Zum Welttag des Hundes: Ein Besuch in der Düsseldorfer Innenstadt

Anlässlich des Welttages des Hundes, der am heutigen 10. Oktober begangen wird (keine Ahnung, wer sich das wieder ausgedacht hat), begab ich mich mit meinem treuen Vierbeiner in die Düsseldorfer Innenstadt, um dort an einer Demonstration gegen Leinenpflicht und für mehr Tierliebe teilzunehmen. Oder so etwas ähnlichem. Die genauen Losungen und Parolen der Demo gingen irgendwie im Gebell der zahlreichen Tölen und Köter unter.

Das erstaunliche war jedoch der klaftertiefe Schlund, der sich inmitten der Düsseldorfer Einkaufspassage in der Innenstadt auftat und in den die Passanten reihenweise hineinstolperten und -stürzten. Am Grund des Schlunds standen von hämisch grinsenden Teufeln gewartete Kessel für die Unglücklichen, in denen die Gefallenen zu einer Art Hirsebrei verkocht wurden, der anschließend an grotesk muskulöse Höllenhunde verfüttert wurde. Scheinbar hatten also auch die Dämonen der Hölle ihren eigenen „Welttag des Hundes“.

Am Merkwürdigsten war allerdings die völlige Ignoranz der Wochenendeinkäufer und Spaziergänger, die allesamt gar nicht bemerkten, welche Gefahr da direkt vor ihren Augen lauerte und sie zu verschlucken drohte. Sie gingen alle ihren verschiedenen Geschäftigkeiten nach und selbst wenn einer von ihnen in den Höllenschlund fiel, registrierte es niemand und alles lief weiter wie gewohnt.

Zu Glück hatte mir irgendjemand ein Glas exzellenten Rotweines gereicht, so daß ich mir das Treiben einigermaßen entspannt anschauen konnte, ohne selbst Gefahr zu laufen, in diesen Schlund zu fallen. Mein Hund zerrte an der Leine und wollte erkennbar weg von dieser merkwürdigen Szenerie, die für seinen Hundeverstand eindeutig zu absurd und ungewohnt war, um sie in seiner gewohnten Weltordnung unterbringen zu können. Da es ja nun mal „Welttag des Hundes“ war und es keinen „free re-fill“ des bemerkenswert edlen Tropfens gab, beschloss ich, mit der U75 nach Hause zu fahren und das Gesehene zu vergessen.

Die unerklärliche Erhabenheit von Bäumen und Gras 

In meiner Wahrnehmung wechselt sich die Präsenz abgrundtiefer Sinnlosigkeit ab mit derjenigen der schier unglaublichen Schönheit der natürlichen Welt um mich herum. 

Ein simpler Spaziergang im Park lässt mich der filigranen und unerklärlichen Erhabenheit von Bäumen und Gras, der Wolken am Himmel, des Bellens der Hunde und des Gekrächzes der Krähen gewahr werden. Man muss nicht im Himmel oder nach dem Tod nach einem Gott suchen, wenn man diese überwältigende Schönheit der Erscheinungsformen rings um sich hat. Gleichzeitig ist das alles extrem zerbrechlich, vergänglich und flüchtig, und vielleicht ist es genau das, was in mir den Eindruck einzigartiger harmonischer Glorie auslöst.

Man möchte durch das Wunder dieser Welt schreiten, behutsam wie durch einen phantastischem Traum, mit dicken, weichen Pantoffeln an den Füßen, um nichts zu zerstören. Und auch, um nicht ins Nichts zu fallen, wenn sich die scheinbare Festigkeit der Welt auflöst in ihre molekularen, atomaren, sub-atomaren und Quantenstrukturen – was gefühlt in jedem Moment passieren könnte. Es gab irgendeinen theoretischen Physiker, ich glaube es war Heisenberg, der die subatomare Realität erforschte und von den gewaltigen Räumen und Distanzen zwischen Atomkernen und den sie umkreisenden Elektronen so beeindruckt war, dass er das Gefühl entwickelte, jederzeit in die Leere dazwischen fallen zu können – er schlurfte daraufhin nur noch mit dicken Filzpantoffeln durchs Haus, erzählt man sich. Jedenfalls ist es das, was bei mir von der Anekdote hängengeblieben ist.

Mir fehlt heute die Faszination, der intellektuelle Genuss, die ich früher bei solchen Geschichten und Erkenntnissen empfunden habe. Die Wahrnehmung ist direkter und nimmt keinen Umweg über den Intellekt, laienhaft ausgedrückt. Natürlich ist mir klar, dass Gefühl und Verstand nicht zu trennen sind und dass die auf Wahrnehmung beruhende Einordnung und Benennung einer Sache bereits ein intellektueller Vorgang ist.

Ich glaube, früher habe ich versucht, alle Erfahrungen in Bezug zu meinem Bedürfnis nach Erklärung und Erleuchtung zu setzen. Danach, nach dem Ziel „Höchste Erkenntnis“ bzw. „Wahrheitsfindung“, habe ich sie bewertet und absortiert; auf diese Weise wurden alle Erfahrungen und Erlebnisse (innen wie außen) zu Futter und Brennmaterial für das Streben nach Erkenntnis, nach Erleuchtung. Auf deutsch: sie wurden einem Konzept untergeordnet, und passend gemacht, wenn sie dem Konzept widersprachen. Ich hätte eher die Erfahrungen bezweifelt als das Konzept.

Und heute? Die Konzepte haben ausgedient, die Erfahrungen bleiben. Das ist häufig unangenehm und verwirrend. Wenn man von der Empfindung von galaktischer Sinn- und Aussichtslosigkeit, von bodenloser schwärzester Irrelevanz ALLER Erscheinungen und Phänomene niedergedrückt wird und keine Erklärung spiritueller, psychologischer, religiöser oder anderer konzeptioneller Art dafür hat, manifestiert sich die ganze Wucht dieses Zustandes im Gemüt. Darauf hab ich keinerlei Antwort, keinen Trick, keine Methode, keinen Rat, nichts.

Diese Empfindung scheint jedoch so etwas zu sein wie die andere Seite der Empfindung mysteriöser und kaum zu glaubender Schönheit, die sich an anderer Stelle einstellt. Möglicherweise muss man sich als Inhaber eines menschlichen Körper-Geist-Organismus daran gewöhnen, dass dies eben der Stand der Dinge, die Lage der Nation, die Conditio humana bzw. der Henkel des Bechers ist. Damit leben muss man (also ich) ja sowieso, ob man (also ich) will oder nicht.

Marxisten kämen mir jetzt vermutlich mit „Dialektik, mein Junge, Dialektik!“, Esoteriker mit dem Verweis auf das tiefe dunkle Tal, das auf dem Weg zum Licht zu durchschreiten ist. Am Ende haben sie alle recht und am allerletzten Ende sind auch das alles nur Konzepte, mit denen sich der Verstand abmüht. Oder grämt, oder frustriert, oder unterhält, je nachdem. Der Abgrund ultimativer Sinnlosigkeit lauert an jeder Ecke und hinter jedem Grashalm und umgibt einen auf einmal wie ein kalter Windhauch, der eben noch nicht da war. Und während man noch schauert und sich eventuell selbst bedauert, wird man ebenso unerwartet der gloriosen Schönheit und der zerbrechlichen Harmonie der lebendigen Natur gewahr, die man für eine SEHR kurze Weile das Privileg hat, mit ansehen zu dürfen.

„Soon we all will die.“

Letzte Vorbereitungen für den Tag der Republik

Während die BRD-Imperialisten, im Volk verhaßt und vor ihm geschützt, ihren Annexionstag am 03. Oktober abhalten, begehen wir vier Tage später den richtigen Nationalfeiertag, unseren Tag der Republik! 

Die staatlichen Organe und gesellschaftlichen Organisationen möchten anlässlich dieses Feiertages die Bürger daran erinnern, die Fahne der Arbeiter- und Bauernmacht dem Ereignis angemessen in einen tadellosen und würdigen Zustand zu bringen! 

Auch im 76. Jahr unserer sozialistischen Heimat heißt es unverändert: 

„Unter dem Banner von Karl Marx für Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt!“

Im Anschluß an die Feierlichkeiten gibt es Fettbemme für alle!

From Here to Here: Von der Höhlenmalerei zum iPad Pro

Von den ersten Höhlenmalereien zu iPad Pro und Apple Pencil – die knapp fünfzigtausend Jahre, die dazwischen liegen, sind ein Wimpernschlag in der Geschichte der Spezies. Erst recht in der des Planeten, auf dem die Spezies sich entwickelt hat. Die Empfindungen des Frühmenschen, wenn er mit Ocker, Eisenoxid und Holzkohle Dinge aus seiner inneren und äußeren Erfahrungswelt auf Felswände aufbrachte, dürften nicht viel anders gewesen sein als die des homo sapiens sapiens des 21. Jahrhunderts, der dasselbe mit der Technologie von heute macht.

Lebte der Frühmensch in einer Art Urkommunismus? Gab es Eigentum an „Produktionsmitteln“? Und was sollten diese gewesen sein, außer den gemeinschaftlichen Vorräten, Behausungen usw., die die damaligen Menschen zum Überleben brauchten? Es gab keine Klassen, keinen Staat, es gab keine Produktivkräfte, die Privateigentum und damit eine Klassengesellschaft hervorbringen konnten.

In der kurzen Zeitspanne eines menschlichen Lebens ist es selten, dass das individuelle Denken die Gelegenheit ergreift, sich über den engen Rahmen der unmittelbaren (Über-)Lebensverhältnisse der Konkurrenzgesellschaft zu erheben. Der Verstand ist fast immerzu mehr damit beschäftigt, die zahlreichen Herausforderungen der Anpassung an die menschengemachten Verhältnissen zu meistern, als dass er Muße hat, die menschliche Existenz, vor allem aber die der Spezies als solche, in ihrer Entwicklung über die Jahrtausende zu betrachten. Solche Betrachtungen gelten als sinnlose Zeitverschwendung, als ergebnislose philosophische Nabelschau von Leuten, die zu viel Zeit oder zu viel Geld haben, oder am besten gleich beides. Dabei ist die Neugierde, die zu solchen Überlegungen führt, ein wesentliches Element der Spezies. Ohne sie würden wir vermutlich noch in den Bäumen sitzen oder wären schon ausgestorben.

Die humanoide Sorte Säugetier, die sich gerne als Krone der Schöpfung sieht, ist nicht der Abschluss der Evolution – weder als Spezies noch als Individuum. Warum sollte sie das auch sein? Was Jahrmillionen gedauert hat, um vom behaarten Steppenbewohner, der es mal mit dem aufrechten Gang probiert, beim internetgeprägten Zivilisationsbürger anzugelangen, soll ausgerechnet jetzt, als von der eigenen Auslöschung bedrohter „Menschenaffe mit Atombomben“ evolutionsmäßig zum Stillstand gekommen sein und den Abschluss der biologischen und mentalen Entwicklung der Art darstellen? Sowas gibt’s nicht in der Biologie und in den Naturwissenschaften. Erst recht nicht in den Gesellschaftswissenschaften, die genau die Entwicklungen und Veränderungen untersuchen, die Individuen als Kollektiv durchlaufen.

Dennoch wird – jedenfalls in dem kleiner werdenden Teil der Menschheit, der mental und ideologisch noch von der fünfhundertjährigen westlichen Dominanz bestimmt wird – in der Regel so getan, als wäre der heutige Kapitalismus der endgültige Ausdruck menschlichen Lebens auf diesem Planeten. Diese Ignoranz werden zukünftige Generationen einmal mit leichtem Amüsement verwundert belächeln und sie als Ausdruck einer vor-zivilisatorischen Etappe der Menschheitsgeschichte einordnen, ähnlich wie wir heute die Stammesgruppen des Paläolithikums als Vorstufe der entwickelten technologisch Phase der Spezies betrachten.

Eines fernen oder vielleicht nicht allzu fernen Tages wird die gesellschaftliche Reproduktion der menschlichen Gesellschaften auf dem dritten Planeten nicht mehr von „zivilisierter Barbarei“, also von Privateigentum an Produktionsmitteln und der daraus resultierenden, von Konkurrenz und Ausbeutung geprägten, Überlebenskämpfe bestimmt sein.

Eines Tages wird eine regional organisierte, aber global funktionierende vernünftige Organisation des gemeinsamen Überlebens auf der begrenzten Ressource Erde den Alltag und das Zusammenleben der Spezies bestimmen. Eine geplante Ökonomie, die Raum lässt für individuelle Kreativität auch in unternehmerischer Hinsicht, wird nicht bloß utopische Träumerei weltfremder Idealisten sein, sondern Notwendigkeit und Erfordernis einer Spezies, die – wenn sie nicht den Schritt heraus aus der privatwirtschaftlich organisierten Frühphase der menschlichen Gesellschaft tut – die eigenen Überlebensgrundlagen zerstört.

Dass das kein Wunschtraum bleibt, sondern praktische Schritte in diese Richtung unternommen werden können – das ist das Anliegen der Kommunisten.

Das bessere Deutschland

Eines Tages machen wir dieses Land wieder zu einer Heimat für alle.
Oder wenigstens für die Mehrheit.

Für die, die den gesellschaftlichen Reichtum schaffen, deren Hände und Köpfe Arbeit alles erzeugt, was in einer Gesellschaft benötigt wird. Für die, die in der jetzigen BRD Verfügungsmasse, variabler Kostenfaktor und „abhängig Beschäftigte“ sind. Für diejenigen, die eines ganz sicher NICHT sind: die Eigentümer der Produktionsmittel.

Dieser Zustand gehört geändert. Auch wenn‘s noch Jahrzehnte dauert, vielleicht Jahrhunderte. Die menschliche Intelligenz lässt sich – das ist meine Hoffnung gegen alle Hoffnung – auf Dauer nicht mit der kapitalistischen Idiotie abspeisen. Eine vernünftige, bedarfsorientierte Planwirtschaft, die allen ein anständiges Leben möglich macht, wird die vom privaten Bereicherungsimpuls angetriebene Form der gesellschaftlichen Reproduktion ablösen.

Erst dann können wir wieder sagen: Das ist unsere Heimat, das ist unser Staat.