
Heute früh in der Schlange beim Metzger.
Eine sehr rüstige, sehr elegant gekleidete alte Dame sagt, als ich mich neben sie stelle, mit einem Seufzer: „Da stehen wir schon wieder in der Schlange…“
Ich: „Ja, aber nicht wegen Mangel, sondern wegen Überfluss!“
Ich kann mir nicht verkneifen, hinzuzufügen: „Wer weiß, wie lange noch?“
Sie schaut mich kurz an, um einzuschätzen, mit wem sie es hier zu tun hat, ordnet mich offensichtlich unter die Kategorie „Zurechnungsfähiger Mitbürger“ ein und sagt, erneut tief seufzend: „Ja, man kann nur hoffen, dass möglichst alles irgendwie so bleibt, wie‘s ist…“
„Das glauben Sie doch nicht wirklich, oder?“ entgegne ich ihr.
Jetzt nimmt sie mich genauer in Augenschein, guckt mir in die Augen und sagt: „Nein.“ Sie ergänzt: „Ich sag mir immer, ich bin nur froh, dass ich so alt geworden bin. Das was jetzt kommt, möchte ich nicht erleben müssen.“
Dem kann ich mich natürlich anschließen, auch wenn ich etwa zehn Jahre jünger bin als die alte Dame. Wir plaudern noch ein bisschen über die kommenden harte Zeiten und das Elend einer verrückt gewordenen Welt, bis wir an der Reihe sind und uns endlich wieder nahe liegenden und praktischen Dingen des Lebens widmen können, wie dem Einkauf das Hackfleisches und der Auswahl des Aufschnitts.
Ich verlasse den Laden mit der Bestätigung meines Eindrucks, dass die Leute ziemlich genau wissen, was los ist. Nur haben sie – wenn überhaupt – lauter falsche Erklärungen dafür.
















