Zweierlei Untersagung

Man stelle sich spaßeshalber mal vor, es hieße:

Mit ziemlicher Sicherheit würden sich ganze Heerscharen von empörten Freiheitsvorkämpfern der Feder gegenseitig überbieten, die abscheuliche kommunistische Diktatur in Beijing als freiheitsfeindliche Autokratie zu entlarven, die keine Opposition zulässt und noch nicht mal eine Demonstration für die Freiheitsrechte der eigene Bürger erträgt.

Es wäre (mal wieder) der schlagende Beweis erbracht, das sich auf der Bühne der Welt Freiheit, Demokratie und WERTE einerseits sowieso Überwachungs- und Verbotsstaat und Diktatur andrerseits gegenüberstehen; gleichzeitig würde von „Spiegel“ bis „Tagesschau“, von „FAZ“ bis „taz“, leitartiklerisch eloquent beweint, dass der Freiheitsbegriff des libertären Westens den asiatischen Despoten einfach nichts bedeutet (und dem kommunistischen schon gleich nicht), weshalb es unsere offene Gesellschaft im Ringen um ihre zutiefst humanitären Werte so schwer hat gegen autokratische Freiheitsfeinde.

Wie gesagt: man stelle sich das spaßeshalber mal vor.

11.02.2022: Der Russe will und will einfach nicht die Ukraine überfallen!

Und das, obwohl wir uns nun wirklich alle Mühe geben, uns die Finger wundschreiben, jeden Tag aufs Neue die Kriegsstimmung anheizen und ihm immer absurdere Ziele andichten: er tut‘s einfach nicht. Da müssen wir den bisherigen Ukraine-Konflikt“ gleich mal zum „Russlandkonflikt“ hochschreiben, vielleicht begreift er’s dann ja endlich, der Aggressor im Kreml.

#wertewestenbellizisten #sponamdurchdrehen #wannistendlichkrieg

Das Ostfrontmagazin aus Hamburg macht sich wieder verdient um die Feindaufklärung

Auch die Geschichtsschreibung wird wie selbstverständlich eingespannt in den Kampf der freiheitlich-abendländischen Zivilisation gegen den östlichen Despotismus – aus der Roten Armee, die Europa vom Faschismus befreite, wird die „russische Armee“, die „das Grauen“ bedeutet für jeden, der vor ihr fliehen muß. Dem Leser ist sofort klar: Dieses furchtbare Schicksal muß der armen freiheitlichen Ukraine unbedingt erspart werden!

„War, war, rumors of war“ (Bob Marley)

Wohin man kommt, welches Medium man einschaltet, bei der Fahrt zur Arbeit im Autoradio, zuhause aus dem Fernsehgerät: Kriegspropaganda. Die Lügen, mit denen Kriege vorbereitet werden, quellen einem in all ihrer selbstgerechten Feindbildsprache entgegen, egal auf welchem Kanal. Jedenfalls solange es sich um sogenannten Qualitätsmedien des sogenannten Mainstreams handelt. Sie behandeln ihre eigenen Erfindungen und Unterstellungen als Tatsachen, mit denen sie die Bürger in Angst versetzen und, noch wichtiger, auf ihre Seite bringen.

Das Narrativ hat sich verselbstständigt und gilt als unbestreitbares Faktum: der Russe ist schuld. An was, ist fast schon egal; diesmal wird ihm gleich ein ganzer Kriegsplan angedichtet – ausgerechnet gegen unsere Ukraine, die wir mit einigem Aufwand und mit hohen Kosten (5 Mrd. US-Dollar war den USA das Herausbrechen dieses Landes aus der russischen Sphäre wert) auf unsere Seite gezogen haben.

In den Verlautbarungen der westlichen Politiker ist die Schuldfrage bereits vorab geklärt, die dem russischen Handeln zugrunde liegende Aggression des kollektiven Westens gegen die Sicherheit Russlands wird abgetan als Einbildung russischer Großmachtträumer. Die mehr als hunderttausend ukrainischen Soldaten, die „Minsk2“-widrig samt schwerem Gerät und mit von NATO, USA und Großbrittanien zur Verfügung gestellten Kriegswaffen an der Demarkationslinie zu den Volksrepubliken des Donbass stehen, sind den journalistischen Bodentruppen des Wertewestens keine Erwähnung wert.

In der ARD wird eine Karten gezeigt, auf der lauter Punkte rund um die Ukraine gezeigt werden, angeblich alles russische Truppen. Der Kommentar dazu: „Die Ukraine ist eingekreist!“ Die Einkreisung Russlands durch die weltweiten Stützpunkte der NATO und des US-Militärs ist für diese Medien kein Thema, weil das ja DIE GUTEN sind.

Die guten Gründe, die Russland für seine sehr konkreten Forderungen an das westliche Kriegsbündnis hat, werden konsequent ignoriert, totgeschwiegen oder als unsubstantiell abgekanzelt – wieder aus dem Grund, dass wir, also die NATO, ja die GUTEN sind und schon deshalb niemals aggressive Absichten haben können.

Die Journalisten der wertewestlichen Meinungsbildner vermeiden jede Beschäftigung mit konkreten Ursachen und Anliegen der russischen Seite durch geschmäcklerisches Psychologisieren und dem geschwätzigen Rätselraten, ob der östliche Feind „aufgrund Putins Großmannssucht“ oder wegen „mangelndem Respekt“ agiert wie er es tut.

Man kommt sich, wenn man die Medien der westlichen Kriegstrommler konsumiert, vor wie in einem Albtraum, aus dem es kein Entrinnen gibt: eine selbstreferentielle Realität, deren Conditio sine qua non die unhinterfragbare Feindbildprojektion auf Russland (und gleichermaßen auf China) ist. Die Mischung aus Selbstgerechtigkeit und Hybris, mit der der kollektive Westen der Welt als ganzer, und aktuell Russland im Speziellen, gegenübertritt, scheint einem Report aus dem Irrenhaus zu entstammen.

Ein bißchen Hoffnung spendet die stoische Gelassenheit und gleichmütige Faktizität, mit der ein Sergej Lawrow die russischen Positionen vor dem aufgeregten Gegacker seiner westlichen Counterparts vertritt; Hoffnung gibt auch die Nachricht, dass die strategische Partnerschaft Russlands und China einen solchen „Game changer“ für das imperialistische „Great Game“ darstellt, dass die westlichen Säbelrassler vielleicht von ihren kriegslüsternen Abenteuern abgehalten werden.

Geschichten, die die Medien schreiben: Der Interviewgast in WDR 3 macht alles, aber auch ALLES falsch!

Auf dem Weg zur Arbeit höre ich morgens meistens WDR 3. Heute ist natürlich die Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Beijing ein Thema. Die Moderatorin nordet uns Zuhörer ein mit dunkel daher geraunten Hinweisen auf “fragwürdige Menschenrechtslage”, “Gigantismus bei den Sportstätten” und anderen schlimmen Dingen aus dem Propaganda-Kanon wertewestlichen Radioschaffens. Sie kommt schließlich zum Thema “Nachhaltigkeit” und kündigt als Interviewgast einen Mann an, der in irgendeiner IOC-Aufsichtskommission für Sprungschanzenbau sitzt und selber bereits einige Sprungschanzen konstruiert und gebaut hat, ein echter Fachmann also.

Der soll jetzt also etwas zum Thema NACHHALTIGKEIT sagen. Inzwischen weiss oder ahnt der Zuhörer, dass nach Lage der Dinge auch hier alles nur im Argen liegen kann bei einem Unrechtsstaat wie China und harrt gespannt der scheußlichen Details über die verbrecherische Kommunistendiktatur mit den vielen Menschen.

Dann jedoch die Überraschung: der Mann entpuppt sich als bajuwarischer Querschädel, der in extrem kurzen Sätzen rein faktisch zum Thema spricht und mit seinen herzerfrischend trockenen und sachlichen Antworten auf die Fangfragen der Moderatorin gar nicht eingeht.

Die Dame versucht von allen Seiten und in immer neuen Anläufen, ihm irgendeine Verurteilung der chinesischen Olympia-Organisatoren zu entlocken, er aber bleibt unbeeindruckt und berichtet nur, was er vor Ort gesehen hat und dass das alles ziemlich großartig und eindrucksvoll sei.

Die Frau hakt nach: ist es nicht ein grober Verstoß gegen sämtliche Nachhaltigkeitswerte , in einer Hochebene, in der nie Schnee fällt, solche Sprungschanzen zu bauen?

„Das macht ja nichts – das Problem haben wir in den Alpen doch mittlerweile auch“, antwortet der Experte trocken. „Kunstschnee lässt sich ja schnell herstellen. Entscheidend ist die Machart der Schanze, und da kann ich nur sagen, dass die Chinesen Vorbildliches geleistet haben…“

Die Interviewerin bemüht sich erkennbar, die Contenance zu wahren; SO jedenfalls hat sie sich das Gespräch nicht vorgestellt: der Mann lässt ja nicht nur ein, sondern ALLE guten Haare an der chinesischen Planung und Durchführung – und nicht nur das: er LOBT diese kommunistischen. Autokraten auch noch ausdrücklich für die hervorragenden Bauten, die wunderbaren Sportstätten und ihre generelle Art und Weise, solche Großveranstaltungen zu organisieren.

Sie unternimmt einen letzten Versuch, dem Gast doch noch ein paar Negativ-Aussagen über den Feind im Fernen Osten abzuringen und erkundigt sich scheinheilig nach den Auswirkungen solcher Großbauten in einer Gegend, die dünn besiedelt und schwer zugänglich ist. Es ist klar, dass sie spätestens jetzt eine knackige Kritik am Größenwahn der chinesischen Menschenrechtsverbrecher erwartet, die ohne Rücksicht auf Verluste ihrer demokratiedurstigen Bevölkerung Großbauten und -projekte in die Landschaft stellen, die hinterher keine Sau mehr nutzt.

Auch jetzt wieder enttäuscht der Fachmann auf ganzer Linie: die Sprungschanzen und das Wintersportzentrum von Xiaohaituo seien nicht nur schwer “nachhaltig” im Sinne von zukünftiger Nutzung der Sportstätten, sondern ebenso durch die Anbindung des Austragungsortes Xiaohaituo an modernste und superschnelle Züge des ohnehin vorbildlichen chinesischen Eisenbahnnetzes.

Der Interviewgast erzählt, dass er bei der ersten Besichtigung der Orte drei Stunden mit dem Auto fahren musste, um nach Xiaohaituo zu gelangen – heute dauert die Zugfahrt 45 Minuten. Außerdem seien in Zukunft massenhaft Besucher im Rahmen des nationalen Tourismus zu erwarten, so dass auch hier wieder die Nachhaltigkeit- und Ökobilanz allerbestens aussehe.

Die Moderatorin hat genug gehört: dieser Gast will einfach nicht die erwartete Verurteilung Chinas abliefern. Ziemlich unvermittelt und abrupt kommt sie zum Schluß: „Das war der Fachmann für Sprungschanzenbau Herr Sowieso, ich bedanke mich für das Gespräch!“ Sie kündigt die nächste Musik an, das Scherzo B-Dur für Orchester von Modest Mussorgsky und ich fahre feixend den Rest der Strecke zur Arbeit.