevölkerung – in Geiselhaft genommen von ihren transatlantischen, US-hörigen Eliten – vor allem eins bedeuten: das Leben wird sauteuer werden, noch teurer als ohnehin schon, und die russophobe Kriegshetze von Medien und Politikern wird völlig ungebremst hysterische Dimensionen annehmen.

Die Bevölkerung des Donbass kann man allerdings nur beglückwünschen: endlich Aussicht auf Ruhe vor dem Terror des Kiewer Regimes und seiner faschistischen Söldnertruppen und mit Russlands Hilfe Aussicht auf den dringend nötigen ungestörten Wiederaufbau des öffentlichen und ökonomischen Lebens dort.

Die westlichen Leitmedien schäumen und heulen jedenfalls schon recht „stürmerisch“ vor Wut.

Russisches Skandalholz bedroht unsere Freiheit

Der Russe!! Ist er überhaupt noch Mensch oder schon irgendwas darunter? Jeden Tag legt er noch eine Schippe drauf!

Jetzt hat das Hamburger Fachblatt für Forstwirtschaft herausgefunden, dass Putin nicht nur in der Ukraine zündelt, sondern auch in der Taiga: dort wächst bekanntlich das berühmt-berüchtigte russische Skandalholz (wer erinnert sich nicht an die zahllosen Sex-Skandale der – ähem – „strammen Stämme“ der sibirischen Tannen?!), das der Schurke im Kreml an (leider deutsche) Geschäftemacher im Ausland verschachert.

Zum Glück haben die soliden, stets exakt informierten US-Geheimdienste alles im Blick und werden ihrem Präsidenten demnächst ein Memo übergeben, in dem der genaue Zeitpunkt genannt wird, an dem Putin im Hundeschlitten nach Tomsk fährt, um dort persönlich Feuer zu legen. Die Weltpresse, also der „Spiegel“, wird Sie auf dem Laufenden halten!

Das Flaggschiff des BRD-Staatssenders im Full-Propaganda-Modus, kurz vor Schlachtenbeginn

„In Donezk und Lugansk regiert die Angst“: nicht etwa, weil die Ukrops die Gebiete permanent beschiessen und bombardieren und das Kiewer Regime offensichtlich genügend Rückendeckung aus Washington und Brüssel verspürt, um einen Rückeroberungsversuch der Volksrepubliken zu starten – nein, „die Bevölkerung“ lebt in Angst und Schrecken, weil dort „die Separatisten“ eine reine Willkür- und Folterherrschaft errichtet haben, die den geneigten Tagesschaukonsumenten sofort an SED, Stalin und kommunistische Unrechtsstaaten denken läßt.

Jedenfalls genug Menschenrechtsverstöße, um JEDEN Krieg zu deren Beendigung für NATO-gehirngewaschene Westbürger nicht nur plausibel, sondern dringend geboten erscheinen läßt. Kriege für „Menschenrechte“ und gegen schlimme Folterherrschaft sind ja sozusagen eine NATO-Spezialität.

Ist was dran an den Vorwürfen willkürlicher Verhaftungen, illegaler Einkerkerung und Folterungen in den Volksrepubliken Donezk und Lugansk? Die „Tagesschau“ selber gibt zu Protokoll, das „aus den Separatistengebieten im ukrainischen Donbass kaum Nachrichten (dringen)“ – außer diese detaillierten Informationen an die „Tagesschau“ natürlich, die zwar wohl schon ein paar Jahre alt sind, aber gerade jetzt erst recht veröffentlicht gehören – schließlich muß die Bevölkerung der NATO-Staaten in Kriegsstimmung versetzt werden.

https://www.tagesschau.de/ausland/europa/donbass-folter-gefangenschaft-101.html

Geschichten aus dem Pflegeheim: Sterben II

Als ich morgens um 7:30 Uhr zur Arbeit erscheine, rollt mir im Gang auf dem Wohnbereich Herr T. entgegen, einer der auffälligsten und profiliertesten Bewohner der Einrichtung. Er ist nicht nur im Bewohner-Beirat und ein unermüdlicher Kämpfer für die Interessen der Bewohner (und seines eigenen an gutem Essen), sondern ein ausgesprochen artikulationsfähiger Mann, der kein Batt vor den Mund zu nehmen pflegt und mit seinem teilweise ätzenden, aber nie bösartigen Frozzeleien Mitbewohner und Mitarbeiter regelmäßig zum Lachen bringt.

In meinem Comicprojekt vom vorletzten Jahr sorgte er fast im Alleingang für den Fortgang des Storyboards und der Dialoge unter den zu Superhelden mutierten Bewohnern, denen der Comic („Superhelden mit Rollator“) ein Denkmal setzt. Er selbst wählte für sich die Superhelden-Identität des „Gewaltigen T.-Man“, eine Pflegeheim-Ausgabe des grünen Giganten HULK, der mit allen Ungerechtigkeiten und Mängeln in der Einrichtung aufräumt.

Herr T. ist seit einigen Wochen (wenn nicht Monaten) nicht mehr so präsent und wahrnehmbar wie zuvor; selbst im „Frühschoppen“, zu dessen „Präsidenten“ wir ihn ernannt haben, tauchte er beim letzten Mal nur mit Verspätung und ungewohnt diskussionsunlustig auf. Heute ist er zwar frisch geduscht, wirkt aber blass und aufgedunsen. Außerdem ist er nur im T-Shirt über der Trainingshose unterwegs, auch seine Brille fehlt. Ich frage ihn, was los ist und wo seine Brille ist. Seine Antwort ist ein längerer Satz, den ich kaum verstehen kann, weil seine Stimme sehr verwaschen klingt. Ich entnehme ihm aber die Information, dass er seine Brille „verlegt hat“.

Wir verabschieden uns fürs Erste und Herr T. rollt weiter Richtung Speisesaal. Zwei Stunden später – ich kümmere mich gerade um die größtenteils demente Klientel der „Tagesgruppe“ – erscheint plötzlich die Wohnbereichsleiterin: „Du, der Herr T. ist gerade gestorben!“. Herr T. ist nach dem Frühstück in sein Zimmer zurückgekehrt, ließ sich von einem Pfleger ins Bett helfen (Herr T. ist ein großer, massiger 150-KG-Mann) und zudecken. Er sagte „Ich bin müde, ich will noch ein bißchen schlafen…“. Dann rang er plötzlich nach Luft, verdrehte die Augen und starb.

Ganz überraschend kommt sein Tod nicht, denn er hatte erhebliche gesundheitliche Beschwerden; angefangen bei seiner schweren Diabetes bis zu Wassereinlagerungen am ganzen Körper und einiges mehr. Typisch für Herrn T., bestimmte er per Patientenverfügung und klarer Ansage an alle, die es angeht, dass er keine Reanimation, keine lebensverlängernden Maßnahmen und keine Krankenhausaufenthalte wünscht, wenn sein Gesundheitszustand sich gefährlich verschlechtert.

„Ich bin jetzt 80 Jahre alt geworden, mir reicht´s. Ich hab vom Leben nichts mehr zu erwarten“, konstatierte er mir gegenüber vor einiger Zeit.

Herr T. und ich hatten eine spezielle Verbindung, die sich in der Hauptsache aus unserem gegenseitigen Verständnis für den Humor des anderen speiste. Außerdem noch aus einer Art gegenseitigem Respekt für unsere völlig unterschiedlichen, aber offen(siv) vertretenen Ansichten über Gott und die Welt – obwohl er mich unter verschärftem Kommunismusverdacht hatte und gerne über politische Themen stritt. Zusätzlich verband uns die Liebe zum Fußball. Kurzum: Herr T. war einer der paar Personen im Heim, die aus der Menge herausragen und durch Auftreten, Wortmeldungen und ihre ganze Art so etwas wie das Salz in der Suppe in der Bewohnerschaft sind.

Die „Abschiedsritual“ genannte Zusammenkunft von Angehörigen, Mitbewohnern und Pflegekräften an seinem Totenbett ist voll wie noch keine bisher. Obwohl die beiden Söhne von Herrn T. nicht dabei sind (einer wohnt zu weit weg, der andere hatte sich kurz zuvor noch einmal von ihm verabschiedet), sind viele Bewohner und reichlich Kollegen gekommen. Ich halte mich mehr oder weniger an den für solche Gelegenheiten vorgegebenen Ablauf und dessen Wording, improvisiere aber diesmal mehr als sonst, weil es nun mal Herr T. Ist, der hier tot vor uns liegt. Ich erzähle ein bißchen über meine Erlebnisse mit ihm, auch von den anderen hat fast jeder etwas beizutragen. Ein spanischer Mitbewohner, seit einem Schlaganfall nicht mehr des Sprechens mächtig, bricht immer wieder in Tränen aus und erinnert sich und uns mit Gesten daran, dass Herr T. – obwohl selber im Rollstuhl – ihm immer geholfen habe, ihn geschoben habe, Fahrstuhltüren aufgehalten habe usw. Man spürt, wie sehr er Herrn T. mochte.

Nach einem sehr schönen Gedicht und einem alten gälischen Segen („Der Friede der Wellen des Meeres sei sein, Der Friede des Fließens der Lüfte sei sein, Der Friede der ruhigen Erde sei sein…“ usw.) muss ich – immerhin befinden wir uns in einer diakonischen Einrichtung – auch das Vaterunser vorlesen. Bis auf mich können es sowieso alle auswendig und sprechen es mit. Das gemeinsame Rezitieren verbindet die Anwesenden (und den Toten, möchte ich hoffen) und ich habe das Gefühl, dass es auch ein Auszug aus der Bhagavadgita, dem Talmud oder Quran, oder ein anderer poetischer Text hätte sein können – entscheidend ist, dass durch solche Texte und die rituelle Verlesung der Sinn der Anwesenden zur Ruhe kommt und sich dem Unbekannten zuwendet, das der Tod für jeden ist.

Herr T. bzw. sein Körper liegt da, als ob er jeden Moment die Augen aufschlagen und mit charakteristischer Kurzangebundenheit die Leute im Zimmer anknurren könnte: „Was soll denn der Auflauf hier? Raus aus meinem Zimmer!!“ Tut er aber nicht, er ist bereits unterwegs in die nächste Dimension und auch ich nehme innerlich Abschied von einem Heimbewohner, der mir ein bißchen mehr als andere ans Herz gewachsen ist.

Schlauchfuchs Biden gegen irren Kreml-Diktator

Bin ein bißchen enttäuscht vom Russen. Keine Invasion, stattdessen lauwarmer Truppenteilrückzug. Das kann Putin besser!

Aber, klar: Wenn unser Friedens-Olaf in Moskau Zar Putin die Leviten liest, kneift der Gottseibeiuns im Kreml natürlich, die Memme.

Nur gut, dass unsere freien Medien immer super auf dem Laufenden sind; nach der absolut zuverlässigen Kriegsankündigung für heute – die der fiese Iwan aus iwanesischer Bosheit einfach ignoriert hat! – wissen führende Qualitätsmedien sofort, dass wir den Russen diesmal voll reingelegt haben.

Leider nicht unser Friedenskanzler Olaf, sondern der Oberchef der ganzen Freiheit, der US-Präsident. Ja, genau der! Der ist nämlich garnicht dement und kann keinen geraden Satz lesen, wenn die Schrift auf seinem Teleprompter nicht mindestens in 72pt da steht – nein, der ist voll der schlaue Fuchs, der den Putin auf Augenhöhe ausgekontert hat.

Und das, obwohl der irre Diktator im Kreml, der natürlich leider auch jetzt noch “angreifen oder andere verrückte Dinge tun” kann, sich selber – haha – für einen gewieften Taktiker hält.

DIESMAL haben wir’s ihm aber sowas von gezeigt – das tut unserem gebeutelten westlichen Freiheits-Ego so richtig gut!

Diese wertewestliche Überlegenheit über Diktatoren, Autokraten und andere Feinde unserer regelbasierten Ordnung steht einerseits ohnehin fest, andrerseits darf, kann und muss man – sich selbst vor allem – immer mal wieder daran erinnern: und das ist dann auch die edelste Aufgabe der freien Presse des freien Westens und der großartigen Freiheit, die die freie NATO so einzigartig wirkungsvoll garantiert.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Sterben

Frau M., seit knapp einem Jahr Bewohnerin der Einrichtung, liegt im Sterben. Nach zwei Oberschenkelhalsbrüchen hintereinander (auf jeder Seite einer) und den dazugehörigen Krankenhausaufenthalten, außerdem stark dement, ist sie als palliativer Pflegefall und Kandidatin für den Hospizdienst ins Pflegeheim zurückgekehrt.

Zunächst hat sie noch ein bißchen von der Nahrung zu sich genommen, die man ihr anreichte und ließ sich auch lagern und den Mund pflegen – jetzt ist sie seit einer knappen Woche ohne Nahrung und ohne Medikamente in der präfinalen Phase. Ihr Mund steht immer offen und wird ab und zu mit einem Schwämmchen befeuchtet. Geöffnet sind auch ihre Augen, die sie im Wachzustand nicht einmal mehr zum Blinzeln schließt.

Die Pflegekollegen versuchen, sich in ihrem normalen Dauerstress Extrazeit für sie freizuschaufeln; trotzdem liegt sie oft stundenlang alleine in ihrem Zimmer und stirbt vor sich hin. Heute nehme ich mir vor, meine Arbeitszeit der Sterbebegleitung von Frau M. zu widmen.

Ab mittags sitze ich an ihrem Bett, halte ihr die Hand, spiele ihr beruhigende Musik vor und rede gelegentlich mit ihr. Sie ist eindeutig auf den letzten Metern ihrer Lebensreise angelangt; ihre Kraft reicht gerade noch zum Atmen, ihr Atem wird kürzer und schneller. In dieser Phase ist es wichtig, einfach da zu sein und dem Sterbenden durch ruhige Präsenz zu vermitteln, dass das, was ihm widerfährt, der natürliche Lauf der Dinge und nichts zum Fürchten ist.

Da ich nicht weiß, ob sie religiös ist oder nicht, wähle ich meine Worte vorsichtig und eher allgemein. Ich erzähle ihr, dass ich jetzt bei ihr bleibe und dass das, was ihr jetzt passiert, allen Menschen passiert; dass sie jetzt dahin zurückgeht, wo sie hergekommen ist, so wie Wasser sich in Wasser ergießt oder wie eine Wolke sich in den Himmel auflöst…

Ihre Augen schließen sich ein bißchen und eine Träne rollt aus ihrem linken Auge. Inzwischen ist es vier Uhr nachmittags, die Pflege hat Frau M.s Sohn angerufen und ihm gesagt, dass er jetzt kommen müsse, wenn er noch von seiner Mutter Abschied nehmen möchte. Der Sohn hat sich so gut wie noch nie blicken lassen, auch in den letzten Monaten nicht, als ihr Zustand bereits zusehends schlechter wurde.

Auch jetzt mault er zunächst etwas rum, beschwert sich über die Testpflicht, die seinen Besuch erschweren würde und gibt sich alles andere als erfreut, dass man ihn überhaupt anruft. Schließlich höre ich aber von einer Pflegekollegin, dass der Sohn um 18:00 kommen wolle. Ich hätte eigentlich um 17:00 Feierabend, beschließe aber, dass ich Frau M. jetzt nicht alleine lasse und bleibe an ihrem Bett sitzen.

Um kurz vor 18:00 erscheint dann der Sohn. Als die Pflegekraft ihn in das Zimmer seiner Mutter führt, ist er überwältigt und erschrocken vom Anblick der sterbenden Frau. Er weiß sich nicht anders zu helfen als laut herauszuplatzen „Was ist denn das für eine Scheiße hier?!“.

Zögernd und zitternd setzt er sich auf den von mir freigemachten Stuhl und fragt überflüssigerweise, ob es jetzt zu Ende gehe mit seiner Mutter. Dann blickt er uns hilflos an und sagt: „Ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll oder machen soll…“

Wir antworten ihm, dass es nicht darauf ankommt, was er sagt oder tut, sondern darauf, dass er einfach da ist, bei seiner Mutter, und dass sie nicht alleine ist in ihren möglicherweise letzten Stunden. Die diensthabende PFK bietet ihm noch an, dass er solange bleiben kann, wie er will und ich mache mich auf den Heimweg.

Auf der Rückfahrt überlege ich, wieso fast alle Leute so hilf- und ratlos angesichts von Tod und Sterbeprozess sind; wie sie es schaffen, dieses Thema so weit von sich wegzuschieben, dass sie völlig überwältigt und nahezu panisch werden, wenn es sie irgendwann und unvermeidlich doch einholt. Und ich frage mich, ob der Besuch ihres Sohnes Frau M. ihren Abschied von dieser Welt erleichtert hat und ob sie morgen noch am Leben ist.

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Edit 24 Std. später:

Frau M. ist kurz nach dem Besuch ihres Sohnes gestern Abend um 21:45 gestorben.

Zweimal Propaganda, getarnt als Journalismus:

1) „Wir schreiben es, die anderen schreiben es – wenn alle es schreiben, wird’s schon stimmen!“

So geht Selbst-Referenzialität: erst die CIA-gesteuerte Kriegshysterie als kongenial russophobes Lautsprecherorgan verstärken und multiplizieren, dann in den westlichen Hofmedien nachschauen und feststellen, dass die alle dasselbe machen: nämlich Kriegsangst zu schüren und Kriegsstimmung anzuheizen – um daraufhin ganz neutral und journalistisch-sachlich zu konstatieren, dass ja wohl „niemand mehr an eine friedliche Lösung zu glauben scheint“.

Dass der Failed State an der russischen Westgrenze seit dem Putsch 2014 so massiv vom Westen aufgerüstet wurde, dass aus einer desolaten, schlecht ausgerüsteten Armee eine ziemlich schlagkräftige Truppe unter der Anleitung (wenn nicht dem Kommando) westlicher „Berater“ geworden ist, und dass diese modernisierte ukrainische Armee samt ihrer faschistischen Hilfstruppen an die 100.000 Soldaten an der Kontaktlinie zu den abtrünnigen Volksrepubliken zusammengezogen hat, erfährt der durchschnittlich informierte, also russophobe, Medienkonsument im Reich der Freiheit nicht.

Dafür weiß er dank „Spiegel“, dass die Militärmanöver der Russen auf russischem Territorium erstens eine „Aggression“ und zweitens „Putins Truppenaufmarsch“ sind. So wie kleine Jungs eben mit ihren Plastiksoldaten im Sandkasten Krieg spielen – nur dass der fiese Oberrusse leider in echt seinem morbiden Spieltrieb frönen kann.

2) Strenger, aber gütiger Vater der freien Welt droht ungehorsamem Autokraten – schlimmer Feindstaat-Despot klagt und jammert bloß rum!

Eine Umkehrung der Verhältnisse dichtet das Ostfrontmagazin aus Hamburg in die Gespräche der beiden Präsidenten: das „Stopp!“ Russlands zur ungebremsten NATO-Aggression und -Expansion, das dem kollektiven Westen zum ersten Mal auch in Europa klarmacht, dass die Zeiten rücksichtsloser Durchsetzung des imperialistischen Kriegsbündnisses vorbei sind und ab jetzt auch Russlands Sicherheit zu berücksichtigen ist, findet mit keiner Silbe Erwähnung im Chor der hysterischen Bellizisten der NATO-Presse.

Dort wähnt man sich in der Rolle des friedliebenden Verteidigers universal gültiger Freiheits- und Menschenrechte, der völlig zu unrecht von einem autokratischen Despoten der Aufrüstung und Aggression beschuldigt wird. Schon deshalb muß der Weltchampion der Freiheit und Demokratie als Anführer der westlichen Welt(-Ordnung) mit dem Mann Klartext reden, und das bedeutet: ihm klarmachen, wo seine Grenzen sind.

Nämlich da, wo er es wagt, das Weltherrschaftsmonopol der USA und deren NATO in Frage zu stellen. Tatsächlich ist das zerbröselnde imperialistische Lager – in sich zerstritten und bestehend aus waschechten KONKURRENTEN um die Aufteilung und Ausplünderung der Welt – gar nicht mehr fähig, die russische Macht mit einer glaubhaften militärischen Überlegenheit klein zu halten (schon garnicht seit der epochalen – von den Westmedien eher ignorierten oder heruntergespielten – strategischen Partnerschaft Russlands und Chinas).

Die imperialistische „regelbasierte Ordnung der internationalen Beziehungen“ (ein Euphemismus der USA und ihrer Vasallen für „Wir sagen euch, wo’s langgeht und wenn ihr euch nicht dran haltet, gibt’s Sanktionen und Krieg“) wird zusehends ersetzt durch die im wesentlichen von China ausgehende Neudefinition der internationalen Beziehungen zu solchen des gegenseitigen Nutzens im Sinne der friedlichen Entwicklung aller Staaten in einer multipolaren Welt.

Nicht Russland, sondern der kollektive Westen ist der Schurke in diesem Stück, während seine politischen Vertreter und ihre Hofschranzenpresse den Plot so darstellen, als sei hier ein Paria der Staatenwelt leider am Durchdrehen (aus beleidigtem Ego, so wird vermutet) und müsse nun von der internationalen Gemeinschaft eingehegt werden – mit etwas gutem Willen, aber auch mit der unmißverständlichen Androhung der Prügelstrafe bei weiterem Fehlverhalten. So eben, wie man es bei renitenten Zöglingen macht, wenn man merkt, dass die frech werden und über die Stränge zu schlagen drohen.

Nur dass erstens die „internationale Gemeinschaft“ lediglich aus der Handvoll imperialistischer Hauptmächte samt ihres abhängigen Vasallenanhangs be- und dem Rest der Staatenwelt gegenübersteht, und dass zweitens in diesem sogenannten „Ukraine-Konflikt“, der von den eifrigsten medialen Kriegshetzern bereits zum „Russland-Konflikt“ emporgeschrieben wurde, es die Russische Förderation ist, die die Ansagen macht und die Bedingungen stellt.

Die „Deeskalation“, um die sich der Westen nach Ansicht seiner Medien so händeringend bemüht, ist daher einerseits gar nicht beabsichtigt, andrerseits aber ausschließliche Hausaufgabe des Kriegsbündnisses und seiner Führungsmacht. Sie wäre ja leicht und einfach zu haben: die NATO bräuchte bloß einen Beitritt der Ukraine ausschließen, ihre Russland bedrohenden Raketen aus Europa abziehen und endlich die russischen Sicherheitsinteressen als ebenso berechtigt wie die eigenen anzuerkennen.

Allein dass sie diese in der russischen Note enthaltenen elementaren Bedingungen eines militärischen „Rückbaus“ und Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander alle europäischen Staaten kategorisch ablehnt und als „unrealistisch“ oder „unverhältnismäßig“ abkanzelt, zeigt die Aggressivität und den unveränderten Weltherrschaftsanspruch des US-Imperiums. Es hat aber keine ausreichenden Mittel mehr, dieser Hybris entscheidende Taten folgen zu lassen – Stichwort „imperiale Überdehnung“ – egal welche aberwitzigen Trilliardensummen die Washingtoner Oligarchie noch in ihren Kriegs- und Rüstungsapparat stecken mag (auf Kosten der zunehmend verelendenden amerikanischen Bevölkerung).

Die journalistische Begleitmusik zu diesem Abschiedskampf des Imperiums um Bedeutung und Beherrschung einer sich rapide ändernden Welt müsste eigentlich ein Trauermarsch sein, oder ein dissonantes Zwölftonstück, gespielt auf einer Müllhalde – es ist aber immer noch der Triumphmarsch und die Siegesfanfaren eines Kalten Krieges, den der Imperialismus vor 30 Jahren gewonnen hatte, dessen heutige Neuauflage er aber nicht mehr gewinnen kann.

Die Niederlage des kollektiven Westens, die das Ende einer ganzen Epoche ist, zeichnet sich ab und spiegelt sich medial-propagandistisch wieder in den immer fanatischeren Lobpreisungen, mit denen seine Medien die eigenen „Werte“, die man den Feinden im Osten entgegenhält, als einzig senkrechte Glaubenssätze ikonisieren; in den immer dümmeren Lügenmärchen, die den Leuten aufgetischt werden („russischer Angriff erfolgt Mitte nächster Woche nach Scholz-Besuch in Moskau!“); schließlich in der immer depperteren Dämonisierung des Feindes, gepaart mit einer ideologischen Selbstgerechtigkeit, deren Fremdschämfaktor ungeahnte Höhen erreicht.

Zweierlei Untersagung

Man stelle sich spaßeshalber mal vor, es hieße:

Mit ziemlicher Sicherheit würden sich ganze Heerscharen von empörten Freiheitsvorkämpfern der Feder gegenseitig überbieten, die abscheuliche kommunistische Diktatur in Beijing als freiheitsfeindliche Autokratie zu entlarven, die keine Opposition zulässt und noch nicht mal eine Demonstration für die Freiheitsrechte der eigene Bürger erträgt.

Es wäre (mal wieder) der schlagende Beweis erbracht, das sich auf der Bühne der Welt Freiheit, Demokratie und WERTE einerseits sowieso Überwachungs- und Verbotsstaat und Diktatur andrerseits gegenüberstehen; gleichzeitig würde von „Spiegel“ bis „Tagesschau“, von „FAZ“ bis „taz“, leitartiklerisch eloquent beweint, dass der Freiheitsbegriff des libertären Westens den asiatischen Despoten einfach nichts bedeutet (und dem kommunistischen schon gleich nicht), weshalb es unsere offene Gesellschaft im Ringen um ihre zutiefst humanitären Werte so schwer hat gegen autokratische Freiheitsfeinde.

Wie gesagt: man stelle sich das spaßeshalber mal vor.