Kriegsverbrechen und ihre Unterstützer

Diese beiden Kinder wurden lebend aus den Trümmern gerettet, die Resultat eines israelischen Bombenangriffs auf ein Flüchtlingslager sind.

Zehn- bis fünfzehntausend Tote bis jetzt durch die israelischen Bomben auf Gaza, ca. 4.000 davon Kinder. Ein Mehrfaches an teilweise schwerst verletzten Opfern der unaufhörlichen, wahllosen Bombardierungen, ohne dass die Möglichkeiten bestehen, sie wenigstens notdürftig zu versorgen.

Unter den 10-15.000 sicher gelegentlich auch mal ein Hamas-Mitglied.

Grausamer als die unterschiedslose Bombardierung von Frauen, Kindern und alten Menschen scheint mir die mentale Akrobatik zu sein, mit der Unterstützer Israels auch solche Kriegsverbrechen zu rechtfertigen wissen:

Mit dem „Recht zur Selbstverteidigung Israels“, wohlgemerkt das „Recht“ eines Okkupationsregimes, sich in den von ihm illegal besetzten Gebieten zu „verteidigen“ – nämlich gegen den ohnmächtigen Widerstand der entrechteten Besetzten.

Und wenn dieser Widerstand mal ein bißchen (oder deutlich weniger) ohnmächtig ausfällt, ist für die Unterstützer der israelischen Besatzungsmacht klar, dass hier nur Terroristen und menschliche Tiere am Werk sein können.

Die Rechtfertigung und Unterstützung der israelischen Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung macht alle westlichen Politiker und Medien zu Komplizen dieser Kriegsverbrechen.

Geschichten die das Leben schrieb: wie ich mal durch ein im Fernsehen gesendetes Interview ganz unbeteiligt zu Schaden kam

Aus Richtung Fernseher dringt der pseudo-einfühlsame professionelle Reportertonfall eines der unaufhörlichen Expertengespräche zum Thema Nahostkrieg an mein Ohr.  Die verlogene Intonation und die standardisierten Sprachregelungen verraten mir, dass es sich um einen der ganz oder teilweise vom deutschen Staat kontrollierten Sender handeln muss.

Ich versuche, so gut es geht, wegzuhören und mich meiner mehr oder weniger kreativen Tätigkeit in meiner Lese- und Zeichenecke zu widmen. Aus dem Interview, das Dunja Halali mit irgendeinem „Experten“ oder Regierungsvertreter führt (ein ausländischer, da der Mann übersetzt wird), dringt trotz meiner Ignorierungsbemühungen ein Satz an mein Ohr, der heraussticht aus dem Einerlei gegenseitiger Bestätigung imperialistischer Moral, welches hier von Interviewtem und Interviewerin für das Fernsehpublikum inszeniert wird.

„Nun ist es ja selbstverständlich, dass Israel das Recht zur Selbstverteidigung gegen den Terror hat, aber bei der Gegenreaktion kommen ja unvermeidlich auch Zivilisten zu Schaden…“, problematisiert die Staatsenderjournalistin in Richtung Gesprächspartner. Was dieser antwortet, höre ich schon nicht mehr (irgendein Bedauern über und Rationalisieren des „Unvermeidlichen“ wird es sein; der Mann ist wohl entweder amerikanischer oder israelischer Militär oder Politiker). 

Vor den Augen der Welt findet also nicht ein erbarmungsloser Bombenkrieg gegen die eingesperrte palästinensische Zivilbevölkerung des Gaza-Streifens statt, jedenfalls nicht für Journalisten deutscher Leitmedien, sondern „es kommen auch Zivilisten zu Schaden“. Diese Späne, die nun mal leider anfallen beim durch und durch gerechtfertigten antiterroristischen Hobeln der israelischen Armee, sind – so suggerieren es Reporterin und Befragter – zwar irgendwie nicht sehr schön. Man würde sie auch gerne möglichst vermeiden, aber – verständige Menschen wissen das – es gibt im Krieg nun mal leider auch Opfer. 

Beziehungsweise eigentlich gar keine Opfer, sondern von Pech heimgesuchte Zivilisten, die bei einem unvermeidlichen Geschehen „zu Schaden gekommen“ sind. Sie stellen insofern höchstens ein theoretisches, weil moralisches, aber kein wirkliches Problem dar für die erfolgreiche Kriegführung Israels und deren mediale Nachbeter. 

Der abgebrühte Zynismus der Formulierung „zu Schaden kommen“ für die Opfer eines Bombenterrors, der genozidale Züge hat, passt zu dem kürzlich durchgesickerten Brevier mit Sprachregelungen für die ganz oder teilweise vom deutschen Staat kontrollierten Sendeanstalten. In diesen Anweisungen wird im Detail festgelegt, wie und mit welchen Ausdrücken und Formulierungen Nachrichtensprecher, Reporter usw. dem Publikum den gegenwärtigen Nahostkrieg zu vermitteln haben. Das sprachliche Framing dient dazu, die Handlungen der israelischen Seite als gerechtfertigt und notwendig, die der Hamas dagegen als terroristisch und archetypisch böse darzustellen.

Während ich die aufsteigende Übelkeit in mir bekämpfe, sinniere ich darüber, wie Frau Halali wohl drei Generationen zuvor ihre militärisch-politischen Gesprächspartner befragt hätte. Vielleicht so: „Herr Eichmann, nun sind ja in den Konzentrationslagern auch Zivilisten zu Schaden gekommen, was können Sie den Zuschauern an der Heimatfront denn dazu mitteilen…?“. Und Eichmann so: „Danke für diese Frage, Frau Halali. Zunächst mal muss ich festhalten, dass es natürlich unser gutes Recht ist, uns gegen den jüdisch-bolschewistischen Terror zur Wehr zu setzen…“ usw.

Ich komme zu dem Schluß, dass bei der Berichterstattung über die Konflikte auf der Welt (vor allem aber bei der über den Krieg Israels gegen Gaza) vor allem Journalismus, Ehrlichkeit und jeder menschliche Anstand auf Seiten der politischen und journalistischen Kriegsbefürworter zu Schaden gekommen sind. Und die Gehirne der Fernsehkonsumenten, die dieser Propaganda täglich ausgesetzt sind.

Milde Gaben und Wohltätigkeit für bedürftige Loser der Konkurrenzgesellschaft: alle Jahre wieder und inzwischen das ganze Jahr über

Man kann dem Kapitalismus und den Medien vorwerfen was man will, aber die Armen und Zukurzgekommenen, die Erniedrigten und Beleidigten sind nicht vergessen! Im Gegenteil: gerade wenn’s auf Weihnachten zugeht erinnert man sich gerne, häufig und voller Mitgefühl an all die Existenzen, die es in unserer freiheitlichen Gesellschaft leider nicht geschafft haben, in der Konkurrenz zu bestehen.

Dass es ihr höchst eigener Fehler ist, wird dabei nie in Frage gestellt. Vielleicht auch mal ein unglückliches Schicksal, mitunter Pech, aber auch daran – GERADE daran! – beweist sich immer wieder erneut (oder eben nicht), ob einer das Zeug hat, sein Leben zu meistern, aus eigener Initiative das Beste daraus und sich zu einem funktionierenden Subjekt des Konkurrenzkampfes zu machen.

Auf dieser selbstverständlichen Basis werden die bedauerlichen Einzelschicksale – es sind immer nur Einzelschicksale – abgehandelt. Gerne gezeigt werden lobenswerte Initiativen mitleidiger Bürger, die froh sind, selber nicht im absoluten Elend gelandet zu sein und das Los der „Bedürftigen“ durch ein bißchen Hilfe und ein paar milde Gaben zu erleichtern. Mit warmer Stimme, beglückt ob soviel mitmenschlicher Hilfsbereitschaft, berichtet ein Moderator im MDR von einigen Hausfrauen und Rentnerinnen in Halle, die im Rahmen des „Eine Tasche voller  Wärme“-Projektes der Malteser um die Wette häkeln oder stricken. Das alles hat irgendwie mit einem Hilfsprojekt für (genau:) „Bedürftige“, nämlich in diesem Fall Obdachlose, zu tun. Diese hat man auf jeden Fall zu bedauern, denn ihr trauriges Schicksal ist bekanntlich so gottgegeben wie es – sind wir doch mal ehrlich – beinahe unvermeidlich ist, wenn einer es an der nötigen Leistungsbereitschaft und Initiative fehlen lässt.

Dass die „Bedürftigkeit“ wohnungsloser Leute zuerst und fundamental durch den Bedarf nach einer Wohnung definiert wird, zählt hier nicht. Es würde auch zu viele Fragen aufwerfen, die keiner beantworten kann und will, der nicht als Radikalinski oder gar Kommunist gelten will. Es gibt in der Freiheit leider nun mal nicht genug Wohnungen für alle, das ist eben Marktwirtschaft, was will man machen. Bzw. das was zu machen wäre, nämlich einfach Mittel bereitstellen und Wohnungen bauen – genau DAS wäre nicht nur unmarktwirtschaftlich und staatlicher Dirigismus, sondern würde letzten Endes und im Grunde genommen auch den Wohnungslosen den nötigen Anreiz nehmen, sich selbst um ihr Fortkommen in der Wettbewerbsgesellschaft zu bemühen.

So kann man viele Sendestunden füllen mit herzergreifenden Geschichten über das Menschlich-Allzumenschliche der sich ausbreitenden Armut. Man kann darin schöne Botschaft erzählen, wie ein selbstloses Miteinander und praktische Nächstenliebe immer wieder für ein Lichtlein in der Dunkelheit sorgen. In der Dunkelheit, die das menschliche Leben nun einmal IST, und an der keiner etwas machen kann, außer (immerhin!!) durch solche Gesten tätiger Nachbarschafts- oder Obdachlosenunterstützung. 

Wieder einmal ist bewiesen, in was für einer grundsätzlich schönen und vielleicht nicht immer gerechten, aber wenigstens um Linderung der schlimmsten Auswüchse ringenden Welt wir leben. Der Zuschauer wird in den Abend entlassen mit dem wohligen Gefühl, dass es erstens für die armen Schweine ja doch ein bißchen Mildtätigkeit gibt und dass zweitens und vor allem er selber noch ein paar Schritte entfernt ist vom Sturz in den Abgrund, der in unserer freien und demokratischen Ordnung jederzeit und für jeden lauert.

„Man muss die Handlungen der Hamas nicht gutheißen. Aber Gründe haben sie.“

„Wie können diese Hamas-Terroristen bloß!“, „Entsetzlich!!“, „Die ARMEN Israelis!!!“, „Jetzt aber ERBARMUNGSLOSE RACHE, äh, sorry SELBSTVERTEIDIGUNG ISRAELS!!!!“ – das sind die mentalen Schritte des medial zugerichteten Bürgerverstandes, wenn es um den Gegenschlag der islamistischen Hamas-Truppe gegen die israelische Besatzungsmacht geht. Eine Besatzumgsmacht, die seit Jahrzehnten Palästinenser entrechtet, zu Menschen zweiter Klasse macht und sie in jeder Hinsicht wie Vieh behandelt. Immerhin wurde der israelische Verteidigungsminister Gallant kürzlich deutlich und sprach von „menschlichen Tieren“, die sein Staat auszurotten gedenke.

Dass auch fundamentalistische Widerstandsgruppen wie die Hamas nur auf dem Mist wachsen, den die Palästinenser seit Jahrzehnten erfahren müssen, darf in der philosemitisch gleichgeschalteten Medienlandschaft der BRD nicht erwähnt werden. Ein Sturm der empörten Entrüstung überzieht jeden, der es wagt, selbständig nachzudenken und NICHT in die vorgegeben Sprachregelungen einzustimmen, die – ganz wie beim Ukrainekonflikt – von Ursachen und Gründen nichts wissen wollen und stattdessen ihr selbstgerecht-moralisches „virtue signaling“ wie die Monstranz bürgerlicher Rechtgläubigkeit vor sich her tragen.

Melina Deymann macht da eine Ausnahme . In der „uz“ benennt sie in paar der guten Gründe, die es für den Widerstand gegen die Apartheids- und Landraubpolitik Israels in den palästinensischen Gebieten gibt:

„Bei der UN-Generalversammlung im September zeigte der israelische Regierungschef schamlos eine Karte, die Israel zeigen sollte – vom Fluss bis zum Meer ohne palästinensische Gebiete, ohne Westbank und ohne Gaza. Unverhohlen zeigte Netanjahu das Ziel der unter seiner extrem rechten Regierung noch einmal intensivierten Siedlungspolitik. Zur Erinnerung: 1993, zur Zeit des Abschlusses der Osloer Verträge, gab es auf der Westbank 75.000 Siedler. Heute sind es 800.000. Den Friedensprozess hat keine israelische Regierung nach der von Jitzchak Rabin auch nur ansatzweise ernst genommen. Das sieht man auch am Freiluftgefängnis Gaza.

Und dann sind da noch die massiven Angriffe auf dem Tempelberg (übrigens auch auf Christen). Frauen werden auf dem Weg in die Al-Aksa-Moschee auf offener Straße verprügelt, die Polizei schaut meistens weg, die Moschee wird regelmäßig gestürmt, Gebete gestört. Auch aus Jerusalem sollen die Palästinenser endgültig vertrieben werden.

Man muss die Handlungen der Hamas nicht gutheißen. Aber Gründe haben sie.“

Die Moral gerechter Empörung: ich hab recht und du bist Feind

Es ist absolut grausig und gleichzeitig selbstentlarvend, was man mit anhören muss, wenn man zufällig mal das endlose Dauergeplärre aus Mainstream-Medien mitkriegt.

So wie bei der speziellen Militäroperation Russlands in der Ukraine die Gehirne der Leute weichgeklopft werden mit der offiziellen Sprachregelung vom „durch nichts gerechtfertigten völkerrechtswidrigen brutalen Angriffskrieg“ – eine Redewendung, die an sich schon ein Trademark Zeichen verdient hätte – wird einem beim aktuellen Nahostkrieg zur Einordnung und zur Abrichtung des demokratischen Untertanengemütes mit jeder Meldung zwingend das Wort vom „Hamas-Terror“ reingedrückt.

Die israelische Armee kann den Gazastreifen ethnisch säubern, in eine Ruinenlandschaft verwandeln, zivile Ziele beschießen, Kriegsverbrechen ohne Ende begehen, ganze Hospitäler mit hunderten oder tausenden von Zufluchtsuchenden bombardieren: das alles relativiert und rechtfertigt sich durch den Hinweis auf „Hamas-Terror ™ “.

Zeitgenossen – Nachrichtensprecher, Bürger, Facebook-Freizeitpolitiker – die den vor den Augen der Weltöffentlichkeit passierenden Kriegsverbrechen in Gaza die gute Seite abgewinnen, dass Israel hier sein Recht auf Selbstverteidigung gegen böse Terroristen ausübt (ganz so, als ob es die fünfzig Jahre Besatzung Palästinas und den alltäglichen Terror der Besatzungsmacht gegen die palästinensische Bevölkerung nicht gäbe), geben einen Grad von Abgestumpftheit zu Protokoll, auf den sie auch noch stolz sind.

Sie adeln ihren praktischen Zynismus mit der moralischen Gewissheit, für die richtige Seite zu sein. Die Wucht ihrer moralischen Empörung („Die haben Israel BOMBARDIERT und GEWALT und TERROR gegen seine Bürger ausgeübt!!!“) muss in ihren Augen alle zum Schweigen bringen, die es wagen, die Gründe für die palästinensische Wut und Verzweiflung zu erwähnen.
Sie unterscheiden sich nicht von islamistischen Kämpfern, die ebenfalls nur für die gute und gerechte Sache kämpfen und sterben, und dabei auch noch ihren allerhöchsten Allah auf ihrer Seite wissen.

Es zeigt sich, deutlicher noch als beim Ukraine-Konflikt, dass MORAL die sicherste Methode ist, das Verständnis der gegensätzlichen Interessen zu verhindern, um deren jeweilige Durchsetzung in solchen Konflikten gewaltmäßig und leichenträchtig GEKÄMPFT und nach Maßgabe der überlegenen Gewaltmittel ENTSCHIEDEN wird.

Kriegsverbrechen begehen nur Russen, Israel übt sein Recht auf Selbstverteidigung aus

Terrorangriff der israelischen Luftwaffe gegen ein Krankenhaus in Gaza, in das sich hunderte von Menschen vor den Bombenangriffen geflüchtet hatten. Angaben zu Todesopfern steigen ständig, inzwischen ist von bis zu tausend Toten die Rede.

Für deutsche NATO-Medien ist das alles nicht bewiesen, man weiß irgendwie nur, dass da wohl eine „Explosion“ in so einem Krankenhaus passiert sein soll, die ein paar, vielleicht auch „viele“ Tote zur Folge hatte – leider, leider, schon irgendwie bedauerlich, aber irgendwie sind sie ja selbst schuld, die Palästinenser, was leben sie auch in Gaza mit der Hamas unter einem Dach!

Viel schlimmer: Olaf der Vergessliche musste während seines Besuchs in Israel in einen Luftschutzbunker! Ohgottogott, diese schlimmen palästinensischen Terroristen!

Ausrutscher beim ZDF: Professorin redet Klartext über israelische Besatzung, Moderatorin wird kaltschweißig

Im ZDF wird Professorin Helga Baumgarten interviewt, Politikwissenschaftlerin und an der palästinensischen Universität Ramallah, zum aktuellen Nahostkrieg und zum durch und durch rätselhaften und völlig unerklärlichen Ausbruch von Gewalt auf allen Seiten.

Zum Entsetzen der unbedarften Sprechpuppe, die ihr Make-up in die Fernsehkamera halten und die Moderatorin geben darf, zählt Frau Baumgarten tatsächlich einige harte Fakten über 50 Jahre israelischen Besatzungsterror auf.

Die Interviewerin ist sichtbar aus dem Konzept gebracht und versucht, einige der erforderlichen Sprachhülsen und Sprechblasen von „Gewalt auf beiden Seiten“ und dergleichen unterzubringen, um das vorgegebene Narrativ noch zu retten, kann aber den von Frau Baumgarten genannten Fakten nichts entgegen setzen:

Westliche Werte (Pressefreiheit zum Beispiel) in Aktion:

„Israel zeigt verstümmelte Babies“ – illustriert mit einem Foto palästinensische Kinder nach einem israelischen Bombenangriff auf Gaza.

Immerhin schreibt das die ehemals seriöse „Times“ klein unter das Bild. Die beabsichtigte Wirkung auf den vorbei gehenden Passanten am Kiosk u.ä. ist ja schon eingetreten: